• Veröffentlichungsdatum: 11.09.2017

  • 14 Min -
  • 2724 Wörter

Sport im Bundesheer

Gerold Keusch

(Foto: Bundesheer/Gerhard Hammler)
(Foto: Bundesheer/Gerhard Hammler)

Die körperliche Leistungsfähigkeit ist die Grundlage, um im Einsatz zu bestehen. Kraft und Ausdauer, aber auch Schnelligkeit, Beweglichkeit und Gewandtheit bilden neben dem Beherrschen des militärischen Handwerks die Basis für die Einsatzbereitschaft des Soldaten. Der Sport im Bundesheer verfolgt das Ziel, die körperliche Leistungsfähigkeit des Soldaten schrittweise und zielgerichtet zu entwickeln und ihn fit zu machen für den Einsatz.

Der Artikel thematisiert die Bedeutung der Körperausbildung im Österreichischen Bundesheer (ÖBH) vor dem Hintergrund allgemeiner Überlegungen hinsichtlich der militärischen Aufgabenerfüllung und der körperlichen Anforderungen, die an einen Soldaten gestellt werden. Darauf aufbauend werden die Grundsätze für eine zielorientierte Körperausbildung erörtert und die Organisation des Heeressportes in ihren Grundzügen skizziert. Der Artikel versteht sich als Beitrag, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Körperausbildung zu schaffen und dient als Einleitung einer Online-Artikelserie zum Sport im Bundesheer.

Grundsätzliche Überlegungen

Die Hindernisbahn verbindet die Körperausbildung und grundsätzlichen Anforderungen an einem Soldaten im Gefecht. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Die Hindernisbahn ist ein "Bindeglied" zwischen der Körperausbildung und dem Gefechtsdienst. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Ein Soldat wird ausgebildet, um im Einsatz zu bestehen - das bedeutet in letzter Konsequenz, um zu kämpfen. Der § 2 des Wehrgesetzes führt hierzu im Absatz 1 aus, dass dem Bundesheer unter anderem die militärische Landesverteidigung obliegt. Der Absatz 2 präzisiert diese Aussage, indem er zur Sicherstellung der Aufgabenerfüllung festlegt, dass dazu eine allgemeine und eine unmittelbare Einsatzvorbereitung durchzuführen sind, damit militärisch notwendige Maßnahmen auch tatsächlich erfüllt werden können. 

Die allgemeine Einsatzvorbereitung wird im Absatz 3 näher beleuchtet. Sie soll alle personellen und materiellen Voraussetzungen, die für eine unverzügliche und wirksame Durchführung eines Einsatzes erforderlich sind, sicherstellen. Dabei wird die gesamte militärische Ausbildung benannt, die der Vermittlung jener Fähigkeiten und Fertigkeiten dient, die der Soldat im Einsatz beherrschen muss. 

Grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten sind neben dem militärischen Dienstbetrieb vor allem der Gefechtsdienst, der Waffen- und Schießdienst sowie die Ausbildung des Soldaten in seiner Funktion. Dabei stehen neben kognitiven (Wissen) und affektiven (Wollen) vor allem die psychomotorischen Fähigkeiten (Können) im Fokus. Schließlich ist die militärische Ausbildung für das Gefecht vor allem praktischer Natur. Das bedingt eine körperliche Grundkondition und eine zielorientierte Steigerung der allgemeinen und spezifischen körperlichen Leistungsfähigkeit. 

Körperliche Anforderungen an den Soldaten

Die Anforderungen an einen Soldaten leiten sich von dessen Tätigkeit im Einsatz, unabhängig von Geschlecht und Alter, ab. Diese sind in allgemeine und spezifische Anforderungen zu unterteilen. Allgemeine Anforderungen gelten grundsätzlich für alle Soldaten, die speziellen sind an die Funktion gebunden. Ein Gebirgsjäger wird beispielsweise körperlich fitter sein müssen als ein Soldat, der Wachaufgaben übernimmt. Ein Pionier wird öfter schwere Lasten heben und tragen als ein Jäger, der wiederum in der Lage sein muss, weite Distanzen mit Gepäck und Bewaffnung zurückzulegen. Eines haben jedoch alle Funktionen gemeinsam: Eine Basisfitness muss bei den Soldaten vorhanden sein. Nur so können die körperlichen Belastungen des Einsatzes, aber auch der Ausbildung bewältigt werden. 

Der Sport im Heer dient nicht dem Selbstzweck. Er ist eine Zubringerleistung, die sicherstellt, dass Soldaten ihre Aufgaben erfüllen können. Dazu gelten im Bundesheer körperliche Limits. Diese markieren die untere Grenze hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und definieren demnach die Mindestanforderung. Sie sind geschlechts- und altersspezifisch formuliert, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass die Einsatzerfordernisse keine Rücksicht auf Alter und Geschlecht nehmen.  

Ein Heeressportler beim Scharfschießen während eines Wettkampfes. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Ein Heeressportler beim Scharfschießen während eines Wettkampfes. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Das Training für den Einsatz ist körperlich anstrengend und erfordert Fitness. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Das Training für den Einsatz ist körperlich anstrengend und erfordert Fitness. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Gefechtsdienst

In der allgemeinen Gefechtsausbildung werden jedem Soldaten die Grundfertigkeiten vermittelt, um auf dem Gefechtsfeld bestehen zu können. Dabei ist er vor allem körperlich gefordert, da diese Ausbildung praktisch und in der Gefechtsadjustierung durchgeführt wird. Das bedeutet, die Auszubildenden tragen Helm, Waffe, Gepäck und sonstige Ausrüstung. Sie bewegen sich zu Fuß, wobei sie nicht nur gehen, sondern auch laufen, kriechen oder robben. All das sind körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten, die eine gute Kondition voraussetzen, und umso leichter zu absolvieren sind, desto fitter man ist.

Waffen- und Schießdienst

Die praktische Handhabung einer Waffe setzt Geschick und eine gewisse Merkfähigkeit voraus. Die Anschlagsarten, Ladegriffe oder der Magazinwechsel sind Tätigkeiten, die in der Anlernstufe noch keine besondere körperliche Fitness benötigen. Anders sieht es in der Festigungs- und in der Anwendungsstufe aus. Dort werden die Abläufe drillmäßig geschult und in Gefechtssituationen verpackt, die körperlich belastend sind. Darüber hinaus kann auch eine „leichte“ Waffe, wie das Sturmgewehr 77 mit einem Gewicht von 4,1 kg (inklusive Munition), während der Ausbildung - beispielsweise bei den Anschlagsarten - „schwer“ werden. Auch hier gilt: Umso körperlich leistungsfähiger der Soldat ist, desto leichter kann er die Ausbildung absolvieren.

Ausbildung in der Funktion

Wie bereits erwähnt, haben alle praktischen Ausbildungsinhalte eines gemeinsam: Sie erfordern ein Mindestmaß an körperlicher Fitness. Egal ob es sich um den Gefechtsdienst bei der Infanterie handelt, den Brückenbau bei der Pioniertruppe oder das Hantieren mit etwa 50 kg schweren Granaten bei einem Munitionstrupp der Artillerie. Alle diese Tätigkeiten sind körperlich fordernd und ermüden die Muskulatur. 

Es muss aber nicht immer eine objektiv anstrengende Tätigkeit sein, die sich mit einer guten physischen Kondition leichter bewerkstelligen lässt. Selbst das Exerzieren bei dem man „nur“ steht, ermüdet und ist wesentlich anstrengender, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Wenn dann noch Hitze oder Kälte auf den Soldaten einwirken, kommt eine zusätzliche Komponente ins Spiel, die mit einer guten Kondition leichter zu bewältigen ist. 

Zwei Soldaten beim Gefechtsdienst. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Zwei Soldaten beim Gefechtsdienst. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Ein Heeressportler auf der Hindernisbahn. (Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)
Ein Heeressportler auf der Hindernisbahn. (Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)

Körperliche Belastung am Beispiel eines Spähtrupps

Eine typische Aufgabe für einen Soldaten ist der Spähtrupp. Dabei hat der Soldat einen gesicherten Fußmarsch im Gelände zum Aufklärungsziel mit Gepäck, Waffe und Munition zu absolvieren. Je nach Lage und Auftrag trägt er mindestens 10 kg und marschiert fünf bis zehn Kilometer in eine Richtung. Am Aufklärungsziel angekommen, ist das Gelände für mindestens zwei Stunden zu beobachten und danach die gleiche Entfernung in die andere Richtung zurückzulegen.

Aus dem konkreten Auftrag, einen Spähtrupp durchführen zu können, leitet sich die körperliche Leistungsfähigkeit eines Soldaten hierzu ab. Er muss mindestens 10 km mit Ausrüstung und Bewaffnung - die mindestens 10 kg wiegt - marschieren können und am Aufklärungsziel körperlich so fit sein, um beobachten und den gleichen Weg mit dem gleichen Gepäck zurückmarschieren zu können. Das ist die Mindestanforderung. Schließlich ist ein Spähtrupp kein bewaffneter Spaziergang, sondern ein „Gefechtsmarsch“, der die Anwendung von Gefechtsformen und Bewegungsarten bedingt. Unter Umständen muss während eines Spähtrupps auch gekämpft werden. Dann müssen die Soldaten körperlich in der Lage sein, die Waffe gezielt einzusetzen, aber auch einen verwundeten Kameraden abtransportieren zu können. 

Die Körperausbildung hat die nötigen allgemeinen konditionellen Grundlagen bereitzustellen, damit diese konkrete Gefechtsaufgabe erfüllt werden kann. Das kann mit einem kombinierten Kraft- und Ausdauertraining, wie dem militärischen Grundlagentraining, sichergestellt werden. 

Die Körperausbildung ist eine Zubringerleistung, die den Soldaten fit macht für den Einsatz. (Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)
Die Körperausbildung ist eine Zubringerleistung, die den Soldaten fit macht für den Einsatz. (Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)
Der militärische Fünfkampf besteht aus den Disziplinen: Hindernisbahn, Schießen, Handgranatenwerfen, Schwimmen und Laufen. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Der militärische Fünfkampf besteht aus den Disziplinen: Hindernisbahn, Schießen, Handgranatenwerfen, Schwimmen und Laufen. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Beim militärischen Fünfkampf werden Fertigkeiten trainiert, die auch auf dem Gefechtsfeld über Sieg und Niederlage entscheiden können. (Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)
Beim militärischen Fünfkampf werden Fertigkeiten trainiert, die auch auf dem Gefechtsfeld über Sieg und Niederlage entscheiden können. (Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)

Schritt für Schritt zur Kondition

Unter dem Begriff „Kondition“ fasst man den körperlichen Zustand einer Person hinsichtlich ihrer Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Gewandtheit zusammen. Eine gute Kondition bedeutet demnach, dass alle angeführten Komponenten innerhalb eines qualitativ messbaren und definierten Niveaus liegen. 

Jeder Mensch hat eine genetische Veranlagung, die ihm „in die Wiege gelegt“ wurde und die sich von Person zu Person unterscheidet. Diese individuelle Veranlagung wird auch als Talent bezeichnet. Talent alleine ist jedoch nicht ausreichend, um körperliche Leistungen erbringen zu können, und kann das praktische Training nicht ersetzen. Dieses sollte einem Muster folgen und gemäß den Grundsätzen der Trainingslehre organisiert sein. Die Trainingslehre ist eine komplexe wissenschaftliche Materie, wenn sie das Ziel hat, Spitzenleistungen im Leistungssport zu erbringen. Hinsichtlich der Basis- und Einsatzfitness sind jedoch nur wenige Grundsätze entscheidend, wie:

  • zielorientiertes Training,
  • schrittweise Steigerung,
  • Abwechslung von Belastung und Erholung sowie
  • angepasste Trainingsreize. 

Zielorientiertes Training

Wer Sport betreibt, verfolgt damit ein Ziel. Ob es sich dabei um das Wohlbefinden handelt, um soziale Aspekte, das Verlieren oder Zunehmen von Köpergewicht oder darum, eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit zurückzulegen. All das sind Trainingsziele, die mehr oder weniger konkret formuliert und messbar sind. 

Die Körperausbildung beim ÖBH verfolgt primär ein anderes Ziel. Im Fokus steht der Einsatz. Das Ziel der Körperausbildung ist es, den Soldaten fit zu machen, damit er die praktischen Inhalte der Ausbildung ausführen und im Einsatz bestehen kann. Als adäquates Trainingsziel eignen sich die körperlichen Limits der „Eignungsprüfung Allgemeine Kondition“ hinsichtlich der Basisfitness, wobei man sich hier an dem Limit für die überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit orientieren sollte und nicht an der Untergrenze. Darüber hinaus steht es jedem Ausbildungsleiter frei, spezielle Trainingsziele zu formulieren, falls ein Soldat die geforderten Limits bereits erbringt. Ob es sich um eine schnellere Zeit auf den 2 400 m, um eine größere Zahl von Liegestützen oder um ein anderes Ziel handelt, spielt hier keine Rolle. Entscheidend ist es, ein Ziel zu formulieren, das mit der allgemeinen oder der spezifischen Leistungsfähigkeit des Soldaten aufgrund seiner Funktion zusammenhängt. 

(Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)
(Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)

Schrittweise Steigerung

„Vom Leichten zum Schweren“ oder „vom Bekannten zum Unbekannten“ lauten zwei wesentliche Grundsätze der (militärischen) Ausbildung. Diese gelten nicht nur für den Waffen- und Schießdienst oder den Gefechtsdienst, sondern auch für die allgemeine Körperausbildung. Ein aufbauendes und auf die individuelle Leistungsfähigkeit angepasstes Training ist hier das Ziel und im Sport mitunter einfacher in der Praxis umzusetzen bzw. zu messen als in anderen Bereichen. 

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dieser Grundsatz, dass das Training planmäßig organisiert ist und die Belastungen hinsichtlich Dauer und Intensität gesteigert werden. Beispielsweise wird der Hauptlauf beim Grundlagentraining alle zwei Wochen um eine gewisse Distanz verlängert oder bei gleicher Distanz mit einer höheren Geschwindigkeit absolviert. Um die Leistungsfähigkeit steigern zu können, muss das Training regelmäßig durchgeführt werden. Das lässt sich beispielsweise so organisieren, dass jeden Montag, Mittwoch und Freitag Sport auf dem Dienstplan steht. Darüber hinaus sollte der Sport in Leistungsgruppen organisiert werden, damit die Unterschiede der Auszubildenden berücksichtigt werden können.

Abwechslung von Belastung und Erholung 

Ein zielorientiertes Training ist ein Wechselspiel von Belastungs- und Erholungsphasen. Bei der Belastung - einem Lauf oder einem Krafttraining - wird die Muskulatur gereizt. Das hat zur Folge, dass beim Stemmen eines Gewichtes beim ersten Satz (Anordnung von Wiederholungen einer Übung zwischen zwei Pausen) eines Krafttrainings beispielsweise 20 Wiederholungen bis zum Muskelversagen absolviert werden können, beim zweiten jedoch nur mehr 18. Das ist auf die Ermüdung der Muskulatur zurückzuführen, und die planmäßige Ermüdung in einem vorher festgelegten Umfang ist auch ein Ziel des Trainings. 

Die Steigerung der Leistung erfolgt nicht im Training, sondern während der Regeneration. Dabei stellt der Körper nicht nur das Leistungsniveau wieder her, vielmehr passt er sich aufgrund des Trainingsreizes an, indem er dieses Niveau steigert. Diese Steigerung ist nur minimal, und sie hält auch nur kurz an. Wenn kein neuerlicher Trainingsreiz zum richtigen Zeitpunkt gesetzt wird, verpufft dieser Effekt, und das Fitness-Niveau bleibt de facto gleich. 

(Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)
(Foto: Bundesheer/Helmut Kreimel)

Angepasste Trainingsreize

Damit das Prinzip von Be- und Entlastung optimal verfolgt werden kann, muss ein Trainingsreiz so gesetzt werden, dass er eine körperliche Anpassung bewirkt. Dazu ist das persönliche Leistungsniveau entscheidend. Ein Untrainierter wird unter Umständen schon nach einem Spaziergang von wenigen Kilometern am nächsten Tag einen Muskelkater spüren, ein Marathonläufer hingegen 30 Kilometer laufen müssen, um am nächsten Tag „schwere Beine“ zu haben. 

Ein angepasster Trainingsreiz unterscheidet sich demnach von Person zu Person. Häufig lässt sich erst im Nachhinein, beispielsweise durch einen Muskelkater, feststellen, dass dieser zu intensiv war. Als Grundsatz kann hier gelten, dass man, von einem relativ geringen Reiz ausgehend, eine schrittweise Steigerung vornimmt. Die Intensität eines Reizes lässt sich im Ausdauersport beispielsweise durch die Herzfrequenz bestimmen, beim Kraftsport durch die Anzahl der Wiederholungen einer Übung mit einem bestimmten Gewicht.

Leistungssteigerung beim Liegestütz

Praktisches Beispiel für die Leistungssteigerung bei der Kraftübung Liegestütz unter Berücksichtigung der Grundsätze zielorientiertes Training, schrittweise Steigerung, Abwechslung von Belastung und Erholung und angepasste Trainingsreize: Am Montag, Mittwoch und Freitag werden jeweils vier Sätze Liegestütz absolviert. Bei jedem Satz werden so viele Wiederholungen ausgeführt, bis man den Körper nicht mehr vom Boden heben kann. Nach einer Pause von drei Minuten wird der nächste Satz absolviert. An den restlichen Tagen - Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag - findet kein Liegestütztraining statt. In dieser Zeit erholt sich der Körper und passt sich auf ein höheres Leistungsniveau in der Disziplin Liegestütz an. 

Obwohl ein Wettkampf im Sport andere Ziele verfolgt als ein militärischer Einsatz, erfolgt die Vorbereitung dafür nach ähnlichen Prinzipien. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Obwohl ein Wettkampf im Sport andere Ziele verfolgt als ein militärischer Einsatz, erfolgt die Vorbereitung dafür nach ähnlichen Prinzipien. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Regelmäßiges, zielorentiertes Training und eine geplante Belastungssteigerung bereiten den Sportler auf den Wettkampf und den Soldaten auf den Einsatz vor. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Regelmäßiges, zielorentiertes Training und eine geplante Belastungssteigerung bereiten den Sportler auf den Wettkampf und den Soldaten auf den Einsatz vor. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Organisation des Heeressportes

Wer fit werden möchte oder als Ausbilder den Auftrag hat, seine Untergebenen fit zu machen, benötigt dazu Unterstützung. Um diese zu gewährleisten, gibt es das Heeressportzentrum. Dieses ist unter anderem für die Sportausbildung im Bundesheer, die Erarbeitung von sportwissenschaftlichen Grundlagen sowie für die Förderung des Leistungssportes vor allem bei militärischen Sportarten zuständig. Das Heeressportzentrum ist somit jene Stelle, die die Aspekte Sport, Wissenschaft und Militär zusammenführt und verbindet, aber auch erweitert und ergänzt. Darüber hinaus ist es ein Träger der Öffentlichkeitsarbeit, das die Erfolge und Leistungen von Heeressportlern darstellt sowie Lehr- und Lernunterlagen und Broschüren zum Thema Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Sport publiziert. Das zuständige Fachorgan für Körperausbildung im Verteidigungsministerium ist das Referat 5 in der Ausbildungsabteilung A der Gruppe Ausbildungswesen und Leitung.

Sportausbildung im Bundesheer

Eine qualitativ hochwertige und zielgerichtete Sportausbildung hat sich an der wissenschaftlichen Trainingslehre zu orientieren. Daraus leitet sich ein wesentlicher Aufgabenbereich der Organisation des Heeressportes ab: Die Ausbildung des qualifizierten Fachpersonals. Das sind jene Personen, die den Sport in den Einheiten planen, steuern und praktisch durchführen und darüber hinaus als Berater zur Verfügung stehen. 

Grundsätzlich gibt es drei Qualifikationsstufen für das Ausbildungspersonal der Körperausbildung: den Übungsleiter, den Lehrwart und den Trainer. Zum Übungsleiter werden alle Kadersoldaten während ihrer Laufbahnkurse zum Unteroffizier oder Offizier ausgebildet. Dabei wird ein allgemeines Verständnis von Trainingslehre und vom Aufbau einer Trainingseinheit vermittelt. Die Ausbildung erfolgt ausschließlich intern durch Lehroffiziere und Lehrunteroffiziere an der Heeresunteroffiziersakademie oder an der Theresianischen Militärakademie. Die Ausbildung der Lehrwarte und der Trainer erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bundessportakademie und beinhaltet, neben spezifisch-militärischen Komponenten auch eine breite allgemeine Ausbildung. Sowohl der Lehrwart als auch der Trainer sind zivil anerkannte Qualifikationen und schließen mit einer staatlichen Prüfung ab. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, die Ausbildung zum Sportlehrer - als vierte Qualifikationsstufe - zu absolvieren. Diese Ausbildung ist jedoch nur für spezielle Funktionen vorgesehen.

Sportwissenschaftliche Grundlagen

Die Vermittlung des Wissens hinsichtlich der Körperausbildung erfordert eine theoretische Grundlage. Diese wird im Heeressportzentrum vom Heeres-Sportwissenschaftlichen Dienst erarbeitet und zur Verfügung gestellt. Hier beschäftigen sich Sportwissenschafter einerseits mit allgemeinen Aspekten der Körperausbildung und andererseits mit jenen Aspekten, die für den Dienst bzw. den Einsatz des Soldaten relevant sind. Beispiele für Projekte und Studien in diesem Bereich sind Belastungsanalysen, anhand derer Anforderungsprofile für spezielle Funktionen (Gebirgssoldaten, Kampfmittelbeseitiger etc.) definiert werden. Diese dienen auch als Grundlage für die Entwicklung von Trainingsmodellen zur Verbesserung bzw. Erhaltung der körperlichen Fitness. Darüber hinaus ist der Heeres-Sportwissenschaftliche Dienst maßgeblich beim Planen, Erstellen und Evaluieren von Dienstvorschriften für die Körperausbildung beteiligt. 

Viele Sportarten haben einen militärischen Ursprung und lassen sich aus traditionellen soldatischen Fähigkeiten ableiten. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Viele Sportarten haben einen militärischen Ursprung und lassen sich aus traditionellen soldatischen Fähigkeiten ableiten. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Leistungssport

Viele Sportarten haben einen militärischen Ursprung. Bogenschießen, Boxen, Fechten, Ringen, Reiten oder Schießen - sie alle leiten sich aus traditionellen soldatischen Fähigkeiten ab. Am stärksten wird die militärische DNA des Sportes im Biathlon, dem Modernen Fünfkampf und im Schießsport sichtbar. Biathlon besteht aus den Disziplinen Langlauf und Schießen - der Moderne Fünfkampf aus Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und Geländelauf. Es ist demnach kein Zufall, dass diese Sportarten vor allem von Angehörigen des Militärs betrieben wurden und werden.

Diese Sportarten zeigen auch eine Idee, die schon immer hinter internationalen Sportbewerben gestanden ist: Der Vergleich von Sportlern, die eigentlich Soldaten sind, in jenen Disziplinen, die militärische Kernfähigkeiten verknüpfen und abbilden. Das lässt den Schluss zu, dass internationale Wettkämpfe eine verdeckte Methode darstell(t)en, um Soldaten und somit Armeen zu vergleichen. Über den Umweg des „besten Sportlers“ kann festgestellt werden, wer über die „besten Soldaten“ verfügt. Daraus kann wiederum der Schluss gezogen werden, welche Armee in der Lage ist, die „besten“ Soldaten/Sportler zu trainieren, bzw. über die besten Methoden der Leistungssteigerung verfügt. 

Der militärische Hintergrund des Sportes zeigt sich auch im internationalen Militärsportverband CISM (Conseil International du Sport Militaire). Dieser ist neben dem Internationalen Olympischen Komitee der größte Sportverband der Welt. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, militärische Sportarten zu fördern und internationale Wettkämpfe auszutragen. Österreichische Sportler, die Angehörige des Bundesheeres sind, erreichen dabei regelmäßig Spitzenpositionen. Vor allem die Schützen sind Garanten für einen Platz am Siegerpodest, die viele Titel in Einzel- und Mannschaftsbewerben vorweisen können.

Der Leistungssport im ÖBH dient nicht dem Selbstzweck. Die Erkenntnisse, die im Leistungssport gewonnen werden, erhöhen das Wissen hinsichtlich der Trainingslehre. Dieses Wissen wird vom Heeres-Sportwissenschaftlichen Dienst bearbeitet und fließt in einer adaptierten Form in die Vorschriften für die Körperausbildung des ÖBH ein. Diese bilden wiederum die Grundlage für die Gestaltung der Körperausbildung, womit sich der Kreis hinsichtlich der Kompetenzenverschränkung des Heeresportzentrums schließt.

Themenschwerpunkt Sport im Bundesheer

Das Ziel des Themenschwerpunktes Sport im Bundesheer ist es, die verschiedenen Bereiche und Aspekte der Körperausbildung im ÖBH darzustellen. Dazu wird der Zweck des Sportes vor allem vor dem Hintergrund der Auftragserfüllung des Soldaten in der Ausbildung und im Einsatz beleuchtet. Der Themenschwerpunkt soll aber auch Tipps zur Steigerung der persönlichen Fitness geben. Zu diesem Zweck wird erfahrenen Ausbildern, Trainern und Athleten über die Schultern geblickt, und daraus Hinweise für die praktische Gestaltung der Körperausbildung bzw. für das individuelle Training abgeleitet. Die Artikel und Beiträge werden online erscheinen.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST, Bundesheer-Sportausbilder „Trainer“, Ironman und Infanterie-Zugskommandant.

(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
 

Ihre Meinung

Meinungen (0)