• Veröffentlichungsdatum: 13.06.2017
  • – Letztes Update: 19.06.2017

  • 4 Min -
  • 706 Wörter

Tipps für die Boxausbildung

Gerold Keusch

(Foto: Sascha Harold)
(Foto: Sascha Harold)

Eine militärische Ausbildung zielorientiert durchzuführen ist eine fordernde Angelegenheit. Der Blick über die Schultern eines erfahrenen Ausbilders hilft, um jene Grundsätze kennenzulernen, damit die eigene Ausbildung gelingt. Diese gelten nicht nur für den Nahkampf. Sie lassen sich auf nahezu alle anderen Themen übertragen.

TRUPPENDIENST hat Vizeleutnant Gerald Pelikan beim Military Light-Contact Boxing begleitet. Bei der praktischen Ausbildung wendet er die folgenden methodisch/didaktischen Grundsätze an, aus denen sich die nachstehenden Tipps ableiten lassen:

  • Ausbildungsthema beherrschen
  • Straffer Ordnungsrahmen
  • Praxis und Theorie
  • Wechsel des Ordnungsrahmens
  • Vormachen, vorzeigen und erklären
  • Kurze und klare Kommandos
  • Fehler sofort abstellen
  • Schrittweises Vorgehen
  • Freiraum schaffen
  • Herz, Hirn, Humor, Härte

Ausbildungsthema beherrschen

Wer das, was er ausbildet und lehrt, beherrscht, wirkt authentisch und kann nahezu jede Frage der Auszubildenden beantworten. Darüber hinaus ist es für einen Ausbilder und Trainer einfacher, adäquate Lernschritte abzuleiten, wenn er weiß, wo die Herausforderungen einer Disziplin liegen.

Straffer Ordnungsrahmen

Ausbildung erfordert Disziplin, und diese beginnt beim Ordnungsrahmen. Gerade bei Themen, die ein gewisses Verletzungsrisiko in sich bergen, ist das entscheidend. Darüber hinaus gibt der Ordnungsrahmen Sicherheit für den Ausbilder und die Auszubildenden.

Praxis und Theorie

Wissen, Können und Wollen sind in jeder Ausbildungseinheit zu schulen. Das Wissen (die Theorie) dient dem Verständnis. Das Können (die Praxis) ist unerlässlich, um Dinge zu beherrschen. In der Ausbildung werden Fähigkeiten und Fertigkeiten für das Gefecht vermittelt, weshalb praktische Übungen im Vordergrund stehen.

Wechsel des Ordnungsrahmens

Um theoretische Anweisungen zu geben, bewährt es sich, die Auszubildenden im Halbkreis zu sammeln. So kann jeder sehen, was der Ausbilder erklärt und auch die Kommunikation wird dadurch erleichtert. Zum praktischen Üben eignet sich die „Linie zu einem oder zwei Gliedern“ mit angepassten Seitenabständen jedoch besser. In dieser Formation sind auch die Tätigkeiten der Soldaten einfacher zu überwachen.

Vormachen, vorzeigen und erklären

Vormachen bedeutet, eine Tätigkeit selbst auszuführen - vorzeigen bedeutet, dass es jemand anderer macht. Wichtig ist, dass dabei ein Bewegungsbild vermittelt wird und die wesentlichen Schritte eines Bewegungsablaufes erklärt werden. Komplexe Inhalte sollten mehrmals und aus mehreren Perspektiven vorgemacht bzw. vorgezeigt und in Einzelschritte unterteilt werden.

Kurze und klare Kommandos

Ein Kommando ist ein Befehl mit feststehendem Wortlaut, der eine relativ lange Anweisung in ein Wort verpackt. Dabei wird ein festgelegter Ablauf mit einem Begriff „codiert“. Das erleichtert die Kommunikation zwischen dem Ausbilder und dem Auszubildenden und vermittelt Sicherheit. Entscheidend ist, dass die Kommandos allen Soldaten bekannt sind und kurz formuliert werden.

Fehler sofort abstellen

Grundsatz: Kommandieren - Kontrollieren - Korrigieren - Konsequenzen. Nachdem ein Kommando erteilt wurde, ist eine etwaige fehlerhafte Ausführung sofort abzustellen. Dazu ist der Fehler in einer adäquaten Form anzusprechen und auszubessern. Eine Konsequenz kann die Wiederholung einer fehlerhaften Ausführung sein, aber auch ein Schritt zurück. Wichtig: Bei der Fehlersuche sollte der Kommandant immer bei sich selbst beginnen und sich die Frage stellen, ob er die Lernschritte aufbauend und verständlich gesetzt hat.

Schrittweises Vorgehen

„Vom Bekannten zum Unbekannten“ und „vom Leichten zum Schweren“ - wer Lernschritte aufbauend in „Häppchen“ serviert, kann auch komplexe Tätigkeiten und Abläufe vermitteln. Wenn ein Schritt sitzt, kann der nächste begonnen werden. Ein Ausbilder sollte sich jedoch nicht scheuen, einen Schritt „zurückzugehen“ und den Schritt davor noch einmal zu üben, falls dies notwendig ist.

Freiraum schaffen

Ein straffer Ordnungsrahmen und Disziplin ermöglichen es dem Ausbilder Raum für Bewegungserfahrung zu geben. Viele Abläufe lassen sich einfacher in der Selbsterfahrung schulen, als im „strengen“ Ordnungsrahmen. Das gilt jedoch nur für kurze Sequenzen, nachdem die Grundzüge der Bewegung bekannt sind und wenn der Ausbilder daneben steht und ausbessert.

Herz, Hirn, Humor, Härte

Ein Ausbilder der planmäßig (Hirn) vorgeht und eine Ausbildung organisiert, drückt damit gegenüber seinen Untergebenen und Kameraden Wertschätzung (Herz) aus. Neben der Ernsthaftigkeit der militärischen Ausbildung, die körperlich fordernd ist (Härte), darf aber auch der „Schmäh“ (Humor) nicht zu kurz kommen. Er sollte sich allerdings aus der Situation ergeben und immer wertschätzend formuliert sein.

Steckbrief

Vizeleutnant Gerald Pelikan ist 1986 eingerückt und war in weiterer Folge Kommandant eines Aufklärungszuges der 9. Panzergrenadierbrigade und Lehrunteroffizier für Aufklärung. Seit 1997 ist Pelikan als Nahkampfausbilder bzw. Nahkampftrainer für die Ausbildung von Kadersoldaten in diesem Bereich zuständig. In seiner aktuellen Funktion als Lehrunteroffizier beim Heeressportzentrum hat er das „Military Light-Contact Boxing“ entwickelt und etabliert. Pelikan ist seit 1983 Amateurboxer und darüber hinaus staatlich geprüfter Trainer für allgemeine Körperausbildung und Boxen.

Military Light-Contact Boxing

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

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