• Veröffentlichungsdatum: 05.04.2018

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Freigeist zwischen Schießplatz und Museum

Gerold Keusch

(Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
(Foto: Bundesheer/Martin Hörl)

Offiziersstellvertreter Josef Hatos ist einer der erfolgreichsten Heeressportler. Noch niemand vor ihm konnte in allen drei Schießdiszplinen, den Einzelbewerben Pistole und Sturmgewehr bzw. dem Mannschaftsschießen mit dem Sturmgewehr, Heeresmeister werden. Doch der Schießsport ist nicht die einzige Leidenschaft des Unteroffiziers, der am Truppenübungsplatz Bruckneudorf für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist.

Die Laufbahn von Josef Hatos beim Bundesheer begann im Jahr 1984 in der ehemaligen Bergerkaserne in Neusiedl am See. „Ich hatte eine normale Unteroffizierskarriere. Nach dem Grundwehrdienst habe ich mich verpflichtet, weil mir der Dienst beim Bundesheer gefallen hat. Nach der vorbereitenden Kaderausbildung, der vbK, und den Unteroffizierskursen war ich Pioniergruppenkommandant. 1993 absolvierte ich den Stabsunteroffizierskurs, den Pionier-Fachteil, wurde Pionierzugskommandant und C-Beamter. Einige Jahre später kehrte ich dem Außendienst den Rücken und wurde Nachschubunteroffizier.“

Wechsel auf den Truppenübungsplatz

Der gelernte Pionier Josef Hatos als Wachtmeister mit einer Trichterladung. (Foto: Archiv Hatos)
Der gelernte Pionier Josef Hatos als Wachtmeister mit einer Trichterladung in den 1980ern. (Foto: Archiv Hatos)
Josef Hatos als Wachtmeister bei einem seiner ersten Schießwettkämpfe. (Foto: Archiv Hatos)
Josef Hatos als Wachtmeister bei einem seiner ersten Schießwettkämpfe. (Foto: Archiv Hatos)

Im Jahr 1999 kam Josef Hatos im Zuge einer Umgliederung des Bundesheeres auf den Truppenübungsplatz (TÜPl) Bruckneudorf in die Aufklärungskompanie, wo er ebenfalls als Nachschubunteroffizier seinen Dienst versah. Die klassische und ruhige Karriere des Offiziersstellvertreters endete im Jahr 2005. Im Zuge einer neuerlichen Heeresreform wurde das Stabsbataillon 1 und damit auch seine Kompanie aufgelöst. Hatos musste sich neu orientieren. Da er schon in Bruckneudorf war, dachte er an einen Wechsel in die personelle Organisation des TÜPl. Das gelang ihm, indem er den Arbeitsplatz des Unteroffiziers für Öffentlichkeitsarbeit erhielt. „Dieser Arbeitsplatz war für mich damals die einzige Möglichkeit, um auf den TÜPl zu kommen. Die Tätigkeit war mir nicht so wichtig, und auch der Verdienst war mir egal. Ich wollte nach den vielen Umgliederungen endlich einen fixen Posten. Das war nun möglich.“

Hatos ahnte damals noch nicht, dass sich durch seine neue Aufgabe auch sein Soldatenleben um 180 Grad wenden würde. „Der Dienst in der Öffentlichkeitsarbeit war ab der ersten Stunde aufregend und interessant. Ich war mehr oder weniger ein Freigeist und konnte innerhalb meines Aufgabengebietes frei entscheiden und selbstständig agieren. Wichtig war nur, dass am Ende des Tages das Ergebnis gepasst hat.“  Der Unteroffizier war schon immer ein "aktiver Soldat", der keine Ausbildung und Schulung gescheut hat. In seiner Zeit als Pionier absolvierte er neben den Fach- und Laufbahnkursen verschiedene Zusatzausbildungen, legte alle Führerscheine (mit Ausnahme der Panzerführerscheine) ab und absolvierte unter anderem die Ausbildung zum Heereshochalpinisten, Rettungsschwimmer, Operator am Führungssimulator und wurde ECDL-Trainer.

Unteroffizier für Öffentlichkeitsarbeit

(Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
(Foto: Bundesheer/Sascha Harold)

Die zweite Laufbahn von Josef Hatos ist eng mit seinem Vorgesetzten, dem Kommandanten des Truppenübungsplatzes, Oberst Franz Neuhold, verbunden, der diese Funktion seit 2007 innehat. Das erste gemeinsame Projekt der beiden war der „TÜPl-Wein“. „Wir [der Truppenübungsplatz; Anm.] sind ein Partner der Landwirtschaftskammer Burgenland und der gesamten Gemeinden des Bezirkes Neusiedl, der als Weinregion bekannt ist. Aus diesem Grund haben wir das Projekt ‚TÜPl-Wein’ initiiert, das ein Zeichen für die Verbundenheit zwischen dem Truppenübungsplatz und der Region ist. In dieses Projekt haben alle Beteiligten viel Zeit investiert. Nicht nur im Dienst, sondern auch außerhalb.“  

An der intensiven zeitlichen Belastung hat sich seither nur wenig geändert, was auch damit zusammenhängt, dass gerade in der Öffentlichkeitsarbeit die Grenze zwischen dem Dienst und dem Privatleben nur schwer zu ziehen ist. „Wir haben schon ein mächtiges Programm am TÜPl. Zum Stundenzählen brauche ich nicht zu beginnen.“  Viele Stunden verbringt der Offiziersstellvertreter damit, den Kontakt zu den Partnern und Gemeinden, aber auch zu den Kameraden zu halten. „Wenn ein Gemeindevertreter etwas vom TÜPl braucht, bin ich normalerweise der erste Ansprechpartner. Sie kennen mich und mit vielen Personen habe ich ein jahrelanges und teilweise freundschaftliches Verhältnis. Darüber hinaus weiß ich, wer am TÜPl was macht und wen ich fragen kann, wenn ich etwas brauche.“

Josef Hatos zu Beginn seiner Karriere als Sportschütze 1996 mit dem Sturmgewehr 77. (Foto: Bundesheer/Böhm)
Josef Hatos zu Beginn seiner Karriere als Sportschütze 1996 mit dem Sturmgewehr 77. (Foto: Bundesheer/Böhm)
Josef Hatos zu Beginn seiner Karriere als Pistolenschütze 1996  mit der Pistole 80. (Foto: Bundesheer/Böhm)
Josef Hatos zu Beginn seiner Karriere als Pistolenschütze 1996 mit der Pistole 80. (Foto: Bundesheer/Böhm)

Heeresmeister

Die Öffentlichkeitsarbeit ist nicht die einzige dienstliche Tätigkeit, die Josef Hatos mit Freude und Ehrgeiz verfolgt. Der Offiziersstellvertreter war schon immer ein begeisterter Sportler. Seine Laufbahn im Heeressport begann als junger Unteroffizier im militärischen Fünfkampf, wo er dem burgenländischen Wettkampfkader angehörte. Die Hindernisbahn lief er beispielsweise in 2:52 Minuten und auch bei den anderen Disziplinen dieses Bewerbs war er in den Ergebnislisten vorne zu finden. Der große Erfolg, wie ein Stockerlplatz bei Heeresmeisterschaften, blieb jedoch aus. Vorerst, denn in seiner zweiten sportlichen Laufbahn als Schütze sollte sich das ändern.

Zum Schießsport kam Hatos über Umwege. Nachdem er aufgrund von Problemen mit dem Bewegungsapparat den militärischen Fünfkampf beenden musste, wurde er zum Hobbysportler ohne Wettkampfambitionen. 2006, ein Jahr nachdem er den Arbeitsplatz am TÜPl erhielt, begann er mit dem Heeres-Schießsport. Nach seiner ersten Teilnahme an einer Heeresmeisterschaft wollte er diesen Sport an den Nagel hängen, da er beim Pistolenschießen nur den vorletzten Platz belegte und lediglich 18 von 100 Ringen schoss. Nachdem er von dem Wettkampf enttäuscht zurückgekehrt war, zeigte ihm ein Kamerad ein paar Tricks, mit denen man die Leistung im Pistolenschießen verbessern kann (TD-Artikel Pistolenschieß-Sport im Bundesheer). „Im Jahr darauf erreichte ich den dritten Platz bei der Heeresmeisterschaft im Pistolenschießen. Das war schon ein Wahnsinn, wie gut dieses Training funktioniert hat!“

Josef Hatos nach der Siegerehrung der Heeresmeisterschaft 2017. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Josef Hatos nach der Siegerehrung der Heeresmeisterschaft 2017. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)

Auch mit dem Sturmgewehr klappte der Meistertitel nicht auf Anhieb. „Ich war ein Trainingsweltmeister mit dem Sturmgewehr. Am Dienstag, dem Trainingstag bei Heeresmeisterschaften, schoss ich häufig die höchste Ringanzahl. Am nächsten Tag konnte ich das Niveau aber nicht halten. Drei Jahre ging es mir so. Im vierten Jahr habe ich beim Trainingsschießen den letzten Schuss absichtlich verschossen. Das war die richtige Taktik, denn am nächsten Tag holte ich mir den ersten Meistertitel beim Sturmgewehrschießen mit 196 von 200 möglichen Ringen.“

Die Geduld, das planmäßige und konsequente Training sowie sein Ehrgeiz machten sich für Josef Hatos bezahlt. Drei Schützen - allesamt Burgenländer - konnten bis dato Heeresmeister im Einzelbewerb beim Schießen mit der Pistole und dem Sturmgewehr werden. Nur Hatos gelang es jedoch im Jahr 2017 den Titel des Heeresmeisters mit dem Sturmgewehr in der Mannschaft zu erreichen. Somit ist der Offiziersstellvertreter aktuell der erfolgreichste aktive Schütze des Bundesheeres bei Heeresmeisterschaften. Diese Leistung fand auch außerhalb der Kasernenmauern Anerkennung und Würdigung. 2013, in dem Jahr als er zum ersten Mal die Heeresmeisterschaft gewann, wurde Hatos zum Bezirkssportler des Jahres gewählt. 2017 erhielt er, unter anderem für den zweiten Sieg bei den Heeresmeisterschaften 2016, nun jedoch im Pistolenschießen, einen Orden des Burgenlandes für Verdienste im Sport.

Eine Kapelle als Denkmal

In dem Jahr als Josef Hatos zum ersten Mal Heeresmeister im Scharfschießen wurde, setzte sich der Unteroffizier gemeinsam mit zwei anderen Personen auch ein „Denkmal“. „Im Burgenland gibt es einen Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Anbindung zum Jakobsweg zu schaffen. Dieser Nebenweg, der in Frauenkirchen beginnt, bei Maria Elend in den Hauptweg mündet und erst in Santiago de Compostela endet, verläuft auch durch den TÜPl.“  In der Planungsphase zu diesem Vorhaben fuhren Hatos und Oberst Neuhold zu diesem Teil im Nordosten des Übungsplatzes, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Als sie den geplanten Weg entlangfuhren, kamen sie an einer verfallenen Hütte vorbei. „Ich habe im Spaß gesagt, dass man aus der Hütte eine Kapelle machen könnte mit Sitzplätzen für die Pilger, die hier vorbeikommen. Er meinte zu mir: ‚Geh, lass´ den Blödsinn!’ Das war die falsche Aussage, denn nun habe ich zu mir gesagt: Jetzt erst recht!“

Die Vituskapelle im Osten des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf wurde von Josef Hatos, Anton Gabriel und Oskar Gabriel renoviert. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Die Vituskapelle im Osten des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf wurde von Josef Hatos, Anton Gabriel und Oskar Gabriel renoviert. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)

Nach der Fahrt rief Hatos einen pensionierten Kameraden und gelernten Maurer an und erzählte ihm von seinem Plan. Es dauerte nicht lange, bis er ihn begeistern konnte, und von ihm bei dem Vorhaben unterstützt wurde. Schließlich konnte noch ein dritter Mann gewonnen werden, ein Werkzeugschlosser, der jedoch kein Soldat ist. Die Arbeiten, die Hatos in seiner Freizeit und im Urlaub erledigte, dauerten etwa zwei Monate. Dabei wurden Mauerreste freigelegt, Bäume umgeschnitten, ein Dachgewölbe eingebaut und das Inventar hergestellt. „Wir haben de facto alle Bauarbeiten selbst erledigt und von der Früh bis am Abend gearbeitet. Nur zum Mittagessen sind wir in die Kaserne gefahren“, erinnert sich der Offiziersstellvertreter. Die drei Männer fanden noch andere Personen, die sie bei dem Projekt unterstützten. „Ein Künstler aus meinem Heimatort hat uns die Jakobsmuschel an der Vorderseite gemacht. Die Steinbank neben der Kapelle kam von der Gemeinde Parndorf. Das Splitterkreuz hat Militärpfarrer Wessely aus dem Kosovo mitgenommen. Die Statue des Jakob hat der Pfarrer gesponsert, und ein Parndorfer Bürger, dem das Projekt gefiel, hat die Mutter Gottes geschnitzt. Insgesamt hat uns das Projekt nur etwa € 700,- gekostet.“

Während des Bauvorhabens stießen die drei Arbeiter auf eine Nische, in der früher ein Heiligenbild angebracht war und auf die Jahreszahl 1826. Der Pfarrer aus Parndorf lieferte dann den Beweis aus dem Archiv: Die Ruinen waren früher tatsächlich eine Kapelle, zu der die Heiligenkreuzer Padres aus Frauenkirchen marschierten, dort einen Halt machten und danach umkehrten. Für diesen Halt gab es einen Brunnen neben der Kapelle, der jedoch nicht ausgegraben wurde, sondern als steinerne Sitzgelegenheit gestaltet wurde.

Bei der Eröffnung der Vituskapelle im Jahr 2013, kamen etwa 400 Personen. Hatos, der sich selbst zwar nicht als religiösen Menschen bezeichnet, ist stolz auf das Projekt und dass es von den Pilgern angenommen wird „Am Sonntag marschieren viele Leute an der Kapelle vorbei. Sie werfen Münzen in den Opferstock oder stellen eine Kerze auf, die sie anzünden. Wenn ich am Montag herausfahre, wundere ich mich häufig, wieviel hier steht.“

Die Initialen von Josef (Hatos), Anton (Gabriel) und Oskar (Gabriel). (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Die Initialen von Josef (Hatos), Anton (Gabriel) und Oskar (Gabriel). (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Innenansicht der Vituskapelle. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Innenansicht der Vituskapelle. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Der Sitzplatz neben der Vituskapelle steht über einem ehemaligen Brunnen. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Der Sitzplatz neben der Vituskapelle steht über einem ehemaligen Brunnen. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)

Bunkermuseum Ungerberg

Etwa einen halben Kilometer entlang dieses Teils des Jakobsweges befindet sich das Bunkermuseum Ungerberg. Nur wenige Menschen, die gerade noch an der Kapelle vorbeigekommen sind, wissen, dass beide „Objekte“ von Josef Hatos betreut werden. „2007 ging Vizeleutnant Pichler, der für die Bunkeranlagen zuständig war, in Pension. 2010 hat er sich erkundigt, wer Interesse hätte, diese Anlage am Ungerberg - damals mehr oder weniger ein Privatmuseum - herzuzeigen und Führungen zu machen. Der Kommandant und ich haben uns die Anlage genau angesehen und uns war sehr schnell klar, dass wir das machen wollen.“

Ein Hintergrund für diese Entscheidung war, dass seit 2007 Institute der Heerestruppenschule am TÜPl stationiert sind. Demnach muss jeder angehende Jäger oder Pionier zumindest einmal in seiner Laufbahn auf den TÜPl kommen. Das ist wiederum eine gute Gelegenheit, um einen angehenden Offizier oder Unteroffizier die Geschichte des Bundesheeres, konkret der Epoche der Raumverteidigung, und die Gedanken, die hinter diesem Konzept standen, näherzubringen. „2010 haben wir das Projekt gestartet, nachdem wir - ich, Vizeleutnant Pichler und Major Ziegler - die Anlage so hergerichtet hatten, dass man sie herzeigen konnte.“

Kurz nach dem Beginn des Projektes wäre dieses auch schon fast wieder zu Ende gewesen. Im Jahr 2011 kam der Befehl, dass die Kanonen der Festen Anlagen am Ungerberg ausgebaut und verschrottet werden müssen. Nur mit Mühe konnte das verhindert werden - die Kanonen blieben. Aufatmen konnte das Team jedoch nur kurz, da bereits die nächsten Probleme auf sie zukamen. Der Grund lag in dem Kriegsgerät, den Panzertürmen mit ihren Kanonen, die sich de facto einsatzbereit in den Festen Anlagen befinden und darüber hinaus Eigentum des Bundesheeres sind. Jederzeit hätte der Befehl zum Abbau kommen können und ein Stück österreichischer Militärgeschichte wäre für immer verloren gewesen.

Die Lösung war, eine Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) zu werden. „Wir haben uns dazu entschlossen diesen Weg zu gehen, was die richtige Entscheidung war. Das HGM hat alle rechtlichen Angelegenheiten geregelt und vermarktet uns. Wir machen die Führungen und halten die Anlage in Ordnung - so sieht die Organisationsaufteilung aus. Seit 2013 sind wir eine Außenstelle und haben mittlerweile mehr Besucher als das Militärluftfahrtmuseum Zeltweg, das ebenfalls eine Außenstelle des HGM ist.“

Die Feste Anlage am Ungerberg ist heute eine Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museums des Bundesheeres. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Die Feste Anlage am Ungerberg ist heute eine Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museums des Bundesheeres. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Zugang zum Bunkermuseum Ungerberg. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Zugang zum Bunkermuseum Ungerberg. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)

Buchprojekte

„Mit dem Essen kommt der Appetit“ lautet ein Sprichwort. So ähnlich verhält es sich mit dem geschichtlichen Interesse des Unteroffiziers, der bis zu seinem Posten in der Öffentlichkeitsarbeit wenig damit zu tun hatte. „Ich bin da schon hineingestoßen worden, und war plötzlich mittendrinnen. Der TÜPl ist ja ein historisch bedeutender Boden für die österreichische Militärgeschichte.“  (TD-Artikel 150 Jahre Brucker Lager/TÜPl Bruckneudorf) Neben den Führungen und der praktischen Arbeit beim Bunkermuseum hat der Unteroffizier am Buch „Die Bunkeranlage Ungerberg - Bruckneudorf" mitgearbeitet, das am 12. Dezember 2017 veröffentlicht wurde. „Die Idee zu dem Buch kam von Oberst Bader, der auch Chroniken schreibt und beim HGM arbeitet. Er hat mich und den Vizeleutnant in Ruhe Pichler gefragt, ob wir nicht mit ihm ein Buch über die Anlage machen könnten. Wir waren uns bald einig darüber, dass wir da mitmachen. Unser Beitrag war das Sammeln von Material, wie Bilder oder Daten zum Bunker, weshalb wir diesen unter anderem vermessen haben.“

Wieviel Arbeit hinter einem Buch steht, wusste Hatos bereits, da er auch das Buchprojekt „TÜPl Bruckneudorf - 150 Jahre Brucker Lager“, von Dr. Petra Weiß, die Leiterin des Stadtarchives in Bruck/Leitha ist, unterstützte. „Am Anfang waren 15 Leute an diesem Buch beteiligt, aber im Endeffekt waren wir zu zweit, die Dr. Weiß und ich.“  Schwierig war vor allem die Bildrecherche, aber auch das Auffinden von Unterlagen, mit denen sich die Geschichte nachvollziehen und darstellen lässt. „Da schlummert noch sehr viel auf irgendwelchen Dachböden und wartet darauf entdeckt zu werden“ , ist sich Josef Hatos sicher. „Wir haben zwar einige Aufrufe gemacht in der Kaserne und bei den pensionierten Kameraden, und auch einiges erhalten. Dennoch hätten wir uns da mehr erwartet.“

Offiziersstellvertreter Josef Hatos bei einer Führung durch das Bunkermuseum. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)
Offiziersstellvertreter Josef Hatos bei einer Führung durch das Bunkermuseum. (Foto: Bundesheer/Sascha Harold)

Resümee

Die vielen Aufgaben, dienstlichen sowie „halbdienstlichen“ Tätigkeiten, sind einerseits eine Quelle aus der Josef Hatos Kraft schöpft, andererseits gehen sie auch an die Substanz. „Ich habe einen Platz am TÜPl, an den ich mich manchmal zurückziehe, wenn ich den Eindruck habe, dass mir die Kraft ausgeht. Dort sitze ich in aller Ruhe, schaue auf den Neusiedler See, denke nach und lade meine Batterien wieder auf.“  Diesen Platz wird der Offiziersstellvertreter auch in Zukunft noch häufig aufsuchen, denn wer ihn kennt, der weiß, dass die nächsten Projekte vermutlich nicht lange auf sich warten lassen.

Die Laufbahn von Josef Hatos, den sein Kommandant Oberst Neuhold bei der Jahresabschlussfeier 2017 als „Legende des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf“ bezeichnet hat, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr die Motivation vom richtigen Arbeitsplatz und von den Möglichkeiten, die dieser bietet abhängt. Sie zeigt aber auch, dass man mit mehr als 30 Dienstjahren noch immer nicht zum „alten Eisen“ gehört, solange man sich Herausforderungen aktiv stellt und bereit ist, sich auf diese einzulassen. Und sie ist ein Bespiel dafür, was man erreichen kann, wenn man einen Weg mit einem bekannten und erstrebenswerten Ziel konsequent und Schritt für Schritt verfolgt.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

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