• Veröffentlichungsdatum: 29.03.2018

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Sportmotorische Tests beim Bundesheer

Gerold Keusch

(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Seit dem Jahr 2015 sind sportmotorische Tests für Grundwehrdiener und seit 2016 auch für Kaderanwärter vorgesehen. Diese verfolgen im Wesentlichen zwei Ziele: Sie sollen einerseits die Leistungsfähigkeit der Soldaten überprüfen und somit den Ist-Zustand feststellen und andererseits die sportliche Entwicklung von Soldaten dokumentieren.

Körperliche Leistungsfähigkeit ist - unabhängig von Dienstgrad und Funktion - eine grundsätzliche Voraussetzung für den Dienst als Soldat. So logisch und nachvollziehbar diese Aussage auf den ersten Blick erscheint, so unpräzise ist sie, da sie keine Auskunft darüber gibt, was darunter genau zu verstehen ist. Eine Antwort auf diese Frage geben die Inhalte der „Sportmotorischen Tests im Grundwehrdienst“, kann man doch davon ausgehen, dass ein aussagefähiger Test jene Parameter überprüft die auch tatsächlich bedeutend sind.

Bei den Sportmotorischen Tests bzw. in der Kaderanwärterausbildung wird die „Militärische Basisfitness“ überprüft. Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich dabei um die Grundlage der Leistungsfähigkeit eines Soldaten. Der Test teilt sich in zwei Bereiche, der Überprüfung der

  • sportmotorischen Fähigkeiten und der
  • militärischen Grundanforderungen.

Testblock 1: Sportmotorische Fähigkeiten

(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Dieser Testblock überprüft die allgemeine Leistungsfähigkeit eines Rekruten und soll während des Grundwehrdienstes dreimal durchgeführt werden. Die ersten beiden Male während der Basisausbildung 1; einmal innerhalb der ersten drei Wochen und noch einmal zwischen der zehnten und der zwölften Ausbildungswoche. Die dritte Überprüfung soll am Ende der Basisausbildung 3 bzw. des Grundwehrdienstes stattfinden. Der gesamte Testblock ist in zwei Abschnitte unterteilt, die jeweils etwa eine Stunde dauern, wobei es sich dabei um eine Einzelüberprüfung handelt.

Testabschnitt 1

Der erste Testabschnitt umfasst die drei Stationen:

  • Koordinationssternlauf, bei dem die Beschleunigungsfähigkeit und die Fähigkeit der Koordination komplexer Bewegungshandlungen unter Zeitdruck überprüft wird;
  • Medizinballstoß, der die Schnellkraft der Arm- und Schultermuskulatur misst, indem ein Medizinball mit einem Gewicht von 3 kg gestoßen werden muss;
  • Rumpfkrafttest, bei dem die statische Kraft der Wirbelsäulenmuskulatur getestet wird.

Während des ersten Testabschnittes wird - davor, danach oder zwischen den Stationen - zusätzlich das Körpergewicht der Soldaten gewogen sowie deren Taillenumfang gemessen.

Koordinationssternlauf. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Koordinationssternlauf. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Rumpfkrafttest. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Rumpfkrafttest. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Liegestütz. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Liegestütz. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Start zum 2.400-m-Lauf. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)
Start zum 2.400-m-Lauf. (Foto: Bundesheer/Christian Kickenweiz)

Testabschnitt 2

Nach dem ersten Abschnitt folgt ein „alter Bekannter“, der als Teil der österreichischen Militärkultur bei keiner sportlichen Überprüfung fehlen darf und in den Testblock integriert wurde - die „Leistungsprüfung Allgemeine Kondition“. Diese besteht aus zwei Stationen, dem

  • Liegestütz, mit dem die Kraft- und Kraftausdauer des Oberkörpers und der Armmuskulatur überprüft wird und dem
  • 2.400-m-Lauf, der die Ausdauerleistungsfähigkeit, angelehnt an den Cooper-Test feststellt.

Hinsichtlich dieses Testabschnittes ist anzumerken, dass statt dem 2.400-m-Lauf auch ein 20-m-Shuttle Run absolviert werden kann. Bei diesem läuft die Testperson zwischen zwei Hütchen, die in einer Entfernung von 20 m aufgestellt sind, hin und her. Die Geschwindigkeit richtet sich nach einem automatischen akustischen Signal, bei dem das Hütchen erreicht sein muss. Jede Minute wird die Geschwindigkeit um 0,5 km/h erhöht, bis der Test abgebrochen werden muss, weil der Soldat die Geschwindigkeit nicht mehr halten kann.

Der gesamte Testblock wird nach einem normierten Schema hinsichtlich Abfolge, Ausführung, Dauer der Pausen zwischen den einzelnen Tests sowie Dokumentation und Auswertung der Ergebnisse durchgeführt. Somit ist eine Überprüfung gewährleistet, mit der sich sowohl die Leistungen des einzelnen Soldaten während seines Grundwehrdienstes bzw. der Kaderanwärterausbildung, die Leistungen zwischen Soldaten als auch jene von Organisationelementen vergleichen lassen.

Testblock 2: Militärische Grundanforderungen

Gerät für den Soldaten Parcours: Wasserkanister, Verkehrshütchen, Ablage, Sack mit Schlaufe, Zusatzgewicht, Maßband und Stoppuhr. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Gerät für den Soldaten Parcours: Wasserkanister, Verkehrshütchen, Ablage, Sack mit Schlaufe, Zusatzgewicht, Maßband und Stoppuhr. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Der erste Testblock überprüft die sportmotorischen Fähigkeiten, die sich auf allgemeine Inhalte der körperlichen Leistungsfähigkeit beziehen. Im Gegensatz dazu widmet sich der zweite Testblock den militärspezifischen Fähigkeiten, die für den Soldaten im Feld, unabhängig von dessen Waffengattung, von Bedeutung sind. Dieser Testblock besteht aus zwei Abschnitten, die nach einer Pause von mindestens zwei Stunden an einem Tag zu absolvieren sind, dem

  • Soldaten Parcour, der vier Stationen umfasst und militärische Anforderungen, wie das Bewegen im Gelände sowie das Heben und Tragen von Lasten, thematisiert und dem
  • Eilmarsch, der die Ausdauerleistung in einer angewandten Form überprüft.

Dieser Testblock ist während dem Grundwehrdienst zweimal zu absolvieren, wobei er nach dem zweiten und dritten Sportmotorischen Test, jedoch nicht am selben Tag, stattfinden soll. Darüber hinaus ist dieser Testblock ein integraler Bestandteil der Kaderanwärterausbildung, der bis zum Ende des zweiten Abschnittes dieser Ausbildung positiv absolviert werden muss, um zur Dienstprüfung antreten zu dürfen. Dass dieser deutlich praxisorientierter ist, zeigt sich auch an der Adjustierung, da dabei der Kampfanzug mit Rückengepäck zu tragen ist.

Der Testblock 2 folgt, wie der Testblock 1, ebenfalls einem normierten Ablauf, der aus zwei Teilabschnitten besteht und bei dem alle Details, wie das Material, die Durchführung sowie die Messung und Auswertung der Ergebnisse festgelegt sind.

Soldaten Parcours

Der erste Abschnitt des Testblockes ist der Soldaten Parcours mit den vier Stationen:

  • Bewegen im Gelände, auf einer Bahn von 130 m Länge mit Richtungs-, Geschwindigkeits- und Lageänderungen;
  • Ziehen einer Last von 50 kg auf einer Länge von 40 m, wobei das Bergen eines Verwundeten in die nächste Deckung simuliert;
  • Tragen einer Last von 18 kg pro Arm (gesamt 36 kg) auf eine Länge von 100 m, wodurch das Tragen einer Krankentrage simuliert;
  • Heben und Ablegen einer Last von 24 kg auf einer Fläche, die sich in einer Höhe von 1,25 m befindet, womit das Heben eines Verwundeten auf ein Fahrzeug simuliert wird.

Mit dem Soldaten Parcours werden alle motorischen Grundfähigkeiten, die in ihrer Gesamtheit die Kondition ausmachen, überprüft: Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination. Er wird im Kampfanzug ohne Sturmgewehr absolviert, wobei als Rückengepäck die große Außentasche mit einem Gewicht von 6 kg verwendet wird. Das Gesamtgewicht der Ausrüstung inklusive Bekleidung beträgt etwa 21 kg.

Eilmarsch

Der zweite Abschnitt des Testblocks widmet sich vor allem der Ausdauer und erfolgt anhand eines militärischen Basisthemas, dem Fußmarsch, der hier in der adaptierten Variante des Eilmarsches ausgeführt wird. Das Ziel der Überprüfung ist es, eine Distanz von 3,2 km im Kampfanzug mit Sturmgewehr 77 und Rückengepäck (insgesamt etwa 25 kg) auf einer ebenen Fläche, so rasch wie möglich zurückzulegen. Die Marschleistung ist individuell zu erbringen, wobei der Marsch hinsichtlich des Organisationsrahmens im Zug absolviert wird. Hinsichtlich dem Ablauf gleicht dieser Testteil somit dem 2.400-m-Lauf und kann theoretisch auch auf einer 400-m-Laufbahn ausgetragen werden.

Ziehen von Lasten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Ziehen von Lasten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Tragen von Lasten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Tragen von Lasten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Heben und Ablegen von Lasten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Heben und Ablegen von Lasten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Zusätzlicher Mehrwert

Das Prüf- und Bewertungssystem der militärischen Basisfitness ist elektronisch abgestützt. Das bietet die theoretische Möglichkeit auf Knopfdruck den Zustand des Bundesheeres bzw. der in den Datenbanken erfassten Soldaten festzustellen. Aufgrund der gesammelten Daten ist somit jederzeit ein valider Vergleich von Soldaten, Einheiten bzw. Verbänden sowohl im Längs- als auch im Querschnitt möglich. Zusätzlich erlaubt die individuelle Auswertung, die Leistungsentwicklung einer Person zu verfolgen und aus den gewonnen Daten, Trainingsempfehlungen abzuleiten. So kann einerseits die Leistungsfähigkeit gesteigert und andererseits Überforderungen, die Verletzungen nach sich ziehen könnten, verhindert werden.  

Auf einen Blick

Die aktuellen sportmotorischen Tests für Grundwehrdiener sind ein angemessenes, wenn auch relativ aufwendiges Mittel, um den Stand der körperlichen Leistungsfähigkeit von Rekruten und Kaderanwärtern zu testen bzw. die Entwicklung ihrer Kondition zu verfolgen. Diese kann jedoch nur gelingen, wenn deren Körperausbildung planmäßig, fordernd und vor allem regelmäßig durchgeführt wird. Somit überprüfen diese Tests auch die Qualität der Sportausbildung in einer Einheit bzw. einem Verband. Die Orientierung der Überprüfung am Gefechtsdienst zeugt darüber hinaus vom Wandel des Bundesheeres zur Einsatzarmee, in der die Körperausbildung einen hohen Stellenwert hat, um Schutz und Hilfe zu gewährleisten.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

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