• Veröffentlichungsdatum: 23.10.2017
  • – Letztes Update: 24.10.2017

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  • 2398 Wörter

Mit Beratung zum Erfolg

Gerold Keusch

(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Körperliche Leistungsfähigkeit ist ein wesentliches Kriterium, um den Dienst als Soldat absolvieren zu können. Ob und wie weit diese vorhanden ist, wird bei Berufssoldaten jährlich überprüft. Aber nicht nur Soldaten müssen fit sein, auch jene Personen, die Berufssoldaten werden wollen, haben eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren, bei der ihre Eignung überprüft wird.

Das Prüfzentrum Ost ist als Anlaufstelle für jene Personen bekannt, die einen Auslandseinsatz absolvieren möchten. Dort wird die gesundheitliche, körperliche und psychologische Eignung für einen Einsatz festgestellt. Darüber hinaus werden an dieser Dienststelle auch Aufnahmeprüfungen durchgeführt und Trainingsberatungen von Bundesheer-Sportausbildern durchgeführt. Einer von ihnen ist Offiziersstellvertreter Christian Spuller. TRUPPENDIENST hat ihn einen Tag lang begleitet.

Trainingsberatung

Offiziersstellvertreter Christian Spuller hinter dem Computer. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Christian Spuller hinter dem Computer. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

„Wir fangen mit den Liegestützen an, schauen uns dann die Klimmzüge im Schräghang an, danach ‚Jump and Reach’, und Laufen werden wir dann auch noch. Wenn noch Interesse besteht, machen wir auch noch den Ergometertest.“  Offiziersstellvertreter Christian Spuller sitzt im Aufenthaltsraum des Prüfzentrums Ost. Gegenüber von ihm haben Claudia und Sarah Platz genommen. Die beiden jungen Frauen haben Interesse am Dienst beim Bundesheer und sind deshalb für eine Trainingsberatung nach Stammersdorf gekommen. Spuller erklärt den beiden Interessenten den Ablauf des sportlichen Aufnahmetests für den Einstieg in den Soldatenberuf und erläutert, wie dabei die körperliche Fitness festgestellt wird.

Liegestütze

Der Offiziersstellvertreter nimmt sich Zeit für seine Beratungen. Mit ruhiger Stimme erklärt er die Übungen, die bei dem Aufnahmetest zu absolvieren sind, und erläutert diese anhand einer Schautafel. Er fragt die beiden Frauen, ob sie die Übungen kennen und wie ihre Leistungen dabei sind. Nachdem er sich einen ersten Überblick über die Leistungsfähigkeit verschafft hat, geht er mit den beiden in den Prüfungsraum. Dort macht er die Teilbereiche der Prüfung vor und erklärt sie dabei noch einmal. Die erste Aufgabe sind die Liegestütze: „Sie müssen so weit hinuntergehen, dass die Ellbogen und die Schultern auf einer Höhe sind. Dann drücken sie ihren Körper wieder ganz hinauf.“  Nach der Erklärung des Sportausbilders beginnt Claudia, Liegestütze zu „pumpen“.

„Passt! Ok, ich habe alles gesehen. Die Kraft ist da, um genügend Liegestütze zu machen. Aber sie müssen tiefer hinunter gehen und mehr Körperspannung aufbauen. Gut dass sie heute da sind!“  Spuller nimmt eine Turnmatte, legt sich auf den Boden und zeigt der jungen Frau eine Übung, mit der sie dieses Manko ausgleichen kann. Danach gibt er weitere Tipps, die ihr dabei helfen sollen, mehr Wiederholungen bei den Liegestützen zu absolvieren. 15 Minuten nimmt sich der Unteroffizier Zeit, während ihm die jungen Frauen aufmerksam zuhören, Zwischenfragen stellen und die Übungen unter seiner Anleitung nachmachen.

Offiziersstellvertreter Spuller macht die Übung "Liegestütz" vor. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller macht die Übung "Liegestütz" vor. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Claudia führt die Übung aus. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Claudia führt die Übung aus. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller gibt Trainingstipps, um noch mehr Wiederholungen zu schaffen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller gibt Trainingstipps, um noch mehr Wiederholungen zu schaffen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Vom Militärmusiker zum Sportausbilder

Bevor Spuller den Kampfanzug gegen den grünen Sportanzug der Sportunteroffiziere eingetauscht hat, war er Zugskommandant bei der Garde. Eingerückt ist der gebürtige Neunkirchner jedoch bei der Militärmusik Burgenland. Während seiner Ausbildung zum Unteroffizier absolvierte er den Unteroffizierslehrgang 1 in der 4. Gardekompanie, wo ihm Vizeleutnant Charles Falak-Eismayer das militärische Handwerk beibrachte.

Nach fünf Jahren bei der Militärmusik kam er wieder zur Garde zurück. Sein ursprünglicher Plan, zur Gardemusik zu wechseln ging zwar nicht in Erfüllung, da es dort keinen freien Posten gab. Spuller nutzte jedoch die Gelegenheit für eine Umschulung zum Jäger. Dabei entdeckte er sein Lauftalent und die Leidenschaft für den Sport. Insgesamt diente er sechs Jahre in der 4. Gardekompanie als Gruppenkommandant, jener Einheit, in der sein ehemaliger Ausbildungsleiter Charles Falak-Eismayer der Kommandant der Kommandogruppe war. Danach wechselte er für acht Jahre als Zugskommandant in die 3. Gardekompanie. Während dieser Zeit absolvierte er 2004 die Ausbildung zum staatlich geprüften Trainer für Allgemeine Körperausbildung. 2011 wechselte er in das Prüfzentrum Ost.

Bei der Übung "Jump and Reach" wird die Sprungkraft überprüft. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Bei der Übung "Jump and Reach" wird die Sprungkraft überprüft. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

„Jump and Reach“ und Klimmzüge 

Nach den Liegestützen werden die anderen Übungen der Testung, die „Klimmzüge im Schräghang“ und „Jump and Reach“ durchgenommen. Auch hier erklärt der Offiziersstellvertreter zuerst die Übung, macht sie vor und gibt Tipps und Tricks. Dann absolvieren die beiden „Prüflinge“ die Aufgabe. Im Anschluss erhalten sie eine Rückmeldung und individuelle Trainingstipps. Die Zwischenergebnisse trägt Spuller in eine Liste ein, damit die Teilnehmerinnen am Ende der Probetestung wissen, wie viele Punkte sie erreicht haben und ob sie die Prüfung bestanden hätten.

Ergometertest

Nach den Kraft- und Schnellkraftübungen geht es in den Ergometerraum. Spuller nimmt hinter einem Computer neben den „Fahrrädern“ Platz und erklärt den Ablauf dieses Abschnitts der Testung. „Sind sie bereit? Ok, dann können sie jetzt reintreten. Aber schauen sie, dass sie zwischen 60 und 70 Umdrehung pro Minute machen.“  Spuller beobachtet die Werte am Computer, teilt Claudia und Sarah mit, ob die Trittfrequenz im richtigen Bereich ist, erklärt daneben den Ergometertest und gibt Ratschläge, wie man diesen am besten besteht und sich darauf vorbereiten kann. Bei den beiden Anwärterinnen ist nicht mehr viel Training notwendig, da sie auch diese Hürde meistern. „Sehr gut! Test bestanden. Jetzt noch locker ausfahren, dann machen wir eine Pause, damit sie sich erholen können und danach gehen wir auf die Laufbahn.“

Test auf der Laufbahn

20 Minuten nach dem Ende des Ergometertests steht Spuller mit den beiden Frauen auf der Start-Ziel-Linie der 400-m-Laufbahn. Bevor es losgeht, gibt er noch einen Ratschlag: „Kräfte einteilen, und nicht zu schnell anfangen, ok? Wir haben immer wieder Helden, die die erste Runde ‚voll? laufen. Sie glauben, dass das so sein muss und sind nach einer Runde völlig erschöpft. Also: nicht zu schnell beginnen. Seid ihr bereit? Los!“  Spuller weiß wovon er spricht. Er ist ein passionierter Sportler und Läufer, der bei sieben Marathons am Start war und eine persönliche Bestzeit von 2:47 h vorweisen kann. Die 10-km-Strecke legte er in 33:46 min zurück. Die 2.400 m, die er heute bei den zwei Frauen abnimmt, konnte er in 7:26 min absolvieren.

Nun steht er neben der Laufbahn, feuert die Läuferinnen an und ruft ihnen nach jeder Runde die Zwischenzeit zu. „12 Minuten 24 Sekunden - sehr gut!“ Der Offiziersstellvertreter lacht erleichtert und meint: „Sehr viele scheitern an den Liegestützen oder am Lauf. Die beiden sind aber gut drauf, für sie ist das kein Problem.“  14 Minuten und 51 Sekunden dürften die Frauen für diese Strecke brauchen, um ihren Dienst beim Heer antreten zu dürfen. Am Ende der ersten sechs Monate müssen sie jedoch ein Limit von 12 min 30 Sekunden schaffen. Diese Leistungssteigerung ist jedoch nur schwer zu schaffen, wenn man davor beinahe 15 Minuten gebraucht hat.

Abschlussgespräch

Das Abschlussgespräch beendet die Trainingsberatung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Das Abschlussgespräch beendet die Trainingsberatung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Die Trainingsberatung endet mit dem Abschlussgespräch. 16 Punkte hat Claudia erreicht, Sarah ist nur knapp dahinter. Spuller ist zufrieden und gut aufgelegt: „Das passt alles super! Wenn ihr die Übungen macht, die ich euch gezeigt habe für die Liegestütze und das ‚Jump and Reach’, macht ihr 20 Punkte. Zwei, drei Tage vorher keine Sport mehr, dann wird das was!“  Der Offiziersstellvertreter sollte mit seiner Prognose Recht behalten. Claudia und Sarah haben die Aufnahmeprüfung bestanden und am 4. September 2017 ihren Dienst beim Bundesheer begonnen.

Drei Stunden hat sich Spuller Zeit genommen, um den beiden Frauen die Aufnahmeprüfung zu erklären und ihnen dabei viele Tipps gegeben. Bis zu 300 solcher Trainingsberatungen führt der erfahrene Trainer jedes Jahr durch. Manchmal kommt nur eine Person, meistens sind es aber mehrere. Grundsätzlich kann jeder, der Interesse am Wehrdienst hat, dieses Angebot annehmen. „Ich würde es auch jedem empfehlen. Die Beratung gibt Sicherheit und einen Einblick in die Testung. Danach weiß man, was zu trainieren ist und kann mit einem guten Gefühl zur Prüfung gehen“, meint Spuller.

Seit dem 18. September 2017 wird die individuelle Trainingsberatung durch einen Vorbereitungstag ersetzt. Dieser läuft zwar ähnlich ab, jedoch nehmen bis zu 20 Personen an einem standardisierten Verfahren teil, um die Aufnahmekriterien kennenzulernen. Dazu werden auch mehr Sportausbilder eingesetzt und zusätzliche Inhalte angeboten, wie beispielsweise eine Laufanalyse.

Administration

Die Tätigkeit eines Trainers im Prüfzentrum Ost besteht nicht nur aus Trainingsberatung oder der Abnahme von Körpertests. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist für Verwaltungstätigkeiten im Büro reserviert. Dabei sind Listen zu führen, Ergebnisse zu protokollieren und andere administrative Arbeiten zu machen. Spuller bucht Daten für Milizsoldaten oder dokumentiert die Ergebnisse der Eignungstestung. Wenn Not am Mann ist, vertritt er auch den Wirtschaftsunteroffizier oder unterstützt den Dienstführenden Unteroffizier. Diese Tätigkeiten laufen im Hintergrund ab und scheinbar nebenbei mit.

Ein weiteres Aufgabengebiet des Offizierstellvertreters sind die Lehrlingstestungen, die das Heerespersonalamt durchführt. Bevor ein Lehrling beim Bundesheer aufgenommen wird, hat er einen Test zu bestehen. Dabei werden seine Kenntnisse in Deutsch und Mathematik und sein Allgemeinwissen überprüft. Darüber hinaus finden eine psychologische Eignungsfeststellung und ein sportmotorischer Test statt. Alleine im Jahre 2016 hat Spuller 18 solche Tests, die einen Tag dauern, geleitet.

Offiziersstellvertreter Spuller macht einen "Klimzug im Hangstand" vor. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller macht einen "Klimzug im Hangstand" vor. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Claudia führt die Übung aus. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Claudia führt die Übung aus. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller erklärt die Limits der Aufnahmeprüfung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller erklärt die Limits der Aufnahmeprüfung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller überwacht den Ergometertest auch mit einem Computerprogramm. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller überwacht den Ergometertest auch mit einem Computerprogramm. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Daneben gibt er auch noch Tipps und Tricks, wie man die Leistung beim Radfahren steigern kann. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Daneben gibt er auch noch Tipps und Tricks, wie man die Leistung beim Radfahren steigern kann. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Vor dem Start zum 2.400-m-Lauf erklärt Spuller den Teilnehmerinnen, wie sie sich die Kräfte am besten einteilen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Vor dem Start zum 2.400-m-Lauf erklärt Spuller den Teilnehmerinnen, wie sie sich die Kräfte am besten einteilen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Nach jeder absolvierten Runde wird den Teilnehmerinnen die Zwischenzeit mitgeteilt.
 (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Nach jeder absolvierten Runde wird den Teilnehmerinnen die Zwischenzeit mitgeteilt.
(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Geschafft! Beim 2.400-m-Lauf ist nicht die Distanz sondern die relativ hohe Geschwindigkeit das Kriterium. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Geschafft! Beim 2.400-m-Lauf ist nicht die Distanz sondern die relativ hohe Geschwindigkeit das Kriterium. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Eignungsprüfung KPE

„Sie sind alle gesund, das weiß ich aufgrund der Ergebnisse der ärztlichen Testung, dennoch benötige ich noch eine Unterschrift von Ihnen. Jetzt ist praktisch die letzte Möglichkeit, um noch abzuspringen.“  Christian Spuller steht im Lehrsaal und blickt lächelnd in die Runde. Nach der Trainingsberatung am Vormittag überprüft er am Nachmittag KPE-Anwärter im Zuge ihres Eignungstests hinsichtlich ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit. Dieser Teil der Testung - im Bundesheer als „Leistungsprüfung Allgemeine Kondition“ bekannt - besteht aus der Überprüfung von Liegestützen und einem 2.400-m-Lauf. Er beginnt, wie viele andere Vorhaben beim Bundesheer, mit einer nachweislichen Belehrung.

Leistungsprüfung Allgemeine Kondition

Mit der „Leistungsprüfung Allgemeine Kondition“ wird beim Österreichischen Bundesheer einmal im Jahr die körperliche Leistungsfähigkeit der Berufssoldaten festgestellt. Darüber hinaus wird dieses Prüfungsformat auch für die Auslandseinsatztestung sowie bei Dienstprüfungen, jedoch mit anderen Limits verwendet. Bei dieser Testung werden die Konditionskomponenten Kraft und Ausdauer überprüft. Im Wesentlichen geht es darum, so viele Liegestütze wie möglich zu machen und so schnell wie möglich zu laufen.

Was beim ersten Eindruck wenig spektakulär erscheint, hat seine Tücken. Auch wenn 2.400 m keine besonders weite Strecke sind, können sie für einen Untrainierten durchaus eine Hürde darstellen, da die Laufgeschwindigkeit relativ hoch ist. Darüber hinaus sind die Liegestütze, der erste Teil der Eignungsprüfung, sehr genau zu absolvieren und werden, vor allem im Heerespersonalamt, streng und vorschriftsgemäß abgenommen.

„Wir kommen nun zum wichtigsten Teil des Tages, dem Sport, denn: Ausdauersport ist gesund. Eine tolle Sache. Jetzt liegt es an Ihnen! Wir haben heute 24 Grad, das kann ziemlich warm werden. Sie laufen in der langen Hose? Sicher? Ok, wie sie wollen.“  Die Belehrung mit der Einweisung in das „Informationsblatt Ausdauersport“ von Offiziersstellvertreter Spuller sind bekannt für ihre humoristischen Einlagen. „Wer eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit haben möchte - kein Problem. Einfach 10 Liegestütze mehr machen und 2:30 schneller laufen als das Limit, dann wird das was. Schaut auch besser aus auf dem Protokoll - wir sind aber auch mit dem normalen Limit zufrieden.“

Überprüfung der Liegestütze während der KPE-Testung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Überprüfung der Liegestütze während der KPE-Testung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Liegestütze

Nach der Belehrung werden die Liegestütze abgenommen. „19, 20, 21, tiefer hinunter - erste Pause - erste Ermahnung, 22, 23, 24, 25, 26 - Passt! 26! Gute Körperspannung! Bestanden - Super!“  Spuller hockt neben den Teilnehmern vor einem Spiegel. Jeder Teilnehmer wird genau beobachtet und erhält eine Rückmeldung: „1, tiefer runter, tiefer runter, ja genau, oben bleiben, den Kopf leicht strecken, 5, 6 passt eh, 8, 9, … 23, 24, jetzt wird er erst warm, 26, 27, ...“  33 Liegestütze zählt Spuller bei diesem Teilnehmer.

Nicht alle Soldaten können das geforderte Limit erreichen: „8, 9, 10, tiefer, 12, 13, 14, tiefer runter, zählt nicht - tiefer, 15, zählt nicht, 16, 17, Kopf nach vorne, 19, erste Pause - erste Ermahnung, zählt nicht - tiefer, 19! Da müssen wir was machen. Kommen sie morgen in der Früh zu mir. Es ist nicht schlimm, aber sie müssen trainieren.“  Die Liegestütze werden auf einem speziellen Brett abgenommen. „Das ist eine tolle Sache, denn da rutscht man nicht weg, und es hält alles aus: ein Gewicht von 150 kg, eine Größe von 2,10 m - wir alles schon getestet!“ erklärt der Sportunteroffizier mit einem Lächeln.

(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

2.400-m-Lauf 

Nachdem der Letzte mit den Liegestützen fertig ist, beginnen 15 Minuten Vorbereitungszeit für den Lauf. „15 Minuten ist eigentlich viel Zeit zum Aufwärmen, theoretisch könnte man da schon einmal die 2.400 m laufen und schauen, ob sich das ausgeht. Wenn ja, dann sind sie voll dabei!“ Erklärt der Sportunteroffizier bevor er sich selbst ausbessert: „Nein! Ideales Aufwärmen sieht natürlich anders aus: ein bis zwei Runden langsam und locker einlaufen.“

Danach gibt er noch den Tipp, nicht zu schnell wegzulaufen. Das ist nicht nur für den eigenen Erfolg wesentlich, sondern auch für die restlichen Prüflinge „Wegen dem Herdentrieb: sobald einer wie verrückt wegläuft, beginnen nämlich alle anderen sofort ihm wie verrückt nachzulaufen, mit dem optimistischen Ziel ihn zu überholen. Das funktioniert aber nicht. Wer die Idee hat voll wegzulaufen - bitte verwerfen.“  Darüber hinaus stellt er fest: „Wenn jemand negativ ist, nicht böse sein. Das sind die Zeichen vom Körper, die man nicht ignorieren sollte. Sie können jederzeit zu mir zu einer Trainingsberatung kommen.“

Die Laufüberprüfung findet auf der flachen, asphaltierten und rot gefärbten 400-m-Bahn der Stammersdorfer Van-Swieten-Kaserne statt. Die Zeitmessung erfolgt - wie bei einem „richtigen“ Laufbewerb - mit einer elektronischen Anlage, weshalb jeder Teilnehmer einen Chip erhält. Mittlerweile ist der Sanitäter mit Defibrilator, Verwundententrage und Verbandszeug auf der Laufbahn eingetroffen. Der Lauf kann nun beginnen.

„Mein Kommando lautet: Auf die Plätze! Fertig! Los! Mein Kommando gilt: Auf die Plätze! Fertig! Los!“  Ab jetzt läuft die Uhr für die Teilnehmer der Eignungsprüfung. Spuller steht neben der Bahn und stoppt die Zeit. Jeder Läufer erhält seine Zwischenzeit, die er auch auf der Anzeigetafel bei der Hütte, die neben der Start-Ziel-Linie steht, erkennen kann. „Zweite Runde 3:06, 3:10, 3:14 - sehr gut, 3:17, 3:20 - passt super!“  Bei 9:17 min erreicht der erste Läufer an diesem Tag das Ziel. Nachdem auch die restlichen Soldaten den Lauf absolviert haben, neigt sich der Arbeitstag von Christian Spuller dem Ende zu. Nun werden die Ergebnisse des Laufes protokolliert und danach die Hütte für die Zeitnehmung versperrt.

Offiziersstellvertreter Spuller steht neben der Laufbahn und ruft den Läufern ihre Zwischenzeiten zu. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Offiziersstellvertreter Spuller steht neben der Laufbahn und ruft den Läufern ihre Zwischenzeiten zu. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der schnellste Läufer der KPE-Testung benötigte an diesem Tag 9:17 min. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der schnellste Läufer der KPE-Testung benötigte an diesem Tag 9:17 min. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Auf einen Blick

Der Tagesablauf von Offiziersstellvertreter Spuller ist dicht gedrängt, und die meisten Tage laufen ähnlich ab: Trainingsberatungen, Überprüfungen und Bürotätigkeiten. Die lockere und kameradschaftliche Art des Sportausbilders, der fast immer gut aufgelegt ist, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass er bei den Körpertests keine Kompromisse zulässt. „Jeder ist anatomisch anders gebaut, das gilt es auch zu berücksichtigen, schließlich kann ich niemand benachteiligen.“

Aber wenn die Zeit auf der Stoppuhr abgelaufen ist, oder die geforderte Anzahl der Liegestütze nicht erreicht wird, dann ist die Überprüfung negativ. Darüber sind zwar viele Teilnehmer enttäuscht, böse ist ihm aber fast nie jemand. Im Gegenteil: „Es kommt viel zurück von den Teilnehmern. Ich habe schon viele schöne Gesten erlebt. Einmal ist jemand aus der Dusche gekommen und hat mich voll Freude umarmt, weil ich ihm mit meinen Tipps helfen konnte, die Prüfung zu bestehen. Das sind einfach schöne Momente, die mich bestätigen und anspornen.“

Tipps für die Eignungsprüfung

Eignungsprüfung Ausbildungsdienst - Limits für Frauen

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

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