• Veröffentlichungsdatum: 05.04.2017
  • – Letztes Update: 06.04.2017

  • 8 Min -
  • 1630 Wörter

Verteidigung - Kampf bei Nacht und in der Tiefe

Markus Ziegler

(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Teil 7 der Serie: Bewegliche Einsatzführung in der Verteidigung


Ein in die Tiefe des eigenen Gefechtsstreifens eingebrochener Gegner bedeutet für einen gut vorbereiteten und eingerichteten Verteidiger noch keine Niederlage. Um die Inititiative in einer solchen Situation wiederzuerlangen, sind eine gründliche Vorbereitung sowie vorausschauende und vollständige Befehle entscheidend.

Die Kompanie und der Zug erhalten beim Auftrag jeweils einen Raum, in dem sie das Durchstoßen des Gegners verhindern sollen. Das bedeutet, dass der Auftrag auch dann erfüllt ist, wenn der Gegner in der Tiefe des eigenen Gefechtsstreifens abgewehrt wird. Dies ist eine wesentliche Aussage, da in den Köpfen vieler Soldaten ein Einbruch in die FEBA (Forward Edge of the Battle Area - Vorderster Rand der Verteidigung; Anm.) bereits mit einer Niederlage gleichgesetzt wird. Eine Gruppe erhält keinen Gefechtsstreifen, sondern den Auftrag, den Gegner aus einer bestimmten Richtung abzuwehren, da sie ein geschlossenes Element ist. Deshalb darf sie zur erfolgreichen Durchführung des Feuerkampfes und zum Erhalt der Führungsfähigkeit nicht geteilt werden.

Für den Fall eines Einbruches muss der Kampf in der Tiefe der Kompanie bzw. der Züge klar befohlen sein. Da die eigenen Kräfte bei so einer Lage bereits Verluste erlitten haben, müssen die vorgesehenen Stellungen in der Tiefe durch jedes Element bezogen werden können. Das Beziehen dieser Stellungen muss deshalb beim Vorüben der geplanten Einsatzführung trainiert werden. Hinsichtlich des Ausbaues der Stellungen und des Sperrenbaues gelten in der Tiefe dieselben Grundsätze wie für den Ausbau der FEBA, da das Ziel, die nachhaltige Abwehr der gegnerischen Kräfte, dasselbe ist.

Das Vorüben der geplanten Einsatzführung erhöht die eigene Gefechtsbereitschaft. Dabei haben nicht nur jene Kräfte, die in der Tiefe eingesetzt sind, die geplante Einsatzführung vorzuüben, sondern auch jene, die erst herausgelöst werden müssen, um einen Feindeinbruch in der Tiefe abzuriegeln. Durch das Vorüben wird darüber hinaus die benötigte Geschwindigkeit sichergestellt, die notwendig ist, um eine gegnerische Aktion zeitlich unterlaufen zu können.

Kampf bei Dunkelheit und schlechter Sicht

Die Leuchtgranate eines Panzerabwehrrohres beleuchtet ein Tal im Gebirge. (Foto: Bundesheer/Gerald Stiegler)
Die Leuchtgranate eines Panzerabwehrrohres beleuchtet ein Tal im Gebirge. (Foto: Bundesheer/Gerald Stiegler)

Die Vorbereitungen für den Kampf bei Nacht oder schlechter Sicht müssen noch am Tag bzw. bei guter Sicht durch die Kommandanten befohlen werden. Wesentlich für die Beurteilung des Einsatzes bei Dunkelheit sind das rechtzeitige Erkennen jeglicher gegnerischer Annäherung und das Führen des Feuerkampfes mit derselben Effizienz wie bei Tag. Um den Gegner erkennen zu können, ist zu beurteilen, ob sich wegen der Dunkelheit bzw. der Sichteinschränkung zusätzliche sichttote Räume ergeben. Aufgrund dieser Beurteilung sind folgende Maßnahmen durchzuführen:

  • Besetzen zusätzlicher Stellungen, neben den ständig besetzten Stellungen, zur Sicherstellung der Beobachtung in alle Räume;
  • Regelung der Ausleuchtung des Gefechtsfeldes;
  • Regelung des Einsatzes der Nachtsicht- und Nachtzielmittel; 
  • Auspflocken der Stellungen zum Festlegen der Feuerbereiche und zum Verhindern von Verlusten durch eigenes Feuer; 
  • Einrichten der Waffen auf die festgelegten Zielpunkte (mit Pflöcken bzw.  mit mechanischen Einstellungen auf den Lafetten sowie mit den Seiten- und Höhenrichtanzeigern bei GKGF); 
  • wenn erforderlich, Neufestlegung der für den Tag befohlenen Feuereröffnungslinie;
  • Ausbau zusätzlicher Alarmeinrichtungen wie Leuchtknallkörper.

Besonderheiten des Kampfes bei schlechter Sicht 

Bei extrem schlechter Sicht, beispielsweise bei Nebel mit einer Sichtweite von unter 50 m, ist zu beachten, dass diese auch mit einem Wärmebildgerät nur unwesentlich größer ist und es keine Maßnahmen gibt, sie zu erhöhen. In diesem Fall können durch die Abstände zwischen den Gruppen und den Zügen Lücken in der Beobachtung entstehen. Dadurch wird die Möglichkeit zur gezielten Bekämpfung eines sich annähernden oder bereits angreifenden Gegners drastisch eingeschränkt. Somit müssen die Kräfte so verschoben bzw. zusätzliche stehende Spähtrupps so eingesetzt werden, dass jede Annäherung des Gegners rechtzeitig erkannt wird. Damit ist gewährleistet, dass eine geplante bewegliche Einsatzführung durchgeführt werden kann und eigene Kräfte weder überrascht noch besiegt werden können.

Der Vorbereitung des Feuerkampfes mittels Zielpunkten für Infanteriewaffen kommt dabei eine große Bedeutung zu. Nur durch das Zusammenwirken mehrerer Gruppen kann ein Abwehrerfolg sichergestellt werden. Auch ohne klare Sicht auf den Zielpunkt können die in ihren Schwenkbereichen auf den Zielpunkt eingerichteten schweren Waffen den Gegner niederhalten und ihm Verluste zufügen. 

Die präziseste Wirkung wird dabei von am Tag, auf den Strich genau, eingerichteten Maschinengewehren auf Lafetten bzw. Bordwaffen erzielt. Das gleiche gilt für Panzerabwehrrohre mit Sprenggranaten auf hochgezogene Sprengpunkte, die bereits am Tag, auf den Meter genau, herausgemessen wurden. Problematisch ist die Panzerabwehr, da alle Panzerabwehrwaffen ein gepanzertes Kampf- und Gefechtsfahrzeug (GKGF) zuerst erkennen müssen, um es wirkungsvoll bekämpfen zu können. 

Bei schlechten Sichtverhältnissen, die das geplante Zusammenwirken der Panzerabwehrwaffen aus den Hauptstellungen verhindern, kommt der lückenlosen Anlage von Panzersperren eine besonders große Bedeutung zu. Nur dadurch können gegnerische GKGF zum Stehen gebracht und die Zeit gewonnen werden, die zum Verschieben der Panzerabwehrwaffen notwendig ist.

Gefechtsfeldbeleuchtung mit dem Granatgewehr. (Foto: Daniel Trippolt)
Gefechtsfeldbeleuchtung mit dem Granatgewehr. (Foto: Daniel Trippolt)
Das Granatgewehr ist auf Gruppen-ebene auch ein Mittel zur Gefechtsfeldbeleuchtung.
 (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Das Granatgewehr ist auf Gruppenebene auch ein Mittel zur Gefechtsfeldbeleuchtung.
(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Einsatz von Beobachtungsmitteln

Zur Beobachtung des Gefechtsfeldes müssen passive Nachtsichtgeräte eingesetzt werden, um eine Eigenaufklärung zu verhindern. Ob diese Beobachtungsgeräte auf technischer Basis eines Restlichtverstärkers oder eines Wärmebildgerätes funktionieren, ist im Prinzip egal. Wesentlich ist, dass aus den festgelegten Beobachtungsstellungen der gesamte Gefechtsstreifen lückenlos beobachtet werden kann. 

Im urbanen Umfeld kann möglicherweise die künstliche Straßenbeleuchtung vor den vorgeschobenen Sicherungen zur Beobachtung genutzt werden. Im Gefecht muss aber damit gerechnet werden, dass der Gegner die Straßenbeleuchtung ausschaltet, um die eigene Einsatzführung zu behindern. In diesem Fall müssen genügend Nachtsichtgeräte bei den eingesetzten Kräften vorhanden sein, um den Auftrag weiter erfüllen zu können. 

Nachtkampf mit künstlicher Gefechtsfeldbeleuchtung 

Der gefechtstechnischen Ebene stehen Leuchtpistolen, Granatgewehre, Panzerabwehrrohre, Granatwerfer und die Artillerie für die Gefechtfeldbeleuchtung zur Verfügung. Bei der Erstellung des Leuchtplanes ist es wesentlich, dass die jeweilige Führungsebene ihren Auftrag auch ohne Unterstützung durch Leuchtfeuer von der übergeordneten Ebene durchführen kann. Dies bedeutet, dass beispielsweise der Kompaniekommandant seinen Kampfplan niemals nur auf das anzufordernde Feuer des schweren Granatwerferzuges oder der Artillerie aufbauen darf. 

Zum durchgehenden lückenlosen Ausleuchten eines Zielpunktes über einen längeren Zeitraum sind mindestens zwei Panzerabwehrrohre gleichzeitig einzusetzen. Soll der gesamte Gefechtsstreifen einer Kompanie gleichzeitig ausgeleuchtet werden, sind zwei bis drei Gruppen mit jeweils zwei PAR notwendig. 

Der Feuerkampf im Infanteriegelände wird schwergewichtsmäßig durch die Zugskommandanten geleitet. Durch diese sind auch das Leuchtfeuer der Panzerabwehrrohre und das Feuer der Flachfeuerwaffen, insbesondere der Panzerabwehrwaffen zu koordinieren. Mit zwei Panzerabwehrrohren, die in einer Gruppe zusammengefasst sind, kann der Zug, wenn er in der entsprechenden Stellungsform eingesetzt ist, seinen Verantwortungsbereich ausleuchten. Die restlichen Panzerabwehrrohre werden beim Feuerkampf gegen den Gegner eingesetzt. Leuchtstellungen und Leuchtpunkte müssen so festgelegt werden, dass sie den gesamten Gefechtsstreifen in allen Phasen der Einsatzführung abdecken können.

Ein Maschinengewehr beim Feuerkampf in der Nacht. (Foto: Bundesheer/Thomas Lampersberger)
Ein Maschinengewehr beim Feuerkampf in der Nacht. (Foto: Bundesheer/Thomas Lampersberger)
Feuer und Gefechtsfeldbeleuchtung. (Foto: Bundesheer/Thomas Lampersberger)
Feuer und Gefechtsfeldbeleuchtung. (Foto: Bundesheer/Thomas Lampersberger)

Einsatz aktiver Nachtzielmittel

Verfügen Waffen über aktive Nachtkampfsätze, wie den Nachtkampfsatz für das Maschinengewehr bzw. das überschwere Maschinengewehr oder das Taktische-Laser-Licht-Modul des Sturmgewehres, dürfen diese erst unmittelbar vor dem Feuerkampf aktiviert werden. Um mit Nachtkampfsätzen einen effektiven Feuerkampf gegen einen technisch gleichwertigen oder überlegenen Gegner, der über Nachtsichtgeräte verfügt, führen zu können, sind folgende Grundsätze entscheidend:

  • Bei Tageslicht müssen, trotz der vorhandenen Nachtzielgeräte die Zielpunkte festgelegt und die Waffen auf die Zielpunkte eingerichtet bzw. die Bereiche ausgepflockt werden. So kann der Trupp, der das Gefechtsfeld beobachtet, rasch eine klare Zielansprache durchführen.
  • Die Beobachtung erfolgt immer mit passiven Nachtsichtgeräten, vorzugsweise mit Nachtsichtferngläsern oder Wärmebildgeräten.
  • Spätestens beim Erkennen eines sich annähernden Gegners muss der Gruppenkommandant die Beobachtung übernehmen. Das ist die Voraussetzung für die Feuerleitung über festgelegte Zielpunkte.
  • Wird nach dem Feuerbefehl das Licht aktiviert, muss dieses nach maximal zehn Sekunden wieder deaktiviert werden. Dabei ist es gleichgültig, ob Weiß- oder Infrarotlicht verwendet wird. Unmittelbar nach der Deaktivierung muss ein Stellungswechsel in eine Wechselstellung durchgeführt werden, da davon ausgegangen werden muss, dass das aktivierte Licht vom Gegner erkannt wurde und dieser den Ort der Lichtquelle (die eigene Stellung) bekämpfen wird.
  • Die Herausforderung bei der Zielbeleuchtung durch den Nachtkampfsatz mit Laserkopf besteht darin, dass der Laserkopf zur Beleuchtung nach Aktivierung zuerst auf die Kampfentfernung fokussiert werden muss, damit das Ziel erkannt werden kann. Der Leuchtdurchmesser, um Ziele erkennen zu können, beträgt zehn bis 15 Meter. Das bedeutet, dass von einem Gegner, der sich mit Normabständen in Gefechtsform bewegt, ein bis zwei Schützen erkannt werden können.

Aufgrund der geringen ausgeleuchteten Fläche ist der Feuerkampf mit aktiven Nachtzielgeräten nur im Bereich der vorgeschobenen Sicherungen gegen die gegnerische Aufklärung oder gegen die Angriffsspitzen zweckmäßig. Im Bereich der FEBA und in allen Bereichen der geplanten Einsatzführung, in denen ein überlegener Gegner abgewehrt werden muss, ist nach wie vor künstliche Beleuchtung anzuwenden. 

Die Leuchtdauer sollte zehn Sekunden nicht überschreiten. Verfügt die eigene Führung über gesicherte Grundlagen, betreffend der gegnerischen Nachtkampfausstattung, kann sich die Leuchtdauer dadurch verändern. Setzt der Gegner Leuchtfeuer zum Ausleuchten des Gefechtsfeldes ein und kommt es dadurch zur Blendung eigener Nachtsichtgeräte, muss sofort mit der eigenen Gefechtsfeldbeleuchtung zur Führung des Feuerkampfes begonnen werden können. Daher muss eine Truppe, die den Feuerkampf mit aktiven Nachtzielmitteln plant, auch den Feuerkampf mit künstlicher Gefechtsfeldbeleuchtung vorbereiten und vorüben.

Feuerkampf mit dem MG - Variante 1

Funktion und Ausrüstung 

Gruppenkommandant: passives Nachtsichtgerät zur Gefechtsfeldbeobachtung;
MG-Schütze 1: Nachtsichtbrille, MG mit optischer Visiereinrichtung „Aimpoint“, Taktisches-Laser-Licht-Modul mit Laserkopf am MG.

Vorteil 

  • MG kann alle Tätigkeiten, die für den Feuerkampf ohne Gefechtsfeldbeleuchtung notwendig sind, selbst durchführen („immer leuchtbereit“).

Nachteile

  • MG-Schütze muss den Laserkopf fokussieren und kann erst danach mit der Zielauffassung beginnen: Gefahr von Gegenfeuer vor der Feuereröffnung; 
  • wenn das MG selbst leuchtet und kein Ziel erkennt, muss der MG-Trupp trotzdem einen Stellungswechsel durchführen; 
  • je niedriger die Feuerhöhe ist, desto früher trifft der Leuchtkegel auf den Boden und die ausgeleuchtete Fläche markiert die eigene Stellung;
  • je nach Witterung und Wind kann es bereits nach wenigen Feuerstößen in rascher Folge zur Eigenblendung durch den, die Pulvergaswolke beleuchtenden, Laser kommen.  

Feuerkampf mit dem MG - Variante 2

Funktion und Ausrüstung 

Gruppenkommandant: passives Nachtsichtgerät zur Gefechtsfeldbeobachtung, Sturmgewehr mit Taktischem-Laser-Licht-Modul mit Laserkopf;
MG-Schütze 1: Nachtsichtbrille, MG mit optischer Visiereinrichtung „Aimpoint“.

Vorteile

  • MG nur passive Beobachtung;
  • ist der Gruppenkommandant aus einer überhöhten Stellung eingesetzt, trifft der Leuchtkegel erst weit vor der Stellung auf den Boden und verrät die ausleuchtende Stellung nicht;
  • ist die Leuchtstellung frontal geschützt und leuchtet flankierend, ist die Wahrscheinlichkeit, vor der Feuereröffnung, durch Gegenfeuer bekämpft zu werden, minimiert;
  • keine Eigenblendung des MG-Trupps durch eine angestrahlte Pulvergaswolke;
  • der Kommandant kann den Stellungswechsel schnell und einfach durchführen.

Nachteil

  • Das MG kann den Feuerkampf ohne Fremdbeleuchtung nicht selbstständig führen.


wird fortgesetzt

Major Markus Ziegler, MA ist Hauptlehroffizier am Institut Jäger der Heerestruppenschule.

Link zur Serie

Der Einsatz von schweren Waffen zur Gefechtsfeldbeleuchtung ermöglicht das Erkennen und Bekämpfen des Gegners. (Foto: Stefan Tesch)
Der Einsatz von schweren Waffen zur Gefechtsfeldbeleuchtung ermöglicht das Erkennen und Bekämpfen des Gegners. (Foto: Stefan Tesch)
 

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