• Veröffentlichungsdatum: 13.03.2016
  • – Letztes Update: 06.03.2018

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Umbruch in der Gebirgsausbildung

Andreas Korber

Foto: Bundesheer

(Publiziert: Jänner 2015) Im Dezember 2013 erfolgte die Unterzeichnung des Vertrages über die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bundeswehr (DBW) und dem Österreichischen Bundesheer (ÖBH) zur Durchführung von Ausbildungs- und Übungsvorhaben im Bereich der Gebirgs- und Gebirgskampfausbildung. Damit ­beginnt für die qualifizierte Gebirgsausbildung im ÖBH mit dem Jahr 2015 ein neues Kapitel.

Der Aufbau der Gebirgsausbildung des ÖBH ab 2015. (Grafik: Korber)

Das bisherige dreistufige Modell der qualifizierten Gebirgsausbildung mit Heereshochalpinist (HHAlp), Heeresbergführergehilfe (HBFG) und Heeresbergführer (HBF) wird durch ein zweistufiges Modell ersetzt. Dieses besteht aus dem Heereshochgebirgsspezialisten (HHGS) und dem HBF als Höchstqualifikation.

Heeresgebirgsausbilder (HGA)

Rein national für Österreich wurde durch die Streitkräfte die Forderung nach einer weiteren Qualifikation erhoben, mit der die Allgemeine Truppengebirgsausbildung abgedeckt werden kann. Dabei handelt es sich um den Heeresgebirgsausbilder (HGA), der einen abgespeckten HHGS darstellt (ohne Gebirgskampf, ohne Eisausbildung) und in zwei mal drei Wochen ausgebildet werden soll.

Heereshochgebirgsspezialisten (HHGS)

Der Heereshochgebirgsspezialist entspricht gebirgstechnisch in etwa dem bisherigen HHAlp, wie sich aus dem Ausbildungsziel ablesen lässt (kursiv geschriebene Wörter sind Begriffe der Deutschen Bundeswehr). Neu gegenüber dem HHAlp, wie er in den letzten Jahren ausgebildet wurde, ist vor allem, dass der Gebirgskampf wieder einen wesentlichen Bestandteil der Ausbildung zum HHGS darstellt.

Die Ausbildung dauert fünf Wochen für den Sommer- und fünf Wochen für den Winterteil und wird inhaltlich ident durch die Gebirgs- und Winterkampfschule der DBW in Mittenwald und das Gebirgskampfzentrum/HTS in Saalfelden durchgeführt. Deshalb ist es möglich, dass Soldaten beider Länder die Ausbildung sowohl in Österreich als auch in Deutschland absolvieren können.

Die Qualifikation HBFG wird ab 2015 nicht mehr neu ausgebildet, sondern fällt ersatzlos weg. Alle bisher zum HBFG Ausgebildeten behalten ihre Qualifikation und können ihrer Ausbildung entsprechend weiter eingesetzt werden.

Heeresbergführer (HBF)

Die Ausbildung zum HBF besteht aus drei Teilen und wird in einem gemeinsamen Lehrgang mit der DBW durchgeführt. Sie umfasst insgesamt im Sommerteil 20 Wochen, im Winterteil 14 Wochen und für den Internationalen Rettungsspezialisten (IRS) zusätzlich drei Wochen. Der gesamte Lehrgang ist grundsätzlich innerhalb eines Jahres zu absolvieren. Der erste Pilotlehrgang wird von Juni 2015 bis Mai 2016 abgewickelt. Der Einstieg in die gesamte qualifizierte Gebirgsausbildung soll in Zukunft ohne zwingende Vorkenntnisse möglich sein, für den Einstieg in die HBF-Ausbildung ist allerdings eine Einstiegsprüfung zu bestehen. 

 

Qualifikation des Alpinpersonals

Das gemeinsame Abzeichen der DBW und des ÖBH
für den HHGS (Grafik: Glänzer)

Die Ausbildungsziele für die unterschiedlichen Qualifikationsstufen sind derzeit wie folgt festgelegt: 


Der Heeresgebirgsausbilder kann

  • Soldaten bis zur Ebene Teileinheit im Sommer im schwierigen Gelände bis zum Schwierigkeitsgrad UIAA III+ gebirgstechnisch führen und dieses Gelände auch gangbar machen,
  • Soldaten bis zur Ebene Teileinheit im Winter nach den Limits der „Entscheidungshilfe für den HHGS“ gebirgstechnisch führen,
  • als Ausbilder die Inhalte der Allgemeinen Truppengebirgsausbildung vermitteln,
  • als Ausbildungsleiter (nach abgeschlossener Unteroffiziers- oder Offiziersausbildung) die Allgemeine Truppengebirgsausbildung im Sommer im unvergletscherten Gebirge leiten,
  • eine Abseilstelle an vorhandenen Fixpunkten errichten und betreiben,
  • einfache Rettungsmaßnahmen durchführen und
  • bei organisierten Rettungseinsätzen mitwirken.

Der Heereshochgebirgsspezialist kann

  • Soldaten bis zur Ebene Teileinheit im Sommer im schwierigen Gelände bis zum Schwierigkeitsgrad UIAA III+ gebirgstechnisch führen und dieses Gelände auch gangbar machen,
  • Soldaten bis zur Ebene Teileinheit im Winter nach den Limits der „Entscheidungshilfe für den HHGS“ gebirgstechnisch führen,
  • der Verwendung entsprechend, ­Gefechtsaufgaben im Hochgebirge durchführen,
  • als Ausbilder die Inhalte der Truppengebirgsausbildung/ANTRA 2-3 vermitteln,
  • als Ausbildungsleiter (Bemerkung: bei der Deutschen Bundeswehr ab Feldwebel) die Truppengebirgsausbildung im Sommer im unvergletscherten Hochgebirge leiten,
  • einfache Rettungsmaßnahmen durchführen und
  • bei organisierten Rettungseinsätzen mitwirken.

Der Heeresbergführer kann

  • Kommandanten/vorgesetzte Ebenen bis zum Kommandeur bei der Planung, Vorbereitung und Durchführung von Einsätzen im Gebirge beraten und im Führungsverfahren mitwirken,
  • mit militärischer Ausrüstung unter allen Umweltbedingungen Soldaten im Schwierigkeitsgrad IV führen,
  • mit alpiner Ausrüstung im Schwierigkeitsgrad V+ gebirgstechnisch (steigeisenfester Schuh) führen,
  • Rettungseinsätze leiten sowie als Heeresflugretter Einsätze durchführen,
  • schwierige Geländeabschnitte im Gebirge für die Truppe gangbar machen,
  • Lawinen, auch aus Hubschraubern, absprengen und
  • die Truppengebirgsausbildung (TGebA)/Gebirgsausbildung gemäß ANTRA2-3 und die qualifizierte Gebirgsausbildung bis zum HHGS, bei besonderer Eignung bis zum HBF, leiten bzw. als Ausbilder die Inhalte vermitteln.

Grundlagen und Evaluierung

Voraussetzung für eine gemeinsame qualifizierte Gebirgsausbildung, wie sie ab 2015 geplant ist, sind gemeinsame Grundlagen. Dazu wurde durch das Gebirgskampfzentrum/HTS Saalfelden gemeinsam mit der DBW eine neue Vorschrift „Gebirgsausbildung“ erarbeitet. Diese wird derzeit gedruckt und wird für das ÖBH ab 1. Dezember 2014 als Dienstvorschrift (zur Erprobung) „Gebirgsausbildung“ in Kraft gesetzt sein. Über die qualifizierte Gebirgsausbildung hinaus ist auch eine enge Zusammenarbeit mit der DBW im Bereich der Gebirgskampfausbildung geplant bzw. wird eine solche bereits in Teilbereichen, wie die Ausbildung von Scharfschützen und von Laufbahnlehrgangsteilen im Hochgebirge, durchgeführt.

Neu hinzukommen soll die Evaluierung von Einheiten und/oder Teileinheiten für Einsätze im Mittel- und Hochgebirge. Dazu wurde 2014 bereits ein Pilotlehrgang in Mittenwald durchgeführt, der zweite soll im Oktober 2015 auf dem Truppenübungsplatz Lizum abgewickelt werden. Aufgrund der dabei gesammelten Erfahrungen wird darüber entschieden, ob diese Evaluierungsübungen weiter Bestand haben werden oder nicht. Die Umbrüche in der qualifizierten Gebirgsausbildung fordern alle Betroffenen, insbesondere aber das Gebirgskampfzentrum/HTS in Saalfelden. Es sei jedoch angemerkt, dass auch die Gebirgsausbildung Ressourcen erfordert. Insbesondere die Kooperationen des ÖBH mit der DBW im Bereich der Gebirgs- und Gebirgskampfausbildung gibt es nicht zum Nulltarif!

Oberstleutnant Andreas Korber ist Referent im Gebirgkampfzentrum.

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Eine gediegene Gebirgsausbildung ist Voraussetzung für Einsätze im Gebirge sowohl im Sommer als auch im Winter. (Foto: Bundesheer)
Eine gediegene Gebirgsausbildung ist Voraussetzung für Einsätze im Gebirge sowohl im Sommer als auch im Winter. (Foto: Bundesheer)
 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Michael Kauf // 18.03.2016, 15:07 Uhr Zu dieser Ausbildung würde ich vorschlagen, dass man auch die Schweiz dazu nimmt. Das würde bergmäßig passen und wäre eigentlich zur österreichischen Neutralität adäquat ... aber auch Winterausbildung in Norwegen/Schweden könnte man tauschweise machen. Je mehr Erfahrung der Ausbildner hat, desto besser für die Mannschaft.
    Berg auf! Kauf, OltdRes