• Veröffentlichungsdatum: 01.10.2020
  • – Letztes Update: 06.10.2020

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Übung mit operativ-taktischem Dilemma

Horst Pleiner

(Fotos: HBF; Montage Keusch)
(Fotos: HBF; Montage Keusch)

Das mit der konkreten Vorbereitung der Übung „Bärentatze“ beauftragte Gruppenkommando I befand sich im operativ-taktischen Dilemma. Die Ausarbeitung der Grundlagen der Übung 1969 wurden dem G3 Oberst dG Segur-Cabanac, als bestem Kenner der aktuellen und von ihm im Bundesministerium ausgearbeiteten operativen Planungen, übertragen und er bekam von seinen Vorgesetzten „freie Hand“.

Vorwärts der Erlauf fand sich das hügelige Mischgelände einer Panzer- und Infanteriekampfzone mit günstigen Panzerlinien und wenig Abschnitten mit starkem Gelände. Eine JgBrig war daher nicht gerade das bevorzugte Element für eine derartige Aufgabe, deren Panzerabwehr auf Bataillons- und Brigadeebene aus 10,6-cm-rPak-Zügen der Jägerbataillone, einer Panzerjägerkompanie und den bisher nur teilweise zugeteilten PAR 66 „Carl Gustav“ bestand. Auch die Radlafette für die 10,6-cm-rPak war nicht allen Jägerbataillonen zugewiesen. Die verfügbaren rPak-Züge waren teilweise nicht voll aufgefüllt und bestanden meist nur aus zwei rPak-Gruppen. Die Panzerjägerkompanie der 1.JgBrig hatte allerdings (fast) ihren vollen Stand. Die Radlafette für die 10,6-cm-rPak war 1967 eingeführt und 1969 erst teilweise den Panzerjägerkompanien zugewiesen worden. Auch für das System PAR 66 war die Einführung 1967/1968 gestaffelt erfolgt. Die Ausbildung wurde in den Brigaden nach einem Schneeballsystem vorgenommen und war daher noch nicht überall abgeschlossen.

Das Gruppenkommando I machte aus den Gegebenheiten das Beste, war sich aber der Probleme bewusst. Nach einer ersten Beurteilung und Arbeitshypothese zu Übungsraum, Truppeneinteilung usw. erfolgten daher Anträge an die Sektion III/BMLV. Der GTI, General Fussenegger, wurde offiziell von der Sektion III nicht bei deren Erledigung eingebunden, es haben aber (nicht dokumentierte) Gespräche zwischen Oberst dG Freihsler und dem GTI stattgefunden. Man sah offensichtlich sowohl im Bundesministerium als auch im Gruppenkommando I das Manöver als Unterstützung der Bemühungen um eine Steigerung des Heeresbudgets und der Einsicht der Politik und Öffentlichkeit für eine derartige Verbesserung der materiellen Situation des ÖBH, arbeitete aber innerhalb des Ministeriums nicht wirklich zusammen.

Kampfpanzer M60 im Straßenmarsch während der "Bärentatze". (Foto: HBF)
Kampfpanzer M60 im Straßenmarsch während der "Bärentatze". (Foto: HBF)

Rahmenbedingungen durch das BMLV

Die Erledigung der eingebrachten Anträge erfolgte immerhin rasch und gab vor:

  1. Der Übungsraum südlich der Donau zwischen der Traisen und der Enns wird genehmigt.
  2. Die Begrenzung des Übungsraumes im Norden durch ein fiktives „Neutralland“ wird genehmigt, daher verblieben zwischen Hiesberg und Pielachtal Breiten zwischen ca. 12 und 20 km.
  3. Das Gruppenkommando I hat mit den eigenen Kräften das Auslangen zu finden; die Einbeziehung von Landwehreinheiten aus dem Bereich der Gruppe I sowie die Unterstellung einer PzKp/PzB7 (mit KPz M41), einer kleinen Kampfgruppe der Panzertruppenschule und einer PzGrenKp/PzGrenB13 (mit SPz) werden genehmigt; hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten der Landwehr waren Erkenntnisse zu gewinnen.
  4. Die vorgelegte Übungslage mit einem (allenfalls politisch sensiblen) Angriff des Gegners in West-Richtung und die Übungsgliederung gemäß Antrag der Gruppe werden genehmigt; damit waren die Aufgaben der verstärkten 9.PzGrenBrig als „Feind“ und der 3.PzGrenBrig als Gegenangriffskraft von „Blau“ klar vorgegeben; der Verlauf einer fiktiven „Staatsgrenze“ zwischen „Blau“ und „Orange“ westlich des Pielachtales wurde akzeptiert.
  5. Der Gegenangriff der 3.PzGrenBrig als Abschluss der Übung muss (!) durchgeführt werden, der geplante Verfügungsraum der 3.PzGrenBrig zwischen Amstetten und St. Valentin wurde zur Kenntnis genommen; es waren Erkenntnisse zum Zeitbedarf für das Heranführen einer PzGrenBrig nach Osten zu gewinnen.
  6. Der Ablauf des Manövers in „freier“ Weise ohne Steuerung der Partei „Orange“ als Leitungstruppe wurde ebenfalls nicht beeinsprucht.

Man war sich sowohl in der Gruppe Operation als auch im Gruppenkommando I bewusst, dass eine völlige Differenzierung zur Planung der Operationsfälle in dem Raum nicht wirklich möglich sein und bestenfalls nur unter erheblichen Bedenken übungsmäßig zu handhaben war. Das betraf vor allem den Hinhaltenden Kampf der 1.JgBrig zwischen Hiesberg und Pielachtal vorwärts der Erlauf und die doch abgesetzte Disposition der 3.PzGrenBrig in ihrem Verfügungsraum. Während dieser Vorgänge wurden dann auch das Jägerbataillon 23 und die Panzerjägerkompanie 6 aus Westösterreich (Gruppe III) in die Übung einbezogen. (Anmerkung: Der genaue Vorgang war für den Autor nicht abzuklären, aber vielleicht finden sich dazu noch Unterlagen oder Zeitzeugen im „Westen“.) Jedenfalls sollte diese Kräftegruppe am ersten Übungstag an der Erlauf verfügbar sein und sich dort zur Abwehr einrichten, womit für den VRV doch noch eine Mindestkomponente zugeordnet wurde.

Die Akzeptanz der fiktiven Staatsgrenze zur demonstrativen Aufnahme des Kampfes durch „Blau“ nahe der Grenze ohne klare Aufträge der Übungsleitung an die 9.PzGrenBrig hinsichtlich der Angriffsgruppierung und des Angriffsverfahrens der 9.PzGrenBrig ermöglichte der Führung dieser „Feinddivision“ eine entsprechend breit angesetzte Angriffsdisposition und de facto einen Angriff aus der Bereitstellung und nicht aus der Bewegung. Da die Hauptbewegungslinien Autobahn und Bundesstraße 1 bis in den Raum Ybbs ausgeklammert wurde, trat also eine „verstärkte“ Ost-Division südlich des Hiesberges zum Angriff an.

Umsetzung der Grundlagen, Arbeitshypothese und Antragserledigung für die "Bärentatze". (Grafik: BEV, Pleiner; Montage: Schobesberger)
Umsetzung der Grundlagen, Arbeitshypothese und Antragserledigung für die "Bärentatze". (Grafik: BEV, Pleiner; Montage: Schobesberger)

Umsetzung der Vorgaben des BMLV

In der Umsetzung der Grundlagen, Arbeitshypothese und Antragserledigung wurden für die Partei „Blau“ eine Widerstandslinie A vorwärts Mank zwischen Loich, Kettenreith und dem Hiesberg bei Sooß vorgesehen. Rechts in dieser WL befand sich das Jägerbataillon 2 mit zwei Jägerkompanien und Teilen der (-) schweren Kompanie vorne. Als Reserve hielt das Bataillon eine (-) Jägerkompanie (mit zwei Halbzügen) und den halben Pionierzug des Bataillons südwestlich Aigen/Kilb bereit. Außerdem war eine Kampfgruppe „Sommer“ bestehend aus zwei Jägerzügen, einem rPak-Zug der Panzerjägerkompanie 1 und der zweiten Hälfte des (-) Pionierzuges als Verzögerungskraft an der Bewegungslinie von Weinburg im Pielachtal in Richtung Kilb vorgeschoben.

Das Jägerbataillon 4 lag links in WL A mit zwei Jägerkompanien und Teilen der (-) schweren Kompanie vorne und einer (-) Jägerkompanie (mit einem Jägerzug und einem Panzergrenadierzug des Panzergrenadierbataillons 13 mit SPZ) als Reserve nördlich Mank. Vor dem Jägerbataillon 4 befand sich als vorgeschobenes Element die (-) Panzerkompanie des Panzerbataillons 7 (M41) verstärkt durch einen weiteren Panzergrenadierzug des Panzergrenadierbataillons 13, einen Jägerzug des Jägerbataillons 4 und einem rPakZg der Panzerjägerkompanie 1. Als Brigadereserve lag nordwestlich Mank eine Kampfgruppe „Pucher“ mit einem Zug des Panzerbataillons 7 (M41), einem Panzergrenadierzug des Panzergrenadierbataillons 11 (Ausb), einer (-) Jägerkompanie, die wahrscheinlich nur einen Jägerzug aufwies und dem Fliegerabwehrzug des Jägerbataillons 4. Angeblich hatte diese KG „Pucher“ auch KPz M47, doch fand sich dafür keine Bestätigung. Die Grenze zwischen den beiden Jägerbataillonen befahl die 1.JgBrig in etwa in der Linie Bischofstetten, Fohrafeld (ndl Kilb), Hagberg (sdl Mank), Diesendorf.

Vorwärts der beiden vor der Widerstandslinie A eingesetzten Verzögerungselemente waren Spähtrupps in Richtung der „Staatsgrenze“ beabsichtigt. (Anmerkung: Es war allerdings dem Autor weder 1969 am Gefechtsfeld im Raum Bischofstetten noch in späteren Jahren bei der Bearbeitung von Unterlagen und Befragung einzelner Teilnehmer möglich, deren Stärke, Positionen und Wirksamkeit konkret zu erfassen bzw. zu verifizieren.) Die Widerstandslinie B in der Tiefe verlief grob vorwärts des Tales der Melk von Frankenfels über den Schweinsberg, vorwärts St. Leonhard auf Ritzengrub am Südwestabhang des Hiesberges. Hier waren zunächst keine Aufnahmekräfte o.ä. eingesetzt, die WL B sollte eben ad hoc entsprechend der Lageentwicklung bezogen werden.

Befehlsausgabe im Mondlicht. (Foto: HBF)
Befehlsausgabe im Mondlicht. (Foto: HBF)

Der VRV lag dann hart westlich der Erlauf zwischen Neustift, Purgstall und Wieselburg. Die beiden für die Übung bei „Blau“ verfügbaren Sicherungskompanien „Scheibbs“ und „Stadt Haag“ sowie das III/LWR 122 (GzB Allentsteig) wurden bei „Blau“ für die Sicherung der zwei wichtigsten Erlaufübergänge sowie in der Tiefe der Erlauflinie herangezogen. Das Sicherungsbataillon Wien hingegen war bei „Orange“ als Teil der infanteristischen Kräfte vorgesehen. Das verstärkte Jägerbataillon 23 war im Laufe des 11. November zusätzlich an der Erlauf einzurichten. Der später dann zur Lageverwirrung bei „Blau“ und wohl auch bei der Übungsleitung ab Mittag des ersten Übungstages beitragende neue Erlaufübergang bei Mühling war nicht (näher?) bekannt und daher wurden dort auch keine Kräfte vorgesehen. Die 3.PzGrenBrig wurde als „Armeereserve“ im bereits angeführten Raum bereitgestellt und blieb bis zu einer „Freigabe“ gebunden, also für „Blau“ noch nicht verfügbar. Dabei hatte man das Panzerbataillon 10 zwischen Amstetten und Stadt Haag in einem Verfügungsraum „Ost“ für Einsätze Richtung Erlauf disloziert. Zusätzlich musste das Bataillon einen Verfügungsraum „West“ näher zu St. Valentin erkunden. Dieser sollte im Fall einer Bedrohung aus Norden bezogen werden und Maßnahmen der oberen Führung in Richtung der Donau bei Mauthausen – St. Valentin ermöglichen. Zusätzlich erhielt die 1.JgBrig dann noch den Kleinkriegszug der Heeressport- und -Nahkampfschule unterstellt.

Die Partei „Orange“ beabsichtigte die Bereitstellung von fünf gemischten Bataillonen entlang der Pielach in den Räumen bei Prinzersdorf/ Markersdorf, Obergrafendorf, nördlich Weinburg, bei Rabenstein und nördlich Kirchberg an der Pielach. Im Raum Prinzersdorf, Loipersdorf wurde das gemischte Panzergrenadierbataillon 35 bereitgehalten, das eine (-) Jagdpanzerkompanie/Panzerbataillone 1 (AMX 13) unterstellt hatte. Im Raum Obergrafendorf lag das gemischte Panzerbataillon 33 mit zwei Panzerkompanien, der (-) 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 34, einer speziell gebildeten Panzeraufklärungskompanie 9 (ein Zug mit KPz, ein Panzergrenadierzug), einer (-) Jägerkompanie (mot) und dem (-) Heerespionierbataillon. Dann kam im Raum nördlich Weinburg das gemischte Jagdpanzerbataillon 1 mit einer unterstellten (-) Panzergrenadierkompanie des Panzergrenadierbataillons 13. Weiter südlich hatte sich im Raum Rabenstein das Gardebataillon mit seinen zwei Gardekompanien und einer (-) Jägerkompanie, gebildet durch den TÜPL Bruckneudorf, bereitzustellen. Und daran anschließend stand im Raum nördlich Kirchberg die Heeresaufklärungsabteilung mit ihrem Stabszug, einer Aufklärungskompanie, verstärkt durch einen Zug AMX 13 des Jagdpanzerbataillons 1, eine Kompanie des Sicherungsbataillons Wien und die Pionierkompanie zbV des Kommandobataillons (aus Neusiedl am See) bereit. Ostwärts Obergrafendorf hatte das (-) Sicherungsbataillon Wien mit zwei Sicherungskompanien einen Warteraum zugewiesen. Das zur Täuschung von „Blau“ bei Prinzersdorf bereitgestellte Panzergrenadierbataillon 35 sollte knapp nach Übungsbeginn im Pielachtal nach Süden in den Raum Weinburg verlegen und von dort in Richtung Kilb zum Angriff antreten.

(Foto: HBF)
(Foto: HBF)

Dieser Ansatz der Partei „Orange“ entsprach aber – wie bereits angeführt – keineswegs einer erwartbaren Angriffsgliederung einer Ost-Division aus der Bewegung und demonstrierte den ganzen Widerspruch zwischen dem Auftrag für „Orange“ als Ost-Division und der Forderung an „Blau“ den Kampf nahe der „Staatsgrenze“ aufzunehmen und dann mit größtenteils infanteristischen Kräften hinhaltend über 20 bis 25 km in die Tiefe zu kämpfen und sich dort dann auch noch zur Abwehr einzurichten.

Der ambitionierten, bekannt offensiv und gefechtstechnisch hervorragend eingestellten 9.PzGrenBrig unter Führung des Kommandanten Obst dG Karl Liko und seines Chef des Stabes Obstlt dG Erich Eder, kann da kein Vorwurf gemacht werden. Die Steuerung durch entsprechende Vorgaben wäre anderen Ebenen zugekommen. Die Hinnahme der Zuteilung von nur einer Panzerkompanie M41 durch das Gruppenkommando I erscheint doch nach dem Motto „besser als nichts“ erfolgt zu sein. Aber das Panzerbataillon 4 der Gruppe II befand sich zum Zeitpunkt der Übung ohnedies zur Gänze auf dem TÜPL Allentsteig? Eine möglicherweise ergangene Intervention beim Gruppenkommando II bezüglich der Mitwirkung des ganzen Bataillons bei der 1.JgBrig ist nicht dokumentiert. Vielleicht war etwas oberhalb der G3-Ebene behandelt worden? Gen Bach, dem Befehlshaber Gruppe II wäre die Notwendigkeit einer halbwegs ausreichenden Verstärkung der 1.JgBrig in einem doch eher panzergünstigen Gelände durch ein ganzes Panzerbataillon sicherlich klar gewesen.

Aber hätte es nicht Möglichkeiten gegeben, den sich aus der geringen Tiefe des Bereitstellungsraumes westlich der Traisen bis zur Pielach ableitenden Ansatz von „Orange“, etwa durch Zeitvorgaben für ein Antreten der Verbände in osttypischerer gestaffelter Form im Sinne des Übungszweckes (Ostdivision und Ostverfahren), zu steuern? Es liegt fern irgendeiner Führungsebene dazu Verantwortung in der Rückschau zuzuordnen, aber wahrscheinlich wären Hinweise der ministeriell zuständigen Institutionen zielführend gewesen ohne da Animositäten zu wecken. In späteren Jahren hat jedenfalls die Operations- bzw. Führungsabteilung der Generalstabsgruppe B derartige Hinweise oder Anmerkungen als Verpflichtung angesehen, auch wenn die angeordnete Vorlage von Übungsunterlagen o.a. teils erhebliche Widerstände hervorgerufen und manche negativen Reaktionen mit sich gebracht hat. Aber die verantwortlichen Leiter hatten deutliche Erkenntnisse aus der „Bärentatze“ gewonnen und sahen derartige Unterstützungen als hilfreich an. Vielleicht hat man 1969 doch noch sehr auf die Kriegserfahrung der höheren Offiziere vertraut?

(Foto: HBF)
(Foto: HBF)

Ein Detail am Rande: Oberleutnant Gerhard Fasching, neuer MilGeo-Referent beim G3/Gruppe III, wurde für die Übung „Bärentatze“ als Schiedsrichter zur Unterstützung eines Hauptschiedsrichters für ein übendes Kommando eingeteilt. Er nahm daher an zwei Vorbesprechungen in Wiener Neustadt teil. Bei der zweiten stellte er Fragen nach vorhandenen MilGeo-Unterlagen für Führung, Truppe und Schiedsrichter, nach vorhandenen Ergebnissen von MilGeo-Erkundungen des Übungsraumes zur Einbringung wichtiger Ergänzungen (neue Straßen und Wege usw.) als Violettaufdruck in den veralteten ÖMK 50 Schraffenkarten und nach der Vorgangsweise zur Minimierung sowie Dokumentation von Flurschäden bei erwartbar schlechter Witterung. Das fand zwar Zustimmung bei einigen Besprechungsteilnehmern, der Leiter der Besprechung sah dies als ungerechtfertigte Vorwürfe durch einen Rangniederen. Oberleutnant Fasching wurde daraufhin ausgeteilt und nahm an der Übung im November nicht teil.

Im Zuge der Vorbereitung der „Bärentatze“ waren gemäß Auftrag der Übungsleitung durch das Heerespionierbataillon Verstärkungen an den Brücken über die Mank und Erlauf erfolgt, um die Benützung durch gepanzerte Kräfte zu ermöglichen. Während an der Erlauf die zeitlichen Verzögerungen für „Orange“ weitgehend durchgesetzt wurden, war dies am ersten Übungstag bei den Mank-Übergängen nur zum geringeren Teil erfolgt. Diese Verstärkungen waren aber dem Lagebild eines Angreifers nicht entsprechend und hätten gerade an der Mank zu spezieller, verstärkter Einwirkung für Erkundungen oder Zeitverzug durch Schiedsrichter auf dort anrollende mechanisierte Kräfte führen müssen, um deren rasches Weiterstoßen realitätsentsprechend zumindest zu verzögern. Außerdem erfolgten bereits Schaltungen von Postleitungen für die Partei „Orange“ zu vorerkundeten Gefechtsständen von „Orange“ im Einsatzraum der 1.JgBrig. Das waren „Übungskünstlichkeiten“ und gaben z. B. dem Kleinkriegszug der HSNS Hinweise auf einen geplanten Gefechtsstand der 9.PzGrenBrig in Ruprechtshofen.

Oberleutnant Klaus Köhler, der Kommandant der dem Kommandobataillon/BMLV zugeordneten Pionierkompanie zbV in Neusiedel am See, hatte im Vorlauf der Übung beim Kommandanten und beim Chef des Stabes der 9.PzGrenBrig seinen Wunsch nach Mitwirkung seiner Einheit an der „Bärentatze“ eingebracht und die Kompanie wurde von der 9.PzGrenBrig angefordert. Oberst Winter, Leiter der ministeriellen Abteilung für Landesbefestigung, wollte dies zunächst nicht genehmigen, gab dann aber auf Drängen von Oberst dG Liko nach und die Kompanie wurde – wie schon angeführt – der Heeresaufklärungsabteilung (Kommandant Major Schirmbrand) unterstellt.

Zum Zeitpunkt der Vorbereitung der „Bärentatze“ gab es bei einem großen Teil der kriegsgedienten höheren Offiziere des ÖBH deutliche Vorbehalte gegen eine kleinkriegsartige Kampfführung, basierend auf den Erfahrungen mit dem Kampf gegen Partisanen in Russland oder am Balkan. Aber die Verantwortlichen der 1.JgBrig zogen, wahrscheinlich durch Major dG Pollhammer beeinflusst, eine Mitwirkung derartiger Kräfte in Betracht. Daher nahm Oberleutnant Franz Foidl, der Kommandant der Schulkompanie Kleinkrieg/HSNS an der Befehlsausgabe für die teilnehmenden Verbände in Eisenstadt teil. Der 7. Jagdkommando-Grundkurs war aber Ende Juli 1969 beendet worden und somit standen nur begrenzte Kräfte der HSNS zur Verfügung, die daher nur einen Kleinkriegszug stellen konnte. Foidl hatte Einwände gegen den vorgesehenen Auftrag und so wurde der Kleinkriegszug brigadeunmittelbar geführt, erhielt eine eigene Einsatzzone im Raum Mank, Ruprechtshofen, Bischofstetten zugewiesen und sollte geeignete Ziele in der Tiefe der angreifenden Partei „Orange“ bekämpfen.

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General i. R. Horst Pleiner war von 2000 bis 2002 der letzte Generaltruppeninspektor des ÖBH.

 

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