• Veröffentlichungsdatum: 30.08.2020
  • – Letztes Update: 08.09.2020

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Manöver „Bärentatze“ 1969

Horst Pleiner

(Fotos: HBF; Montage Keusch)
(Fotos: HBF; Montage Keusch)

Operative und taktische Aspekte

Mehr als 50 Jahre nach der „Bärentatze“ ist diese Übung, die vom 8. bis 15. November 1969 im Alpenvorland zwischen Traisen und Enns stattfand, im ÖBH noch lange nicht vergessen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und den Erkenntnissen des damit verbundenen militärischen Einsatzes sollte diese (zweite) Großübung des Österreichischen Bundesheeres wesentliche Erkenntnisse für dessen zukünftigen Organisation, Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung bringen.

Neben diesem militärischen Hauptziel, wollte die militärische Führung mit der „Bärentatze“ noch zusätzliche Ziele erreichen. So sollte der Bevölkerung, die das Österreichischen Bundesheer (ÖBH) zunehmend kritisch sah, die Leistungsfähigkeit der Streitkräfte vor Augen geführt werden, um das Vertrauen wiederzuerlangen. Die Politik wollte man hingegen mit den materiellen Defiziten konfrontieren. Damit sollten jene Investitionen angestoßen werden, die das ÖBH, das im Kalten Krieg zwischen den beiden feindlichen Blöcken eingekeilt war, für seine Auftragserfüllung benötigte. Diese ehrgeizigen Ziele konnten – wenn überhaupt – nur teilweise erreicht werden. Dennoch stand nach dieser Übung fest, dass sowohl das Konzept als auch die Struktur des ÖBH zu überdenken und anzupassen waren. Diese Artikelserie wirft einen kritischen Blick auf diese Übung, zeigt weniger bekannte Aspekte und Problematiken hinter den Kulissen, skizziert die Organisation und den Verlauf des Manövers und erörtert die damaligen Umfeldbedingungen.

Artikel der Serie

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General Horst Pleiner im Jahr 1991 als Divisionär. (Foto: ÖBH)
General Horst Pleiner im Jahr 1991 als Divisionär. (Foto: ÖBH)

Vorwort des Autors

Im Herbst 1969 habe ich mit der Ausbildung im 6. Generalstabskurs an der LVAk begonnen. Im Rahmen der ersten Vorhaben wurden wir als Schiedsrichter für die Übung „Bärentatze“ und ich als Schiedsrichter dem Jägerbataillon 2 zugewiesen. GenMjr Emil Spannocchi, der damalige Kommandant der LVAk, hat für mich auf Grund meiner Tätigkeit als Hauptlehroffizier Panzerabwehr an der Jägerschule dafür vorgeschlagen die Panzerabwehr der Jägertruppe zu beobachten. Ich konnte daher weitgehend ungebunden den Ablauf der Übung „Bärentatze“ bei der Partei „Blau“ beobachten. Meinen Bericht habe ich an GenMjr Spannocchi geliefert. Erkenntnisse habe ich in meine militärwissenschaftliche Arbeit über die „Panzerabwehr des ÖBH“ (Heeresgliederung Lütgendorf) sowie in eine Artikelserie über die „Großübungen des ÖBH 1956 bis 1987“ und andere mehr einbezogen. In den folgenden Jahrzehnten habe ich oft Auswirkungen der „Bärentatze“ miterlebt und musste unter anderem bedauernd feststellen, dass der damalige G 3 des Gruppenkommandos I als eine Art „Sündenbock“ betrachtet wurde und sich auch die 1. Jägerbrigade als „Opfer“ empfand. Sie haben die ihnen erteilten Aufträge erfüllt, aber niemand war danach zu deren „Ehrenrettung“ aufgetreten. Erst später habe ich in zahlreichen Gesprächen mit Gen i.R. Anton Leeb, Gen i.R. August Segur-Cabanac, Gen i.R. Siegbert Kreuter, Divr Josef Pollhammer sowie in Auswertung ministerieller Vorgänge Hintergründe zur „Bärentatze“ gefunden und konnte durch Befragungen von Teilnehmern an der Übung viele Einzelheiten klären. Leider waren 30 Jahre nach der Übung die persönlichen Erinnerungen vielfach nicht mehr sehr ausgeprägt.

General i. R. Horst Pleiner war von 2000 bis 2002 der letzte Generaltruppeninspektor des ÖBH.

Die Ereignisse um die Großübungen des ÖBH sowie die strategisch-operativen Planungen (Operationsfälle usw.) verbunden mit der Entwicklung der Führungsstruktur im Zeitraum von 1955 bis 1979 sind im „Pallasch Heft 68/1“ unter dem Titel „Die strategisch-operativen Planungen des ÖBH 1955 bis 1979 und die Entwicklung der Führungsstruktur“ eingehend dargestellt und im Jänner 2020 beim Österreichischen Milizverlag erschienen (585 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Gliederungsskizzen und OpFall-Planungen). Bestellbar online über milizverlag@miliz.at. Die Herausgabe eines Band 68/2 für den Zeitraum 1980 bis 2005 ist in Vorbereitung.  

Bildstrecke anlässlich 25 Jahre "Bärentatze" im TD-Heft 6/1994.

Abkürzungsverzeichnis

(-) – vermindert
(+) – verstärkt
Aufkl – Aufklärung
AVI – Ausbildungsvorschrift für die Infanterie
B – Bataillon
BMLV – Bundesministerium für Landesverteidigung
Brig – Brigade
CSSR – Tschechoslowakische Sozialistische Republik
CVA – Tschechoslowakische Volksarmee
dG – des Generalstabes
dInf – der Infanterie
Div – Division
Divr – Divisionär (heute Generalmajor)
Gd – Garde
Gen – General
GStbK – Generalstabskurs
GStd – Gefechtsstand
GTI – Generaltruppeninspektor
HAA – Heeresaufklärungsabteilung
HPiB – Heerespionierbataillon 
HSNS – Heeressport- und Nahkampfschule
i.R. – in Ruhe
Jg – Jäger
Kdo – Kommando
KdoB – Kommandobataillon
Kdt – Kommandant
KG – Kampfgruppe
 KK – Kleinkrieg
KPz – Kampfpanzer
LV – Landesverteidigung
LVAk – Landesverteidigungsakademie
LW – Landwehr
LWR – Landwehrregiment
mech – mechanisiert
MilGeo – Militärgeografie
motSch – motorisierte Schützen
motMarsch – motorisierter Marsch
ÖBH – Österreichisches Bundesheer
PAR – Panzerabwehrrohr
Pz – Panzer
PzAbw – Panzerabwehr
PzGren – Panzergrenadier
PzJg – Panzerjäger
R – Regiment
Res – Reserve
rPak – rückstoßfreie Panzerabwehrkanone
SGT – Südgruppe der sowjetischen Truppen
Si – Sicherung
SPz – Schützenpanzer
TÜPl – Truppenübungsplatz
ULV – Umfassende Landesverteidigung
UVA – Ungarische Volksarmee
voPD – verlängerter ordentlicher Präsenzdienst
WL – Widerstandslinie
zbV – zur besonderen Verwendung
Zg – Zug

Literatur zur „Bärentatze“

Foidl, Franz/Edelmaier, Hans (2005): Überfall auf einen Versorgungsgefechtsstand. Eine Episode aus der Übung „Bärentatze“ 1969, in: Pallasch Nr 21, Salzburg; S. 94-103.

Freistetter, Franz (1970): Bärentatze, Gefechtsübung der Gruppe I; ÖMZ Heft 1/1970; Wien; S. 8-16.

Kreuter, Siegbert (2007): Erlebtes ÖBH, Teil 2. Vom S 3 im Brigadestab in den Generalstabsdienst 1963 bis 1973; der Schriften zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres, Band 6/2, Wien; S. 380-383, 389-396, 397-401.

Pleiner, Horst (1986): Die Großübungen des Österreichischen Bundesheeres von 1955 bis 1986 (Teil 1); in: ÖMZ Heft 1/1986, Wien; S. 21-34.

Segur-Cabanac, August (1970): Lage Bärentatze; in: Truppendienst Heft 1/1970, Wien; S. 5-16.

Segur-Cabanac, René (1988): Die Übungsannahmen für Übungen von großen Verbänden des Österreichischen Bundesheeres ab 1955 unter besonderer Berücksichtigung der konkreten Übungszwecke und Übungsräume; Militärwissenschaftliche Arbeit; LVAk, Wien.

Steiger, Andreas (2017): Die Übung „Bärentatze“ im Jahre 1969-Verlauf und Folgerungen (Teil I); in: ÖMZ Heft 5/2017, Wien; S. 610-617.

Steiger, Andreas (2017): Die Übung „Bärentatze“ im Jahre 1969-Verlauf und Folgerungen (Teil II); in: ÖMZ Heft 6/2017; S. 744-751.

Steiger, Andreas (2019): Übung Bärentatze 1969, in: Truppendienst Heft 4/2019, Wien; S. 340-347.

 

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