• Veröffentlichungsdatum: 09.09.2021

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Sprengausbildung im Bundesheer - Teil 2

Walter Voglauer

Die Sprengbefugten der Pioniertruppe des Bundesheeres müssen neben militärischen auch gewerbliche Spreng- und Zündmittel für die Ausbildung und den Einsatz kennen. Die sprengtechnischen Aufgaben des Bundesheeres gehen jedoch weit über die militärische Landesverteidigung hinaus.

Sprengungen durch das Bundesheer können in verschiedenen Fällen erforderlich werden. An erster Stelle der Sprengausbildung stehen die Handhabung von Sprengungstechniken, die nach wie vor den militärischen Bereich betreffen. Dazu kommen sprengtechnische Anwendungen bei Assistenzleistungen aller Art sowie bei Auslandseinsätzen. Darüber hinaus können Sprengungen auf Ansuchen von Organisationen oder Einzelpersonen als Unterstützungsleistung notwendig werden. Weiters sind Sprengungen im Inland regelmäßig für militärische Erprobungen und Versuche auf den Übungsplätzen für die Kampfmittelbeseitigung, beim Entminungsdienst oder für andere militärinterne Zwecke erforderlich. In Österreich gibt es nach der gültigen Rechtslage wenig Einschränkungen für Sprengungen durch das Bundesheer im zivilen Bereich. Die rechtlichen Beschränkungen sind entweder selbstauferlegt oder durch gewerberechtliche oder behördliche Bestimmungen vorgegeben. Dies ist eine österreichische Besonderheit, da in den meisten anderen Streitkräften – wie bei der Deutschen Bundeswehr – die meisten sprengtechnischen Aufgaben, die nicht unmittelbar den Kampfeinsatz betreffen, überwiegend an nicht-militärische Organisationen ausgelagert werden müssen. Solche Aufgaben dürfen in den allermeisten Staaten nur in wenigen Einzelfällen – oft nur mit besonderer Genehmigung durch die jeweilige Armee – wahrgenommen werden.

Sprengtechnische Aufgaben

Spezielle Aufgaben des Sprengdienstes der Pioniere sind unter anderem die Anlage von Sprengsperren (z. B. für Brückensprengungen) oder das Unbenutzbar-Machen von Bewegungslinien bzw. Geländeteilen (z. B. Hangabsprengungen). Das Zerstören von Anlagen und Ausrüstungsgegenständen, das sprengtechnische Beseitigen von Hindernissen und Räumen von Sperren – oder das Herstellen von Zutrittsmöglichkeiten im urbanen Umfeld – gehören zu den weiteren sprengtechnisch zu lösenden Kampfaufgaben der Pioniere. Dazu kommen die sprengtechnischen Aufgaben bei Hilfeleistungen aller Art. Pioniere werden auch regelmäßig bei durch Hochwasser verursachten Stauungen und Verklausungen oder zur sprengtechnischen Beseitigung anderer natürlich entstandener Hindernisse in Gewässern oder auf Bewegungslinien wie Straßen herangezogen. Bei der Beseitigung von Bäumen oder ganzen Windbrüchen in maschinell nicht oder nur schwer erreichbaren Geländeabschnitten ist die Sprengtechnik der Pioniere oft die sichere und schnellere Lösung. Sprengarbeiten auf heereseigenen Liegenschaften wie auf Truppenübungsplätzen sind eine weitere Aufgabe der Pioniere. Beispiele dazu sind die regelmäßigen Sprengungen, um Baumaterial zu gewinnen, Brandschutzstreifen zu errichten oder Übungsanlagen auf felsigem Boden anzulegen.

Sprengausbildung der Pioniere

Je nach Waffengattung findet die Ausbildung am jeweiligen Waffensystem mit dazugehöriger Munition nach genau festgelegten Abläufen, Regeln und Sicherheitsbestimmungen für die Einzel- oder Mannschaftsausbildung statt. Im Bereich der Sprengausbildung gibt es allerdings einen großen Unterschied zu den bereits erwähnten Ausbildungen. Die militärischen Sprengbefugten der Pioniere werden im Unterschied zu anderen Waffengattungen regelmäßig für Einsätze mit scharfer Munition in ziviler Umgebung in ganz Österreich herangezogen. Daher müssen alle militärischen Sprengbefugten, die solche Einsätze außerhalb militärischer Liegenschaften leiten, mit allen relevanten gesetzlichen Vorgaben und Normen vertraut sein. Die Sprengbefugten der Pioniere müssen in der Lage sein, bei scharfen Sprengungen einen vorhersehbaren Schaden an Sachgütern und insbesondere Verletzungen von unbeteiligten Zivilpersonen zu vermeiden. Daher dauert die militärische Ausbildung zum Pioniersprengbefugten im Unterschied zum zivilen Sprengbefugten (siehe Verordnung über den Nachweis der Fachkenntnisse für „Allgemeine Sprengarbeiten“) nicht zwei Wochen, sondern mindestens vier Wochen.

Ausrüstung und Munition

Die Fachabteilungen des BMLV mit der Abteilung Strukturplanung und der für die Beschaffung der Pionierausrüstung zuständigen Abteilung haben im Bereich der sprengtechnischen Ausrüstung relativ einfach zu bedienende und über Jahrzehnte bewährte Zündsysteme eingeführt. Andererseits wurden bei den Pionierbataillonen – sicherheitstechnisch und technologisch – modernste Zündsysteme beschafft. Solcherart programmierbare, elektronische Fernzündsysteme stehen bisher nur den Pionieren des Bundesheeres zur Verfügung. In der Munitionsbeschaffung hingegen besteht mit dem Wegfall wichtiger Spreng- und Kampfmittel ein großer Nachholbedarf. Aktuell kann jedoch noch in Teilbereichen der Sprengmunition auf die Bestände bzw. auf die Bevorratung aus der Zeit des Kalten Krieges zurückgegriffen werden, die Zündmittel jedoch sind weniger lang haltbar. Daher haben diese, trotz vorbildlicher Lagerung in den Munitionslagern und laufender technischer Kontrolle, ihr Ablaufdatum schneller erreicht als die relativ robusten Sprengmittel. Die Neubeschaffung moderner und meist relativ teurer Munition erfolgt wegen finanzieller Einschränkungen auch für die Pioniertruppe nur begrenzt.

 

Lehrgang Pioniersprengbefugnis

Die Ausbildungsziele dieses Lehrganges umfassen den Erwerb der Befugnis zum Leiten von Sprengungen mit uneingeschränkter Sprengstoffmenge. Der Pioniersprengbefugte muss durch seine Qualifikation als Ausbilder beim Lehrgang Truppensprengbefugnis eingesetzt werden können. Weiters ist der Erwerb der Grundlagen für die nachfolgende Ausbildung an den Sondersprengbefugnissen Elektronisches Funkfernzündsystem SURBS (Surface Remote Blasting System), Pyrotechnik I bzw. Pyrotechnik II, Bauwerkssprengen sowie Tief- und Großbohrlochsprengen ein Ausbildungsziel. Die wichtigste Voraussetzung, um an diesem Lehrgang teilnehmen zu können, ist die gültige Truppensprengbefugnis. Ausbildungsinhalte des Lehrganges sind sowohl Kenntnisse über militärische als auch über gewerbliche Spreng- und Zündmittel. Dabei wird die Verwendung der gebräuchlichsten in der EU mit CE-Zertifikat zugelassenen gewerblichen Spreng- und Zündmittel ausgebildet. Bei der Zündtechnik müssen die Teilnehmer ebenfalls die wichtigsten Schaltungsarten verschiedener elektrischer Zünder theoretisch und praktisch beherrschen, um die in der Pionierausrüstung vorhandenen Zündmaschinen voll ausnützen zu können. Die genaue Berechnung des Sprengstoffbedarfes und die Kenntnis über alle Ladungsarten ergänzen die erlernte Zündtechnik. Die sichere praktische Anwendung der rechtlichen und sicherheitstechnischen Bestimmungen für das Sprengen im freien Gelände (auch außerhalb militärischer Einsätze zur Landesverteidigung) ist Voraussetzung, um die Prüfung für diese Befugnis erfolgreich zu bestehen. Die bestandene Prüfung der Pioniersprengbefugnis ist die Voraussetzung für den Erwerb aller Offiziers- und Unteroffiziersränge in der Pioniertruppe.

Eine Einzigartigkeit im internationalen Vergleich ist die Möglichkeit, die zivile Sprengbefugnis auf Basis eines erfolgreich absolvierten militärischen Sprenglehrganges zu erwerben. Das erfolgt nicht automatisch. Der Lehrgangsteilnehmer muss dafür neben der bereits erfolgten militärischen Verlässlichkeitsüberprüfung den Nachweis der Verlässlichkeit gemäß dem Arbeitnehmerschutzgesetz vorlegen. Nachdem die Ausbildung durch ausgewähltes Personal des Institutes Pionier bestätigt wurde, erhält der Pioniersprengbefugte auf eigenen Antrag durch das Heerespersonalamt neben dem militärischen Sprengausweis ein Zeugnis zum „Nachweis der Fachkenntnisse für Allgemeine Sprengarbeiten“ in Form eines (zweiten) „zivilen“ Ausweises. Bei Vorliegen triftiger Gründe kann dieser Ausweis dem militärischen Inhaber nur mehr von der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde bzw. Polizeidirektion entzogen werden und ist somit militärunabhängig. Im Vergleich dazu werden hingegen die durch die Schweizer Armee durchgeführten zivilen Sprengkurse, wie jener für „Sprengarbeiten mit erhöhtem Schadensrisiko bis 25 kg Sprengstoff“, nicht in der regulären Sprengausbildung für die Pioniertruppe abgehalten. Diese Kurse sind lediglich für Schweizer Berufskader der Genie- und Rettungstruppen mit entsprechender sprengtechnischer Vorbildung – nur in Ausnahmefällen auch für Milizangehörige – offen. Sie ersetzen ebenfalls keine militärische Sprengbefugnis und sind daher ausschließlich auf den zivilen bzw. gewerblichen Bereich abgestimmt.

Lehrgang Tief- und Großbohrlochsprengen

Militärische Sprengarbeiten im Gestein, bei denen entweder die Bohrlöcher länger als zwölf Meter oder der Bohrlochdurchmesser größer als 70 Millimeter sind, beziehungsweise bei dem Gestein mit mehr als vier Meter Materialstärke weggesprengt werden muss, werden als militärische Tief- und Großbohrlochsprengungen bezeichnet. Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Ausbildung sind eine gültige Pioniersprengbefugnis sowie die vorherige Schulung an den bei den Pionieren eingeführten elektronischen Fernzündsystemen. Im zivilen Sprengwesen werden in den meisten Staaten eigene Lehrgänge abgehalten. Eines der militärischen Ziele der Ausbildung ist es, ähnlich wie es bei speziellen Einheiten der US-Streitkräfte, in Krisen- bzw. ehemaligen Kriegsgebieten sowie in Friedenszeiten Bruchmaterial (Steine oder Schotter verschiedener Größe) für den eigenen Baubedarf sprengtechnisch zu gewinnen und zu verwenden. Im Kosovo haben diese Aufgaben für den Bedarf der dort bei KFOR stationierten Bundesheerkräfte anfangs die Schweizer Pioniere in einem örtlichen Steinbruch übernommen. Ideale Ausbildungsmöglichkeiten für diesen Lehrgang bieten die verschiedenen für militärische Zwecke genutzten Steinbrüche auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig. Diese militärische Mehrfachnutzung ist eine österreichische Besonderheit im internationalen Vergleich. Die ausbildungstechnische Zusammenarbeit mit dem zivilen Leiter der Steinbrüche funktioniert seit Jahren reibungslos und ist Grundlage für den praktischen Teil. Dazu kommt, dass das während der sprengtechnischen Lehrgänge gewonnene Bruchmaterial anschließend für das Errichten und Verbessern militärischer Anlagen (z. B. Schießdämme, Feldlager, usw.) oder zur Erhaltung des etwa 500 Kilometer langen Wegenetzes am Truppenübungsplatz Allentsteig verbraucht wird. Zudem wird die spezielle Fähigkeit, durch Straßen- oder Hangabsprengungen in felsigem Gelände nachhaltige Sperren errichten zu können, erhalten. Bei diesem Lehrgang wird eine zivile Anerkennung – obwohl möglich – nicht angestrebt. Das für den gewerblichen Bereich wichtige Erlernen von Kostenkalkulationen für die Anwendung verschiedener Bohr- oder Aufbereitungstechniken würde unnötige militärische Ausbildungszeit verbrauchen. Zudem würde das der Ausbildungsphilosophie der Heerestruppenschule entgegenstehen, wonach den praktischen Anwendungen vor rein theoretisch vermittelbaren Lehrinhalten der Vorrang eingeräumt wird.

Lehrgang Bauwerksprengen

Dieser Lehrgang wird 2022 erstmals abgehalten und orientiert sich am beinahe gleichartigen Lehrgang der Schweizer Armee. Ziel ist die sichere bzw. selbstständige Planung und Durchführung von Bauwerkssprengungen aller Art – auch im dicht verbauten Gebiet. Das Schwergewicht dieser Ausbildung wird dennoch auf Brückensprengungen zum Errichten von wirksamen Sperren mit hohem Sperrwert gelegt. Voraussetzung für die Teilnahme ist wie bei allen Sondersprengbefugnissen im Sprengdienst der Pioniere eine gültige Pioniersprengbefugnis und die Ausbildung an den elektronischen Funkfernzündsystemen. Die Lehrgangsdauer wird zwei Wochen betragen und mit der praktischen Prüfung eines von den Lehrgangsteilnehmern selbstständig ausgearbeiteten Sprengprojektes abgeschlossen. Die vorherige Teilnahme am Lehrgang Bauwerkssprengen I, dem „Sprengen von Bauwerksteilen“, ist keine Einstiegsvoraussetzung. Das Institut Pionier der Heerestruppenschule arbeitet mit der Pioniertruppe bereits daran, möglichst noch im Jahr 2022 zumindest eine zum tatsächlichen Sprengen geeignete Brücke als Sprengobjekt für den praktischen Teil des Lehrganges zu finden und von gewerblicher Seite dazu eine Genehmigung zu erhalten. In diesem Bereich ist die Schweizer Armee derzeit wesentlich weiter fortgeschritten. Sie hält als einzige dafür zertifizierte Ausbildungsorganisation für den gesamten Bereich des Bauwerksprengwesens Lehrgänge für Militärs und Zivilpersonen ab. Einige Pioniere des Bundesheeres nahmen an diesem Lehrgang bereits teil.

 

Lehrgang Pyrotechnik II

Militärische Sprengbefugte dürfen Spreng- und Zündmittel auch zur pyrotechnischen Darstellung anwenden. Dabei sind aber jegliche „maßnahmenbezogenen Unterschreitungen“ der in der Dienstvorschrift Sprengdienst festgelegten Gefahrenbereiche für den leitenden Sprengbefugten verboten. Bei derartigen Sprengungen zur pyrotechnischen Darstellung müssen sich daher alle Personen außerhalb des festgelegten Gefahrenbereiches oder in einer geschützten Deckung befinden. Sind bestimmte Änderungen der festgelegten Sicherheitsbestimmungen – die „maßnahmenbezogenen Unterschreitungen“ der festgelegten Gefahrenbereiche – notwendig, so dürfen diese Sprengungen nur durch Sprengbefugte mit der erforderlichen Sondersprengbefugnis militärische Pyrotechnik Klasse II oder Klasse III geleitet werden. Die Verwendung von pyrotechnischen Mitteln (z. B. Kraftstoffen) oder von pyrotechnischen Gegenständen (z. B. Titan-salutbomben) für pyrotechnische Darstellungen ist für militärische Sprengbefugte ohne erfolgreich abgeschlossene militärische Pyrotechnikausbildung verboten. Diese ist nur mit der Sondersprengbefugnis militärische Pyrotechnik Klasse II oder Klasse III möglich. Davon abgeleitet werden beim Lehrgang Pyrotechnik II alle pyrotechnischen Darstellungen, bei denen auf die Verwendung von Sprengstoff aufgrund der gewünschten Effekte nicht verzichtet werden kann, ausgebildet. Dies ist vornehmlich bei der Waffenwirkungsdarstellung von schweren Waffen wie das Feuer oder die Wirkung im Ziel von Panzern, Artilleriegeschützen oder Jagdbombern der Fall. Hier werden Sprengstoffmassen bis zu mehreren Tonnen zur sprengtechnischen Darstellung benötigt. Daher ist unter anderem eine genaue Koordination des Ablaufes mit der übenden Truppe für den militärischen Pyrotechniker unbedingt erforderlich, um Sprengunfälle zu vermeiden.

Lehrgang Pyrotechnik III

Die Ausbildung im Lehrgang Pyrotechnik III fokussiert sich darauf, auch in unmittelbarer Nähe von Personen gezielt pyrotechnische Kleinstladungen zur Explosion zu bringen. Für Darstellungen von realistischen Lagen im Ortskampf werden Verfahren aus der Welt der Film- bzw. Theaterpyrotechnik ausgebildet und angewendet. Besonders beindruckt sind das meist in den genauen Ablauf nicht eingeweihte Publikum – genauso wie die übenden Soldaten – von der Darstellung bei Mauerwerks- bzw. Fahrzeugeinschüssen und der dargestellten Köpertreffer mit Kunstblut. Solche pyrotechnischen Einsätze werden häufig in der Öffentlichkeitsarbeit verwendet, um eine möglichst realistische Darstellung eines Kampfgeschehens zu vermitteln. Hier hat das Bundesheer ein Alleinstellungsmerkmal entwickelt. In anderen Armeen wird diese Leistung von spezialisierten zivilen pyrotechnischen Firmen teuer zugekauft.

Fort- und Weiterbildung, Ausbildungskooperationen

Wie alle sicherheitsrelevanten Tätigkeiten unterliegt die Sprengausbildung und die pyrotechnische Ausbildung in Bezug auf die zur Verfügung stehende Technologie und den sicherheitstechnischen Vorgaben ständigen Neuerungen. Um die Sprengbefugten ausreichend weiterzubilden und, wenn notwendig, die praktische Verwendung als Leiter einer Sprengung wieder aufzufrischen, werden für alle aufgezeigten Befugnisse spezielle „Auffrischungen“ angeboten. Derartige Fortbildungen im Sprengwesen entsprechen sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich dem internationalen Standard. Der Schwerpunkt bei allen Fortbildungen liegt auf dem Einhalten der bestehenden Sicherheitsbestimmungen und der Vermeidung möglicher auftretender Gefahren. Nicht zuletzt deshalb ist es in den Sprengausbildungen im Bundesheer gelungen, die vergangenen Jahrzehnte ohne gröbere Verletzungen und somit weitgehend unfallfrei zu bewältigen. Zudem kommt es in den vergangenen Jahren zu immer mehr gezielten Ausbildungskooperationen wie zuletzt im Februar 2021 zwischen den Schweizer Streitkräften und Angehörigen eines österreichischen Pionierbataillons in Genf.

Sprengausbilderkader

Im militärischen Sprengdienst bzw. in der militärischen Pyrotechnik herrscht reges Interesse, an den angeführten Sprengausbildungen teilzunehmen. Die notwendigen besonders qualifizierten Ausbilder werden im Sprengausbilderkader nach der jeweiligen Qualifikation zusammengefasst. Eine besondere Ausbildung müssen die Sprengschullehrer zu den vorgeschriebenen militärischen Kursen zusätzlich absolvieren. Dies ist ein universitärer „Sprengingenieurslehrgang“, der von der Montanuniversität Leoben angeboten wird. Durch die angebotenen Lehrgänge ist für die Sprengschullehrer und für alle militärischen Sprengbefugten eine ständige Forterhaltung und Erweiterung der sprengtechnischen Kenntnisse auf dem aktuellen Stand gegeben.

Blick in die Zukunft

An die Ausbildung mit völlig neuartigen Sprengstoffen oder Zündsystemen muss bereits jetzt gedacht werden. Das in England neu erfundene Sprengrohr „Bangalore Blade“ ist ein Beispiel dafür. Es handelt sich entweder um einen mit Sprengstoff selbstfüllbaren einfachen Ladungskörper oder um ein mit polymer gebundenem Sprengstoff gefülltes vorgefertigtes Produkt. Dieses neuartige Sprengrohr ist durch seine besondere Formgebung und Stabilität nicht nur für die gefechtstechnische Anwendung aller Art, sondern auch für den Bereich der militärischen Hilfeleistung – beispielweise, um gefährliche Aufstauungen durch Schwemmgut bei Hochwasser zu lösen – bestens geeignet. Die Pioniertruppe wartet auf die Freigabe zur Beschaffung dieser Munition. Eine für das Bundesheer interessante Entwicklung sind die auf Nanotechnologie basierenden neuen Sprengstoffe und die in Entwicklung befindlichen absolut kabellosen Zündsysteme. Dazu zählen auch die sicheren Sprengtechniken für militärische und zivile Anwendungen unter Zuhilfenahme von Drohnen bzw. Robotern. Eines steht fest: Die sprengtechnischen Aufgaben für die Pioniere des Bundesheeres werden mit Sicherheit nicht weniger.

Oberstleutnant Walter Voglauer; Kommandant Lehrgruppe Sprengdienst an der Heerestruppenschule

 

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