• Veröffentlichungsdatum: 29.11.2016
  • – Letztes Update: 13.12.2016

  • 24 Min -
  • 4776 Wörter

Reiseführer in die Franzosenzeit - Teil 2

Gerold Keusch

(Gemälde: Jacques-Louis David, Foto und Montage: Keusch)

Die Angst vor den Franzosen prägte in Österreich die Zeit von 1796 bis 1815. Napoleon Bonaparte selbst war ab 1797 mehrere Male im Land. Die Epoche der Napoleonischen Kriege ist eng mit einigen Jahreszahlen und Kriegen verbunden. Die Spuren von damals sind heute noch sichtbar, obwohl viele Denkmäler erst Jahrzehnte nach dem Tod des französischen Kaisers errichtet wurden.

Link Teil 1                             

Link zur Serie

Die Kriege und ihre dazugehörigen Jahreszahlen:

  • 1797 Erster Koalitionskrieg
  • 1800 Zweiter Koalitionskrieg
  • 1805 Dritter Koalitionskrieg
  • 1809 Fünfter Koalitionskrieg

Im Beitrag werden bewusst nur diese Jahreszahlen verwendet, die offizielle Dauer der Kriege war teilweise länger. Die folgende Darstellung verläuft nicht durchgehend chronologisch. Manche Gebiete und Orte werden aus dem sequenziellen Kontext herausgelöst. Das Ziel des Artikels ist es nicht, die Chronologie der Napoleonischen Kriege zu erörtern, sondern Spuren und Denkmäler, die an diese Zeit erinnern, zu thematisieren. Die Exkurse zu Schlachten und Personen sollen die Umstände der damaligen Zeit „greifbarer“ machen und die Bedeutung von Orten und ihrer Monumente unterstreichen.

Kaiser Napoleons letzter Besuch

Napoleon bei seinem Marsch über die Alpen im Jahr 1800. (Gemälde: Paul Delaroche)

Aus den vier Koalitionskriegen ging Frankreich als Sieger hervor. In den ersten drei Kriegen war Österreich ein Gegner und wurde jedes Mal militärisch geschlagen. Das vorläufig letzte Mal im Jahr 1805. Der, im selben Jahr, diktierte Frieden von Pressburg nach dem Dritten Koalitionskrieg sollte vor allem Napoleons Hauptgegner Österreich schwächen. Dieses Ziel wurde zwar erreicht, die Kriegsbereitschaft des Landes dadurch jedoch nicht gebrochen. Als Bonaparte 1808 einen Großteil seiner Truppen bei einem Feldzug in Spanien gebunden hatte, schien der Moment für die Österreicher günstig zu sein, um loszuschlagen. Am 9. April 1809 wurde den Franzosen der Krieg erklärt, und es begannen Offensiven in Italien und Süddeutschland.

Dem französischen Kaiser gelang es jedoch rasch, die Initiative zu übernehmen, die Österreicher zurückzudrängen und seinerseits anzugreifen. Die erste wesentliche Entscheidung des Feldzuges, der als Fünfter Koalitionskrieg in die Geschichte einging, fiel in Regensburg. Dort wurde die österreichische Streitmacht in zwei Teile gespalten und musste sich daraufhin Richtung Osten zurückziehen. Ein Teil unterstand Erzherzog Carl, der über Böhmen nach Österreich ging. Der Kommandant des zweiten Teiles war Freiherr von Hiller. Dieser marschierte mit seinen Truppen, dicht gefolgt von den Franzosen, entlang der Donau zurück. In Österreich sollten sich die beiden Armeeteile vereinen und danach die Entscheidungsschlacht gegen Bonaparte führen.

Attentat auf Napoleon

Auf seinem Weg Richtung Osten nächtigte Napoleon in der Nacht von 2. auf den 3. Mai 1809 im Stift Lambach. Es war nicht das erste Mal, dass er in Österreich auf dem Weg nach Wien dort Halt machte. Am 2. Mai 1809 wäre er dort beinahe einem Attentat zum Opfer gefallen.

Als der französische Kaiser an jenem Tag in Lambach eintraf, ritt er zum Kalvarienberg, einem Aussichtspunkt etwa 500 m nordöstlich des Stiftes. Dort wollte er sich einen Überblick über die Region verschaffen. Nachdem er vom Kalvarienberg zurückritt, und sein Quartier im Stift beziehen wollte, lauerte ihm der Büchsenmacher Scherhauf auf. Dieser hatte sich auf dem Torturm des Stiftes verschanzt und wollte Napoleon töten, sobald dieser dort vorbeikam. Im letzten Augenblick wurde Scherhauf von einem Pater daran gehindert seinen Plan auszuführen.

Das Denkmal am Marktplatz von Lambach erinnert an die Kämpfe im Ort von 1800 und 1805, und an die Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. (Foto: Keusch)

Es war nicht das erste Attentat auf Napoleon bei dessen Vormarsch 1809. Schon am Tag zuvor soll der Rieder Holzschuhmachermeister Heinrich Tuschl aus einem Dachbodenfenster auf Napoleon geschossen haben. An diesem Tag waren etwa 10.000 französische Soldaten nach Ried gekommen, einer von ihnen war ihr Kaiser. Im Hof des Lambacher Stiftes wurden später drei Kanonenkugeln eingemauert, die noch heute an die napoleonische Zeit und den nicht willkommenen Gast im Stift erinnern.

Lambach während der Napoleonischen Kriege

Lambach hatte auf dem Weg Richtung Osten eine besondere Bedeutung. 1800, 1805 und 1809 kam es zu Kämpfen zwischen österreichischen und französischen Truppen beim Traunübergang. 1805 und 1809 wurde die Brücke von den zurückweichenden Österreichern zerstört. Im Jahr 1800 gelang das nicht, weshalb am 19. Dezember die Franzosen die damalige Holzbrücke überqueren konnten. An der Geländekante, etwa 500 m von der Traun entfernt sowie etwa 300 m südöstlich davon, an dem Platz wo sich heute ein Lagerhaus befindet, kam es damals zu heftigen Kämpfen. Bei der Geländekante erinnert heute eine Kapelle an die etwa 2.500 Soldaten, die damals fielen.

Die Kapelle und die Kanonenkugeln im Stift Lambach sind nicht die einzigen Zeugen dieser Zeit im Ort. Auf dem Marktplatz steht eine Siegessäule, die an die Toten der Gefechte vom 19. Dezember 1800 und 31. Oktober 1805 im Ort erinnert. 1809 wurde an der Brücke, aber nicht in Lambach selbst, gekämpft. Die Säule wurde später auch als Kriegerdenkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege verwendet. Ein besonderes Denkmal musste vorübergehend abgebaut werden, weil es zu verfallen drohte: Ein Zaun, der aus Läufen von französischen Gewehren gefertigt war und dort bis 2015 stand. Zurzeit wird er von der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt renoviert und soll danach wieder an seinem ursprünglichen Platz aufgestellt werden. Ein weiterer geschichtlich bedeutender Ort ist der Friedhof in Lambach. Dort wurden im Dezember 1800 mehrere tausend russische Soldaten, die mit den Österreichern verbündet waren, von den Franzosen gefangen gehalten.

Eingang zum Stift von Lambach. Im obersten Fenster des Torturmes lauerte 1809 ein Attentäter auf Napoleon. (Foto: Keusch)
Die Brücke in Lambach heute. Im Hintergrund befindet sich der Turm des Lagerhauses und die bewaldete Geländekante, wo es 1800 zu schweren Gefechten kam. (Foto: Keusch)
Die Kapelle erinnert an die gefallenen Soldaten von 1800 und wurde an der Geländekante, dem Schauplatz des Gefechtes, errichtet. (Foto: Keusch)
Die Gedenktafel im Inneren der Kapelle. (Foto: Keusch)

Schlacht von Ebelsberg

Die französische Armee stieß 1809 bei ihrem Marsch nach Wien in Ebelsberg auf österreichische Truppen. Feldmarschall Hiller wollte dort die Franzosen stellen und ihren Vormarsch verzögern, um Zeit für das Zusammentreffen der beiden österreichischen Armeeteile zu gewinnen. Dieses sollte im Donauraum weiter östlich stattfinden. Ebelsberg wurde aufgrund seiner Brücke über die Traun und seiner Befestigung, die eine zeitlich begrenzte Verteidigung begünstigen, als Ort für ein Rückzugsgefecht gewählt.

Das Chaos auf der Brücke über die Traun nach Ebelsberg: Österreicher und Franzosen im Nahkampf. (Gemälde: Schlossmuseum Ebelsberg)

In groben Zügen lief die Schlacht wie folgt ab: In den Morgenstunden des 3. Mai 1809 überschritt die österreichische Armeegruppe die Traun und bezog den Raum östlich von Ebelsberg. Der Markt wurde von Grenztruppen und Scharfschützen besetzt, die dort Stellungen bezogen. Am linken Traunufer blieb eine österreichische Abteilung, die dort eine verspätete Nachhut erwartete. Diese traf um etwa 1030 Uhr bei Kleinmünchen ein und bewegte sich im Kampf mit den Franzosen der Brücke zu. Aufgrund der Verzahnung der Kräfte in der Bewegung und dem daraus resultierenden Durcheinander, konnten die Österreicher die Holzbrücke nicht rechtzeitig abbrennen, um die Franzosen aufzuhalten.

Der Kanonier von Ebelsberg. Der Legende nach soll er den Franzosen lange Zeit alleine mit seiner Kanone Widerstand geleistet haben. Der historische Beleg dafür fehlt jedoch. (Gemälde: Schlossmuseum Ebelsberg)

Die Angreifer überquerten die Brücke und strömten nach Ebelsberg, wo ein Kampf Mann gegen Mann mit den Verteidigern begann. Die Masse der Österreicher befand sich jedoch nicht im Markt sondern östlich davon, wo sie sich auf den Marsch Richtung Osten vorbereiteten. Als die dort lagernden Truppen plötzlich französische Soldaten vor sich hatten, erkannten sie die Gefahr, formierten sich und marschierten nach Ebelsberg, wo sie den Gegner angriffen. Es gelang ihnen beinahe die Franzosen aus dem Ort zu werfen, und der Abwehrerfolg schien zum Greifen nahe. Die Nachricht vom Anrücken weiterer französischer Kräfte auf der rechten Traunseite wendete jedoch das Blatt. Feldmarschall Hiller brach das Gefecht ab, legte aber Feuer im Markt, um das Vorgehen der Franzosen zu verlangsamen und Zeit zu gewinnen.

Um 1500 Uhr begann der Rückzug der Österreicher, während in Ebelsberg noch gekämpft wurde und manche österreichische Abteilung sogar noch kurzfristig zum Angriff überging. Eine Stunde später war der Ort geräumt, und die Österreicher marschierten zur Enns. Hunderte verwundete Soldaten mussten jedoch in Ebelsberg zurückgelassen werden, wo sie in den Flammen starben. Sie hatten in den Häusern des Marktes Schutz gesucht und konnten dem Feuer nicht entfliehen. Einige der letzten Einheiten, die in Ebelsberg ausharrten, gehörten zu den Wiener Freiwilligen, die bereits davor eine wichtige Rolle in der Schlacht spielten.

Österreicher und Franzosen überqueren die Brücke nach Ebelsberg. Der unbekannte Künstler hat die Topographie richtig dargestellt, die zeitliche Abfolge verlief jedoch anders. Das Schloss brannte noch nicht, als die französischen Soldaten den Fluss überquerten. (Zeichnung: Schlossmuseum Ebelsberg)
Schlachtszene auf der Brücke. (Zeichnung: Schlossmuseum Ebelsberg)
Das brennende Schloss in Ebelsberg nach der Schlacht. (Zeichnung: Schlossmuseum Ebelsberg)
Das Franzosendenkmal am Fadingerplatz in Ebelsberg. (Foto: Keusch)

Erinnerung an 1809

Heute steht ein Denkmal für die Soldaten der Wiener Freiwilligenbataillone im Park vor dem Ebelsberger Schloss, welches bei der Schlacht ebenfalls umkämpft war. Der 3. Mai 1809 ist in dem heutigen Ortsteil von Linz, noch immer ein präsentes Datum. Eine Gedenktafel am Marktbrunnen und eine Inschrift auf dem ehemaligen Gemeindehaus erinnern an diesen Tag. Auf dem Fadingerplatz steht das Franzosendenkmal, ein Steinobelisk, der mit vier Kanonenrohren begrenzt ist und 1890 errichtet wurde. Das Schloss Ebelsberg, 1809 hart umkämpft und schließlich von den Franzosen erobert, beherbergt heute ein Museum. Neben dem Themenschwerpunkt "Schlacht von Ebelsberg", wird dort auch der Erste Weltkrieg und die Entwicklung von Feuerwaffen sowie die k.u.k-Marine dargestellt.

Schloss Ebelsberg

Außerhalb von Ebelsberg zwischen der Autobahn A1 und dem Schiltenberg befindet sich der Napoleonhof. In dem Gehöft, das heute eine Pension ist und bereits 1162 erstmals urkundlich erwähnt wurde, soll der französische Kaiser die Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1809 verbracht haben. 1851 wurde von dem damaligen Besitzer des Hauses eine Tafel angebracht und das Zimmer, in dem Bonaparte genächtigt haben soll, zur Attraktion. Noch heute existieren der Krug aus dem Napoleon bei seiner Rast getrunken haben soll sowie die Gästebücher mit Einträgen von Besuchern des Hauses aus dem 19. Jahrhundert. Ob Napoleon tatsächlich in dem Haus übernachtet hatte ist umstritten und auch die heutigen Besitzer glauben nicht daran. Es wäre jedoch nicht sein erster Aufenthalt in Linz gewesen. Bereits im Jahr 1805 hatte Napoleon vom 4. bis zum 9. November im Landhaus sein Quartier bezogen.

Dieser Brunnen stand schon während der Schlacht, wurde aber später versetzt. (Foto: Keusch)
Inschrift auf dem ehemaligen Gemeindehaus von Ebelsberg. (Foto: Keusch)
Der Markplatz von Ebelsberg und die Ortseinfahrt heute. (Foto: Keusch)
Das Denkmal zu Ehren der Wiener Freiwilligen im Ebelsberger Schlosspark. (Foto: Keusch)
Gedenktafel im Innenhof von Schloss Ebelsberg. (Foto: Keusch)
Das Gästebuch im Napoleonhof und der Krug aus dem der französische Kaiser getrunken haben soll. (Foto: Keusch)
In diesem Haus soll Napoleon in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1809 genächtigt haben. (Foto: Keusch)
Eine Kanonenkugel aus der Schlacht von Ebelsberg. (Foto: Keusch)

Napoleon in Wien

Nach der Schlacht von Ebelsberg war der Weg nach Wien für Napoleon frei. Am 12. Mai 1809 standen die Franzosen vor den Toren der Stadt und beschossen sie mit ihren Kanonen. Der Widerstand währte nicht lange, und schon am 13. Mai 1809 zog Napoleon, der bereits seit dem 11. Mai im Schloss von Schönbrunn residierte, in die Stadt ein. Da der Feldzug noch nicht beendet war, wechselte der französische Kaiser an diesen Tagen häufig seinen Aufenthaltsort. Vom 18. auf den 19. Mai nächtigte er im Schulhaus hinter der Kaiserebersdorfer Kirche. Vom 19. auf den 20. und noch einmal vom 22. auf den 23. Mai (vor und nach der Schlacht von Aspern, die am 21./22. Mai stattfand) schlief er im Schloss Thürnlhof. In dem Schloss befindet sich heute ein Restaurant, das ganz im Zeichen von Napoleon steht. Es ist auch ein kleines Museum in dem Bilder, Büsten, Kriegsrelikte und Uniformen besichtigt werden können. 

Schloss Thürnlhof

Aufenthalt in Schönbrunn

Nach der Niederlage Napoleons bei der Schlacht von Aspern residierte Bonaparte ab dem 23. Mai erneut im Schloss Schönbrunn. Dort plante er das weitere Vorgehen gegen die Österreicher und traf die Vorbereitungen zur entscheidenden Schlacht des Fünften Koalitionskrieges, die am 5. und 6. Juli nördlich von Wien bei Deutsch Wagram stattfand. Diese Auseinandersetzung konnte Napoleon für sich entscheiden. Aufgrund dieses Sieges wurde am 14. Oktober 1809 der Friede von Schönbrunn unterzeichnet. Wenige Wochen später zogen die französischen Truppen ab. Sieben Tage danach, am 27. November 1809, kehrte der österreichische Kaiser Franz nach Wien zurück.

Das Napoleonzimmer im Schloss Schönbrunn. Das Gemälde zeigt seinen Sohn: Napoleon Franz. Dieser starb in Schloss Schönbrunn im Alter von 21 Jahren. Im Bild rechts befindet sich seine Totenmaske. (Foto: Alexander Eugen Koller für SKB)

Es war nicht der ersten Aufenthalt Napoleons in Wien. Bereits 1805 weilte er vor und nach der Schlacht von Austerlitz (2. Dezember 1805) in der Stadt. Vom 14. bis 16. November und vom 12. bis 27. Dezember bezog er sein Quartier in Schönbrunn. Nachdem der Friedensvertrag von Pressburg, der den Dritten Koalitionskrieg von 1805 beendete, am 26. Dezember unterzeichnet war, kehrte Napoleon nach Frankreich zurück.

Der zweite Aufenthalt Napoleons im Jahr 1809 in Schönbrunn ist besser dokumentiert als der erste. Unter anderem ist bekannt, welche Räume des Schlosses von ihm benutzt und bewohnt wurden: Als Audienzzimmer diente ihm der Zeremoniensaal, der Blaue Chinesische Salon wurde als Wohnzimmer, das Vieux-Laque-Zimmer als Schreibzimmer und das Porzellanzimmer als Arbeitsraum verwendet. Das Schlafzimmer des französischen Kaisers war jener Raum, der heute als Napoleonzimmer bezeichnet wird.

In seiner Freizeit besuchte Napoleon mehrere Male das Schönbrunner Schlosstheater, wo er sich deutsche und italienische Opern anhörte. Ein besonderes Spektakel für die Wiener Bevölkerung waren damals die Paraden im Schlosspark von Schönbrunn. Napoleon, der sich sonst selten in der Öffentlichkeit zeigte, nahm die Paraden persönlich ab. Viele Menschen nutzten die Chance, um den berühmtesten Staatsmann der damaligen Zeit zu sehen. Der Aufenthalt in der Nähe des Volkes, das Napoleon auf der einen Seite bewunderte, ihn auf der anderen Seite jedoch zutiefst verabscheute, war jedoch gefährlich. Zumindest ein Attentatsversuch auf Napoleon während einer Parade in Schönbrunn ist dokumentiert.

Schloss Schönbrunn

Im Wiener Schloss Schönbrunn residierten nicht nur die österreichischen Kaiser, sondern auch Napoleon Bonaparte. (Foto: Yelkrokoyade)

Schlacht von Aspern

Das Denkmal beim Wiener Westbahnhof erinnert an Freiherr von O’Brien. (Foto: Keusch)
Das Denkmal in Jedlesee steht an jenem Ort wo 1809 das Übersetzen der Franzosen vereitelt wurde. (Foto: bwag)

Vereiteltes Übersetzen

Am 13. Mai 1809, dem gleichen Tag an dem Wien von den französischen Truppen eingenommen wurde, versuchten diese bei Nußdorf die Donau zu übersetzen. Im Bereich der Schwarzlackenau bei Jedlesee gelang ihnen das Übersetzen, und sie errichteten einen Brückenkopf auf der nördlichen Seite des Flusses. Das Unternehmen scheiterte dennoch, da Generalmajor Johann Freiherr von O’Brien die französischen Truppen daran hinderte sich auf der nördlichen Donauseite festzusetzen. Das verschaffte dem österreichischen Heer jene Zeit, die es benötigte, um sich für die darauffolgende Schlacht bei Aspern vorzubereiten.

Heute erinnern zwei Denkmäler an Generalmajor O’Brien, der den österreichischen Sieg bei Aspern mitermöglichte. Eines davon steht am nördlichen Rand des Auparks in Jedlesee, im 21. Wiener Gemeindebezirk, in der Nähe des einstigen Kampfplatzes. Das andere Denkmal, das an die Schlacht und diesen Feldherren erinnert, befindet sich beim Westbahnhof am südlichen Ende des Emil-Maurer-Platzes.

Zweiter Angriff

Trotz des vereitelten Übersetzens der französischen Truppen war Napoleon dazu entschlossen, Erzherzog Carl militärisch so rasch wie möglich zu besiegen. Dazu mussten die Franzosen jedoch zuerst auf die nördliche Seite der Donau gelangen, wo sich die österreichischen Truppen befanden. Am 20. Mai 1809 begann dieses Unternehmen. Um die Donau zu überqueren wurden Pontonbrücken über den, noch Hochwasser führenden, Fluss errichtet. Die provisorischen Brücken wurden aus requirierten Booten von Einheimischen und Holz aus den Gebäuden der Umgebung errichtet.

Der Löwe von Aspern erinnert an die Schlacht von 1809. (Foto: Aschenbrenner)

Als Übersetzstelle wurde die Lobau, die damals eine Insel war, gewählt. Dort sammelten sich die französischen Truppen im Schutze der dicht bewaldeten Donau-Au, wurden dabei aber von den Österreichern erkannt. Der Übergang gelang zwar wie geplant, das Überraschungsmoment ging jedoch verloren. Am Abend des 20. Mai waren die Dörfer Apern und Essling in französischer Hand. Am Morgen des nächsten Tages hatte Napoleon seine Streitmacht bereits vor Ort.

Am 21. Mai 1809 begann um 0900 Uhr die Schlacht von Aspern. Nach zwei Tagen intensiver Kämpfe war die Schlacht entschieden und die österreichischen Truppen standen als Sieger fest. Eine besondere Rolle dabei hatte Feldmarschall Hiller, der Aspern besetzen konnte, als in Essling noch gekämpft wurde. In Essling verschanzten sich die französichen Soldaten im dreistöckigen Schüttkasten, wodurch sie sich dort länger behaupten konnten. Am Abend des 22. Mai musste auch Essling geräumt werden, und Napoleon befahl seinen Truppen den Rückzug. Eine völlige und entscheidende Niederlage blieb ihm jedoch erspart. Die Truppen von Erzherzog Carl waren erschöpft und hatten kaum noch Munition, weshalb sie nicht nachstießen und die Franzosen entkommen konnten.

Im Schüttkasten von Essling verschanzten sich 1809 französische Soldaten. (Foto: Aschenbrenner)

Niederlage

Der Ausgang der Schlacht von Aspern hatte eine wesentliche psychologische Bedeutung. Obwohl Napoleon versuchte, die Schlacht als Sieg darzustellen, war in Europa seine Niederlage bekannt geworden. Während in den von Franzosen besetzten oder bedrohten Teilen des Kontinentes die Hoffnung auf Frieden und Freiheit wuchs, war man in Paris bestürzt. Der Ruf der Unbesiegbarkeit ihres Kaisers und Feldherren war gewaltig erschüttert.

An die Schlacht erinnert heute das Museum Aspern-Essling 1809, das einen detaillierten Überblick über die damalige Auseinandersetzung gibt. Es zeigt Uniformen, Blank- und Schusswaffen, aber auch schriftliche Dokumente, Bilder sowie Gewehr- und Kanonenkugeln der Schlacht. Der Schüttkasten in Essling, der eine entscheidende Rolle bei der Schlacht spielte, ist heute eine Außenstelle des Museums. Darin befindet sich unter anderem das größte Diorama Mitteleuropas, das Szenen der Gefechte von 1809 zeigt. An die Schlacht erinnert auch der Löwe von Aspern auf dem Heldenplatz vor der Kirche. Er begräbt unter seinem sterbenden Körper französische Feldzeichen und legt seinen Kopf auf den Helm eines Kürassiers.

Museum Aspern-Essling 1809

Napoleon-Rundwanderweg

In der Lobau lädt heute ein Rundwanderweg dazu ein, den Weg der napoleonischen Truppen von 1809 nachzugehen. Auf einer Länge von zehn Kilometern kann man auf den Spuren des französischen Aufmarschgebietes der Schlachten von Aspern und Wagram wandern. Dabei kann man Gedenksteine erkunden, welche die folgenden Stellen kennzeichnen:

  • Übergang der Franzosen
  • Napoleons Haupquartier
  • Napoleonstein
  • Franzosenfriedhof
  • Napoleons Pulvermagazin
Auf diesem Weg durch die Au marschierten im Mai 1809 etwa 75.000 Soldaten der französischen Armee zur Schlacht von Aspern. (Foto: Aschenbrenner)
An diesem Ort befand sich 1809 das Pulvermagazin der Franzosen. (Foto: Fleischhacker)
Die Stelle an der einst Napoleons Hauptquartier stand ist heute ein Rastplatz für Radfahrer und Wanderer. (Foto: Aschenbrenner)
Hier überquerte 1809 die französische Armee einen Donauarm. (Foto: Aschenbrenner)

Malborgeth und Predil-Pass

Die Schlacht von Aspern wurde nicht nur aufgrund des von O´Brien vereitelten Übersetzens der napoleonischen Truppen zu Gunsten der Österreicher entschieden. Entscheidend war vielmehr, dass die französische Südarmee bei Malborgeth und am Predil-Pass aufgehalten wurde. Der Widerstand der österreichischen Verteidiger verhinderte ein schnelles Vorrücken der Truppen des, mit Napoleon verbündeten, italienischen Vizekönigs Eugen Beauharnais. Dessen Truppen marschierten von Italien kommend über Kärnten und die Steiermark nach Wien.

Vom 14. bis 17. Mai 1809 verteidigte in Malborgeth eine österreichische Einheit unter Hauptmann Friedrich Hensel. Knapp 400 Österreicher stellten sich einer französischen Streitmacht von etwa 15.000 Soldaten in den Weg. Am Predil-Pass kämpften Soldaten des österreichischen Ingenieurkorps unter dem Kommando von Hauptmann Johann Hermann von Hermannsdorf gegen die Franzosen. Beide Hauptleute starben bei den Kämpfen. 1851 wurden zu ihren Andenken Heldendenkmäler an den Orten des Abwehrkampfes von 1809 errichtet. Neben den Denkmälern zeugen die Ruinen der ehemaligen Festungen noch heute von den damaligen Kämpfen.

Das Denkmal erinnert an die Schlacht vom Predil-Pass. (Foto: Petritsch)
Die Grabstätte für die Gefallenen der Schlacht am Predilpass. (Foto: Petritsch)
In diesen Ruinen kämpften 1809 die Österreicher gegen eine französische Übermacht. (Foto: Jaritz)
Das Denkmal erinnert an die Schlacht von Malborgeth und ist fast identisch mit jenem am Predil-Pass. (Foto: Jaritz)

Die Schlacht von St. Michael

Die Truppen von Eugene de Beauharnais wurden bei ihrem Vorgehen nach Wien, nicht nur in Malborgeth und am Predil-Pass sondern am 25. Mai 1809 auch bei St. Michael/Steiermark in schwere Gefechte verwickelt. Eine französisch-italienische Divison traf dabei auf eine österreichische, die Richtung Leoben marschierte. Um das Absetzen seiner Teile zu sichern, befahl der österreichische Kommandant Feldmarschallleutnant Franz von Jelacic, seinen Kräften, die gegnerischen Truppen bei St. Michael in ein Rückzugsgefecht zu verwickeln.

Der ursprüngliche Plan scheiterte jedoch. Dadurch war Jelacic gezwungen, sich dem Gegner mit seiner gesamten Streitkraft entgegenzustellen. Die Schlacht ging verloren und mit ihr die österreichische Division. Mehr als die Hälfte der Soldaten kam in französisch-italienische Gefangenschaft, wurde verwundet oder fiel. Der Rest zerstreute sich. Etwa 2.500 Mann, von einst etwa 11.000 Mann gelangten nach Graz. Dort sollten sie sich mit den österreichischen Truppen vor Ort vereinen und den Vorstoß weiterer französischer Kräfte aus dem Süden aufhalten.

Der Gedenkstein an dem Ort des Gefechtes bei St. Michael. (Foto: Loinig)
In der Gruft liegen die Gebeine der Gefallenen von 1809. (Foto: Loinig)

 

Denkmäler in St. Michael

Hundert Jahre nach der Schlacht wurde im Mai 1909 auf dem schicksalsträchtigen Gefechtsplateau ein Gedenkstein aufgestellt. Bereits 1809 soll dort eine hölzerne Kapelle errichtet worden sein, die Erzherzog Johann abreißen ließ. Am Soldatenfriedhof, für Verstorbene des Lazarettes aus dem Ersten Weltkrieg, wurde im Mai 1935 ein Denkmal errichtet. In der Gruft vor dem Granitstein mit der Eisenkugel und dem Adler sind die Gebeine von gefallenen Soldaten, der Schlacht vom 25. Mai 1809 bestattet.

Die Folgen der Schlachten

Die Schlachten von Malborgeth, am Predil-Pass und in St. Michael hatten zur Folge, dass die französisch-italienischen Truppen, die vom Süden anmarschierten, nicht an der Schlacht von Aspern teilnehmen konnten. Dadurch verfügte Napoleon über eine zu geringe Truppenstärke, um die Österreicher zu schlagen. Das gilt als Hauptgrund für die Niederlage des französischen Kaisers in den Donauauen. Anfang Juli waren die fehlenden Truppen in Wien angekommen, und Napoleon konnte seine zahlenmäßige Unterlegenheit sowie die Verluste der Asparner Schlacht ausgleichen. Das war die Voraussetzung, um neuerlich gegen die Österreicher ins Feld zu ziehen, was am 5. und 6. Juli 1809 bei der Schlacht bei Wagram geschah.

Napoleon in Graz

Napoleon bezog 1797 das „Stubenbergsche Haus“ (zweites von links) in der Grazer Herrengasse. (Foto: Bossi)

Im Jahr 1797 kamen das erste Mal französische Soldaten nach Graz. Unter ihnen war auch ihr Oberbefehlshaber, General Napoleon Bonaparte. Dieser bezog am 12. April 1797 in der Herrengasse 13, dem „Stubenbergschen Haus“ sein Quartier, bevor er am 18. April den Vorfrieden von Leoben unterzeichnet. Die Franzosen blieben damals für 18 Tage in der Stadt. Am 14. November 1805 kamen sie zum zweiten Mal nach Graz. Dieses Mal blieben sie knapp drei Monate bevor sie am 11. Jänner 1806 wieder abmarschierten. Am 30. Mai 1809 standen die Truppen Napoleons zum dritten Mal vor Graz, die als offene Stadt kampflos übergeben wurde.

Die kampflose Übergabe galt nicht für die gesamte Stadt. Major Hackher zu Hart stellte sich den Franzosen entgegen und verteidigte die Festung am Schlossberg. Mit Unterstützung von kroatischen Truppen gelang es ihm sogar, die Franzosen kurzfristig aus der Stadt zu vertreiben, die diese jedoch kurz darauf wieder besetzen konnten. Hackher zu Hart konnte den Grazer Schlossberg jedoch bis zum Waffenstillstand von Znaim, der am 24. Juli ausgehandelt wurde, halten. Am 14. Oktober 1809 wurde der Friedensvertrag von Schönbrunn unterzeichnet, mit dem der Fünfte Koalitionskrieg sein Ende fand. Ein Punkt des Vertrages sah die Schleifung der Grazer Festung auf dem Schlossberg vor, die bereits einen Monat später gesprengt wurde. Der Glockenturm, das heutige Wahrzeichen der Stadt, konnte gerettet werden, da er von Bürgern der Stadt freigekauft wurde. Als die Franzosen im Jänner 1810 nach sieben Monaten die Stadt verließen, hatten sie ihr Antlitz nachhaltig verändert.

Vorher: Der Grazer Schlossberg um 1670. (Zeichnung: Vischer)
Nachher: Der Grazer Schlossberg um 1855. (Gemälde: French)

Die Schlacht von Wagram

Gewagtes Manöver

Nachdem die Truppen des französischen Vizekönigs, Eugene de Beauharnais, in Wien angekommen waren und so die personellen Verluste der Schlacht von Aspern ausgeglichen waren, machte sich Napoleon zu einem neuerlichen Angriff auf die Österreicher bereit. Der französische Kaiser sammelte seine Truppen erneut in der Lobau, die für mehrere Wochen zum Heerlager wurde.

Der entscheidende Schlag gegen die Österreicher war ein gewagtes Manöver. Napoleon konnte zwar eine riesige Streitmacht von etwa 150.000 Soldaten in die Schlacht führen, das Nachführen von Reserven war jedoch unmöglich geworden. In Tirol waren die mit ihm verbündeten Bayern damit beschäftigt den Tiroler Volksaufstand niederzuschlagen, und in Frankreich drohte die Landung von englischen Truppen. 

Das Kriegerdenkmal in Deutsch-Wagram steht an jener Stelle im Ort, wo 1809 schwere Gefechte tobten. (Foto: Keusch)

Knapper Sieg der Franzosen

Am 5. Juli 1809 begann die Schlacht. Zwei etwa gleich starke Armeen standen sich in dem Gebiet gegenüber, wo sie bereits einige Wochen zuvor bei der Schlacht von Aspern aufeinandertrafen. Dieses Mal hatten die französischen Truppen den Erfolg auf ihrer Seite. Am ersten Tag nahmen sie Essling und Aspern ein und am nächsten Tag führten sie den entscheidenden Vorstoß nach Deutsch Wagram aus.

Am 6. Juli um etwa 1500 Uhr brachen die Österreicher das Gefecht ab und Erzherzog Carl, der Bruder von Kaiser Franz und Oberbefehlshaber der österreichischen Streitmacht, befahl den Rückzug nach Znaim. Die Schlacht von Wagram war entschieden. Etwa 78.000 Soldaten wurden dabei verwundet oder getötet. Mit knapp 300.000 beteiligten Soldaten, die auf beiden Seiten kämpften, war diese Schlacht die bis dahin größte Auseinandersetzung der Napoleonischen Kriege.

Die Verluste an Soldaten und Gerät während der Schlacht konnten von Napoleon nicht mehr ausgeglichen werden. Er verfolgte die Truppen des österreichischen Befehlshabers Erzherzog Carl zwar und stellte sie bei Znaim. Zu einer großen und entscheidenden Schlacht kam es jedoch nicht mehr. Erzherzog Carl ersuchte Napoleon um einen Waffenstillstand, der diesen akzeptierte. Bonaparte wusste, dass seine Armee nicht mehr in der Lage gewesen wäre, die Österreicher in einer Feldschlacht zu besiegen.

Da die Österreicher jedoch den ersten Schritt machten, konnte er den Fünften Koalitionskrieg dennoch für sich entscheiden. Am 12. Juli 1809 trat der Waffenstillstand von Znaim in Kraft. Dieser Vorvertrag zum Friedensvertrag von Schönbrunn legte die Grenze der Einflussbereiche Österreichs und Frankreichs von Böhmen bis Triest fest und beinhaltete die Abtretung Tirols an Bayern.

Erinnerung an 1809

An die Schlacht von Wagram erinnern heute eine Schlachtfeldsignierung mit insgesamt 22 Gedenkstätten in 16 Orten, die bei der Gründung des Museums von Wagram 1959 errichtet wurden. Sie stehen an Stellen, die bei den damaligen Gefechten eine besondere Bedeutung hatten. Im ältesten Haus von Deutsch-Wagram, das Erzherzog Carl während der Schlacht als Hauptquartier diente, befindet sich das Museum "Wagram 1809". Dort können Uniformen, Relikte der Schlacht wie Kanonen- und Gewehrkugeln, Dokumente der Schlacht und andere Artefakte zum Thema besichtigt werden.

Museum „Wagram 1809“

Neben der Schlachtfeldsignierung ist der Franzosenfriedhofes von Obersiebenbrunn erwähnenswert. In einem Waldstück, in dem sich im Mittelalter eine Wasserburg befand und das früher als Franzosenwald benannt wurde, vermutete ein Einheimischer Spuren noch älteren Ursprungs, möglicherweise aus der Keltenzeit. Im Zug einer Grabung entdeckte er tatsächlich menschliche Knochen. Wie sich herausstellt waren es sterbliche Überreste von französischen Soldaten. Die "Wiederentdeckung" des vergessenen Friedhofes fand im Jahr 2009 ihren Höhepunkt. Der Dorferneuerungsverein und die Gemeinde Siebenbrunn gestalteten mit Unterstützung des Landes Niederösterreich und Studenten der Hochschule für Angewandte Kunst den Platz neu. Anlässlich der 200-Jahr-Feiern zur Erinnerung an die Schlacht von Wagram wurde der Friedhof feierlich eröffnet.

Franzosenfriedhof Obersiebenbrunn

Das Erzherzog-Carl-Haus: 1809 Hauptquartier des Heerführers der Österreicher - heute ein Museum. (Foto: Keusch)
An diesem Tisch, der heute im Museum zu besichtigen ist, soll Napoleon ein paar Tage nach der Schlacht gesessen haben. (Foto: Keusch)
Gedenktafel an jenem Haus in dem sich der Tisch, der heute im Museum steht, befand. (Foto: Keusch)
Der Hauptgedenkstein der Schlachfeldsignierung 1809 befindet sich vor der Pfarrkirche von Deutsch-Wagram. (Foto: Keusch)
Das Schlechtfeld heute: Entlang der linken Waldzeile befindet sich der Russbach an dem die Franzosen standen. Der Wagram, die Geländekante rechts im Bild mit dem Wald, wurde von den Österreichern gehalten. (Foto: Keusch)
Gedenkstätte der Schlachtfeldsignierung 1809. Die Tafel erinnert an den Kampf um den Wagram. Die Ortschaft Parbasdorf, wo der Stein steht, wurde damals ein Raub der Flammen. (Foto: Keusch)
Dieser Stein markiert jenen Ort an dem die Schlacht entschieden wurde: Neben der Kirchenruine Markgrafneusiedl. Hier ist auch das Ostende des Wagrams, der von dort Richtung Norden ausläuft. (Foto: Keusch)
Der Napoleon-Gedenkstein markiert jene Anhöhe, wo der französische Kaiser 1809 sein Hauptquartier hatte. Von hier aus beobachtete er die Schlacht. (Foto: Keusch)
Der Gedenkstein erinnert in Aderklaa an jene Tage, an denen der Ort siebenmal gestürmt und total zerstört wurde. (Foto: Keusch)
Die Kapelle am ehemaligen Friedhof von Deutsch-Wagram, der heute ein Park ist, war die erste Erinnerungsstätte an die Schlacht von 1809. Sie wurde im Jahr 1859 errichtet. (Foto: Keusch)
Der Franzosenfriedhof in Obersiebenbrunn, an dem Ort wo früher eine Wasserburg und später der Ortsfriedhof standen. (Foto: Keusch)
Friedhof in Glinzendorf. Das rechte Grab erinnert an deutsche Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg, deren Gebeine heute an einem anderen Ort bestattet sind. Der Grabstein links erinnert an französische Soldaten, die 1809 fielen. Ihre Gebeine liegen jedoch im rechten Grab. (Foto: Keusch)

Neue Strategie

Die erste Besetzung Wiens 1805 erfolgte kampflos. Als die Franzosen 1809 neuerlich die Stadt besetzten, mussten sie diese beschießen, wenngleich der Widerstand nicht entschlossen geführt wurde. In Aspern, das heute zu Wien gehört, musste Napoleon seine erste größere Niederlage einstecken. Der Friedensvertrag, der dem Fünften Koalitionskrieg folgte, wurde in Schönbrunn unterzeichnet.

Die Folge dieses Friedensvertrages war ein außenpolitischer Kurswechsel Österreichs, der das Ziel hatte, sich mit den Franzosen zu arrangieren. Die neue Strategie war auf Fürst Metternich zurückzuführen, der nun eine einflussreiche Positon am Wiener Hof hatte. Ein Ergebnis der Politik Metternichs war eine Koalition der Österreicher mit den Franzosen. Aufgrund dieser nahmen die Österreicher am Russlandfeldzug Napoleons von 1812 teil, wenn auch nur mit einem Mindestmaß an Truppen. 

Marie Louise von Österreich - Napoleons Ehefrau und Mutter von Napoleon Franz.
Napoleon Franz - der gemeinsame Sohn von Napoleon Bonaparte und Marie Louise.

Napoleons Sohn

Ein anderes Ergebnis der Strategie von Metternich war die Ehe der österreichischen Kaisertochter Marie Louise mit Napoleon. Ihr Vater, Kaiser Franz, war einer der entschiedensten Gegner Bonapartes - nun wurde er sein Schwiegervater. Ein Jahr nach der Trauung brachte Marie Louise am 20. März 1811 den Sohn des französischen Kaiser zur Welt: Napoleon Franz Karl.

Er war eines von vielen Kindern Bonapartes. Da er aber erstens ehelich und zweitens von hochadeliger Abstammung war, war er der einzig legitime Nachkomme des französischen Kaisers und dessen Thronfolger. Die Wiege von Bonapartes Sohn steht heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg. Sie war ein Geschenk der Stadt Paris an den Kaiser und besteht aus etwa 280 kg Silber.

Wiener Schatzkammer

Nach der Verbannung Napoleons auf die Insel Helena 1815, kam sein Sohn auf den Wiener Kaiserhof. Dort wurde er zum Liebling seines Großvaters und ehemaligen Erzfeindes seines Vaters, Kaiser Franz. Napoleon Franz Karl pflegte darüberhinaus eine enge Beziehung zu Erzherzogin Sophie, der Mutter von Kaiser Franz Josef I.

In Wien ging damals sogar das Gerücht um, dass er der Vater von Ferdinand Maximilian, dem späteren Kaiser von Mexiko und Bruder Franz Josefs gewesen sei. Das ist aber unwahrscheinlich, da Napoleon Franz Karl damals bereits an Tuberkulose erkrankt war. Der Sohn Bonapartes starb 1832 im Alter von 21 Jahren im Schloss Schönbrunn. Der angebliche Enkel Napoleons, Ferdinand Maximilian, der 1832 zur Welt kam, erhielt auf Initiative des französischen Kaisers Napoleon III., dem Neffen Bonapartes den mexikanischen Thron, der sein Schicksal werden sollte.

Endgültige Niederlage

Das Bündnis der Österreicher mit dem französischen Kaiser hielt nur solange Frankreich militärisch stark war und endete bereits während des Russlandfeldzuges 1812. Von da an war Österreich wieder einer der entschlossendsten Feinde der Franzosen. Bei der Völkerschlacht von Leipzig wurde Napoleon vernichtend geschlagen, musste abdanken und ging ins Exil auf die Insel Elba im Mittelmeer.

Seine größte Niederlage, wenn auch nicht militärisch sondern politisch, brachte Napoleon der Wiener Kongress (18. September 1814 bis 9. Juni 1815) ein. In der Stadt, die einst für einige Monate sein provisorischer Amtssitz war, wurde nun die Neuordnung Europas ohne ihn festgelegt. Der französische Kaiser versucht jedoch diese Pläne zu durchkreuzen und kehrte noch einmal für hundert Tage auf den französischen Thron zurück.

Ein letztes Mal formierte sich in Europa eine gewaltige Streitmacht, mit dem Ziel Napoleon endgültig zu besiegen und die Ergebnisse des Wiener Kongresses in die Tat umzusetzen. Die Schlacht, welche das politische Ende Napoleons besiegelte, fand am 18. Juni 1815 im belgischen Waterloo statt. Danach wurde der ehemalige französische Kaiser auf die britische Atlantikinsel St. Helena verbannt, von der es kein Entrinnen gab. Dort starb Napoleon am 5. Mai 1821 im Alter von 51 Jahren.

Napoleon in seiner typischen Pose am Höhepunkt seiner Macht. (Gemälde: Jaques-Louis David)
Das Longwood House auf St. Helena. Hier starb Napoleon am 5. Mai 1821. (Foto: Stanley)
Die Totenmaske Napoleons. (Foto: 1971Markus, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)
Die Totenmaske Napoleons. (Foto: 1971Markus, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)
Die Grabstätte Napoleon Bonapartes in Paris. (Foto: thesupermat)

Menschliche Spuren

Die Soldaten Napoleons hinterließen ihre Spuren nicht nur in der Erinnerung der Bevölkerung. Ein Ergebnis der dreimaligen Besatzung waren unzählige Kinder, die sie mit österreichischen Frauen zeugten. Wie weit dies von den Frauen freiwillig erfolgte, ist unklar. Die Soldaten Bonapartes haben bei ihren Feldzügen geplündert, was auch oft eine Folge ihrer schlechten Versorgung war. Von sexuellen Übergriffen auf die weibliche Bevölkerung ist jedoch nichts bekannt bzw. überliefert.

Dass französisches Blut in den Adern von so manchen Österreichern fließt, kam oftmals erst in der NS-Zeit ans Tageslicht. Um ihre arische Abstammung nachzuweisen, mussten sich die Menschen damals mit ihren Ahnen auseinandersetzen. So mancher stolperte dabei in den Taufscheinen über einen (Ur-)Großvater oder eine (Ur-)Großmutter, die in den Jahren 1801, 1806 oder 1810 geboren wurde. So kam ans Tageslicht, was damals gerne verschwiegen worden wäre: Die (Ur-)Urgroßmutter war eine „Franzosenbraut“.

Kollektives Gedächtnis

Nicht nur in den Genen blieb das Vermächtnis der napoleonischen Kriege erhalten, auch im kollektiven Gedächtnis. „Als meine Urgoßmutter 1994 dement wurde, sprach sie von den Franzosen. Es gab aber keine französischen Besatzungssoldaten im Zweiten Weltkrieg in ihrer Region“. Die greise Frau, die um 1900 geboren wurde, sprach von den französischen Soldaten aus den Napoleonischen Kriegen. Die Erlebnisse ihrer Vorfahren müssen so dramatisch gewesen sein, dass noch hundert Jahre später, als sie ein Kind war, darüber geredet wurde. Tatsächlich waren die Menschen in Österreich zwischen den Türkenkriegen und dem Ende des Zweiten Weltkrieges nur 1800, 1805 und 1809 mit fremden Soldaten konfrontiert. 

Fazit

Die Generation, welche die Erinnerung an die Napoleonischen Kriege als Teil des kollektiven Gedächtnisses in sich getragen hat, ist heute tot. An die Franzosenzeit in Österreich erinnern noch zahlreiche Denkmäler, doch auch an diesen nagt der Zahn der Zeit. Nicht jedes Bauwerk oder Denkmal wird erhalten bleiben, das ist auch nicht unbedingt notwendig. Die Zeit der Napoleonischen Kriege sollte dennoch einen festen Platz in der österreichischen Erinnerungskultur haben. Sie mahnt uns, dass weder der Friede noch der Wohlstand selbstverständlich sind.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur bei Truppendienst.

Die Wachsfigur von Napoleon bei Madame Tussauds im Wiener Prater. (Foto: Madame Tussauds Wien)
 

Ihre Meinung

Meinungen (0)