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Letztes Update: 07.12.2016

Reiseführer in die Franzosenzeit - Teil 1

Gerold Keusch

(Gemälde: Paul Delaroche, Foto und Montage: Keusch)

Die Angst vor den Franzosen prägte in Österreich die Zeit von 1796 bis 1815. Napoleon Bonaparte selbst war ab 1797 mehrere Male im Land. Die Epoche der Napoleonischen Kriege ist eng mit einigen Jahreszahlen und Kriegen verbunden. Die Spuren von damals sind heute noch sichtbar, obwohl viele Denkmäler erst Jahrzehnte nach dem Tod des französischen Kaisers errichtet wurden. 

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Die Kriege und ihre dazugehörigen Jahreszahlen: 

  • 1797 Erster Koalitionskrieg
  • 1800 Zweiter Koalitionskrieg
  • 1805 Dritter Koalitionskrieg
  • 1809 Fünfter Koalitionskrieg

Im Beitrag werden bewusst nur diese Jahreszahlen verwendet, die offizielle Dauer der Kriege war teilweise länger. Die folgende Darstellung verläuft nicht durchgehend chronologisch. Manche Gebiete und Orte werden aus dem sequentiellen Kontext herausgelöst. Das Ziel des Artikels ist es nicht, die Chronologie der napoleonischen Kriege zu erörtern, sondern Spuren und Denkmäler, die an diese Zeit erinnern, zu thematisieren. Die Exkurse zu Schlachten und Personen sollen die Umstände der damaligen Zeit „greifbarer“ machen und die Bedeutung von Orten und ihrer Monumente unterstreichen.

General Napoleon kommt

Österreich wurde 1796 das erste Mal mit Napoleon konfrontiert. Der damalige General hatte seinen Italienfeldzug siegreich beendet und wandte sich darauf dem Norden zu. Sein Ziel war es, Österreich zu einem Frieden zu zwingen. Im Zuge dieses Feldzuges, der als Erster Koalitionskrieg in die Geschichte einging, marschierte Napoleon 1797 in der Steiermark ein und erreichte am 18. April Leoben.

Der Waffenstillstand von Leoben

Im Eggenwaldschen Gartenhaus wurde der Vorfriede von Leoben unterzeichnet. (Foto: zl)

Die militärisch schlechte Lage zwang Österreich zu Verhandlungen, die in dem Vorfrieden von Leoben mündeten. Der Waffenstillstand war nicht nur für die österreichischen, sondern auch für die französischen Truppen wichtig. Die Franzosen waren in Italien aus dem Norden von den Tirolern bedroht, und in Italien war ein Aufstand gegen die Besatzer ausgebrochen. Der Friedensschluss sollte vor allem die militärischen Erfolge der Grande Nation absichern und ein mögliches Eingreifen Österreichs verhindern.

Das Resultat dieses vorläufigen Abkommens von Leoben wurde im Oktober 1797 im Frieden von Campo Formio bestätigt. Der wesentliche Inhalt dieses Vertrages war die Festlegung der Grenzen zwischen Österreich und Frankreich. Die Grenzen der Länder und Einflussgebiete zwischen den beiden Mächten blieb das wesentliche Thema jedes ihrer weiteren Friedensverträge. Es war gleichzeitig auch der Grund für den nächsten Krieg der beiden rivalisierenden Länder, um die Vormachtstellung in Mitteleuropa.

Landesverteidigungsdenkmal Kitzbühel

Der Italienfeldzug hatte auch Auswirkungen auf Österreich. Bereits 1796 griffen die Franzosen zum ersten Mal den Süden Tirols an und besetzten einige Ortschaften. Sie konnten sich jedoch nicht gegen die Tiroler Schützen behaupten, welche die Invasoren vertreiben konnten. Die Situation änderte sich im Jahr 1805. Nach der Niederlage gegen Napoleon wurde Tirol im Frieden von Pressburg an Bayern abgetreten und besetzt. 

Das Landesverteidigungsdenkmal in Kitzbühel. (Foto: Keusch)

1809 kam es zum Tiroler Volksaufstand gegen die bayrischen Besatzer, der von Andreas Hofer, Josef Speckbacher und Pater Joachim Haspinger angeführt wurde. Der Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen und das Symbol des Widerstandes, Andreas Hofer erschossen. Erst nach der Niederlage Napoleons 1814 bei Waterloo und dem darauffolgenden Wiener Kongress von 1815 kam Tirol wieder zu Österreich.

Eines der vielen Denkmäler in Tirol, die an den Volksaufstand erinnern ist jenes in Kitzbühel. Die napoleonischen Kriege gingen an der Stadt zwar spurlos vorüber, dennoch waren auch Personen aus Kitzbühel am Tiroler Befreiungskampf beteiligt.

„Den tapferen Ahnen zur Ehre, der Jugend zum leuchtenden Vorbilde“, steht auf der Tafel des Landesverteidigungsdenkmales. Es wurde von der Gemeinde Kitzbühel 1909, anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Tiroler Volksaufstandes aufgestellt und befindet sich unterhalb der Liebfrauenkirche und der Stadtpfarrkirche.

Der Bronzeguss wurde vom Kitzbühler Franz Christoph Erler gefertigt und erinnert an die Zeit der Napoleonischen Kriege in Tirol von 1796 bis 1809. Erler zählt zu den bedeutendsten österreichischen Bildhauern der Neugotik. Von ihm stammen unter anderem Werke im Wiener Stephansdom, im Festsaal des Wiener Rathauses oder im Arsenal.

Konsul Napoleon kommt zum zweiten Mal

Der Friede von 1797 war nicht von langer Dauer. Eine Allianz von Russland, Österreich und Großbritannien wollte die europäische Ordnung vor 1796 wiederherstellen. Die Niederlage Napoleons bei der Seeschlacht von Abukir war ein willkommener Anlass, um gegen Frankreich erneut ins Feld zu ziehen. Die Folge war der Zweite Koalitionskrieg.

Funde von der Schlacht am Walserfeld. (Foto: Petritsch)

Schlacht am Walserfeld 
Eine entscheidende Schlacht in diesem Krieg fand auf dem Salzburger Walserfeld statt. Sie war die größte militärische Auseinandersetzung in Salzburg und fand vom 12. bis 14. Dezember 1800 statt. Bei der Schlacht errangen die, von Erzherzog Johann geführten österreichischen Kräfte einen Sieg, der dennoch in einer Niederlage mündete.

Aufgrund der Bedrohung durch französische Truppen aus dem Norden, mussten die Österreicher das Gefecht abbrechen, da der Armee die Einkesselung drohte. Die Österreicher zogen deshalb entlang der Reichsstraße (heute Bundesstraße 1; Anm.) Richtung Wien ab. Noch heute findet man auf dem Gelände des ehemaligen Schlachtfeldes Spuren des Kampfes.

Die Schlacht auf dem Walserfeld fand auf dem Gelände des Flughafens Salzburg statt. Heute steht dort ein Denkmal, dass an diese kriegerische Auseinandersetzung erinnert. Es ist aber nicht das einzige Überbleibsel der Schlacht. Auf dem Salzburger Sebastiansfriedhof, in der Altstadt nördlich vom Kapuzinerberg, befindet sich inmitten der Gräberanlage ein Gedenkstein. Dieser erinnert an den französischen General Mangin, der bei der Schlacht schwer verwundet wurde und knapp zwei Wochen darauf verstarb. Seine letzte Ruhestätte fand er im Arkadenhof dieses einzigartigen Friedhofes.

Das Denkmal am Walserfeld. (Foto: Luckyprof)
Tafel mit Inschrift vor dem Denkmal. (Foto: Luckyprof)
Der Arkadenhof des Sebastiansfriedhofs. (Foto: Petritsch)
Die Tafel des französischen Generals am Sebastiansfriedhof. (Foto: Petritsch)

Pater Joachim Haspinger - Exkurs

Die Grabtafel von General Mangin ist nicht der einzige steinerne Zeuge dieser Zeit in Salzburg. Auf einer Wand des Schlosses Mirabell befindet sich eine Tafel, die an Pater Joachim Haspinger erinnert. „Pater Rotbart“, wie er von seinen Mitstreitern genannt wurde, war eine der interessantesten Figuren in Österreich während der Napoleonischen Kriege und gilt als Symbol des tiroler Freiheitswillens. Sein Charisma und seine Überzeugungskraft, aber auch seine Funktion als Priester verschafften ihm Autorität und Ansehen bei seinen Mitstreitern. Bereits 1796 und 1800 kämpfte er, damals noch als Theologiestudent, gegen die Franzosen und schloss sich nach der Besetzung Tirols durch die Bayern dem Geheimbund der Tiroler Patrioten an. 

Die Tafel am Schloss Mirabell erinnert an Pater Haspinger, der dort starb. (Wikimedia Commons/KarlGruber, CC BY-SA 4.0)

Beim Tiroler Volksaufstand von 1809 war er zuerst Feldkaplan und später Hauptmann einer Schützenkompanie. Am Sieg der Tiroler Freiheitskämpfer unter Andreas Hofer hatte er als Kommandant des linken Flügels bei der Schlacht auf dem Berg Isel vom 13. August 1809 einen wesentlichen Anteil. Nach den Erfolgen in Tirol half er mit, den Widerstand in Salzburg gegen die Franzosen zu organisieren.

Nachdem der Volksaufstand in Tirol niedergeschlagen wurde, floh er zuerst in die Schweiz, dann nach Südtirol und später über Italien in den Osten Österreichs nördlich von Wien. Dort wurde er Pfarrer in den Gemeinden Jedlesee und Großjedlersdorf, die heute ein Teil von Wien sind, und später im 25 km nördlich davon gelegenen Traunfeld. Bevor er sich in Hietzing zur Ruhe setzte, war er noch im Wallfahrtsort Sankt Lampert am Heiligenberg, als Seelsorger in einer der ältesten Kirchen Niederösterreichs tätig.

Seiner Heimat Tirol und den Tiroler Soldaten blieb Haspinger sein ganzes Leben lang verbunden. Als Geistlicher begleitete er eine Tiroler Kompanie im Jahre 1848 nach Italien. Diese schlug als Teil der österreichischen Streitmacht den italienischen Aufstand unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Radetzky nieder. Danach kehrte Haspinger wieder nach Wien zurück. 1854 bezog er eine Gnadenwohnung im Salzburger Schloss Mirabell. Diese wurde ihm von Kaiser Franz Josef I. bewilligt. Dort starb Pater Joachim Haspinger am 12. Jänner 1858. Zwei Monate später wurden seine sterblichen Überreste nach Innsbruck überführt, wo er in der Hofkirche neben Andreas Hofer und Josef Speckbacher beigesetzt wurde.

Das Erbe des Tiroler Freiheitskämpfers führt heute der „Verein Pater Haspinger“ in Traunfeld fort. Der Verein hat in Eigenregie den Pfarrhof der Gemeinde, in der er 21 Jahre gelebt und gewirkt hatte sowie seinen ehemaligen Weinkeller restauriert. Anlässlich des Gedenkjahres 2009 (200 Jahre Tiroler Volksaufstand bzw. die Schlachten des Fünften Koalitionskrieges; Anm.) wurde im ersten Stock des Pfarrhofes eine Ausstellung zum Leben und Wirken von Pater Joachim Haspinger eingerichtet. Die Ausstellung versucht sein Leben nachzuzeichnen und die Zeit der Franzosenkriege darzustellen.

Verein Pater Haspinger 

Joachim Haspinger (hi. re.) mit seinen Kampfgefährten Josef Speckbacher (hi. li.), Andreas Hofer (hi. mi.) und Kajetan Sweth (vo.). (Gemälde: Defregger, Tiroler Landesmuseum)

Steyr in den Napoleonischen Kriegen

Der Rückzug der österreichischen Truppen nach der Schlacht von Salzburg im Jahr 1800 Richtung Osten erfolgte geordnet, wenngleich französische Truppen nachstießen und es zu mehreren Rückzugsgefechten kam. Die Franzosen verfolgten die österreichischen Kräfte bis Melk in Niederösterreich. Als sie dort angekommen waren, trat der Waffenstillstand von Steyr in Kraft. Dieser Waffenstillstand wurde am 25. Dezember 1800 in der Löwenapotheke, die sich unterhalb des Schlosses von Steyr am linken Ufer der Enns befindet, unterzeichnet. 

Der Waffenstillstand von Steyr wurde am 25. Dezember 1800 in der Löwenapotheke unterzeichnet. (Foto: Keusch)

Der Zweite Koalitionskrieg in Österreich war damit beendet, obwohl die Besatzer erst später abzogen. So wie bereits 1797 wurde der Waffenstillstand einige Wochen später durch einen dauerhaften Friedensvertrag bestätigt. Dieser wurde zwischen Frankreich, Österreich und dem Heiligen Römischen Reich am 9. Februar 1801 in Luneville geschlossen. Im Wesentlichen wurden dadurch die Bestimmungen des Friedens von Campo Formio wieder in Kraft gesetzt.

Die Franzosen kamen nicht nur 1800 nach Steyr. 1805 waren sie erneut in der Stadt und wieder spielte die Löwenapotheke eine Rolle. Dieses Mal jedoch nicht mehr als Ort für Friedensverhandlungen, sondern als Übergangsstelle über die Enns weiter Richtung Osten. Entlang des Flusses gab es damals nur wenige Holzbrücken - eine davon war in Steyr neben der Apotheke. Diese Brücke wurde jedoch, so wie die meisten anderen auch, von den sich zurückziehenden österreichischen Truppen zerstört. Die Österreicher sammelten sich östlich der Enns im Raum zwischen der Donau und Steyr, um sich weiter Richtung Osten abzusetzen.

Als die Franzosen in Steyr das Ennsufer erreichten, kam es zu Feuergefechten und in weiterer Folge zum Häuserkampf in der Stadt. Die Soldaten Bonapartes mussten sich den Übergang über den Fluss hart erkämpfen, konnten ihren Weg jedoch fortsetzen. Neben der Löwenapotheke befinden sich heute Reste der ehemaligen Brücke über die Enns. Diese kamen bei Baggerarbeiten zum Vorschein und befinden sich heute am westlichen Brückenkopf beim Ennskai. 

Blick auf die 1805 stark umkämpfte Altstadt von Steyr. (Foto: Keusch)
Die Löwenapotheke in der Altstadt von Steyr. (Foto: Keusch)
Die Inschrift auf der Fassade der Löwenapotheke. (Foto: Keusch)
Reste der Holzbrücken aus der napoleonischen Zeit. Sie wurden 1978 beim Bau der aktuellen Brücke in der Enns gefunden. (Foto: Keusch)

Kaiser Napoleon kehrt zurück

Der Friede von Luneville war keine dauerhafte Lösung. Vor allem für Großbritannien und Österreich waren die Auswirkungen des Friedensvertrages problematisch. Die Briten waren mit wirtschaftlichen Nachteilen und einer Ausdehnung der Franzosen in ihren Kolonialgebieten konfrontiert. Österreich war vor allem die Unterstützung Napoleons hinsichtlich der Gründung deutscher Staaten auf dem Gebiet des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein Dorn im Auge. Die Führungsposition der Habsburger in Deutschland war dadurch gefährdet.

Der Krieg sollte nördlich und südlich der Alpen in Bayern und Italien ausgetragen werden und die Ordnung vor dem Beginn der Napoleonischen Kriege wiederherstellen. Am 8. September 1805 begann der österreichische Angriff auf, das mit Frankreich verbündete, Bayern. Zwei Wochen später, am 23. September, erklärten die Österreicher auch Frankreich den Krieg und aktivierten so eine Streitmacht, der sie nicht gewachsen waren. Napoleon entschied die Schlacht bei Ulm für sich und setzte daraufhin seinen Vormarsch auf Österreich fort.

Die Route, die er dabei nahm, war im Wesentlichen die gleiche wie jene von 1800. Nach mehreren Gefechten erreichte er am 4. November die Traun. Östlich von Lambach teilte sich die Streitmacht Bonapartes in vier Teile. Der erste Teil, das Korps von Marschall Mortier, marschierte die Traun entlang nach Norden bis zur Donau und weiter flussabwärts. Der zweite Teil, die Armee von Marschall Murat, bewegte sich entlang der Reichsstraße Richtung Osten. Der dritte Teil, unter Marschall Davout, marschierte von Steyr über Waidhofen an der Ybbs im Alpenvorland bis nach St. Pölten. Der vierte Teil, das Korps von Marschall Marmont, ging entlang der Enns und der Salza vor.

Die Napoleonloge im Greiner Stadttheater. (Foto: Keusch)

Die Franzosen im Donautal
Unter Marschall Mortier bewegte sich eine Streitmacht von mehreren tausend Mann entlang der Donau und nördlich davon im Mühlviertel. Am 6. November 1805 erreichten die französischen Truppen die Stadt Grein. Es war nicht das erste Mal, dass Franzosen in der Stadt waren. Bereits 1800 kamen französische Truppen dort an, und auch 1809 sollten sie wieder in der Stadt einmarschieren. Heute erinnert die „Napoleonloge“ im Greiner Stadttheater an die „Gäste“ von damals. Napoleon selbst war zwar nicht vor Ort, angeblich hat sich aber Mortier von diesem Platz aus das eine oder anderer Theaterstück angesehen. Das Stadttheater in Grein bietet die Möglichkeit in diese Zeit einzutauchen. Es wurde 1791, nur einige Jahre vor den Napoleonischen Kriegen, errichtet und seitdem kaum verändert.

Stadttheater Grein 

Die Franzosenhütte
In der Gegend von Grein gibt es mehrere „Zeugen“ aus der Zeit der Franzosenkriege. Am bedeutendsten ist die „Franzosenhütte“. Sie steht neben einem Bauernhaus an der Straße von Bad Kreuzen nach Pabneukirchen. Sie ist der einzige, in Oberösterreich erhaltene, freistehende Getreide- und Lebensmittelspeicher aus dem 18. Jahrhundert. Die Hütte zeigt noch heute Spuren aus dieser Zeit. Ein ehemaliger Besitzer erzählte die mündlich überlieferte Geschichte, die heute auf einem Schild an der Hütte angebracht ist, wie folgt: 

„In den Franzosenkriegen mussten die Bauern ihre Lebensmittelvorräte gesichert aufbewahren, da die durchziehenden Soldaten aus Hunger und Not alles Essbare plünderten. Sie kamen auch eines Nachts beim Rotaignerhof vorbei und sahen den freistehenden Getreidespeicher, den sie aufbrechen wollten. Sie fanden aber außen weder eine Türklinke noch ein Schloss vor, und so wollten sie mit Gewalt eindringen. Sie feuerten mehrere Schüsse auf die Tür ab, um das innenliegende Schloss zu entriegeln. Doch sie hatten kein Glück, Die Tür hielt stand, da sie innen mit einem dicken Eisenblech beschlagen war. So mussten die Franzosen unverrichteter Dinge weiterziehen.“

Die Hütte überstand die napoleonischen Kriege und trotzte über zweihundert Jahre Wind und Wetter. Zu Beginn des 21. Jahrhundert war ihre Zukunft jedoch ungewiss. Sie war baufällig und drohte abgerissen zu werden. Dem Engagement des Volksbildungswerkes von Bad Kreuzen und der Unterstützung des Landes Oberösterreich ist es zu verdanken das dieses Kulturdenkmal 2007 und 2008 renoviert wurde und erhalten blieb.

Die Eingangstüre der Franzosenhütte mit Einschusslöchern. (Foto: Keusch)
Die Einschusslöcher aus der Nähe. (Foto: Keusch)
Die Franzosenhütte hinter dem Rotaignerhof. (Foto: Keusch)
Diesen Stein wollten, der Legende nach, französische Soldaten ins Tal rollen. (Foto: Gemeinde St. Thomas)

Neben der Franzosenhütte befinden sich in der Gegend von Bad Kreuzen weitere Kleindenkmäler aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Es gibt mehrere Bildstöcke und Marterln, die an Grabstätten unbekannter Soldaten erinnern. Ein Beispiel ist das Franzosenkreuz in St. Thomas am Blasenstein. Dieser Bildstock wurde an einem Platz aufgestellt, an dem der Überlieferung nach fünf Franzosen begraben sind. Neben den sakralen Denkmälern gibt es in St. Thomas noch die Franzosenkugel. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Kanonenkugel, sondern um einen Wackelstein. Diesen wollten französische Soldaten angeblich aushebeln und ins Tal rollen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Die Franzosen auf der Reichsstraße
Am 5. November 1805 begannen die napoleonischen Truppen um etwa 0500 Uhr morgens ihren Vormarsch auf der Reichsstraße von der Stadt Enns Richtung Osten. Nachdem sie den Fluss Enns noch ohne Widerstand überqueren konnten, wurden sie im Laufe des Tages in Altenhofen, Strengberg, Oed und Boxhofen (bei Amstetten) in Gefechte verwickelt. Diese liefen überall ähnlich ab. Österreicher, und mit ihnen verbündete russische Truppen, bezogen Stellungen entlang eines Waldrandes auf einem Hügel oder bei einer Ortseinfahrt.

Sobald sich französische Truppen näherten, wurden diese unter Feuer genommen. Die Franzosen griffen dann unter Einsatz von Artillerie und Kavallerie die österreichischen Stellungen an. Die Österreicher traten nach einem kurzen Kampf und mit Teilen schon davor den Rückzug an, um auf einem der nächsten Hügel bzw. Ortseingang den napoleonischen Truppen erneut aufzulauern. Mit dieser Taktik sollten die französischen Eindringlinge verzögert und der geordnete Rückzug der eigenen Kräfte sichergestellt werden.

Blick durch das Einschussloch der Außenmauer zur Kanonenkugel, die in der Innenmauer steckt. (Foto: Keusch)

Die Franzosen kannten diese Taktik und brachten, wenn es möglich war, ihre Kanonen in Stellung, um das Vorgehen der Infanterie zu überwachen. So geschah es auch in der Ortschaft Oed. Dort wurden die französischen Soldaten bereits am westlichen Ortseingang in Kämpfe verwickelt. Nach einem kurzen Geplänkel wichen die Österreicher und Russen zurück und verschanzten sich auf einem Hügel östlich der Ortschaft im Wald. Nachdem die Franzosen Oed genommen hatten, brachten sie auf einer Anhöhe nach dem Ortsausgang ihre Kanonen in Stellung. Von dort aus feuerten sie auf den Wald am Hügel, in dem die Österreicher auf sie lauerten.

Von dem Beschuss zeugt noch heute eine Kanonenkugel, die in der Reitsbergerkapelle, etwa einen halben Kilometer östlich von Oed, steckt. Die Kugel durchschlug die Außenseite der Kapelle und blieb in der Innenmauer stecken. Die Kapelle ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für die Schulen der Umgebung. Als Teil gelebter und erfahrener Heimatkunde wird den Schülern, anhand dieses steinernen Zeugen der Vergangenheit, die Geschichte ihrer Region vermittelt. 

Schlacht bei Amstetten
Etwa sieben Kilometer von Oed entfernt befindet sich die Gehöftgruppe Boxhofen. Dort fand in den Abendstunden des 5. November die Schlacht von Boxhofen, besser bekannt als Schlacht bei Amstetten, statt. Wo sich heute die Ortschaft Ludwigsdorf befindet, war damals ein Wald, der zu der Gehöftgruppe reichte. Dort, am östlichen Waldausgang, hatten die russischen Truppen eine Verteidigungslinie mit Infanterie und Kanonen bezogen. Als französische Kavallerie beim Waldausgang auf diese Linie traf, eröffneten die Verteidiger das Feuer. Die Verwirrung unter den napoleonischen Reitern nutzte die russische Kavallerie aus, um zum Angriff überzugehen.

Die Reitsbergerkapelle zwischen Oed und Zeillern. (Foto: Keusch)
Das Einschussloch und die Kugel im Inneren der Kapelle. (Foto: Keusch)
Die Kanonenkugel aus der Nähe. (Foto: Keusch)

Erst vor dem westlichen Eingang in das Waldstück, etwa drei Kilometer westlich der Verteidigungslinie von Boxhofen, aus dem die Franzosen nun zurückeilten, wurden sie gestoppt. Eine französische 8-cm-Kanone hatte sich am Waldeingang postiert und nahm die Russen unter Feuer. Die Kanone konnte die russische Kavallerie jedoch nicht aufhalten. Unter den Säbelhieben der Russen musste sie von der Mannschaft gesprengt werden, um nicht in die Hand des Gegners zu geraten. Die russische Kavallerie sammelte sich daraufhin im Bereich des Waldeinganges und wurde kurz darauf mit Infanterie verstärkt. Der Angriff der Franzosen ließ nicht lange auf sich warten. Dabei wurden die russischen Truppen wieder in ihre Ausgangsposition nach Boxhofen zurückgedrängt. Nach mehreren erfolglosen Versuchen gelang es den Franzosen schließlich die russischen Verteidiger aus ihren Stellungen zu werfen und sie zurückzudrängen.

Um 2100 Uhr war der französische Vormarsch an diesem Tag beendet und die Soldaten biwakierten auf dem Feld. 35 Kilometer legten sie an diesem Tag mit einem Gepäck das etwa 30 kg wog zu Fuß zurück. Sechsmal wurden sie dabei in kleinere oder größere Rückzugsgefechte verwickelt. Der Kommandant der Franzosen und Schwager von Napoleon, Joachim Murat schrieb in einem Brief an Napoleon, dass „niemals mit größerer Tapferkeit gekämpft wurde“ als an diesem Tag bei Boxhofen.

In Gleiss steht eine der wenigen Ruinen, die von den Zerstörungen durch die napoleonischen Truppen zeugen. (Foto: Keusch)

Die Franzosen im Alpenvorland 
Südlich der Reichsstraße waren die Truppen Marschall Davouts von Steyr über Seitenstetten zum Ybbstal vorgedrungen. Auf ihrem Weg dorthin kam es zu zahlreichen Plünderungen und Verwüstungen. Ein Zeuge davon ist die Ruine in Gleiss. Diese wurde am 6. November 1805 von französischen Soldaten niedergebrannt. Danach wurde sie nicht mehr aufgebaut und verfiel. Sie ist eine der wenigen Ruinen in Österreich, die aus der Zeit der napoleonischen Kriege stammen, und noch „erhalten“ ist.

Die Franzosen marschierten die Ybbs entlang weiter Richtung Süden und erreichten ein paar Stunden später Waidhofen an der Ybbs. Ein besonderes Zeugnis dieser Ereignisse ist der Waidhofer Bilderreigen. Auf elf Bildern wird dabei die Einnahme der Stadt durch französische Truppen beschrieben. Die meisten Gemälde zeigen die Geschehnisse vom November 1805. Einige von ihren beschreiben auch die französische Besatzung von 1800 und 1809. Die Bilder sind einzigartige zeitgenössische Quellen die sich gegenseitig ergänzen und einen Einblick in die damaligen Ereignisse vermitteln. Sie entstanden zwischen 1800 und 1810 von zwei lokalen Künstlern, Johann Engleitner und Sebald Grünschachner. Ein weiteres Bild zeigt den Ausmarsch des Landwehrbataillons von 1813. Es passt zwar zeitlich nicht zu den anderen Gemälden, ist dem Bilderreigen jedoch thematisch zuzurechnen. Die Landwehr wurde als Antwort auf die französische Bedrohung als Element der Territorialverteidigung gegründet, und diese Bedrohung war 1813 noch konkret.

Fotostrecke Bilderreigen

(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Engleitner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Engleitner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Engleitner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Engleitner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
(Gemälde: Grünschachner/Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)

Marsch nach Austerlitz

Die Franzosen, die in vier Kolonnen Richtung Osten vormarschierten, hatten den Plan, die russische Streitmacht bei St. Pölten zu stellen. Diese von Fürst Kutusow geführte Armee wich jedoch nach Norden aus, wo sie am Abend des 10. November bei Dürnstein in der Wachau auf das französische Korps von Marschall Mortier traf. Am Morgen des nächsten Tages prallten die Armeen aufeinander und bekämpften sich bis zum Einbruch der Nacht. Der russischen Armee gelange es an diesem Tag die französische Armee zu schlagen, deren Soldaten teilweise sogar über die Donau fliehen mussten.

Für die Alliierten gegen Bonaparte stellte die Schlacht den einzigen militärischen Erfolg des gesamten Feldzuges dar. Die Niederlage bei Dürnstein konnte die Franzosen nur kurz aufhalten, dennoch versuchten sie den russischen Sieg zu verschleiern. Das ging so weit, dass Napoleon angeblich befahl, verwundete Russen nach Wien zu transportierten, um die Bewohner der Stadt so von der russischen Niederlage zu überzeugen.

Das Denkmal in Dürnstein oberhalb des ehemaligen Schlachtfeldes. (Foto: Keusch)

An das Gefecht in der Wachau erinnern heute zahlreiche kleinere und größere Gedenkstätten. Das größte von ihnen ist das Denkmal auf dem Schlachtfeld bei Dürnstein. Es befindet sich an der Stelle, an der ein französischer General seine letzte Stellung am Ende der Schlacht hatte. Unter dem Denkmal befinden sich eine Kapelle und ein Beinhaus mit den sterblichen Überresten von den Gefallenen dieses Tages. Reliefs von berühmten Persönlichkeiten, die mit dieser Schlacht im Zusammenhang stehen, sind am Oberteil des Denkmals angebracht, das die Form einer Patrone hat.

In Unterloiben östlich des großen Denkmals befinden sich mehrere Häuser in deren Fassaden eine oder mehrere Kanonenkugeln eingemauert sind. Eine Tradition, die man auch heute noch lebendig hält und in dieser Form in Österreich einzigartig ist. Darüberhinaus ist an der Kirche der Ortschaft seit 1936 eine Tafel befestigt, die an Opfer der Schlacht erinnert.

Im mittelalterlichen Ortskern von Dürnstein befinden sich an einer Ecke der ehemaligen Hauptstraße zwei Gedenktafeln. Eine ist zu Ehren des Jägers von Dürnstein angebracht, der  russischen Truppen damals als Pfadfinder diente. Die andere Tafel gedenkt an die Soldaten, die bei der Schlacht fielen. Sie wurde vom "Zentrum für napoleonische Studien" in Paris dort angebracht. Sogar in Krems, am östlichen Ende der Wachau, erinnert ein Denkmal im Stadtpark an den, bei der Schlacht gefallenen, Feldmarschallleutnant Heinrich von Schmitt. Da dessen sterbliche Überreste nach der Schlacht nicht gefunden wurden, steht seit 1811 eine symbolische Grabstätte für ihn im Stadtpark. 

Gedenktafeln für den Jäger von Dürnstein (mi.) und die Soldaten, die bei der Schlacht am 11. November 1805 kämpften (re.). (Foto: Keusch)
Gedenktafel an der Kirche in Unterloiben. (Foto: Keusch)
Kreuzung in Unterloiben mit Kanonenkugelhäusern. (Foto: Keusch)
Fassade mit Kanonenkugeln in Unterloiben. (Foto: Keusch)
Fassade mit Kanonenkugel in Unterloiben. (Foto: Keusch)
Fassade mit Kanonenkugeln in Unterloiben. (Foto: Keusch)
Fassade mit Kanonenkugel in Unterloiben. (Foto: Keusch)
Das Denkmal für Feldmarschallleutnant Heinrich von Schmitt im Kremser Stadtpark. (Foto: Keusch)

Der russische Befehlshaber, Fürst Kutusow, verließ Dürnstein zwar als Sieger, die Stellung in der Wachau konnte er dennoch nicht halten, da starke französische Verbände in der Nähe lagen. Deshalb zog der russische Fürst mit seiner Armee Richtung Znaim und Brünn ab - gefolgt von den Truppen Bonapartes. Bei Brünn sollten sich die russischen und österreichischen Armeen vereinen, was die Franzosen wiederum verhindern wollten.

Am 16. November 1805 trafen die französischen Truppen bei Schöngrabern auf eine russische Nachhut, die sie aufgrund ihrer Überlegenheit angriffen. Die russischen Truppen bedienten sich jedoch einer List. Sie schossen den Ort Schöngrabern in Brand, verzögerten so das Nachstoßen der französischen Soldaten und konnten sich in Sicherheit bringen. Dennoch kam es bei den Kampfhandlungen auf beiden Seiten zu hunderten Gefallenen und Verwundeten. Das nächste bewaffnete Aufeinandertreffen der Kriegsgegner erfolgte bei Vyskov in Mähren. Es endete wiederum mit einem Sieg der Russen über die Franzosen. Dieser Sieg steht jedoch in engem Zusammenhang mit der Schlacht bei Austerlitz und ist deshalb als Zwischenstufe für die folgende Niederlage zu betrachten.

Das Denkmal in Schöngrabern erinnert an die Schlachten die dort 1805 und 1809 stattfanden. (Foto: Aschenbrenner)

In Schöngrabern steht ein Denkmal, das anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Schlacht 1905 dort errichtet wurde. In seiner Form mit dem Obelisken, der aufgesetzten Kanonenkugel und dem Adler, der sich an der Kugel festkrallt, entspricht es dem Stil der meisten Denkmäler, die anlässlich eines hundertjährigen Jubiläums einer napoleonischen Schlacht in Österreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgestellt wurden. Eine weitere Gemeinsamkeit, die viele dieser Denkmäler teilen ist, dass sie in Anwesenheit des Thronfolgers Franz Ferdinand enthüllt wurden. Das Monument erinnert aber nicht nur an die Schlacht von 1805, sondern auch an jene des Jahres 1809, die ebenfalls in Schöngrabern sowie in Hollabrunn ausgefochten wurden. Das zeigt, dass nicht nur der Donauraum mehr als einmal mit der Anwesenheit der französischen Armee und mit Schlachten konfrontiert war.

Die Entscheidungsschlacht des Dritten Koalitionskrieges erfolgte in Austerlitz. Wie später behauptet wird, lockte Napoleon die Armeen der Koalition dort in die „Falle“. Er täuschte, nicht auch zuletzt durch die verlorene Schlacht bei Vyskov, eine vermeintliche Schwäche vor, die es jedoch nicht gab. Dem französischen Kaiser gelang es in der Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz die Truppen der Allianz des österreichischen Kaisers Franz I. und des russischen Zaren Alexander I. zu besiegen. Auf den Sieg folgte der Friedensvertrag von Pressburg. Dieser Vertrag hatte für Österreich Konsequenzen, die den Staat bis heute prägen. Seit damals ist Salzburg ein Teil Österreichs. Der Zugewinn dieses Landes war der Ausgleich dafür, dass Tirol an Bayern abgetreten werden musste.

Ende Teil 1

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur bei TRUPPENDIENST.

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