• Veröffentlichungsdatum: 30.06.2020
  • – Letztes Update: 02.07.2020

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Panzergrenadierbataillon 13 und 35

PzGrenB13 und PzGrenB35

(Foto: 4.PZGRENBRIG | Montage: Schobesberger)
(Foto: 4.PZGRENBRIG | Montage: Rizzardi/Schobesberger)

In der 4. Panzergrenadierbrigade befinden sich die einzigen beiden Panzergrenadierbataillone des Österreichischen Bundesheeres, die Panzergrenadierbataillone 13 und 35. Durch die Mischung von Panzergrenadieren und Schützenpanzern sind die Verbände äußerst flexibel in ihrer Kampfweise und können rasch und vor allem unter Panzerschutz Soldaten in den Einsatz bringen.

Soldaten der Panzergrenadiertruppe haben einen wesentlichen Vorteil gegenüber der motorisierten Infanterietruppe (Jäger) – nämlich der Wechsel zwischen dem aufgesessenen Gefecht von einem Schützenpanzer und dem abgesessenen infanteristischen Vorgehen der Soldaten im jeweiligen Gelände. Generell eignet sich die Panzergrenadiertruppe aufgrund der verfügbaren Feuerkraft, Beweglichkeit, Panzerung und ihrer hohen Nachtkampffähigkeit für alle Einsatzarten. Dazu steht den österreichischen Panzergrenadieren der Schützenpanzer „Ulan“ zur Verfügung, einer der modernsten seiner Art in der Welt. Ein Panzergrenadierbataillon besitzt je 48 Stück „Ulan“ und gliedert sich in drei Panzergrenadierkompanien mit jeweils drei Panzergrenadierzügen zu je vier Schützenpanzern und eine Stabskompanie. Das Panzergrenadierbataillon 13 ist im oberösterreichischen Ried im Innkreis stationiert, das Panzergrenadierbataillon 35 im niederösterreichischen Großmittel.

Beide Standorte besitzen einen eigenen Übungsplatz, in dem die Soldaten mit ihren Schützenpanzern üben können, wobei die Kaserne Großmittel aufgrund ihrer Lage sogar unmittelbar im Übungsplatzgebiet liegt.

Das Hauptwaffensystem der österreichischen Grenadiere, der Schützenpanzer „Ulan“, hat ein Kampfgewicht von 28 t und eine Besatzung von maximal elf Soldaten (3 Mann Bedienungsbesatzung und 8 Grenadiere). Mit der Motorleistung von 530 kW (720 PS) erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Als Bewaffnung dient eine 30-mm-Maschinenkanone am Turm sowie ein 7,62-mm-Maschinengewehr. Zusätzlich kann der Schützenpanzer „Ulan“ Nebel- und Sprengwurfkörper verschießen. Durch eine ABC-Schutzanlage, eine Feuerwarn- und Löschanlage, eine Brandunterdrückungsanlage, seine Feuerleitanlage mit Wärmebildgerät und einer automatischen Zielverfolgungsanlage ist der Schützenpanzer bestens auf fast alle möglichen Szenarien vorbereitet.

Der Schützenpanzer "Ulan" - das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere. (Foto: Rainer Zisser)
Der Schützenpanzer "Ulan" - das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere. (Foto: Rainer Zisser)
Panzergrenadiere rücken im Schutz des Schützenpanzers "Ulan" vor. (Foto: Rainer Zisser)
Panzergrenadiere rücken im Schutz des Schützenpanzers "Ulan" vor. (Foto: Rainer Zisser)
Vorgehen von Panzergrenadieren unter Sicherung des Geländes durch den "Ulan". (Foto: Rainer Zisser)
Vorgehen von Panzergrenadieren unter Sicherung des Geländes durch den "Ulan". (Foto: Rainer Zisser)

Die Aufgaben der Panzergrenadiertruppe im Kampf der verbundenen Waffen sind

  • das Bekämpfen gegnerischer Infanterie,
  • das Bekämpfen gegnerischer, leicht gepanzerter Fahrzeuge,
  • das Nehmen und Halten von Infanteriegelände,
  • das Vernichten, Niederhalten und Blenden von Panzerabwehrwaffen,
  • die Zielzuweisung für Kampfpanzer von Zielen, die von den Panzergrenadieren nicht bekämpft werden können,
  • das Überwinden von Hindernissen und Beseitigen von Sperren sowie
  • die Nahsicherung der Kampfpanzer im unübersichtlichen Gelände, bei Nacht und schlechter Sicht. 

Panzergrenadiere in der Einsatzart Schutz

Die Einsatzart Schutz, insbesondere im Rahmen einer Schutzoperation, ist für das Bundesheer eine Primäraufgabe. In ihrer Ausprägung gibt es den Schutz der Bevölkerung, den Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen und den Schutz der kritischen Infrastruktur. Daraus ergeben sich zwei Aufgabengebiete, nämlich der Schutz von Personen (Bevölkerung, politische Verantwortungsträger usw.) sowie der Schutz von Objekten (Regierungsgebäude, Verkehrswege, Energie- und Wasserversorgungsanlagen sowie Lager wichtiger Güter). In beiden Bereichen werden Panzergrenadiere aufgrund ihrer spezifischen Eignung eingesetzt und bei einer Einsatzplanung ganz konkret angefordert.

Panzergrenadiere sichern ihr Umfeld. (Foto: PzGrenB35)
Panzergrenadiere sichern ihr Umfeld. (Foto: PzGrenB35)
Panzergrenadiere dringen in ein Gebäude ein. (Foto: PzGrenB35)
Panzergrenadiere dringen in ein Gebäude ein. (Foto: PzGrenB35)
Panzergrenadiere im CRC-Einsatz. (Foto: Rainer Zisser)
Panzergrenadiere im CRC-Einsatz. (Foto: Rainer Zisser)
Panzergrenadiere und Militärpolizei führen einen Checkpoint durch - der "Ulan" sorgt für zusätzliche Sicherheit. (Foto: PzGrenB35)
Panzergrenadiere und Militärpolizei führen einen Checkpoint durch - der "Ulan" sorgt für zusätzliche Sicherheit. (Foto: PzGrenB35)

Folgende Fähigkeiten der Panzergrenadiertruppe kommen bei der Schutzoperation zum Einsatz:

Mobilität

  • Hohe Mobilität bei (fast) allen Geländebeschaffenheiten;
  • Witterungsunabhängigkeit (Sicht und Wetter haben kaum Einfluss);
  • Höchster Eigenschutz durch Panzer-/Splitterschutz.

Wirkung

  • Abhaltewirkung: Glaubhafte Vermittlung des staatlichen Willens durch „Show of Force“;
  • Waffenwirkung: die Reichweite und Feuerkraft ist höher als die eines potenziellen Gegners (Annahme: leichte Infanteriewaffen, leichte Panzerabwehrwaffen, Spreng- und Zündmittel). Eine eigene Wirkung ist mit hoher Präzision möglich – Kollateralschäden können weitestgehend vermieden werden. Durch den Einsatz verschiedener Wirkmittel und Kaliber ist die Verhältnismäßigkeit im Sinne einer Eskalationsleiter sichergestellt;
  • Ein (annähernd) unverzüglicher Übergang zum Einsatz im Rahmen einer Abwehroperation als nächste Stufe staatlichen Handelns ist möglich.

Beobachtung und Aufklärung

  • Beobachtungsmittel mit Reichweiten bis zu 3 500 m sind verfügbar;
  • Überwachung großer Räume bei geringer Truppenstärke ist möglich.
Zwei Panzergrenadiere munitionieren die 30-mm-Maschinenkanone ihres Schützenpanzers auf. (Foto: Rainer Zisser)
Zwei Panzergrenadiere munitionieren die 30-mm-Maschinenkanone ihres Schützenpanzers auf. (Foto: Rainer Zisser)
Die 30-mm-Machinenkanone des "Ulans". (Foto: Rainer Zisser)
Die 30-mm-Machinenkanone des "Ulans". (Foto: Rainer Zisser)
Schützenpanzer "Ulan" überwachen die Umgebung. (Foto: Rainer Zisser)
Schützenpanzer "Ulan" überwachen die Umgebung. (Foto: Rainer Zisser)

Vorteile der mechanisierten Truppe im Vergleich zu anderen Waffengattungen

  • Objekte bzw. Infrastruktur können mit zusätzlichem Panzerschutz (SPz) gesichert, bewacht und verteidigt werden;
  • Beobachtung und Wirkung durch den Einsatz der SPz bringt zusätzliche Feuerkraft und Reichweite;
  • Individualschutz der Soldaten ist durch SPz höher;
  • Rascher Einsatz von Reserven: eine geschützte Mobilität ist jederzeit vorhanden sowie eine höhere Geländegängigkeit. Dadurch kann eine Schwergewichtsbildung bzw. Verlagerung von Kräften rasch erfolgen;
  • Schutz von Räumen: Durch die spezifischen Fähigkeiten der Panzergrenadiere können größere Räume unter gleichzeitiger Minimierung von Truppenstärken überwacht bzw. beherrscht werden;
  • Begleitschutz und Schutz von Konvois: Durch den Einsatz der SPz ist der Begleitschutz jederzeit möglich, es ist keine Umgliederung bzw. Änderung der Truppeneinteilung notwendig.
  • „Abwärtskompatibilität“: Darunter ist die Eignung der Panzergrenadiere zum Wechsel ihrer Geräteausstattung zu verstehen. Aufgrund der Ausbildung und des Verständnisses der Schnelligkeit des mechanisierten Gefechts ist es beinahe ohne Verzug möglich vom SPz „Ulan“ auf den MTPz „Pandur“ oder ein anderes geschütztes Patrouillenfahrzeug „umzusatteln“. Diese Fähigkeit ist im Bundesheer einzigartig.
  • Mit der Gliederung und Ausrüstung der PzGren können sämtliche Einsatzaspekte nicht nur im Schutz optimal abgedeckt werden. Das Spektrum reicht von „Show of Force“ mit militärischen Waffensystemen (SPz) über die nachhaltige Kontrolle von Verkehrswegen (Kontrollpunkt, CRC) bis zur Anwendung militärischer Zwangsgewalt.
  • Der Panzer (SPz und KPz) ist ein „Fähigkeitsträger“. Erst durch die Verfügbarkeit von SPz/KPz werden Handlungsoptionen von Streitkräften überhaupt möglich wie ein rascher Wechsel von defensiver zu offensiver Einsatzführung, eine Abhaltewirkung, der rasche Übergang der Einsatzführung vom ruralen in urbanes Gelände;
  • Durch hohe Gefechtsgeschwindigkeiten und rasches Manöver kann die Reaktionszeit des Gegners unterlaufen werden – der Handlungsspielraum des Gegners wird dadurch eingeschränkt.

wird fortgesetzt

-PzGrenB13 und PzGrenB35-

Die mechanisierte Truppe im ÖBH

(Foto: Rainer Zisser)
(Foto: Rainer Zisser)
 

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