• Veröffentlichungsdatum : 20.09.2023

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Numquam retro - niemals zurück

Selina Lukas, Klara Oppenheim

Das Jagdkommando ist die Spezialeinsatzkraft des Bundesheeres. Dort erfüllen speziell ausgewählte, ausgebildete und ausgerüstete Soldaten ihre Aufträge unter hoher körperlicher und geistiger Belastung. Sie agieren unter schwierigen Gelände- und Witterungsbedingungen sowie extremen Gefahrensituationen. Ein Einblick.

Operator Alpha

Über Umwege kam Operator Alpha zum Jagdkommando. 2011 rückte er ein und absolvierte zunächst die Unteroffizierslaufbahn. 2015 führte ihn sein Weg weiter: „Ich habe einen Kurs beim Jagdkommando gemacht und gesehen, was die dort im Vergleich zu ‚normalen‘ Soldaten machen.“ Das weckte sein Interesse. Frei nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, meldete er sich zum Auswahlverfahren und absolvierte danach die Jagdkommando-Ausbildung. 

Wie man sich darauf am besten vorbereitet, darüber scheiden sich die Geister. Am Ende müssen sowohl die körperliche als auch die mentale Verfassung passen. „Ich war schon immer sportlich. Es war zwar anstrengend für mich, aber es gab immer Kameraden, für die es noch anstrengender war“, erzählt Alpha. 2015 war er mit 22 Jahren unter dem Altersdurchschnitt der anderen Teilnehmer, aber das Alter ist im Grunde irrelevant: „Es ist hauptsächlich eine Kopfsache – das Durchhalten, das Wachbleiben, das ‚Durchbeißen‘.“

Nach dem Jagdkommando-Grundkurs kam Alpha in die erste Task Group, bei der er bis 2021 als Medic (Sanitäts-Spezialist) eingesetzt war. Von dort wechselte er in das Kampfschwimmerteam, bei dem er noch einige Zeit bleiben möchte: „Solange es mir Spaß macht, solange die Kameradschaft so bleibt, wie sie ist, möchte ich dort sein. Ich kann mir aktuell keinen besseren Beruf vorstellen.“ Zum einen liegt das an der Abwechslung, denn kaum eine Woche sieht aus wie die andere. Zum anderen an den zahlreichen Ausbildungen, Übungen und Einsätzen, die absolviert werden. „Wir gehen im Dienst tauchen, Fallschirm springen, schießen und vieles mehr – wer kann das schon von sich behaupten?

Auch die Kameradschaft beim Jagdkommando ist einzigartig: „Wir sind alle durch die gleiche Schule gegangen. Wir begegnen uns auf Augenhöhe.“ Einziger Wehrmutstropfen: 40-Stunden-Woche und Work-Life-Balance gehören in einem Eliteverband nicht zur Tagesordnung. Ob das wichtig ist, ist eine Frage der Perspektive, wie Alpha erklärt: „Man hat Freunde beim Jagdkommando. Man ist zwar viel in der Arbeit, aber mit Freunden.“ Dass man viel im In- und Ausland unterwegs ist und verschiedene Ausbildungen macht, bringt auch Vorteile auf persönlicher Ebene. So kann der Operator Alpha dank der Erfahrungen, die er im Dienst macht, ebenso im privaten Freundes- und Bekanntenkreis „überall“ mitreden, oder seinen Kindern bei einem Waldspaziergang erklären, welche Pflanzen man essen kann. Das Know-how, das man sich aneignet, gibt Sicherheit. „Wenn ich wandern gehe, werde ich eher nicht derjenige sein, der von der Bergrettung abgeholt werden muss, sondern derjenige, der helfen kann.“

Die Motivation und der Wille an die eigenen Grenzen und über diese hinaus zu gehen, ist für ihn wesentlich, um im Jagdkommando zu bestehen. „Man muss einen gewissen Ehrgeiz mitbringen und darf nicht beim ersten Problem aufgeben.“ Egal, wie lange der Marsch schon geht, wie lange man bereits munter ist oder wie ungewiss die Situation scheint – beim Jagdkommando lernt man über sich hinauszuwachsen. „Das gibt Selbstvertrauen, da man sich selbst besser kennenlernt.“ 
 


Delta - Psychologe Jagdkommando

Kommentar: Personalgewinnung in der Generation Z – Vereinbarkeit oder Widerspruch? 

Das Jagdkommando des Österreichischen Bundesheeres zählt zu den Spezialeinsatzkräften. Der Dienst als Jagdkommando-Soldat ist abwechslungsreich, herausfordernd und erfüllend. Er findet in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten statt, ermöglicht das Arbeiten mit neuer Ausrüstung sowie modernem Gerät und bietet dem Interessierten ein enormes Tätigkeitsfeld.

Der Eintritt in diese Gemeinschaft muss aber durch Leistung verdient werden. Zunächst absolviert man ein Auswahlverfahren, danach müssen laufend Qualifikationen erbracht und erhalten werden. Die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit müssen permanent auf einem überdurchschnittlich hohen Level sein – Weiterqualifizieren und Lernen hören nie auf!

In den vergangenen Jahren wurde beim Auswahlverfahren für den Jagdkommando-Grundkurs ein schleichender Verlust von körperlicher und mentaler Leistungsfähigkeit festgestellt. Dies hängt mit dem Lebensstil unserer Wohlstandsgesellschaft zusammen, der negative Effekte auf unser Rekrutierungspotenzial  hervorbringt:

  • Immobilität: Fast alle Wege werden mit Vehikeln zurückgelegt, sodass sich der Bewegungsapparat nicht entwickeln kann. Zudem wird immer weniger getragen, wodurch der Stützapparat verkümmert. 
  • Virtuelle Kommunikation: Unangenehmen Kontakten kann durch Blockieren aus dem Weg gegangen werden. Somit fehlen Gelegenheiten zur Entwicklung von Konfliktlösungsverhalten.
  • Hyperkalorische Ernährung: Viele Menschen sind überfüttert, aber dennoch mangelernährt.
  • Verlust der Resilienz: Das Delegieren von Verantwortung für das persönliche Wohlergehen an externe Instanzen verhindert Eigeninitiative, Bewältigen von Misserfolgen und Frustration. Das Warten, Teilen oder Verzichten muss in Zeiten von Überfluss und permanenter Verfügbarkeit nicht mehr beherrscht werden.

Doch genau auf solche Kompetenzen und Fertigkeiten kommt es beim Dienst im Jagdkommando an. Mit genügend Motivation können viele Menschen eine Spitzenleistung erbringen, die sie einen Tag, eine Woche oder auch einen Monat aufrechterhalten können. Wichtig wäre es jedoch, diese Spitzenleistung über Jahre hinweg abrufen zu können. Schließlich soll nicht nur während der Jagdkommando-Ausbildung eine Spitzenleistung erfolgen, vielmehr soll der ausgebildete Jagdkommando-Soldat während seiner gesamten Dienstzeit leistungsfähig sein. 

Wer sich für eine Jagdkommando-Ausbildung ernsthaft interessiert und nicht nur einer momentanen Laune nachgibt, kann sich direkt beim Jagdkommando melden. Dort wird er adäquat beraten und während seiner Vorbereitungszeit unterstützt, um sich optimal vorbereitet dieser Herausforderung stellen zu können.



Geschichte des Jagdkommandos 

  • 1961 nahmen erstmals Offiziere des Österreichischen Bundesheeres an Lehrgängen für Spezialeinheiten in den USA und Frankreich teil und sammelten dort spezifisches Know-how und Erfahrungen.
  • 1963 wurde der Befehl zur Durchführung des ersten Jagdkommando-Grundkurses erteilt und das Jagdkommando als Kompanie für Sondereinsätze aufgestellt. Das damalige Ziel war, den Kampf in dem vom Feind besetzten Gebiet mit regulären Kräften, den sogenannten Jagdkommandos, kleinkriegsmäßig fortzusetzen.
  • 1965 wurde beim dritten Jagdkommando-Grundkurs erstmals die Fallschirmsprungausbildung integriert.
  • 1967 verlegte das Jagdkommando von Wien nach Hainburg in die Marc-Aurel-Kaserne.
  • 1969 wurde die Ausbildung um die Kampfschwimmerausbildung erweitert.
  • Mitte der 1970er-Jahre kam es zu einer Ausbildungserweiterung für Fernspähunternehmen, Kampfschwimmereinsätze und Sondereinsätze aller Art.
  • Seit 1976 werden die Jagdkommando-Soldaten in Wiener Neustadt ausgebildet.

Kampfschwimmer Bravo

Die Abwechslung am Arbeitsplatz war für Bravo immer gegeben. Schon früh stieg der Leistungsschwimmer in die Spezialeinsatzkraft des Österreichischen Bundesheeres ein und hat diese Entscheidung bis heute, über 30 Jahre später, nie bereut. „Ich erlebe sehr viel und mache das, was ich beim Jagdkommando lerne, gerne.“ Als Kampfschwimmer gehört er zu einer kleinen Einheit bestens ausgebildeter Elitesoldaten. „Vor internationalen Spezialeinsatzkräften brauchen wir uns nicht zu verstecken. Im Gegenteil! Oft werden Kampfschwimmer aus ausländischen Armeen bei uns ausgebildet. Im Gegenzug durften wir schon fast alle Weltmeere sehen“. Bravo hat bei internationalen Kooperationen schon viel Schwimm- und Taucherfahrung sammeln dürfen, vom Tieftauchen in Kroatien, in der Adria, bis hin zum Kampfschwimmtraining in den USA.

Doch bevor Bravo die schönsten Orte der Welt „bereisen“ durfte, galt es, den Jagdkommando-Grundkurs zu bestehen. Dieser dauerte nach dem dreiwöchigen Auswahlverfahren mehrere Monate. „Wer einen geregelten Arbeitsalltag und Work-Life-Balance sucht, ist beim Jagdkommando falsch. Wir werden gut bezahlt, aber für uns ist es kein Beruf, sondern eine Berufung. Das zieht sich durch die gesamte Laufbahn eines Jagdkommando-Soldaten“, ist Bravo überzeugt. 

Der passionierte Leistungssportler stellte sich nie die Frage, ob er es in den Jagdkommando-Grundkurs schafft. Es gab  nur eine Option: Jagdkommando-Soldat zu werden und das schlammgrüne Barett sowie das Abzeichen des Grundkurses zu erhalten. Die Motivation, zu gewinnen und den Willen nie aufzugeben, haben Bravo durch das Auswahlverfahren und den Grundkurs begleitet und ihn alle körperlichen und psychischen Hürden bewältigen lassen. 

Belohnt wurde Bravo mit zahlreichen Aus- und Weiterbildungen. „Ich durfte schon vieles machen, vom Trockenanzugtauchen in Afrika über Fallschirmspringen aus einem Helikopter ins Meer, bis hin zum Eistauchen bei Nacht in der Arktis. Langweilig wird es nie. Im Endeffekt ist Tauchen immer nass und kalt, und du bist von deinem Tauchgerät abhängig, das dich mit Luft versorgt.“ Es gibt jedoch wenige Gründe, die einen Kampfschwimmer davon abhalten, ins Wasser zu steigen. „Das sind maximal ein Gewitter oder eine zu starke Strömung mit Wellengang auf dem offenen Meer, wenn man mit dem Boot nicht hinauskommt. Schwimmen bei Regen oder Schnee ist kein Problem.“ Wer Kampfschwimmer wird, hängt jedoch von einigen Faktoren ab. „Länger Luft-Anhalten können, wäre nicht schlecht, mindestens eine Minute und 40 Sekunden lang ist im 50-Meter-Freitauchen Pflicht.“ Für einige Kampfschwimmer ist das kein Problem, denn „bei uns gibt es einen Apnoetaucher, der kann bis zu zehn Minuten die Luft anhalten.

Wer sich nicht bei den Kampfschwimmern sieht, hat vielfältige andere Möglichkeiten, um sich beim Jagdkommando zu spezialisieren. Ob als Spezialist für Feuerunterstützung (SOTAC), Scharfschütze (Sniper), Spezial-Pionier (Masterbreacher) oder Technischer Spezialaufklärer (Technical Reconnaissance), in vielen Sparten kann man Fuß fassen.

Neben der Abwechslung im Arbeitsalltag motiviert Bravo jedoch ein Faktor ganz besonders. „Wir sind wie eine große Gemeinschaft, wo sich jeder auf jeden verlassen kann, ein eigener Schlag Menschen. Nach über 30 Jahren habe ich kaum Negatives erlebt, sondern viele schöne Zeiten. Meine Kameraden sind zu Freunden geworden – wie eine große Familie.“ Bravo kann jedem empfehlen, zum Auswahlverfahren anzutreten und die einzigartige Chance zu nutzen, einem Eliteverband beizutreten. 
 


Aufgaben des Jagdkommandos

Spezialaufklärung

  • Gewinnung von Schlüsselinformationen; 
  • Aufklärung und Überwachung von Räumen, Objekten, Netzwerken und Personen mit besonderer Bedeutung.

Kommandounternehmen 

  • Einsatz gegen gegnerische Einrichtungen, Gruppierungen und Netzwerke;
  • Festnahme von gesuchten Kriegsverbrechern;
  • Gefangenen- und Geiselbefreiung von österreichischen Staatsbürgern auch aus Krisen- und Kriegsgebieten.

Militärische Unterstützung 

  • spezielle militärische Hilfeleistung (z. B. Ausbildung von Soldaten) auf Ersuchen von Partnern bzw. befreundeten Nationen auch in Krisengebieten; 
  • Erstreaktionskraft des Bundesheeres in den Interessensgebieten Österreichs;
  • Kampfkräftiges Suchen und Retten, beispielsweise abgestürzter Piloten;
  • Einsatz von konsularischen Unterstützungsteams zur Unterstützung österreichischer Vertretungen im Ausland im Zusammenhang mit krisenhaften Entwicklungen;
  • militärische Evakuierungsoperationen für österreichische und europäische Staatsbürger sowie sonstige Evakuierungsberechtigte aus Krisengebieten. 

Die Spezialisten des Jagdkommandos unterstützen national im Bereich von

  • Fach- und Spezialausbildungen vorwiegend in den Bereichen militärischer Nahkampf, militärische Fallschirmsprungausbildung, militärische Tauchausbildung, Überleben in Klimazonen und spezielle Gebirgsausbildung sowie
  • Assistenzleistung bei besonderen Anlassfällen, beispielsweise Unterwasserbergungen. 

Operator 

Die Operator sind die Einsatzsoldaten des Jagdkommandos, welche zur Erfüllung aller Einsatzaufträge herangezogen werden. Jedes Team besteht aus einem Waffenspezialist, Sanitätsspezialist, Kommunikationsspezialist und Pionierspezialist. Die Spezialfunktionen sind Feuerunterstützung, Scharfschütze, Hundeführer oder Spezialpionier.


Supporter

Supporter sind die Unterstützungsteile des Jagdkommandos. Sie erhalten eine eigene Ausbildung, die sich in Teilen mit jener der Operator überschneidet. 
Sie spezialisieren sich als Kampfunterstützer, technische Aufklärer, Einsatzunterstützer oder Führungsunterstützer. 

Einstieg in das Jagdkommando 

Sie sind Soldat? Melden Sie sich bei Ihrem Kommandanten und nehmen Sie unter jagdkommando.bewerbung@bmlv.gv.at Kontakt mit der Rekrutierung des Jagdkommandos auf. Grundsätzlich ist nach der Absolvierung der Jagdkommando-Ausbildung die Verwendung im aktiven Dienst in einer Task Group für die Dauer von sechs bis neun Jahren vorgesehen. Es erfolgen weiterführende Spezialausbildungen und Laufbahnkurse. Danach ist ein Verbleib im Verband erwünscht und vorgesehen.

Sie sind Zivilist? Ihr erster Schritt ist es, ein ordentliches Dienstverhältnis im Österreichischen Bundesheer herzustellen. Nehmen Sie Kontakt mit dem Heerespersonalamt auf. 

Voraussetzungen 

  • Aufrechtes Dienstverhältnis als Soldat mit Eignung zur „Kaderverwendung“;
  • erfolgreich abgeschlossene oder anrechenbare Kaderanwärterausbildung 1;
  • erweiterte Verlässlichkeitsprüfung mit Prüfbescheinigung „Geheim“; 
  • gültige positive Leistungsprüfung Allgemeine Kondition; 
  • militärärztliches Gutachten zur Fallschirmsprungtauglichkeit für die Grundbefähigung; 
  • Militärärztliche Gutachten zur Erlangung der Heereslenkberechtigung der Gruppe 2 (Fahrzeugklasse C); 
  • Führerschein B zivil; 
  • Basiskenntnisse in Englisch und Informatik; 
  • überdurchschnittliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. 

Der Weg zum Abzeichen 

März – Auswahlverfahren Operator und Supporter 

Das dreiwöchige Auswahlverfahren dient zur Feststellung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, welche zukünftige Jagdkommando-Operatoren bzw. Jagdkommando-Supporter aufweisen müssen. 

April – Allgemeine Jagdkommando-Grundausbildung

In der „Allgemeinen Jagdkommando-Grundausbildung“ wird das Wissen und Können der einzelnen Teilnehmer auf ein einheitliches Niveau gebracht. Ausbildungsinhalte sind unter anderem Gefechtsdienst, Scharfschießen, Sanitätsausbildung.

Mai bis September – Grundkurs für Operator und Supporter

Das Schwergewicht der Ausbildung liegt auf der individuellen Ausbildung zur Herstellung der Überlebensfähigkeit auf dem Gefechtsfeld der Spezialeinsatzkräfte. Ausbildungen im Bereich Sprengen, Gefechtstechniken, Nahkampf, Scharfschießen, Fernmeldewesen, Sanitätswesen für Spezialeinsatzkräfte sind Teil des Grundkurses. Am Ende des Kurses wird jedem Absolventen das begehrte schlammgrüne Jagdkommando-Barett überreicht.

Ab Oktober – Die Einsatzausbildung 1 (EA1)

Die Einsatzausbildung 1 startet direkt nach dem Grundkurs, dauert etwa zwölf Monate und dient der Erreichung der ersten Einsatzbereitschaft. Mit Beginn der Einsatzausbildung startet auch die Teamausbildung sowie die Spezialisierung der Jagdkommando-Soldaten. Spezialisierungen sind z. B. in den Bereichen Waffentechnik, Sanitätswesen, Kommunikation sowie der Technik des Pionierwesens möglich. Weitere Inhalte sind die international genormte und anspruchsvolle Überlebensausbildung, Ausbildungen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft (Fallschirmsprungausbildung Rundkappe, Fast-Roping etc.). Schwergewicht sind jedoch die Einsatzarten Spezialaufklärung und Kommandounternehmen. Am Ende dieses Abschnittes mit Erreichung der ersten Einsatzbereitschaft erfolgt die Verleihung des Jagdkommando- und Unterstützungsabzeichens sowie die Übernahme in die Einsatzorganisation des Jagdkommandos.

Die Einsatzausbildung 2 und 3 (EA2 EA3) 

Die Einsatzausbildung 2 und 3 wird in der Folge modulartig durchgeführt und dient der Erreichung der vollen Einsatzbereitschaft sowie der Spezialisierung. In diesen Abschnitten der Ausbildung erfolgen weiterführende Spezialisierungen im Verband Jagdkommando. Dazu gehören unter anderem:

  • erweiterte Gebirgsausbildung (Heereshochgebirgsspezialist, Heeresbergführer); 
  • einsatztechnische Sonderlagen (Schiff, Bahn, Bus etc.);
  • militärische Fallschirmsprungausbildung (Freifallausbildung, Sprung auf spezielle Landezonen); 
  • Heereslenkberechtigungen für geschützte Kfz („Husar“, „Dingo“) und Sonderfahrzeuge; 
  • Umfeldausbildungen (Subarktis, Wüste, Dschungel); 
  • Ausbildung zum Kampfschwimmer; 
  • Sondersprengbefugnisse;
  • Weiterbildung in den Spezialfunktionen des Kommunikations-, Sanitäts-, Pionier- oder Waffenwesens;
  • Spezialausbildung zum Scharfschützen, SOTAC oder Hundeführer;
  • Spezialisierung für teilstreitkräfteübergreifende Waffenmittel (JTAC).

Charlie, Lehrabteilung Überleben und Klimazonenausbildung

Im Kampf um das Überleben ist der härteste Gegner nicht immer der Feind. Oft ist es die Natur. Überlebenstechniken für jedes Terrain zu beherrschen, entscheidet dann über Leben und Tod. Damit die Spezialkräfte des Jagdkommandos stets wissen, was zu tun ist, gibt es die Überlebens- und Klimazonenausbildung. Einer, der diese maßgeblich geprägt hat, ist Charlie. Er ist seit 28 Jahren beim Jagdkommando und bereut seitdem keinen Tag. „Seit dem Kindergarten wollte ich schon Soldat werden. Nach der Musterung bin ich direkt beim Jagdkommando eingerückt“, erzählt der gelernte Tischler. Die Faszination für das Überleben in der Natur begleitet ihn seit seiner Kindheit auf einem Bauernhof.

Nach dem Jagdkommando-Grundkurs kam Charlie in die Jagdkommando-Kompanie (die heutige 1. Task Group; Anm.). Dort wurde er Fernspäher, absolvierte die Fallschirmsprung- und die Funkausbildung. Dazu kamen im Laufe der Zeit unter anderem noch ein Freifall-Kurs, die Ausbildung an speziellen Funkgeräten sowie Kurse zum Notfallsanitäter und OP-Gehilfen. Was ihn stets begleitete, waren Überlebensausbildungen. Deshalb kam er relativ früh in die Lehrabteilung. „Der Plan wäre, dass man bis etwa 40 das Geschäft draußen macht, und wenn es dann körperlich nicht mehr so geht, wechselt man in die Lehrabteilung, wo es ‚ruhiger‘ zugeht.“ Das „ruhiger zugehen lassen“ ist jedoch nichts für den Jagdkommando-Soldaten, denn „bevor man etwas ausbilden kann, muss man es selbst erleben – am eigenen Leib spüren.“

In seiner Anfangszeit in der Lehrabteilung hörte er von einem „Überlebenslehrgang für Spezialkräfte mit Verhalten in Gefangenschaft“, der am International Special Training Center in Deutschland abgehalten wurde. „Das hat mich interessiert, also bin ich hingefahren. Drei Wochen später und mehr als zehn kg leichter kam ich wieder heim.“ Dieser Kurs inspirierte ihn dazu, sich mit dem Psychologen des Jagdkommandos zusammenzutun und die SERE-Ausbildung (Survival Evation Resistance Extraction; siehe TD 4/2019: „Verhalten in feindlicher Umgebung und Gefangenschaft“) zu entwickeln. Dieses Überlebenstraining ist mittlerweile in unterschiedlichen Stufen fixer Bestandteil der Laufbahnkurse in den Luftstreitkräften und für das Jagdkommando. Speziell für letzteres ist diese Ausbildung wesentlich. „Wir sind oft hinter den feindlichen Linien eingesetzt, ohne Anschlussversorgung. Wenn der Hut brennt, müssen wir richtig reagieren. Dazu gehört auch das Verhalten in Gefangenschaft oder Geiselhaft.“ 

Charlie war ein Vorreiter im Bereich Klimazonen-Ausbildung. Gemeinsam mit einem Kameraden machte er den „Jaguar“-Kurs in Französisch-Guyana. Diese anspruchsvolle Dschungelausbildung dauert neun Wochen und wird von der französischen Fremdenlegion durchgeführt. Die beiden Kameraden kamen zurück und entwickelten eine für das Bundesheer adaptierte Dschungel-Ausbildung. „Außerdem machten wir eine Wüsten-Ausbildung in Jordanien und eine Arktis-Ausbildung in Kanada“, erzählt der Jagdkommando-Spezialausbilder. „Im November kam ich aus Jordanien zurück, habe meine Wüstenausrüstung gegen die Arktisausrüstung getauscht und flog nach Kanada.“ Auf das Jahr gerechnet, gibt es etwa einen Monat, in dem keine Ausbildungen auf seinem Programm stehen. Ob ihn das stört? „Familienfreundlich ist es nicht, aber es ist meine Berufung. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Es scheint, als stelle sich die Frage nach der Work-Life-Balance bei Jagdkommando-Soldaten gar nicht, denn sie tun, was sie lieben und sie lieben, was sie tun. 

In seinen 28 Jahren beim Jagdkommando hat der Überlebensexperte viel gesehen und mitgemacht. Was hat sich in dieser Zeit verändert? „Der Menschenschlag ist gleichgeblieben. Der klassische Jagdkommando-Soldat ist nach wie vor ein in sich ruhender, ausgeglichener Mensch, der sehr leidensfähig ist. Wenn es drauf ankommt, ist er sofort hellwach und erfüllt seinen Auftrag.“ In Bezug auf die Einsätze, die Ausrüstung und die Bewaffnung hat sich einiges weiterentwickelt. Die Personalknappheit spürt man jedoch auch beim Jagdkommando. Die Anzahl an Interessenten bleibt zwar ungefähr gleich, aber es gibt immer weniger Anwärter, die es durch das Auswahlverfahren bzw. den Jagdkommando-Grundkurs schaffen. „Der Wille ist das Um und Auf. Wir brauchen willensstarke Leute. Egal ob es regnet, schneit, ob die Füße wehtun, man hungrig oder müde ist – da muss man drüberstehen.“ Warum sollte man sich das alles „antun“? „Weil es lässig ist, weil man Abenteuer erlebt und Teil einer Eliteeinheit ist, die umso stärker zusammenhält, je schwieriger der Auftrag ist.“
 


Brigadier Philipp Segur-Cabanac - Kommandant Jagdkommando

Kommentar – Das Jagdkommando heute

Das Jagdkommando ist ein militärischer Spezialeinsatzverband nach internationalen Standards mit hoher Einsatzbereitschaft, der in den vergangenen Jahren mit Schwergewicht im Ausland eingesetzt wurde. Dabei wurden kleinere und größere Einsatzelemente in den Tschad, nach Afghanistan, Mali, Senegal oder Ghana entsandt.

Die Aufgaben reichen von Spezialaufklärung bis hin zur militärischen Unterstützung in Form von Beratung und Ausbildung für lokale Spezialeinsatzkräfte. Aber auch die militärische Unterstützung für österreichisches diplomatisches und konsularisches Personal in lokalen Krisensituationen bis hin zur Evakuierung von österreichischen Staatsbürgern oder Bürgern anderer EU-Staaten bzw. des diplomatischen Personals gehören zunehmend zu den Einsatzaufgaben. Zuletzt hat ein Einsatzelement des Jagdkommandos das diplomatische Personal in der Ukraine bei der temporären Evakuierung aus der Kiewer Botschaft (Ende Februar 2022) und bei der Wiederaufnahme des Botschaftsbetriebes zwei Monate später unterstützt. 

Die Neuausrichtung des Österreichischen Bundesheeres mit Schwergewicht auf der militärischen Landesverteidigung verlangt auch vom Jagdkommando den Fokus auf den Einsatz im Inland. Wiewohl die großen Verbandsübungen des Jagdkommandos bereits in den vergangenen Jahren einem Einsatz bei einer militärischen Schutzoperation in Österreich gewidmet waren, muss vor allem dem Zusammenwirken mit den anderen Teilstreitkräften im Inland, etwa in Form von Übungen, mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. 

Neben diesem derzeitigen Schwergewicht des Bundesheeres setzt das Jagdkommando weiterhin seinen Fokus als zentralen Bestandteil auf die neue refokussierte Auslandseinsatzambition. Das bedeutet, dass die grundsätzliche Ausrichtung des Jagdkommandos beibehalten wird und die internationale Kooperation mit Partnern weiter vertieft werden muss.

Die größte Herausforderung der kommenden Jahre liegt im Personalbereich. Das Jagdkommando rekrutiert sich aus den besten Soldaten des Bundesheeres. Sinkt der Personalstand des Bundesheeres, vor allem im Segment der jüngeren Unteroffiziere, weiterhin ab, wird auch für das Jagdkommando das Rekrutierungspotenzial kleiner. Daher ist eine erfolgreiche Personaloffensive im Rahmen der Mission Vorwärts von entscheidender Bedeutung!

Ungeachtet der aktuellen Herausforderungen, die – wie  alle bisherigen auch – sicherlich gemeistert werden, ist eines klar: Das Jagdkommando ist und bleibt der Eliteverband und die Speerspitze des Österreichischen Bundesheeres. Seine Soldaten werden auch in Zukunft jene hohe Einsatzbereitschaft haben, um alle Aufträge gemäß dem Wahlspruch „Niemals zurück!“ zu erfüllen.

Link zum Jagdkommando

Selina Lukas, Bakk.phil., MA; Redakteurin beim Truppendienst;
Klara Oppenheim, BSc; Redakteurin beim Truppendienst.


Dieser Artikel erschien im TRUPPENDIENST.

Zur Ausgabe 3/2023 (393)



 

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