• Veröffentlichungsdatum: 26.04.2017
  • – Letztes Update: 01.06.2017

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Führungstraining an der MilAk - Teil 2

Georg Kunovjanek

(Foto: Tesch)
(Foto: Tesch)

Simulationsprogramme gewinnen in der Ausbildung militärischer Führungskräfte zunehmend an Bedeutung. An die jeweiligen Führungsebenen angepasst, lassen sich Fähigkeiten und Fertigkeiten der Militärakademiker gezielt schulen. In diesem Beitrag werden ein virtuelles Simulationssystem und ein konstruktives System näher vorgestellt.

Einführung

Der zweite Teil der Reihe über die Führungsausbildung an der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk) beschäftigt sich mit der zweiten Säule der akademischen Ausbildung unter Anwendung von Simulationssystemen. Dazu werden wesentliche Erkenntnisse vorgestellt. Diese stellen die Relevanz von Simulationen für die Ausbildung potenzieller militärischer Führungskräfte dar. Wesentliche Leistungsparameter von Simulationen werden als bekannt vorausgesetzt. Für die Auseinandersetzung mit der Rolle von Simulationssystemen in der Führungsausbildung sind diese Faktoren von untergeordneter Bedeutung.

Zunächst müssen einige theoretische Grundlagen geklärt werden, um schließlich auf die konkrete Anwendung von Simulationssystemen in der Führungsausbildung auf gefechtstechnischer und taktische Führungsebene eingehen zu können. Eine Simulation ist „[…] ein möglichst realitätsnahes Nachbilden von Geschehen der Wirklichkeit.“ Zum Nachbilden von militärischen Geschehen in der Wirklichkeit unterscheidet man im Österreichischen Bundesheer (ÖBH) mehrere Formen von Simulationen:

  • Die Live-Simulation basiert auf einem realen Waffenbediener und einem realen Waffensystem in einer virtualisierten Umwelt.
  • In der virtuellen Simulation arbeitet ein realer Waffenbediener mit einem simulierten Waffensystem.
  • Die konstruktive Simulation basiert auf virtuellen Waffensystemen und seinen virtuellen Bedienern.

Simulationen haben eine immer größer werdende Bedeutung in der Ausbildung. Dies trifft auch auf die Führungsausbildung in der Truppenoffiziersausbildung zu. Vielfältige Faktoren beeinflussen die Ausbildung der Truppenoffiziere nachhaltig. Budgetäre Zwänge, fehlende Übungspraxis, geringe Jahrgangsstärken und andere Faktoren führen dazu, dass den künftigen militärischen Führungskräften zunehmend die Bilder fehlen.

Kompanien, die eine Gefechtsaufgabe innerhalb eines Bataillons lösen, sind in der Übungspraxis eine Seltenheit geworden. Das führt dazu, dass Kommandanten immer seltener im Gefecht führen können und daher individuelle Erfahrungswerte fehlen. Dieser Umstand trifft nicht nur auf den Offizier nach seiner Graduierung zum Leutnant, sondern auch auf die Offiziersweiterbildung zu. Das „Sägeblatt des Lernens“ zeigt die Problematik in der Ausbildung der Kernfähigkeit des Truppenoffiziers in seinem beruflichen Alltag auf.

Das 'Sägeblatt des Lernens' (Grafik: Kunovjanek)
Das 'Sägeblatt des Lernens' (Grafik: Kunovjanek)

Simulationssysteme können einen wertvollen Beitrag dazu leisten, diese Einschränkungen im militärischen Denken und Handeln zu minimieren. Dabei sind diese Hilfsmittel nie als vollständiger Ersatz von Übungen, sondern als Ergänzung zu betrachten. Sie dienen in der Ausbildung dazu, Planungen zu visualisieren. Mit dem „Combined Arms Tactical Trainer“ (CATT) , einer virtuellen Simulation, können beispielsweise fehlende Bilder der praktischen Anwendung mit brauchbarer Realität erreicht werden. Weiters sollen mit dem CATT vor allem die Sensibilität bzw. das Gefühl für den Zusammenhang zwischen Karte und Gelände gestärkt werden. Zudem werden Gefechtstechniken und Taktik anschaulich gemacht.

Diese Art von Simulation hat ihr Schwergewicht aufgrund der großen Realität vor allem in der Ausbildung der Ebene Zug und Kompanie. Auch der Führungssimulator (FüSim), ein konstruktives Simulationssystem, das im ÖBH zum Einsatz kommt, liefert einen Beitrag in diese Richtung, obgleich hier die Ebene Brigade und Bataillon im Fokus steht. Auch ist die Umsetzung nicht mit jener realistischen Tiefe gekennzeichnet, die der CATT liefert. Trotzdem treffen Attribute, die oben im Zusammenhang mit dem CATT genannt wurden, sinngemäß auch auf den FüSim zu.

Vorteile in der Ausbildung

Führung im militärischen Kontext orientiert sich daran, Entscheidungen rechtzeitig zu treffen und umzusetzen. Neben der im ersten Teil dargestellten klassischen Taktikausbildung ist das Entscheidungstraining (mit semipraktischem Charakter an den Führungssimulationssystemen des ÖBH) eine wesentliche Ergänzung dazu. Hier erfolgt vor allem auf der taktischen, aber auch auf der gefechtstechnischen Ebene die Ausbildung der potenziellen militärischen Führungskräfte. Die Festigung des Führungsprozesses steht dabei im Zentrum der Ausbildung an diesen Systemen.

Simulationssysteme stellen eine sinnvolle Ergänzung der Ausbildung dar und sind mittlerweile integraler Bestandteil der Führungsausbildung auf taktischer und gefechtstechnischer Ebene in der Truppenoffiziersausbildung an der TherMilAk. Allerdings muss dabei darauf hingewiesen werden, dass eine Simulation nur ergänzend zum Einsatz gebracht werden kann und niemals die praktische Gefechtsausbildung ersetzen kann. Die Simulation bietet zeit- und ressourcensparend die Möglichkeit, hochkomplexe, rasch ablaufende Gefechtshandlungen zu wiederholen.

Die Kommandanten werden darauf trainiert, kurze Beurteilungen durchzuführen, rasch Entschlüsse zu fassen und die erforderlichen Funkbefehle zu erteilen, und zwar mit dem Ziel, Handlungssicherheit zu gewinnen. Dies erfolgt je nach Ebene entweder mit dem CATT oder dem FüSim. Für eine inhaltlich entsprechend tiefergehende Ausbildung am Führungssimulator fehlen den Berufsoffiziersanwärtern allerdings die erweiterten Kenntnisse im Stabsdienst. Diese werden erst auf den nach der Offiziersausbildung zu absolvierenden Offiziersweiterbildungen vermittelt. Daher ist der Fokus auf die Planung eines Einsatzes, das Aufsetzen der Planung am Simulationssystem und die anschließende Durchführung der Simulation mit einem Rumpfstab (auf wesentliche Funktionen reduziert) gerichtet. Friktionen in der Einsatzführung können so dargestellt werden.

Militärakademiker an der Lagekarte. (Foto: HBF/Trippolt)
Militärakademiker an der Lagekarte. (Foto: HBF/Trippolt)

Kommunikation sowie das Führen verschiedener Elemente und ihr synchronisiertes Zusammenwirken sind hier exemplarisch zu nennen. Neben dem Führungssimulator findet auf gefechtstechnischer Ebene das Simulationssystem CATT seine Verwendung, das einen eher praktischen Charakter hat. Hier geht es um das konkrete Führungshandeln. Drei wesentliche Fähigkeiten werden in diesem Beitrag beleuchtet, die neben den vielen anderen stellvertretend behandelt werden sollen.

Der Kommandant fällt grundsätzlich Entscheidungen alleine, ist aber stets Teil eines Teams und muss das bei seinen Entscheidungen bedenken. Daher ist neben der Entscheidungsfähigkeit die Teamfähigkeit ein wesentlicher Faktor in der Führung. Wie bereits dargestellt, ist Führung ein dialektischer Zusammenhang zwischen Führer und Geführtem. Die Entscheidung muss, genauso wie die Informationen, die zur Entscheidung führen, kommuniziert werden. Daher ist die dritte Komponente jene der Kommunikationsfähigkeit.

Kommunikation

„Kommunikation bedeutet nichts anderes als den Austausch oder die Übertragung von Informationen.“ Kommunikation ist nicht nur der wichtigste Bestandteil eines Gefechtes, Kommunikation findet immer und überall statt. Ohne sie würde keine Führungsebene wissen, was eine andere gerade macht. Daher ist es für die militärische Führungskraft von großer Wichtigkeit, richtig kommunizieren zu können, um an der Planung der übergeordneten Ebene teilzuhaben und gleichzeitig die richtige Durchführung eines Auftrages durch die nachgeordnete Ebene sicherzustellen. Die Kommunikationsfähigkeit kann nur in einem Team stattfinden. Die Qualität der Kommunikation ist direkt mit diesem Team verbunden.

Teamfähigkeit

„Teamfähigkeit beschreibt die Fähigkeit, in einem Team zielführend arbeiten zu können.“ Teamfähigkeit umfasst mehrere Kompetenzen. Um erfolgreich im Team zu arbeiten, ist es erforderlich, die Stärken und Schwächen der anderen Teammitglieder zu kennen. Stärken sind bestmöglich zu nutzen, Schwächen entsprechend auszugleichen. Für eine militärische Führungskraft ist es wichtig, sämtliche Probleme, die in ihrem Team auftreten, zu erkennen, aufzuzeigen und schlussendlich zu lösen.

Außerdem ist die Fähigkeit, sich im Team zu integrieren, von großer Bedeutung, da nur ein integriertes Mitglied eines Teams auch effizient mit allen zusammenarbeiten kann. Dabei macht es keinen Unterschied, ob das Team als militärische Einheit oder als Projektgruppe in einem Unternehmen gesehen wird, da in beiden Fällen die Fähigkeiten und Kompetenzen der einzelnen Mitglieder ähnlich zu bewerten sind. Im militärischen Kontext ist unter Team aber auch der Verband oder die Einheit zu verstehen.

Dieses Team besteht dann aus verschiedenen Elementen wie Einheiten, Waffensystemen oder verschiedenen Teileinheiten. Diese Elemente zielgerichtet zum Zusammenwirken zu bringen, ist Ausdruck von Teamfähigkeit. Die Kommunikation im Team ist die Voraussetzung für das Treffen von Entscheidungen.

Im Team erfolgreich: Militärakademiker bei einer Gefechtsübung. (Foto: HBF/Trippolt)
Im Team erfolgreich: Militärakademiker bei einer Gefechtsübung. (Foto: HBF/Trippolt)

Entscheidungsfähigkeit

„Entscheidungsfähigkeit ist das personale Vermögen, aktiv und selbstbestimmt die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten voll wahrzunehmen, um einen Auftrag oder eine Aufgabe zu erfüllen.“ Entscheidungen zu treffen, ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Soldaten im Allgemeinen und des Kommandanten im Speziellen. Basierend auf der laufenden Lagefeststellung ist ständig zu prüfen, ob an einer getroffenen Entscheidung festzuhalten ist oder eine neue Entscheidung benötigt wird.

Im Führungsverfahren wird dieser Kreislauf immer wieder durchlaufen und am Ende stets mit einer Entscheidung beendet bzw. neu eingeleitet. Dabei spielt der zeitliche Faktor eine wesentliche Rolle, da militärische Führungskräfte jede Entscheidung rechtzeitig treffen müssen. Eine zu spät getroffene Entscheidung ist mit einer nicht getroffenen Entscheidung gleichzusetzen. Dabei gilt: Umso niedriger die Ebene, desto wesentlicher ist der Zeitfaktor, da sich Entscheidungen unmittelbar auf das Gefecht auswirken.

In diesem Zusammenhang treffen wir auf den Begriff der Führungsleistung, die Auskunft über die Anzahl der getroffenen Entscheidungen pro Zeiteinheit gibt. Diese Führungsleistung kann auf beiden in diesem Artikel beschriebenen Systemen trainiert werden. Es geht aber nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität der Führungsentscheidungen. Diese wird durch die Durchführungsleistung erfasst. „Führungsfähigkeit ist das Vermögen des Kommandanten und seines Stabes, unter den jeweils vorhandenen personellen, materiellen und organisatorischen Bedingungen Führungsaufgaben wahrzunehmen.“ Bei Führungsaufgaben geht es um das Treffen von Entscheidungen.

Führungsfähigkeit

„Die Führungsfähigkeit ist Voraussetzung für die Auftragserfüllung und abhängig von der Qualität des Führungspersonals, der Leistungsfähigkeit der Führungsunterstützung und der Verfügbarkeit und dem Wert der Information.“ Hier sieht man den Zusammenhang der Entscheidungsfähigkeit mit der Führungs- und Durchführungsleistung. Alle diese genannten Fähigkeiten, Kompetenzen und Parameter werden durch die Anwendung von Simulationssystemen gefördert und trainiert. Zudem können Fehler sichtbar gemacht und nachbesprochen werden. Dazu besteht die Möglichkeit, einen bestimmten Teil oder die ganze Simulation nochmals zu durchlaufen und quasi drillmäßig Situationen zu wiederholen. Wenden wir uns nun der konkreten Umsetzung von Ausbildungsvorhaben auf den beiden Simulationssystemen CATT und FüSim im Rahmen der Truppenoffiziersausbildung zu.

Simulation in der Taktikausbildung

Der CATT lässt gefechtstechnische Simulationen zu. (Foto: HBF/Trippolt)
Der CATT lässt gefechtstechnische Simulationen zu. (Foto: HBF/Trippolt)

Ausschlagegebend für die Art des verwendeten Simulationssystems ist dabei die Ebene der Führung, die trainiert werden soll. Der „klassische“ Führungssimulator dient auf der taktischen Ebene dem Training der Bataillons- bzw. Brigadekommandanten und seines Stabes. Dieses System wird in der Truppenoffiziersausbildung als direkte Ergänzung der theoretischen Planung eines Bataillonseinsatzes im Hörsaal zur Anwendung gebracht.

Da die Stabsausbildung noch nicht in der Truppenoffiziersausbildung durchgeführt wird, ist hier mit gewissen Einschränkungen zu rechnen. Es wird im Taktikunterricht eine Lage im Kommandantenverfahren, also ohne Mitwirkung eines Stabes, durchgeplant. Die Taktiklehrer begutachten die Planungen und wählen erfolgversprechende Varianten aus, die dann am Führungssimulator aufgesetzt werden. Dabei wird eine Taktikgruppe in einen rudimentären Bataillonsstab gegliedert und mit der Organisation einer Befehlsausgabe beauftragt. Die andere Taktikgruppe übernimmt die Rolle der Kompaniekommandanten. Nach je einem Durchgang erfolgt ein Wechsel zwischen den Taktikgruppen.

Die Einbindung im Bataillonsstab fördert das Verständnis für die übergeordnete Ebene, da die Militärakademiker hier unmittelbar erleben, wie eingeschränkt der Informationsstand ist, der letztlich zur Verfügung steht, um Entscheidungen im Gefecht zu treffen. Die Kommunikation, das Erfassen und Führen von Lagekarten, die Kurzbeurteilung der Lage der Konfliktparteien, das Erarbeiten von Handlungsoptionen und schließlich das Entscheiden und Umsetzen derselben im Gefecht werden den potenziellen militärischen Führungskräften eindrucksvoll vermittelt.

Begleitet werden die Berufsoffiziersanwärter bei ihrer Arbeit durch erfahrene Trainer auf Bataillons- und Kompanieebene, die in den durchzuführenden Situationen hilfreich zur Seite stehen. Abschluss eines jeden Durchganges ist eine Nachbesprechung im Plenum. Dabei werden durch die Übungsleitung ausgewählte aufgezeichnete Szenen nochmals gezeigt, mit den entsprechenden Funksprüchen hinterlegt und analysiert. Dabei stehen die Einsatz- und Führungsgrundsätze sowie die verschiedenen taktischen Grundprinzipien im Mittelpunkt.

Die Aufschlüsselung bis auf die gefechtstechnische Ebene ist manchmal möglich, aber grundsätzlich ist der Führungssimulator in der Auflösung etwas zu ungenau. Der CATT hingegen kann in der Taktik-Ausbildung vor allem als demonstrative Simulation unterstützen. Hier besteht die Möglichkeit, Lehrfilme vom Angriffsverfahren eines konventionellen Gegners im Bereich der unteren und mittleren taktischen Führungsebene vorzuführen oder Visualisierungen der Einsatz- und Führungsgrundsätze der eigenen Truppe auf der unteren taktischen Führungsebene zu demonstrieren. Der CATT ermöglicht die Darstellung von Geländeformen und ihren Einfluss auf die Beurteilung der Lage sowie die Möglichkeit der phasenweisen Darstellung bzw. Simulation von erarbeiteten Lösungsvorschlägen zum Zweck der Selbstkontrolle.

Ziel ist es hier, vor allem Bilder zu erzeugen, die sonst nur noch durch den Einsatz von Volltruppe mit Großgerät zu vermitteln wären. Die Simulationsausbildung in dieser Art und Weise ist somit nicht nur ein integraler Bestandteil der Taktikausbildung, sondern auch der Grundlagenvermittlung zum Gefechtsbild und in der Einsatzmittellehre.

Der FüSim stellt taktische Problemstellungen dar. (Foto: HBF/Trippolt)
Der FüSim stellt taktische Problemstellungen dar. (Foto: HBF/Trippolt)

Simulation in der Gefechtsausbildung

In der Taktikausbildung liegt das Schwergewicht auf der Ebene des kleinen Verbandes. Dort vor allem auf dem taktischen Führungsverfahren, eingeschränkt auf den Abschnitt des Planungsverfahrens. In der Führungslehre und in den Führungstrainings zeigt der CATT sein Potenzial. Mit „Steel Beasts“ können, vor allem in den „Grundlagen der Einsatzarten“, gefechtstechnische Normabläufe und Einsatzgrundsätze sowie Prinzipien anschaulich, ohne den Einsatz von Volltruppe, vermittelt werden.

Es besteht die Möglichkeit der Darstellung und Visualisierung zur Einweisung in Verantwortungsbereiche, Geländegegebenheiten und Besonderheiten der Einsatzführung in den konventionellen Einsatzarten (vor allem zur optimierten Vorbereitung und/oder Nachbereitung der Ausbildung im Gelände). Die Darstellung und Visualisierung nicht konventioneller Szenarien und eines nicht konventionellen Gefechtsbildes sind ebenfalls möglich. Die audiovisuelle Umgebung des CATT wurde entwickelt, um ein möglichst realistisches, herausforderndes Umfeld mit dem Ziel zu schaffen, die Übungsteilnehmer zur raschen Entschlussfassung und Befehlsgebung in Echtzeit zu „zwingen“.

Hierbei werden die Berufsoffiziersanwärter mit unterschiedlichen Situationselementen, z. B. komplexen Gefechtsabläufen, Gefechtsdynamik, Informationsmangel etc., konfrontiert. Diese Friktionen ermöglichen ein nahezu realistisches Umfeld, bezogen auf den Entscheidungsprozess auf gefechtstechnischer Ebene. Hinzu kommen vielfältige Möglichkeiten, Kommandanten auf Kompanie- und Zugsebene hinsichtlich der Synchronisation ihrer Waffensysteme, aber auch der zugeordneten Kampf- und Kampfunterstützungselemente (z. B. CCA/CAS) zu schulen.

Diese Möglichkeiten beziehen sich auch auf Elemente der übergeordneten Ebene und der Nachbarn, die dafür sorgen, dass die Berufsoffiziersanwärter nicht nur auf ihre Aufgaben innerhalb der Einheit, sondern auch auf das Zusammenwirken innerhalb des Bataillons sensibilisiert werden. Dies zeigt beim Handeln im Sinne der übergeordneten Ebene ein tieferes Verständnis für die Aufgaben und Bedürfnisse des vorgesetzten Kommandos. Der CATT ermöglicht, als Vorbereitung oder in Verbindung mit der Führungsübung, die Aufzeichnung, die Wiedergabe und Nachbereitung von Lösungen gefechtstechnischer Problemstellungen innerhalb der Einheit sowie letztendlich auch die Bewertung von Führungsmaßnahmen und der Befehlsgebung (Befehlsschulung, Gefechtsbefehl über Funk, Kampfgespräch etc.).

Um den Schwierigkeitsgrad entsprechend festzulegen, besitzen die Ausbildungsverantwortlichen verschiedene Möglichkeiten, Einfluss auf die Simulation zu nehmen. Darüber hinaus haben die Berufsoffiziersanwärter die Möglichkeit, selbst Szenarien (z. B. nach bestimmten Vorgaben des Lehrveranstaltungsleiters) zu erstellen, Ergebnisse zu vergleichen und zu überprüfen. Dies entspricht den Forderungen des „Problem Based Learning“ und nach möglichst großer Selbstständigkeit der Studierenden.

Ergänzend zur Taktikausbildung ist es möglich, Teile einer Lösung eines Taktikplanspieles (z. B. die Kompanie im Schwergewicht) vor dem Führungstraining im Gelände vorab am CATT durchzuarbeiten. Auf den daraus gewonnen Erkenntnissen kann dann, in der im Gelände stattfindenden Ausbildung, aufgebaut werden. Somit ist der CATT ein wesentlicher Eckpfeiler der Führungsausbildung in der Offiziersgrundausbildung.

Auswirkungen der Simulatorenausbildung auf die ausgewählten Fähigkeiten

Planungsschritte für den Einsatz eines Bataillons in der Taktikausbildung. (Foto: HBF/Trippolt)
Planungsschritte für den Einsatz eines Bataillons in der Taktikausbildung. (Foto: HBF/Trippolt)

In der Taktik geht es wie in der Gefechtstechnik darum, verschiedene Elemente koordiniert zum Zusammenwirken zu bringen. Taktik bedeutet schließlich den „[…] Gebrauch militärischer Kräfte und Mittel im Gefecht […]“. Sinngemäß gilt dies auch auf der gefechtstechnischen Ebene. Sowohl bei der Verwendung des FüSim wie auch des CATT sind die eingeteilten Kommandanten dazu angehalten, diese Koordinierungsaufgabe als vorrangige Führungsaufgabe zu erfüllen.

Sie müssen also zur Zusammenarbeit auffordern. Führung bedeutet, die Zusammenarbeit zu fördern und kann in diesem Sinne auch als Teamfähigkeit bezeichnet werden. Somit kann durch die Simulationsausbildung durchaus eine Weiterentwicklung und Verbesserung dieser Fähigkeit erwartet werden. Ziel der Anwendung beider Simulationssysteme ist es, die Übungsteilnehmer hinsichtlich ihrer Entscheidungsfähigkeit, je nach Ebene in unterschiedlichen Zeithorizonten, zu verbessern.

Hier geht es im Zusammenhang mit Entscheidungsfindung vorerst um richtige Entscheidungen und in weiterer Folge um das Fällen derselben in einem vernünftigen Zeitrahmen. Effektivität und Effizienz der Entscheidungsfindung sind hier im Fokus und können mit den beiden Systemen wesentlich verbessert werden. Führungsfähigkeit bzw. Entscheidungsfähigkeit können durch die Simulationen wie in einem Experiment wiederholt und trainiert werden. Der Führungsprozess kann ebenenadäquat verfeinert werden und ermöglicht es den Berufsoffiziersanwärtern, ihre Führungsqualitäten zu optimieren.

Das drillmäßige Durchlaufen des taktischen und gefechtstechnischen Führungsverfahrens festigt seine Anwendung. Ergänzend zu den praktischen Anwendungsphasen im Führungstraining und in den Truppenoffizierslehrgängen wird durch die Simulationsanwendung die Führungsfähigkeit gesteigert. Die Basis der Entscheidungen im Gefecht liefert ein möglichst vollständiges Lagebild, das sich daraus nährt, welche Inhalte im Zuge des Gefechtes kommuniziert werden. Lageinformationen, Aufklärungsergebnisse, Befehle und viele andere Quellen tragen dazu bei, eine Grundlage für entsprechende Entscheidungen zu liefern.

Der Austausch von Informationen wird in beiden Simulationen gleichermaßen gefördert: beim FüSim durch die räumliche Trennung der Kommandanten von den taktischen Arbeitsplätzen und beim CATT durch die aufgeteilte individuelle Sicht auf das Gefechtsfeld. In beiden Fällen ist Kommunikation notwendig, um eine brauchbare Zusammenschau der Geschehnisse auf dem virtuellen Gefechtsfeld, als Basis für die Entscheidungsfindung, zu generieren. Somit steht fest, dass alle drei untersuchten Fähigkeiten, die Entscheidungs-, Team- und Kommunikationsfähigkeit, durch die Anwendung von Simulationssystemen gefördert und verbessert werden.

Die Erfahrungen mit Berufsoffiziersanwärtern haben ergeben, dass sich diese auch in ihrer Freizeit, zum Teil sehr intensiv, mit der Lösung komplexer Gefechtsaufgaben und sogar mit dem Erstellen eigener Szenarien auf dem CATT beschäftigen. Dazu besteht die Möglichkeit, Lizenzen des CATT an die Studierenden für die Dauer ihres Studiums an der TherMilAk auszustellen. Diese eigenständige Beschäftigung mit der Taktik und Gefechtstechnik führt zu einer Verbesserung des taktischen und gefechtstechnischen Verständnisses der Studierenden.

Auf einen Blick

Nahezu alle Armeen stehen vor der Herausforderung, bei sinkender Ressourcenlage, ihren Kommandanten jene Fähigkeiten anzutrainieren, die zur Lösung von komplexen Gefechtsaufgaben, in einem immer unübersichtlicheren Umfeld und unter dem Einfluss verschiedener Akteure, benötigt werden. 

Zeitgemäße Szenarien

Erarbeiten taktischer Grundlagen. (Foto: HBF/Trippolt)
Erarbeiten taktischer Grundlagen. (Foto: HBF/Trippolt)

Eines der Kennzeichen aktueller Einsätze ist, dass eine Fülle von Mitteln und Fähigkeiten (z. B. Close Air Support - CAS, Drohnenaufklärung, Artillerieunterstützung, artfremde Elemente wie Militärpolizei - MP, Psychological Operations - PSYOPS, Human Intelligence - HUMINT etc.) auf die Kompanieebene (zum Teil auch darunter) übertragen werden. Das bedeutet einen wesentlich höheren Koordinierungsbedarf innerhalb der Einheit und oftmals auch die Führung dieser „artfremden“ Elemente.

Dieser Umstand erfordert eine hohe Professionalisierung und eine hohe Führungsfähigkeit unserer zukünftigen militärischen Führungskräfte. Ganz dem theresianischen Führungsmodell entsprechend werden durch die Verwendung von Simulationssystemen die drei Eckpfeiler, mentale und physische Stärke sowie interkulturelle Kompetenz weiter gefestigt. Das Handeln, Entscheiden und Führen unter Belastung setzt an den beiden ersten Faktoren an, wobei die Koordinierung von teilweise artfremden Elementen schon eine intra- und interkulturelle Kompetenz voraussetzt bzw. diese fördert.

Interkulturelle Kompetenz bezieht sich hier auf die unterschiedliche Kultur der Führungsebenen, aber auch auf die unterschiedlichen Waffengattungen. Um eine hohe Führungsfähigkeit bei den künftigen Offizieren zu erreichen, ist es neben der theoretischen Ausbildung im Lehrsaal und der praktischen Ausbildung im Gelände notwendig, sie ergänzend in einem semipraktischen Prozess (der Simulation) an ihre Aufgaben heranzuführen. Dies wird konkret mittels FüSim und CATT an der Theresianischen Militärakademie in der Führungsausbildung durchgeführt.

Theorie versus Praxis

Praktische Anwendungen im Gefechtsdienst. (Foto: HBF/Trippolt)
Praktische Anwendungen im Gefechtsdienst. (Foto: HBF/Trippolt)

Die Reduktion von Ressourcen wirkt sich maßgeblich in der Ausbildung aus. Vielfach ist es nicht mehr möglich, in der Ausbildung Systeme einzusetzen, die im Einsatz zur Anwendung kommen. Dadurch werden viele Abläufe zu einem theoretischen Konstrukt, das für die jungen Soldaten aufgrund der fehlenden Bilder nicht mehr einfach zu verstehen ist.

Volltruppenübungen mit schwerem Gerät gehören unter den personellen und materiellen Engpässen längst zu den seltenen Vorhaben in der Ausbildung und Lehre. In diesem Zusammenhang werden Simulationssysteme sehr oft als Alternative gesehen. Dies ist, wie bereits mehrmals erwähnt, ein trügerischer Schluss. Simulationssysteme sind kein voller Ersatz für die Ausbildung im realen Umfeld.

Sie sind allerdings eine kosten- und ressourceneffiziente Ergänzung in der Ausbildung und Lehre. Vor allem dort, wo der Abstraktionsgrad der Ausbildungsumgebung keine so ausschlaggebende Rolle spielt. Hier liefert die Simulation ein „Add-On“ zur klassischen Führungsausbildung. Neben der theoretischen Taktikausbildung auf Ebene des Bataillons, dem bereits im Gelände stattfindenden Führungstraining auf Ebene Kompanie und der Ausbildung im Truppenoffizierslehrgang auf Ebene des Zuges stellt die Verwendung von verschiedenen Simulationssystemen im Rahmen der Führungsausbildung auf den Ebenen Bataillon, Kompanie und Zug einen zusätzlichen semipraktischen Ausbildungsinput dar.

Die beiden in der Führungsausbildung am Fachhochschul-Bachelorstudiengang Militärische Führung angewandten Systeme sind dabei an das jeweilige Ausbildungsziel und an die Ebene, die beübt werden soll, auszurichten. Vordergründig ist beim Einsatz der Simulation festzulegen, wer die „Main Training Audience“ ist und das ideale Simulationssystem für diese zu wählen. 

CATT und FüSim

CATT wurde auf die Führungsausbildung innerhalb der Einheit und des kleinen Verbandes, vor allem durch die Möglichkeit des Einblickes „ins Gelände“, optimiert. Dieses System stellt dabei keine Konkurrenz zu anderen Simulationssystemen, die für andere Führungsebenen oder für einen anderen Bedarf geschaffen wurden, dar. CATT schließt eine Lücke in der Simulation und ist eine Ergänzung zu anderen Systemen. International findet dieses System bereits Anwendung in der Ausbildung künftiger militärischer Führungskräfte. Technisch ist dabei durchaus denkbar, dass verschiedene Länder mit ihren Elementen an einer gemeinsamen vernetzten Übung teilnehmen und so, ohne das Heimatland zu verlassen, gemeinsam an taktischen und gefechtstechnischen Aufgabenstellungen arbeiten, um sie zu lösen.

Im Gegensatz zum CATT ist der FüSim ein System, das in der Ausbildung einen ersten Eindruck der Führungsaufgaben auf der Ebene des Bataillons vermitteln soll. Der Kampf der verbundenen Waffen (Truppenführung) bedarf dieser Erfahrung, denn bei ihm kommt es letztendlich darauf an, dass durch optimales zeitliches und örtliches Zusammenwirken eine Überlegenheit erzielt und so dem Gegner die Handlungsfreiheit genommen wird. Das Prinzip der Auftragstaktik erfordert trotz der Freiheit in der Durchführung des erhaltenen Auftrages ein zielorientiertes Handeln im Sinne der Absicht der vorgesetzten Stelle, wobei man hinsichtlich des gemeinsamen Erfolges auf die Leistungen der jeweiligen Zusammenwirkenden angewiesen ist. Der FüSim ermöglicht genau dieses Bewusstsein bei potenziellen militärischen Führungskräften. Es geht hier nicht um das Festigen der Kenntnisse im Umgang mit diesem System, sondern darum, die Berufsoffiziersanwärter in die Lage zu versetzen, zu erkennen, was die übergeordnete Ebene in der Wahrnehmung ihrer Führungsaufgabe zu leisten hat.

(Foto: HBF/Trippolt)
(Foto: HBF/Trippolt)

Der CATT stellt hingegen, wie beschrieben, ein integrales Ausbildungsmittel dar, um die Führung auf der gefechtstechnischen Ebene zu erlernen und zu festigen, ganz im Sinne der Beherrschung der eigenen Führungsebene. Verdeutlicht werden die Anforderungen und Bedürfnisse an die militärische Führungskraft und ihre Führungs- und Entscheidungsfähigkeit durch die Möglichkeit der gezielten Nachbesprechung und Analyse der Simulationsdurchgänge.

Dies ist bei beiden in der Führungsausbildung verwendeten Systemen möglich. Auch hier gilt es, die entsprechenden Bilder zu vermitteln. Zudem ist es hier auch möglich, allen an der Übung beteiligten Personen einen Gesamtüberblick über das Geschehene zu verschaffen. Hier wird das Lernen anhand dieser Bilder begünstigt. Es verstärkt den Erfahrungswert des einzelnen Berufsoffiziersanwärters. Nach der Beschreibung der Taktikausbildung auf Ebene des Bataillons, ergänzt um die Simulationsausbildung auf der taktischen und gefechtstechnischen Ebene, wird im abschließend folgenden Teil der Serie die Umsetzung der Führungsausbildung im Führungstraining dargestellt werden.

Zusammen mit den schon beschriebenen Ausbildungsabschnitten stellt dieses Führungstraining die Basis für die praktische Umsetzung von Führung im Truppenoffizierslehrgang dar. Dieser Teil entstand unter Mitarbeit von Oberst Christian Hahn und Fähnrich Alexander Kunschitz. Oberst Hahn ist Hauptlehroffizier für Führungstraining am Fachhochschul-Bachelorstudiengang Militärische Führung (FH-BaStg MilFü) und im Institut für Offiziersausbildung der Experte für das Simulationssystem Steel Beasts. Fähnrich Kunschitz ist der Verfasser einer Bachelorarbeit, die militärische und zivile Simulationssysteme zur Stärkung bestimmter Fähigkeiten von Führungskräften vergleicht. 

Oberst dG Ing. Mag.(FH) Georg Kunovjanek, MSD ist HLO Taktik & Versorgung an der TherMilAk; derzeit Chef des Stabes der 7. Jägerbrigade. 

 

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