• Veröffentlichungsdatum: 22.12.2016
  • – Letztes Update: 05.01.2017

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Die Schlacht von Königgrätz - Teil 2

Gabor Orban

(Foto: Rath)

Vor 150 Jahren fand der Preußisch-Österreichische Krieg statt. Im Sommer von 1866 zogen die Armeen zweier Großmächte in den Krieg. Ihr Ziel: Das Ringen zwischen den österreichischen Habsburgern und den preußischen Hohenzollern, um die Vorherrschaft im deutschen Raum endgültig zu entscheiden.

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Teil 2 - Der Waffengang


Die Nachricht des Krieges überraschte die Kriegsparteien nicht. Sowohl das preußische als auch das österreichische Kabinett hatten bereits ab dem Februar 1866 ernsthaft mit der Möglichkeit eines bewaffneten Zusammenstoßes gerechnet und dementsprechend gehandelt. Österreich begann schon im März damit, die Armeereserve einzuberufen und Truppen an die preußische Grenze zu verlegen. Preußen folgte den Österreichern und setzte seine Truppen ebenfalls in Bewegung. 

Unterschiedliche Armeen

Von den beiden Armeen genoss die österreichische ein höheres Ansehen. Sie galt als bewährt und kampferfahren. Insgesamt konnte das Land auf dem Papier bis zu 900.000 Soldaten aufbringen. Hinter den Kulissen litt das kaiserliche Militär jedoch unter ernsthaften Schwierigkeiten. Es gab Mängel in der Führung, Struktur, Taktik und Bewaffnung. Dazu kam eine akute Geldnot; seit den napoleonischen Kriegen kämpfte die Monarchie mit finanziellen Schwierigkeiten. Der entscheidende Fehler der Politik war, dass sie dem Militär ständig das Budget kürzte, ihm so Geld entzog und dadurch die Armee faktisch totsparte.

Oben: Preußisches Zündnadelgewehr (Infanteriegewehr M 41, System Dreyse); Unten: Österreichischer Vorderlader (Infanteriegewehr M 62, System Lorenz). (Bilder: Archiv TD)

Als Folge der Sparpolitik wurden Einheiten aufgelöst, die Modernisierung der Infanterie-Bewaffnung verschoben und das Offizierskorps dezimiert. So musste der österreichische Infanterist beispielsweise mit dem veralteten Lorenz-Vorderlader in den Krieg ziehen. Schwerwiegender als die Situation bei der Bewaffnung war die nicht mehr zeitgemäße Kampftaktik. Feuergefechte wurden als nutzlos angesehen, stattdessen setzte man auf den Bajonettangriff.

Nach der Mobilisierung Ende April brach in Wien eine regelrechte Panik aus. Das Heer der „Million Streiter“ war nämlich nirgendwo zu sehen. Stattdessen konnten nur etwa 524.000 Mann versammelt werden. Schnell wurde klar, dass diese Zahl in einem Zweifrontenkrieg nicht ausreichen wird. Die Österreicher hatten nicht nur in Böhmen gegen die Preußen zu kämpfen, sie mussten sich auch im Süden des Reiches gegen Italien behaupten. Die Nordarmee unter dem Kommando von Ludwig von Benedek versammelte sich ab Mai im Raum Olmütz-Mähren und bewegte sich kurz nach Kriegsausbruch Richtung Böhmen. Die Südarmee unter Erzherzog Albrecht blieb hingegen defensiv und verschanzte sich im Festungsviereck Peschiera-Mantua-Legnano-Verona.

Die preußische Armee war in vieler Hinsicht das Gegenteil der österreichischen Streitkräfte. Sie besaß zwar keine echte Kriegserfahrung, verfügte jedoch über ein ausgezeichnetes Offizierskorps und gut ausgebildete Soldaten. Diese waren mit dem modernen Dreyse-Hinterlader bewaffnet, der eine dreimal höhere Schussfolge aufwies als der Vorderlader der Österreicher. Nach der Mobilisierung erreichte das preußische Heer die Stärke der Österreicher, obwohl Preußen nur halb so viele Einwohner hatte wie das Habsburgerreich. Mit Hilfe der Eisenbahn konnte die preußische Streitmacht schnell und effektiv an die Grenze transportiert werden.

Der Krieg beginnt

Skizze der Schlacht. (Grafik: Then)
Skizze der Schlacht. (Grafik: Then)

Helmuth von Moltke stellte seine Soldaten, in drei Armeen formiert, in einem Halbkreis um Böhmen auf. Gemäß seinem Plan sollten diese Armeen getrennt in Böhmen einmarschieren, bevor sie sich vor der großen Schlacht wieder vereinen würden. Anders als erwartet, brach der Krieg zunächst nicht in Böhmen, sondern auf deutschem Gebiet aus.

Die Preußen reagierten schnell auf die geänderte Lage. Am 15. Juni besetzte ihre Westarmee Sachsen, Hannover und Kurhessen. Widerstand gab es nur seitens der Armee von Hannover. In der Schlacht von Langensalza, am 27. Juni 1866 besiegte Hannover zwar einen Teil der preußischen Truppen, musste aber schon am nächsten Tag kapitulieren. Kurhessen fiel, so wie Sachsen, ohne Kampf. Die sächsischen Truppen gaben aber nicht auf und schlossen sich der österreichischen Nordarmee in Böhmen an.

Inzwischen begann im Süden eine große italienische Offensive, die allerdings schnell in sich zusammenbrach. Erzherzog Albrecht fügte der verwirrten italienischen Armee in der Schlacht von Custozza am 24. Juni eine schwere Niederlage zu. Auch die Freischärler von Garibaldi, die berühmten Rothemden, waren in Tirol wenig erfolgreich.

Marsch nach Königgrätz

Schließlich ging die preußische Hauptarmee gegen Österreich vor. Vom Westen her überschritten die 1. Armee und die Elbarmee die Grenze. Sie schlugen die Österreicher in einer Reihe von kleineren Gefechten und bewegten sich danach zum festgelegten Sammelpunkt bei der Stadt Gitschin. Vom Norden her musste die 2. Armee des preußischen Kronprinzen das Riesengebirge überqueren, die dortigen feindlichen Truppen schlagen und sich anschließend ebenfalls nach Gitschin begeben. Die 2. Armee überschritt am 27. Juni 1866 das Riesengebirge nach heftigen, äußerst blutigen Gefechten bei Nachod-Wysokow und Trautenau. Nur einen Tag darauf folgten weitere Gefechte bei Skalitz, Schweinschädel, Königinhof und Burkersdorf. In der Zwischenzeit erreichte die 1. Armee Gitschin, wo sie die kaiserlichen Truppen vernichtend schlug.

Die Preußen waren kaum eine Woche in Böhmen, und schon wurde die Nordarmee der Österreicher in mehr als zehn Schlachten geschlagen. Lediglich in Trautenau konnte die Habsburgerarmee die Schlacht anfangs für sich entscheiden. Dieser Triumph währte jedoch nur für einige Stunden, bevor das preußische Gardekorps das zuvor siegreiche X. Korps der Österreicher unter Gablenz bei Burkersdorf schlug. In all diesen Gefechten erlitt die Nordarmee außerordentlich hohe Verluste. Die Entscheidungsschlacht war noch nirgendwo zu sehen, und die Österreicher hatten bereits über 20.000 Mann verloren. Die Truppen waren erschöpft und moralisch geschlagen. Die Hauptschuld trug hier neben Benedek auch die damalige militärische Doktrin, die zur Folge hatte, dass man die Soldaten ohne große Bedenken in den feindlichen Kugelhagel schickte.

Solche Angriffe hatten wenig Wirkung, forderten jedoch das Leben vieler Soldaten. Nach den ersten Gefechten verlor das österreichische Hauptquartier die Übersicht. Benedek fiel in eine Art Depression und schickte ein Telegramm an den Kaiser. Darin bat er Franz Joseph darum, schnell Frieden zu schließen, was auch immer es koste. Die ablehnende Antwort aus Wien, vor allem aber der letzte Satz „Hat eine Schlacht stattgefunden?“, der vom Generaladjutanten des Kaisers, Alois Crenneville stammt, hat Benedek letztendlich überzeugt, die Truppen für eine große Schlacht vorzubereiten.

Bildergallerie - Kriegsspiele in Chlum

(Foto: Rath)
(Foto: Rath)
(Foto: Rath)
(Foto: Rath)
(Foto: Rath)
(Foto: Rath)

 

Kriegsspiele sind ein Teil der „Living History“. Sie bieten eine anschauliche Möglichkeit, um sich die Vergangenheit vor Augen zu führen und die Brutalität von Kriegshandlungen darzustellen. Solche Inszenierungen sind eine praktische Möglichkeit um die Geschichte im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Sie können aber weder Museen, noch den theoretischen Geschichtsunterricht ersetzen.

Die Entscheidung

In den frühen Morgenstunden des 3. Juli ging die gesamte Nordarmee etwa zehn km westlich von der Festungsstadt Königgrätz in Stellung und erwartete den preußischen Angriff. Die Verteidigungsstellung der Nordarmee formte ein umgekehrtes „L“ und stützte sich auf einer Reihe von Ortschaften. Der Plan war einfach und gut: Die österreichische Artillerie sollte den Angriff zweier preußischer Armeen vom Westen her abwehren, die dann mit einem kräftigen Vorstoß vernichtet werden sollten. In der Zwischenzeit sollten im nördlichen Sektor zwei österreichische Korps die Armee des preußischen Kronprinzen solange aufhalten, bis der Großteil der Nordarmee die Preußen in Westen bekämpft hatte.

Zunächst lief alles nach Plan. Die Artillerie beschoss den Feind heftig, und auf preußischer Seite erwog man bereits den Rückzug. In diesem Moment verließen jedoch zwei österreichische Korps ihre Position im Norden, also genau am kritischen Ort, und marschierten Richtung Westen. Dieser fatale Fehler ist auf General Tassilo Festetics zurückzuführen, der Benedeks Plan einfach ignorierte. Den zweiten Fehler beging Benedek selbst. Er befahl Festetics nicht, wieder in die ursprüngliche Position zurückzugehen, obwohl er genau wusste, dass sich vom Norden her eine dritte preußische Armee näherte. Als gegen Mittag die Preußen tatsächlich im Norden auftauchten, ließ Benedek die nördliche Lücke mit beachtlicher Verzögerung schließen. Das war der dritte große Fehler des Tages. Die Preußen konnten so Chlum erreichen und das Dorf besetzen. Die Schlüsselposition der Österreicher war gefallen.

Benedek gab jedoch nicht auf. Er ließ seine Einheiten vorrücken, um Chlum zurückzuerobern. In nur 20 Minuten fiel die Hälfte der 20.000 angreifenden Soldaten des I. Korps. Die Schlacht ging verloren; etwa 60.000 Preußen und Österreicher lagen tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld. Die Lage war so chaotisch, dass man sogar Monate nach der Schlacht noch Gefallene in der Umgebung fand. Es kam zu Plünderungen; fast alle Toten wurden ausgeraubt, und die Häuser rund um Königgrätz waren voll mit Verwundeten.

Seeschlacht bei Lissa

Noch bevor der Krieg zwischen Österrreich und Preußen zu Ende ging, griff Italien mit seiner Flotte die österreichische Festungsinsel Lissa an. Im Vergleich zu den Erfolgen der Preußen, endete diese Aktion jedoch mit einem Desaster für die Italiener: Die viel schwächere kaiserliche Flotte unter dem Kommando von Admiral Tegetthoff besiegte sie in der Seeschlacht von Lissa. 

Das italienische Flaggschiff Re d'Italia sinkt, nachdem es von der Erzherzog Ferdinand Max, dem Flaggschiff Tegetthoffs, gerammt wurden. (Gemälde: Kappler)
Das italienische Flaggschiff Re d'Italia sinkt, nachdem es von der Erzherzog Ferdinand Max, dem Flaggschiff Tegetthoffs, gerammt wurden. (Gemälde: Kappler)

Die abgesagte Schlacht bei Wien

Trotz der Niederlage hätte Königgrätz nicht die entscheidende Schlacht werden müssen. Die Nordarmee erlitt zwar große Verluste, war aber immer noch kampffähig. Benedek führte die Armee zurück nach Olmütz und weiter nach Pressburg, wo er Erzherzog Albrecht das Oberkommando übergab. Albrecht vereinte die Nordarmee mit Teilen seiner Südarmee, so dass die neue Feldarmee Ende Juli wieder stark genug für eine noch größere Schlacht war. Diese sollte bei Wien stattfinden.

Zur Deckung der Hauptstadt begann man mit dem Bau der Floridsdorfer Schanzen, die sich von Bisamberg bis Kagran erstreckten. Die Schlacht von Wien blieb letztendlich aus. Am 26. Juli 1866 wurde in der mährischen Nikolsburg ein Vorfriede und einen Monat später in Prag der endgültige Friede geschlossen. Österreich schied aus dem Deutschen Bund aus, der daraufhin aufgelöst wurde. Darüber hinaus erhielt Italien die zuvor österreichische Provinz Venedig. Preußen annektierte Schleswig-Holstein, Hannover, Nassau, Kurhessen, die Freie Stadt Frankfurt und gründete den Norddeutschen Bund.

Erinnerung an Königgrätz

Gabor Orban absolviert ein Master-Studium für Geschichte an der Universität Wien.

 

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