• Veröffentlichungsdatum: 08.03.2017
  • – Letztes Update: 09.03.2017

  • 11 Min -
  • 2240 Wörter

Verteidigung - Feuerkampf und Sperren

Markus Ziegler

(Foto: Bundesheer/Trippolt, Montage: Keusch)
(Foto: Bundesheer/Trippolt, Montage: Keusch)

Teil 4 der Serie: Bewegliche Einsatzführung in der Verteidigung


Der Einsatz infanteristischer Kräfte an der FEBA (Forward Edge of the Battle Area - Vorderster Rand der Verteidigung) erfordert nicht nur die Beurteilung des Gegners, des Geländes und der eigenen Kräfte. Es erfordert auch eine solide Kenntnis und das Umsetzen von Einsatzgrundsätze im eigenen Kampfplan. Umso genauer diese eingehalten werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines Abwehrerfolges.

Das Zusammenwirken der Kräfte wird nicht durch deren Schulterschluss, sondern durch das Zusammenwirken der Kräfte mit Feuer erreicht. Der Zusammenhalt der Kräfte in Bewegungsphasen kann auf der gefechtstechnischen Ebene nur durch Sichtverbindung sichergestellt werden. Im Gegensatz dazu wird in der Verteidigung der Zusammenhang der Kräfte dadurch ermöglicht, dass die Kommandanten ihren untergeordneten Elementen die Verantwortungsbereiche mit Grenzen und Feuerbereichen zuweisen. 

Bewegungsphasen für die geplante Einsatzführung sind mit dem Feuer anderer Elemente zu koordinieren und bei der geplanten Einsatzführung vorzuüben. Dadurch wissen die Kommandanten, auch ohne Sichtverbindung zu den eigenen Elementen, wo sich diese befinden bzw. aufgrund welcher Befehle sie sich auf dem für sie festgelegten Weg bewegen. Dem Schwergewicht des Angreifers ist immer das eigene Schwergewicht entgegenzustellen.

 

Ausdehnung der Kräfte

Ein MG-Trupp in Stellung. (Foto: Bundesheer/Hörl)
Ein MG-Trupp in Stellung. (Foto: Bundesheer/Hörl)

Kompanie

Die Kompanie verfügt in der Verteidigung über genügend Kräfte, um den zugewiesenen Raum dauerhaft zu halten. Der Kompaniekommandant kann seinen Teileinheiten Räume zuweisen, in denen sich die Züge befinden. Je breiter der zugewiesene Raum wird, den die Kompanie von der taktischen Ebene zugewiesen bekommt, desto größer werden die Lücken.

Diese Lücken machen eine bewegliche Einsatzführung der Kompanie nötig, um sie im Bedarfsfall rechtzeitig zu schließen. Eine zweite Möglichkeit wäre, die Gefechtsstreifen der Züge zu überdehnen, was diese zu einer beweglichen Einsatzführung in der FEBA zwingt. In beiden Fällen müssen vorgeschobene Kräfte eingesetzt werden. Diese müssen so weit von den eigenen Teilen entfernt sein, dass beim Angriff des Gegners auf die FEBA, das Führungsverfahren (inklusive Befehlsgebung) und das Beziehen der Ergänzungsstellungen zur Verlagerung des Schwergewichtes abgeschlossen sind.

Jägerzug

Der Jägerzug verfügt im Normfall über vier Gruppen. Will der Zugskommandant ein Schwergewicht bilden, muss er dazu grundsätzlich drei Gruppen zum Zusammenwirken bringen. Im bewaldeten und im urbanen Gelände sind die Kampfentfernungen häufig unter 200 m. Dies ist bei der derzeitigen Waffenausstattung des Jägerzuges auch jene Entfernung, in der alle Waffen zum Zusammenwirken gebracht werden können.

Werden die Jägergruppen bei der maximalen Ausdehnung von durchlaufenden Stellungen und schachbrettartigen Stellungen in gleichen Abständen eingesetzt, können jedoch nur zwei Gruppen zusammenwirken. Zu beachten ist, dass der Zugskommandant maximal viermal 50 m (Ausdehnung Gruppennest) mit Soldaten besetzen kann. Das optimale Zusammenwirken ist beim Stützpunkt zwar möglich, seine Ausdehnung entspricht aber einer Steilfeuerzielfläche und kann somit mit einer Steilfeueranforderung vernichtet werden. Bei den beiden aufgelockerten Stellungsformen muss der Zugskommandant eine bewegliche Einsatzführung vorsehen, um ein Schwergewicht bilden zu können.

Damit die Gruppen zur Verlagerung des Schwergewichtes zeitgerecht die Ergänzungsstellungen beziehen können, muss der Zugskommandant wissen, wo der Gegner mit seinem Schwergewicht angreift. Diese Information kann nur von vorgeschobenen Teilen der Kompanie oder vom Zug selbst bereitgestellt werden.

Jägergruppe

Das Gruppennest ist der Nukleus der infanteristischen Kampftruppen in der Verteidigung, aus denen sich alle anderen Stellungsformen zusammensetzen. Im Gruppennest weist der Gruppenkommandant seinen Soldaten die Kampfdeckungen mit Kampfaufträgen zu. Dabei darf der Abstand zwischen den einzelnen Stellungen nur so groß sein, dass der Gruppenkommandant „leise“ führen kann. Das bedeutet Führen mit Zeichen bzw. die leise Durchgabe von Befehlen und Lageinformationen.

Wird die Gruppe, auf die maximale geländebedingte Ausdehnung von 70 m eingesetzt, ist die Verbindung noch möglich. Bei einer größeren Ausdehnung verliert der Kommandant wegen der mangelhaften Verbindung jedoch die Führungsfähigkeit. Wird eine Gruppe selbstständig, getrennt vom Zug und direkt vom Kompaniekommandanten geführt eingesetzt, richtet sie sich in einem Widerstandsnest ein. Dieses ist im Prinzip ein Gruppennest mit Ergänzungsstellungen. So kann die Gruppe auf alle möglichen Annäherungen des Gegners reagieren.

Ein üsMG-Trupp führt den Feuerkampf. (Foto: Steinberger)
Ein üsMG-Trupp führt den Feuerkampf. (Foto: Bundesheer/Steinberger)
Ein 12,7-mm-üsMG im Feuerkampf im alpinen Gelände. (Foto: Steinberger)
Ein 12,7-mm-üsMG im Feuerkampf im alpinen Gelände. (Foto: Bundesheer/Steinberger)
Der üsMG-Trupp lädt die Waffe vor dem Scharfschießen während der Übung „Capricorn 2016“. (Fotos: Steinberger)
Der üsMG-Trupp lädt die Waffe vor dem Scharfschießen während der Übung „Capricorn 2016“. (Fotos: Bundesheer/Steinberger)

Feuer und Sperren

Einsatz des Maschinengewehres: Flankierend kann ein Tiefenziel mit wenigen Feuerstößen vernichtet werden. Frontal muss jedes Ziel einzeln bekämpft werden. Das erlaubt dem Gegner, sich zu decken und das Feuer zu erwidern.
(Grafik: Ziegler)
Einsatz des Maschinengewehres: Flankierend kann ein Tiefenziel mit wenigen Feuerstößen vernichtet werden. Frontal muss jedes Ziel einzeln bekämpft werden. Das erlaubt dem Gegner, sich zu decken und das Feuer zu erwidern. (Grafik: Ziegler)

Eine wesentliche Aufgabe der Kommandanten ist es, das Feuer und die Sperren wirkungsvoll zum Zusammenwirken zu bringen. 

MG-Einsatz bei Infanteriesperren 

Ein wesentlicher Grundsatz dabei ist die flankierende Wirkung des Maschinengewehres vor die Sperre sowie flankierend vor die eigene Gruppe. Dadurch wird der Gegner, wenn er sich breit entwickelt, für das Maschinengewehr zum Tiefenziel, das mit wenigen Feuerstößen vernichtet werden kann.

Der flankierende Einsatz vor die Sperre bewirkt auch die flankierende Wirkung auf den Gegner. Da mehrere Gruppen zusammenwirken, wird der Verlauf der Sperren im Zug durch den Zugskommandanten bzw. an den Grenzen zweier Züge durch den Kompaniekommandanten festgelegt. Das auf den Kampfplänen dargestellte Zick-Zack-Muster der Sperren ergibt sich durch die flankierende Wirkung der Maschinengewehre vor die Sperre.

Einsatz vor Sperren:  Flankierender Einsatz vor die Sperre bedeutet flankierende Wirkung auf den Gegner. Da die Wirkung über den Gruppenbereich hinausgeht und mehrere Grp zusammenwirken, wird der Verlauf der Sperren durch den ZgKdt und an den Grenzen zweier Züge durch den KpKdt festgelegt (Grafik: Ziegler).
Einsatz vor Sperren: Flankierender Einsatz vor die Sperre bedeutet flankierende Wirkung auf den Gegner. Da die Wirkung über den Gruppenbereich hinausgeht und mehrere Grp zusammenwirken, wird der Verlauf der Sperren durch den ZgKdt und an den Grenzen zweier Züge durch den KpKdt festgelegt. (Grafik: Ziegler)

Einsatz von Panzerabwehrwaffen mit Panzersperren

Gemäß dem aktuellen Organisationsplan verfügt jede Infanteriegruppe nur über ein Panzerabwehrrohr. Deshalb ist die Koordinierung ihres Einsatzes die Aufgabe des Zugskommandanten. Ein wesentlicher Grundsatz muss dabei beachtet werden: Aufgrund des frontalen Panzerschutzes von gepanzerten Kampf- und Gefechtsfahrzeugen (GKGF), der überlegenen frontalen Beobachtungsmöglichkeiten gepaart mit hoher Feuerkraft können diese nur in der Flanke und im Rücken bekämpft werden. Um das sicherzustellen, müssen immer zwei räumlich voneinander getrennte Panzerabwehrwaffen auf ein Ziel wirken. Wendet das GKGF einem Panzerabwehrrohr die Frontseite zu, welches das Ziel deshalb nicht mehr durchschlagen kann, zeigt es dem zweiten Panzerabwehrrohr die Flanke.

Verfügt der Gegner über Kampfpanzer, sind die Abwehrmaßnahmen immer auf diese zu beziehen. Ist es geländebedingt möglich, dass ein GKGF in einem Geländeabschnitt vorgeht, ist das im eigenen Kampfplan zu berücksichtigen. Ein Gegner wird bei einem Angriff nach Bereitstellung mit seinem Schwergewicht immer die erkannte Schwachstelle angreifen. Daher müssen alle Räume, in denen der Gegner mit GKGF angreifen kann, mit Panzerabwehrwaffen bewirkt werden können. Das kann meist nur mit einer beweglichen Einsatzführung sichergestellt werden.

Verfügt die Kompanie über einen Panzerzug (PzZg) oder einen Panzerabwehrlenkwaffenzug (PALZg), werden diese eine Hauptstellung und je nach Anzahl der Angriffsmöglichkeiten des Gegners vorbereitete Ergänzungsstellungen haben. So kann das eigene Schwergewicht rasch und effektiv verlagert werden. 

Kein moderner Kampfpanzer kann aufgrund seiner Frontpanzerung, von einem aktuell existierenden PAR frontal +/-30° vernichtet werden. Nur ein Treffer an der Seite, im Heck oder an der Oberseite kann ihn vernichten. (Foto: Bundesheer/Trippolt)
Kein moderner Kampfpanzer kann aufgrund seiner Frontpanzerung, von einem aktuell existierenden PAR frontal +/-30° vernichtet werden. Nur ein Treffer an der Seite, im Heck oder an der Oberseite kann ihn vernichten. (Foto: Bundesheer/Trippolt)

Panzersperren 

Verfügt der Gegner über GKGF, sind dort, wo das Gelände ihre Bewegung zulässt, Panzersperren zu errichten. Geländehindernisse, die durch pioniertechnische Maßnahmen im Gefecht überwunden werden können, wirken als Sperre und müssen überwacht werden. Die Kenntnis der technischen Leistungsparameter der gegnerischen GKGF ist für die Kommandanten der gefechtstechnischen Ebene erforderlich. Sonst können sie nicht beurteilen, ob ein Geländeabschnitt ein Hindernis darstellt oder nicht. Eine Fehlbeurteilung führt womöglich zu einem kräfte- und zeitintensiven Ausbau von Sperren, wo keine notwendig wären, oder dazu, dass der Gegner Lücken erkennt und die Verteidiger dort überrascht.

Sind im Gefechtsstreifen der Kompanie keine Panzerlinien vorhanden, die den Einsatz eines geschlossenen PALZg oder PzZg ermöglichen, können in der Truppeneinteilung Pz-Halbzüge oder im Falle des PALZg Gruppen oder Trupps den Infanteriezügen unterstellt werden. Im urbanen Gelände wird dies häufig der Fall sein, da diese Elemente oft nur entlang von Straßen wirken können. Im bewaldeten Gelände kann dies der Fall sein, wenn Bewegungslinien durch den Gefechtsstreifen verlaufen, die ein Zusammenwirken von zwei oder mehreren Systemen nicht zulassen.

Feuerleitung über Zielpunkte

Feuerleitung durch Zielpunkte: Das Prinzip der Feuerleitung mit zwei Zielpunkten (ZP): dem ZP Hügel und dem ZP Häusergruppe. (Graik: Ziegler)
Feuerleitung durch Zielpunkte: Das Prinzip der Feuerleitung mit zwei Zielpunkten (ZP): dem ZP Hügel und dem ZP Häusergruppe. (Graik: Ziegler)

Die Feuereröffnung erfolgt im Feuerüberfall mit allen Waffen, um den Überraschungsmoment auszunützen und dem Gegner schlagartig große Verluste zuzufügen. Zur Feuerleitung werden vom Kompaniekommandanten Zielpunkte für jene Räume festgelegt, in denen mehrere Züge zusammenwirken. Vom Zugskommandanten werden die Zielpunkte für jene Räume festgelegt in denen die Gruppen des Zuges zusammenwirken. Bei der Bezeichnung der Zielpunkte hat sich der Kommandant an die bereits in der Geländetaufe bzw. bei der Geländeeinweisung festgelegten Namen zu halten. Das ermöglicht eine einheitliche sowie einfache Führung und beugt Missverständnissen vor.

Wesentlich für das Verständnis von Zielpunkten für Flachfeuerwaffen ist, dass nicht alle Waffen auf nur einen Punkt feuern. Der Kommandant beurteilt, in welchem Gelände der Gegner, in welcher Gefechtsform vorgehen bzw. in Stellung gehen kann. Aufgrund dieser Beurteilung setzt er seine Kräfte so ein, dass diese den Gegner bekämpfen können und die eigene Feuerüberlegenheit sichergestellt ist. Das Feuer dieser Kräfte muss den gesamten Raum, in dem der Gegner auftreten kann, abdecken. Daher muss der Kommandant für jeden Zielpunkt festlegen, welches Element den Gegner in welchem Raum bekämpft. Erst wenn alle Ziele im zugeordneten Raum vernichtet oder keine mehr erkennbar sind, werden andere bekämpft. So wird vermieden, dass Ziele doppelt oder mehrfach bekämpft werden.

Steilfeuereinsatz an der FEBA

Beim Festlegen der Koordinaten der Zielpunkte ist es wegen der im Infanteriegelände oft geringen Kampfentfernung notwendig, den Zielpunkt 50 m bis 100 m feindwärts in die Tiefe zu legen. So ist gewährleistet, dass jene Geländeteile, die bewirkt werden sollen, noch in der Zielfläche liegen, die eigenen Sperren und Stellungen aber nicht.

Sollte es dem Gegner gelingen, in einem Bereich die Feuerüberlegenheit zu gewinnen und er eigene Teile in Halbzugsstärke oder größer niederhalten, kann der Gegner durch Steilfeuer niedergehalten und so die eigene Feuerüberlegenheit wiedergewonnen werden. Diese Maßnahme muss rasch erfolgen, da der Gegner, ab dem Gewinnen der Feuerüberlegenheit innerhalb weniger Minuten in die Stellungen eingebrochen sein wird. Sollte ihm das gelingen, ist der Bereich vor dem Eindringpunkt mit Steilfeuer zu belegen. So kann verhindert werden, dass der Gegner weitere Kräfte nachführt, wodurch sich die Chancen erhöhen, den Einbruch mit einem Gegenstoß zu bereinigen.

Ein mittlerer Granatwerfer in Feuerstellung (Foto: Bundesheer/Hörl).
Ein mittlerer Granatwerfer in Feuerstellung (Foto: Bundesheer/Hörl).

Feuereröffnungslinie

Die Feuereröffnungslinie ist eine Führungslinie zur selbstständigen Feuereröffnung. Ab dieser Linie wird das Feuer für die untergeordnete Ebene freigegeben. Auf Ebene der Gruppe bedeutet dies, dass die Schützen das Feuer auf den erkannten Gegner eröffnen müssen, um einen Abwehrerfolg sicherstellen zu können. Vor dem Überschreiten der Feuereröffnungslinie leitet der Kommandant das Feuer. 

Abriegeln von Feindeinbrüchen

Gelingt dem Gegner der Einbruch in die FEBA, erfolgt durch jene Kräfte, die auf die Einbruchstelle wirken können, sofort die Feuerzusammenfassung auf diesen Bereich. Mit dem Einsatz von Steilfeuer soll der Gegner im Bereich der Sturmausgangsstellung sowie in der Tiefe niedergehalten und so ein Nachführen weiterer Kräfte verhindert werden. Durch das Beziehen von Riegelstellungen soll ein weiteres Vordringen unterbunden werden. Um auf Feindeinbrüche im Grenzbereich von zwei Elementen rasch reagieren zu können, sind Riegelstellungen zu den Nachbarn in Absprache mit diesen vorzubereiten. 

Gegenstoß

Gegenstöße müssen grundsätzlich immer erfolgen. Damit sie erfolgreich durchgeführt werden können, müssen sie vorgeübt werden. Ein Gegenstoß bedeutet immer Nahkampf. Deshalb muss beim Vorüben der Einsatz der Kampfmittel, vor allem der Handgranateneinsatz, geübt werden. Dadurch ergibt sich eine Überlegenheit in der Gefechtsbereitschaft gegenüber dem eingebrochenen Gegner. Rasches und entschlossenes Handeln aller Kommandanten beim Erkennen eines Einbruches ist entscheidend. Je später der Gegenstoß erfolgt, desto mehr gegnerische Kräfte sind an der Einbruchstelle zu werfen. Zögern und Unentschlossenheit führt in dieser Phase dazu, dass der Gegner seinen Kampfplan umsetzt, was zur eigenen Niederlage führen kann.

Einrichten zur Verteidigung

Sperren

Panzersperren auf Bewegungslinien sind so anzulegen, dass der Gegner bereits beim Erkennen der Sperren bekämpft wird. Wenn es die Bewegungslinie zulässt, ist ein verdeckter Mineneinsatz anzustreben, da so bereits beim Auffahren auf die Sperre die GKGF bekämpft bzw. vernichtet werden. Alle nutzbaren Stoßachsen sind zu sperren. 

Drahtsperren sind im ruralen Gelände so anzulegen, dass zumindest zwei Sperrgürtel vor den Stellungen errichtet werden. Der erste muss außerhalb der Handgranaten-Wurfweite liegen, der zweite etwa 50 bis 70 m davor. Dadurch wird der Gegner gezwungen, angriffsweise zunächst eine Gasse durch den ersten Sperrgürtel zu schaffen und danach den zweiten Sperrgürtel zu öffnen. Erst dann kann der Stoß in die Stellungen des Verteidigers erfolgen.

Im urbanen wie im ruralen Gelände sind vorgestaffelt Drahtsperren zu errichten. Zusätzlich sind alle Öffnungen in Gebäuden, bis auf jene, die für den Feuerkampf benötigt werden, zu verrammeln. Sperren sind so anzulegen, dass sie nur langwierig mechanisch oder detonativ geräumt werden können. Schusstote Räume vor möglichen Eindringpunkten müssen mit Öffnungen im Mauerwerk, durch welche Handgranaten geworfen werden können, abgedeckt werden. 

Richtsplitterladungen sind zur Feuerverdichtung in jenen Geländeteilen einzusetzen, in denen Sicherungselemente zum Feuerschutz Stellung beziehen können. Gebäude, die der Gegner nehmen muss, um seine Feuerunterstützung einsetzen zu können, sind zur Sprengung vorzubereiten. Die Sprengung erfolgt, sobald die ersten gegnerischen Kräfte diese Stellung beziehen. Leuchtknallkörper bzw. andere akustische Alarmeinrichtungen sind in schuss- bzw. beobachtungstoten Räumen zu installieren, um eine Umgehung durch den Gegner zu verhindern.

Zwei Soldaten erwarten in der Stellung den Angriff des Gegners. (Foto: Steinberger)
Zwei Soldaten erwarten in der Stellung den Angriff des Gegners. (Foto: Bundesheer/Steinberger)
Feuerkampf aus der Stellung. (Foto: Bundesheer/Steinberger)
Feuerkampf aus der Stellung. (Foto: Bundesheer/Steinberger)
Zum Feuerkampf gehört auch der Munitionsausgleich in Feuerpausen. (Foto: Bundesheer/Steinberger)
Zum Feuerkampf gehört auch der Munitionsausgleich in Feuerpausen. (Foto: Bundesheer/Steinberger)


Stellungsbau

Im ruralen Gelände sind zumindest Zwei-Mann-Kampfdeckungen anzustreben. Wesentlich dabei ist, dass durch den Erdaushub die eigenen Stellungen nicht frühzeitig erkannt werden. Im urbanen Gelände sind ausgebaute Stellungen in Gebäuden vorzusehen. Das Mauerwerk und das für den Stellungsbau verwendete Material (Sandsäcke) müssen dem Beschuss der gegnerischen Waffen standhalten. Im ruralen Gelände sind Kammstellungen anzustreben, durch die das Verschieben eigener Kräfte bei der beweglichen Einsatzführung auch ohne Gräben möglich ist. Feldkabelverbindungen sind zu errichten, da bis zum Auftreffen des Gegners Funkstille herrscht. Wenn ausreichend Zeit und Material zur Verfügung steht, sollen Schutzdeckungen gegen Steilfeuer angelegt werden.

Im ruralen Umfeld ergibt sich die Herausforderung, dass ein Unterstand, der Luftsicht entzogen, zu errichten ist, da er sonst durch Jagdbomber vernichtet werden kann. Im urbanen Umfeld ist die Tarnung gegen Luftaufklärung keine Herausforderung. Entscheidend bei der Beurteilung der Gebäudesubstanz ist, ob diese einem Beschuss standhält, bzw. in welchem Ausmaß Verstärkungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Können aus Zeitgründen keine Schutzdeckungen gegen Steilfeuer errichtet werden und ist dennoch mit der Aufklärung der FEBA zu rechnen, sind Bereitschaftsstellungen vorzusehen. Diese sind in der Tiefe außerhalb einer Zielfläche der Artillerie anzulegen, um das Vorbereitungsfeuer zu überstehen. Unmittelbar danach sind die Stellungen durch die Schützen zu beziehen.

Einsatzführung - Folgerungen

  • Festlegen von Zielpunkten für Infanteriewaffen, um die Leitung des Feuerkampfes zu vereinfachen;
  • Steilfeuer auf jene Geländeteile vorbereiten, in denen gegnerische Unterstützungselemente in Stellung gehen können;
  • Festlegen, bei welchem Feindauftreten welche Ergänzungsstellungen bezogen werden, damit alle Kräfte im Sinne des Kommandanten handeln;
  • Festlegen, wer bei Feindeinbrüchen wo abriegelt und wer den Gegenstoß durchführt. Es muss davon ausgegangen werden, dass es zu Feindeinbrüchen bei jedem Element kommen kann;
  • Festlegen der Stellungen für den Kampf in der Tiefe, falls dem Gegner der Einbruch in die Tiefe oder ein Durchbruch gelingen sollte;
  • Verhalten bei gegnerischem Steilfeuer festlegen;
  • Alle befohlenen Maßnahmen müssen vorgeübt werden.

wird fortgesetzt

Major Markus Ziegler, MA ist Hauptlehroffizier am Institut Jäger der Heerestruppenschule.

Link zur Serie

(Foto: Bundesheer/Faustini)
(Foto: Bundesheer/Faustini)
 

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