• Veröffentlichungsdatum: 01.02.2021

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Verbandsübung „Handwerk 20“

Kdo 4.PzGrenBrig

(Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)
(Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)

„Handwerk“ heißt die Übungsreihe der 4. Panzergrenadierbrigade. Diese wurde 2005 ins Leben gerufen und findet seitdem jährlich am Truppenübungsplatz Allentsteig statt. Das Ziel dieser Übung ist es, die Gefechtstechnik und die Taktik - das soldatische Handwerk - gemeinsam zu üben und weiterzuentwickeln. Im Jahr 2020 haben vom 7. bis 18. September 2020 rund 860 Soldaten an der „Handwerk 20“ teilgenommen.

Obwohl Kräfte der Brigade sowohl im Auslandseinsatz im Kosovo und in Bosnien und Herzegowina als auch im Assistenzeinsatz innerhalb Österreichs eingesetzt waren, nahmen rund 860 Soldaten an der Verbandsübung teil. Das Schwergewicht der diesjährigen Übung war ein Schutzszenario in Zusammenarbeit mit zivilen Behörden sowie mit Teilen der Luftstreitkräfte und der Pionierkräfte.

Ausgangslage

Wie jede Übung des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) ist auch diese in eine fiktive Ausgangslage eingebettet, die von einem realistischen Bedrohungsbild abgeleitet ist. Die „Handwerk 20“ begann mit folgendem Szenario: Seit dem Frühjahr sind in A-Land Aktivitäten verschiedener extremistischer Gruppierungen erkennbar. Diese sind militärisch organisiert und bewaffnet. Eine Vielzahl der Mitglieder hat bereits Kriegserfahrung in anderen Konflikten wie in der Ostukraine gesammelt. Ziel dieser Gruppierungen ist es, eine Destabilisierung des Staates zu erreichen, um ihre eigenen Strukturen innerhalb A-Landes zu stärken. Das ÖBH befindet sich bereits zum Schutz der Kritischen Infrastruktur im Assistenzeinsatz. In den vergangenen Tagen konnte durch Hinweise aus der Bevölkerung ein Ausbildungslager einer extremistischen Gruppierung im Raum Zwettl erkannt werden. Die Kräfte des Bundesministeriums für Inneres stellten Ermittlungen vor Ort an. Hierbei kam es zu einem ersten Gefecht zwischen der Exekutive und der extremistischen Gruppierung, wodurch die Polizeikräfte zum Abbruch ihres Einsatzes gezwungen wurden. Aufgrund der gegnerischen Bewaffnung wurde das ÖBH zur Unterstützung der Exekutive angefordert, wobei die Soldaten der 4. Panzergrenadierbrigade mit der Unterstützung der Exekutive beauftragt wurden.

(Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)
(Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)

Panzerschutz

Die Bewaffnung der extremistischen Gruppierung reichte von Handfeuerwaffen über Maschinengewehre bis hin zu Panzerabwehrrohren und Fliegerabwehrlenkwaffen. Durch die hohe gegnerische Waffenwirkung wurde deutlich, dass ein Vorgehen der eigenen Kräfte gegen das Ausbildungslager der extremistischen Gruppierung ohne den Schutz der Schützenpanzer „Ulan“ und der Kampfpanzer „Leopard 2A4“ nicht mehr zielführend ist. In Zusammenarbeit mit einem Tactical PsyOps (Psychological Operations)-Team wurde der äußere Sicherungsring eingesetzt und die Bevölkerung informiert. Den Extremisten wurde die Möglichkeit zur Aufgabe eingeräumt. Diese errichteten jedoch eine Sperre, um den eigenen Kräften den Zugriff auf das Ausbildungslager zu erschweren. Die wesentliche Leistung der Panzergrenadiere bestand darin, diese zu überwinden, um den weiteren Ansatz sicherzustellen. Da die Sperre mit Feuer überwacht wurde, musste zuerst der umliegende Raum in Besitz genommen werden, um sie zu öffnen und den eigenen Kräften das weitere Vorgehen zu ermöglichen.

Zugriff statt Angriff

Die Soldaten der 4. Panzergrenadierbrigade rückten weiter vor und bildeten so schnell wie möglich den inneren Sicherungsring um das Ausbildungslager. Dabei wurde dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit höchster Stellenwert eingeräumt. Ziel des Ansatzes war es, die Mitglieder der extremistischen Gruppierung festzunehmen und der Strafverfolgung zuzuführen. Deshalb wurde in dieser Phase nochmals das Tactical PsyOps-Team eingesetzt, um ein letztes Ultimatum an diese Gruppierung zu richten. Dieser Versuch blieb jedoch erfolglos. Nach Ablauf des Ultimatums rückte ein Zugriffselement – bestehend aus Militärpolizisten und Panzergrenadieren – an und drang in das Ausbildungslager der Extremisten ein. Es gelang dem Zugriffselement, diese festzunehmen und sie im Anschluss daran an die Polizei zu übergeben. Die Zusammenarbeit von Polizei und Bundesheer war bei dieser Übung problemlos, denn der grundsätzliche Ablauf eines solchen Szenarios ist auch für die Spezialeinheiten der Polizei – wie WEGA oder Cobra – kein Neuland. Feuer und Bewegung sowie der entsprechende Schutz sind die Basis solcher Operationen. Jedoch kann bei höherer Waffenwirkung der gegnerischen Gruppierung nur unter Panzerschutz vorgegangen werden, der nur durch die mechanisierte Truppe des ÖBH gestellt werden kann.

Die Dekontamination gepanzerter Fahrzeuge wird in jeder Gefechtslage geübt. (Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)
Die Dekontamination gepanzerter Fahrzeuge wird in jeder Gefechtslage geübt. (Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)
Der Kommandant der 4. Panzergrenadierbrigade in seinem Führungspanzer. (Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)
Der Kommandant der 4. Panzergrenadierbrigade in seinem Führungspanzer. (Foto: Kdo 4.PzGrenBrig)

 

Beorderte Waffenübung

Begleitend zur „Handwerk 20“ fand die beorderte Waffenübung des Panzergrenadierbataillons 13 statt. 119 Milizsoldaten wurden am 10. September 2020 zum Panzergrenadierbataillon 13 nach Ried einberufen und verlegten zum Waffen- und Schießdienst in die Ramsau. Am 14. September kamen die Milizsoldaten auf den Truppenübungsplatz Allentsteig und stießen zur „Handwerk 20“ hinzu. Auf dem Truppenübungsplatz wurde durch diese zusätzlichen kompaniestarken Kräfte der Angriff aus einer Bereitstellung trainiert. Als Ausgangslage diente das Szenario dieser Übung mit den fiktiven extremistischen Gruppierungen in Österreich.

Truppenbesuche

Am Freitag, dem 11. September 2020 besuchte Bundesministerin Mag. Klaudia Tanner die Verbandsübung. In einer Vorführung wurden ihr Fähigkeiten wie die Dekontamination von Fahrzeugen und Geräten, das Schutzszenario und ein Scharfschießen mit den Hauptwaffen der Brigade gezeigt. Es wurde sowohl mit dem Kampfpanzer „Leopard 2A4“ als auch mit dem Schützenpanzer „Ulan“, der Panzerhaubitze M-109 und dem geschützten Mehrzweckfahrzeug „Husar“ scharf geschossen. Am Ende der Übung „Handwerk 20“ fand der „Tag des schwarzen Baretts“ statt. Die 4. Panzergrenadierbrigade nutzte diese Gelegenheit, um Offizieren im Bundesheer, die eine besondere Verbindung zur mechanisierten Truppe haben, das Übungsszenario bei einer Gefechtsvorführung zu präsentieren. So wurde auch intern die Notwendigkeit der mechanisierten Truppe im Umfeld der modernen Bedrohungsszenarien dargestellt.

Auf einen Blick

Zukünftige Situationen, bei denen terroristische Gruppierungen schwere Waffen gegenüber der eigenen Staatsgewalt einsetzen, werden immer wahrscheinlicher. Die Exekutive ist damit rasch überfordert, da die Abwehr solcher Angriffe nicht ihrem Anforderungsprofil entspricht. Für die erfolgreiche Bewältigung derartiger Bedrohungen ist der Einsatz mechanisierter Truppen unabdingbar. Deshalb wird es in Zukunft notwendig sein, die vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und die Entwicklung und Ausrichtung der Waffengattungen Panzer, Panzergrenadiere und Artillerie für derartige Einsätze voranzutreiben.

Kommando der 4. Panzergrenadierbrigade.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Michael Kauf // 02.02.2021, 18:12 Uhr Sehr geehrte Redaktion,
    Die Worte höre ich wohl, gemessen wird Frau BM Tanner an den Bestellungen!
    Geben wir die Hoffnung auf eine angemesse Ausrüstung des Bundesheeres, speziell der Panzertruppe, also nicht auf!
    Mit kameradschaftlichen Grüßen,
    Michael Kauf, OltdRes
    Ehenm. PZB 33