• Veröffentlichungsdatum: 11.10.2017
  • – Letztes Update: 12.10.2017

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Schlacht um Belgrad 1717

Andreas Stupka

Am 16. August jährte sich heuer zum dreihundertsten Mal der Gedenktag an die Schlacht um Belgrad, der Hauptstadt des heutigen Serbiens. Die Serben waren nach der Schlacht auf dem Amselfeld im Kosovo 1389 unter türkische Herrschaft gekommen. Ähnlich erging es auch anderen Gebieten wie der Walachei oder Ungarn, das die Türken nach der Schlacht bei Mohács 1562 erobert hatten.

Die Türken hielten ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts beinahe den gesamten Balkanraum als Teil ihres umfangreichen Herrschaftsgebietes besetzt, das sich von Anatolien ausgehend über die Levante und entlang der afrikanischen Mittelmeerküste sowie über die arabische Halbinsel bis nach Ostafrika erstreckte.

Mit der Eroberung von Belgrad durch den Prinzen Eugen von Savoyen und seinen kaiserlichen Truppen änderte sich die Lage auf dem Balkan fundamental. Es wurde damit die sukzessive Befreiung der christlichen Balkanvölker vom türkischen Joch eingeleitet: der Ungarn, Serben, Bulgaren, Kroaten, Griechen und Rumänen. Insofern stellt die Schlacht um Belgrad 1717 eine Zäsur in der Geschichte des Balkanraumes dar, der gerade für Österreich auch über die weiteren Jahrhunderte von schicksalhafter Bedeutung gewesen ist und insbesondere heute als wichtigster strategischer Raum für das außen- und sicherheitspolitische Engagement der Republik Österreich gilt. Vorerst soll das militärische Genie des Prinzen Eugen kurz dargestellt werden, danach werden die strategischen Rahmenbedingungen, die Schlacht selbst und ihre Auswirkungen skizzenhaft dargelegt. 

Prinz Eugen, der edle Ritter ...

Der junge Prinz, geboren am 18. Oktober 1663 in Paris, war aus dem Frankreich Ludwigs XIV. geflohen. Er war von eher schmächtiger Gestalt und daher für den geistlichen Stand vorgesehen worden. Dies behagte ihm ebenso wenig wie die dekadenten Ausschweifungen am französischen Königshof, unter denen er sehr gelitten hatte. Vor allem aber war er ein hervorragender Reiter und in militärischen Dingen bestens unterwiesen. In die Armee einzutreten, hatte ihm der König jedoch versagt.

Nach seiner Flucht aus Paris kam Prinz Eugen 1683 nach Passau, wohin Leopold I., der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, geflohen war, nachdem die osmanischen Heerscharen unter Großwesir Kara Mustafa begonnen hatten, seine Residenzstadt Wien zu belagern. In Passau sammelte der Kaiser Truppen aus ganz Europa zusammen, um ein Entsatzheer für seine Hauptstadt aufbieten zu können. Einen Geflohenen, wie den Prinzen Eugen, konnte er gut gebrauchen: Er war umfassend gebildet, im Kriegshandwerk versiert und stellte sich freiwillig in seine Dienste.

Bei der Schlacht um Wien bewährte sich der junge Prinz und fiel durch seine Tapferkeit und seinen Kampfesmut auf, so dass er bereits im Alter von 20 Jahren zum Oberst befördert und mit einem Regiment betraut wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Prinz noch nicht wissen, dass er sein ganzes Leben hindurch ständig Kriege führen würde, bis er sich erst in den letzten ruhigeren Lebensjahren der Wissenschaft und der Kunst widmen konnte. Insgesamt hatte er drei Kaisern gedient, als er 73-jährig hochbetagt am 21. April 1736 in Wien verstarb. Sein Ehrengrab erhielt er im Stephansdom, wo es noch heute besichtigt werden kann.

Mit seinem Regiment schlug er sich bei der Vertreibung der Türken aus dem ungarischen Raum und der Befreiung von Buda mit Bravour, so dass er bereits 1685 in die Generalsränge aufstieg. In der zweiten großen Schlacht bei Mohács 1687 brach der Prinz an vorderster Linie mit seinen Truppen den türkischen Widerstand und entschied damit den Sieg. Der Kaiser dankte es ihm mit der Aufnahme in den Orden vom Goldenen Vlies, 1430 von Herzog Phillipp dem Guten von Burgund gestiftet. Noch war der so genannte Große Türkenkrieg nicht zu Ende, da zogen die Osmanen immer neue Truppen aus ihrem Riesenreich heran. In mehreren Gefechten, die eine kurzzeitige Einnahme der Festung Belgrad ermöglichten, wurde der Prinz schwer verwundet und kam erst ab 1690 wieder zum Einsatz, diesmal in Norditalien gegen Frankreich.

Seine erste große, durch ihn als Oberbefehlshaber kommandierte, Operation war die Schlacht bei Zenta im Jahr 1697 gegen die Türken - der Große Türkenkrieg dauerte immer noch an. Bei Zenta an der Theiß gelang es dem Prinzen, die Türken durch einen Überraschungsangriff vernichtend zu schlagen und anschließend bis nach Sarajewo vorzudringen. Dieser siegreiche Feldzug beendete den Großen Türkenkrieg mit dem Frieden von Karlowitz 1699 und ebnete Österreich den Weg zum Aufstieg zur Großmacht mit dem Gewinn Siebenbürgens, Slawoniens und der Befreiung beinahe ganz Ungarns. Prinz Eugen war nun überall in Europa berühmt geworden.

Aber schon dämmerte der Spanische Erbfolgekrieg herauf, der Österreich bis 1714 beschäftigen sollte. Auch hier lieferte der Prinz mit dem Einfall in Norditalien, nach der Überquerung der Judikarischen Alpen (nordwestlich des Gardasees) und den anschließenden militärischen Erfolgen gegen die Franzosen bei Capri, Chiari und Luzzara ein wahres Meisterstück der Kriegskunst. Obwohl der Erbfolgekrieg in einer gewissen Pattstellung aller Teile endete, war der Bekanntheitsgrad des Prinzen enorm hoch. Vor allem aber war Prinz Eugen bei seinen Soldaten äußerst beliebt. Er führte die Truppen mit Umsicht, schreckte auch vor drakonischen Strafen nicht zurück, die aber von den Männern als gerechtfertigt empfunden wurden. Es zeichnete ihn aus, dass er zusammen mit seinen Soldaten in den Schlachten kämpfte, die Truppen nicht vom Feldherrnhügel aus führte. Er begab sich immer ins Schwergewicht oder dorthin, wo die Krise drohte, um alleine durch sein Auftreten den Leuten Mut zu machen und sie zur Tapferkeit anzuspornen.

Im Jahr 1715 war es dann auf dem Balkan wieder soweit, dass die Türken abermals gegen das christliche Abendland aufbegehrten. Prinz Eugen, der zwischenzeitlich auch zum Präsidenten des Hofkriegsrates aufgestiegen war - heute würde man sagen zum Verteidigungsminister - erhielt den Oberbefehl über die Truppen im Osten und besondere Vollmachten des Kaisers für die Kriegsführung und den Friedensschluss.

... wollt' dem Kaiser wied'rum kriegen Stadt und Festung Belgerad

Bereits 1688 bis 1690 war Belgrad in den Händen der Kaiserlichen gewesen. Der Raum konnte allerdings nicht behauptet werden, da das Reich in einen Zweifrontenkrieg, gegen Frankreich einerseits und das Osmanische Reich andererseits, verstrickt war und daher zu wenige Truppen auf dem Balkan vorhanden waren, um dem Vordringen der Türken nachhaltig Widerstand leisten zu können.

Der Raum Belgrad ist für den Balkanraum von enormer strategischer Bedeutung, da er am Zusammenfluss der Donau mit ihrem wasserreichsten Nebenfluss, der Save liegt. Von dort aus lassen sich sowohl die ungarische Tiefebene als auch die Verbindungswege in den Unterlauf der Donau am Eisernen Tor sowie auch in den Raum des Kosovo und weiter nach Griechenland leicht kontrollieren. Wer also den Donauraum und Ungarn gesichert und fest im Griff haben will, der muss den Raum Belgrad mit der Wojwodina und dem Banat im Besitz haben. Von dort aus bieten sich nämlich für einen Angreifer aus dem Süden Vorstöße entlang der Save in den norditalienischen und steirischen Raum, entlang der Donau Richtung Wien und entlang der Theiß bis in den polnisch-ukrainischen Raum hinein an.

Während das Banat mit seiner Hauptstadt Temesvar erst 1716 an Österreich fallen sollte, hatten sich die Besitzverhältnisse in der Wojwodina bereits während des Großen Türkenkrieges entschieden. Damit war Peterwardein (heute Petrovaradin und ein Stadtteil von Novi Sad/Neusatz) von den Kaiserlichen besetzt worden. Diese am Südufer der Donau gelegene Burg wurde ab 1692 zur Festung ausgebaut. Bei ihrer Fertigstellung im Jahre 1780 galt sie als eine der größten Festungsanlagen Europas mit einer Ausdehnung von 112 Hektar und 16 Kilometern unterirdischen Verbindungsgängen. Von hier aus sollte sich im nun folgenden Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg (1714 bis 1718) das Schicksal Belgrads entscheiden.

Nach den schweren Niederlagen im Großen Türkenkrieg folgte für das Osmanische Reich eine Zeit der Auseinandersetzungen im Osten gegen Persien und am Schwarzen Meer gegen die, den warmen Meeren zustrebende, neu aufkommende Großmacht Russland. Bis 1714 jedoch hatten sich die Türken wieder so weit gefestigt, dass sie die Republik Venedig, eine bereits im Schwinden begriffene Mittelmeerseemacht, anzugreifen wagten. Obwohl die Republik mit dem Heiligen Römischen Reich und Polen in der „Heiligen Liga“ verbunden war, glaubten die Türken nicht an einen Kriegseintritt Österreichs, das aus dem Spanischen Erbfolgekrieg nicht gerade gestärkt hervorgegangen war. Venedig besaß noch Dalmatien, die Ionischen Inseln, Stützpunkte auf der Insel Kreta und seit dem Großen Türkenkrieg ganz Morea, wie der Peloponnes in dieser Zeit genannt wurde. Morea und die Stützpunkte auf Kreta gingen 1714 verloren, die Ionischen Inseln konnten jedoch gegen die türkischen Angriffe behauptet werden.

Nach den Erfolgen im östlichen Mittelmeerraum stand nun zu befürchten, dass die Türken zu einem Stoß aus dem Raum Belgrad entlang der Save nach Norditalien hinein ansetzen könnten, um Venedig direkt im Kernland anzugreifen. Für die österreichischen Länder bedeutete dies allerhöchste Gefahr, da diese Heeresmacht auch leicht in den kärntnerisch-steirischen Raum hätte einfallen können. Auf Drängen des Prinzen Eugen, der von den Türken die bedingungslose Einhaltung des Friedens von Karlowitz (heute Sremski Karlovci) einforderte, also die Rückgabe Moreas an die Venezianer, traf das Reich Kriegsvorbereitungen, hob Truppen aus und füllte die Regimenter auf. Der Prinz hatte dafür die notwendige Summe von 20 Millionen Gulden errechnet. Zusätzlich zu den bereits in den Festungen auf dem Balkan stehenden Truppen in der Stärke von 40 000 Mann, wollte der Prinz noch eine schlagkräftige Feldarmee von 80 000 bis 90 000 Mann mit je an die 100 leichten und schweren Geschützen aufgestellt wissen, bevor man an einen Krieg mit den Türken denken konnte, deren Heer mit einer Stärke von rund 200 000 Kämpfern beziffert wurde. Die Hohe Pforte (Bezeichnung für den Großwesir bzw. für die Regierung des Osmanischen Reiches) lehnte die Forderungen des Kaisers zur Einhaltung des Friedens von Karlowitz ab und erklärte im Frühjahr 1716 dem Reich den Krieg.

Das strategische Ziel des Krieges vonseiten des Reiches war die Einnahme der Festung Belgrad. So hatte es Prinz Eugen dem Kaiser vorgeschlagen, und dieser hatte es genehmigt. Allerdings mussten zunächst die Truppen formiert und ins Land gebracht werden. Das konnte jedoch erst im Frühjahr ab Mitte April beginnen, da vorher noch zu wenig Futtermittel für die Pferde vorhanden waren. Der Anmarsch gestaltete sich friktionsfrei, und der Prinz traf am 9. Juni im Raum Peterwardein ein, wo die gesamte Armee bereits hätte versammelt sein sollen. Er musste jedoch feststellen, dass aufgrund finanzieller Schwierigkeiten noch einige Regimenter sowie ein Teil der Artillerie fehlten. Er bezog daher ein Heerlager in unmittelbarer Nähe der Festung und trieb die Formierung und Ausrüstung seiner Armee mit Nachdruck voran.

Musketier wie auch die Reiter täten alle tapfer streiten ...

In der Zwischenzeit hatten die Türken unter Großwesier Damat Ali Pascha große Truppenverbände im Raum Belgrad zusammengezogen und am 27. Juli die Save überschritten. Sie marschierten auf dem rechten Donauufer Richtung Peterwardein. Prinz Eugen berichtete dem Kaiser darüber: „Von Stärke, Komposition und Vorhaben derselben (der Türken; Anm.) ist wegen Veränderung der einlaufenden Nachrichten, welche solche bald zu 200 000, bald zu 250 000 Mann ausrechnen wollen, dermalen noch keine Verlässlichkeit zu geben, soviel dennoch gleichstimmig und gewiss, dass diese türkische Macht so ansehnlich groß und mit allen nach ihrer Art wohl versehen, auch das bei dieser unvermuteten Passierung führende Absehen sich bald zeigen und äußern müsse.“ 

Der Prinz war also durch den Vormarsch der Türken überrascht worden und hatte nun drei Möglichkeiten: So wäre eine Option gewesen, sich wieder über den Strom zurückzuziehen, die Verstärkungen abzuwarten und den Abwehrkampf der Festung Peterwardein zu unterstützen. Die zweite Möglichkeit bestand darin, in den Schanzen nebst der Festung zu verbleiben und in einer Abwehrschlacht gegen die zahlenmäßig überlegenen Türken den Sieg zu erringen. Als dritte Möglichkeit blieb auch noch der Angriff. Dafür standen dem Prinzen 64 Bataillone Infanterie und 187 Schwadronen Kavallerie zur Verfügung - in Summe etwa 70 000 Mann. Prinz Eugen entschied sich für den Angriff!

Dieser sollte überraschend in den frühen Morgenstunden geführt werden und den Gegner überrumpeln. Das Kriegsglück war dem Prinzen hold, und die Überraschung gelang. Die Türken wurden schwer geschlagen und verloren nach heutigen Schätzungen an die 20 000 Mann, während die Kaiserlichen 5 000 Ausfälle zu verzeichnen hatten. Auch Großwesir Dahmat Ali fand in der Schlacht den Tod, so dass sich die Türken geordnet Richtung Belgrad zurückzogen. Prinz Eugen ließ von einem Nachstoßen ab, erstens weil das osmanische Heer nicht vernichtend geschlagen war und er mit seinen Truppen nach wie vor in der Unterzahl stand, zweitens weil die Festung Belgrad sich als eine gute Auffangstellung für die Türken anbot, die nach der Zusammenziehung ihres Feldheeres und ihrer Festungstruppen nicht zu bezwingen waren. Im Reich war die Freude über den Sieg bei Peterwardein groß, und Papst Clemens XI. sandte dem Prinzen einen wertvollen Degen und einen kostbaren Hut als Geschenk.

... und den Fein recht greifen an

Prinz Eugen nahm nach der Schlacht die Armee wieder auf das linke Donauufer zurück und setzte seinen ursprünglichen Plan, nämlich die Vertreibung der Türken aus dem Raum nördlich der Donau, fort. Das Banat mit seiner Hauptstadt Temesvar war noch immer in türkischer Hand und sollte nun dieser entrissen werden, um den ungarischen Raum und vor allem Siebenbürgen nachhaltig vor einem türkischen Feldzug schützen zu können. Es sollte also schnurstracks nach Temesvar marschiert werden, um die dortige türkische Garnison zu belagern. Der Prinz begründete seinen Entschluss in einem Brief an den Kaiser folgendermaßen: „Die Ursachen, welche mich zu dieser Operation bewegen, sind erstlich, dass der geschlagene Feind mir die Passage der Save, wenn ich mein Vorhaben auf Belgrad richten wollte, noch disputieren und unsicher machen, auch wegen abgehenden Schiffs-Armaments die Donau offen und frei, ich hingegen solche zu dem Transport nicht gebrauchen könnte; sodann finde ich die Wegnehmung von Temesvar, welche mit Hilfe Gottes zu hoffen steht, zu den künftigen Winterquartieren, Ziehung der Kontribution aus der Walachei, Bedeckung der Theiß und Oberungarn, auch Kommunikation mit Siebenbürgen zu Euer Kaiserlichen Majestät allerhöchsten Dienst sehr beiträglich und nützlich, nicht weniger zu den künftigen Absehen auf Belgrad sehr förderlich zu sein.“ 

Aus dieser kurzen Meldung an den Kaiser erfahren wir alle wichtigen Aspekte des künftigen Feldzuges: Zunächst war also an eine Eroberung Belgrads im Jahr 1716 nicht mehr zu denken, sondern sie sollte erst im Jahr darauf stattfinden. Im Winter ruhte der Krieg gewissermaßen, denn Kampfhandlungen großer Verbände waren wegen Schnee und Kälte de facto undurchführbar, auch die logistischen Möglichkeiten ließen eine Kampfführung im Winter kaum zu. Daher wurden, beginnend mit Ende Oktober bis Anfang Dezember hinein, die so genannten Winterquartiere bezogen. Sie dienten der Auffrischung der Truppen durch neue Kontributionen aus den kaiserlichen Lehen, also dem Reich, und Anwerbungen in den eroberten Gebieten. Die Wegnahme von Temesvar war also nicht nur im strategischen Sinne eine wichtige Maßnahme, sondern hatte auch taktische Gründe mit unmittelbaren Auswirkungen auf die im Felde stehenden Truppen.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Vermeidung eines Angriffes auf Belgrad wird hier bereits genannt: nämlich die fehlenden Kriegsschiffe und der Schiffstransportraum, die wesentlich zur Erstürmung der Festung beizutragen hatten, wie wir in der Folge noch sehen werden. Also rückte das Heer plangemäß gegen Temesvar vor und begann in den ersten Septembertagen mit der Belagerung von Stadt und Festung, die von 10 000 bis 15 000 türkischen Elitetruppen verteidigt wurde. Allerdings war die Stadt größtenteils aus Holzhäusern aufgebaut, so dass die Angriffe die verteidigenden Türken immer wieder in große Bedrängnis brachten. Beim Sturm auf die Stadt Anfang Oktober konnten immer mehr Geschütze dicht an die Bebauungen herangebracht werden, wodurch ein enormer Schaden an der Bausubstanz entstand. Von türkischer Seite wurde schließlich die Kapitulation unter Gewährung eines freien Abzuges angeboten, wozu Prinz Eugen einwilligte. Temesvar fiel am 12. Oktober 1716.

Die Türken hatten die Ausweglosigkeit ihrer Situation erkannt, und der kommandierende Pascha versuchte, seine guten Truppen mit dieser Kapitulation dem Sultan zu erhalten, anstatt sie aufreiben zu lassen. Prinz Eugen ließ die Grenze Richtung Süden forcieren und befahl die Truppen in ihre Winterquartiere, bevor er vom Schlachtfeld Richtung Wien abreiste.

Er ließ schlagen eine Brukken ...

Bereits im Mai 1717 reiste der Prinz wieder aus Wien Richtung Balkan ab. Er hatte lediglich gewartet, bis dem Kaiser, nunmehr Karl VI., der lang ersehnte Thronfolger geboren sein würde. Am 13. Mai war es schließlich soweit - auf die Welt kam ein Mädchen, dem man den Namen Maria Theresia gab! Der Prinz reiste also ab, zunächst nach Budapest, wo er mit Salutschüssen begrüßt wurde und dann weiter nach Futak (heute Futog) in der Nähe der Festung Peterwardein, das er als Versammlungsort für die Truppen ausgewählt hatte. Das erklärte Angriffsziel war Belgrad. Die Festung sollte gefallen sein, bevor sich der Großwesir mit seinem Heer von Adrianopel aus zu bewegen begann.

Die Strategie des Prinzen war also auf ein Schlagen in Teilen ausgelegt. Der Kräftebedarf für diese Operation war mit 100 000 Mann an Streitkräften, 100 Feld- und 200 Belagerungsgeschützen sowie einer Donauflottille von zehn Kriegsschiffen und 50 Transportbooten berechnet worden. Es wurden daher bereits ab dem Sommer 1716 durch holländische Schiffsbauer leichte, sehr wendige Fregatten gezimmert, um den türkischen Schiffen ebenbürtig zu sein. Jedes Kriegsschiff sollte mit rund 50 Kanonen bestückt sein und damit wertvolle Dienste bei der Beschießung von Belgrad leisten können. Vor allem aber hatten die Kriegsschiffe die Aufgabe, den Nachschub an Munition und Verpflegung zu schützen, der größtenteils über die Donau auf den Transportschiffen abgewickelt wurde. Eine weitere Aufgabe war die Sicherung der Donaubrücken gegen Zerstörung, denn auch die Türken verfügten in Belgrad über eine beachtliche Zahl an Kriegsschiffen (rund 70 Schiffe mit insgesamt 200 Kanonen und 3 000 Mann Schiffsbesatzungen).

Stadt und Festung Belgrad selbst lagen auf einer nach Südosten offenen Halbinsel zwischen der Save im Westen und der Donau im Norden. Aber auch aus östlicher Richtung galt Belgrad als weitgehend geschützt, da, unweit auf der Höhe von Pancsova (heute: Pancevo), an der Mündung der Temesch die Donau knieartig nach Süden fließt. Der Raum Belgrad ist daher von drei Seiten gut durch breite Flüsse abgedeckt, so dass für eine Belagerung und einen anschließenden Sturm auf die Festung zwingend von Süden her aufmarschiert werden musste.

Für die Übersetzung der Flüsse boten sich zwei Möglichkeiten an: Einerseits konnte die Streitmacht entlang des rechten Donauufers von Peterwardein aus Richtung Südosten vorgehen, im Raum Semlin (heute: Zemun und ein Stadtteil von Belgrad) die Save übersetzen und so vor Belgrad aufmarschieren. Zwar war die Save nicht so breit wie die Donau, aber ein schneller fließendes Gewässer, was den Brückenbau erschwerte. Außerdem war es für die Kriegsschiffe schwieriger, den Schutz der Brücken zu gewährleisten, da die Große und die Kleine Kriegsinsel (Inseln an der Savemündung) noch von den Türken gehalten wurden.

Andererseits bot sich die Übersetzung der Donau östlich von Belgrad bei Visnica (heute: Višnjica und ein Stadtteil von Belgrad) an. Zudem hatte Graf Claudius Florimund Mercy, der auf Weisung des Prinzen für die Sicherung des Banats gegen türkische Einfälle während der Wintermonate verantwortlich gewesen war, entdeckt, dass nördlich Belgrads eine Flussverbindung von der Donau, südlich der Theiß-Mündung ausgehend, über die Dunavica (ein kanalartiges Gewässer) und die schiffbare Temesch wieder in die Donau ostwärts Belgrads bestand. Damit konnten die Versorgungs- und Lastenschiffe Belgrad außerhalb der Reichweite der Festungskanonen umfahren. Den Kriegsschiffen war die Sicherung der zu schlagenden Brücke bei Visnica leichter möglich als im westlichen Raum von Belgrad.

Auch ein Heerlager südlich der Donau im Raum Visnica erschien dem Prinzen günstiger zu sein als in Semlin. Er berichtete dazu dem Kaiser, dass „dermalen eben kein anderes Lager zu nehmen sei, als bei den beiden vorigen Belagerungen ist okkupiert worden, mittels welchem von den Anhöhen sowohl gegen die Donau als den Save-Strom profitieren und durch anzulegende Batterien diese beiden Flüsse bestreichen, die Kommunikationsbrücken soutenieren (halten, behaupten; Anm.) und die feindlichen Tschaiken und Galeeren, so sich aus der Festung bereits gegen die 50 haben sehen lassen, zurückhalten kann.“ Der Prinz entschied sich daher, die Donau bei Visnica zu überschreiten.

So marschierte das Hauptheer über die Theiß und dann ostwärts der Temesch in den Raum Pancsova, übersetzte die Donau auf der am 25. Juni fertiggestellten Brücke und bezog das Lager bei Visnica. Dennoch durfte die Verbindung nach Peterwardein nicht abreißen, und so wurde bis zum 1. Juli auch eine Savebrücke hergestellt.

Die Besatzung der Festung Belgrad bestand aus über 30 000 Mann, davon 20 000 Janitscharen und rund 200 Geschützen. An sonstigen Einwohnern zählte die Stadt etwa 10 000 Menschen. Das Ziel des Prinzen war es, die Stadt auf der Festlandseite vollständig einzuschließen sowie den Schiffen keine Möglichkeit zum Ausbrechen zu geben. Prinz Eugen hatte dazu fast seine ganze Streitmacht vor Belgrad zusammengezogen. Lediglich ein Detachement beließ er in der Festung Peterwardein, und ein weiteres wurde zum Schutz Siebenbürgens in das nördliche Banat abkommandiert.

Zwischen Donau und Save wurde ein Belagerungsring gegen die Festung gezogen. Dabei wurden Schanzen errichtet, um eine Beschießung von der Landseite vornehmen zu können. Gleichzeitig ließ der Prinz aber auch eine Verschanzung Richtung Südosten hin errichten, die so genannte Circumvallations-Linie, denn er erwartete ein türkisches Entsatzheer. Es musste daher so schnell wie möglich darangegangen werden, die Festung zu erobern, um einen Zweifrontenkrieg tunlichst zu vermeiden. Prinz Eugen kannte diese Situation aus seinem ersten Einsatz bei der Schlacht um Wien, wo es den Türken so ergangen war, dass sie vom Belagerer zum Belagerten geworden waren.

Belgrad war also nun zur Gänze eingeschlossen und die Kaiserlichen begannen Mitte Juli mit der Beschießung der Stadt zunächst mit den Schiffsgeschützen. Allerdings war sie noch nicht sturmreif geschossen, als Prinz Eugen erfuhr („... kam ein Spion bei Sturm und Regen ...“), dass die Türken am 22. Juni von Adrianopel mit 200 000 Mann unter Großwesir Chalil Pascha aufgebrochen seien. Das Entsatzheer war daher bald vor Belgrad zu erwarten. Prinz Eugen kalkulierte zunächst damit, einen Angriff dieser Streitmacht an den Verteidigungsstellungen abzuwehren und so die Festungsbesatzung zur Kapitulation zu bewegen. Dazu ließ er ab Ende Juli die Laufgräben gegen die Festung vorantreiben.

Ab Anfang August erschien der Hauptteil des osmanischen Heeres vor Belgrad und begann mit der Beschießung des kaiserlichen Lagers. Ein Korps hatte der Großwesir in das Banat entsandt, möglicherweise mit dem Ziel, Pancsova anzugreifen und damit den Kaiserlichen den Rückweg über die Donau abzuschneiden. Gegenüber den gut verschanzten Kaiserlichen vor Belgrad begnügte sich der Großwesir vorerst mit einer fortlaufenden Beschießung, während die Kaiserlichen ihrerseits die Festung mit den Geschützen angriffen. Die Türken sahen wohl, dass sie sich bei einem Angriff auf die Schanzen verbluten würden und setzten daher auf Aussitzen und Zermürbungstaktik. Je länger sich allerdings dieser Umstand hinzog, desto unhaltbarer wurde dies für die nunmehr belagerten Belagerer.

Im Lager der Kaiserlichen begannen sich Krankheiten auszubreiten, die Versorgungslage stellte sich durch den Mangel an Lebensmitteln nicht gerade rosig dar. Den Türken war es nämlich gelungen, einige Proviantschiffe zu kapern. Die Beschießung führte zudem zu vermehrten Ausfällen und - was als das bedrohlichste erschien - die Türken bekamen laufend Verstärkungen an Truppen zugeführt. Die Lage war also keineswegs so, als könnte man den Angriff der Türken auf die Schanzen beliebig lange abwarten. Der Schlachtplan des Prinzen Eugen drohte also zu scheitern.

... bei der Uhr um Mitternacht; da sollt' all's zu Pferd aufsitzen ...

Mitte August hatten die Türken damit begonnen, die Save-Brücken mit dem Ziel anzugreifen, eine Rückzugsmöglichkeit für das kaiserliche Heer abzuschneiden. Bei dieser gefährlichen Lageentwicklung war es für Prinz Eugen das Wichtigste, seine Handlungsfreiheit wieder zu gewinnen und dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen. Die bloße Verteidigung bzw. das Erwarten eines türkischen Angriffes erwies sich in diesem Szenario als ungeeignet, da den Türken das Gesetz des Handelns zur Gänze überlassen war. Belgrad drohte für die Kaiserlichen zur Falle zu werden. Gelänge es den Türken, auch noch die Verbindung über die Donau zu beeinträchtigen oder gar zu sperren, so dass weder ein Rückzug möglich noch eine ausreichende Versorgung der Truppen gewährleistet gewesen wäre, hätte der Feldherr mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Frieden bitten müssen - einen unrühmlichen Frieden, wie sich jeder ausmalen konnte.

Prinz Eugen musste also handeln. Und das Kriegsglück war ihm weiterhin hold. So geschah es, dass am 14. August durch eine auf die Festung abgefeuerte Mörsergranate das Hauptmunitionslager getroffen wurde. Die gewaltige Explosion legte große Teile der Stadt in Trümmer und beschädigte einen Teil der Befestigungsanlagen schwer. Unter der Besatzung waren enorme Verluste zu beklagen. Diesen Glücksfall nutzte Prinz Eugen aus und fasste den Entschluss zum Angriff gegen das türkische Entsatzheer. Er hielt dazu keinen Kriegsrat mit seinen Generälen ab, sondern fasste einen freien Entschluss und setzte seine Unterführer bei einer Befehlsausgabe am Nachmittag des 15. August darüber in Kenntnis.

Es musste weiterhin eine Zweifrontenoperation geführt werden, da bei einem Angriff auf das Entsatzheer zu erwarten war, dass die Festungsbesatzung einen Ausfall in den Rücken der Kaiserlichen vornehmen würde, um bei dieser Entscheidungsschlacht nicht untätig zu sein und damit möglicherweise in Teilen geschlagen zu werden. Prinz Eugen rechnete mit etwa 25 000 kampffähigen und ausfallsbereiten Truppen in der Festung, weswegen er in den Schanzen gegen Belgrad 10 000 Mann zur Verteidigung derselben vorsah. Der gesamte Rest seiner Streitmacht belief sich auf knapp 60 000 Mann, mit denen er den Angriff vortragen wollte. Auf türkischer Seite lagen ihm rund 200 000 Mann gegenüber.

Prinz Eugen hatte den Gegner studiert, und aus seiner Erfahrung heraus sowie aufgrund der genauen Kunde über das Feindverhalten wies er seine Generäle an: „Man muss dem Soldaten zu erkennen geben, dass wir mit Türken, Tartaren und derlei flüchtigen Feinden zu thun haben, von welchen, wenn man geschlossener haltet und wohl tut, nichts zu besorgen habe. (...) Auch dass die flüchtigen Völker allezeit ihrem Feind in Rücken zu kommen suchen, derohalben, wenn etwas dergleichen geschähe, keiner sich deshalb umkehren soll (...)“ Der Prinz befahl damit eine geschlossene Schlachtordnung, um mit der vollen Wucht der Infanterie zu treffen: „Die Infanterie soll ihr Feuer auf eine solche Art ab- und austeilen, dass sie ein beständiges Feuer machen und erhalten möge, indem die Erfahrung gegeben, dass die Türken besser durch die Kontinuität, als die Stärke des Feuers in Respekt gehalten.“ Bei den damaligen relativ komplizierten und langwierigen Ladevorgängen verlangte dies den Kommandanten und Soldaten ein sehr diszipliniertes, exerziermäßiges Verhalten auf dem Schlachtfeld ab. Insgesamt waren es 16 solcher Anweisungen, die Prinz Eugen seinen Unterführern nebst der vorgesehenen Schlachtordnung erteilte.

Aber dennoch befanden sich die Kaiserlichen in einer deutlichen numerischen Unterlegenheit, die nur durch eine völlige Überraschung der Türken ausgeglichen werden konnte. Es sollte nach den Anweisungen des Prinzen keine großen Aufmarschbewegungen und Bereitstellungen geben, sondern um Mitternacht auf den 16. August beginnend die Kavallerie aus den Verschanzungen ins Freie geführt werden. Die Infanterie sollte ab drei Uhr morgens folgen. Diese nächtliche Operation erfolgte unter größtmöglicher Tarnung, um bei aufkommendem Tageslicht die Türken unmittelbar anfallen zu können und ihnen möglichst keine Zeit mehr zu größeren Formierungen zu geben. Dabei war die Gefahr groß, dass sich Truppenteile in der Nacht verirrten, was auch tatsächlich passierte. Der linke und der rechte Flügel hatten sich nach außen gewandt und damit im Zentrum eine Lücke entstehen lassen, wohin nun starke türkische Reiterei eindrang und die vordersten Teile, das sogenannte „Erste Treffen“, aufzubrechen drohte. Zusätzlich behinderte starker Morgennebel die Orientierung. Prinz Eugen erkannte diese Gefahr. Er selbst führte das Zweite Treffen der Infanterie in diese Lücke hinein und bereinigte die Krise. Eben weil die Lage sehr ungewiss und der Nachtangriff durch den Prinzen als äußerst schwierig beurteilt worden war, hatte er nicht sofort die Masse seiner Truppen in die Schlacht geworfen. Dem entgegen beherzigte er den Führungsgrundsatz der Reservenbildung insofern, als er ca. ein Drittel seiner Streitkräfte, also etwa 20 000 Mann Fußtruppen und Reiterei, als Reserve (Drittes Treffen) zurückhielt, um sie zur Bereinigung von zu erwartbaren krisenhaften Situationen zielgerichtet einsetzen zu können.

Die Überraschung war gelungen, denn die Türken hatten niemals mit einem Nachtangriff gerechnet - ein solcher galt in der damaligen Zeit als ein absolutes Novum. Bei Tagesanbruch gelang es den Kaiserlichen, mit einer wuchtig vorgetragenen Kavallerieattacke die auf einem Hügel positionierte türkische Artillerie zu überrennen. Um acht Uhr morgens war die Schlacht entschieden, die Türken wandten sich zur Flucht. Die Kaiserlichen setzten nur soweit nach, als sie sicher gehen konnten, dass die Türken sich nicht mehr neu formierten, sondern entlang der Morava unter Aufgabe der besetzten Stützpunkte an der Donau nach Niš zurückmarschierten. Noch am selben Tag schreibt der Prinz an den Kaiser: „Demnach Gott der Allmächtige den allgerechten kaiserlichen Waffen heute Morgen einen vollkommenen Sieg gegen den Erbfeind, mit Eroberung der völligen Artillerie, des ganzen Lagers und der Kanzlei verliehen hat [...]“, würden die weiteren Partikularitäten noch erfolgen.

Am 20. August bereits bot die Festung Belgrad bei freiem Abzug die Kapitulation an, womit die wichtigste Partikularität erledigt war. Der Prinz gewährte den verbliebenen 20 000 Mann der osmanischen Streitmacht einen freien Abzug, jedoch unter Zurücklassung sämtlichen Kriegsmaterials. Dies wurde angenommen, und so konnte am 22. August der Einzug der Kaiserlichen in die Festung erfolgen. Insgesamt hatten die Kaiserlichen 4 400 Gefallene zu verzeichnen sowie 2 800 tote Pferde, bei den Türken schätzte man die Zahl auf über 8 000 Gefallene.

... auf die Türken, auf die Heiden, dass sie laufen all' davon

Nach dieser Niederlage wurden sofort auch alle türkischen Truppen aus dem Raum Banat zurückgenommen und die tatarischen Streifscharen in Siebenbürgen abgezogen. Der Vorstoß eines kaiserlichen Korps in den bosnischen Raum, den der Prinz nur widerwillig genehmigt hatte, war nicht von Erfolg gekrönt. Dennoch wagten es die Türken nicht mehr anzugreifen. So wurden die neu eroberten Gebiete gesichert und beginnend mit Anfang Oktober die Winterquartiere bezogen.

Lange Friedensverhandlungen des Wiener Hofes mit der Hohen Pforte ermöglichten erst am 21. Juli 1718 einen endgültigen Friedensschluss, der in Passarowitz (heute: Požarevac/Serbien) feierlich unterzeichnet wurde. Dieser Friedensschluss brachte das gesamte Temesvarer Banat, Belgrad und einen großen Teil Serbiens südlich der Donau sowie die Kleine Walachei unter habsburgische Herrschaft. Zudem mussten die Türken den Kaufleuten aus Österreich die Freiheit des Handels und der Schifffahrt in allen Teilen des Osmanischen Reiches zubilligen. Prinz Eugen hatte an der Ausgestaltung des Friedensvertrages maßgeblich mitgewirkt, wozu er eine Vollmacht des Kaisers in den Händen hatte. Schließlich waren es exakt diese Schlacht um Belgrad und der anschließende Frieden, die Österreich zur europäischen Großmacht aufsteigen ließen.

Der Stern des Osmanischen Reiches begann allmählich zu sinken, dennoch gelang es ihm im Türkenkrieg von 1736 bis 1739, Belgrad wieder einzunehmen. Erst im Achten und damit letzten Österreichischen Türkenkrieg von 1787 bis 1791 eroberte Feldmarschall Laudon Belgrad wieder für den Kaiser. Allerdings wurde die Festung im Separatfrieden von Sistowa (heute: Svištov/Bulgarien) 1791 an die Türken zurückgegeben. Die Südostgrenze des Reiches blieb in den darauffolgenden Jahrzehnten stabil, auch als nach dem Unabhängigkeitsstreben der Serben im 19. Jahrhundert Belgrad die Hauptstadt des jungen Staates wurde. Erst das 20. Jahrhundert brachte dann jene Veränderungen, die den Balkan wieder als die jahrhundertealte Brücke zwischen Orient und Okzident in das Rampenlicht treten ließen. Der Balkanraum wird daher für die Völker Mitteleuropas immer von herausragender strategischer und sicherheitspolitischer Bedeutung sein. 

Oberst des Generalstabsdienstes MMag. DDr. Andreas Stupka

 

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