• Veröffentlichungsdatum: 17.01.2018
  • – Letztes Update: 27.02.2018

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Russlands neue Panzer

Rolf Hilmes

(Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC-BY-SA 3.0)
(Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC-BY-SA 3.0)

Am 9. Mai 2015 hat die russische Regierung bei der "Siegesparade" zum 70. Jubiläum des Kriegsende über das Deutsche Reichauf dem Roten Platz in Moskau der Welt und der eigenen Bevölkerung eine eindrucksvolle Schau der Macht, der Stärke und der Modernität demonstriert. Neben den bereits eingeführten Kriegsgerät wurden den Zuschauern auch neue Fahrzeuggenerationen präsentiert.

Die neuen Fahrzeuggenerationen heißen Armata, Kurganez und Bumerang, die gezielt in Hinblick auf die neue Struktur der russischen Landstreitkräfte entwickelt wurden. In dieser Struktur werden nicht mehr Divisionen die Kernelemente darstellen, sondern kleinere und flexibel einsetzbare Brigaden.

Es soll drei Brigadetypen geben wie

  • schwere Brigaden mit Fahrzeugen der Armata-Familie,
  • mittlere Brigaden mit Fahrzeugen der Kurganez-Familie und
  • leichte Brigaden mit Fahrzeugen der Bumerang-Familie sowie weiteren geschützten Radfahrzeugen.

Im vorliegenden Beitrag werden bestimmte gepanzerte Fahrzeuge aus technischer Sicht analysiert, wobei das Schwergewicht auf dem T-14 liegt. Die Angaben - insbesondere Zahlen - sind aus öffentlich zugänglichen Beiträgen des World Wide Webs entnommen worden. Eine Gewähr für die Richtigkeit kann dabei nicht garantiert werden.

Kampfpanzer T-14 Armata

T-14 während des Vorübens im Jahr 2017 für die Parade zum Sieg über Hiter-Deutschland. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)
T-14 während des Vorübens im Jahr 2017 für die Parade zum Sieg über Hiter-Deutschland. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)

Der Kampfpanzer (KPz) T-14 Armata mit seinem unbemannten Turm stellt das Flaggschiff der neuen Fahrzeuggenerationen dar und wurde in den russischen Medien als „Wunderpanzer“ deklariert - der allen derzeit eingeführten westlichen KPz weit überlegen wäre und den russischen Streitkräften langfristig einen erheblichen Vorsprung sichern würde. In der Tat stellt die Realisierung der scheitellafettierten Lagerung der 125-mm-Panzerkanone in einem unbemannten Turm, insbesondere für die russische Rüstungsindustrie (hier: Uralwagonsawod in Nischni Tagil) eine besondere und anerkennenswerte Leistung dar. 

Die letzte wirkliche Innovation im russischen Panzerbau war im Jahr 1967 das innovative Konzept des KPz T-64. Nach knapp 50 Jahren soll mit dem KPz T-14 erstmals wieder ein völlig neues Panzerkonzept in der russischen Panzertruppe eingeführt werden.

Eine wirkliche Innovation ist der KPz T-14 Armata jedoch nicht, da sich bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren alle wichtigen westlichen Nationen mit der Konzeption und Entwicklung von Scheitelpanzern (Die Mannschaft ist in einem gepanzerten Raum unterhalb der Waffenanlage verhältnismäßig geschützt untergebracht, während die Waffenanlage auf der Deckpanzerung dieses Raumes verhältnismäßig ungeschützt schwenkbar gelagert ist; Anm.) beschäftigt haben; teilweise wurden Versuchsträger (z. B. das Tank-Test-Bed in den USA - ein Prototyp des M1 „Abrams“ mit unbemanntem Turm; Anm.) gebaut.

Am Ende kam man jedoch zur Erkenntnis, dass (mit der damals verfügbaren Komponententechnologie) die technisch-taktischen Nachteile die möglichen Vorteile überwiegen - und man blieb weiterhin beim bewährten Turmkonzept. Die unbestreitbaren Vorteile des Scheitelkonzeptes liegen in der Realisierung einer maximal erdenklichen Überlebensfähigkeit für die Besatzung (bei einem vorgegebenen Gefechtsgewicht) und in der Möglichkeit für eine optimale ergonomische Gestaltung des Kompaktkampfraumes im Fahrgestell. Wie bei jedem Panzerkonzept stehen den Vorteilen aber auch nennenswerte Nachteile gegenüber: Diese betreffen die Bereiche

  • „Gefechtsfeldbeobachtung“ und „Situational Awareness“,
  • Zielaufklärung,
  • Automatisierung inklusive Zuverlässigkeit,
  • Waffennachführung, 
  • Notbetriebsmöglichkeiten,
  • Schutzniveau der Waffenanlage,
  • Erhaltung der Missionsfähigkeit etc.

Beim Kampfpanzer T-14 ist die dreiköpfige Besatzung (Kommandant, Richtschütze, Fahrer) in einem Kompakt-Kampfraum hinter einer starken Bugpanzerung platziert (siehe dazu auch TD-Heft 4/2016, „1916 bis 2016 - 100 Jahre Panzer“). Im Mittelteil der Wanne sitzt der unbemannte Turm mit der 125-mm-Panzerkanone 2A82 L/55 als Hauptwaffe. In der Unterlafette des Turmes befindet sich ein neuer Ladeautomat mit einer Kapazität von 32 Schuss (getrennte Munition).

Insgesamt sollen 45 Schuss am Fahrzeug für die Hauptwaffe mitgeführt werden. Als Nebenbewaffnung sitzt ein 7,62-mm-Maschinengewehr (MG) auf dem Rundblickperiskop des Kommandanten; das MG kann sicherlich auch über das Periskop geführt werden. Vermutlich ist im Turm auf der rechten Seite ein weiteres, koaxiales 7,62-mm-MG untergebracht - wie an dem schmalen Schlitz in der Turmfront erkennbar ist.

Feuerkraft

Die Feuerleitanlage des T-14 besteht zum einen aus dem stabilisierten Hauptzielgerät des Richtschützen, das auf der linken Seite des Turmes innerhalb einer Verkleidung positioniert ist. Es soll über einen Tag- und Nachtkanal (Vergrößerung: 4-fach/12-fach) sowie über einen Laser-Entfernungsmesser verfügen sowie eine Tracking-Funktion zur Unterstützung des Richtschützen haben. Zum Zweiten gehört auch das stabilisierte Rundblickperiskop des Kommandanten dazu - nach russischen Angaben soll es ebenfalls einen Tag- und Nachtkanal und einen Laser-Entfernungsmesser besitzen.

Ein ballistischer Schutz des Ausblickkopfes ist nicht erkennbar. Turm und Waffe werden über eine elektrische Richtanlage bewegt. Auf dem Turmdach befindet sich ein Sensorkopf, der meteorologische Daten in den Digitalrechner des Feuerleitsystems einspeist. Für die Beobachtung des Gefechtsfeldes bei geschlossener Luke verfügt der Kommandant über drei einfache Winkelspiegel in seiner Kommandantenluke - damit ist ihm bestenfalls eine optische Direktsicht über einen 180-Grad-Sektor möglich. Vom Rundblickperiskop und dem Hauptzielgerät im Turm werden der Besatzung über Videosignale die entsprechenden Bilder auf Displays angeboten. Die Auflösung und die Transparenz sind dabei deutlich schlechter als bei optischen Geräten mit Direkteinblick. 

Für die Beobachtung des Nahfeldes um das Fahrzeug herum sind sechs Kameras im Turm sowie eine Kamera auf dem Wannenheck vorgesehen. Insgesamt wird die „Situational Awareness“ für die Besatzung schlechter sein als bei herkömmlichen Turmpanzern. Als Ausgleich steht der Besatzung des T-14 eine digitale Lagekarte eines Führungs- und Waffeneinsatzsystems zur Verfügung. Darüber hinaus soll der Kampfpanzer über zwei Radargeräte (phasengesteuert) verfügen, die einerseits zur Zielaufklärung genutzt werden können und andererseits Daten in die Rechner der abstandsaktiven Schutzsysteme einspeisen.

Die Reichweite der Radargeräte ist geländeabhängig. Die digitale Lagekarte bietet zwar gute Informationen über Standorte der eigenen Truppe, aber grundsätzlich keine Informationen über die Position des Gegners. Lediglich voraufgeklärte und in das System eingegebene, gegnerische Fahrzeuge können angezeigt werden.

Bei der 125-mm-Panzerkanone L/55 soll es sich um eine Neuentwicklung der Waffenfabrik No. 9 in Jekaterinburg (Ural/Sibirien) handeln. Gegenüber der älteren 125-mm-Panzerkanone 2A46 M hat die neue Waffe einen größeren Laderaum und weist damit einen deutlich höheren Gasdruck (ca. 7 700 bar) auf. Das Rohr ist autofrettiert (Vergütungsverfahren für mechanische Bauteile, die höchste Drücke aushalten müssen; Anm.) und teilverchromt.

Angeblich soll für die neue Waffe auch ein neues Wuchtgeschoss (BPS-1 „Vakuum“) mit einem WSM-Penetrator (Länge: 961 mm) und einer Mündungs-geschwindigkeit von 1 950 m/s entwickelt worden sein. Die Durchschlagsleistung dürfte bei ca. 950 mm von gewalzter homogener Panzerung (rolled homogeneous armour - RHA) liegen. In Entwicklung soll sich ein Geschoß mit einer Durchschlagsleistung von bis zu ca. 1 100 mm (RHA) befinden. Sofern in der Praxis tatsächlich diese Werte erreicht werden, dürfte die Kanone 2A82 eine Mündungsenergie von ca. 15 Megajoul aufweisen - was in der Tat höher ist als bei der 120-mm-Langrohrkanone im Kampfpanzer „Leopard“ 2­A6. Der Preis für diese hohe innenballistische Leistung ist die geringe Rohrlebensdauer, die bei 200 bis 280 Schuss (Pfeilmunition) liegen soll. 

Die Hauptwaffe verfügt über eine Feldjustieranlage, die möglicherweise ständig arbeitet wie beim französischen Kampfpanzer „Leclerc“. Aus der Hauptwaffe kann auch eine lenkbare Rohrrakete verschossen werden. Die maximale Reichweite soll bei 8 000 m liegen, die geschätzte Durchschlagsleistung bis zu 1 200 mm (RHA) betragen.

Beweglichkeit

Im T-14 ist der bereits für das Kampfpanzerprojekt T-95 entwickelte 12-Zylinder-Dieselmotor mit zwei Abgasturboladern und Ladeluftkühlung mit einer Normalleistung von 1.200 PS eingebaut. (Foto: Markus Werren)
Im T-14 ist der bereits für das Kampfpanzerprojekt T-95 entwickelte 12-Zylinder-Dieselmotor mit zwei Abgasturboladern und Ladeluftkühlung mit einer Normalleistung von 1.200 PS eingebaut. (Foto: Markus Werren)

Bereits für den KPz T-95 (siehe dazu auch TD-Heft 3/2013, „Das russische Kampfpanzerprojekt T-95“) wurde vor vielen Jahren im Motorenwerk GSKP Transdiesel in Tscheljabinsk (Ural) der neue Motor A-85-3A/12 H 360 entwickelt. Es handelt sich um einen 12-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor mit zwei Abgasturboladern und Ladeluftkühlung. Um eine kompakte Bauweise (820 mm) zu erreichen, sind die Zylinder in X-Anordnung positioniert.

Die Nominalleistung beträgt 882 kW (ca.1 200 PS) bei 2 000 Umdrehungen pro Minute. Der Motor soll eine Kurzzeit-Höchstleitung von 1 103 kW (ca. 1 500 PS) abgeben können. Das Gewicht wurde mit 1 550 kg angegeben, der spezifische Kraftstoffverbrauch soll bei 219 g/Kilowattstunde liegen - ein extrem niedriger Wert. Dem Motor ist ein 12-Gang-Automatikgetriebe mit einer hydrostatischen Überlagerungslenkung nachgeschaltet. Der Kampfpanzer T-14 verfügt nunmehr über einen kompakten Triebwerksblock - dieses Triebwerkskonzept ist bei westlichen Kampfpanzern bereits seit über sechs Jahrzehnten üblich!

Das Fahrwerk des T-14 enthält unter anderem sieben drehstabgefederte Laufrollen pro Seite. An den Laufrollenstationen 1, 2 und 7 sollen semi-aktive Rotationsdämpfer mit einer rheologischen Flüssigkeit zum Einsatz kommen - diese Lösung ist bereits vom Obj. 195 (Grundlage für die Entwicklung des T-95; Anm.) her bekannt. Die Viskosität der Dämpferflüssigkeit kann durch ein Magnetfeld verändert werden. Die Steuerung der Dämpferkraft erfolgt über Sensoren, die die Federwege sowie den Nickwinkel der Wanne erfassen. Nach russischen Angaben wird mit dieser Technologie eine deutlich bessere Vorstabilisierung des Fahrgestelles erreicht. Auf dem Turmheck des T-14 wird ein Schnorchel mitgeführt, wodurch das Fahrzeug tiefwatfähig ist.

Schutz/Überlebensfähigkeit

Aufgrund seiner deutlich größeren Abmessungen und Silhouette gegenüber den Kampfpanzern T-72/T-90 (Wannenlänge plus 1 780 mm; Turmdachhöhe plus 320 mm) kann der T-14 auf dem Gefechtsfeld relativ schnell entdeckt werden. Im Hinblick auf eine Bedrohung durch intelligente Artilleriemunition ist die Infrarot-Signatur im Bereich des Triebwerkraumes möglicherweise hoch und daher kritisch. Infolge zahlreicher Winkel und Ecken dürfte der Turm (in der derzeit vorgestellten Form) auch einen relativ großen Radar-Rückstrahlquerschnitt (RCS) aufweisen. 

Um Treffer zu vermeiden, soll das Soft-kill-System (Abwehrsystem, das die Bedrohung neutralisiert, ohne sie zu zerstören; Anm.) mit der möglichen Bezeichnung „Ring“ beitragen. Dieses Soft-kill-System besteht aus vier Werferbatterien mit jeweils zwölf Nebelkörpern und wirkt durch den schnellen Ausstoß und die Bildung einer Aerosolwolke in Richtung des anfliegenden Lenkflugkörpers. Zwei Werfer sind drehbar auf dem Turmdach platziert.

Für den Schutz der oberen Hemisphäre dienen zwei senkrecht nach oben gerichtete, statische Werferbatterien, die im Turmdach eingelassen wurden. Vier Radarsensoren an der oberen Turmkante erfassen den frontalen sowie rückwärtigen Sektor. Durch den Einsatz von Radarsensoren wird gegenüber dem früheren „Shtora“-System eine deutlich höhere Wirksamkeit erreicht, weil die Radarsensoren alle Arten von Lenkflugkörpern erfassen können.

Sowohl auf der oberen Bugplatte wie auch im Bereich der Laufwerksschürzen können Reaktivpanzerungselemente (ERA) der siebeneten Generation ('Malachit') aufgebracht werden. Der seitliche Bereich des Triebwerksraumes verfügt über eine Käfigpanzerung (auch slat-armor genannt). (Foto: Markus Werren)
Sowohl auf der oberen Bugplatte wie auch im Bereich der Laufwerksschürzen können Reaktivpanzerungselemente (ERA) der siebeneten Generation ('Malachit') aufgebracht werden. Der seitliche Bereich des Triebwerksraumes verfügt über eine Käfigpanzerung (auch slat-armor genannt). (Foto: Markus Werren)
Die 125-mm-Panzerkanone L/55 2A82 des T-14 soll eine Neuentwicklung der Waffenfabrik No. 9 in Jekaterinburg sein. Die hohe innenballistische Leistung führt zu einer deutlich geringeren Rohrlebensdauer. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)
Die 125-mm-Panzerkanone L/55 2A82 des T-14 soll eine Neuentwicklung der Waffenfabrik No. 9 in Jekaterinburg sein. Die hohe innenballistische Leistung führt zu einer deutlich geringeren Rohrlebensdauer. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)
 

Zur Vermeidung eines Durchschlages von anfliegenden Projektilen dienen der ballistische Schutz und das aktive Hard-kill-System „Afganit“ (abstandsaktives Schutzsystem; Anm.). Als Duellsystem wird der stärkste Schutz beim T-14 im Bugbereich der Wanne konzentriert sein. Grobe Abschätzungen lassen hier eine Aufbaudicke (line of sight - LOS) von bis zu 1 100 mm erwarten. Die Sonderpanzerung dürfte aus einer modernen Mehrschichtpanzerung bestehen. Für die restlichen Partien von Wanne und Turm soll eine neu entwickelte Stahlsorte verwendet worden sein, die trotz einer hohen Härte noch eine ausreichende Zähigkeit aufweist.

Der Turm dürfte aus einem relativ schmalen Kernturm bestehen, dessen Seitenwände eine Stärke von ca. 80 mm haben. Die seitlichen Anbauteile zur Aufnahme der Sensorik und Effektoren bestehen wahrscheinlich nur aus einer dünnwandigen Blechkonstruktion. 

Sowohl auf der oberen Bugplatte als auch im Bereich der Laufwerksschürzen können Reaktivpanzerungselemente (ERA) der siebenten Generation („Malachit“) aufgebracht werden. Der seitliche Bereich des Triebwerksraumes verfügt über eine Käfigpanzerung (auch slat-armor genannt). Diese Schutztechnologie ist ein statistisch wirkender Schutz, der bei ca. 50 Prozent der Treffer von RPG-7-Granaten erwartet werden kann. Bei späteren Serienausführungen wird der Turm wahrscheinlich noch erhebliche Formänderungen erfahren. Insbesondere dürfte er zur Aufnahme von Reaktivpanzerungselementen (bis dato nur im Dachbereich erkennbar) optimiert werden.

Das abstandsaktive Hard-kill-Schutzsystem KA 3 „Afganit“ besteht aus jeweils fünf Werferrohren, die rechts und links auf dem Turmhals installiert sind. Vermutlich können aus den Werfern Spreng- und Splittergranaten verschossen werden, die ein anfliegendes Projektil ca. 15 bis 20 m vor dem Fahrzeug bekämpfen. Die Werfer erfassen einen Sektor von ca. 2 x 60 Grad vor dem Turm. Als Sensorik dienen zwei MMW-Radargeräte, die im Frontbereich des Turmes unterhalb der Sensorik des Soft-kill-Systems in einer Turmnische installiert sind. 

Resümee

Die umfangreiche Ausstattung des Kampfpanzers T-14 mit abstandsaktiven Schutzsystemen ist insbesondere für den Schutz des Turmbereiches erforderlich, da der Turm häufig exponiert ist und über einen relativ geringen Schutz verfügt. Obgleich Projektile mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1 700 m/s erfasst werden können, ist die angegebene Reaktionszeit von 0,001 Sekunden für eine erfolgreiche Bekämpfung von KE-Penetratoren zu lange­ (das heißt das System reagiert zu langsam).

Bezüglich der Reduzierung der Verwundbarkeit nach einem Durchschlag wird beim T-14 durch das Konzept der Abschottung (compartmentalization) der Nutzräume der größte Fortschritt erreicht. Durch die Abschottung des Munitionsraumes gegenüber dem Kom-pakt-Kampfraum und dem Kraftstoffraum entsteht im Wannenbereich allerdings eine Verdämmung für die Munition. Ob ein wirksames Konzept für einen effektiven Druckabbau bei einer Deflagration (schneller Verbrennungsvorgang, bei dem der Explosionsdruck nur durch die entstehenden und sich ausdehnenden Gase hervorgerufen wird; Anm.) der Treibladungen im Turm vorhanden ist, konnte aufgrund der bislang verfügbaren Informationen noch nicht geklärt werden. 

Möglichkeiten für die Besatzung zur Behebung von Störungen im Turmbereich bestehen beim T-14 nicht - im Gegensatz zu den früheren Turmpanzern. Notbetriebsmöglichkeiten bei Ausfall des Bordnetzes könnten im begrenzten Umfang vorhanden sein. Störungen im Schleifringübertrager (elektrische Energie wird von einem festen Bauteil in einen beweglichen Teil übertragen oder umgekehrt) wie durch Minenexplosionen unter der Wanne führen jedoch stets zu einem Missionsabbruch.

Im Hinblick auf die Komplexität, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Eigenschaften bezüglich Materialhaltbarkeit dürften die neuen russischen Panzerfahrzeuge für die russischen Streitkräfte eine absolute Herausforderung darstellen. Im Instandsetzungsbereich wird in Zukunft eine große Anzahl von Mechatronikern und Software-Spezialisten erforderlich sein.

Bedingt durch den hohen Automatisierungsgrad sowie die hohen Anteile an Elementen der Elektronik und der Datenverarbeitung soll der Stückpreis des T-14 bei ca. 400 Mio. Rubel (etwa 5,7 Mio. Euro) liegen, was das Dreifache der Kosten für einen Kampfpanzer T-90 wäre. Der Preis liegt dabei auch weit über den vom Verteidigungsministerium ursprünglich angesetzten Planwerten. Die technische Erprobung sowie die Truppenversuche mit den bislang gefertigten 33 Prototypen der ersten Generation waren bis Mitte 2016 abgeschlossen. Im Jahr 2016 wurde mit dem Hersteller ein Vertrag zur Lieferung von 100 Fahrzeugen (Vorserie und wahrscheinlich inklusive einiger Bergepanzer T-16) abgeschlossen. Nach firmeneigenen Angaben produzierte Uralwagonsawod im Jahr 2016 40 Stück, für 2017 waren 70 Stück geplant und ab 2018 sollen 120 Fahrzeuge pro Jahr ausgeliefert werden.

Ursprünglich sahen die russischen Planungen vor, dass bis zum Jahr 2025 ca.­

2 300 Fahrzeuge der schweren „Armata“-Reihe produziert werden können. Dies erscheint sowohl aus Kapazitätsgründen wie auch aus finanziellen Gründen unrealistisch.

Insgesamt muss damit gerechnet werden, dass sich das Erscheinungsbild der Fahrzeuge bis zur Serienversion noch erheblich ändern kann - insbesondere dürfte das Schutzkonzept nochmals optimiert werden. 

SPz T-15 Armata

Der Schützenpanzer T-15 - auffällig ist besonders die flache Bauform im Frontbereich. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)
Der Schützenpanzer T-15 - auffällig ist besonders die flache Bauform im Frontbereich. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)

Die zukünftigen russischen Landstreitkräfte sollen offenbar auch für Einsätze gegen asymmetrisch kämpfende Gegner in urbanen Regionen besser ausgerüstet werden. Eine konsequente Antwort auf dieses Szenario stellt der neue schwere Schützenpanzer T-15 dar. Er verfügt über einen breitbandigen Waffenmix und ein partiell hohes Schutzniveau. 

Das Fahrzeug verfügt - im Gegensatz zur Kampfpanzervariante - über ein Fronttriebwerk. Damit ist ein Heckzugang über eine Rampe zum hinteren Kampfraum möglich. Hinter dem Triebwerk ist der Platz für die drei Mitglieder der Stammbesatzung. Dahinter befindet sich der standardisierte und unbemannte Turm „Epoch“ vom russischen Rüstungsunternehmen KBP (Konstruktorskoje bjuro priborostrojenija),­ der als „Aufsetzturm“ gestaltet ist (also ohne Turmkorb wie beim deutschen Schützenpanzer „Puma“).

Die Hauptwaffe besteht aus der 30-mm-Maschinenkanone 2A42, für die 500 Schuss (Pfeil- und Hohlladungsgeschoße) verfügbar sind. Auf dem Turm sind zwei große Ausblickköpfe installiert, die dem Kommandanten und dem Richtschützen zugeordnet sind. Weiterhin sind an den Turmseiten 2 x 2 Abschussrampen für den Lenkflugkörper „Kornet“-EM adaptiert. Als Sekundärwaffe dient ein 7,62-mm-Maschinengewehr. Unter dem Turm und im Fahrzeugheck sollen acht Soldaten (Mot-Schützen) untergebracht sein. 

Auch dieses Fahrzeug ist mit einem Soft-kill- und einem Hard-kill-Schutzsystem ausgerüstet. Im Dachbereich befinden sich lediglich über dem Kampfraum Elemente einer Reaktivpanzerung, hingegen fällt der Schutz des Triebwerksraumes deutlich geringer aus. Die Hauptoptiken des Turmes sind völlig ungeschützt. Interessantes Detail: Der schwere Schützenpanzer T-15 wurde in den Jahren 2016 und 2017 bei den Paraden zum Sieg über das Deutsche Reich nicht mehr präsentiert. 

Da die Bewaffnung für dieses schwere und große Fahrzeug unterdurchschnittlich ist, kann vermutet werden, dass an besser bewaffneten Varianten gearbeitet wird. So wäre bei diesem Fahrzeug der unbemannte Turm des BMP-3 „Baikal“ mit einer 57-mm-Kanone denkbar. Man kann vermuten, dass die Entwicklung dieses Fahrzeuges nicht mehr mit hoher Priorität betrieben wird, zumal der T-15 größer (länger) ist als der Kampfpanzer T-14. Zudem liegt derzeit vermutlich noch kein schlüssiges Konzept für den taktisch-operativen Einsatz eines derartig schweren Schützenpanzers vor - sowie eine passende Einbindung des Fahrzeuges in die Strukturen der russischen Landstreitkräfte.

Panzerhaubitze 2S-35 „Koalizija“-SV

Die Panzerhaubitze 2S-35 'Koalizija'-SV. (Foto: Markus Werren)
Die Panzerhaubitze 2S-35 'Koalizija'-SV. (Foto: Markus Werren)

Im Jahr 2015 wurde als neues Fahrzeug die 152-mm-Panzerhaubitze 2S-35 „Koalizija“-SV präsentiert. Weil die Nutzung eines Fahrgestelles der Armata-Baureihe (z. B. wegen des großen Triebwerksraumes) zu einer nicht mehr akzeptablen Fahrzeuggröße geführt hätte, wurde für die neue Panzerhaubitze ein modifiziertes Fahrgestell des Kampfpanzers T-90 verwendet. Gegenüber der eingeführten 152-mm-Panzerhaubitze MSTA-S (2S-19) stellt der Turm das eigentliche innovative Element dar. Da sich die drei Besatzungsmitglieder vor dem Turm in der Wanne befinden, ist dieser unbemannt.

Die Geschoße sowie die modularen Treibladungen werden durch einen Ladeautomat zum Rohr zugeführt. Mit der neuen Waffe (2A88) und neuer Munition (inklusive neuem Laser-Lenkgeschoß) soll eine Reichweite von bis zu 60 Kilometern erzielt werden. Als Sekundärwaffe dient ein 12,7-mm-Maschinengewehr in einer fernbedienbaren Waffenstation auf dem Turmdach.

Mit dem unbemannten Turm steigen die Komplexität und die Kosten des neuen Waffensystems. Ein manueller Notbetrieb erscheint hier ausgeschlossen. Auch bleibt die Frage der Zuverlässigkeit unter Einsatzbedingungen ungeklärt. Um die angegebenen Schussweiten nutzen zu können, ist es auch notwendig, dass entsprechende Aufklärungsmittel vorhanden sind, welche die Aufklärungsergebnisse in Echtzeit an die schießenden Batterien liefern können.

Fahrzeuge der mittleren Kurganez-Familie

Neben den schweren Fahrzeugen der Armata-Familie wurden 2015 zwei Varianten des mittleren Schützenpanzers Kurganez-25 präsentiert. Diese Fahrzeuge wurden von der Firma Kurganmaschsawod (KMZ) entwickelt und gefertigt. Das Gefechtsgewicht soll bei 25 Tonnen liegen, so dass die Fahrzeuge (noch) schwimmfähig sind. 

In der Schützenpanzer-Variante verfügt das Fahrzeug über den Turm „Epoch“ mit einer 30-mm-Maschinenkanone und zwei Startvorrichtungen für den Lenkflugkörper „Kornet“-EM. Die Besatzung besteht aus drei Soldaten und vermutlich sechs Mot-Schützen. In der Mannschaftstransportwagen-Variante erhält das Fahrzeug einen kleineren Turm mit einem 12,7-mm-Maschinengewehr. Neben der dreiköpfigen Stammbesatzung könnte diese Variante möglicherweise acht Mot-Schützen aufnehmen.

Auffällig ist die voluminöse Seitenpanzerung, die offenbar Schutz gegen RPG-7-Granaten bieten soll und zugleich Auftriebsvolumen bereitstellt. Auch diese Fahrzeuge verfügen über ein Soft-kill- und ein Hard-kill-Schutzsystem. Mit den Fahrzeugen der Kurganez-25-Baureihe verlässt Russland das Konzept des BMP-3 (Heckmotor) und kommt wieder auf die klassische Bauweise (Fronttriebwerk, Heckausstieg) zurück, die z. B. im Westen mit dem AMX-13 VTP schon im Jahr 1955 vorgestellt wurde.

Im Vergleich zu den früheren russischen Schützenpanzern der Baureihe BMP-1 und BMP-2 fällt auch hier der dramatische Größenanstieg bei den neuen Fahrzeugen auf.

Die Schützenpanzer-Variante des Kuganez-25 verfügt über den Turm 'Epoch' mit einer 30-mm-Maschinenkanone und zwei Startvorrichtungen für den Lenkflugkörper 'Kornet'-EM. (Foto: Markus Werren)
Die Schützenpanzer-Variante des Kuganez-25 verfügt über den Turm 'Epoch' mit einer 30-mm-Maschinenkanone und zwei Startvorrichtungen für den Lenkflugkörper 'Kornet'-EM. (Foto: Markus Werren)
In der Mannschaftstransportpanzer-Variante hat das Fahrzeug einen kleineren Turm mit einem 12,7-mm-Maschinengewehr und mehr Platz für Soldaten. (Foto: Markus Werren)
In der Mannschaftstransportpanzer-Variante hat das Fahrzeug einen kleineren Turm mit einem 12,7-mm-Maschinengewehr und mehr Platz für Soldaten. (Foto: Markus Werren)
Heck der Kurganez-Schützenpanzer-Variante. (Foto: Vitaly V. Kuzmin)
Heck der Kurganez-Schützenpanzer-Variante. (Foto: Vitaly V. Kuzmin)
 

Fahrzeuge der leichten Bumerang-Familie

Als weitere Neuerung wurde 2015 der 8x8 Radschützenpanzerwagen Bumerang vorgestellt. Entgegen den früheren russischen Radschützenpanzern hat das Fahrzeug nunmehr ein Fronttriebwerk, neben dem auf der linken Seite der Fahrer sitzt. Damit ist ein Heckausstieg möglich. Gegenüber den früheren Fahrzeugen der BTR-Baureihe soll das Schutzniveau deutlich erhöht worden sein. Das Gefechtsgewicht dürfte bei ca. 18 bis 20 Tonnen liegen. Auch dieses Fahrzeug wurde mit dem Turm „Epoch“ ausgestattet. 

Das Fahrzeug ist schwimmfähig und soll die Basis für eine umfangreiche Fahrzeugfamilie bilden. Gegenüber den Modellen der BTR-Baureihe ist der neue Radpanzer in den Abmessungen ebenfalls erheblich größer, und das Gewicht stieg gegenüber der Vorgängergeneration um fast die Hälfte.

Schlussbemerkungen

Der 8x8 Radschützenpanzerwagen der Bumerang-Familie hat ein Gefechtsgewicht von bis zu 20 Tonnen. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)
Der 8x8 Radschützenpanzerwagen der Bumerang-Familie hat ein Gefechtsgewicht von bis zu 20 Tonnen. (Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 3.0)

Insgesamt stellen die vorgestellten Fahrzeuge moderne und leistungsfähige Systeme dar. Trotz erkennbarer Nachteile und Problembereiche werden sich insbesondere bei Kampfpanzern (Duellsysteme) in Zukunft Scheitelkonzepte immer mehr durchsetzen.

Viele der genannten Probleme können in ihrer Auswirkung in Zukunft möglicherweise durch den Einsatz von modernen, panzertauglichen und systemverträglichen Technologien (z. B. elektronische Führungshilfen und Informationssysteme), leistungsfähigere (d. h. hoch auflösende) optronische Sichtsysteme mit digitaler Bildverarbeitung und digitalen Darstellungsmitteln (Displays) und zuverlässigere mecha-tronische Bauelemente (zur leichteren Realisierung von Redundanzen bei automatisierten Funktionen) abgemildert oder sogar zufriedenstellend gelöst werden.

Bei den beschriebenen Fahrzeugen hängen im Einsatzfall das Leben und Überleben der Panzerbesatzungen im hohen Maß von der Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit einer Vielzahl an elektronischen Rechnern mit einem entsprechenden Software-Umfang ab, denn Systemabstürze unter Bedrohung können tödlich sein.

Offen bleibt die Frage, ob die russische Industrie in der Lage sein wird, die technisch anspruchsvollen Baugruppen mit der notwendigen Präzision und Qualität in Serie zu fertigen. Realistischerweise muss in dem gesamten „Runderneuer­ungs-­Programm“ mit Zeitverzögerungen und Stückzahlreduzierungen gerechnet werden. Auch dürften sich die Exporthoffnungen - zumindest für die schweren, komplexen und teuren Armata-Fahrzeuge - kaum erfüllen.

Dipl.-Ing. Rolf Hilmes publizierte zahlreiche Artikel und Fachbücher zum Thema Panzer.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Michael Kauf // 22.02.2018, 14:58 Uhr Sehr geehrte Redaktion!
    Es ist sicher richtig, dass bei heutigen Gefechten und bei Kriegen technisch hochstehender Staaten die Militärfahrzeuge nicht mehr so lange durchhalten müssen, wie vielleicht noch vor 20 oder 30 Jahren. Aber wenn man zum Preis von einem T-14 auch drei T-90 bekommt, so scheint es mir nicht nur aus diesem Grund sinnvoller, auf etwas technischen over-kill zu verzichten. Der erhöhte Schutz der Besatzung ist durch deren weit komplexere und damit teurere Ausbildung notwendig. Ob aber ein Scheitelkanonenturm die Lösung ist, bezweifle ich. Nach der vorliegenden technischen Beschreibung ist sowohl mit raschen Ausfällen aufgrund z. B. ungeschützter Optiken, etc. zu rechnen (Scharfschützen sind nicht umsonst künftig noch gefragter als heute) als auch durch längere Reparaturdauer usw..
    Rußland scheint auf besser ausgebildete Soldaten zu setzen und nicht mehr die schiere Masse. Der T-14 ist m. E. aber nicht der letzte Schluss. Dasselbe gilt auch für die Panzerhaubitze. Besser alltagstauglich und somit im Gefecht erfolgreich dürften die mittleren und leichten Fahrzeuge sein.
    Diese Probleme gibt es aber auch bei westlichen Armeen, es sollte nicht alles produziert werden, nur weil es technisch machbar und "colles hight-tec" ist - man braucht ja nur die an die Probleme mit seinem eigenen PC denken!
    Beste Grüße!
    Michael Kauf, OltdRes