• Veröffentlichungsdatum: 17.08.2017
  • – Letztes Update: 06.09.2017

  • 3 Min -
  • 604 Wörter

Psychologie: Stimmungsbild Kaderanwärterausbildung

Günther Kreiml

Im September 2016 fiel der Startschuss für die Kaderanwärterausbildung Neu, die einen großen Zulauf von Interessenten verzeichnen konnte.

Im Auftrag des Kommandanten der Heeresunteroffiziersakademie, Brigadier Nikolaus Egger, habe ich in schriftlicher Form eine Stichprobe von insgesamt 94 Lehrgangsteilnehmern der Ersten Kaderanwärterausbildung 1 befragt. Ziel dieser Erhebung in den ersten Ausbildungswochen war es, die noch frischen Eindrücke der 64 Männer und 30 Frauen einzufangen. Von besonderem Interesse waren ihre Motive für die Wahl der Ausbildung und ihre Meinung über den Teilbereich des Österreichischen Bundesheers, in den sie nun an der Schwelle zwischen zivilem und militärischem Leben eingetaucht waren.

Die vier am häufigsten genannten Motive waren die Sportausbildung und die Möglichkeit zur Sportausübung in der Dienstzeit, die erlebte Kameradschaft und der freundschaftliche Zusammenhalt in der Ausbildungsgruppe, die gute Bezahlung während der Ausbildung und das Interesse an der Tätigkeit in einem besonderen und abwechslungsreichen Berufsfeld.

Ein auffälliges Ergebnis der Untersuchung ist, dass die weiblichen Lehrgangsteilnehmer das Österreichische Bundesheer in deutlich höherem Ausmaß als kompetenten, attraktiven und sympathischen Arbeitgeber bewerten, als es die männlichen Teilnehmer taten. Trotz des überdurchschnittlich positiven Meinungsbildes, das die Kaderanwärter beiderlei Geschlechtes vom Bundesheer hatten, konnten ihre Erwartungen in manchen Bereichen sogar noch übertroffen werden.

Respektvolle Behandlung

Am meisten überraschte die Kaderanwärter neben dem ansprechenden Inhalt und der abwechslungsreichen Gestaltung der Ausbildung, der freundliche Umgangston aller Ausbilder, sowohl der der Männer als auch der der Frauen und die respektvolle und faire Behandlung. Zum Zustand militärischer Unterkünfte und der Qualität der Verpflegung dürften in der Bevölkerung noch Geschichten aus Zeiten von Massenschlafsälen und Dosenbrot weit verbreitet sein. Die Lehrgangsteilnehmer waren jedenfalls von den modern eingerichteten Zimmern und den angebotenen Mahlzeiten angetan.

Nicht gerechnet hatten viele Kaderanwärter hingegen mit den teilweise langen Ausbildungstagen. Sie hätten sich mehr Freizeit gewünscht. Damit ist auch verständlich, dass viele von ihnen - besonders die weiblichen Lehrgangsteilnehmer - die ersten Wochen auf dem ungewohnten militärischen Terrain als stressig erlebt haben.

Fünf Monate später, am Ende des ersten Ausbildungsabschnittes, wurde vom Referat Ausbildungsplanung & Qualitätsmanagement der Heeresunteroffiziersakademie eine Abschlussbefragung durchgeführt. Die Kaderanwärter beherrschen in dieser Phase der Ausbildung militärische Grundfertigkeiten und sind mit allen Aspekten des Kasernen- und Ausbildungsbetriebes vertraut. Diese Lehrgangsevaluierung hatte einen Rücklauf von 465 auswertbaren Fragebögen und enthielt auch psychologisch interessante Aussagen.

Ein Rekrut schrieb: „Die Zeit an der Heeres­unteroffiziersakademie war für mich sehr schön. Wir haben sehr viel gelernt und die tolle Kameradschaft schweißte unsere Gruppe zusammen.“ Ein anderer meinte: „Ich habe vor allem die Ausbilder als sehr positiv erlebt, da diese stets motiviert waren und mit allen Mitteln versuchten, uns so gut wie möglich auf unsere weitere Laufbahn vorzubereiten.“

Einige der Lehrgangsteilnehmer sind in diesem ersten Ausbildungsabschnitt militärisch richtig „warm gelaufen“ und wünschten sich körperlich und psychisch noch mehr gefordert zu werden, oder wie sie es bezeichneten: „Eine härtere Ausbildung“, damit sie ihre Leistungsgrenzen kennenlernen und erweitern könnten. Dazu kann nur angemerkt werden noch etwas Geduld zu haben. Die Ausbildung ist so konzipiert, dass die Anforderungen in angemessenem Tempo steigen und so allen Kaderanwärtern ermöglicht, über sich hinauszuwachsen.

Gut bis sehr gut ausgebildet

Zu Ausbildungsinhalten und den Lehrmethoden befragt, gaben über 95 Prozent der Lehrgangsteilnehmer an, dass sie sich in den relevanten Inhalten gut bis sehr gut ausgebildet fühlen. Etwa 90 Prozent von ihnen trauen sich die Führung eines Trupps in unterschiedlichen militärischen Situationen wie der Sicherung oder dem Feuerkampf zu. Einige Kaderanwärter empfinden jedoch die Ausbildung als zu theorielastig. Sie wünschen sich mehr praktische Ausbildung, um Abläufe zu automatisieren und noch mehr Handlungssicherheit zu gewinnen.

Insgesamt ein tolles Feedback für die ausbildungsverantwortlichen und -durchführenden Dienststellen, die viele junge Menschen von heute wieder verstärkt für das Österreichische Bundesheer zu begeistern vermögen.

OR Mag. Günther Kreiml ist Militärpsychologe an der Heeresunteroffiziersakademie.

 

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