• Veröffentlichungsdatum: 20.09.2018
  • – Letztes Update: 12.10.2018

  • 7 Min -
  • 1489 Wörter
  • - 16 Bilder

Memorial Museum of the Battle of Normandy

Tristan Nikischer

Schwerer britischer Sturmpanzer „Churchill“. (Foto: RedTD/Nikischer)

13 Kilometer von Omaha-Beach entfernt befindet sich die verschlafene Kleinstadt Bayeux. Enge Kopfsteinpflaster-Gassen führen durch die beschauliche normannische Stadt. Jahrhunderte alte Fachwerkhäuser sind lebende Zeugen der mittelalterlichen Baukunst. Die Flamboyant-gotische Kathedrale Notre-Dame de Bayeux erhebt sich 95 Meter hoch im Ortszentrum. Die Zeit scheint an diesem Ort stillgestanden zu sein. Fast unvorstellbar, dass vor 74 Jahren diese so ruhige und friedliche Region Frankreichs einer der wichtigsten und umkämpftesten Schauplätze des Zweiten Weltkrieges war.

Mit ihrer Landung in der Normandie 1944, der „Operation Overlord“, eröffneten die Westalliierten im Zweiten Weltkrieg eine zweite Front gegen das Deutsche Reich. Das „Memorial Museum of the Battle of Normandy“ in Bayeux widmet sich vollständig diesem Thema. Auf 2.300 m² Fläche werden zwei Monate Kriegsgeschehen - vom „D-Day“, der Landung alliierter Truppen an den Stränden der Normandie am 6. Juni 1944, bis zum Ende der Schlacht in der Normandie, die mit dem 29. August 1944, der endgültigen Befreiung und Übergabe von Paris an ein französisches Komitee festgelegt ist - vermittelt. Nach über vier Jahren Besatzung durch die Deutschen begann mit dieser Landungsoperation die „Liberation“ (Befreiung) Frankreichs.

Das Museum befindet sich nahe einer Ringstraße. Diesen „By-pass“ haben britische Pioniere nach dem Erreichen der Stadt im Juni 1944 errichtet, da die Innenstadt für schwere Fahrzeuge unpassierbar war. Da in Bayeux keine deutschen Truppen stationiert waren (die Garnison wurde nach Caen beordert), gab es keinen Kampf um die Stadt. Sie wurde somit mit ihren historischen Gebäuden unversehrt als erste Stadt Frankreichs am 8. Juni 1944 befreit. General Charles de Gaulle hielt eine Woche nach der Befreiung seine erste Rede auf französischem Boden in der damals knapp 10.000 Einwohner zählenden Ortschaft. 

Das Museum präsentiert auf einer Fläche von 2300 m² eine umfangreiche Sammlung. (Foto: RedTD/Nikischer)

Panzer und Kartenmaterial

Beim Betreten des Museumsgeländes begrüßen einige alliierte Panzer den Besucher: Der amerikanische Jagdpanzer M10 „Wolverine“ und ein mittlerer M4 „Sherman“-Kampfpanzer sind kaum zu übersehen. Auch ein schwerer britischer Sturmpanzer vom Typ „Churchill“ kann bestaunt werden. Sie sind auf der Rasenfläche vor dem eigentlichen Museumsgebäude ausgestellt. Es fehlen Schilder/Tafeln, die die Panzertypen benennen sowie Zahlen, Daten, Fakten bzw. Informationen zu ihrer Einsatzgeschichte - für Besucher ohne Vorwissen ist das schade und sicherlich verbesserungswürdig.

Amerikanischer Jagdpanzer M10 „Wolverine“. (Foto: RedTD/Nikischer)
Amerikanischer mittlerer Kampfpanzer M4 „Sherman“. (Foto: RedTD/Nikischer)

Im ersten Raum des Museums werden wichtige Kommandanten und Persönlichkeiten mittels Tafeln vorgestellt: Angefangen beim deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel, über den britischen Field Marshal Bernard Montgomery bis hin zum Supreme Commander der Allied Expeditionary Force in Europa, der amerikanische General Dwight D. Eisenhower (der spätere US-Präsident, Anm.) - um nur einige von ihnen zu nennen. Im gleichen Raum werden die Operationspläne und Hintergründe der „Operation Overlord“ mittels plakativem Kartenmaterial, das große Teile der Wände schmückt, vermittelt. Eine Tafel erklärt den Invasionstermin, der eigentlich für Mai 1944 vorgesehen war, dann aber aufgrund der Wetterlage auf den 6. Juni verschoben werden musste.

In einer Vitrine werden einige Ausrüstungsgegenstände - hauptsächlich amerikanische - ausgestellt. Über einem Flur, der mit Originalfotos der Verladung alliierter Truppen und Fahrzeuge auf Landungsschiffe in englischen Häfen gespickt ist, gelangt man in den nächsten Raum. Anschauliche, zeitgemäße Infografiken erläutern die Ausgangslage: Wie viele und welche Divisionen stellte welches Land zu welchem Zeitpunkt der Schlacht um die Normadie? Wie waren die jeweiligen Land-, Luft- und Seekräfte aufgestellt und ausgerüstet? Welche Täuschungsaktionen zur Verschleierung der „Operation Overlord“ führten die Alliierten aus? Wie bereitete sich die Deutsche Wehrmacht auf die Abwehr einer Landung vor?  

Operation Neptune - Truppenlandung in der Normandie

Im nächsten Raum, einem achteckigen Pavillon mit hohen Wänden, wird der erste Tag der Landung veranschaulicht. Wie auch die Räumlichkeiten des Museums verändert sich die Didaktik und das Tempo der Ausstellung: Kartenmaterial, Infotafeln und drei Meter hohe Fotowände zeigen den Verlauf der ersten entscheidenden Tage der „Operation Neptune“ (Deckname für die Landung der amphibischen und Luftlandekräfte). Dazu kommen immer mehr Ausrüstungsgegenstände, unter anderem von Fallschirmjägern. „Operation Neptune“ war die größte militärische Landungsaktion, die jemals durchgeführt wurde. Über 600 Schiffe versammelten sich vor der normannischen Küste, was die größte Schiffsansammlung aller Zeiten darstellt. Große Luftlandeoperationen begannen ebenfalls kurz nach 0000 Uhr am 6. Juni, die unter anderem die Sicherung von wichtigen Brücken und Straßen sowie die Zerstörung von Artillerie-Batterien zum Ziel hatten. 

Verladung von Flugabwehrgeschützen für die Landung in der Normandie. (Foto: War Office official photographer Hardy Bert/gemeinfrei)
Verladung von Flugabwehrgeschützen für die Landung in der Normandie. (Foto: War Office official photographer Hardy Bert/gemeinfrei)
Alliierte Landungsschiffe vor der Küste der Normandie, 6. Juni 1944. (Foto: Parnall, C H Lt./Royal Navy official photographer, gemeinfrei)
Alliierte Landungsschiffe vor der Küste der Normandie, 6. Juni 1944. (Foto: Parnall, C H Lt./Royal Navy official photographer, gemeinfrei)
„Into the Jaws of Death“ - US Soldaten landen am Omaha Beach. (Foto: CPHoM Robert F. Sargent/gemeinfrei)
„Into the Jaws of Death“ - US Soldaten landen am Omaha Beach. (Foto: CPHoM Robert F. Sargent/gemeinfrei)

Der „Atlantikwall“

Die Didaktik des Museums ändert sich wieder: Die Tafeln/Karten nehmen ab und immer mehr originale, historische Gegenstände und sogar größere Objekte, die in keine Vitrine mehr passen, können bestaunt werden. Ein sogenannter Tobruk-Bunker (Ringstand), der mit dem Turm eines französischen Panzers bewaffnet ist, befindet sich in der Mitte des Raums und macht den Anfang. Die Widerstandsnester in der Normandie (befestige deutsche Anlagen an der Küste) bestanden unter anderem aus diesem Bunkerbauwerk. Sie waren Teil des „Atlantikwalls“, der sich von Norwegen über Dänemark und die Niederlande bis an die südwestliche französische Atlantikküste streckte. 

Deutscher Tobruk-Bunker/Ringstand. (Foto: RedTD/Nikischer)
Deutscher Tobruk-Bunker/Ringstand. (Foto: RedTD/Nikischer)

Eine seiner schwächsten bzw. am wenigsten ausgebauten Stellen war in der Normandie. Historiker sind sich darin einig, dass dieses Befestigungsprojekt „hochpropagandisiert“ wurde und der Atlantikwall letztlich viel schwächer als von den Alliierten ursprünglich angenommen war. Das lag vor allem am Baufortschritt und den vorhandenen bzw. fehlenden Ressourcen (Mensch und Material). Sogar der damalige deutsche Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, sagte über den Atlantikwall, dass er „nichts weiter als ein riesiger Bluff“ sei.

Dennoch konnten die Deutschen den Amerikanern am Omaha Beach an manchen Landungsabschnitten extrem hohe Verluste zufügen, was nicht nur an den Widerstandsnestern lag, sondern auch an anderen Faktoren, wie etwa den eigenen Fehlern der Alliierten. So warfen wegen der tiefliegenden Wolkendecke über 300 schwere Bomber ihre Bomben entweder 30 Sekunden zu spät oder gar nicht über den Stränden ab - die deutschen Verteidigungsanlagen blieben unbeschädigt. Auch das vorbereitende Trommelfeuer der Schiffsartillerie verfehlte großteils sein Ziel. Dazu kamen noch der unruhige Seegang und die Gezeiten: Sie spielten an diesem Tag eine entscheidende Rolle - viele alliierte Landungsboote drifteten ab und kamen an anderen Landungsabschnitten an. Einige Steuerleute waren unerfahrene, junge Matrosen der Royal Navy. Die durch den Beschuss von Rauch und Staub erfüllte Luft erschwerte ihnen die Navigation mittels Orientierungspunkten. Dies führte zu zusätzlichem Chaos und unnötigen Verlusten. Ein Landungsboot landete beispielsweise 15 Kilometer entfernt vom eigentlichen Bestimmungsort. 

Konstruktion eines deutschen Tobruk-Bunkers auf Kreta. Der Bunkerbau war von der Deutschen Heeresleitung im „Regelbau“ standardisiert. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)
Konstruktion eines deutschen Tobruk-Bunkers auf Kreta. Der Bunkerbau war von der Deutschen Heeresleitung im „Regelbau“ standardisiert. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)
Nordfrankreich, Atlantikwall, deutscher Geschützbunker. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-294-1531-14/Müller/CC-BY-SA 3.0)
Ein deutscher Geschützbunker des „Atlantikwalls“ in Nordfrankreich. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-294-1531-14/Müller/CC-BY-SA 3.0)

Ausrüstungsgegenstände, Fahrzeuge und Waffen

Nach Verlassen des „Pavillons“ betritt der Besucher die Haupträumlichkeiten des Battle of Normandy Museums, ein noch größeres Achteck. In dieser Halle kann man sich frei bewegen und die einzelnen „Stationen“ ablaufen. Der Weg ist chronologisch vorgegeben: Die Schlacht in der Normandie wird auf gewohnten Karten und Infotafeln tageweise betrachtet. Zwischendurch reihen sich Ausrüstungsgestände, diesmal auch viele deutsche, und zusätzliche Infotafeln und Vitrinen, die „Sonderthemen“ wie etwa Strategie und Taktik, Truppenverbände beider Seiten sowie Persönlichkeiten des Krieges - unter anderem den französischen General Charles De Gaulle - ausführlich behandeln. Dazu kommen Waffen und kleinere Fahrzeuge, unter anderem die berühmt-berüchtigte deutsche 8,8-cm-Flugabwehrkanone, ein amerikanisches 40-mm-Bofors-Geschütz, eine 7,5-cm-Panzerabwehrkanone 40 und ein kleines Kettenkraftrad vom Typ HK 101. 

Deutsche 7,5-cm-Panzerabwehrkanone 40 (PaK 40). Sie war das meist eingesetzte Panzerabwehrgeschütz der Werhmacht. (Foto: RedTD/Nikischer)
Deutsche 7,5-cm-Panzerabwehrkanone 40 (PaK 40). Sie war das meist eingesetzte Panzerabwehrgeschütz der Werhmacht. (Foto: RedTD/Nikischer)

Die Haupträumlichkeiten sind mit einer Vielzahl von historischen Gegenständen ausgestattet. Interessanterweise gibt es gefühlt mehr deutsche als amerikanische oder britische Objekte. Von Handfeuerwaffen, über Panzerabwehrwaffen bis hin zu Uniformen - eine breite Palette gibt einen guten Überblick über die damalige Bewaffnung und Ausrüstung. Fahrzeugliebhaber kommen ebenfalls nicht zu kurz: Neben den bereits erwähnten Panzern vor dem Gebäude gibt es im Inneren unterschiedliche Fahrzeugtypen, etwa einen Jeep „Willys“, eine britische Panzerhaubitze, Sonderkraftfahrzeuge und LKWs, die man nach dem Durchschreiten des Hauptraumes in einer weiteren, noch größeren Halle besichtigen kann. Den Museumsbesuch rundet ein circa dreißigminütiger Dokumentarfilm, der jede Stunde in einem Kinosaal gezeigt wird, ab. Dieser fasst das bereits Gezeigte mit Original-Filmaufnahmen zusammen. Ein Kritikpunkt an dem Film ist jedoch die veraltete Aufmachung - er scheint in die Jahre gekommen zu sein, da die filmische Darstellungsweise einer amerikanischen Wochenschau aus den 1950er-Jahren ähnelt. Nach Verlassens des Museums werden die Besucher noch von einem deutschen Jagdpanzer 38(t) und einer 12,8-cm-Flak-Zwilling 40, die sich beim Ausgang befinden, „verabschiedet“. 

Amerikanischer Kriegspressefotograf mit Jeep „Willys“. (Foto: RedTD/Nikischer)
Amerikanischer Kriegspressefotograf mit Jeep „Willys“. (Foto: RedTD/Nikischer)
Britische Selbstfahrlafette „Sexton“. (Foto: RedTD/Nikischer)
Britische Selbstfahrlafette „Sexton“. (Foto: RedTD/Nikischer)
Alliierte Handfeuerwaffen: Thompson-Maschinenpistole, M3 „Grease Gun“ Maschinenpistole und Pistole Colt M1911. (Foto: RedTD/Nikischer)
Alliierte Handfeuerwaffen: Thompson-Maschinenpistole, M3 „Grease Gun“ Maschinenpistole und Pistole Colt M1911. (Foto: RedTD/Nikischer)
Jagdpanzer 38(t) der Wehrmacht. (Foto: RedTD/Nikischer)
Jagdpanzer 38(t) der Wehrmacht. (Foto: RedTD/Nikischer)

Letzte Ruhestätten - Soldatenfriedhöfe in der Normandie

Einen „Katzensprung“ vom Museum entfernt befindet sich der größte britische Soldatenfriedhof auf französischem Boden. 4.000 Soldaten verschiedener Nationalitäten (Commonwealth-Staaten, Polen u. a.), die in der Schlacht um die Normandie fielen, haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Auf schlichten, weißen Kreuzen sind die Namen der Toten und die Einheiten, denen sie angehörten, verewigt. Einen weiteren Soldatenfriedhof findet man in Colleville-sur-Mer, direkt am Omaha Beach. Diesen erreicht man nach 25-minütiger Autofahrt von Bayeux aus. Über den weitgestreckten, bewachsenen Dünen auf einer tiefgrünen Rasenfläche wurden 9.385 amerikanische Soldaten, die ihr Leben in der Schlacht um die Normandie verloren haben, begraben. In La Cambe, zwölf Kilometer von Colleville-Sur-Mer entfernt, gibt es eine deutsche Kriegsgräberstätte. Dort haben 21.000 deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Insgesamt befinden sich zwei amerikanische, zwei kanadische, sechs deutsche und 16 britische Soldatenfriedhöfe in der Normandie. 

Britischer Soldatenfriedhof in Bayeux. Ruhestätte für 4.000 Soldaten. (Foto: RedTD/Nikischer)
Britischer Soldatenfriedhof in Bayeux. Ruhestätte für 4.000 Soldaten. (Foto: RedTD/Nikischer)

Resümee

Ein Besuch des „Memorial Museum of the Battle of Normandy“ in Bayeux lohnt sich für Historiker, Interessierte und Familien mit Jugendlichen, die an Militärgeschichte und dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere dem westlichen Kriegsschauplatz, interessiert sind. Viele originale Ausrüstungsgegenstände, Waffen und Fahrzeuge sind Teil der umfangreichen Sammlung des Museums. Die Hintergründe und der Verlauf der „Operation Overlord“ und des „D-Day“ werden didaktisch gut vermittelt. Auch die Stadt Bayeux selbst ist einen Besuch wert.

Tristan Nikischer, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

Ihre Meinung

Meinungen (0)