• Veröffentlichungsdatum: 20.03.2020

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k.u.k. Befestigungsanlagen in Bosnien und Herzegowina

Manuel Martinovic

(Fotos: Archiv Autor; Montage/Togl)
(Fotos: Archiv Autor; Montage/Togl)

Teil 2: Linie Kalinovik-Ulog-Obrnja-Nevesinje-Stolac

Die militärische Besetzung Bosnien und Herzegowinas durch Österreich-Ungarn im Jahr 1878 bedeutete für die Region den Beginn einer neuen Epoche. Das Land profitierte neben dem kulturellen Austausch vor allem von der Entwicklung und dem Bau moderner Kriegs- und Befestigungsanlagen. Eine der spannendsten militärischen Neuentwicklungen in diesem Bereich waren die sogenannten Gürtelfestungen.

Für die Befestigungsanlagen wurden voneinander unabhängige Forts und Zwischenstellungen um eine größere Siedlung oder Stadt ringförmig zusammengeschlossen, um eine Verteidigungseinheit zu erhalten. Gürtelfestungen wurden unter anderem in Trebinje, Bileca, Mostar und Sarajevo errichtet. Aber auch Zvornik, Visegrad, Foca und Gorazde zählten zu jenen Städten, die über eine eigenständige Befestigungseinheit verfügten. Diese nutzten natürliche Hindernisse - wie den Fluss Drina an der Grenze zu Serbien - oder bildeten im gemeinsamen Zusammenschluss einen durchgängigen Verteidigungring. Die erste Verteidigungslinie verlief durch Trebinje, Bileca und Avtovac, die zweite ging durch Kalinovik-Ulog (Obrnja)-Nevesinje. Die Befestigungszone von Mostar diente als Rückgrat, logistische Basis und Kommandoposten für die beiden Verteidigungslinien und war zugleich das administrative und militärische Zentrum der Herzegowina.

Die Verteidigungslinien verliefen entlang Trebinje-Bileca-Avtovac sowie Stolac-Nevesinje-Ulog-Kalinovik. Um die strategische wichtigen Städte Mostar und Sarajewo wurden Gürtelfestungen errichtet. (Grafik: CSUN, gemeinfrei; Montage/Togl)
Die k.u.k.-Verteidigungslinien verliefen entlang Trebinje-Bileca-Avtovac sowie Stolac-Nevesinje-Ulog-Kalinovik. Um die strategische wichtigen Städte Mostar und Sarajevo wurden Gürtelfestungen errichtet. (Grafik: CSUN, gemeinfrei; Montage/Togl)

Sperre Kalinovik 

Kalinovik ist ein Ort an der Grenze zwischen Bosnien und Herzegowina auf 1.080 Meter Seehöhe zwischen den Bergen Treskavica und Lelija. Die österreichisch-ungarische Armee errichtete dort, 40 km von der Staatsgrenze entfernt, ein Lager mit einer Verteidigungskaserne und einer weiteren Kaserne für etwa 500 Mann und 50 Pferde. Die Verteidigungsanlage der Stadt bestand nach 1908 aus insgesamt drei Forts: den Werken Gradina und Vezac und dem Wachhaus Vranja glava. Damit war Kalinovik entlang der Verteidigungslinie zweifellos am stärksten ausgebaut und spielte dadurch eine elementare Rolle bei der Verteidigung des Ostens von Bosnien und Herzegowina. Nach dem Krieg diente das Gebiet bis in die frühen 1990er-Jahre als Artillerie-Übungsgelände. Heute sind dort EUFOR-Truppen stationiert. Die Stadt bestand im Jahr 1879 aus lediglich elf Häusern mit 84 Einwohnern. 1910 stieg die Zahl auf 879 Einwohner an - darunter 571 Soldaten. Dieser Umstand lässt die Relevanz des Militärs für das demografische und wirtschaftliche Wachstum der Stadt erkennen. Kalinovik verfügte über einen eigenen Militärkommandoposten, einen Gendarmeriestützpunkt sowie eine Telegrafen- und Telefonstation. Im Stadtgebiet selbst befanden sich mit den Werken Vezac und Gradina sowie dem Wachhaus Vranja Glava insgesamt drei Forts.

(Foto: Archiv Autor)
In der Verteidigungskaserne Kalinovik konnten bis zu 500 Soldaten untergebracht werden. (Foto: Archiv Autor)
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Blick auf das Zeltlager Kalinovik. (Foto: Archiv Autor)
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Österreich-ungarische Soldaten in Kalinovik. (Foto: Archiv Autor)

Gradina

Das Werk Gradina war die längste österreichisch-ungarische Festung in Bosnien und Herzegowina und besaß eine Länge von 130 Metern. Vor dem Bau wurde mittels einer orographischen Analyse die geostrategisch beste Position für die Anlage bestimmt. Gradina liegt westlich von Kalinovik auf einer Höhe von 1.134 Metern und war mit zwei polygonalen Plattformen für 90-mm-Kanonen ausgestattet. Auf jeder Plattform befanden sich drei Artilleriegeschütze. Eine 35 Meter lange Rampe führte zu den einzelnen Plattformen. Das Fort verfügte über Öffnungen für Infanterieeinsätze in alle Richtungen. In der Mitte der Festung befand sich eine Kaserne, in der die Besatzung untergebracht war. Das Fort hatte Sichtkontakt zu den umliegenden Festungen, eine Telefonleitung und Wassertanks. Interessanterweise verfügten das Werk Gradina und das Werk Vezac unter der Kanonenplattform über keinen Munitionsaufzug, der bei Werkbefestigungen in Bosnien und Herzegowina zur Standardausstattung zählte. Das Fort kann noch heute besichtigt werden und befindet sich in einem guten Erhaltungszustand.

(Foto: Archiv Autor)
Östliche Kanonenplattform vom Werk Gradina. (Foto: Archiv Autor)
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Innenansicht der westlichen Kanonenplattform. (Foto: Archiv Autor)
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Die steinernen Außenmauern des Werkes Gradina mit Schießscharten. (Foto: Archiv Autor)
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Schießscharten für Maschinengewehre. (Foto: Archiv Autor)

Vezac 

Das Werk Vezac befand sich östlich von Kalinovik auf 1.182 Meter Seehöhe. Es wies eine ähnliche Struktur wie das Werk Gradina auf, hatte jedoch eine deutlich geringere Länge. Analog zu Gradina verfügte es über zwei Plattformen mit jeweils drei 90-mm-Kanonen. Im Ersten Weltkrieg wurden diese für Maschinengewehre angepasst. Das Fort wurde nach dem Krieg abgerissen, seine Reste sind jedoch bis heute sichtbar.

Vranja Glava

Das Wachhaus Vranja Glava lag südwestlich von Kalinovik. Es bestand aus zwei halbkreisförmigen Türmen, die es ermöglichten, die Mauern des Forts auch in Längsrichtung zu flankieren. Das Wachhaus war mit Infanteriewaffen ausgestattet und mit Stacheldraht versehen, um den Zugang zu erschweren. Es verfügte über einen eigenen Wassertank sowie optische und telefonische Kommunikationsgeräte. Das Fort wurde später teilweise abgerissen, Mauerreste sind noch heute sichtbar.

Kalinovik 

In Kalinovik war das k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr von Sterneck“ Nr. 35 unter dem Kommando von Oberst Johann Ritter von Mossig stationiert, dessen Hauptquartier sich im heutigen Pilsen befand. Im Zentrum von Kalinovik gab es eine große Verteidigungsbaracke für etwa 500 Personen, die aus Magazinen, Offiziers- und Mannschaftsgebäuden, Zisternen, Pferdeställen und Übungsanlagen bestand. Lediglich ein kleiner Teil der Kaserne ist bis heute erhalten geblieben, der Standort des ehemaligen Lagers befindet sich im Stadtzentrum.

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Werk Vezac: Eingang zu den MG-Stellungen. (Foto: Archiv Autor)
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MG-Stellung in Vezac mit fehlender Stahlplatte. (Foto: Archiv Autor)
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Überreste des Eingangstores. (Foto: Archiv Autor)
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Das Wachhaus Vranja Glava mit einem von zwei halbkreisförmigen Türmen, die eine Verteidigung in verschiedene Richtungen ermöglichten. (Foto: Archiv Autor)
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Das Wachhaus Vranja Glava anno 1908. (Foto: Archiv Autor)
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WH Vranja Glava: Innenansicht. (Foto: Archiv Autor)
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Ankunft von Soldaten in der Verteidigungsbaracke Kalinovik im Jahr 1913. (Foto: Archiv Autor)
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Intakte Schießscharte in Kalinovik mit Stahlplatte. (Foto: Archiv Autor)

Sperre Ulog–Obrnja

Während der österreichisch-ungarischen Besatzungszeit war Ulog ein Dorf im Bezirk Nevesinje in der Region Mostar. Seine Einwohnerzahl stieg bis 1900 von 80 auf 250 Personen. Es erhielt ein Postamt und einen Telegraphen sowie einen Gendarmeriestützpunkt. In der k.u.k. Terminologie bezieht sich die Bezeichnung Ulog-Obrnja auf eine militärische Verteidigungseinheit. Obrnja liegt an der Straße Nevesinje-Kalinovik, acht Kilometer von Ulog und 33 Kilometer von Nevesinje entfernt. Im Jahr 1900 lebten dort etwa 200 Menschen. Ulog-Obrnja diente aufgrund seiner Lage als Aufklärungs- und Kontrollpunkt für das umliegende, weitläufige Gebiet und hatte damit eine wichtige strategische Rolle. In Obrnja befand sich eine Defensivkaserne, die aufgrund früherer Aufstände in der Region groß und umfangreich ausgebaut war. In Obrnja stand ein kleines, kreisförmiges Wachhaus mit einer guten Aussicht auf Ulog und die Umgebung. Oberhalb von Obrnja, auf dem 1.324 Meter hohen Gipfel der Pandurica, befand sich ein Befestigungsobjekt vom Typ Schanze. Dieses war polygonal geformt, hatte in der Mitte einen Unterstand und war von einem tiefen Graben mit einem Damm umgeben. Eine Schanze war standardmäßig mit Maschinengewehren ausgestattet, manche dieser Erdbefestigungen verfügten zusätzlich über Gebirgsartillerie. 

(Foto: Archiv Autor)
Blick auf die Kaserne Obrnja. (Foto: Archiv Autor)
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Überreste der ehemaligen Schanze auf der 1.324 Meter hohen Pandurica. (Foto: Archiv Autor)
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Die weitläufige Defensivkaserne in Obrnja. (Foto: Archiv Autor)

Sperre Nevesinje

Nevesinje liegt am westlichen Rand des Nevesinje-Feldes auf einer Höhe von 889 Metern. Im Jahr 1879 zählte die Stadt 757 Einwohner, 30 Jahre später stieg die Einwohnerzahl um 157 Prozent auf insgesamt 1.948 Personen an. Diese hohe Bevölkerungszunahme war bedingt durch die steigende militärstrategische Bedeutung und die Ausweitung des Stadtgebietes. Mit der Stationierung wichtiger Streitkräfte erhielt Nevesinje ein städtisches Erscheinungsbild, das unter anderem aus vielen staatlich-administrativen und militärischen Einrichtungen bestand. In der Stadt befanden sich das Gebirgsbrigadenkommando und das Gendarmeriedistriktkommando, der Zoll und die Finanzgarde. Es gab eine Post und einen Telegrafen sowie eine städtische Apotheke. Zusätzlich wurde ein modernes Wasserversorgungssystem gebaut.

(Foto: Archiv Autor)
Altes Postkartenmotiv von Nevesinje. (Foto: Archiv Autor)

Nevesinje spielte in der Verteidigung von Ulog und Gacko-Avtovac eine wichtige Rolle und war zugleich für die Verteidigung von Mostar unverzichtbar. In Nevesinje gab es eine große Verteidigungskaserne, die teilweise noch heute erhalten ist. An den Ecken befanden sich je eine Kaponniere (fest gedeckter oder massiv gemauerter Gang oder Raum, aus dem die Verteidiger mit Gewehren oder Geschützen Angreifer beschießen konnten; Anm.) und ein Wachturm, der das Gebiet um die Festung bedeckte. Die Verteidigungskaserne verfügte über alles, was für das Leben eines Soldaten in Friedens- und Kriegszeiten notwendig war. Auf der Ostseite des Lagers können bis heute die gut erhaltenen originalen Metalltüren mit Schlitzen für Infanteriewaffen besichtigt werden.

Interessant ist, dass der innere Komplex einen doppelten Zweck erfüllte. Es handelte sich dabei um ein sogenanntes Batterie-Stallgebäude, in dem Pferde der mobilen Artillerie aber auch Kanonen-Plattformen untergebracht waren. Ernst Freiherr von Leithner war Bauleiter des Flankenturmes im Lager Nevesinje, wurde 1910 zum Kommandeur des 3. Korps in Graz befördert. Bekanntheit erlangte Leithner mit seinem Buch „Die beständige Befestigung und der Festungskrieg“, das 1893 veröffentlicht wurde. Oberhalb der Stadt befand sich eine Festung namens Werk Grad, die zu Beginn ein Wachhaus war und später zu einem Werk mit zwei Kanonenplattformen umfunktioniert wurde. Ähnlich wie die Befestigungen in Kalinovik verfügte das Werk über zwei 9-cm-Kanonen M-1861, Öffnungen für den Betrieb mit Infanteriewaffen, eine Zisterne und optische sowie telegrafische Kommunikationsanlagen.

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Das gut erhaltene Eingangstor der ehemaligen k.u.k. Verteidigungskaserne Nevesinje. (Foto: Archiv Autor)
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Kaponniere der Verteidigungskaserne Nevesinje. (Foto: Archiv Autor)
(Foto: Archiv Auto(Foto: Archiv Autor)r)
Ein massiver Eisenofen der eigenen Kasernenbäckerei. (Foto: Archiv Autor)
Relikte des Werkes Grad, das sich oberhalb der Stadt Nevesinje befand. (Foto: Archiv Autor)

Die Besatzung bestand aus einem Offizier, 40 Soldaten und zehn Artilleristen. Später wurde das Fort komplett abgerissen, weshalb heute nur noch wenige Überreste zu sehen. Nördlich von Nevesinje befand sich im Dorf Bojiste eine provisorische Kaserne. Dort wurde das 2. Bataillon k.u.k. Böhmisches Infanterie-Regiment „Erzherzog Leopold Salvator“ Nr. 18 mit Sitz in Königgrätz untergebracht. Weiters war hier das IV. Bataillon k.u.k. Böhmisches Infanterieregiment „Ernst August Herzog von Cumberland, Herzog von Braunschweig und Lüneburg“ Nr. 42 mit Sitz in Theresienstadt (Tschechien) stationiert, das unter dem Kommando von Oberst Carl Wöllner stand. Im Westen der Stadt, am Fuß des Grebak-Hügels, befanden sich zwei Erdbefestigungen vom Typ Schanze: Vratilo und Knežak. Oberhalb von Nevesinje wurde die „Appel Batterie“ (ebenfalls eine Erdbefestigung) errichtet, von der heute nur mehr wenige Relikte vorhanden sind.

(Foto: Archiv Autor)
Stolac im Jahr 1900. (Foto: Archiv Autor)

Sperre Stolac

Stolac verzeichnete im Gegensatz zu den oben angeführten Orten keinen signifikanten Bevölkerungszuzug. Während der österreichisch-ungarischen Verwaltung verfügte die Stadt über ein Bezirksamt, ein Militärstationskommando, ein Militärkrankenhaus, ein Militärversorgungsdepot, einen Gendarmeriezug mit einem Stationskommando sowie eine Zoll- und Finanzwache. In Stolac befand sich ebenfalls ein Postamt, ein Telegraf sowie ein Wasserversorgungssystem. Im Jahr 1912 wurde der Telefonverkehr eingerichtet. In der Stadt befand sich das IV. k.u.k. Bataillon Infanterieregiment 50, dessen Hauptquartier gemeinsam mit anderen Bataillonen in Carlsburg (Rumänien) lag. Das Regiment wurde nach dem preußischen Großherzog von Baden, Friedrich I., benannt. Es war in der österreichisch-ungarischen Armee durchaus Brauch, Regimenter nach ausländischen Staatsmännern und Kriegsherren zu benennen. Ein weiteres k.u.k. Regiment erhielt beispielsweise den Namen König Nikolas I. von Montenegro - diese Bezeichnung wurde jedoch zu Beginn des Ersten Weltkriegs wieder zurückgenommen. Stolac verfügte insgesamt über drei Forts und eine Verteidigungsbaracke, die gemeinsam einen großen Lagerkomplex bildeten. Über der Stadt befand sich eine große Festung, die als Oberes Kastell bekannt ist. Sie bestand aus zwei Artilleriefestungen der Kategorie Werk und zwei Wachhäusern.

(Foto: Archiv Autor)
Das Obere Kastell in Stolac aus der Vogelperspektive. (Foto: Archiv Autor)

Oberes Kastell 

Das Obere Kastell ist heute ein Nationaldenkmal und weist eine Gesamtlänge von 1.200 Metern auf. Es besteht aus der Unterstadt, der Oberstadt, dem zu k.u.k. Zeiten gebauten Zentralplateau sowie einer Zufahrtsstraße. Die Altstadt befindet sich am linken Ufer des Flusses Bregava, oberhalb von Stolac, mit Blick auf das Dorf Vidovo, den Fluss Bregava und die umliegenden Hügel Hrgud, Komanje brdo, Osanici und Basni. In alten Urkunden aus dem Jahr 1463 wird neben Stolac auch die Stadt Vidos erwähnt. Damit ist einerseits die Festung Stolac selbst sowie die unterhalb liegende Siedlung gemeint. Die Stadt wurde nach der Eroberung am 13. Juni 1465 Teil des Osmanischen Sultanats. 1878 wurde die Region schließlich unter österreichische Verwaltung gestellt. Im Jahr 1883 renovierte die k.u.k. Armee die Altstadt umfassend und errichtete 1888 ein modernes Fort, das über jener Befestigungsanlage lag, die während der osmanischen Besatzung gebaut wurde. Die Altstadt von Stolac liegt auf einem Hügel über dem heutigen Zentrum und ist eine der größten Städte in Bosnien und Herzegowina. Das komplexe Befestigungssystem aus Steinmauern und Türmen weist mehrere schwer überwindbare Bauabschnitte auf. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt insgesamt dreizehn Türme und war damit die bestbefestigte Stadt der Herzegowina. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Teile der Gebäude auf dem Plateau abgerissen um dort eine österreichisch-ungarische Festung vom Typ Werk zu errichten.

(Foto: Archiv Autor)
Übersichtsplan des Oberen Kastells. Das graue Areal stellt die unter k.u.k.-Besatzung neu errichtete Mittelstadt dar. (Grafik: Archiv Autor)

Das Obere Kastell besteht aus drei Einheiten:

  • Unterstadt - Nordwestseite (Gebiet unterhalb des österreichisch-ungarischen Stadtteils) mit einer Fläche von 8.481 m²
  • Mittelstadt - (Teile davon wurden in der österreichisch-ungarischen Besatzungszeit auf dem Plateau erbaut) mit einer Fläche von 2.005 m²
  • Oberstadt - (östliches Gebiet oberhalb der Mittelstadt) umfasst eine Fläche von 8.579 m².

Die mittlere Stadt nimmt den zentralen Teil des Verteidigungskomplexes ein. Sie ist aus weißem Kalkstein gemeißelt und bestand aus mehreren Garnisonsanlagen. Auch Teile alter Mauern wurden für den Bau neuer Gebäude verwendet. Der Komplex besaß drei Wassertanks, einen befestigten Abschnitt und ein Munitionsdepot. Das Fort verfügt über zwei halbkreisförmige Verteidigungskaponniere, einen polygonalen Kaponnier und zwei Kanonenplattformen, die nach Osten und Westen gerichtet sind. Von außen dominiert das große Eingangsportal, das mittelalterlichen Burgen und Festungen ähnlich ist, im Inneren des Forts befindet sich eine Kaserne. Die Kanonenöffnungen der einzelnen Plattformen sind reichlich verziert und ähneln denen des Mamula-Forts, das sich auf einer Insel am Tor zur Bucht von Kotor befindet. 1909 waren vier Offiziere, 82 Soldaten und 100 Artilleristen dort stationiert. Die Bewaffnung bestand aus zwei 8-cm M75-, vier 9cm M04-Kanonen sowie zwei 7-cm-Gebirgskanonen M75.

(Foto: Archiv Autor)
Der Eingang in das Kastell. Links davon ist die gut erhaltene Verteidigungskaponniere zu sehen. (Foto: Archiv Autor)
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Der Verteidigungskomplex von innen. (Foto: Archiv Autor)
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Einblick in einen der Schutzgänge. (Foto: Archiv Autor)
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Die Zufahrtsstraße wurde durch das k.u.k. Infanteriebataillon 4/52 im Jahr 1897 errichtet. (Foto: Archiv Autor)

Wachhaus Komanje Brdo

Das Wachhaus Komanje Brdo liegt östlich über der Stadt Stolac und diente zur Kontrolle der dortigen Schlucht, die nach Trebinje führte. Anfangs als einfacher Schutzbau vom Typ Blockhaus konzipiert, erhielt es später zusätzlich Kaponniere, die als Kanonenplattformen für alte 7cm-Gebirgskanonen M75 verwendet wurden. Die Festung wurde größtenteils abgerissen, aber vor Ort sind noch interessante Details, wie ein Plattform-Deckstein aus fein geschnitztem Stein zu sehen.

Wachhaus Osanici 

Das Wachhaus Osanici ist vom Grundriss her ident zu jenem in Komanje Brdo und befindet sich auf einer Anhöhe westlich des Zentrums von Stolac. Im Gegensatz zu seinem Pendant wurde es jedoch zusätzlich mit Zementmaterial ausgekleidet. Das umliegende Gelände wurde während des Ersten Weltkriegs durch mehrere Gräben verstärkt. Von beiden Wachhäusern ist je ein Bahnsteigkaponnier erhalten.

Verteidigungsbaracken 

Die Verteidigungsbaracken befinden sich in einem guten Erhaltungszustand. Der ehemalige Komplex des Lagers war viel größer, verschwand jedoch im Laufe der Zeit durch die Stadterweiterung. In der Nähe des Lagers befand sich außerdem ein großes Lazarett, das noch heute besichtigt werden kann. Bei Stolac befinden sich in Ljubinje und Domanovici zwei weitere Kasernen, die ebenfalls noch gut erhalten sind. Bei letzterer befinden sich sogar noch Metallmaschikulis am Dach. In Domanovici war das 1. Bataillon k.u.k. Ungarisches Infanterie-Regiment „von Boroevic“ Nr. 51 stationiert, das von Oberst Ludwig Langendorf geführt wurde. 

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Kaponniere des Wachhauses Osanici, bei dem als Baumaterial auch Beton verwendet wurde. (Foto: Archiv Autor)
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Stummer Zeitzeuge: Rund um das Wachhaus Komanje Brdo existierte aufgrund der hohen Artillerieschussweiten ein weitläufiges "Bauverbotsrayon". (Foto: Archiv Autor)
In den Kasernen Ljubinje (Bild) und Domanovici bei Stolac befinden sich noch die originalen Metallmaschikulis am Dach. (Foto: Archiv Autor)
In den Kasernen Ljubinje (Bild) und Domanovici bei Stolac befinden sich noch die originalen Metallmaschikulis am Dach. (Foto: Archiv Autor)

Resümee 

Für die österreichisch-ungarische Geniedirektion hatte die Verteidigung und Befestigung der Ostgrenzen höchste Priorität. Der am gefährdetste Teil der Grenze befand sich in Herzegowina, in dem folglich auch etwa 90 Prozent der Forts Bosnien und Herzegowinas errichtet wurden. Die erste Verteidigungslinie verlief durch Trebinje und Bileca. Die zweite Verteidigungslinie erstreckte sich entlang Kalinovik-Ulog-Obrnja-Nevesinje und Stolac. Die Gürtelfestung Mostar als administratives und militärisches Zentrum Herzegowinas bildete die wichtigste Stütze für die Verteidigung des Flusses Neretva und des westlichen Teiles der Monarchie. Der Frontabschnitt war während des Ersten Weltkriegs zu keiner Zeit bedroht – die Forts in Herzegowina erfüllten ihre Verteidigungsaufgabe voll und ganz.

Manuel Martinovic ist Jurist und Historiker aus Mostar.

 

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