• Veröffentlichungsdatum: 24.03.2016

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Kosovo Force - Multinational Battle Group West

Berthold Sandtner, Maximilian Steingassner, Christoph Pichler, Simon Alge

(Foto: Bundesheer)

Four Nations - One Force: Die Multinational Battle Group West ist der letzte „First Responder“ der NATO-Truppen im Kosovo. Die Mission befindet sich derzeit auf dem Weg in eine neue Phase. Das Ziel ist ein flexibler und lageangepasster Einsatz der Kräfte vor Ort. Die Lage ist ruhig, aber noch nicht stabil.


Der Beitrag stellt die Rahmenbedingungen im Kosovo, mit Stichzeit September 2015, dar. Er bietet einen Streifzug durch den Auftrag und die Organisation der Kosovo Force (KFOR) und gibt einen Einblick in die Auftragserfüllung der beiden österreichischen Infanteriekompanien. Diese sind ein Teil der Multinational Battle Group West (MNBG-W).

Details zur Gliederung, Ausrüstung, Stärke, Auftragslage und zu den Einsatzplänen der MNBG-W unterliegen der Geheimhaltung. Sie sind daher nur in ihren Grundzügen beschrieben.

Ausgangslage

Heli-Med-Training mit einem US-amerikanischen
„Black Hawk“-Helikopter der MNBG-E.
(Foto: Grande)

Vor 16 Jahren marschierten NATO-Truppen in den Kosovo ein. Die Mission begann im Juni 1999, Österreich beteiligt sich daran seit September 1999. Derzeit befindet sich die Truppenpräsenz der NATO im Kosovo vor einem Umbruch. Der Kommandant der KFOR-Truppen, Generalmajor Giugliemo Luigi Miglietta, gab am 7. August 2015 dazu ein neues Motto aus. „Shaping the Change“ lautet der neue Spruch auf dem KFOR-Logo. Er löste den Leitspruch „Example, En-deavour, Entrust“ ab.

Die Tage der robusteren Kräfte der Manoeuvre Forces scheinen gezählt zu sein. Derzeit sind sie wesentliche Elemente in der Einsatzphase „Deterrent Presence“ (abschreckende Truppenpräsenz; Anm.). Die steigende Bedeutung nicht kinetischer Elemente auf dem Weg zur Phase „Minimum Presence“ (minimale Truppenpräsenz; Anm.) ist vorgezeichnet. Dazu zählen beispielsweise Verbindungs-, Überwachungs- und Aufklärungselemente.

Damit verbunden ist die Reduktion der Truppenstärke, die im September 2015 etwa 4 500 Soldaten betrug. Die KFOR-Truppen sollen nicht mehr vorausgeplant, schrittweise reduziert werden. Ihre Stärke soll flexibel und an aktuelle sowie erwartete Lageentwicklungen angepasst sein. Dabei ist zu beurteilen, wie sich die Fähigkeiten der Kosovo Police (KP), der Kosovo Border Police (KBP), aber auch der Kosovo Security Forces (KSF) im Sinne der Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft entwickeln, um ein sicheres Umfeld aufrecht halten zu können. Insbesondere der mögliche Übergang der KSF in die Kosovo Armed Forces (KAF) stellt eine ernstzunehmende politische Dimension dar. Dieser Übergang wird sowohl von Serbien als auch von den politischen Vertretern der serbischen Minderheit im Kosovo abgelehnt.

Eine österreichische „Pandur“-Patrouille im
Nordkosovo. (Foto: Bail)

Ein weiterer, wenn nicht sogar der wesentlichste Aspekt in der Beurteilung ist die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Kosovo, verbunden mit der Rechtsstaatlichkeit (Rule of Law) und Investitionssicherheit für internationale Firmen. Die aktuelle, korruptionsbedingte Rechtsunsicherheit schreckt Investoren ab. Auch entsprechen Grundlagen, beispielsweise das Katasterwesen, nicht dem westlichen Standard. Dieser Umstand betrifft die Rechtssicherheit bei Betriebsansiedlungen wesentlich.

Zurzeit prägen Massenarbeitslosigkeit, Kriminalität und vor allem die Korruption bis in höchste politische Kreise den Alltag. Auch die Rolle der kosovo-albanischen Kämpfer und ihre mögliche Beteiligung an Verbrechen während des Krieges ist noch nicht aufgearbeitet. Der mehrfach verschobene, aber schlussendlich dennoch gefasste Beschluss zur Einrichtung eines „Special Court“ (Sondergericht, hier zur Untersuchung von Kriegsverbrechen im Kosovo; Anm.) signalisiert jedoch Bewegung. Einfluss auf die angesprochenen Entwicklungen haben einerseits die vertrauensbildende und wirtschaftliche Rolle der KFOR-Präsenz im Kosovo, andererseits die Entwicklungen an den Grenzen und in den benachbarten Ländern.

Hierbei ist zu erwähnen, dass es nach wie vor keine offizielle Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien gibt. Es besteht lediglich eine „Verwaltungslinie“, die Administrative Boundary Line. Doch selbst hier bestehen Unstimmigkeiten, was die Grenzziehung mit Montenegro betrifft. Seit Mai 2015 stellt die konflikthafte Lageentwicklung im nördlichen Mazedonien (ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien; The former Yugoslav Republic of Macedonia - FYROM) eine weitere, ernstzunehmende Dimension in der Region dar. An den dortigen Unruhen beteiligten sich auch Kämpfer aus dem Kosovo.

Auftrag und Organisation

Der Grundauftrag von KFOR besteht darin, die Institutionen im Kosovo bei der Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes (Safe and Secure Environment - SASE) sowie der Bewegungsfreiheit (Freedom of Movement - FOM) zu unterstützen. Die Aufgabe von KFOR ist dabei die des „Third Responder“. Das bedeutet, dass an erster Stelle die Sicherheitskräfte des Kosovo dafür verantwortlich sind, SASE und FOM zu gewährleisten. Die „Second Responder“, bei einer Überforderung der kosovarischen Kräfte, bilden Elemente der EU-Rechtsstaatlichkeits-Mission EULEX.

KFOR tritt erst dann in den „tatsächlichen Einsatz“, wenn diese Kräfte überfordert sind. Somit haben sämtliche KFOR-Teile, mit einer Ausnahme, die Rolle eines „Third Responder“. Diese Ausnahme ist die Überwachung und Sicherung des serbisch-orthodoxen Klosters in De?ani (siehe Seite 495).




Verantwortungsbereiche bei KFOR.
(Grafik: KFOR-Chronicle 05/2015, Montage: Keusch)

Um den Auftrag zu erfüllen, bedient sich der Kommandant der KFOR-Truppen im Wesentlichen

  • seines Hauptquartiers in Priština (HQ KFOR),
  • dreier Verbindungs- und Überwachungskommanden, sogenannter Joint Regional Detachments (JRD), nämlich den JRD North, Center und South,
  • zweier multinationaler Battle Groups (MNBG-West and MNBG-East),
  • taktischer Reservekräfte,
  • einer Joint Logistic Support Group sowie
  • Aufklärungselementen.

Dabei sind die JRD in der Norm die „Battle Space Owner“ und somit für den Raum verantwortlich. Den MNBG ist lediglich ein „Aufklärungsbereich“ - die Area of Intelligence Responsibility (AIR) zugewiesen. Die JRD sind somit die unterstützten Kommanden (supported) während die MNBG in einer unterstützenden Rolle (supporting) tätig sind.

Lediglich bei bestimmten Schwergewichtsaktionen bekommen die MNBG die Verantwortung für den Einsatzraum übertragen und werden dann durch die JRD unterstützt. Die komplizierte Beschreibung dieser Führungsverhältnisse, ohne dabei auf (der Klassifizierung unterliegende) Details einzugehen, zeigt die Herausforderung dieser Führungsorganisation.

Ein vereinfachtes Bild des Einsatzraumes ergibt sich, wenn man seine Breite halbiert (die AIR der MNBG) und seine Länge in drei Streifen teilt (die Zuständigkeitsbereiche der JRD).

Österreichische Beteiligung

Die österreichischen Elemente bei der multinationalen Auftragserfüllung stellen sich wie folgt dar: An der Spitze stand (bis Oktober 2015) Brigadier Anton Waldner als Deputy Commander KFOR. Zusätzlich ist das Hauptquartier von KFOR in Priština mit österreichischem Stabspersonal verstärkt. Weiters stellt Österreich den Kommandanten der Joint Logistic Support Group. Das ist eine Unterstützungseinheit mit Baupionier-, Transport-, Räum- und EOD-Fähigkeiten. Darüber hinaus sind eine verminderte österreichische Aufklärungskompanie sowie Militärpolizei-Elemente eingesetzt.

Österreich beteiligt sich im Einsatzraum mit Stabspersonal im Hauptquartier des JRD-South, zwei Liaison-Monitoring-Teams (Verbindungs- und Beobachtungselemente mit jeweils etwa acht Personen, die das politische, soziale und wirtschaftliche Leben vor Ort beobachten; Anm.) und einer verminderten Transportkompanie, die in Prizren stationiert ist.

Der größte Teil des österreichischen Kontingentes ist im Rahmen der MNBG-W in Pe? eingesetzt. Hier stellt Österreich nicht nur den Chef des Stabes und Stabspersonal im multinationalen HQ, sondern auch zwei Infanteriekompanien; insgesamt etwa 250 Soldaten. Zu den bisher aufgezählten Kräften kommen noch das nationale Führungselement, ein National Support Element, eine Stabskompanie und nachrichtendienstliche Elemente hinzu. Diese sind jedoch kein Teil der NATO-Mission.

Multinational Battle Groups (MNBG)
Die beiden MNBG sind unterschiedlich zusammengesetzte Kampfgruppen, die auf die spezifischen Charakteristika ihres jeweiligen Einsatzraumes ausgerichtet sind.

(Foto: Reich)

MNBG-E: Überblick

Die von den US-Streitkräften geführte MNBG-E ist das Schwergewicht von KFOR. Die AIR der MNBG-E beträgt knapp 60 Prozent der Landesfläche des Kosovo. Die Administrative Boundary Line (ABL) zu Serbien in ihrem Verantwortungsbereich ist 334 km lang (bei einer Gesamtlänge von 350 km). Der interethnisch angespannte Nordkosovo mit seiner (geteilten) Hauptstadt Mitrovica liegt in der AIR dieser Battle Group.

Das Hauptquartier dieses Verbandes befindet sich im Camp Bondsteel im Süden des Kosovo. Daneben gibt es einen vorgeschobenen Gefechtsstand nördlich dieses Camps in Novo Selo. Die MNBG-E verfügt neben Manoeuvre Units über eine Aviation Task Force (Luftunterstützungselement). Diese begünstigt das rasche Verschieben von Einsatzkräften wesentlich. Neben der Führungsnation USA stellen Deutschland, Polen, Ungarn, die Türkei und Armenien Teile der Battle Group.

MNBG-W: Struktur und Gliederung

Die Multinational Battle Group West wird durch vier Nationen gebildet: Italien, Österreich, Slowenien und Moldawien. Italien ist die „Lead Nation“ und stellt den Kommandanten sowie den Großteil der Soldaten des Stabes im Hauptquartier. Der stellvertretende Kommandant der MNBG-W kommt aus Slowenien, der Chef des Stabes aus Österreich.

Die Gesamtstärke des Verbandes beträgt etwa 800 Soldaten. Seine wesentlichen Elemente sind:

  • Ein Infanteriebataillon mit fünf Infanteriekompanien (eine ITA/MDA, zwei SVN, zwei AUT);
  • Eine Führungsunterstützungskompanie;
  • Ein vermindertes Stabsbataillon;
  • MP-Elemente;
  • Ein Räumelement;
  • Ein EOD Team;
  • Ein Drohnenelement.

Italien, Slowenien und Österreich stellen etwa gleich viele Soldaten bei der MNBG-W; der moldawische Anteil ist deutlich geringer.

Synchronized Patrol mit serbischen Streitkräften
an der ABL. (Foto: Lichtenberger)

Einsatzraum und Auftrag
Die MNBG-W ist im Camp „Villaggio Italia“ im Bezirk Pec in der Westhälfte des Kosovo stationiert. Ihr Verantwortungsbereich beträgt ungefähr 42 Prozent der Fläche des Kosovo und umfasst zwölf Bezirke. Im Inneren des Kosovo grenzt der Einsatzraum der Battle Group an den der MNBG-E. Nach außen grenzt er an Serbien, Montenegro, Albanien und Mazedonien (FYROM). Die Administrative Boundary Line (ABL) zu Serbien ist ungefähr 16 km lang. Die serbische Minderheit in der AIR ist zahlenmäßig gering. Mit Ausnahme von Wiederansiedlungsgebieten für Kosovo-Serben in den nördlichen Bezirken gibt es kaum Gebiete mit inter-ethnischem Konfliktpotenzial.

Der Auftrag der MNBG-W ist es, ein sicheres Umfeld (SASE) und die Bewegungsfreiheit (FOM) aufrecht zu erhalten, die Sicherheitskräfte des Kosovo zu unterstützen sowie gemeinsame Überwachungseinsätze mit serbischen Streitkräften und der Kosovo Border Police an der ABL durchzuführen. Zusätzlich halten sich ständig Eingreifkräfte bereit. Diese sollen im Anlassfall einen Gefechtsstreifen (Manoeuvre Box) beziehen, um dort taktische Einsätze durchzuführen. Die MNBG-W unterstützt das Schwergewicht von KFOR im Norden des Kosovo. Dazu hat sie permanent eine Infanteriekompanie an die MNBG-E abgestellt.

Die Besonderheit des Auftrages der MNBG-W ist, dass sie als letzte KFOR-Einheit die Rolle eines „First Responder“ innehat. Diese Rolle nimmt sie bei der Überwachung und Sicherung des serbisch-orthodoxen Klosters in De?ani wahr. Das Kloster ist das letzte Schutzobjekt im Kosovo, das noch nicht „unfixed“ ist. Das bedeutet, die Verantwortung für die Sicherheit dieses Objektes liegt nicht bei den kosovarischen Einsatzkräften, sondern ausschließlich bei KFOR.

Die folgenden Beiträge geben einen Einblick in die Auftragserfüllung und „Lebensbedingungen der österreichischen Infanteriekompanien“ im Camp „Villaggio Italia“. Der erste Teil thematisiert die Auftragserfüllung und die Ausbildungsvorhaben der B-Coy bei der MNBG-W. Der zweite Teil beschreibt die fünfwöchige Abstellung der A-Coy zur MNBG-E in den Schwergewichtsraum von KFOR im Nordkosovo.

Die B-Coy

Aufstellung und Gliederung
Die KPE-Kompanie des gebirgsbeweglichen Jägerbataillons 23 wurde mit der Aufstellung der B-Coy für AUTCON 32/KFOR beauftragt. Diese befand sich von April 2015 bis Oktober 2015 im Einsatzraum Kosovo. Die B-Coy ist auch unter dem Namen „Skorpion-Kompanie“ bekannt. Sie ist ein Teil der Multinational Battle Group West im Camp „Villaggio Italia“. Die Gliederung der B-Coy entspricht nicht dem Organisationsplan der KPE-Kompanie. Deshalb wurde sie mit zusätzlichen Soldaten verstärkt, um die geforderte Stärke zu erreichen. Diese Soldaten kommen von formierten Einheiten für Auslandseinsätze (FORMEIN).

Die B-Coy besteht aus

  • einer Kommandogruppe mit Verbindungselementen,
  • einer Versorgungsgruppe mit Transportelement,
  • drei Jägerzügen und
  • einem Kampfunterstützungszug.

Der erste Jägerzug ist gehärtet und verfügt über vier Mannschaftstransportpanzer (MTPz) „Pandur“. Der Kampf-unterstützungszug besteht aus einer Panzerabwehr- und einer Scharfschützengruppe. Zudem hat die Kompanie einen MTPz für das Kompaniekommando und einen Sanitäts-„Pandur“.

Das serbisch-orthodoxe Kloster in Decani.
(Foto: Gargulio)
Österreichische Soldaten auf der Position K1
beim Kloster Decani. (Foto: Ranftl)

Auftragslage der MNBG-W
Die Aufträge an die Kompanie werden im Regelfall, einer Synchromatrix folgend, alle zwei Wochen gewechselt. Zu den Aufgaben der Einheit zählen

  • die Bewachung des Schutzobjektes Kloster Decani,
  • Sicherung Camp „Villaggio Italia“,
  • Patrouillen in der AIR der MNBG-W,
  • Synchronized Patrols mit den serbischen Streitkräften und der Kosovo Border Police an der ABL sowie
  • militärisches Training.

Zusätzlich ist in allen Phasen eine schnelle Eingreifkraft (Quick Reaction Force - QRF) mit unterschiedlichen Stufen der Marschbereitschaft durch die Kompanie zu stellen.

Das Schwergewicht ist die Bewachung des Klosters in Decani. Dabei handelt es sich um eine „klassische“ Objektschutzaufgabe. Die Bewachung erfolgt mit stationären Posten, Fußstreifen und motorisierten Patrouillen im Angelände. Als Stützpunkt für die eingesetzten Kräfte dient das Camp „Sparta“ in direkter Nachbarschaft zum Kloster. Im Anlassfall können die Soldaten vor Ort mit zusätzlichen, schnell verfügbaren Eingreifkräften verstärkt werden. Das wird regelmäßig geübt. Die zweite Schwergewichtsaufgabe des Einsatzes im Rahmen der MNBG-W bildet der Patrouillendienst im Zuge von „Situational Awareness Patrols“ (Patrouillen, bei denen die Lage vor Ort festgestellt wird; Anm.).

Die Kompanie bekommt dabei Räume oder Punkte von besonderem Interesse zugewiesen, die aufgeklärt werden. Dadurch ist das Lagebild der MNBG-W ständig aktuell. Eine weitere Aufgabe dieser Patrouillen ist es, die Stärke von KFOR zu demonstrieren. Diese „Show of Force“ soll das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung steigern, indem KFOR-Truppen vor Ort sind. Diese Patrouillen erfolgen grundsätzlich motorisiert. Bei Schwergewichtsaktionen werden auch Fußpatrouillen durchgeführt oder „Night-Observation Points“ (Beobachtungspunkte bei Nacht; Anm.) betrieben.

Österreichische KFOR-Soldaten bei der „Fire-Phobia“-Ausbildung. (Foto: Bail)

Ausbildung und Übungen
Die militärischen Fähigkeiten sollen im Einsatzraum sowohl erhalten als auch verbessert werden. Darauf wird von allen Führungsebenen großer Wert gelegt. Aus diesem Grund beginnt der Einsatz mit einem zweiwöchigen Training, bei dem einsatzspezifische Themen behandelt werden. Geübt wird hierbei das Aufnehmen von Verwundeten mittels Hubschrauber (Heli-MEDEVAC), der Lufttransport von Ordnungseinsatzelementen (Heli-CRC) oder das richtige Verhalten bei Bewurf mit Molotow-Cocktails im Ordnungseinsatz („Fire-Phobia“-Training).

In weiterer Folge liegt das Schwergewicht bei Übungen und Ausbildungen im Ordnungseinsatz. Bei einem multinationalen Einsatz sind Aufgaben oft gemeinsam mit Soldaten und/oder Einheiten anderer Nationen zu bewältigen. Deshalb wurde auch der Ordnungseinsatz mit Einheiten mehrerer Nationen, unter einem gemeinsamen Kommando trainiert.

In unmittelbarer Nähe des Camps befindet sich ein Schießplatz. Dieser kann für Schul- und Einzelgefechtsschießen genutzt werden. Auch das Schießen mit nicht letaler Munition, von Wirkmitteln, wie dem 40-mm-Granatgewehr oder der Vorderschaftrepetierflinte (Pumpgun) findet dort statt. Vorteilhaft für Gebirgssoldaten ist, dass es nordwestlich des Camps einen Klettersteig (Schwierigkeitsgrad A/B) gibt. Somit können auch gebirgstechnische Ausbildungen im Einsatzraum durchgeführt werden.

Die B-Coy war ein wesentlicher Akteur bei der Übung der MNBG-W „Light RAM“ im August 2015. Dabei wurde das schrittweise Aufwachsen der Sicherungskräfte am Kloster Decani bis zur Aktivierung der höchsten Alarmstufe geübt. In einer wesentlichen Phase dieser Übung war der Kommandant der B-Coy der „On-Scene Commander“, also der Kommandant aller vor Ort eingesetzten Teile.

Flaggenparade bei der MNBG-West. (Foto: Gargulio)

Leben im Camp „Villaggio Italia“
Die Soldaten des Camps sind in Wohncontainern untergebracht. Je nach Funktion sind ein bis drei Soldaten in einem Einzel- oder Doppelcontainer einquartiert. Um die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, gibt es einen Kleinfeld-Fußballplatz, eine großzügig eingerichtete Kraftkammer, eine Laufstrecke, einen Spinning-Raum und einen Trainingsbereich für freie Übungen.

Die A-Coy als Teil der MNBG-E

Aufstellung und Gliederung
Die A-Coy AUTCON32/KFOR wurde als FORMEIN-Kompanie auf Basis der Kampfunterstützungskompanie/Jägerbataillon 23 (HGeb) für die Sommerrotation 2015 aufgestellt. Beinahe alle Kommandantenfunktionen wurden durch Berufssoldaten gestellt, während die Mannschaft zum Großteil aus Milizsoldaten bestand. Die Gliederung der A-Coy entspricht einer Infanteriekompanie mit

  • drei Jägerzügen, von denen ein Jägerzug mit MTPz „Pandur“ ausgestattet ist,
  • einer Kommandogruppe,
  • einer Versorgungsgruppe,
  • einem Sanitätstrupp und
  • einem Verbindungselement.

Abstellung zur MNBG-E
Aufgrund der instabilen Lage an der Grenze zu Serbien im Nordkosovo wird die MNBG-E permanent durch eine Infanteriekompanie der MNBG-W verstärkt. Somit versah jede der österreichischen Jägerkompanien für fünf Wochen Dienst im Nordkosovo.

Der Ausgangspunkt für die Erfüllung der Aufträge war das Camp „Nothing Hill“. Dieses liegt südlich der Stadt Leposavic in einem mehrheitlich von Kosovo-Serben bewohnten Tal. Es befindet sich auf einem Hügel oberhalb des Flusses Ibar und ist auf jeder Seite von überhöhtem Gelände umgeben. Dieser nördlichste, von KFOR betriebene, Stützpunkt beherbergt zwei Infanteriekompanien.

Auftragslage
Der Großteil der US-geführten MNBG-E ist im Camp „Bondsteel“ im Süden des Kosovo stationiert. Deshalb wurde in Novo Selo (nördlich von Priština) ein Forward Command Post eingerichtet. Das ist ein Bataillonsgefechtsstand, der die im Norden eingesetzten Kräfte führt. Die Erfüllung der Aufträge erfolgt selbstständig mit großem Handlungsspielraum. Die Soldaten führen täglich mehrere Patrouillen durch, um den grenznahen Raum zu überwachen. Dabei beobachten sie Bereiche, die für den illegalen Grenzübertritt, Schmuggel und Menschenhandel genutzt werden können.

In der jüngeren Vergangenheit wurden auch illegale Holzschlägerungen zum wirtschaftlichen Problem und rückten so in den Fokus von KFOR. Darüber hinaus stellen die Soldaten der Infanteriekompanie die Bewachung des Camps sicher. Neben diesen Aufgaben stehen ständig Kräfte als Teil der QRF bereit. Die Führung der Kompanie erfolgt über ein Tactical Operations Center, das rund um die Uhr von der Kommandogruppe betrieben wird. Direkt im Forward Command Post der MNBG-E ist ein österreichisches Verbindungselement eingesetzt. Dieses stellt den Informationsaustausch sicher und gibt Meldungen sowie Aufträge weiter.

Eine zusätzliche Aufgabe der Kompanie sind gemeinsame Patrouillen mit serbischen Soldaten. Diese „Administrative Boundary Line Synchronized Patrols“ dienen der gemeinsamen Überwachung der „Verwaltungslinie“. Sie sind eine vertrauensbildende Maßnahme zwischen KFOR und Serbien. Die Soldaten müssen dabei, zusätzlich zu ihren militärischen Fähigkeiten, diplomatisches Fingerspitzengefühl beweisen.

Ausbildung und Übungen
Die Ausbildung der Soldaten aller Nationen wird im Einsatzraum fortgeführt. Das Schwergewicht hierbei liegt im Ordnungseinsatz. Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass im Ordnungseinsatz die Zusammenarbeit mit einem Räumelement, dem „Freedom of Movement Detachment“ (FOM-D), ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Dieses hat den Auftrag, Barrikaden und Sperren zu räumen. Die A-Coy übte gemeinsam mit dem ukrainischen FOM-D Element, um die erforderlichen Verfahren zu erlernen.

Ein Beispiel einer Ausbildungssequenz: Teile der Kompanie überwinden eine Barrikade und drängen Demonstranten zurück, um Raum zu schaffen. Danach überprüft ein EOD-Team die Barrikaden auf nicht erkannte Sprengfallen. Schließlich räumt ein Pionierpanzer das Hindernis, wodurch die restlichen eigenen Kräfte durch die Bresche gehen können.

CRC-Ausbildung bei der Übung „Light RAM“.
(Foto: Troppmair)
Gemeinsame CRC-Ausbildung mit Soldaten des slo-
wenischen Kontingentes. (Foto: Troppmair)

Übung „GOLD RUSH“
Die US-Streitkräfte nutzen den Einsatz im Kosovo auch zur Ausbildung und Vorbereitung für Missionen in anderen Einsatzräumen. Davon profitierten auch österreichische Soldaten bei einer gemeinsamen Übung: Da die Einsatzkompanien der U.S. Army aus den Angehörigen des Aufklärungsbataillons einer Luftlandebrigade gebildet wurden, übten die Soldaten Einsatzaufgaben dieses Verbandes. Dazu gehörte beispielsweise die Inbesitznahme von wichtigen Geländeteilen.

Bei der Übung „GOLD RUSH“ war eine Gruppe österreichischer Soldaten als Feinddarsteller eingesetzt. Sie hatten die Aufgabe, eine Sendestation zu verteidigen, während sie von einem Zug US-Fallschirmjäger nach nächtlicher Aufklärung im Morgengrauen angegriffen wurden. Um die Übung realistisch zu gestalten, wurde dafür Markiermunition verwendet. Alle teilnehmenden Soldaten hatten umgerüstete M4-Sturmgewehre und Schutzbekleidung. Die österreichischen Jäger zeigten mit einer beweglichen und engagierten Einsatzführung, dass sie (mit gleichwertiger Ausrüstung) keinen Vergleich zu scheuen brauchen.

Conclusio
Der Einsatz im unruhigsten Teil des Kosovo unterscheidet sich deutlich vom restlichen Einsatzraum. Einerseits hat die Kompanie durch weiter gefasste Aufträge mehr Handlungsfreiheit. Andererseits ermöglichen die Zusammenarbeit und Übungen mit den Streitkräften anderer Nationen Einblicke in deren Gefechtstechnik und Arbeitsweise.

Fazit

Die Sicherheitslage im Kosovo kann, trotz der immer wieder auftretenden kleineren Zwischenfälle, insgesamt als ruhig bezeichnet werden. Die Vergangenheitsbewältigung bei allen Ethnien, aber auch die Kriminalität und vor allem die Arbeits- und Perspektivenlosigkeit (besonders für die junge Bevölkerung) bestimmen den Alltag. Sie prägen die Stimmung der Menschen vor Ort stärker als tatsächliche inter-ethnische Spannungen.

Wie bereits eingangs erwähnt, soll sich die Zusammensetzung der Kosovo Force schrittweise diesem veränderten Umfeld anpassen. Die „Soft Skills“ in Form von Verbindungs-, Überwachungs- und Aufklärungselementen sollen die Manöverelemente (mit Ausnahme von Reservekräften) mittelfristig gänzlich ablösen.

Bis Mitte 2016 ist damit zu rechnen, dass die Stärke und Zusammensetzung der Truppen sowie die Auftragslage gleich bleiben. Das bedeutet, dass die österreichischen Soldaten bis zum
AUTCON 34/KFOR eine Situation vorfinden werden, die mit der aktuellen vergleichbar ist.
Der Auftrag der Kompanien wird, neben der Bewachung des Klosters in De?ani als „First Responder“, die Rolle eines „Third Responder“ bleiben. Der Ordnungseinsatz muss im Anlassfall jedenfalls beherrscht und angewendet werden. Deshalb ist es wichtig, die Ausbildung im Ordnungseinsatz zu forcieren und die zugewiesene Ausrüstung auf Stand zu halten.

Die Verbesserungsvorschläge der Kontingente sollen zum bestmöglichen Schutz aller eingesetzten Soldaten mit der aktuellen Ausrüstung umgesetzt werden. Durch die Initiative der Kommandanten aller Ebenen haben sich die österreichischen Soldaten in ihrer Auftragserfüllung bei der MNBG-W und MNBG-E bestens bewährt. Das wird von den multinationalen Kommandanten immer wieder hervorgehoben - und soll künftig so bleiben.

Autoren:

Oberstleutnant dG Mag. Berthold Sandtner ist Referatsleiter in der Generalstabsabteilung im Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport. Er war 2015 Chef des Stabes der Multinational Battle Group West bei KFOR 31 und KFOR 32.

Oberleutnant Mag.(FH) Maximilian Steingassner ist Lehroffizier im Gebirgskampfzentrum.

Oberleutnant Mag.(FH) Christoph Pichler ist Kommandant des Tieffliegererfassungsradarsystem.

Hauptmann Mag.(FH) Simon Alge ist stellvertretender Kompaniekommandant im JgB 23.


Informationen zu KFOR

Eine österreichische Fußpatrouille überwacht Annäherungsmöglichkeiten zum Camp „Nothing Hill“ im Norden des Kosovo. (Foto: Burgstaller)
 

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