• Veröffentlichungsdatum: 10.09.2015
  • – Letztes Update: 07.11.2016

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Jägertruppe: Geschichte und Ursprung

Brigadier Ernst Konzett

Foto: Prächtiger Jägerhut mit Büchse.
(Schwärzler)
(Foto: Schwärzler)

Die Jägertruppe entwickelte sich aus Soldaten mit besonderen Schießfertigkeiten und der Fähigkeit zur Kleinkriegsführung. Ihre Kampfweise unterschied sich von jener der „normalen Infanterie“ und ließ sie zu einem wertvollen Instrument der Einsatzführung werden. Ihre bewegliche Gefechtstechnik, der präzise und rasche Feuerkampf sowie die hohe körperliche Leistungsfähigkeit waren ihre wesentlichen Merkmale. Ihre effektiven Verfahren wurden letztendlich von allen infanteristischen Einheiten übernommen und angewandt. Die Infanterie des Österreichischen Bundesheeres wird heute als „Jägertruppe“ bezeichnet. Dieser Name bezieht sich nicht nur auf ihre Kampfweise und ihren Ursprung - er wurde zum Qualitäts- und Identifikationsmerkmal des österreichischen „Fußsoldaten“.

Entstehung und Entwicklung

Die ersten Jägerformationen sind als Sonderabteilungen der Infanterie in der Mitte des 17. Jahrhunderts in den Heeren von Österreich, Hessen, Preußen und Dänemark entstanden. Im Verlauf der Geschichte entwickelten sich die Jäger- und Scharfschützenformationen von der Spezialtruppe zu einer umfassend verwendbaren „leichten Infanterie“ und eigenständigen Truppengattung. Besonderen Einfluss hatten waffentechnische Neuerungen aber auch gesellschaftspolitische und wehrrechtliche Rahmenbedingungen. Die Jägertruppe wurde im 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des österreichischen Heeres.

„k.k.“ oder „k.u.k.“?

Die ursprüngliche Bezeichnung „k.k.“ (kaiserlich-königlich) stand bis zum Ausgleich mit Ungarn 1867 für das Kaisertum Österreich und dessen staatliche Einrichtungen. Die Erweiterung um das „u.“ zu „k.u.k.“ manifestierte die erneuerte Monarchie auch im offiziellen Staatsnamen.

Die Armee des Habsburgerreiches übernahm diese Bezeichnung jedoch erst im Jahr 1889.Die Abkürzung „k.u.k.“ betraf dabei aber nur die Einheiten der gemeinsamen österreichisch-ungarischen Streitkräfte. Territoriale Heeresformationen, wie die Landwehr der österreichischen Reichshälfte der Monarchie (Cisleithanien), behielten die Bezeichnung „k.k.“. Das zweite „k.“ stand hier jedoch nicht für den ungarischen, sondern für den böhmischen Königstitel. 

Die ersten Jägerformationen

Der Hauptgrund für die Aufstellung von Jägereinheiten war die Erhöhung der Feuerwirkung durch die hohe Treffgenauigkeit der Jägerbüchsen mit gezogenem Lauf. Die hohe Beweglichkeit und die Fähigkeit zur flexiblen Anpassung der Gefechtsformationen an das Gelände waren weitere vorteilhafte Fähigkeiten. Ihre Geschichte begann mit Berufsjägern, Waldhütern, Forstleuten und freiwilligen „Schützen“, die nur in Kriegszeiten zu kleinen Abteilungen formiert wurden. Anfangs verwendeten die Jäger meist ihre eigenen Jagdbüchsen.

 

Ihre beruflichen Fähigkeiten machten sie zu fähigen Einzelkämpfern, die in der Armee nutzbringend eingesetzt werden konnten. Berufsjäger können sich auch in der Nacht im Wald zurechtfinden, Spuren lesen sowie bei Schnee und Kälte überleben. Sie können sich an Wild anpirschen und treffsicher mit ihrer Jägerbüchse schießen. Mit diesen Eigenschaften leisteten sie als Späher, Vorposten, Meldegänger und vor allem als Scharfschützen vorzügliche Dienste.

 

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) wurden Infanteriekompanien einzelne Jägertrupps zugeteilt, welche vorrangig die Aufgabe hatten, Offiziere aus den feindlichen Linien herauszuschießen. Die Jägerbüchse galt jedoch - wie früher der Bogen und die Armbrust - aufgrund ihrer Treffsicherheit und somit „unfairen“ Vorteiles lange als „unritterlich“. Deshalb durften die Scharfschützen bei einer Gefangennahme meist keine Gnade erwarten.

 

Die von den Landesherren angestellten Jäger und Forstleute galten als zuverlässig und loyal, da sie sowohl an ihren Arbeitgeber als auch an ihren Stand gebunden waren. Besondere Treffsicherheit und hohe Kampfmoral zeigten ebenfalls angeworbene freiwillige „Schützen“ bzw. „Scharfschützen“. In den Ländern des heutigen Österreichs, speziell in Tirol und Vorarlberg, wurde in den Städten und Landgemeinden über Jahrhunderte ein reges Schützenwesen gepflegt. Die wichtigste Voraussetzung dafür war das Waffentragerecht der Landesbewohner. Die Landesfürsten organisierten regelmäßige Schießübungen der Bürger und Bauern. Besonders unterstützten sie die genossenschaftlichen Schützengesellschaften zur Förderung der Landesverteidigung. Im Jahre 1646 ließ der Tiroler Landesfürst 1 500 Jäger und Schützen anwerben und zum ersten Mal eine eigene Truppe bilden.

 

Das Schützenwesen begünstigte die Bildung von Jäger- und Scharfschützenformationen im österreichischen Heer. In ihren Reihen wurde ein besonderer Korpsgeist gepflegt, der ihnen Elitecharakter verlieh.

Lineartaktik der Infanterie

Die Linieninfanterie erzielte nur in offenem Gelände mit gedrillten Abläufen und massiertem Salvenfeuer eine große Wirkung. (Gemälde: Carl Röchlin, Hohenfriedeberg - Attack of Prussian Infantry - 1745)

Die Infanterie konnte den Gegner im Feuerkampf nur mit möglichst vielen Treffern besiegen. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Treffgenauigkeit der Infanteriegewehre mit glattem Lauf gering. Deshalb wurden die Infanteristen darauf trainiert, nicht auf einzelne Soldaten zu zielen, sondern mit geschlossenen Salven auf die feindliche Masse zu feuern.

Das gegen Ende des 17. Jahrhunderts eingeführte Gewehr mit Steinschlosszündmechanismus, glattem Lauf und fertiger Pulverladung (mittels Papierpatrone) konnte viel schneller geladen werden. Mit dieser großen waffentechnischen Neuerung entstand die Kampfweise der „Lineartaktik“. Die Infanteristen wurden in langgezogenen und dicht geschlossenen Linien aufgestellt, um mit möglichst vielen Gewehren gleichzeitig zu feuern.

 

Die höhere Feuergeschwindigkeit verlängerte die Linien bei gleicher Anzahl von Soldaten und damit auch die Menge der gleichzeitig schießenden Gewehre. Die Tiefe der Gefechtsformation wurde mit dem Steinschlossgewehr auf drei Linien verringert. Bis dahin standen die Schützen bis zu zehn Mann tief. So viele mussten nacheinander abfeuern, ehe der erste wieder nachgeladen hatte. Der Kampfstil war durch stereotype, beinahe mechanische Exerzierbewegungen geprägt. Die Linieninfanterie ging im Gleichschritt, mit exerziermäßigem Laden der Gewehre, vor. Nach dem geleiteten Massenfeuer wurde meist der Einbruch in die feindlichen Linien im Nahkampf mit dem Bajonett versucht. Besonders „gedrillte“ Linieninfanterie erzielte dabei große Wirkung. Das einzig wirksame Mittel dagegen war lange Zeit nur die Artillerie.

 

Der Zusammenhalt der Linienformation und deren maschinenartige Bewegungen waren jedoch nur im offenen und ebenen Gelände erfolgversprechend. Angriffe und ein rasches Vorgehen in gegliederten Geländeteilen waren mit dieser schwerfälligen Kampfformation kaum möglich. Durch den immer stärkeren Drill der Linieninfanterie verlor der einzelne Soldat mehr und mehr an Individualität und Selbstständigkeit. Die Linieninfanteristen wurden meist mittels „Konskription“ (Zwangsaushebung) aus den armen und unteren Gesellschaftsschichten rekrutiert. Disziplin und Gehorsam wurden mit strengen Strafen durchgesetzt - die Initiative der Soldaten nicht gefördert. Dadurch war im Kampf keine hohe Moral und Eigenständigkeit zu erreichen. Dennoch kämpfte der Großteil der Infanterie bis in das Zeitalter der französischen Revolutionskriege in der Linearformation.

Jäger - bewegliches Gefecht

Um die Fähigkeit für den Angriff und die Beweglichkeit der Truppen zu verbessern, gingen die Heere dazu über, neben der Linieninfanterie ein beweglicheres Kampfelement - die „leichte Infanterie“ zu entwickeln. Anfangs wurden häufig naturverbundene Volksgruppen aus den Wald- und Gebirgsregionen in diesen Dienst gestellt. So konnten ihre körperliche Robustheit und hohe Motivation, sowie die meist unkonventionellen Kampfmethoden genutzt werden. Es entstanden u. a. in der britischen Armee leichte Infanterieformationen wie die „Gurkhas“ aus Nepal, in der österreichischen Armee die kroatischen „Grenzer“ sowie die „Tiroler Jäger und Scharfschützen“.

 

Diese besonders wehrtüchtigen Gebirgsbewohner bzw. Männer vom Lande waren vor allem in den „kleinen Kriegen“ von großer Bedeutung. So konnten sich im Unabhängigkeitskrieg Nordamerikas (1775 bis 1783) die amerikanischen Siedler, welche keinen Drill als Liniensoldat kannten, gegen die europäische Linieninfanterie behaupten. Sie waren die besseren Schützen und nutzten das Gelände zu ihrem Vorteil aus. Besonders erfolgreich waren die „Rogers` Rangers“, welche sich, wie die europäischen „Jäger“, aus Waldläufern und Berufsjägern formierten.

 

Die Jägerformationen entwickelten sich von der Spezialfunktion immer mehr zu einer selbstständigen leichten Infanterietruppe. Ihre bewegliche Kampfweise im bedeckten Gelände war den starren Gefechtsformationen der schwerfälligen Linieninfanterie deutlich überlegen. In der Regel kämpften sie in geöffneter Gefechtsformation als sogenannte „Plänkler“ vor oder an den Flanken der geschlossenen Schlachtordnung.

 

Die Jäger eigneten sich besonders für den Kleinkrieg. Aufgrund der besonderen Fähigkeit zum beweglichen Kampf wurden in Österreich leichte Infanterietruppen an der Grenze zum Osmanischen Reich als Grenztruppen („Grenzer“) gegen einfallende Banden eingesetzt. Drill und Exerzieren, wie bei der Linieninfanterie, wurde bei der Jägertruppe weniger streng angewendet. Hier stand nicht das möglichst automatenhafte Ausführen von Schieß- und Ladeabläufen in den linearen und dichten Formationen im Mittelpunkt, sondern vielmehr das Kämpfen in lockerer Aufstellung in kleineren Einheiten. Deshalb konnten sie die Geländeformen, den Bodenbewuchs sowie Deckungen aller Art besser und flexibler ausnutzen. Jäger-einheiten operierten vergleichsweise selbstständig und unabhängig.

 

Um den Zusammenhang der einzelnen Einheiten in der aufgelockerten Kampfweise zu erhalten, war die Verbindung über größere Strecken mit akustischen Hornsignalen wichtig. Aufgrund dieser Bedeutung wurde das „Jägerhorn“ zum besonderen Symbol der Jägertruppe. Man verflachte die Befehlshierarchien und verlagerte Entscheidungsbefugnisse auf untere Ebenen. Im Gegensatz zum Linieninfanteristen musste der einzelne Jäger in der Lage sein, selbstständig Ziele zu bekämpfen.


Die Jäger kämpften mit Gewehren, die sich aus Jagdwaffen mit gezogenen Läufen entwickelt hatten und ein genaues Treffen ermöglichten. Die üblichen Infanteriegewehre hatten glatte Läufe, welche vorrangig für ein schnelles Laden konstruiert waren. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde bei den Jägern auch eine größere Anzahl von „Windbüchsen“ (eine Art Luftgewehr) verwendet. Diese, mit komprimierter Luft aus einem Druckbehälter betriebenen, Windbüchsen eigneten sich vor allem für Hinterhalte, Schleichpatrouillen und geheime Expeditionen (Einsätze hinter feindlichen Linien; Anm.).

 

Jägereinheiten führten möglichst wenig Ausrüstung mit, die zum großen Teil mit Packpferden transportiert wurde. Sie verzichteten weitgehend auf Fuhrwerke („Bagagewagen“), was ihre Beweglichkeit im unwegsamen Gelände erheblich erhöhte. Da sich die frühen Jäger tatsächlich aus den Reihen der Berufsjäger und Forstleute rekrutierten, trugen sie grüne Uniformen, deren Farbe später nur mehr an den Kragenspiegeln übrigblieb. Durch die Naturverbundenheit und den starken Bezug zum eigenen Land entwickelten die Jägerformationen eine weit höhere Kampfmoral als die Linientruppen, welche meist unfreiwillig in die Kampfformationen gezwungen wurden.

Etablierung im Heer

Ein österreichischer Jägerstutzen „Lorenz“, Kaliber 13,6 mm mit gezogenem Lauf und Haubajonett. (Foto: Schwärzler)

Um bei der strukturellen Einordnung der Jägertruppen in das Heer Verwirrung zu vermeiden, kommt man nicht umhin, die Grundzüge des komplexen Heerwesens der österreichisch-ungarischen Monarchie zu erklären. Neben einer gemeinsamen Armee gab es mit den Landwehrverbänden auch eine territoriale Komponente. Die Soldaten des gemeinsamen Heeres wurden entweder als Söldner (auch außerhalb von Österreich) angeworben oder mittels Konskription rekrutiert. Außer dem gemeinsamen Heer bestanden in einigen Ländern des heutigen Österreichs selbstständige Verteidigungsordnungen mit Landesmiliztruppen. Am weitesten und längsten ausgeprägt war diese gewohnheitsrechtliche Wehrpflicht in Tirol und Vorarlberg. Die freien Bauern und Bürger haben ihr Land jahrhundertelang in genossenschaftlichen Kampfgemeinschaften mit ihren eigenen Waffen verteidigt.

 

Da die Rekrutierung für das gemeinsame k.k. Heer oft schwierig und kostspielig war, wurde von den Habsburgern zunehmend die Landesmiliz für den Grenzschutz und die Landesverteidigung einbezogen. In Vorarlberg hat Kaiser Maximilian I. im Jahr 1511 die „Landesrettungsordnung“ und in Tirol das „Landlibell“ (Urkunde, die das Tiroler Militärwesen regelte; Anm.) vereinbart. Darin verpflichteten sich die Länder, im Kriegsfalle eine eigene Landesmiliz zu bilden. So hatte Tirol anfangs 5 000 und später sogar bis zu 20 000 Mann zu stellen. Die „Schützen“ für die Landesmiliz wurden von den Gerichtsgemeinden ausgewählt und im Schießen ausgebildet. Als Privileg wurde in Tirol und Vorarlberg bis zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1868 auf die Konskription für die gemeinsame k.k. Armee weitestgehend verzichtet.

 

Aufgrund der Niederlage gegen Preußen im Jahr 1866 wurde im Jahr 1868 zur Verstärkung der Heeresreserve die k.k. Landwehr mit präsenten Landesschützenregimentern aufgestellt. Die Landesschützen wurden nun zum festen Bestandteil des Heeres, in dem auch die allgemeine Wehrpflicht abgeleistet werden konnte. Aufgrund der parallelen Strukturen von gemeinsamer Armee und Landwehrorganisation muss in der Truppenbezeichnung zwischen den Jägern der k.k. bzw. k.u.k. Armee und den Landesschützen der k.k. Landwehr unterschieden werden - in der Kampfweise gab es jedoch keinen Unterschied.

 

Die genossenschaftlichen Schützengesellschaften in Tirol und Vorarlberg waren zur Förderung der Schießausbildung der Landesmiliz mit einer Schießstandordnung eingerichtet. Die Schützengesellschaften waren aber nicht in die militärische Organisation eingeordnet. Erst ab 1874 wurden die bei den „k.k. Schießständen“ eingeschriebenen „Standschützen“ mit einer Änderung des Wehrgesetzes zum k.k. „Landsturm“ als „letztes Aufgebot“ verpflichtet, um alle Wehrkraftreserven auszuschöpfen.

 

Wegen der wehrrechtlichen Sonderstellung von Tirol und Vorarlberg hatte die Werbung von freiwilligen Schützen und Jägern für das gemeinsame österreichische Heer lange Zeit wenig Erfolg. Erst drohende kriegerische Auseinandersetzungen gaben Anlass, neben dem Wehraufgebot des Landes zusätzliche freiwillige Jäger- und Scharfschützenformationen zur Unterstützung der k.k. Armee zu formieren. Wegen der besonderen Förderung des Schießwesens stand in Tirol und Vorarlberg ein großes Potenzial an treffsicheren Schützen für die Aufstellung von Jäger- und Scharfschützenformationen zur Verfügung. So wurden zur Abwehr des bayerischen Einfalls im Jahr 1703 Scharfschützenkompanien aufgeboten und erfolgreich eingesetzt.

 

Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) wurden wiederum Jäger und Scharfschützen auf Kriegsdauer angeworben und im österreichischen Heer freiwillige „Jägerkorps“ gebildet. Diese Einheiten waren ohne dauernde Organisation und deshalb nicht in der ständigen Heeresstruktur eingegliedert.

 

Als erste ständig organisierte Truppe in Tirol wurde in der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahr 1703 das „Tiroler Landbataillon“ aufgestellt, welches bis 1745 bestand. Die Schwäche der österreichischen k.k. Armee in der Auseinandersetzung mit Preußen forderte eine Verstärkung des Heeres. Daher ließ Maria Theresia im Jahr 1745 ein neues „Tiroler Feld- und Landregiment“ mittels freier Werbung errichten. Dieses Tiroler Regiment ordnete man im Jahr 1769, mit der Nummer 46, in die Reihen der Infanterieregimenter der k.k. Armee ein. Ein höheres Ansehen und eine stärkere Anziehungskraft hatte in Tirol jedoch das zum Landesaufgebot zählende „Scharfschützenkorps“. Dieses absolvierte regelmäßige Schießübungen und war weniger dem militärischem Drill unterworfen.

 

Aus diesem Reservoir an ausgebildeten Scharfschützen wurde zu Beginn des Bayerischen Erbfolgekrieges im Jahr 1778 das „Tiroler Jäger- und Scharfschützenkorps“ mit 2 300 Mann aufgestellt. Aufgeteilt in Abteilungen wurden die Scharfschützen den Bataillonen der Infanterieregimenter zur Unterstützung zugeteilt. Ab dieser Zeit waren die „Jäger“ im Heer fest etabliert.

Fenner-Jäger

Mit dem „Tiroler Jäger- und Scharfschützenkorps“ als Kern, wurde im Jahre l801 das erste ständig organisierte Jägerregiment in der k.k. Armee, das Tiroler Jägerregiment Nr. 64 (die k.k. Armee verfügte bereits über 63 Infanterieregimenter) aufgestellt. Nachdem l805 Tirol und Vorarlberg an Bayern abgetreten werden mussten, wurde das Regiment dem Ergänzungsbezirk Villach überwiesen. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon wurde das Tiroler Jägerkorps („Fenner-Jäger“) deshalb außerhalb von Tirol und Vorarlberg mit Freiwilligen gebildet. Benannt war das Jägerkorps nach seinem Inhaber Feldmarschallleutnant Baron Fenner von Fennberg.

Tiroler Kaiserjäger

(Gemälde: Montanelli-Cervi, wikipedia: Scontri alla Bicocca di Novara.jpg)
Kaiserjäger erobern eine italienische Fahne in der Schlacht bei Novara 1849. (Gemälde: Montanelli-Cervi, Scontri alla Bicocca di Novara)

Nach dem Sturz Napoleons wurde 1814/1815 durch den Wiener Kongress die Neuordnung Europas vollzogen und Österreich das adriatische Küstenland, Dalmatien und in Oberitalien Venedig und Mailand zugesprochen. Zur Sicherung dieser Vermehrung waren zusätzliche, ständig verfügbare Truppen notwendig. Kaiser Franz I. ordnete deshalb an, in den wiedergewonnenen Ländern Tirol und Vorarlberg, ein Jägerregiment aufzustellen. Am 16. Jänner 1816 begann die Aufstellung von vier Jägerbataillonen mit einem Kern aus „Fenner-Jägern“. Das neue Jägerregiment erhielt die Ehre, den Namen „Kaiserjäger“ zu führen. Bis zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 1868 hatte jeder Gerichtsbezirk eine bestimmte Anzahl von Rekruten zu stellen. In Tirol war, im Unterschied zu anderen österreichischen Provinzen, der Adel nicht vom Militärdienst befreit. Dadurch war die Rekrutierung erleichtert - wenn nicht genug Freiwillige aufgebracht wurden, entschied das Los. Das Losziehen war für den Einzelnen eine schicksalsschwere Angelegenheit, da die Dienstzeit in den Jahren 1816 bis 1868 zuerst zwölf, dann acht und schließlich sechs Jahre dauerte. Jedem Regiment waren sowohl deutschsprachige, als auch italienische Bezirke zugewiesen - das Nationalitätenverhältnis betrug etwa 3 zu 2. Sitz des Regimentskommandos war Innsbruck, wo auch ein Bataillon stationiert war.

 

Die anderen drei Bataillone waren über mehrere Städte und Orte Tirols und Vorarlbergs verteilt. Das Regiment wurde im Laufe der Zeit immer weiter verstärkt und zählte im Jahr 1894 schließlich 16 Bataillone. Wegen der schweren Überschaubarkeit dieser Bataillone kam es am l. Mai 1895 zu einer Neuordnung mit vier Regimentern. Die neuaufgestellten Regimenter erhielten die Bezeichnung k.u.k. 1., 2., 3. und 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger.

Selbstständige Feldjägerbataillone

Bereits ab 1808 wurden als moderne Truppen, neben dem Tiroler Jägerkorps (ab 1816 „Kaiserjäger“), zusätzlich neun selbstständige Feldjägerbataillone (FJgB Nr. 1 bis 9) aufgestellt. Sie bestanden aus jeweils 675 Soldaten, gegliedert in vier Jägerkompanien mit vier Zügen zu je vier Gruppen. Im Jahr 1813 kamen die FJgB Nr. 10, 11 u. 12 dazu. Nach der Revolution 1848 erfolgte mit der Aufstellung der FJgB Nr. 13 bis 25 und ab 1859 mit der Formierung der FJgB Nr. 26 bis 32 eine weitere Vermehrung. Von 1866 bis 1880 wurden die FJgB Nr. 33 bis 40 aufgestellt. Damit war der Höchststand an selbstständigen Jägerbataillonen erreicht.

 

Die 40 Feldjägerbataillone waren in allen Teilen des Reiches stationiert. Auf dem Gebiet des heutigen Österreichs bestanden das FJgB Nr. 3 u. 26 in Oberösterreich, Nr. 8 u. 35 in Kärnten, Nr. 9 u. 27 in der Steiermark, Nr. 10 u. 21 in Niederösterreich, Nr. 15 u. 34 in Salzburg.

Im Vergleich mit anderen Staaten im damaligen Europa verfügte Österreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts über die stärkste Jägertruppe. Die „Tiroler Jäger“ und die selbstständigen Jägerbataillone erhielten besonders geeignete Soldaten. Diese wurden aufgrund der höheren Anforderungen besser als „normale“ Infanteristen bezahlt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Jägertruppe ein immer größeres Ansehen genoss. Ihre Standhaftigkeit und Tapferkeit im Kampf ist durch höchste Auszeichnungen dokumentiert.

Auswirkungen der Französischen Revolution

Die Französische Revolution mit ihrem gesellschaftlichen Wandel verursachte gravierende Veränderungen der militärischen Kampfweise. Eine Armee ganz neuen Typs entstand. Die Revolution, mit ihren großen gesellschaftlichen Veränderungen, hat das Söldnertum und das Monopol der Aristokratie auf die Offiziersstellung abgeschafft.

 

Mit der „Levée en masse“ (frz. Massen-aushebung; beizeichnet die Art der Wehr-pflicht in Frankreich ab 1793; Anm.) wurde das Bürgerheer eingeführt, das sich mit dem Staat identifizierte und freiwilligen Gehorsam leistete. Die große Veränderung des Charakters des Offizierskorps (90 Prozent Adelige vor 1789 - später nur mehr 3 Prozent) und dessen Öffnung für begabte Unteroffiziere bewirkte eine wesentliche Veränderung im Denken und in der Art der Kriegsführung.

 

Die individuelle Leistung war nun wichtiger als die gesellschaftliche Stellung der Offiziere oder deren Abstammung. Auch waren die zur Armee einberufenen Bürger mit ihrem neuen Freiheitsgefühl nicht mehr bereit, sich einer strikt formalen Disziplin zu unterwerfen. Frankreich verfügte zudem über wenig gut ausgebildete Soldaten, aber über eine hohe Anzahl an freiwilligen neuen Bürgern. Die Lineartaktik konnte deshalb nur mehr unvollkommen angewandt werden. So entstand eine geöffnete Gefechtsordnung, die ähnlich der Kampfweise der Jäger, ebenfalls im durchschnittenen (kupierten; Anm.) Gelände funktionierte.

 

Die mangels ausgebildeter Soldaten zunächst als Notbehelf entwickelte, neue Gefechtsform trug wesentlich zu den Erfolgen des französischen Heeres bei. In Schwarmlinien (Schützenketten) aufgelöste leichte Infanteristen (Tirailleurs) leiteten mit gezieltem Einzelfeuer das Gefecht (Plänklergefecht) ein, wobei der einzelne Schütze die vorhandenen natürlichen Deckungen ausnützte. Die dahinter in dichten Kolonnen folgenden Hauptkräfte traten anschließend zum Sturm an und brachen an der Schwachstelle des Gegners durch. Die schmalen und tiefen Kolonnen waren leichter zu formieren und ermöglichten raschere Bewegungen als die langen Linien. Das Gefecht wurde mit dieser Kampfweise praktisch in jedem Gelände möglich.

 

Die höhere Beweglichkeit auf einem größeren Gefechtsfeld wurde zusätzlich mit einer Erweiterung der Verantwortungsbereiche von Untergebenen - innerhalb klarer Zielvorgaben und selbstständigem Handeln - unterstützt (Auftragstaktik). Damit besiegten die französischen Truppen die starr geführten und unbeweglichen Linienformationen. Die französischen Revolutionskriege mit der neuen beweglichen Gefechtsführung beschleunigten den Ausbau der österreichischen Jägertruppe. Es galt, den leicht beweglichen französischen Tirailleurs eine ebenso bewegliche und gut schießende Truppe entgegenzustellen.

Aufgaben und Einsatzgrundsätze

Für die ersten Jägertruppen gab es zunächst keine Dienstvorschriften. Ab Ende des l8. Jahrhunderts wurden von kriegserfahrenen Offizieren abgefasste und fachbezogene „Abhandlungen über den Dienst der Feldjäger zu Fuß“ bis zur Einführung der ersten Vorschrift als Ausbildungsgrundlage verwendet. Diese gaben die taktischen Aufgabenstellungen und wesentlichen Einsatzgrundsätze der Jägertruppe wieder, die eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den heutigen Vorschriften haben.

 

Auszüge: Beim „Avancieren“ (Vormarschieren) sind die Jäger die „Avant Garde“ (Vorhut), um die marschierende Truppe vor überraschender Feindeinwirkung zu schützen. Es werden „Seitenpatrouillen“ (Seitensicherungen) eingesetzt, um die Flanken zu decken. Während einer Rückwärtsbewegung bilden die Jäger die „Arrier Garde“ (Nachhut), um das Nachdrängen des Feindes zu stören oder zu verhindern. Der Marsch der Jäger erfolgt in der Reihenformation, die bei Feindberührung unter größtmöglicher Ausnützung des Geländes eine Schützenkette entwickeln. Gegen einen Angriff der feindlichen Kavallerie im offenen Gelände verteidigen sich die Jägerkräfte durch die Bildung eines „Quarres“ (Viereck zur „Rundumverteidigung“; Anm.). Die Jägerpatrouillen führen die Erkundung des Geländes sowie die Feindaufklärung durch und stellen Beobachter oder Sicherungsposten.

 

Die Kurierdienste, als Verbindung zwischen den verschiedenen Truppenteilen, werden hervorgehoben. Hinterhalte und Überfälle auf feindliche Truppen, vor allem auf die feindlichen Offiziersstäbe, sind als wirkungsvolle Kampfformen angeführt. All diese Aufgaben erfordern ein Höchstmaß an Ausbildung, selbstständiges Handeln in aufgelöster Formation und selbstständiges Feuern auf erkannte Ziele in „Plänklermanier“. Ebenso wurde die Fähigkeit zum Kartenlesen und zur Ausfertigung von Geländeskizzen gefordert. Bei alledem galt es immer zu vermeiden, in größere, „unnütze“ Gefechte verwickelt zu werden. Zur schnellen Übermittlung von Befehlen wurde im Jahr 1805, zusätzlich zu den Jägerhörnern, der optische Telegraf eingeführt. Dabei handelte es sich um (meist auf Türmen angebrachte) Vorrichtungen, die mit Blinkspiegeln Nachrichten in Form von optischen Signalen, von Station zu Station, weitergaben.

Reglementierung der Jägerausbildung

Kaiserjäger Otto Konzett (Goßvater des Autors) mit Schützen- und Distanzschätzsauszeichnung. (Foto: Schwärzler)

Nach dem „Abrichtungs- und Exerzierreglement 1841“ war die Ausbildung so zu gestalten, dass der Jäger die Ausrichtung für den kleinen Krieg begreift und sich durch seine Geschicklichkeit von der Linieninfanterie unterscheidet. Der Schießausbildung wurde höchste Bedeutung beigemessen und die Erfüllung klarer Trefferergebnisse gefordert. Die Stutzenjäger (ausgestattet mit Jägerstutzen mit gezogenem Lauf) durften innerhalb der Einsatzschuss-weite (350 Schritte) nie den Oberleib des auf der Scheibe dargestellten Feindes verfehlen. Die Karabinerschützen hingegen (sie hatten Karabiner mit glattem Lauf), mussten die Scheiben nur auf 250 Schritte zielsicher treffen. Die Schießleistungen der Mannschaft wurden durch die Auszeichnung guter Schützen mit besonderen Zeichen wie Ehrenpulverhörnern und ab 1868 der Schützenauszeichnung (grüne Schnur mit fünf runden Wollknäueln) besonders herausgehoben. In den Schießinstruktionen wurde der Ausbildung im Distanzschätzen eine hohe Priorität zugeordnet. Präzise Schießergebnisse waren nur mit der möglichst genauen Einstellung des Visiers auf die Zielentfernung zu erreichen. Die Ergebnisse der laufenden Distanzschätzübungen in unterschiedlichem Gelände bei verschiedenem Wetter wurden ebenso aufgezeichnet wie die Schießergebnisse.Nach 20 Schätzungen, mit durchschnittlich maximal zwölf Prozent Abweichung auf unterschiedliche Entfernungen (von 200 bis 2 000 Schritt), stufte man einen Jäger als verlässlich ein und der Kompaniekommandant verlieh ihm die „Distanzschätzauszeichnung“.

 

In den Jägerbataillonen wurden neben den Schießbewerben regelmäßig Wettkämpfe im Distanzschätzen durchgeführt. Das „Abrichtungs- und Exerzierreglement 1841“ bestimmte die besondere Gefechtsausbildung im Tiraillieren (geöffnete Gefechtsform). Die Einnahme und rasche Veränderung der Gefechtsformationen - Schwarmlinie, Reihe, Kolonne, Quarre - mit deren Mischformen, die Ausnutzung des Geländes zur Deckung und zur gegenseitigen Feuerunterstützung waren Schwergewichte der Ausbildung. Großes Augenmerk legte man auf die Verteidigung von Brücken, Gebirgspässen und Dörfern sowie den Angriff im Wald und in Ortschaften. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten entwickelte sich die Jägertruppe zusehends zu einer umfassend verwendbaren Infanterietruppe. Das Exerzierreglement 1851 und das Abrichtungsreglement 1856 legten fest, dass der Jäger vorrangig dazu bestimmt ist, den Feind in geöffneter Ordnung „Mann gegen Mann“ zu bekämpfen. Darüber hinaus muss er die Fähigkeit besitzen, dem Gegner in geschlossener Ordnung entgegenzutreten. Dabei konnte die Jägertruppe auch zum Bajonettangriff eingesetzt werden.

 

Die bitteren Erfahrungen gegen die Hinterladergewehre (Zündnadelgewehre) des preußischen Heeres in der Schlacht von Königgrätz (1866) führten im Jahr 1868 zu einer Bewaffnung mit Hinterladern. Die taktischen Einsatzgrundsätze und die Gefechtsausbildung wurden der neuen Feuergeschwindigkeit angepasst. Das „Abrichtungs- und Exerzierreglement 1868“ betonte die Ausnützung der Feuerwirkung stärker als frühere Vorschriften. Die neuen Bestimmungen forderten, dass jeder Angriff mit zusammengefasstem intensivem Feuer vorzubereiten ist. Die Schwarmlinien (Schützenketten) wurden nun gemeinsam mit nachfolgenden Unterstützungsteilen und Reserven zum Einsatz gebracht. Im zerstreuten Gefecht war ein Viertel der Kampftruppen in der Schwarmlinie, ein Viertel für die Unterstützung und zwei Viertel für die Reserve bestimmt. Ab 1872 wurden für die Jägertruppe und die Infanterie einheitliche Schießinstruktionen verfügt. Neben der Gefechtsführung regelte das Exerzierreglement seit 1875 erstmals die Durchführung „gymnastischer Übungen“ (Sport) zur Vorbereitung der Truppe auf den Kampf.

Bewaffnung

Die ersten Jägertruppen waren mit den für die Jagd gefertigten Kugelstutzen oder Büchsen mit gezogenen Läufen und Steinschlosszündung bewaffnet. Die Zündung mittels Feuerstein, der mit dem Hahn auf eine Metallfläche schlägt und mit den entstehenden Funken das Schwarzpulver in der Pulverpfanne zündet, war bei Nässe unzuverlässig. Ab dem Jahr 1759 schuf die österreichische Armee eine einheitliche normierte Bewaffnung mit militärischen Jägerstutzen. Auf ein Bajonett wurde anfangs verzichtet.

Der Jägerstutzen Lorenz mit Perkussionszündung (li.) und ein Vorderlader mit Steinschlosszündung (re.) (Foto: Schwärzler)

Im Gegensatz zu Infanteriegewehren mit glattem Lauf (bei dem die Kugel fast von selbst in den Lauf rollt) musste beim Laden eines Stutzens zunächst ein kleines gefettetes Stoffstück (Pflaster) auf die Mündung gelegt werden. Darauf kam die Bleikugel, die zum Laufkaliber (anfangs 14,8 mm) nur einen minimalen Spielraum haben durfte und zusammen mit dem Pflaster größer als das Kaliber war. Beide mussten mit hohem Kraftaufwand in die mehrkantige Laufmündung geschlagen werden. Erst danach konnte die „gepflasterte“ Kugel mit dem Ladestock bis zur Pulverladung gestoßen werden. Das wurde, durch die Verbrennungsrückstände des Pulvers, von Schuss zu Schuss schwieriger. Durch die beschwerliche Art des Ladens konnte der Jäger nur alle zwei bis drei Minuten einen Schuss abfeuern. Aufgrund der geringen Feuergeschwindigkeit kamen die Jäger vor allem gegen angreifende Kavallerie in Bedrängnis. Deshalb wurden sie, zum Teil mit schneller schießenden Infanteriegewehren (mit glattem Lauf) ausgestattet, die im ersten Glied Verwendung fanden. Als Ideallösung entwickelte man den Doppelstutzen mit einem gezogenen und einem glatten Lauf. Aufgrund der höheren Kosten kam es jedoch nicht zur Ausrüstung der gesamten Jägertruppe mit dieser Waffe.

Repetierstutzen System „Mannlicher - M 95 (li.), Jägerstutzen System „Werndl“ (mi.) und System „Wänzel“. (Foto: Schwärzler)

Für den Nahkampf wurden anfangs Hirschfänger (eine rund 50 cm lange Stichwaffe) verwendet. Ab dem Jahr 1796 bekamen die Jägerstutzen ein Haubajonett („Allzweckmesser“; aufgepflanzt auf die kurze Waffe konnte damit gestoßen und „gehauen“ werden; Anm.), das vor allem im Nahkampf mit der Kavallerie effektiver war. 1807 wurde neben dem Jägerstutzen ein kurzer Jägerkarabiner mit glattem Lauf für zwei Drittel der Mannschaft im ersten und zweiten Glied eingeführt. Den treffsicheren Stutzen mit größerer Reichweite führten nur mehr die besten Schützen im dritten Glied und alle Unteroffiziere mit sich. Die allgemeine Einführung der Perkussions-/Kapselzündung (ab dem Jahr 1854) mit Knallquecksilber gefüllten Kupferzündhütchen beschleunigte das Laden und erhöhte die Zuverlässigkeit bei Schlechtwetter stark.

Erst als sich die Vorderladergewehre mit System „Lorenz M 1854“ im Jahr 1866 gegen das preußische Zündnadelgewehr als vollkommen unzureichend erwiesen, wurde die Einführung von Hinterladregewehren mit Randfeuerpatronen aus Kupfer beschleunigt. Die Lorenzgewehre wurden anfangs nach dem System „Wänzel“ (Wiener Büchsenmacher, der dieses System entwickelte; Anm.) mit einer Verschlussklappe zu Hinterladern umgebaut. 1867 wurde mit dem Hinterladersystem „Werndl“ (Gewehre mit „Tabernackel“-Verschluss, der von Karl Holub und Josef Werndl konstruiert wurde; Anm.) aus Steyr mit einem Zylinderverschluss erstmals für die Infanterieregimenter und die Jägerverbände ein gleiches Gewehr eingeführt.

Die nächste gravierende waffentechnische Weiterentwicklung war das Repetiergewehr, dem in Europa jedoch lange Zeit nutzlose Munitionsverschwendung vorgeworfen wurde. Erst lange nachdem im amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) bereits Gewehre mit Metallpatronen in Röhrenmagazinen und Repetiermechanismus erfolgreich eingesetzt wurden, setzte sich dieses System in Österreich durch. Nach Erprobungen von verschiedenen Systemen führte die Kriegsmarine ein Gewehr mit Röhrenmagazin des Systems „Kropa-tschek“ ein. Schlussendlich wurde das Repetiergewehr System „Mannlicher“ von Steyr, mit Geradezugverschluss und einem Kastenmagazin zur Einschiebung von ganzen Patronenpaketen, zur Standardwaffe für die gesamte österreichische Armee. Von diesem Waffensystem der Modellreihe 95 fertigte man Gewehre, Karabiner und Stutzen an. Letztere allerdings nur für die Gebirgstruppen. Das Maschinengewehr wurde als Truppwaffe um 1900 in den österreichischen Heeresverbänden eingeführt.

Uniformierung der Jäger

Der schwarze Jägerhut mit aufgebogener Krempe und dem großen Jägerhorn mit Tiroler Wappen oder der Nummer des Bataillons wurde im Jahr 1811, der Federbusch 1841 eingeführt. Zusammen mit den grasgrünen Aufschlägen am Waffenrock kennzeichnete er ein Jahrhundert lang den altösterreichischen Jäger. Mit der Vereinheitlichung der Uniformen für die gesamte Infanterie im Jahr 1871 wurde die Feldkappe mit schwarzem Schirm und herunterklappbarem Ohren- und Nackenschutz auch bei den „Jägern“ eingeführt. Den Jägerhut trug man nur mehr zum Ausgang und bei Paraden.

Jäger und Schützen als Gebirgstruppen

Zwei Tiroler Kaiserjäger mit Skiausrüstung um das Jahr 1900. (Foto: Bundesheer/Archiv 6. JgBrig)

Die österreichischen Jägertruppen in den Alpenländern wurden seit ihren Anfängen für die Grenzsicherung und Einsätze im Gebirge verwendet. Sie wurden jedoch nicht als Gebirgstruppen bezeichnet. So können das Tiroler Landbataillon, das Tiroler Jäger- und Scharfschützenkorps und das Tiroler Jägerregiment Nr. 64 als älteste Gebirgstruppen der österreichischen Armee bezeichnet werden.

 

Für den Einmarsch nach Bosnien und Herzegowina wurde im Jahr 1878 erstmals eine eigene Gebirgsbrigade gebildet. Diese unterschied sich vor allem in der speziellen Transportausrüstung für das Gebirge von den normalen Feldtruppen.

 

Als erste offizielle österreichische Hochgebirgstruppen wurden ab dem Jahr 1906 in Tirol und Vorarlberg die Landesschützenregimenter I bis III der k.k. Landwehr für den Einsatz im Hochgebirge speziell ausgebildet und ausgerüstet. Im Ersten Weltkrieg wurden die Landesschützen aufgrund ihrer besonderen Bewährung zu Kaiserschützen umbenannt. Die Gebirgstruppen trugen als Kennzeichen ein Edelweiß am grünen Kragenspiegel und eine Auerhahnfeder (Hahnenstoß) an der Kappe.

Auf einen Blick

Die Jägertruppe entwickelte sich  anfänglich aus Soldaten mit Spezialfunktionen - als Scharfschütze sowie Spezialist für den Kleinkrieg und dem zerstreuten Gefecht - zur umfassend einsetzbaren leichten Infanterie. Neben den waffentechnischen Neuerungen hatten auch politische und gesellschaftliche Veränderungen wie die Französische Revolution wesentlichen Einfluss auf die Weiterentwicklung und den Ausbau der Jägertruppe.


In Österreich umfassten die Aufgaben der Jäger grundsätzlich auch den Einsatz im Gebirge. Eine besondere Spezialisierung für den Kampf im Hochgebirge begann erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg bei fünf Regimentern der k.k. Landwehr in Tirol, Vorarlberg und Kärnten. Von der Kampfweise der Jäger gingen wiederholt Innovationsschübe für die Infanterietaktik aus. Letztendlich wurden die Einsatzgrundsätze der Jägertruppe für die bewegliche Gefechtsführung und den Feuerkampf von der gesamten österreichischen Infanterie übernommen.


Brigadier Mag. Ernst Konzett ist Kommandant des Militärkommandos Vorarlberg.

 

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Meinungen (1)

  • Kurt Eckhard, Vzlt i.R. // 10.11.2016, 11:00 Uhr ET. 4/67 zur 1.Kp/JgB18 in Aigen/Ennstal.
    1969 HUOS, 1970 JgS.
    1972 nach Graz zur damaligen BrigTelKp.
    Im Herzen bin ich aber Jäger geblieben, denn diese Ausbildung hat mir in meiner weiteren Laufbahn immer geholfen; sogar noch, als ich "Spieß" wurde.