• Veröffentlichungsdatum: 22.08.2018
  • – Letztes Update: 12.09.2018

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Heimstätte und Kaderschmiede

Othmar Wohlkönig

Im Jahr 2018 finden zahlreiche Jubiläen und Gedenkveranstaltungen statt, die geschichtsträchtige Ereignisse der Republik Österreich in Erinnerung rufen. Einige davon stehen im direkten Zusammenhang mit dem Österreichischen Bundesheer (ÖBH), wobei ein Jubiläum besonders für die Unteroffiziere von Bedeutung ist. Ihre Heimstätte, die Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) in Enns feiert heuer ihr 60-jähriges Bestehen.

Seit 1958 werden in dieser geschichtsträchtigen militärischen Liegenschaft, die 1995 zur Akademie aufgewertet wurde, Unteroffiziere zu Führungskräften ausgebildet, die im täglichen Dienst-, Ausbildungs-, Übungs- und Einsatzbetrieb die Stützen des ÖBH sind. Das ist der Grund warum in vielen Armeen - auch im Bundesheer - der Unteroffizier als „Backbone of the Army“, als „Rückgrat der Armee“ bezeichnet werden.

Diese Beschreibung stammt aus der Feder des preußischen Offiziers Baron Friedrich Wilhelm von Steuben, der sich freiwillig in die Dienste der „Continental Army“ stellte, und diese als „Inspector General“ reformierte. Im Frühjahr 1778 stellte er eine „Muster-Infanteriekompanie“ zusammen, die er im Umgang mit Musketen und Bajonetten drillte. Baron von Steuben kreierte damit zugleich den amerikanischen Unteroffizier, jene Personengruppe die die militärischen Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bataillonen, Brigaden und Divisionen zu vermitteln hatte - eine Kernaufgabe, die auch der österreichische Unteroffizier wahrzunehmen hat. Somit gilt der preußische Offizier, der meinte: „The Sergeant is the most important soldier in the Army“ als Gründungsvater der Unteroffiziere.

Österreichische Unteroffiziere führen als Trupp-, Gruppen-, und im Unterschied zu vielen anderen Armeen, auch als Zugskommandanten Soldaten in nationalen und internationalen Einsätzen. Darüber hinaus versehen sie ihren Dienst als Fachunteroffiziere in allen Waffengattungen sowie in nationalen und internationalen Stäben. Bevor es jedoch soweit ist, um das zu tun, hat sich jeder (angehende) Unteroffizier einer Aus-, Fort- und Weiterbildung zu unterziehen. Bei dieser erhält er das Rüstzeug, um seine Aufgaben zu meistern und sowohl im Frieden als auch im Einsatz zu bestehen.

Dass alle Unteroffiziere unbeschadet ihrer Waffengattung an der HUAk am Modell des Infanteristen ausgebildet werden, stößt zwar manchmal auf Unverständnis, macht jedoch aufgrund des Einsatzspektrums des ÖBH Sinn. So lernt jeder Unteroffizier in der Führungsausbildung die Organisationselemente Trupp, Gruppe oder Zug einzusetzen und zu führen. Damit gibt die HUAk jedem Absolventen das Rüstzeug, um auch außerhalb seiner Normaufgabe in nationalen sowie internationalen Einsätzen die ihm anvertrauten Soldaten einsetzen und führen zu können. Diese Basisfähigkeit der österreichischen Unteroffiziere ist wiederum die Voraussetzung, damit das ÖBH seine Aufgaben rasch und flexibel erfüllen kann.

Zur Verbesserung der Auslandseinsatzfähigkeit des Kaderpersonals wurde in der Stabsunteroffiziersausbildung und nun auch in der Kaderanwärterausbildung die Fremdsprachenausbildung (Englisch) eingeführt. Diese ist ein wesentlicher Schritt für Unteroffiziere, um den internationalen Anforderungen zu entsprechen. Diese müssen nicht immer mit einem Auslandseinsatz im Zusammenhang stehen, denn durch internationale Kooperationen üben österreichische Verbände mit anderen Armeen und haben sich aufgrund der internationalen Kompatibilität Evaluierungen zu unterziehen. Somit vermittelt die HUAk die notwendigen Sprachkenntnisse, um als Soldat und Unteroffizier auch im internationalen Vergleich zu bestehen.

Der Organisationsplan der HUAk, aber auch die Ausbildungsinhalte und die zeitliche Dauer der einzelnen Kurse wurden und werden ständig an aktuelle Erfordernisse angepasst. Dennoch - oder gerade deshalb - ist der Organisationsplan der HUAk, so wie bei allen Waffen- und Fachschulen sowie Akademien, so ausgelegt, dass eine personelle und materielle Unterstützung durch die Truppe bei den diversen Ausbildungen notwendig ist.

Das stellt zwar eine Belastung für die Verbände dar, ist aber zugleich eine Chance die Truppenerfahrung einzubringen und den Unteroffizier der Zukunft zu prägen. Zusätzlich ergibt sich dadurch ein reger Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Truppe und Lehrinstitution. Jeder Verband sollte demnach bestrebt sein, die „besten Unteroffiziere“ als Ausbilder an die Akademien und Schulen zu schicken. Schließlich ist das die Voraussetzung, damit bestens ausgebildete Wachtmeister zu den Verbänden ausmustern.

Für jeden gedienten Unteroffizier der Truppe bietet der Einsatz als Ausbilder an der HUAk die Möglichkeit nach Enns zurückzukehren. An jenen Ort, an dem er selbst zum Unteroffizier geformt wurde und der nicht nur eine traditionelle Ausbildungsstätte und Kaderschmiede, sondern vor allem die Heimstätte des österreichischen Unteroffiziers ist.

Vizeleutnant Othmar Wohlkönig ist Kommandounteroffizier der Streitkräfte.

 

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