• Veröffentlichungsdatum: 04.02.2020

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Feuerunterstützung und Sturm

Markus Ziegler

(Foto: HBF/Daniel Trippolt)
(Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Feuer und Bewegung sind die wesentlichen Elemente des Angriffes. Durch das Feuer der Unterstützungselemente wird der Gegner niedergehalten, damit das Angriffselement seine Sturmausgangsstellung beziehen kann, bevor es den Gegner wirft. Die Synchronisation von Feuer und Bewegung auf dem Gefechtsfeld ist die Schlüsselkompetenz eines jeden Kommandanten. Umso besser diese gelingt, desto höher sind die Erfolgsaussichten des Angriffes bei möglichst geringen eigenen Verlusten. 

Feuerunterstützungselemente

Zum Gewinnen der Feuerüberlegenheit gegenüber einem zugstarken Gegner sind zumindest zwei eigene zugstarke Elemente für die Feuerunterstützung einzuplanen. Nach dem Grundsatz, dass man zum Siegen nie zu stark sein kann, muss der Kompaniekommandant möglichst viele Flachfeuerwaffen zum Einsatz bringen, um rasch die Feuerüberlegenheit zu gewinnen.

Aufgrund des Aufklärungsergebnisses wird durch den Kompanie- und die Zugskommandanten festgelegt, welches Element, welche Waffen und wieviel Munition mitführt. Ausschlaggebend für diese Beurteilung sind die Beschaffenheit der gegnerischen Stellungen und wie lange der Gegner – gemäß dem Kampfplan – niedergehalten werden muss, damit sich das Sturmelement annähern und Sperren räumen kann. Sind der angreifenden Kompanie Kampfpanzer unterstellt, so sind diese einzusetzen. Die wesentliche Leistung, die das Feuerunterstützungselement erbringen muss, ist, dass möglichst viele Gegner durch Feuer in der Einbruchstelle ausfallen und die noch kampffähigen niedergehalten werden. Denn: Jeder Gegner, der durch die Feuer-unterstützung ausfällt, muss nicht durch das Sturmelement im Nahkampf besiegt werden. Erst nachdem die Feuerüberlegenheit gewonnen werden konnte, kann das Sturmelement einbrechen.

Die Soldaten der Feuerunterstützungselemente müssen beim Beziehen ihrer Stellung darauf achten, ob die Annäherungswege mit Sprengfallen oder Richtsplitterladungen gesperrt bzw. zur Sprengung vorbereitet wurden. Grundsätzlich sollte dies bereits durch die Aufklärung festgestellt und im Kampfplan berücksichtigt worden sein. Wird dies erst beim Beziehen der Stellungen festgestellt, muss der Kampfplan adaptiert werden, damit der Auftrag mit der geforderten Wirkung dennoch erfüllt werden kann. Aus diesem Grund ist es für Kommandanten aller Ebenen wichtig, den Kampfplan bzw. den Plan der Durchführung ihrer übergeordneten Ebene zu verstehen. Nur so können sie im Sinne ihrer Vorgesetzten handeln, ohne sich beispielsweise in den Feuerbereich anderer Elemente zu bewegen.

Beispiel: Feuerunterstützung

Der Maschinengewehrtrupp eines Feuerunterstützungselementes bekämpft den Gegner, um den Einbruch des Stoßelementes zu ermöglichen. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Der Maschinengewehrtrupp eines Feuerunterstützungselementes bekämpft den Gegner, um den Einbruch des Stoßelementes zu ermöglichen. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Verfügt der Gegner über ausgebaute Stellungen in Beton- oder Ziegelbauten, müssen diese als harte Ziele angesehen werden, die weder mit Sturm- noch mit Maschinengewehren bekämpft oder niedergehalten werden können. Für deren Bekämpfung werden unbedingt Panzerabwehrrohre mit Hohlladungsgranaten benötigt, die das Mauerwerk durchschlagen können. Wenn geländebedingt möglich, können auch Panzerabwehrlenkwaffen eingesetzt werden.

Bei der Beurteilung der Anzahl der Waffen und Munition gilt der Grundsatz: Jede gehärtete Stellung, die nicht mit Feuer aus leichten Infanteriewaffen niedergehalten werden kann, muss gezielt bekämpft werden. Das Bekämpfen gehärteter Stellungen ist notwendig, um die Feuerüberlegenheit zu gewinnen. Bei einem Gegner, der gemäß seiner Gliederung mit gepanzerten Kampf- und Gefechtsfahrzeugen ausgerüstet ist, muss in gleicher Art vorgegangen werden. Befinden sich im befohlenen Wirkungsraum Gebäude, die nicht ausgebaut bzw. verstärkt wurden, aber vom Gegner verwendet werden, reichen meist Sturm- und Maschinengewehre zum Bekämpfen und Niederhalten aus. Mit dem Panzerabwehrrohr und Granatgewehren kann der Gegner mit Sprenggranaten durch Fenster oder genügend große Mauerdurchbrüche bekämpft werden.

Beispiel für die Gliederung eines Feuerunterstützungselementes in Zugstärke.
Beispiel für die Gliederung eines Feuerunterstützungselementes in Zugstärke.

Auftrag und Durchführung

Der Auftrag des Feuerunterstützungselementes lautet: „I. Zug greift als Feuerunter-stützungselement an und hält den Gegner im ausgebauten zweistöckigen Haus und im nicht ausgebauten einstöckigen Haus nieder.“ Dazu befiehlt der Kompaniekommandant für die geplante Einsatzführung, dass vor dem Einsatz des Stoßelementes jede erkannte Stellung des ausgebauten Hauses mit zumindest einer Hohlladungsgranate bekämpft wird. Unmittelbar vor dem Einsatz des Stoßelementes werden auf den Eindringpunkt und das Fenster links und rechts davon je zwei Hohlladungsgranaten gefeuert, um sicherzustellen, dass der Gegner im Eindringpunkt bekämpft wurde. Die Öffnungen eines nicht ausgebauten Hauses werden mit Maschinengewehren niedergehalten und erkannte Gegner sind mit Sprenggranaten durch die Fenster zu bekämpfen. Der Gegner muss zumindest fünf Minuten niedergehalten werden, bevor das Sturmelement die Sturmausgangsstellung bezogen hat.

Munitionsplanung

Ausgehend davon, dass gegnerische, halbzugstarke Kräfte niederzuhalten sind, ist von sieben bis 14 Hauptstellungen und weiteren Wechsel- bzw. Ergänzungsstellungen in ähnlicher Größenanzahl auszugehen. Bei angenommenen 28 Stellungen kann mit den 40 Hohlladungsgranaten eines Jägerzuges jedes Ziel einmal bekämpft werden. Damit sind noch genügend Granaten vorhanden, um unmittelbar vor dem Ansatz des Sturmelementes je zwei Granaten auf den Eindringpunkt sowie die danebenliegenden Fenster zu feuern und danach noch über sechs Reservegranaten zu verfügen. Gemäß der Faustregel, dass für das Niederhalten von je einer Stellung mit dem Maschinengewehr etwa 50 Patronen pro Minute benötigt werden, sind bei sieben Stellungen einer Gruppe (inklusive Wechsel- und Ergänzungsstellungen) in einem nicht ausgebauten Haus 350 Patronen pro Minute notwendig und für fünf Minuten insgesamt 1 750. Bei den mitgeführten 4 000 Patronen haben die Maschinengewehre nach zehn Minuten Niederhaltefeuer noch immer 500 Patronen Reservemunition.

Der Maschinengewehrtrupp eines Feuerunterstützungselementes bekämpft den Gegner, um den Einbruch des Stoßelementes zu ermöglichen. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Der Maschinengewehrtrupp eines Feuerunterstützungselementes bekämpft den Gegner, um den Einbruch des Stoßelementes zu ermöglichen. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein Maschinengewehrtrupp führt den Feuerkampf. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein Maschinengewehrtrupp führt den Feuerkampf. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Prinzipien für das Niederhalten

Zum Erringen der Feuerüberlegenheit werden alle Waffen des Jägerzuges benötigt. Um alle gegnerischen Stellungen gleichzeitig gezielt zu bekämpfen, sind neben den Maschinengewehren möglichst viele Sturmgewehre einzusetzen. Ziel des Niederhaltens ist es, möglichst viele Gegner mit Feuer gezielt kampfunfähig zu machen bzw. in Deckung zu halten, damit sie ihre Waffen nicht gegen eigene Teile einsetzen können. Damit der Gegner in Deckung bleibt und nicht erneut den Feuerkampf aufnehmen kann, muss seine Stellung alle drei Sekunden mit Feuer belegt werden. Aus diesem Grund kann ein Maschinengewehr maximal drei bis vier Stellungen niederhalten, wobei je Minute und Stellung 50 Patronen benötigt werden. Wenn man diese Werte auf das Sturmgewehr umlegt und ebenfalls alle drei Sekunden eine gegnerische Stellung bekämpft wird, ermöglichen die 30 Patronen eines Magazins ein Niederhalten für maximal eineinhalb Minuten.

Der Einsatz von Panzerabwehrrohren soll den Gegner aufgrund deren Splitterwirkung in Deckung zwingen. Deshalb sollen Sprenggranaten mit hochgezogenem Sprengpunkt verwendet werden, die den Gegner mit Splittern bekämpfen bzw. in Deckung zwingen. Um ihn wirkungsvoll zu bekämpfen, sollte der Detonationspunkt in möglichst geringer Höhe (sechs bis acht Meter) über der gegnerischen Deckung liegen, um die Splitterdichte zu maximieren. Neben dem Panzerabwehrrohr können gedeckte Kräfte auch mit dem Granatgewehr bekämpft werden. Durch die im Vergleich zum Panzerabwehrrohr geringere Wirkung der Granaten müssen die gegnerischen Stellungen jedoch direkt getroffen werden. Gepanzerte Kampf- und Gefechtsfahrzeuge sowie zu harten Zielen ausgebaute Stellungen können nicht niedergehalten werden und müssen von panzerbrechenden Waffen mit Direkttreffern vernichtet werden. 

Sturmelement

Das Sturmelement ist ein Infanteriezug, der – wenn nötig – mit einem Element zum Räumen von Sperren verstärkt wird. Dieser Zug ist so ausgerüstet, dass er den Auftrag zum Einbruch in die gegnerische Stellung durchführen und dem über ihn weiter vorstoßenden Zug Feuerunterstützung geben kann. Wesentlich ist, dass dieser Zug so leicht wie es der Auftrag erlaubt ausgerüstet ist, da er unter optimaler Ausnützung des Geländes im sporadischen Feindfeuer rasch in den Gegner stoßen muss. Am Mann befinden sich deshalb nur jene Ausrüstungsgegenstände, die für den Kampf, die Führung und den persönlichen Schutz unbedingt notwendig sind.

Angriff mit drei Feuerunterstützungselementen und einer Scharfschützengruppe. Der Sturmzug besteht aus vier Jägergruppen und einer Pioniergruppe, von denen eine Gruppe als Feuerunterstützungselement eingesetzt ist. Der Einbruch erfolgt am Eindringpunkt, jenem Teil der gegnerischen Stellungen, der für den Einbruch als am erfolgversprechendsten beurteilt wurde. (Grafik: Markus Ziegler)
Angriff mit drei Feuerunterstützungselementen und einer Scharfschützengruppe. Der Sturmzug besteht aus vier Jägergruppen und einer Pioniergruppe, von denen eine Gruppe als Feuerunterstützungselement eingesetzt ist. Der Einbruch erfolgt am Eindringpunkt, jenem Teil der gegnerischen Stellungen, der für den Einbruch als am erfolgversprechendsten beurteilt wurde. (Grafik: Markus Ziegler)

Grundsätze für das Stoßelement

Um das Stoßelement erfolgversprechend einzusetzen, sind die folgenden Grundsätze unbedingt einzuhalten:

  • Vor dem Stoß muss die Masse des Gegners in der Einbruchstelle mit Feuer bekämpft worden sein.
  • Der Eindringpunkt muss so massiv mit Feuer belegt worden sein, dass der Gegner im Bereich des Eindringpunktes nachhaltig bekämpft wurde.
  • Das Stoßelement sollte nur bei einem Verschieben von Feindkräften den Eindringpunkt niederhalten müssen.

Vor dem Stoß müssen alle Räume, aus denen auf das Element gefeuert werden kann, entweder in eigener Hand sein, niedergehalten oder weggeblendet werden. Ist das nicht der Fall, könnte das Stoßelement gezielt bekämpft werden, was verhindert werden muss. Sporadisches Feuer des Gegners – auch mit Maschinengewehr und/oder Granaten – kann dennoch nicht ausgeschlossen werden. Daher muss der Stoß aufgelockert und so schnell wie möglich erfolgen.

Durchführen des Einbruches

In der Phase des Einbruches muss die Kompanie genügend starke Kräfte, in der entsprechenden Gefechtsformation entwickelt, an den Gegner bringen. Eine Problematik ergibt sich, wenn man unter Berücksichtigung der geforderten Verhältniszahlen die Gefechtsbreiten des Angreifers und Verteidigers im Gelände gegenüberstellt. Rechnerisch hat jede Gruppe in der Schützenkette eine Breite von etwa 50 Metern. Bei acht Gruppen von zwei Feuerunterstützungselementen in Zugstärke ergibt sich eine Breite von 400 Metern. Ein zur Verteidigung eingesetzter Infanteriezug hat geländebedingt jedoch eine Breite von 400 bis 600 Metern. Somit haben die angreifenden Kräfte lediglich eine Überlegenheit von 2:1, obwohl sie für einen erfolgreichen Angriff ein Verhältnis von zumindest 3:1 benötigen.

Diese Überlegenheit kann durch zwei Maßnahmen gesteigert werden. Die erste ist der Einsatz von Steilfeuer und Luftkampfmitteln im Zuge des Vorbereitungsfeuers, um den Gegner zu dezimieren. Schließlich bedeuten Ausfälle von 50 Prozent eine Verdoppelung der eigenen Überlegenheit und eine weitere Halbierung eine Vervierfachung. Die Folgerung ist, dass in jenem Gefechtsbereich, wo die Entscheidung herbeigeführt werden soll, eine Feuerzusammenfassung von den verfügbaren Steilfeuerelementen bei gleichzeitigem Einsatz von Luftkampfmitteln stattfinden muss. Die zweite Möglichkeit ist der Einsatz von Nebel zum Blenden von Teilen des Gegners, damit dieser keinen wirksamen Feuerkampf führen kann und das eigene Feuer auf die nicht geblendeten Feindkräfte zusammengefasst werden kann.

Eine Gruppe eines Stoßelementes geht Richtung Gegner vor. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Eine Gruppe eines Stoßelementes geht Richtung Gegner vor. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein PAR-Trupp feuert eine Granate ab. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein PAR-Trupp feuert eine Granate ab. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
PAR-Trupp beim Beobachten des Gefechtsfeldes. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
PAR-Trupp beim Beobachten des Gefechtsfeldes. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Vorgehen in den gegnerischen Stellungen

Ist die Feuerüberlegenheit gewonnen, erfolgt der Ansatz des Stoßelementes. Nach dem Einbruch in die Feindstellungen ist möglichst rasch weiter vorzugehen. Der Verteidiger handelt nach dem Grundsatz, dass ein Gegenstoß immer und möglichst rasch zu erfolgen hat. Je früher ein Gegenstoß durchgeführt wird, desto höher ist dessen Erfolgswahrscheinlichkeit, da dann erst wenige gegnerische Kräfte in die Stellungen eingebrochen sind. Sind bereits zugstarke Angriffskräfte eingebrochen und der nächste Zug im Anmarsch, kann ein verteidigender Zug maximal abriegeln und so die Voraussetzung für einen Gegenstoß schaffen. Das bedeutet wiederum einen Zeitgewinn für die angreifende Kompanie, da ein solcher Gegenstoß nicht rasch ausgelöst werden kann. Ist vor dem Gegenstoß bereits die gesamte angreifende Kompanie eingebrochen, die mit eigenen Teilen abriegelt, wird dieser vermutlich scheitern. Geschwindigkeit ist somit eine entscheidende „Waffe“ für den Angriff. Je schneller mit viel eigenem Feuer angegriffen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines „Sieges“.

Sicherung des Angriffszieles

Ob das Angriffsziel gesichert wird oder sofort weiter in die Tiefe des Gegners eingedrungen wird, hängt vom Angriff (Anzahl der Ausfälle etc.) und von der Beurteilung der Lage nach dem Einbruch ab. Die Sicherung des Angriffszieles erfolgt nach den Prinzipien der Verteidigung. Die Züge beziehen ihre Stellungen – wann immer das möglich ist – als Kamm- oder Randstellungen, so dass sie sich zur Verlagerung des Schwergewichtes gedeckt verschieben können. Vorgeschobene Sicherungen in Gruppen- bis Halbzugstärke und stehende Spähtrupps werden so weit vor der Kompanie eingesetzt, dass ein Gegenstoß frühzeitig erkannt und verzögert werden kann. Die Kompanie nützt diese Zeit zur Verschiebung des Schwergewichtes in die erkannte Angriffsachse des Gegners, was vor dem Auftreffen des Gegners beendet sein muss. Parallel zum Beziehen der Stellungen zur Sicherung des Angriffszieles erfolgen die Versorgungsmaßnahmen.

Beispiel: Gliederung eines Einbruchelementes in ein mehrstöckiges Gebäude

Der Auftrag lautet: „I. Zug bricht in Hochhaus bei rechtem Fenster im Erdgeschoß ein, nimmt Erdgeschoß und riegelt Richtung Keller, erster Stock und in die Tiefe des Hauses ab.“ Bei der geplanten Einsatzführung ergänzt der Kompaniekommandant, dass zum Öffnen der Sperre eine Pioniergruppe unterstellt wird und die Nahunterstützung selbstständig sicherzustellen ist. Das Gefecht wird in diesem Fall durch den Nahkampf und das Aufbrechen von Türen und Verrammelungen gekennzeichnet sein. Mit harten Zielen im Gebäude ist nicht zu rechnen, Kampfentfernungen über die Nahkampfdistanz hinaus ergeben sich maximal beim Abriegeln aufgrund der Entfernung zum nächsten Gebäude.

Beispiel für die Gliederung eines Einbruchelementes in ein mehrstöckiges Gebäude:
Beispiel für die Gliederung eines Einbruchelementes in ein mehrstöckiges Gebäude.

Gefechtstechniken

Die Gefechtstechniken Sturm und Stoß sowie das überschlagende Vorgehen sind die Grundlage für den Angriff auf Gruppenebene. Sie sind das Einmaleins für den Angriff und müssen unter allen Umfeldbedingungen drillmäßig beherrscht werden.

Stoß

Der Stoß erfolgt in einer Gefechtsordnung, die dem Prinzip der Schützenreihe entspricht. Die Abstände sind aufgelockert und betragen grundsätzlich den Normabstand von acht Schritten. Wenn es die Lage erfordert, können sie auch verkürzt werden. Wenn beispielsweise das Stoßelement den Eindringpunkt selbst niederhält, können die Abstände auf vier Schritte reduziert oder – wenn es die Lage erfordert – sogar noch weiter verkürzt werden. Sofern das Niederhalten des Gegners erforderlich ist und es das Gelände ermöglicht, können zwei oder mehr Schützen zum Niederhalten des Eindringpunktes eingeteilt werden. Unter allen Umständen muss ein Stau vor dem Eindringpunkt vermieden werden. Daher kann auch nur truppweise gestoßen oder mit entsprechend vergrößerten Abständen vorgegangen werden.

Die Gefechtstechnik des Stoßes ist nur bei einer klar erkannten Stellung mit einem Eindringpunkt oder beim Überwinden von Sperren anzuwenden. Lagebedingt kann der Kommandant den oder die vorne eingeteilten Schützen selbst führen. Zum Beispiel, wenn der vorderste Schütze durch den Feuerkampf das Stoßtempo zu stark reduziert (Tunnelblick, Stresssituation).

Links: Stoß mit einem Normabstand von acht Schritten, bei dem sich der Gruppenkommandant hinter dem ersten Schützen befindet. Mitte: Stoß mit zwei Schützen vorne, hinter denen sich der Gruppenkommandant befindet. Rechts: Sturm in Kette mit einem Normabstand von acht Schritten. Der Gruppenkommandant befindet sich in der Mitte. (Grafik: Markus Ziegler)
Links: Stoß mit einem Normabstand von acht Schritten, bei dem sich der Gruppenkommandant hinter dem ersten Schützen befindet.
Mitte: Stoß mit zwei Schützen vorne, hinter denen sich der Gruppenkommandant befindet.
Rechts: Sturm in Kette mit einem Normabstand von acht Schritten. Der Gruppenkommandant befindet sich in der Mitte. (Grafik: Markus Ziegler)

Sturm

Der Sturm erfolgt in einer Gefechtsordnung, die dem Prinzip der Schützenkette entspricht. Wie auch beim Stoß sind die Abstände aufgelockert, betragen den Normabstand von acht Schritten und können, wenn es die Lage erfordert, auch verkürzt werden. Die Gefechtstechnik des Sturmes ist anzuwenden, wenn sich der Gegner in mehr als einer Stellung befindet, nicht eindeutig erkennbar ist oder ein Geländeteil genommen werden muss. Beim Sturm der Gruppe muss deren Flanke stets gesichert sein.

Überschlagendes Vorgehen im Zugsbreitkeil

Muss sich die angreifende Kompanie geländebedingt, unter Einsatz von Feuer und Bewegung, im Breitkeil entwickelt, überschlagend an den Gegner arbeiten, sind folgende Grundsätze zu beachten: Solange der Gegner durch ein Feuerunterstützungselement niedergehalten wird und die Entfernung zu ihm größer als 50 Meter ist, erfolgt das Vorgehen durch sprungweises Vorarbeiten (Sprung - Vorwärts - Decken) ohne Feuer des vorgehenden Elementes oder im schnellen Lauf. Wenn der Gegner durch das Feuerunterstützungselement nicht mehr niedergehalten werden kann (z. B. nach dem Überschreiten der Sicherheitslinie), erfolgt das Vorgehen durch sprungweises Vorarbeiten (Sprung - Vorwärts - Decken) oder das rasche Vorgehen mit Feuer. Gemäß dem aktuellen Schießprogramm des Bundesheeres können ausgebildete Schützen den Gegner ab einer Entfernung von 50 Metern auch im Vorgehen niederhalten.

Geländeausnützung

Der beste Schutz für den Soldaten auf dem Gefechtsfeld ist es, nicht getroffen zu werden. Die Geländeausnützung und Anwendung der Bewegungsarten sind die einzigen Möglichkeiten, um das zu erreichen. Daher beginnt jede Bewegung in einer Deckung und endet auch wieder in einer Deckung.

Die Schutzausrüstung des Soldaten, die gegen die Wirkung von Granatsplittern bzw. Geschossen schützt und aus dem Kampfhelm und der Schutzweste besteht, soll die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Treffer erhöhen. Geschützt wird dadurch vor allem die Kernzone des Körpers, in der ein Treffer mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich ist. Trotz der Schutzausrüstung können weder tödliche Treffer noch Verwundungen ausgeschlossen werden. Der Grad der Verletzung wird jedoch deutlich gemindert.

Drei Schützen haben den Gegner im Visier. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Drei Schützen haben den Gegner im Visier. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein Stoßelement bewegt sich zum Gegner. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein Stoßelement bewegt sich zum Gegner. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Auf einem Blick

Die Grundprinzipien für den Angriff sind unter allen Umfeldbedingungen gleich. Die zahlenmäßige örtliche Überlegenheit von mindestens 3:1 ist unbedingt notwendig, um zu siegen. Je größer dieses Kräfteverhältnis ist, desto höher sind auch die Erfolgsaussichten. Durch eine gezielte und massive Feuervorbereitung mit Steilfeuer und Luftkampfmitteln wird der Gegner während der Annäherung stark dezimiert, wodurch die eigene verhältnismäßige Überlegenheit gesteigert werden kann.

Die angreifenden Kräfte müssen den Gegner durch Überraschung und/oder Geschwindigkeit an seiner Schwachstelle treffen, bevor dieser sein Schwergewicht in die Angriffsachse verlagern kann. Die Feuerunterstützungselemente müssen vor dem Einsatz der Elemente für das Räumen von Sperren und den Stoß die Feuerüberlegenheit gewonnen haben. Vor dem Einsatz dieser beiden Elemente müssen alle Räume, aus denen auf diese gefeuert werden kann, in eigener Hand sein, niedergehalten werden oder weggeblendet sein.

Die Gliederung und Zusammensetzung der Feuerunterstützungselemente, des Stoßelementes und der Sicherungselemente ist von der Stärke und Gliederung des Gegners sowie dem Gelände abhängig. Nach erfolgtem Einbruch muss so rasch wie möglich vorgegangen werden, um die Reaktionszeit des Gegners für einen Gegenstoß zu unterlaufen. Ist das Angriffsziel genommen und wird nicht sofort weiter angegriffen, richtet sich die Truppe nach den Prinzipien der Verteidigung zur Abwehr von Gegenstößen und Gegenangriffen ein.

Oberstleutnant Markus Ziegler, MA ist Kommandant Truppenübungsplatz Bruckneudorf; davor Hauptlehroffizier Jäger an der Heerestruppenschule.

 

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