• Veröffentlichungsdatum: 19.08.2017
  • – Letztes Update: 21.08.2017

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Ein Panzer für die Ewigkeit

Franz Brödl

(Foto: HGM/Walter Posch)
(Foto: HGM/Walter Posch)

Der „Hetzer“ war einer der ersten Panzer im Heeresgeschichtlichen Museum welcher nicht aus den Beständen des österreichischen Bundesheeres stammte. 1974 kam er als Geschenk der Schweizer Armee nach Wien und wurde dort im Depot eingelagert, bis er 2005 aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt wurde. Nach einer mehrjährigen und aufwendigen Restaurierung konnte er 2009 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Geschichte des Panzers

Der „Hetzer“ wurde auf Basis des Panzerkampfwagens 38, besser bekannt als Panzer 38(t), in der damaligen Tschechoslowakei entwickelt. Bis zum Einmarsch der deutschen Armee im Jahr 1939 waren etwa 50 Exemplare produziert. Für die Deutsche Wehrmacht war es ein Glücksfall die tschechischen Industrieanlagen zu erbeuten, weil diese über hohe Fertigungskapazitäten und technisches Wissen verfügten. Ohne den Gerätezuwachs, der daraus resultierte, hätte die Deutsche Wehrmacht ihre Kriegsfähigkeit nur schwer herstellen können.

Der Panzer 38(t) stellte die deutsche Wehrmacht vor mehrere Herausforderungen. Der technische Stand der Panzertruppe war auf die Panzer I und Panzer II ausgerichtet, die über leicht gepanzerte und bewegliche Maschinengewehre bzw. Kanonen verfügten. Nur wenige Einheiten waren mit dem Panzer III ausgerüstet, der hinsichtlich der Leistungsparameter mit dem Panzer 38(t) vergleichbar war. Die Truppe bekam nun ein Fahrzeug, das beispielsweise über ein halbautomatisches Getriebe verfügte, bei dem das Zwischengas und Zwischenkuppeln wegfielen. Den Höchststand an Panzern 38(t) erreichte die Deutsche Wehrmacht 1942. Insgesamt wurden fünf Panzerdivisionen damit ausgerüstet.

Im Ostfeldzug - dem Angriff auf die Sowjetunion - bewährte sich das Fahrzeug, wobei der kleine Panzerturm und die zu leichte Kanone, zum Problem wurden. Im Zwei-Mann-Turm, in dem sich auch ein Maschinengewehr (MG) befand, war der Kommandant gleichzeitig auch Richtschütze, was für die Führung des Fahrzeuges problematisch war. Die 3,7-cm-Kanone war bereits 1941 veraltet und konnte nicht die erforderliche Durchschlagsleistung und Reichweite erzielen. Aufgrund der Turmform war es jedoch nicht möglich eine größere und leistungsfähigere Kanone einzubauen. Trotzdem wurden bis zum Fertigungsende 1.400 Panzer gebaut, die bei der Truppe aufgrund der Robustheit sehr beliebt waren.

Jagdpanzer

Der Panzerkampfwagen 38(t). (Foto: HGM)
Der Panzerkampfwagen 38(t). (Foto: HGM)

Im Jahr 1943 wurde die gesamte Produktion der tschechoslowakischen Werke umgestellt und der Panzer 38(t) unter Einbau einer 7,5-cm-Panzerabwehrkanone zu einem Panzerjäger umkonstruiert. Alle Fahrzeuge die von der Front zurückkamen, wurden nun in der Prager Fabrik zu Selbstfahrlafetten umgebaut. Somit wurde das größte Manko - die schwache Panzerkanone - ausgeglichen. Das war spätestens ab diesem Zeitpunkt unumgänglich, da die überlegenen sowjetischen T-34 auf den Schlachtfeldern im Osten präsent waren, und man ihnen eine leistungsfähigere Panzerabwehr entgegensetzen musste.

Mit den Selbstfahrlafetten sollte die Panzerjägertruppe beweglicher gemacht werden. Diese verfügte bis dahin nur über gezogene Panzerabwehrkanonen (PaK), die auch weiterhin ihre Hauptbewaffnung blieben. Der größte Nachteil des Panzerjägers war der seitlich, sowie oben und hinten offene Kampfraum. Deshalb erteilte der Generalinspekteur der Panzertruppe, General Heinz Guderian im Sommer 1943 eine weitreichende Weisung. Diese lautete, einen leichten, gut bewaffneter Jagdpanzer zu entwickeln, der die Panzerabwehrfähigkeit der Truppe entscheidend erhöht. Der Bau von Jagdpanzern anstelle der Selbstfahrlaffetten hatte äußerste Priorität.

Der tschechische Hersteller CKD erarbeitete daraufhin den Entwurf eines Jagdpanzers unter folgenden Vorgaben: Der Panzer sollte die 7,5-cm-Standardkanone L/48 tragen, welche schon im Panzer IV und im Sturmgeschütz verbaut wurde - jedoch ohne Mündungsbremse - und auf 600 Metern die Panzerung eines T-34 durchschlagen konnte.

Die Werkserprobung des 'Hetzer' im März 1944. (Foto: HGM)
Die Werkserprobung des 'Hetzer' im März 1944. (Foto: HGM)

Der Panzer 38(t) wird zum „Hetzer“

Für die Umsetzung des Entwurfes sollten weitgehend die Komponenten des Panzers 38(t) verwendet werden. Dieser sollte jedoch über einen sturmgeschützähnlichen Aufbau verfügen, wie es die Truppe forderte. Die monatliche Produktion sollte mindestens 300 Stück betragen, um die Ausfälle an der Front zu kompensieren und rasch neue Panzerjägerabteilungen aufstellen zu können. Mit diesen Vorgaben stellte der Hersteller CKD im Jänner 1944 ein Holzmodell des Panzers vor, bei dem fast 80 Prozent der Teile des Panzer 38(t) verwendet werden konnten - der „Hetzer“.

Die Werkserprobung im März 1944 zeigte, dass der Panzer brauchbar war, obwohl die ersten 20 Fahrzeuge, die in die Erprobung gingen, extrem kopflastig waren. Das Manko wurde durch eine Verkleinerung der Blenden korrigiert, wobei eine schwächere Panzerung bewusst in Kauf genommen wurde. Die Seiten- und Rückwandbleche boten damit nur noch einen Splitterschutz. Die Produktion des Hetzers begann im Mai 1944. Im Juni 1944 konnten die ersten Panzer an die Truppe übergeben werden. Das CKD-Werk in Prag und die Škoda Werke in Königgrätz und Pilsen waren die Produktionsstandorte des Fahrzeuges. Die Wanne kam aus Breslau, der Aufbau wurde in Prag oder Königgrätz gefertigt, die Panzerkanone lieferte Rheinmetall-Borsig aus Unterlüß.

Der logistische Aufwand, diese Teile im letzten Kriegsjahr zu transportieren und zusammenzuführen sowie an zwei Standorten zu montieren, gelang nur durch eine umfangreiche Standardisierung. Das verzögerte sowohl den Fertigungsbeginn, gestaltete aber auch die weitere Produktion als schwierig, die deshalb nur schleppend erfolgte. Bis zum Mai 1945 wurden dennoch fast 2.600 Stück des Panzers produziert.

Bewährungsprobe an der Front

Die Durchschlagskraft des Hetzers im Überblick. (Grafik: HGM)
Die Durchschlagskraft des Hetzers im Überblick. (Grafik: HGM)

Im Einsatz bewährte sich der Hetzer, bei der Besatzung war er aber wegen der Enge und der Hitzeentwicklung im Innenraum äußerst unbeliebt. Sein bedeutendster Vorteil war seine geringe Größe und das Leistungsgewicht von 10 PS pro Tonne, wodurch er sehr beweglich war. Das Fahrzeug war auch aufgrund seiner Feuerhöhe von nur 1,40 m im Kampf erfolgreich, durch die beinahe jede Bodenwelle zur Wannenstellung wurde. Der Richtbereich der Kanone war mit 15 Grad jedoch überschaubar.

Die Panzerkanone L/48 zeigte gegen andere Panzer eine gute Wirkung. Gegen einen britischen Chromwell-Panzer war der Hetzer beispielsweise bis auf eine Entfernung von 1.500 m duellfähig. Beim T-34 hatte man bis auf 600 m - im Ausnahmefall sogar 800 m - eine Wirkung im Ziel und konnte diesen bekämpfen. Die längere und leistungsstärkere 7,5-cm-Panzerkanone L/70 konnte aufgrund ihrer Größe nicht verbaut werden.

Ein Jagdpanzer für die Schweiz

Im September 1944 erhielt die Schweiz einen Jagdpanzer 38, wie der Hetzer offiziell hieß, zur Erprobung. Im Jänner 1945, bestellte die Schweizer Bundesregierung 158 Stück Jagdpanzer 38. Die Bestellung ging zunächst „unter“, wurde aber von Škoda bei Kriegsende wieder aufgegriffen. 1946 meldete das Unternehmen schließlich die Lieferbereitschaft der ersten zehn Fahrzeuge. Diese konnten aufgrund des Widerstands der Sowjetunion nicht über Österreich transportiert werden. Deshalb wurden die Panzer über die amerikanische Besatzungszone in Bayern transportiert und fuhren bei Konstanz mit der Fähre über den Bodensee in die Schweiz.

Die Schweizer Armee führte die Fahrzeuge 1947 unter der Bezeichnung G13 offiziell ein und nahm anfangs nur geringe Änderungen vor. Drei Schweizer Panzerjägerbataillone wurden mit diesem, damals modernen und kriegsbewährten Panzer ausgerüstet. Detail am Rande: Die Fahrzeuge kamen in der Schweiz noch in der werksseitig aufgebrachten Tarnlackierung an. Sie sahen demnach so aus, wie jene Hetzer, die die Deutsche Wehrmacht noch kurz davor an der Front eingesetzt hatte.

Adaptionen während der Dienstzeit

Der Hetzer wartete im Wiener Arsenal 20 Jahre auf seine Restaurierung. (Foto: HGM)
Der Hetzer wartete im Wiener Arsenal 20 Jahre auf seine Restaurierung. (Foto: HGM)

Ab 1952 begann für die Schweizer Armee die Ersatzteileproblematik akut zu werden. Der Eiserne Vorhang warf seine Schatten - die tschechoslowakischen Firmen lieferten nicht mehr an die neutrale Schweiz. Daraufhin begannen die Eidgenossen damit, die Ersatzteile selbst zu fertigen; nur bei den Motoren war man auf Zulieferung aus der Tschechoslowakei angewiesen. Deshalb entschloss man sich, die Benzintriebwerke durch Dieselmotore zu ersetzen. 94 Stück der Jagdpanzer wurden 1952 umgerüstet, das waren zwei Drittel der Fahrzeugflotte. Das restliche Drittel behielt die Benzinmotoren und wurde eingelagert, dienten als Reservefahrzeuge oder Ersatzteillager.

Manche der G13 wurden in den Rekrutenschulen verwendet, die Masse stand in Motorparks und wurde dort gewartet. Die relativ lange Truppennutzung ging an den Schweizer G13-Panzern nicht spurlos vorüber. Aufgrund zahlreicher Adaptionen unterschied er sich deutlich von dem Gerät, das 1946 ausgeliefert wurde. Beispielsweise wurde eine Mündungsbremse nachträglich angebracht, die Blende vergrößert oder die MG-Drehlafette durch ein Rundum-Periskop ersetzt, wodurch auch das MG verschwand. Im Gegenzug bauten die Schweizer ein Fliegerabwehr-MG ein und nahmen weitere kleinere Modifikationen, etwa den Einbau einer eigenen Funkanlage vor. Darüber hinaus reduzierte die Schweizer Armee die Munitionsausstattung auf 50 Granaten, anstatt der ursprünglich 60 Stück, die sich neben dem Ladeschützen unter der Kanone befanden.

1972 endete die Nutzung des G13, nachdem Überlegungen, den Panzer aufzurüsten, verworfen wurden. 25 Stück wurden daraufhin an befreundete Museen und Staaten verschenkt, einige Panzer kamen als Hartziele auf Schießplätze, die meisten wurden verschrottet. 1974 bekam Österreich einen G13-Jagdpanzer geschenkt, der an das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) übergeben werden sollte. Nach längerer Unklarheit gelangte der Panzer per Bahntransport ins Arsenal, wo er im Objekt 4 eingelagert wurde. Bis auf eine Ausstellung im Jahr 1993 blieb das Fahrzeug dort und wartete auf seine Restaurierung.

Die Restaurierung beginnt

2004 wurde der Hetzer „ausgegraben“. Der erste Blick in das Innere des Panzers war eine große Überraschung: Er war praktisch komplett. So waren beispielsweise das Bordwerkzeug, die Funkausrüstung, ein Sanitätskasten - der 1968 das letzte Mal überprüft wurde – vorhanden. Die Schweizer hatten das Fahrzeug mit der gesamten Ausrüstung übergeben.

2005 begann die Restaurierung. Die damalige Panzertruppenschule bekam die Erlaubnis das Fahrzeug zu bergen, woraufhin der Hetzer mit einem Bergepanzer aus dem Objekt 4 herausgezogen wurde. Der Plan war, den Panzer zuerst fahrfähig zu machen und dann die weiteren Schritte festzulegen. Anfangs war unklar, ob das überhaupt möglich sein würde. Zunächst wurden alle Flüssigkeiten (Kühlmittel, Sprit und Öle) abgelassen und neu befüllt. Das reichte, um den Motor anwerfen zu können. Nach drei Wochen fand die erste vorsichtige Probefahrt mit dem „Hetzer“ statt.

Der Hetzer bei der Bergung 2005. (Foto: HGM/Walter Posch)
Der Hetzer bei der Bergung 2005. (Foto: HGM/Walter Posch)
Die Fahrfähigkeit wurde 2006 hergestellt. (Foto: HGM/Walter Posch)
Die Fahrfähigkeit wurde 2006 hergestellt. (Foto: HGM/Walter Posch)

Fahren mit dem Hetzer

Im Panzer sitzen der Fahrer, der Richtschütze und der Ladeschütze direkt hintereinander. Hinter der Kanone befindet sich der Panzerkommandant, das vierte Besatzungsmitglied, der das Fahrzeug führt. Der Kommandant führt den Fahrer über Richtungspunkte. Dieser verfügt dazu über zwei Winkelspiegel - einen für den Nah- und einen für den Fernbereich. Hat der Kommandant ein Ziel erkannt, gibt er eine Zielansprache anhand des Uhrziffernblattes. Der Fahrer dreht den Panzer dann so lange, bis er das Ziel gefunden hat.

Das ist notwendig, da der „Hetzer“ keinen drehbaren Turm hat und sich die Kanone nur in einem Winkel von 15 Grad schwenken lässt. Der Fahrer verfügt über ein Kreuz in seiner Optik welches er mit dem vom Kommandanten vorgegebenen Punkt zur Deckung bringt. Nun beginnt die Feinarbeit des Richtschützen. Dieser sitzt so nahe hinter dem Panzerfahrer, dass er ihm die Knie in den Rücken drücken kann. Der Richtschütze lenkt den Panzerfahrer de facto mit seinen Knien, was nur funktioniert, wenn das Team eingespielt ist. Das Fahrzeug verfügt über zwei Lenkhebel, die jeweils eine Kettenseite bremsen. Jeder Lenkhebel hat zwei Druckknöpfe; einen für die Lenk- und einen für die Stützbremse - für große und kleine Kurvenradien.

Das Fahrzeug hatte ursprünglich nur ein Funkgerät, welches auch der Innenbordverständigung diente. Zusätzlich ist im Innenraum eine Lichtampel zur Führung des Panzerfahrers angebracht. Der Kommandant hat die Druckknöpfe rot, blau und grün, beim Fahrer gibt es drei Lampen in der gleichen Farbe. Um den Funkverkehr besser überwachen zu können sollte im Fahrzeug möglichst wenig gesprochen Werden. Daher führt der Kommandant den Fahrer mit den drei Lichtzeichen. Das funktioniert und bringt im Gefecht möglicherweise den entscheidenden Vorteil. Der restaurierte Hetzer im HGM verfügt aus Sicherheitsgründen zusätzlich über eine eigene Bordsprechanlage, da die Lampen nicht ausreichen, um den Panzer sicher zu bewegen. Aufgrund der geringen Sicht - das Fahrzeug fährt immer „Luke dicht“ - und der kraftintensiven Lenkung ist es für den Fahrer eine Herausforderung den Hetzer zu bewegen.

Restaurierung in zwei Schritten

Das Herstellen der Fahrfähigkeit war ein wichtiger Schritt für die vielen freiwilligen Helfer, die den Hetzer in ihrer Freizeit restaurierten und dafür die militärische Infrastruktur einer Panzerwerkstätte nutzten. Damit diese nicht für dienstliche Aufgaben blockiert wurde, musste der Panzer so schnell wie möglich aus eigener Kraft fahren können. Nachdem dies hergestellt war, stellte sich die Frage, wie die weitere Restaurierung erfolgen sollte.

Im Einvernehmen mit dem HGM wurde folgender Entschluss gefasst: Das Fahrzeug sollte in den Zustand zurückversetzt werden, in dem er 1946 die Werkshalle verließ. Dazu wurde der Hetzer in einem zweistufigen Verfahren restauriert. Zuerst das Fahrzeug selbst - die Wanne und der Aufbau - und danach das Laufwerk. Diese Vorgangsweise wurde gewählt, damit der Panzer so lange wie möglich auf eigener Kette stehen konnte und beweglich blieb.

Der Panzer wurde von der Schweiz im Originalzustand übergeben. (Foto: HGM/Walter Posch)
Der Panzer wurde von der Schweiz im Originalzustand übergeben. (Foto: HGM/Walter Posch)
Ein Blick in den Innenraum. (Foto: HGM/Walter Posch)
Ein Blick in den Innenraum. (Foto: HGM/Walter Posch)

Wanne und Aufbau

Die eigentliche Restaurierung begann mit der Wanne und dem Aufbau sowie den Komponenten, die sich darin befinden, wie dem Motor und der Kanone. Während der ersten Arbeitsschritte wurden der Kampfraum- und der Motordeckel bearbeitet. So war der ungehinderte Zugang zur Kanone und dem Fahrerraum gewährleistet, und das Restaurierungsteam hatte die Möglichkeit, das Fahrzeug näher kennenzulernen.

In der Zwischenzeit erhielt das Team wertvolle Unterlagen aus den USA. Das Museum in Fort Marble (Texas) übersandte die Dokumentation der gesamten Historie der Schweizer G13-Jagdpanzer nach Österreich. Diese beinhaltet alle, für die Instandsetzung, Nutzung und Restaurierung des Fahrzeuges entscheidenden Informationen.

Kanone

Die Kanone und der Fahrerraum blieben weitgehend unverändert. Es wurde lediglich die Mündungsbremse abgeschraubt und das Gewinde abgedeckt, wie es die Vorschrift unter anderem vorsieht. Ein kalter Schuss wurde durchgeführt - das heißt, die Rohr-Rücklaufeinrichtung wurde mit einem Flaschenzug zurückgezogen und nach vorne bewegt. Damit war die Panzerkanone zumindest theoretisch voll funktionsfähig. 

Motor und Getriebe

In der Restaurierung stecken viele Stunden Arbeit. (Foto: Walter Posch/HGM)
In der Restaurierung stecken viele Stunden Arbeit. (Foto: Walter Posch/HGM)

Der Jagdpanzer des HGM ist einer von wenigen erhaltenen mit Benzinmotor - dem Originaltriebwerk, einem 180-PS-Praga-Motor. Dieser gilt als sehr robust und hat seit seiner ersten Wiederinbetriebnahme noch keine Probleme bereitet. Für das Getriebe galt dies jedoch nicht. Ein während der Veranstaltung „Auf Rädern und Ketten“ aufgetretener Defekt, konnte jedoch mit einer „Feldinstandsetzung“ behoben wurde. Die letzte Generalüberholung in seiner „aktiven Zeit“ hatte dieser Hetzer 1968. Dies geht aus einer Begleitkarte in einem Behälter hervor, die nicht nur dieses Datum, sondern auch die Werte, die das Fahrzeug damals am Prüfstand erreichte, dokumentiert.

Um den Motor noch lange verwenden zu können, ist vor allem eine schonende Fahrweise des Fahrers entscheidend. Das ist insofern wichtig, da es für den Motor praktisch keine Ersatzteile mehr gibt. Im Fall der Fälle müsste jedes Teil extra gefertigt oder der gesamte Motor ausgetauscht werden. Der Zustand der Antriebseinheit ist zurzeit so gut, dass einige Motorkomponenten, selbst während der Restaurierung nicht überholt wurden, da sie einwandfrei funktionieren. Repariert wurde nur, was tatsächlich defekt war. So musste nach kurzer Betriebszeit der Kühler instandgesetzt werden.

Lackierung

Die Lackierung bereitete dem Team einiges Kopfzerbrechen. Die Farbe, mit welcher der Hetzer bei der Auslieferung lackiert war (Dunkelgelb RAL 7028), ist der modernen RAL Palette nicht mehr vorhanden. In den 1960er Jahren wurden die RAL-Farben neu geordnet und neue Farbgruppen eingeführt, weshalb der ursprüngliche Farbcode heute ein Grauton ist. Die Originalfarbe konnte jedoch in einem Luftfilterkasten gefunden werden und mit der Unterstützung von Modellbauern wurde eine Farbe gewählt, die der Originalfarbe sehr ähnlich ist. Diese wurde extra für den Hetzer abgemischt und aufgetragen. Danach wurden das Grün und Braun der werksseitigen Tarnlackierung aufgebracht. 

Fahrwerk

Bereits bei den ersten Fahrversuchen zeigte sich, dass die Lager in den Laufrollen gewechselt werden müssen, was aufgrund des Alters des Panzers auch naheliegend war. Die Arbeit am Laufwerk verschlang unzählige Arbeitsstunden. Viele Tage im Sommer 2007 verbrachte das Team damit, dieses abzuschleifen und abzukratzen. Alle Laufwerkstationen wurden überholt und die Lager überprüft. Damit ist gewährleistet, dass dieser Bereich in den nächsten Jahre funktionsfähig bleibt. 

MG-Lafette

Die MG-Lafette vor dem Einbau in den Hetzer. (Foto: HGM/Walter Posch)
Die MG-Lafette vor dem Einbau in den Hetzer. (Foto: HGM/Walter Posch)

Nachdem das Laufwerk restauriert war, fehlte noch die MG-Lafette. Diese war eine besondere Herausforderung. Zuerst war zu klären, wer über so ein Gerät verfügt und auch die Bereitschaft hätte, es zu verborgen, um es nachbauen zu können. Durch Zufall konnte dieses Problem gelöst werden. Ein Sammler aus Bayern ließ mehrere solche Lafetten nachbauen, von denen nun eine mehr produziert wurde. Die Vorlage dazu kam vom tschechischen Armeemuseum in Lesany. Im Zubehör des Panzers befand sich das originale Zielfernrohr der Drehlafette, das auch tatsächlich in die nachgefertigte Lafette eingebaut werden konnte.

Die ursprüngliche die Drehlafette wurde von der Schweizer Armee durch ein Rundum-Periskop ersetzt, dieses verwendete jedoch das Zielfernrohr der MG-Lafette und blieb dadurch erhalten. Ein MG 34, die „Bordwaffe“ des Panzers, konnte aus den Beständen des HGM zur Verfügung gestellt werden. Am Maschinengewehr befindet sich eine 25-Schuss-Trommel. Zum Nachladen wird die Waffe über die Ladeschützenluke gedreht und gekippt, danach kann die Gurttrommel mit einer Hand gewechselt werden. Nachdem die Drehlafette montiert war, war der „Hetzer“ komplett und der Urzustand von 1946 hergestellt.

Fazit

2009 hatte der Jagdpanzer 38 Hetzer im Rahmen der Veranstaltung „Auf Rädern und Ketten“ im HGM seine Premiere. Seit seinem ersten Auftritt ist dieser Veteran ein Fixpunkt der Veranstaltung und Publikumsmagnet. Viele Besucher nehmen einen weiten Weg auf sich, um ihn zu sehen und zu erleben. Die Restaurierung eines Panzers, der im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde ist eine aktive Form, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen.

Das Vorhaben gab einen Einblick in die Technik, aber auch in die Kampfweise und die Arbeit der Panzerbesatzung. Durch die Arbeit des Teams konnte spezifisches technisches Wissen und ein besonderes Stück Militärgeschichte erhalten werden, das so auch in Zukunft für einen interessierten Personenkreis zugänglich bleibt.

Das Team:

  • Leitung: Ing. Franz Brödl
  • Technik: Vzlt Anton Österrreicher
  • Mitarbeit: Walter Posch, Peter Putz
  • Dokumentation: Walter Posch

Amtsdirektor Ing. Franz Brödl ist Leiter des Referates „Sammlung“ im Heeresgeschichtlichen Museum.

(Foto: HGM/Walter Posch)
(Foto: HGM/Walter Posch)
 

Ihre Meinung

Meinungen (2)

  • Michael Kauf // 22.08.2017, 15:02 Uhr Sehr geehrte Redaktion!

    Interessant, was sich so an Schätzen immer wieder findet! Und ein Wunder, dass der Wagen wg. seines "politischen Ursprunges" nicht verschrottet werden musste. Aber in Ernst, dieses Fahrzeug, seine Verwendung und Erfolge bestätigen meine Ansicht, dass es für das ÖBH durchaus sinnvoll gewesen wäre, die Kürassier und Saurer-Pz umzurüsten und den neuen Anforderungen angepasst weiter zu verwenden. Die kleinen Ausmaße, die niedrige Wanne, die einfache/robuste Technik, etc.. ergänzt um moderne Optik und Kampfmittel (LFK, Radar/Optronik, etc.) würde auch ohne Panzerschlacht eine geschützte Verwendung ermöglichen - m.E. auch zu niedrigeren Preisen oder zumindest bei Umrüstung im Inland vergleichbar mit teuren Anschaffungen á IVECO.
    Ich erwarte keine Panzerschlacht, aber bei militärischen/terroristischen Ereignissen weit besser bewaffnete Gegner als bisher, daher mein Plädoyer für den Panzerschutz, der hier wohl preiswert zu haben gewesen wäre. Aber dasselbe haben wir ja auch bei Haflinger, Pinzgauer, GHN 45, usw. erlebt. Eigentlich ein Wunder, dass es (noch) das StG 77 gibt!
    Aber man kann ja noch lernen ...
    Mit besten Grüßen!
    Michael Kauf, OltdRes
  • Helmu Anzeletti // 30.08.2017, 14:58 Uhr Sehr interessante Darstellung der Entwickung des "Hetzers' mit viel Hintergrundinformation.

    Gratulation auch zur Restaurierung.