• Veröffentlichungsdatum: 14.03.2019
  • – Letztes Update: 13.03.2019

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Ein Leben ohne Tag und Nacht

Gerald Moser

Gerald Moser

„Ein Leben ohne Tag und Nacht“, so titelte eine Rückblende aus einem Magazin des Max-Plank-Instituts zu einer Studie über das Zeitempfinden und die innere Uhr des Menschen aus den 1950er Jahren. Untersucht wurden 300 Versuchspersonen in einem Bunker mit konstanter Beleuchtung. Gefunden wurde eine 24-Stunden-Rhythmik, eine Innere Uhr, die sich auch ohne Lichtzyklus relativ stabil über einen Zeitraum von mehreren Wochen hält. Doch welche Relevanz hat diese Studie heute für das Bundesheer?

In besonders sensiblen Bereichen, wie der Luftraumüberwachung, in Teilen der IKT oder beim Heeresnachrichtenamt, werden Dienste in verbunkerten Anlagen versehen. Bedienstete, die dort arbeiten, sehen sich mit speziellen Anforderungen konfrontiert. Diese sind im Speziellen folgende Faktoren: konstante künstliche Beleuchtung, ein besonderes Raumklima (Überdruck, Dauerklimatisierung, geringe Luftfeuchte etc.) und der Schicht- und Wechseldienst.

Einfluss der künstlichen Beleuchtung

Körperfunktionen unterliegen einem tagesperiodischen Wechsel. Die Rhythmen der physiologischen Funktionen sind aufeinander abgestimmt und legen den Wechsel zwischen der Leistungsbereitschaft am Tag und der Erholungsbereitschaft in der Nacht fest. Diese zeichnen sich bei den meisten Menschen durch eine zwischen 24 und 25 Stunden dauernde Periode aus. Als Zeitgeber wirkt, neben den tagesperiodischen Schwankungen der Temperatur, den sozialen Kontakten, regelmäßigen Mahlzeiten und dem Bewusstsein der Uhrzeit, vor allem der natürliche Hell-Dunkel-Wechsel.

Tageslicht hemmt die Ausschüttung des müde machenden Hormons Melatonin. In verbunkerten Anlagen sind mit Masse keine Lampen verbaut, welche dem natürlichen Licht in Intensität und Spektrum (Lichtfarbe) ähnlich sind. Besteht die Beleuchtung z. B. aus Neonröhren oder normalen Glühlampen, hemmen diese die Produktion von Melatonin im Körper nicht. Auswirkungen sind verstärkte Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungseinbußen (Fehler bei der Arbeit und erhöhtes Unfallrisiko). Über Jahre hinweg kann das zu Gesundheitsschädigungen (Schlafstörungen, Depressionen) führen.

Raumklima

2013 wurde eine Studie des Heerespsychologischen Dienstes in Kooperation mit der Universität Graz mit der Fragestellung „Welche Belastungen bringt das Arbeiten in einer verbunkerten Anlage mit sich?“ durchgeführt. Als belastende Faktoren bezüglich der Umgebungsbedingungen wurden von Bediensteten der Luftraumüberwachungszentrale und des Führungsunterstützungszentrum im Bunker der Stiftskaserne in Wien trockene Luft, Zugluft, Lärm und die räumliche Enge genannt.

Schicht- und Wechseldienst

Verschiedene Studien stellten fest, dass die 24-Stunden Rhythmik durch den Schicht- und Wechseldienst gestört wird. Die bereits beschriebene Innere Uhr ist relativ stabil und lässt sich nur um wenige Stunden pro Tag verändern. Passt der Zeitgeber Tageslicht nicht zur Einstellung der inneren Uhr, kommt es zum so genannten „Jetlag“. Das ist eine Nachjustierung der inneren Uhr die Tage dauern kann. Anders gesagt entspricht ein Wechsel von Tag- und Nachtdienst einer Zeitverschiebung wie bei einem Interkontinentalflug.

Die Anpassung an den neuen Rhythmus kann verschiedene Auswirkungen wie Leistungsabfall, Nervosität, Ein- und Durchschlafstörungen haben und gesundheitliche Probleme (Gewichtszunahme oder Bluthochdruck) mit sich bringen. Neben den körperlichen gilt es noch die sozialen Auswirkungen zu berücksichtigen. Arbeiter im Schichtdienst laufen mit dem Großteil der Bevölkerung im sozialen Leben nicht synchron (Wochenende, vereinsgebundene Aktivitäten etc.). Das hat negative Auswirkungen auf die familiären und sozialen Kontakte.

Sind diese Fakten unabänderlich?

Fakt ist, dass manche Bedienstete im Österreichischen Bundesheer unter speziellen Bedingungen in verbunkerten Anlagen arbeiten. Seitens der Gesundheitspsychologie können Projekte initiiert und Maßnahmen getroffen werden, um die Auswirkungen dieser Belastungsfaktoren zumindest zu minimieren. So konnte über die Darstellung der aktuellen Studienlage die Notwendigkeit von Tageslichtlampen aufgezeigt und z. B. in der Einsatzzentrale/Bunker die Installation selbiger angeregt werden. Gesundheitspsychologische Präventivprogramme, abgestimmt auf die Mitarbeiter und Dienststellen, können helfen Mitarbeiter resilienter zu machen und dazu beitragen, Belastungsfaktoren leichter zu kompensieren. Weiters werden Beratungsleistungen, z. B. zur Frage wie man Schichtdienstsysteme am besten gestalten kann, durchgeführt.

ObersthmfD Mag. Gerald Moser; Klinischer und Gesundheitspsychologe HPD.

 

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