• Veröffentlichungsdatum: 13.02.2020

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Die Weiterentwicklung von IFMIN im ÖBH

Horst Treiblmaier

(Foto: Horst Treiblmaier)
(Foto: Horst Treiblmaier)

Die Sicherstellung der Informationsversorgung als Kernaufgabe der Führungsunterstützung erforderte im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends eine außerordentliche Leistungs-steigerung. Neben der bewährten Knotenvermittlung aus der Integrierten Fernmelde-infrastruktur (IFMIN) wird durch Ergänzung mit einer zivilen Kommunikationstechnik bis 2020 ein Kommunikationssystem innerhalb des Österreichischen Bundesheeres geschaffen. Zur Ablöse dieses Systems begann die Planung eines neuen verlegbaren Fernmeldesystems unter der Vorhabensbezeichnung Future Tactical Communication Network (FTCN).

Mit der Einführung von IFMIN für den ortsfesten und verlegbaren Bereich im Österreichischen Bundesheer (ÖBH) in den 1990er-Jahren war ein leistungsfähiges und automatisiertes Sprachübertragungssystem mit besonderen Leistungsmerkmalen für militärische Funktionsträger verfügbar. Die Planungen, Umsetzungen, Einsätze und die begleitende Bundesheerentwicklung sind nachfolgend dargestellt. 

Der Antennenmast eines verlegbaren Richtfunksystems. (Foto: Horst Treiblmaier)
Der Antennenmast eines verlegbaren Richtfunksystems. (Foto: Horst Treiblmaier)

Technische Weiterentwicklung

Der steigende Bedarf der Datenübertragung für Führungseinrichtungen ist eine neue Herausforderung für die Fernmeldekräfte. 2004 wurden folgende Maßnahmen planerisch eingeleitet:

  • Die Steigerung der Kapazität der Informationsübertragung durch Erneuerung des Richtfunkes von 512 kbps auf 8 Mbps (Erhöhung um das 16-fache) mit Upgrade-Möglichkeit auf 34 Mbps.
  • Herstellen der Fähigkeit zur Datenvermittlung (Routing) analog dem ortsfesten Fernmeldesystem durch Ergänzung um kommerzielle Router (Nutzungszeit maximal zehn Jahre).
  • Einführung der LAN-Box mit einem Verteilungs- und Anschlusssystem für Datenteilnehmer.
  • Sicherstellen der Verkabelung für hohe Datenraten und implementieren von feldtauglichen Lichtwellenleitern.
  • Umrüstung in das Wechselaufbausystem Vermittlung, da die Knotenvermittlung (KnV) im Fernmelde-„Pinzgauer“ nicht in der Lage ist, handelsübliche Router aufzunehmen.

Diese Maßnahmen konnten durch zeitlich synchronisierte Planungs-, Beschaffungs-, Bereitstellungs- und Ausbildungsmaßnahmen in den Jahren 2007 bis 2009 umgesetzt werden. Vorgestaffelt durch die damalige Abteilung Fernmelde- und Elektronisches Gerät (FMEG), (heute Abteilung Informations- und Kommunikationstechnologie-Systeme - IKTS) und in Abstimmung mit der damaligen Planungsabteilung (heute Abteilung Informations- und Kommunikationstechnologieplanung - IKTPl) wurden mehrere Systemverbesserungen erarbeitet. In einer bilateralen Arbeitsgruppe mit der Schweiz, die unter dem Begriff Integriertes Fernmeldesystem (IFMS) ein technologisch gleiches System des selben Herstellers betreibt, wurden technische Entwicklungen abgestimmt und finanzielle Vorteile für beide Nationen generiert.

Die LAN-Box ist eine Eigenentwicklung des Bundesheeres. (Foto: Horst Treiblmaier)
Die LAN-Box ist eine Eigenentwicklung des Bundesheeres. (Foto: Horst Treiblmaier)

Mit dem TASK66 (Arbeitsbegriff) wurde die volle Interoperabilität im technischen Standard EUROCOM, der speziell für militärische Anforderungen entwickelt wurde, inklusive der Rufnummerninteroperabilität hergestellt und in der Übungsserie „Combined Endeavour“ erfolgreich nachgewiesen. Zur Verbesserung der Erreichbarkeit aus dem öffentlichen Netz wurden Übergänge durch Mobiltelefonanschaltungen realisiert. Mit dem TASK82 wurde die Integrated Services Digital Network-(ISDN-)Schnittstelle als Übergang in die zivile Technologiewelt eingeführt und damit die Kommunikation mit öffentlichen Netzen für Sprache und Daten gewährleistet. Die steigenden Herausforderungen des Managements erforderten darüber hinaus ein neues IFMIN-Managementsystem, das mit dem TASK83 erfolgte.

Umsetzung der technischen Weiterentwicklung

Mit dem neuen verlegbaren Richtfunk mit 4x2 Mbps Übertragungskapazität (aufrüstbar auf 4x8 Mbps), wurde ein leistungsfähiges Übertragungssystem beschafft, das ergänzt durch das überarbeitete Antennenmastsystem mit 15 und 25 Metern Höhe sowie vier automatische Antennenmastanhänger alle Anforderungen erfüllt. Ein Transportsystem für die Anforderungen Gewicht, Volumen, Geländegängigkeit und für das Personal des Richtfunktrupps konnte jedoch bis dato nicht realisiert werden.

Einsätze

Mit 1999 beginnend wurden bis heute alle Auslandsmissionen unter Abstützung auf das Kommunikationssystem IFMIN und seit 2008 auf dem Vermittlungssystem abgewickelt. Der Bedarf und die Erfahrungen aus den Auslandseinsätzen, beginnend 1999 in Albanien mit der Anschaltung von Satellitenkommunikation, haben einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung geleistet. Alle Inlandseinsätze (Luftraumsicherungsoperationen usw.) und alle Übungen erfolgen ebenfalls unter Einsatz des Vermittlungssystems.

Neueinrüstung der  Vermittlung im Wechselaufbau. (Foto: Horst Treiblmaier)
Neueinrüstung der Vermittlung im Wechselaufbau. (Foto: Horst Treiblmaier)
Fehlendes Platzangebot und fehlende Klimatisierung im „Pinzgauer“ machten den Umstieg auf den Wechselaufbau notwendig. (Foto: Horst Treiblmaier)
Fehlendes Platzangebot und fehlende Klimatisierung im „Pinzgauer“ machten den Umstieg auf den Wechselaufbau notwendig. (Foto: Horst Treiblmaier)

Entwicklung der Heeresorganisation und IFMIN

Die verlegbaren Knotenvermittlungen wurden bei der Auslieferung dem Heeresfernmelderegiment, den Fernmeldebataillonen der Korps und dem Fliegerfernmeldebataillon zugeordnet und in deren Organisationspläne aufgenommen. Mit jeder neuen Heeresorganisation wurden Fernmeldekräfte aufgelöst, und die verlegbaren Knotenvermittlungen kamen zu den Fernmeldekompanien der Brigaden, ohne dass deren Organisationspläne angepasst wurden.

2004 wurde die Bundesheerreform ÖBH 2010 aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen eingeleitet. Die Bundesheerreformkommission hatte auf Basis der Bundesverfassung und der geltenden Sicherheits- und Verteidigungsdoktrin die Grundlagen mit den Rahmenbedingungen für die Planung und Einleitung der Reform des ÖBH zu erarbeiten.

Diese Reform war unter Berücksichtigung der europäischen Entwicklung so rasch wie möglich, spätestens jedoch bis 2010, in ihren wesentlichen Elementen abzuschließen und sollte in einen fortlaufenden Transformationsprozess münden. Der durch die Anstoßreform initiierte Transformationsprozess sollte die Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung des IFMIN im ÖBH auch während der Nutzungsphase über das Jahr 2010 hinaus sicherstellen.

Mit der Arbeitsgruppe SK13 musste die Grund- und Einsatzorganisation der Führungsunterstützung den synchronisierten Beitrag zu der oben angeführten Heeresorganisation ÖBH 2010 erbringen. Für fast alle kleinen Verbände des ÖBH erfolgte erstmalig im Fernmeldezug und in der S6-Gruppe die Zuweisung und Aufnahme in den Organisationsplänen von

  • einem Vermittlungssystem kleiner Verband im Shelter-Wechselaufbau mit Knotenvermittlung und Routern,
  • einem Einrichtetrupp mit Lichtwellenleiter,
  • einer verlegbaren LAN-Box sowie
  • einem verlegbaren Server.
Verbandsabzeichen des Führungsunterstützungsbataillons 1 (FüUB 1), das sich in Villach befindet. (Grafik: Bundesheer)
Verbandsabzeichen des Führungsunterstützungsbataillons 1 (FüUB 1), das sich in Villach befindet. (Grafik: Bundesheer)
Verbandsabzeichen des ehemaligen Heeresfernmelderegimentes (HFMR).
Verbandsabzeichen des ehemaligen Heeresfernmelderegimentes (HFMR). (Grafik: Bundesheer)

Die ehemaligen Fernmeldekompanien der Brigaden Land und Luft, der Weitverkehrskompanien des Heeresfernmelderegimentes und der Funk- und Betriebs-/Richtverbindungskompanien der Fernmeldebataillone (neu Führungsunterstützungsbataillone) wurden modulartig strukturierte Führungsunterstützungskompanien geschaffen. Diese Führungsunterstützungskompanien verfügen als wesentliche Bausteine über

  • ein Kommando mit einer Netzsteuerung,
  • einem Betriebszug mit Vermittlungssystem für eine Führungseinrichtung großer Verband,
  • einem Netzzug mit Vermittlungssystem Netz sowie
  • einem Funkzug.

Fazit

Viele Kommandanten von den kleinen Verbänden aufwärts haben mit dem gleichzeitig zulaufenden Truppenfunksystem „CONRAD“ (COmbat Net RADio) und einem RadioAccessPoint (RAP) das Potenzial des gesamten verlegbaren und mobilen Fernmeldesystems für ihre Führungsfähigkeit erkannt. Die Verfügbarkeit einer sicheren und autarken Sprach- und Datenkommunikation, durch militärisches Personal zu errichte und betreiben, stellt heute die Basis für jeden Einsatz dar. Das Fachpersonal in diesem Bereich hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu IKT-Spezialisten mit hohen praktischen Kenntnissen entwickelt. Mit dem technischen Lebensende aller Vermittlungskomponenten und den ständig steigenden Anforderungen an die Kommunikations- und Informationssysteme wird mit dem Vorhaben FTCN ein Fähigkeitsdefizit im ÖBH behoben.

Oberst dhmfD Ing. Horst Treiblmaier, MSD MA; Leiter Referat Informationsübertragung & Elek­tronische Kampfführung.

 

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