• Veröffentlichungsdatum: 08.01.2019

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Die „24er“-Hochgebirgsjäger in den „Schwarzen Bergen“

Bernd Rott

Seit 2012 bringt das Hochgebirgsjägerbataillon 24 seine Gebirgskampfexpertise aktiv in die Entwicklung der Landstreitkräfte Montenegros (MNE) ein. Kurz vor Ende der laufenden Kooperationsphase „Mountain Warfare Cooperation - MONTENEGRO II“ stellt sich in Zeiten der Ressourcenknappheit neben der Frage nach dem Erreichen der nationalen Zielvorgaben auch jene des Benefits für den Verband.

Synergien in der internationalen Gebirgskampfausbildung

Der folgende Beitrag soll aus Sicht der „24er“-Hochgebirgsjäger die Transferleistungen des spezialisierten Kampfverbandes zeigen und eine Plattform zur Klärung der Frage liefern, wem die „Mountain Warfare Cooperation - MONTENEGRO II“ in welchem Ausmaß nützt.

Außenpolitisches Interesse als Grundlage des Handelns

Aufgrund der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen nehmen die westlichen Balkanländer einen hohen Stellenwert in der Außenpolitik Österreichs ein. Im Bundesministerium für Landesverteidigung wurde die Projektgruppe „Balkan-Initiative SAP Länder“ gebildet. In dieser wurden fünf Großprojekte mit südosteuropäischen Staaten vereinbart.

Eines davon war eine 2007 gestartete Kooperation zum Aufbau gebirgskampfspezifischer Fähigkeiten in den montenegrinischen Streitkräften. SAP steht für den „Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess“ der Europäischen Union. Das Ziel der Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen zwischen Staaten, die eine Mitgliedschaft in der EU anstreben, ist es, Beitrittsperspektiven aufzuzeigen und für dazu notwendige Änderungen als Katalysator zu dienen. Die Projekte der Balkan-Initiative wurden über mehrere Jahre hindurch unterstützt (Phase: Support), weiterentwickelt (Phase: Cooperation) und schlussendlich im Jahr 2012 mit der gemeinsamen Gebirgskampfübung „Common Challenge 12“ in Montenegro abgeschlossen.

Um die guten Beziehungen zu den Streitkräften Montenegros fortzusetzen, entschied das Bundesministerium für Landesverteidigung, die Zusammenarbeit innerhalb eines offiziellen Truppenkontaktes mit dem Hochgebirgsjägerbataillon 24 aufrecht zu erhalten und den Fähigkeitenzuwachs im Gebirgseinsatz durch eine bilaterale Kooperation kontinuierlich zu steigern.

Der Erfolg der Bemühungen durch die „24er“ mündete 2015 in einer montenegrinischen Initiative. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil gab „grünes Licht“ die bilaterale Kooperation im Bereich der Gebirgskampfausbildung mittelfristig auf ein höheres Niveau zu heben. Dieser Entschluss wurde in der „Mountain Warfare Training Cooperation - MONTENEGRO II“ umgesetzt. Unter Verantwortlichkeit der Abteilung Attachéwesen hat das Hochgebirgsjägerbataillon 24, aufbauend auf dem erfolgreich gelebten Truppenkontakt, die Zielsetzung der „Fortsetzung und Intensivierung der begonnenen Gebirgskampfausbildung als sichtbares Beispiel der bilateralen Kooperation auf dem Westbalkan“.

Klare Ausrichtung und maximale Handlungsfreiheit

Die Ausrichtung der angeordneten Ausbildungskooperation „Gebirgskampf“ sollte unter folgenden Gesichtspunkten erfolgen:

  • verstärkte Ausrichtung von der Unterstützung hin zur Kooperation;
  • Erhalt und Weiterentwicklung der Fähigkeiten, die bisher erreicht wurden;
  • Unterstützung der Streitkräfteentwicklung und des Fähigkeitenaufwuchses nach dem Prinzip „Train the Trainer“;
  • Konzentration auf Schwergewichtsprojekte bei Übungen und Stabsrahmenübungen;
  • Kooperation bei gemeinsamen Einsätzen und Einsatzvorbereitungen;
  • Unterstützung beim Aufbau qualifizierter Kader für andere Staaten des Westbalkans.
Gotischer Schild mit Berggipfel und Edelweiß, Verbandsabzeichen des Jägerbataillons 24.
(Foto: ÖBH)

Durch wiederholte Expertengespräche mit der montenegrinischen Streitkräfteführung und den Partnern des Infanteriebataillons konnten, aufbauend auf die gemeinsamen Erfahrungen der binationalen Gebirgskampf-Übung „Common Challenge 12“, grundlegende Handlungsstränge zur Auftragserfüllung festgelegt werden. Diese umfassten unter anderem:

  • jährliche Bekanntgabe der gemeinsam festgelegten Aktivitäten/Maßnahmen für das jeweils relevante binationale Zusammenarbeitsprogramm;
  • Durchführung gemeinsamer Gebirgskampfübungen im Zweijahresrhythmus, beginnend mit 2017, und Sicherstellen der notwendigen Planungskonferenzen gemäß NATO „Exercise Planning Process“ durch das Hochgebirgsjägerbataillon 24 unter Entsendung von maximal 40 Hochgebirgssoldaten zur Ausbildungsunterstützung;
  • Teilnahme montenegrinischer Offiziere der Kompanie- und Bataillonsstabsebene an der Führungssimulator-Ausbildung des Hochgebirgsjägerbataillons 24;
  • Entsendung von „Mobile Training Teams“ (MTT) zur Vorbereitung der montenegrinischen Teilnehmer an der Gebirgsausbildung bei international angebotenen Lehrgängen am Gebirgskampfzentrum;
  • Zuteilungen von zwei geeigneten montenegrinischen Kadersoldaten pro Jahr, die künftig für die MNE-Gebirgsausbildung zum designierten Partnerverband des Hochgebirgsjägerbataillons 24 eingesetzt werden sollen;
  • gemeinsame Vorbereitung und Teilnahme am Hochgebirgswettkampf „Edelweiß Raid“;
  • Nutzung der Möglichkeit von gemeinsamen Übungen in für die „24er“ unbekanntem, anspruchsvollem Terrain unter besonderen klimatischen Verhältnissen und mangelnder Infrastruktur;
  • Unterstützung der Konzeption und des Einrichtens von gebirgskampfrelevanten Ausbildungs- und Trainingsanlagen;
  • Unterstützung der Konzeption und des Einrichtens eines Bataillons-Gebirgskampfübungsraumes;
  • Durchführung von Expertengesprächen im Hinblick auf den Aufbau eines Gebirgskampfübungszentrums in Montenegro für Gebirgskampfausbildung für Staaten des Westbalkans mit österreichischer Unterstützung.

Wachsen mit der Aufgabe

Das selbstständige Umsetzen der nationalen Zielsetzungen der „Mountain Warfare Training Cooperation - MONTENEGRO II“ durch einen Kampfverband bedeutet für die „24er“-Hochgebirgskampf-Spezialisten aller Ebenen eine substanzielle Herausforderung. In der Konzeption einer Fünfjahresplanung zur mittelfristigen, nachhaltigen Umsetzung galt es nicht nur die Bedürfnisse der montenegrinischen Kameraden zu berücksichtigen, sondern auch die unterschiedlichen nationalen Planungszyklen so zu harmonisieren, dass es für beide Nationen möglich wurde, die Vorhaben zeitgerecht zu planen und zu budgetieren. Die Zwänge der vielfältigen nationalen Einsatz- und Ausbildungsprioritäten verlangten von allen Beteiligten eine hohe Flexibilität und einen ausgeprägten Willen zum Erfolg.

 

Ein österreichischer Soldat seilt sich in einer Felswand der „Schwarzen Berge“ ab.
(Foto: Boris Kurnik)

Das Hochgebirgsjägerbataillon 24 hatte Transferleistungen aller Ebenen bereitzustellen. In der Einzelausbildung mussten vorwiegend Themen der spezialisierten Gebirgsausbildung hinsichtlich einer gebirgstechnischen Sicherstellung der Bewegungs- und Überlebensfähigkeit über die vorhandenen sprachlichen Barrieren hinweg vermittelt werden. Die gebirgstechnischen Führungsaufgaben der Gruppen- und Zugskommandanten sowie die gefechtstechnische Anwendung der Gebirgstechnik für Feuer und Bewegung stellten eine zusätzliche weiterzugebende Grundfähigkeit für den Kampfeinsatz im Gebirge dar. Die spezialisierte Gefechtstechnik der Kompanieebene und die angepasste taktische Einsatzführung des kleinen Verbandes im Gebirgskampf waren mit Simulatoren und in weiterer Folge zur Vorbereitung und Durchführung der Gefechtsübungen abzudecken. Das Planen, Konzipieren und gebirgstechnische Aufbereiten eines Bataillonsübungsraumes forderte zusammen mit dem Erarbeiten einer kongruenten Übungsanlage das Bataillonskommando und die Stabsabteilungen sowie das gebirgsqualifizierte Personal der „24er“-Erkundungstrupps und der Gebirgszelle des Bataillonskommandos. Dabei musste die nationale Praxis permanent an eine multinationale Durchführung und ein nichtaufgeklärtes, teils schwieriges Gelände sowie an eine national unterschiedliche Einsatzführung angepasst werden.

Dies führte zum Adaptieren aktueller Gefechtstechniken und zur Einführung angepasster TTP (Taktiken, Gefechtstechniken und Prozeduren). Vor allem der Bereich der gefechtstechnisch einsetzbaren Bergrettungselemente musste aufgrund der geringen technischen Bergeautarkie der montenegrinischen Teileinheiten und Einheiten weiterentwickelt werden. Das aus dieser Situation entwickelte „Tactical Mountain Rescue Element“ bewährte sich nicht nur bei der Übung „Common Challenge 17“ in Montenegro, sondern auch bei der österreichisch-deutschen Übung „Blumenteufel 18“. Bei dieser wurden spezielle gebirgs- und gefechtstechnische Notwendigkeiten des Kampfes im „schwierigen und extremen Gelände“ für eine deutsche Gebirgsjägerkompanie aufgezeigt.

Expertise als gefragtes Exportgut

Ein Gebirgskämpfer der „24er“ wird beim Vorgehen von einem Kameraden gesichert.
(Foto: Boris Kurnik)

In der Übung „Common Challenge 17“ stellten die „24er“ umfangreiche Transferleistungen, wie den Kommandanten der „Exercise Control“ und des „Exercise Centers“ sowie den stellvertretenden Kommandanten und verantwortlichen Übungskoordinator. In der Übungsleitung waren Schlüsselpositionen wie der S3 (Leiter Einsatzführung) und der S3-Unteroffizier sowie die „MEL/MIL Coordination Cell“, die Einlagen-Steuerung, durch „24er“ besetzt. Die „Risk Management Cell“ wurde durch die Gebirgszelle des Gebirgskampfverbandes geführt und hatte einen wesentlichen Beitrag zur Lagebeurteilung und Übungssicherheit zu liefern. Die Koordination der Bergrettungsplanung oblag ebenfalls diesen Spezialisten. Ihnen zugeordnet war ein österreichisches Bergrettungselement aus gebirgsqualifiziertem „24er“-Personal, das in Zusammenarbeit mit den montenegrinischen Heeresfliegerkräften die Gesamtverantwortung für die Bergung und Evakuierung der etwa 300 Übungsteilnehmer aus dem schwierigen und teils extremen Übungsgelände hatte.

Während die Hochgebirgsjäger bei der „Common Challenge 12“ noch Planungs- und Einsatzführungsfunktionen des montenegrinischen Bataillonskommandos unterstützten, wurden diese Aufgaben bei der „Common Challenge 17“ von Montenegro abgedeckt. In der als „Main Training Audience“ definierten, trinationalen Gebirgskampfkompanie (Montenegro, Mazedonien, Österreich) stellten die „24er“ den stellvertretenden Kompaniekommandanten, drei Erkundungstrupps eines Hochgebirgs-Aufklärungstrupps, ein überschweres Maschinengewehr und eine schwere Scharfschützengruppe.

Herausforderung für alle Teilnehmer

Das Kommando des Hochgebirgsjägerbataillons 24 ist in seiner beratenden und ausbildungsunterstützenden Rolle bestrebt, allen Teilnehmern bei den Übungen durch herausfordernde Aufgaben einen Erfahrungsgewinn zu ermöglichen. Aus dieser Ambition heraus wurde der Name der Übungsserie „Common Challenge - eine gemeinsame Herausforderung“ abgeleitet. Während die lokalen Kräfte mit Schwergewicht in der Anwendung der Gebirgs- und Gefechtstechnik auf Zugs- und Kompanieebene gefordert wurden, hatten die österreichischen Elemente (Erkundungstrupps, Gebirgszelle, Aufklärer, Scharfschützen und weitreichende Flachfeuerunterstützung) die Grundlagen des Übungserfolges sicherzustellen. Die Einsatzführung erstreckte sich über 72 Stunden und beinhaltete auch den Einsatz der Aufklärung und die notwendigen Versorgungstätigkeiten für den Angriff über Steilgelände.

Bei der Planung und Vorbereitung der Übung „Common Challenge 17“ wurde ein Übungsraum gewählt, der nach erfolgter Erschließung als permanente Übungsfläche in Montenegro weiter zur Verfügung stehen sollte. Somit wurde eine Bataillonsaufgabe ins Gelände projiziert, die es ermöglicht, acht Kompanieaufgaben in einer (nach NATO-Standard ausgearbeiteten) Lage auch unabhängig voneinander zu üben. Für die bei der „Common Challenge 17“ gewählten Kompanieaufgabe des Angriffes über Steilgelände, richteten die „24er“ „Mobile Training Teams“ zwölf Kletterrouten ein, um die Annährung für die Kampftruppe sicherzustellen.

Das positive Ergebnis der Bemühungen der „24er“ zum Aufbau gebirgskampfrelevanter Fähigkeiten in Montenegro und die internationale Anerkennung ihrer Expertise führten zu militärdiplomatischen Bemühungen weiterer Balkanländer, Zugang zu österreichischem Know-how zu erhalten. Im Sinne des Auftrages ein „Train the Trainer“-System sicherzustellen, beurteilte die Abteilung Attachéwesen die Errichtung einer überregional nutzbaren Übungsmöglichkeit in Montenegro. Dieses lokale Übungszentrum sollte für alle interessierten Nationen einen Erfahrungsgewinn vor Ort, mit österreichischer Unterstützung, bieten. Als Basis sollten der erschlossene Übungsraum und die Ausgangslage der Übung „Common Challenge 17“ dienen.

Aktuell arbeitet das Hochgebirgsjägerbataillon 24 gemeinsam mit dem montenegrinischen Partner am Design der „Common Challenge 19“. An dieser Übung sollen im Sommer 2019 neben Österreich vier Balkan-Nationen teilnehmen und das „Regional Mountain Warfare Field Training Center“ eröffnet werden. Zusätzlich zur Unterstützung der übungsplanerischen Aufgaben, zum weiteren Ausbau des Übungsraumes und zur Errichtung zusätzlicher gebirgskampftechnischer Ausbildungsanlagen, übernehmen die Tiroler Hochgebirgsspezialisten auch die Beratung für die Errichtung eines neuen Gebirgsschießplatzes in einem vier mal zwölf Kilometer langen Hochtal. Krönender Abschluss der „Common Challenge 19“ soll das Scharfschießen der multinationalen Kompanie unter Einsatz der Steilfeuerelemente des Bataillons beim Angriff im Gebirge sein.

Ein Flugrettungsteam sitzt nach der Alarmierung auf einem Hubschrauber auf.
(Foto: Boris Kurnik)
Windenbergung eines verletzten Kameraden durch einen Flugretter im nichtgangbaren Gelände.
(Foto: Boris Kurnik)
Ein Unterstützungselement in Stellung.
Das überschwere Maschinengewehr wird entladen, bevor der Stellungswechsel durchgeführt wird.
(Foto: Boris Kurnik)
 

Nutzen für die „24er“

Die Auftragserfüllung beim „MWTC-MNE II“ ist für das Hochgebirgsjägerbataillon 24 eine permanente Herausforderung auf allen Ebenen. Die in der Umsetzung entstandenen Erfahrungswerte sind jedoch wertvoll und haben die einsatzrelevanten Fähigkeiten und Fertigkeiten des Verbandes über sechs Jahre nachhaltig positiv verändert und entwickelt.

Auch und vor allem im Gefecht müssen alle Sicherungsmaßnahmen beim Vorgehen im Gebirge beachtet und umgesetzt werden.
(Foto: Boris Kurnik)

Die Notwendigkeit, dem NATO „Exercise Planning Process“ folgend, bei trinationalen Planungskonferenzen ein international anerkanntes und umsetzbares Übungskonzept selbstständig zu verhandeln, stellte die erste komplexe Herausforderung für die „24er“ dar. Alle Führungsgrundgebiete hatten ihre Beitragsleistung in Englisch zu erarbeiten und zu dokumentieren. Besonders die selbstständige logistische Planung und Durchführung der internationalen Projektion eigener Kräfte unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Rechtsnormen und des NATO-Prozederes waren Fähigkeiten, die es erst zu entwickeln und dann zu verbessern galt. Die korrekte Ausfertigung der Ausgangslage und das Vermitteln von nationaler Taktik und Gefechtstechnik in einem internationalen Führungsverfahren nach NATO-Standard erforderte eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie und erweiterte den Horizont der Einsatzplaner. Dem Vermitteln der Beurteilung der Gebirgslage und dem Darstellen der Unterschiede zu dem in der NATO und den US-Streitkräften gebräuchlichen „Risk Management“-Prozess kamen dabei besondere Bedeutung zu. Die wiederholte Umsetzung und der interne „Lessons-learned“-Prozess förderten die internationale Kompatibilität des Bataillonsstabes und erhöhten die Einsatzbereitschaft der „24er“-Hochgebirgsjäger im internationalen Umfeld.

Die Auftragserfüllung in für die „24er“ neuem, schwierigem und extremen Gelände einer feuchten Klimazone, stellt an alle Hochgebirgssoldaten einsatzähnliche Anforderungen, die im Vergleich zum Ausbildungsbetrieb auf nationalen Übungsplätzen deutlich erhöht sind. Flexibilität in der Anwendung der Gebirgstechnik und das Berücksichtigen des in der Heimat wenig geforderten Wissens über Kampfkrafterhaltung und Versorgungsdurchführung sind der Schlüssel zum Erfolg. Zusätzlich zu den bekannten gebirgsrelevanten Gefahren fordern ungewohnte reale Bedrohungen durch Giftschlangen und Wildtiere, wie Wölfe und Bären im Übungsumfeld, eine einsatznahe Beurteilung der Lage und entsprechend angepasste Führungsmaßnahmen.

Das Üben der Rettungskette mit der Übergabe an die Feldärztin. Die infanteristische Sicherung ist stets eingesetzt.
(Foto: Boris Kurnik)
Ein österreichischer Gebirgssoldat (li.) mit einem montenegrinischen Kameraden bei einer Gefechtspause während des Trainings in den „Schwarzen Bergen“ Montenegros.
(Foto: Boris Kurnik)

Die Soldaten der mehrmals pro Jahr zu entsendenden „Mobile Training Teams“ und die Übungsteilnehmer sehen sich mit doktrinären, sprachlichen und kulturellen Barrieren konfrontiert sowie durch ein unbekanntes soziokulturelles Umfeld gefordert. Die für das Bewältigen dieser Herausforderungen notwendigen persönlichen und führungsbezogenen „Soft Skills“ mussten durch das Bataillonskommando beurteilt und vermittelt werden. Die persönlichen und strukturellen Erfahrungen stellen eine wesentliche und in Österreich nur schwer vermittelbare Optimierung der Auftragserfüllung für zukünftige internationale Einsätze dar.

Die Möglichkeit, an einer für die jeweilige Spezialisierung maßgeschneiderten Übung teilzunehmen und dabei auch den entsprechenden Rahmen vorzufinden, bedeutet in Zeiten geringer Vollkontingente und schwindender Ressourcen eine willkommene Möglichkeit zur Optimierung der eigenen Führungsfähigkeit. So gelang es dem Hochgebirgsjägerbataillon 24 trotz mehrerer Jahre ohne Vollkontingent durch die „MWTC-MNE II“ jährlich eine Bataillonsaufgabe unter intensivem Training der für den Gebirgskampf nötigen Spezialelemente sicherzustellen. So konnte der kleine Verband seinem Grundauftrag zum Erhalt und Erhöhen der Einsatzfähigkeit nachkommen. Für den Kommandanten der „24er“-Hochgebirgsjäger steht deshalb der Nutzen der internationalen Ausbildungskooperation Gebirgskampf außer Zweifel.

Eine überschweres Maschinengewehr M2 in den „Schwarzen Bergen“ Montenegros.
(Foto: Boris Kurnik)

Ausblick

Nach den für 2019 vorgesehenen Aufgaben der Durchführung der „Common Challenge 19“ und der Eröffnung des regionalen Gebirgskampfübungszentrums inklusive des für die gesamte Region einzigartigen Schießplatzes findet die „Mountain Warfare Training Cooperation - MONTENEGRO II“ ihr offizielles Ende. Ziel der österreichischen militärdiplomatischen Bemühungen ist es, zukünftig einen selbstständigen Betrieb dieses Übungszentrums zu ermöglichen. Das Hochgebirgsjägerbataillon 24 wird bei der „Mountain Warfare Training Cooperation - MONTENEGRO III“ die Aufgabe der Entwicklung einer eigenständigen montenegrinischen militärischen Bergrettungskapazität am Übungszentrum übernehmen. Dies inkludiert die Ausbildung und Zertifizierung der notwendigen lokalen Ausbilder und den Ausbau der Ausbildungsanlagen inklusive der gebirgstechnischen Erschließung des Schießplatzes. Nach Beendigung dieser Aufgaben wird das österreichische Engagement in Montenegro auf eine Kooperation niedriger Intensität zwischen den Bataillonen reduziert. Damit wird sowohl die Expertise als auch die Kapazität der „24er“ im Gebirgs- und Hochgebirgskampf für weitere internationale Vorhaben frei. 

Oberst Bernd Rott, MSD ist Kommandant des Jägerbataillons 24.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Kauf Michael // 08.01.2019, 16:44 Uhr Sehr geehrte Redaktion!

    Sehr interessanter Artikel, ein komplexes Umfeld, und man kommt vermutlich auch den Interessen von China und Russland etwas in die Quere. Aber der Balkan ist halt "altösterreichisches" Gebiet...wünsche allen Teilnehmern viel Erfolg!
    Und Ihnen allen noch ein herzliches Prosit Neujahr 2019!

    Mit Kameradschaftlichen Grüßen!

    Michael Kauf, OltdRes