• Veröffentlichungsdatum: 20.12.2019

  • 6 Min -
  • 1204 Wörter
  • - 12 Bilder

Das spanische Marinemuseum in Madrid

Gabor Orban

Eingang des Marinemuseums in Madrid. (Foto: Gabor Orban)
Eingang des Marinemuseums in Madrid. (Foto: Gabor Orban)

Das Marinemuseum in Madrid (Museo Naval) behandelt die Geschichte der Spanischen Kriegsmarine. Mit über 130.000 Besuchern jährlich und etwa 10.000 Exponaten zählt es zu den bedeutendsten Museen der spanischen Hauptstadt und zeugt von einer einst einflussreichen Seemacht.

Die Kriegsmarine des spanischen Königreichs ist eine der ältesten und traditionsreichsten Seestreitkräfte der Welt. Als Ende des 15. Jahrhunderts drei kleine Schiffe – die Santa Maria, die Niña und die Pinta – unter der Flagge der katholischen Könige Isabella und Ferdinand die „Neue Welt“ für Europa wiederentdeckten, begann auch der Aufstieg Spaniens zur Großmacht. Die Spanische Kriegsmarine oder „Armada“, wie sie bis heute genannt wird, beherrschte ab diesem Zeitpunkt die Weltmeere und konnte diese Position neben der britischen Royal Navy bis zum Ende des 19. Jahrhunderts halten.

Im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 gingen die letzten Kolonien in Übersee und somit der Großmachtstatus Spaniens verloren. Die Armada kämpfte verbissen gegen die zahlenmäßig und in der Feuerkraft überlegene Flotte der aufstrebenden Vereinigten Staaten, wurde dabei aber in ihrer Stärke deutlich dezimiert. Die Schiffe der Übersee-Flotte fanden ohne Ausnahme auf dem Meeresgrund ihr Ende. Nach dieser Niederlage der Kriegsmarine litt zwar Anfang des 20. Jahrhunderts ihr Ansehen, doch als Erbe einer ruhmreichen Tradition genießt sie auch heute noch eine hohe Anerkennung und Beachtung unter den Marinekräften der Welt. Diese Ansicht wird im Marinemuseum deutlich. Das Museum versucht, die Erinnerung an die alten Schlachten, die großen Siege und die glorreiche Vergangenheit wach zu halten.

Das Marinemuseum in Madrid ist auch aufgrund seiner Architektur beeindruckend. (Foto: De Diego, gemeinfrei)
Das Marinemuseum in Madrid ist auch aufgrund seiner Architektur beeindruckend. (Foto: De Diego, gemeinfrei)
Ein Teil der Ausstellung im Marinemuseum. (Foto: Gabor Orban)
Ein Teil der Ausstellung im Marinemuseum. (Foto: Gabor Orban)

Militärische Einrichtung

Das Museumsgebäude befindet sich im innerstädtischen Bereich der Prado-Promenade, im Dreieck der Kunst mit bedeutenden Kunstmuseen wie dem weltbekannten „Museo del Prado“. Das Marinemuseum ist mit der U-Bahn-Linie L2 bequem zu erreichen, die Haltestelle „Banco de España“ liegt lediglich 350 m vom Haupteingang entfernt. Direkt neben dem Museum befinden sich der Palacio de Cibeles und das Prado. Das Museumsgebäude selbst ist ein eleganter Bau mit einer von Weitem sichtbaren Radaranlage auf dem Dach. Die hohe Antenne ist kein Zufall, denn das Marinemuseum wird von der Kriegsmarine verwaltet. Im Gebäudekomplex ist neben dem Museum auch das Hauptquartier der spanischen Armada beheimatet. Dass man eine militärische Einrichtung betritt, wird durch die vollbewaffneten Soldaten an den Ecken des Bauwerkes deutlich. Gleich am Eingang werden die Besucher gebeten, ihre Ausweise vorzuweisen und eine elektronische Tür zu passieren. Dort führen Treppen in den ersten Stock, wo sich das Museum befindet. Hier ist der strenge militärische Charakter des Ortes auch schon zu Ende. In der Aula wird man darauf hingewiesen, dass der Eintritt zwar theoretisch kostenlos ist, jedoch eine freiwillige Spende in Höhe von drei Euro erwartet wird. Diese Summe wird beim Betreten der Ausstellungssäle tatsächlich eingefordert.

Gemälde und Büste von Don Jose de Solano y Bote, einem spanischen Marineoffizier. (Foto: Gabor Orban)
Gemälde und Büste von Don Jose de Solano y Bote, einem spanischen Marineoffizier. (Foto: Gabor Orban)
Ölgemälde von Maria Christina von Habsburg-Lothringen von Ignacio Llanos (fertiggestellt von Rafael Monleon) und Bronzestatue von König Alfonso XIII von Lorenzo Coullaut Valera. (Foto: Gabor Orban)
Ölgemälde von Maria Christina von Habsburg-Lothringen von Ignacio Llanos (fertiggestellt von Rafael Monleon) und Bronzestatue von König Alfonso XIII von Lorenzo Coullaut Valera. (Foto: Gabor Orban)
Verschiedene antike Marinekanonen können begutachtet werden. (Foto: Gabor Orban)
Verschiedene antike Marinekanonen können begutachtet werden. (Foto: Gabor Orban)

Geschichte des Museums

Die Ursprünge des Marinemuseums reichen bis in das späte 18. Jahrhundert zurück, als unter der Herrschaft von Karl IV. die Staatssekretäre für Marineangelegenheiten Antonio Valdés und Fernández Bazán damit beauftragt wurden, in der kleinen Ortschaft San Carlos (Cádiz) ein museales Institut einzurichten. Unverzüglich wurde der Auftrag erteilt in Frankreich und England Bücher und Karten, nautische Gegenstände sowie Schiffsmodelle zu kaufen, damit die geplante Ausstellung so bald wie möglich Gestalt annehmen könne. In den spanischen Archiven wurde ebenfalls eifrig geforscht. Dass das Projekt letztendlich nicht abgeschlossen wurde, war weniger Valdés oder Bazán als der Politik verschuldet: Der spanische König wurde zum Abdanken gezwungen und das Land von Napoleon Bonapartes Truppen besetzt. Erst etwa 50 Jahre später kam es zu einem neuerlichen Versuch der Gründung eines Marinemuseums, welcher diesmal erfolgreich verlief. Im Jahre 1843 eröffnete Königin Isabella II die Räumlichkeiten des Museums in der Madrider Innenstadt. Die Anzahl der Exponate stieg in den folgenden Jahren rasant an, sodass die Einrichtung öfters den Standort wechseln musste. Im Jahr 1932 wurden schließlich die Räumlichkeiten im Gebäude des Hauptquartiers der Armada, bezogen, in denen das Museum noch heute beheimatet ist.

Das Marinemuseum zeigt eine große Anzahl von Schiffsmodellen. (Foto: Gabor Orban)
Das Marinemuseum zeigt eine große Anzahl von Schiffsmodellen. (Foto: Gabor Orban)

Gegenwart

Heute verfügt das Marinemuseum von Madrid über 10.500 Exponate und definiert sich als ein Ort der Kommunikation, wo die traditionsreiche Geschichte der Marine einem breiten Publikum vermittelt wird. Es handelt sich dabei um eine staatliche Anstalt mit nationalem Charakter, die dem spanischen Verteidigungsmuseum untersteht. Als Hauptziele werden das Sammeln, Aufbewahren und Ausstellen sowie das Archivieren nautischer Gegenstände als kulturelles Erbe des Landes angegeben. Inhaltlich legt das Museum seinen Fokus unter anderem auf die Geschichte der Armada, auf die Nautik und ihre Hilfswissenschaften (z. B. die Kosmographie oder Kartographie), auf die Zeit der großen Entdecker, die Archäologie und Ethnographie sowie die Schifffahrt und Schiffskonstruktion.

Ein Besuch im Marinemuseum nimmt etwa ein bis zwei Stunden in Anspruch, abhängig vom Grad des Interesses. Zusätzlich werden kostenfreie Führungen für bis zu 20 Personen angeboten. Für Gruppen stehen folgende Schwerpunkte zur Auswahl:

  • Geschichte der Kriegsmarine;
  • Alltagsleben auf einer Galeone (ein meist dreimastiges Segelschiff);
  • Wissenschaftliche Expeditionen;
  • Das Kap von San Diego.

Eine Kasse für den „Eintrittspreis“ existiert nicht, allerdings steht direkt neben dem Eingang des ersten Ausstellungsraumes ein Tisch, an dem alle Fragen auf Spanisch oder Englisch von einem Mitarbeiter beantwortet werden. Nach der Bezahlung der „Spende“ werden hier auch Flyer ausgeteilt, die die wichtigsten Informationen sowie einen Plan der Räumlichkeiten beinhalten. Eine Garderobe gibt es im Museum nicht – das Klima in Madrid ist mit Ausnahme der Wintermonate mild. In der Aula ist ein kleiner Souvenirshop untergebracht, in dem Bücher, Anstecknadeln und ähnliche Kleinigkeiten zum Verkauf stehen.

(Foto: Gabor Orban)
(Foto: Gabor Orban)
(Foto: Gabor Orban)
(Foto: Gabor Orban)
(Foto: Gabor Orban)
(Foto: Gabor Orban)

Ausstellungsräume

Das Museum besteht aus insgesamt 26 Räumen, von denen 24 für Dauer- und Sonderausstellungen genutzt werden. In den Räumen zwei bis 24 wird die Geschichte der militärischen Seefahrt Spaniens, von der Entdeckung Amerikas bis hin zur gegenwärtigen Flotte, chronologisch dargestellt. Die Ausstellungsstücke sind vielfältig und ansprechend, die Räumlichkeiten dem jeweiligen Kontext entsprechend gestaltet. Bei den Materialien dominiert hauptsächlich Holz, gefolgt von Glas und Stahl. Dadurch wird das Gefühl erweckt, dass man sich auf einem Schiff befindet.

In den Räumlichkeiten ist eine Vielzahl von Exponaten ausgestellt: Gemälde, Statuen, Waffen aller Art (darunter drei Torpedos), Uniformstücke, Flaggen, zahlreiche Schiffsmodelle und auch Möbelstücke, Münzen, Modelle von Soldaten und Marinestützpunkten sind dort zu finden. Unterstützt wird die Ausstellung von zweisprachigen Infotafeln und kurzen Video-Ausschnitten. Unter den Artefakten sind einige einzigartige Unikate zu finden wie etwa die älteste kartographische Darstellung des amerikanischen Kontinents aus dem Jahr 1500 oder das Historiengemälde „Die erste Huldigung von Kolumbus in der Neuen Welt“ von José Garnelo (1892).

Ausschnitt des bekannten Gemäldes "Die erste Huldigung von Kolumbus in der Neuen Welt" von Jose Garnelo aus dem Jahr 1892. (Foto: Gabor Orban)
Ausschnitt des Gemäldes "Die erste Huldigung von Kolumbus in der Neuen Welt" von Jose Garnelo aus dem Jahr 1892. (Foto: Gabor Orban)

Eindrücke und Fazit

Bei fast 1.000 Google-Rezensionen erreicht das Marinemuseum in Madrid im Schnitt 4,5 von möglichen fünf Punkten. Auf dieselbe Punktezahl kommt das Museum auf der Touristik-Website TripAdvisor. Die Besucher schätzen besonders den preiswerten Eintritt und die Vielfalt der Exponate, darunter die große Anzahl an Modellschiffen. Das Museum war zum Zeitpunkt der Besichtigung (Oktober 2017) mäßig besucht, das Publikum selbst gemischt.

Im Großen und Ganzen überrascht das Marinemuseum in Madrid mit seiner Atmosphäre auch den erfahrenen Museumsbesucher. Das Konzept der Ausstellung ist logisch strukturiert und gut durchdacht. In den Räumlichkeiten dieses historischen Gebäudes wird eine nicht alltägliche Begegnung mit der ruhmreichen Vergangenheit der Schifffahrt dargeboten, die man sich bei einem Besuch der spanischen Hauptstadt auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Gabor Orban, MA, ist Militärhistoriker.

Gemälde der Seeschlacht von Gibraltar von Antonio Brugada aus dem Jahr 1852. (Foto: Gabor Orban)
Gemälde der Seeschlacht von Gibraltar von Antonio Brugada aus dem Jahr 1852. (Foto: Gabor Orban)

Basisinformation:

Adresse: Marinemuseum Madrid/Museo Naval Madrid Paseo del Prado, 5. 28014 Madrid

Erreichbarkeit: U-Bahn-Linie L2, Haltestelle „Banco de España“, Entfernung zum Museum etwa 350 m

Geöffnet: Di bis So, jeweils 10-19:00 (Mo Ruhetag)

Eintritt: frei (3 Euro als Spende)

Fotografieren erlaubt, ohne Blitz

Sprache: spanisch, englisch

Achtung! – militärisches Areal, Ausweis/Pass nötig.

Internet: http://www.armada.mde.es/museonaval (spanisch)

 

Ihre Meinung

Meinungen (0)