• Veröffentlichungsdatum: 12.05.2020
  • – Letztes Update: 13.05.2020

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Das neue Bergefahrzeug des Bundesheeres

Karl Vukics

(Foto: HLogS/KfW)
(Foto: HLogS/KfW)

Seit November 2019 ist das schwere, geschützte Bergefahrzeug MAN/RMMV HX2 41.545, 8x8, D von „Rheinmetall MAN Military“ beim Österreichischen Bundesheer im Einsatz. Derzeit gibt es drei dieser Systeme, die bei der 3. Jägerbrigade für das Bergen und Abschleppen defekter Fahrzeuge eingesetzt werden.

Das Bergefahrzeug besteht aus dem Trägerfahrzeug HX 41.545, 8x8 mit geschützter Fahrerkabine sowie dem Abschlepp- und Bergeaufbau der Firma Empl. Die Fahrzeugbesatzung (Kommandant, Fahrer und Bergegehilfe) kann ausgefallene Fahrzeuge mit einem Ladekran, einem Hubarm mit Hubjoch, drei verschiedenen Seilwinden und Zusatzgerät bergen bzw. abschleppen.

Das Fahrzeug verfügt über ein Automatikgetriebe mit sieben Vorwärtsgängen (ZF-EcoLife), ein Verteilergetriebe und eine hydraulische Servolenkung. Das 8x8-Allrad-Fahrwerk mit doppelbereiften Hinterachsen samt Differenzialsperren an allen Achsen ermöglicht eine optimale Manövrierfähigkeit und gutes Fahrverhalten auf unterschiedlichem Terrain. Mit dem Sechszylinder 4-Takt-Dieselmotor mit Aufladung, Ladeluftkühlung und Common-Rail-Einspritzung erreicht das Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Zum Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren bzw. zur Versorgung der Fahrerkabine mit Frischluft ist das Fahrzeug mit einer ABC-Schutz- und Belüftungsanlage ausgestattet.

Schweres, geschütztes Bergefahrzeug MAN/RMMV HX2 41.545, 8x8, D. (Foto: HLogS/KfW)
Schweres, geschütztes Bergefahrzeug MAN/RMMV HX2 41.545, 8x8, D. (Foto: HLogS/KfW)

Bergen

Um ein beschädigtes, festgefahrenes oder umgestürztes Fahrzeug wieder auf festen Untergrund zu stellen, ist das Bergefahrzeug mit Seilwinden, einem Kran und Zusatzausrüstung ausgestattet. Im Bedarfsfall kann auch eine Rahmenwinde mit einer Leistung von 120 kN (ca. 12t) die Bergung unterstützen, deren nutzbare Seillänge 60 Meter beträgt. Diese kann auch als Front- und Heckwinde verwendet werden und Selbstbergungen durchführen. Zusätzlich lässt sich das Seil der Rahmenwinde mit einer Propellerrolle bis zu 90° links oder rechts ablenken. Die kleinste Winde mit einer Länge von 250 Meter und einer Zugleistung von 10 kN wird als Hilfswinde für das Abspulen der Hauptwinde eingesetzt.

Ladekran

Der Ladekran mit absenkbarer Kransäule (Typ HIAB 2222 ATF 2) ist im Fahrbetrieb hinter der geschützten Fahrerkabine zusammengeklappt. Bei einer Ausladung von sieben Metern erzielt der Kran eine Tragfähigkeit von maximal 205 kNm (siehe Tabelle). Der Kran wird mit einer Funkfernsteuerung automatisch in die Arbeitsstellung gebracht und kann vom Kranführer millimetergenau gesteuert werden. Er eignet sich zum Heben von schweren Lasten, wenn beispielsweise Ladungen aus einem umgestürzten LKW geborgen werden müssen, bevor das Fahrzeug aufgestellt oder aus einem Graben gezogen werden kann. Abgestützt wird das Bergefahrzeug über vier Stützen – zwei Berge- und zwei Kranstützen.

Kranbetrieb mit dem HX2 41.545, 8x8, D. (Foto: HLogS/KfW)
Kranbetrieb mit dem HX2 41.545, 8x8, D. (Foto: HLogS/KfW)

Seilwinden

Das Bergefahrzeug ist mit drei Seilwinden ausgerüstet, um hängengebliebene oder fahrunfähige Fahrzeuge aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Zugkraft der Hauptwinde von 270 kN ist hydraulisch geregelt und kann im Bedarfsfall auf das Doppelte erhöht werden (2:1 Flaschenzug). Die Seillänge von 80 Metern und eine Propellerrolle ermöglichen den Einsatz in beinahe allen Situationen. Das Seil kann seitlich zur Bergestelle geführt werden, sodass auch bei Platzmangel ein geeigneter Aufstellungsplatz für das Bergefahrzeug gefunden werden kann. 

Hydraulisch geregelte Hauptwinde. (Foto: HLogS/KfW)
Hydraulisch geregelte Hauptwinde. (Foto: HLogS/KfW)
Darstellung des Seitenzuges. (Grafik: HLogS/KfW)
Darstellung des Seitenzuges. (Grafik: HLogS/KfW)
Bergung mittels Seilwinde. (Foto: ÖBH)
Bergung mittels Seilwinde. (Foto: ÖBH)

Hubarm

Zum Ziehen eines noch rollfähigen Fahrzeuges wird der Hubarm verwendet, mit dem dieses angehoben und abgeschleppt werden kann. Im abgestützten Zustand lassen sich Lasten bis 160 kN mit dem Hubarm heben, wozu es verschiedene Aufnahmemittel im Zubehörsatz gibt. Bei einer maximalen Belastung von 11.560 kg am Hubarm kann ein Schadfahrzeug mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h abgeschleppt werden.

Rettungssatz und Zubehör

Für die technische Hilfeleistung verfügt das schwere Bergefahrzeug über einen Rettungssatz, der aus einem Lukas-Kombigerät (Schneider und Spreizer; Anm.) und einem Stihl-Trennschleifer besteht. Das umfangreiche Zubehör, wie Rettungsgurt mit Falldämpfleine, Schwerlastratschen, Fahrzeugsicherungsgurte, Zwei-Strang-Ketten zum Verkürzen, Rundschlingen, Abschleppbrille, Abschleppadapter, Umlenkrollen, Anschlagmitteladapter, Schutzbekleidung und der Lichtbalken für abzuschleppende Fahrzeuge ist in sechs Verstaukästen untergebracht. In dem Fahrzeug sind zusätzlich ein Lichtmast, Umfeldleuchten und Arbeitsscheinwerfer mit LED-Technologie verbaut, die auch bei Dunkelheit ein sicheres Arbeiten ermöglichen.

Zubehör des Bergefahrzeuges. (Foto: HLogS/KfW)
Zubehör des Bergefahrzeuges. (Foto: HLogS/KfW)
Zubehör des Bergefahrzeuges. (Foto: HLogS/KfW)
Zubehör des Bergefahrzeuges. (Foto: HLogS/KfW)

Lenkberechtigung

Um dieses Bergefahrzeug lenken zu dürfen, ist die Heereslenkberechtigung der Fahrzeugklasse „C BgeFzg“ erforderlich. Folgende Ausbildungsinhalte werden in einem fünfwöchigen Lehrgang vom Institut Kraftfahrwesen an der Heereslogistikschule für den Erwerb dieser Heereslenkerberechtigung, einschließlich der umfangreichen gerätespezifischen Bedienung, vermittelt:

  • Gerätelehre, Pflege sowie Wartung von Kran, Fahrzeug, Bergeaufbau und Zusatzausrüstung;
  • Fahren auf der Straße und im Gelände;
  • Berge- und Abschubwesen;
  • Abschleppen von Räder- und Kettenfahrzeugen bzw. Anhängern mit einer Vielzahl an Befestigungsmöglichkeiten;
  • Transport eines Schadfahrzeuges auf öffentlichen Verkehrsflächen;
  • Eisenbahnverladung eines nicht fahrbereiten Fahrzeuges;
  • Arbeiten mit dem Ladekran;
  • Einweisung am Lukas-Rettungsgerät und Stihl-Trennschleifer.
Arbeiten mit dem Trennschleifer. (Foto: HLogS/KfW)
Arbeiten mit dem Trennschleifer. (Foto: HLogS/KfW)
Schleppen eines GKGF. (Foto: HLogS/KfW)
Schleppen eines GKGF. (Foto: HLogS/KfW)
Arbeiten mit dem Kran. (Foto: HLogS/KfW)
Arbeiten mit dem Kran. (Foto: HLogS/KfW)

Um an dieser Ausbildung teilnehmen zu können, muss man Kadersoldat sein und über eine

  • gültige Heereslenkberechtigung „C“,
  • das Kraftfahr-Leistungsabzeichen in Silber
  • den Kranschein der Gruppe „d“
  • und den Lehrgang „Bergen und Abschleppen“ (Ausbildung zum Bergekommandanten) verfügen.

Nach dem Abschluss der Ausbildung sind die Spezialisten für Berge- und Abschubtätigkeiten für ihre Aufgabe geschult und für spezielle Aufträge im In- und Ausland gerüstet. Sie garantieren ein effizientes und sicheres Arbeiten im Bedarfsfall und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft des Österreichischen Bundesheeres.

Vzlt Karl Vukics, ist Sachbearbeiter Grundlagen & Entwicklung am Institut Kraftfahrwesen der Heereslogistikschule.

(Foto: HLogS/KfW)
(Foto: HLogS/KfW)
 

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