• Veröffentlichungsdatum: 12.02.2018
  • – Letztes Update: 15.02.2018

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  • 4270 Wörter

Das letzte Gefecht in Oberösterreich

Gerold Keusch

(Foto: U.S. Army/gemeinfrei)
(Foto: U.S. Army/gemeinfrei)

Königswiesen ist ein Ort im Mühlviertel, der auf einer Anhöhe zwischen den Hügeln des böhmischen Massivs liegt. Am 5. Mai 1945 erwarteten die Bewohner des Marktes das Eintreffen der Amerikaner, die nur noch wenige Kilometer entfernt waren. Die weißen Flaggen waren bereits gehisst, als eine Kompanie der Waffen-SS eintraf und Königswiesen zum Schauplatz der letzten Gefechte in Oberösterreich wurde. 

Königswiesen wurde vom Zweiten Weltkrieg de facto nicht berührt. Dass sich beinahe die gesamte Welt im totalen Krieg befand, hätte man hier fast ausblenden können, wenn nicht von Zeit zu Zeit eine Todesnachricht von der Front gekommen wäre, weil ein Vater, Bruder oder Sohn gefallen war. Ab 1944 konnte man von dem Ort die alliierten Bomberflotten sehen und sie dabei beobachten wie sie die etwa 40 km entfernte Stadt Linz, aber auch Steyr, Wels oder St. Valentin bombardierten. Der schaurige Anblick der Explosionen der Bomben auf dem Boden und der Flakgranaten in der Luft, die Scheinwerfer, die den Himmel taghell erleuchteten oder einen silbernen Flugzeugrumpf aufblitzen ließen, zeigten den Bewohnern, dass der Krieg in der Heimat angekommen war.

Zweimal fielen Bomben in der Region. Einmal „verlor“ eine Maschine bei Haid eine 500-kg-Bombe, und ein anderes Mal warf ein Flugzeug drei Bomben zwischen Königswiesen und St. Georgen ab, von denen zwei explodierten. Bis auf diese Zwischenfälle, bei denen es sich um Notabwürfe handelte, blieb es jedoch ruhig. Am 4. November 1944 erreichten die ersten etwa 50 Flüchtlinge aus Rumänien mit Pferdewägen den Ort und wurden bei Bauern untergebracht. Sie waren aber nicht die einzigen Fremden in Königswiesen - etwa 50 serbische Fremdarbeiter sowie „Ausgebombte“ aus Wien, die damals im gesamten Dritten Reich verteilt wurden, befanden sich ebenfalls im Ort.

Das Kriegsende zeichnet sich ab

Deutsche Flüchtlinge mit Pferdewägen am Ende des Zweiten Weltkrieges. (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-W0402-500/Dissmann/CC-BY-SA 3.0)
Deutsche Flüchtlinge mit Pferdewägen am Ende des Zweiten Weltkrieges. (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-W0402-500/Dissmann/CC-BY-SA 3.0)

Anfang des Jahres 1945 trafen die nächsten Flüchtlinge in Königswiesen ein. Sie stammten aus dem heutigen Tschechien und wurden in der Volksschule des Ortes einquartiert, weshalb ein Schulbetrieb nicht mehr möglich war. Ab dem März 1945 wurde der Verkehr im Ort von Tag zu Tag stärker. Nun kamen wohlhabende Wiener, die vor der heranrückenden Sowjetarmee geflüchtet waren. Sie wollten nicht in Kampfhandlungen hineingezogen werden und deshalb das Kriegsende im Westen Österreichs abwarten. Sie waren aber keine Flüchtlinge, wie jene Menschen, die ab Ende März aus Ostpreußen und Schlesien eintrafen. Bis zu 300 Flüchtlinge waren in dem Gebäude der Volksschule untergebracht, wo sie von den Lehrkräften betreut wurden, bevor sie in Privatquartiere kamen.

Im April 1945 wurde das Zusammenbrechen der Front und der Zerfall des „Tausendjährigen Reiches“ deutlich sichtbar, da immer mehr Verbände der deutschen Streitkräfte durch den Ort fuhren. Mitte April glich Königswiesen einem Heerlager. Zuerst zogen die Einheiten vom Westen Richtung Osten an die Front, nach einigen Tagen ging es in die andere Richtung. Dann zog deutsches und auch ungarisches Militär aller Waffengattungen gemeinsam mit flüchtenden Zivilisten nach Westen. In dieser Zeit der allgemeinen Auflösung und des Zerfalls des Dritten Reiches befahl der NSDAP-Ortsgruppenleiter den Markt in den Verteidigungszustand zu versetzen.

Volkssturm

Um Königswiesen verteidigen zu können, wurde ab Oktober 1944 der Volkssturm ausgehoben. Dieser stützte sich, wie auch in anderen Teilen des Reiches, auf die Organisationen der NSDAP ab, der er unterstellt war. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle wehrfähigen Männer zwischen 16 und 60, die noch nicht an der Front waren, militärisch geschult. Dazu wurde auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes exerziert und geschossen und rund um den Markt Panzersperren und Stellungen errichtet. Der Kampfwert dieser Geländebefestigungen war gering, da sie aufgrund ihrer exponierten Lage frühzeitig erkannt worden wären und den schlecht ausgebildeten Verteidigern, die oft nur mit einer Panzerfaust bewaffnet waren, keine Absetzmöglichkeit geboten hätten.

Während der Volkssturm den Ort zur Verteidigung vorbereitete, wuchs der Flüchtlingsstrom von Tag zu Tag an. Immer mehr Militär, darunter zumindest zwei deutsche Divisionen, zog Richtung Westen, da niemand in die Hände der Sowjets fallen wollte. Die Häuser, Höfe und Scheunen im Markt und in der Umgebung waren ständig von Soldaten belegt. An manchen Tagen mussten über 1 000 Soldaten mit Pferden, Wägen und Geschützen untergebracht werden. Die Straßen rund um Königswiesen glichen einem Schrottplatz. Viele Soldaten warfen ihre Waffen und anderer Gegenstände, die sie nicht mehr benötigten, weg. Zahlreichen Militärfahrzeugen ging der Treibstoff aus. Sie blieben neben der Straße stehen oder wurden von den Soldaten, die dann zu Fuß weitermarschierten, mit Bewaffnung, Munition und Kampfmittel in einen Graben geschoben. 

Am 29. März 1945 überschritten Soldaten der Roten Armee die österreichische Grenze im Burgenland.  Zwei Wochen später fiel Wien und am 18. April St. Pölten, bevor diese Front ab dem 27. April etwa 15 km östlich von Melk zum Stillstand kam. Am 28. April überschritten die ersten US-Soldaten die Grenze zu Tirol und am 30. April jene zu Oberösterreich bei Kollerschlag im Mühlviertel. Bereits am 4. Mai standen die Amerikaner südlich der Donau bei der Linie Eferding - Wels - Lambach - Vöcklabruck, nördlich der Donau waren sie nur noch wenige Kilometer von Linz entfernt.

Der Markt Königswiesen im Mühlviertel. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der Markt Königswiesen im Mühlviertel. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der Ort an dem sich heute der Sportplatz von Königswiesen befindet, war am Ende des Zweiten Weltkrieges ein Exerzier- und Schießplatz für den Volkssturm und die Hitlerjugend. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der Ort an dem sich heute der Sportplatz von Königswiesen befindet, war am Ende des Zweiten Weltkrieges ein Exerzier- und Schießplatz für den Volkssturm und die Hitlerjugend. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Marsch nach Linz, Mauthausen, Grein und Königswiesen

Am Morgen des 5. Mai um etwa 0830 Uhr, war der "Troop B", eine amerikanische Aufklärungseinheit der 41st Cavalry Reconnaissance Squadron (mechanisierter Aufklärungsverband in Bataillonsstärke) nördlich von Linz Richtung Osten aufgebrochen. Dieser hatte den Auftrag, mit den sowjetischen Spitzen Kontakt herzustellen, die zu diesem Zeitpunkt jedoch noch weit über 100 km ostwärts von Linz standen. Der Marschweg des „Troop B“ begann nordwestlich von Linz-Urfahr im Raum Gramastetten und führte über Katsdorf nach Pregarten, das um 0930 Uhr passiert wurde. Von Pregarten, wo sich die provisorisch festgelegte Grenze der Besatzungszonen befand, wurde die Patrouille entlang der heutigen B124 nach Nordosten, Richtung Königswiesen fortgesetzt.

Der „Troop B“ war nicht die einzige Einheit, der 41st Cavalry Reconnaissance Squadron, die an diesem Tag eingesetzt war. Insgesamt hatte der mechanisierte Aufklärungsverband am 5. Mai 1945 seine Einheiten in drei Richtungen eingesetzt. Der „Troop C“ marschierte als Spitze der US-Truppen Richtung Süden nach Linz und nahm die Stadt mit anderen Teilen der 11. US-Panzerdivision am selben Vormittag in Besitz. Der „Troop A“ marschierte angelehnt an das nördliche Donauufer Richtung Osten. Dabei umfuhr er St. Georgen/Gusen und wurde bei Mauthausen von Granatwerfern beschossen, woraufhin sie diesen Ort ebenfalls über Norden umfuhren und bei Schwertberg entlang der Donau bis nach Grein vorstießen.

Um sich einen Überblick über die Situation in Mauthausen zu verschaffen, erhielt ein verstärkter Aufklärungszug des „Troop D“ um etwa 1100 Uhr den Befehl, dorthin zu fahren und den Raum aufzuklären. Er sollte eine grausame Entdeckung machen. Der Konvoi mit einem leichten Aufklärungspanzer, Aufklärungsfahrzeugen und Jeeps stand plötzlich vor den Konzentrationslagern von Gusen und kurz danach im Konzentrationslager Mauthausen.

Völlig unvorbereitet auf die dortige Situation, wurden diese US-Soldaten zu den Befreiern der Insassen in diesen Konzentrationslagern. Sie konnten den Menschen dort aber noch nicht helfen, da sie mit der Situation überfordert waren, einen anderen Auftrag hatten und nicht über die notwendigen Güter verfügten, um die ehemaligen KZ-Insassen zu versorgen. Erst ab dem nächsten Tag, dem 6. Mai 1945 konnten die US-Einheiten schrittweise die Versorgung der etwa 40.000 Menschen in den ehemaligen KZ-Lagern übernehmen.

Die Amerikaner treffen ein

Dieses Foto von Soldaten der Waffen-SS (12. SS-Panzer-Division Hitlerjugend), nach ihrer Gefangennahme durch die U.S. Army in Deutschland, zeigt wie jung diese teilweise waren. (Foto: National Archives USA/gemeinfrei)
Dieses Foto von Soldaten der Waffen-SS (12. SS-Panzer-Division Hitlerjugend), nach ihrer Gefangennahme durch die U.S. Army in Deutschland, zeigt wie jung diese teilweise waren. (Foto: National Archives USA/gemeinfrei)

Um etwa 1030 Uhr kamen amerikanische Parlamentäre als Vorauskommando nach Königswiesen und forderten den Bürgermeister auf, den Markt kampflos zu übergeben. Dieser sicherte das zu und ließ daraufhin weiße Fahnen hissen. Die Bewohner waren beruhigt, dass der Krieg für sie scheinbar zu Ende war. Sie sollten sich irren. Um 1300 Uhr traf ein SS-Offizier mit einigen Männern in Königswiesen ein, der sofort anordnete, die weißen Fahnen zu entfernen. Angeblich wurde er vom NSDAP-Ortsgruppenleiter ohne Wissen des Bürgermeisters fernmündlich aus St. Pölten herbeigerufen.

Um etwa 1530 Uhr erreichte eine Kompanie der Waffen-SS mit jungen Soldaten, die laut Zeitzeugen etwa 18 Jahre alt waren, mit kleinen Kettenfahrzeugen (vermutlich Kettenkrad; Anm.) den Ort. Diese Einheit kam aus Richtung St. Georgen am Walde, da die heutige B3, die nördlich neben der Donau verläuft, „verstopft“ und de facto nicht befahrbar war. Es waren Soldaten der 3. SS-Panzerdivision „Totenkopf“, die durch das Heranrücken der Amerikaner von Westen und den Vormarsch der Sowjets in eine militärisch aussichtlose Lage gekommen waren.

Von Mönchdorf näherten sich amerikanische Soldaten dem Markt entlang der B124, die aufgrund der Zusage des Bürgermeisters nicht mehr mit Widerstand rechneten. Ihnen gingen der Bürgermeister, der Kommandant des Gendarmeriepostens und einige Bürger des Marktes mit weißen Fahnen entgegen. Sie dürften bereits aufgebrochen sein, bevor die Kompanie der Waffen-SS in Königswiesen ankam. Als sie um etwa 1600 Uhr den Ort, an dem sich heute eine Tankstelle befindet, erreicht hatten, wurde die Abordnung von den Soldaten der SS eingeholt und angehalten. Ihnen wurde angedroht, dass man sie erschießen würde, wenn sie die weißen Fahnen nicht „in den Schlamm treten“ und umkehren würden. Vermutlich erfuhren die Soldaten der Waffen-SS im Ort von der Kapitulation des Marktes und von der Abordnung, die den Amerikanern entgegenging und schickten einen Zug Richtung Süden, um sie aufzuhalten.

5. Mai 1945 - das erste Gefecht

Plan von Königswiesen, Mönchdorf und St. Georgen/Walde. (Plan: Open Street Map)
Plan von Königswiesen, Mönchdorf und St. Georgen/Walde. (Plan: Open Street Map)

Nachdem die Soldaten der Waffen-SS die Abordnung zur Umkehr gezwungen hatte, fuhren sie den amerikanischen Truppen entgegen. Auf Höhe des heutigen Sägewerkes bei Kastendorf gingen sie in Stellung und warteten auf die US-Spitzen. Der Grund dürfte die Beschaffenheit des Geländes gewesen sein. Dieser Bereich des Naarntales bildet eine Geländeschüssel mit einer Ausdehnung von etwa 1.400 m (west-ost) x 800 m (nord-süd), die von allen Seiten von Hügeln umgeben ist. Vom Höhenrücken Kastendorf sieht man etwa 500 m entlang der B124 Richtung Süden und kann von dieser Position aus das Tal beherrschen, das sich nach Südwesten öffnet. Im nördlichen Bereich der Geländeschüssel ist eine etwa 30 m breite Engstelle bei der Kapellmühle nach der sich das Gelände im Nordosten wiederum öffnet.

Geplante Einsatzführung

Der Zug der Waffen-SS ging vermutlich mit zwei Gruppen entlang des Höhenrückens beim heutigen Sägewerk und mit ebenfalls zwei Gruppen im Bereich des Bachbettes der Großen Naarn in Stellung. Die Stellungen auf dem Höhenrücken ermöglichten eine weitreichende Beobachtung und den Einsatz der Infanteriewaffen für gezieltes Feuer (Karabiner 98 mit einer Einsatzschussweite von 400 m) sowie von Maschinengewehren (MG-34 bzw. MG-42, mit einer Einsatzschussweite von etwa 1000 m). Die Stellungen im Bachbett ergaben sich aufgrund des Einsatzes der Panzerabwehrwaffen, die nur aus der Panzerfaust bestanden, die je nach Ausführung eine Einsatzschussweite von 30 - 100 m, hatte. Von dort aus konnte ein Kampffahrzeug bekämpft werden, wenn es sich bei der Geländekante bei der Kapellmühle befand, und so die Straße für weiter Fahrzeuge sperren.

Für einen Abwehrerfolg war es essenziell, den Gegner so nahe wie möglich herankommen zu lassen und in der ersten Gefechtsphase das erste Fahrzeug auf der Straße zu vernichten. Danach hätte man in einer zweiten Phase die amerikanischen Kräfte, die sich neu gruppieren hätten müssen und auf dem „Präsentierteller“ lagen, bekämpfen können und in einer dritten Phase die Kräfte am Bachbett an die Geländekante an der Kapellmühle nachgezogen. Eine vierte Phase hätte die zeitlich begrenzte Verteidigung dargestellt und die fünfte Phase das Abbrechen des Gefechtes unter Feuer und Bewegung entlang der B124 nach Königswiesen.

Der leichte amerikanischer Kampfpanzer M24, der im Zweiten Weltkrieg von der U.S. Army unter anderem in Königswiesen eingesetzt wurde, war später ein Teil der Panzertruppe des Österreichischen Bundesheeres. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der leichte amerikanischer Kampfpanzer M24, der im Zweiten Weltkrieg von der U.S. Army unter anderem in Königswiesen eingesetzt wurde, war später ein Teil der Panzertruppe des Österreichischen Bundesheeres. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Das tatsächliche Gefecht

Um etwa 1800 Uhr kam es zu einem kurzen Feuergefecht mit der amerikanischen Vorhut. Dabei wurde ein leichter amerikanischer Aufklärungspanzer vom Typ M24, mit dem die Einheit ausgestattet war, von einem Soldaten der Waffen-SS abgeschossen. Es war der erste von insgesamt acht Panzern der Aufklärungskompanie, die Richtung Königswiesen unterwegs waren. Durch das Panzerwrack war die Straße östlich der Kapellmühle gesperrt. Die restlichen Panzer wechselten in Gefechtsformation und wurden dabei wiederum von den deutschen Soldaten bekämpft. Der Teil des Zuges, der sich bis dahin beim Bachbett befand, bezog daraufhin die Geländekante bei der Kapellmühle und konnte nun ebenfalls auf die freie Fläche wirken. Aufgrund der fehlenden Panzerabwehrkapazität und dem Umstand, dass eine Annäherung an die Panzer nicht mehr möglich war, um die Panzerfäuste einzusetzen, konnte kein weiterer M24-Panzer abgeschossen werden.

Um etwa 1930 Uhr war die Überlegenheit der amerikanischen Kompanie so deutlich geworden, dass die deutschen Soldaten das Gefecht abbrachen und sich nach Norden absetzten. Hier dürften vor allem die fehlenden Panzerabwehrwaffen, aber auch die relativ geringe Anzahl deutscher Kräfte einen erfolgversprechenden weiteren Kampf verhindert haben. Die amerikanische Kompanie bezog mit ihren verbliebenen sieben Panzern den Höhenrücken von Kastendorf. Von dort aus konnten die US-Soldaten Königswiesen und den Kirchturm, auf dem ein Maschinengewehr postiert war, erkennen.

Der Ausgang des Kampfes

Bei dem ersten Gefecht am 5. Mai fielen zumindest drei SS-Soldaten und ein US-Offizier. Die SS-Männer wurden in Zeltplanen eingehüllt und der amerikanische Soldat in eine gelbe Decke gewickelt, nach Königswiesen gebracht und am nächsten Tag dort beigesetzt. Der amerikanische Offizier war vermutlich der Kommandant des Panzerzuges. Er hatte die Spitze der Kompanie übernommen und aufgrund der Zusicherung des Bürgermeisters auf eine Gefechtsformation verzichtet, bei der er sich ansonsten nicht im ersten Panzer befunden hätte.

Die Amerikaner zogen sich während der Nacht vom 5. auf den 6. Mai in Richtung Süden nach Mönchdorf zurück. Die Soldaten der Waffen-SS nutzten das aus, um Verstärkungen nachzuführen, was auch von der zurückweichenden US-Einheit bemerkt wurde als sie sich absetzte. Die Kräfte der Waffen-SS besetzten die nordöstlichen Höhenrücken der Geländeschüssel am Abschluss des Naarntales zwischen dem Kastenberg und der Kapellmühle, der zuvor von den US-Soldaten geräumt worden war.

Die Kapellmühle war am 5. und 6. Mai 1945 der Ort der Gefechte und wurde am 6. Mai in Brand geschossen. Der Karrenweg verläuft auf der Trasse, wo sich früher die Bundesstraße befand. Der M-24-Panzer, der am 5. Mai abgeschossen wurde, stand zwischen den Bäumen und der Geländekante, hinter der der Karrenweg verschwindet. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Die Kapellmühle war am 5. und 6. Mai 1945 der Ort der Gefechte und wurde am 6. Mai in Brand geschossen. Der Karrenweg verläuft auf der Trasse, wo sich früher die Bundesstraße befand. Der M24-Panzer, der am 5. Mai abgeschossen wurde, stand zwischen den Bäumen und der Geländekante, hinter der der Karrenweg verschwindet. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

6. Mai 1945 - das zweite Gefecht

Am Morgen des 6. Mai 1945, einem Sonntag, der für die Bewohner von Königswiesen mit einer Messe in der Pfarrkirche begann, war der Markt in heller Aufregung. Der Ort war voll mit Soldaten der Waffen-SS, und ein neuerlicher Kampf schien unvermeidbar zu sein. Bereits in den Vormittagsstunden begannen die ersten kleineren Kämpfe im Naarntal mit amerikanischen Vorhuten, und das Geknatter der Feuerstöße der Maschinengewehre war zu hören. Daraufhin begannen die ersten Bewohner von Königswiesen in die Häuser der Umgebung sowie in die Wälder und Höhlen zu flüchten.

Der zweite Kampf um die Kapellmühle

Um ungefähr 1330 Uhr begann der Kampf bei der Kapellmühle, wo bereits am Abend zuvor gekämpft wurde. Die Kompanie der Waffen-SS hatte in der Nacht die Höhen der Hügel der nördlichen Geländeschüssel im Naarntal besetzt und war dort, wie bereits der Zug am Tag zuvor, mit weitreichenden Flachfeuerwaffen jedoch ohne weitreichende Panzerabwehrwaffen in Stellung gegangen. Die amerikanische Spitze näherte sich den Stellungen der deutschen Soldaten, die sie bereits von den Kämpfen am Vortag kannte, entlang der Bundesstraße an.

Als sie bei der Geländeschüssel ankamen, liefen Kinder der umliegenden Gehöfte zu den Kampffahrzeugen. Sie hatten diese bereits von weiten gesehen und gehört und baten die US-Soldaten um Schokolade oder Süßigkeiten. Obwohl der Kampf unmittelbar bevorstand, öffneten sich die Luken mancher Fahrzeuge und die Soldaten warfen den Kindern Schokolade zu. Danach setzte die amerikanische Kompanie den Marsch fort und befand sich kurz darauf auf der freien Fläche der Geländeschüssel. Dort entwickelten die sieben Panzer - der achte war, wie bereits erwähnt, am Vortag abgeschossen worden - etwa 500 m vor den Stellungen der Waffen-SS. Nachdem sie dies getan hatten, fuhren sie Richtung Norden und hielten etwa 300 m vor den deutschen Positionen in Gefechtsformation an.

Ein deutscher Soldat in Stellung mit einer Panzerfaust. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-721-0375-28A/Koll/CC-BY-SA 3.0)
Ein deutscher Soldat in Stellung mit einer Panzerfaust. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-721-0375-28A/Koll/CC-BY-SA 3.0)

Kurz darauf begannen neuerliche Schusswechsel zwischen den deutschen und den amerikanischen Soldaten. Dieser Kampf wurde von den Bewohnern der umliegenden Gehöfte beobachtet, die in einigen hundert Metern Entfernung vor ihren Häusern standen. Aufgrund der Schilderung von Zeitzeugen dürften die Kämpfe so abgelaufen sein, dass die deutschen Soldaten in ihren Stellungen lagen und in unregelmäßigen Abständen auf die US-Panzer schossen, obwohl sie - bis auf die Panzerfaust - keine panzerbrechenden Waffen hatten und somit keine Wirkung erzielen konnten. Sie konnten lediglich „mitteilen“ dass sie sich noch vor Ort befanden. Dadurch konnten sich die US-Panzer jedoch nicht nach Norden bewegen, da sie sonst zu nahe an die Stellungen und vor allem bei der Engstelle Kapellmühle in die Reichweite der Panzerfäuste gekommen wären. Da sie sich nur auf der freien Fläche bewegen konnten, schossen sie auf die deutschen Positionen, wobei die Schusswechsel als teilweise sehr heftig beschrieben wurden. Im Laufe des Gefechtes wurden auch die umliegenden Gehöfte, die etwa 200 bis 600 m entfernt waren, von den US-Soldaten beschossen.

Es waren aber nicht nur Stellungen und Bauernhäuser, die von den US-Panzern beschossen wurden. So schlugen am Nachmittag des 6. Mai 1945 sechs oder sieben Granaten in Königswiesen, etwa 300 m nordwestlich der Kirche, in einem Feld ein. Diese wurden von den US-Panzern im indirekten Richten auf den Ort abgegeben. Das angebliche Ziel dieses Feuerüberfalls war der Kirchturm im Ort, da sich dort ein deutsches MG-Nest befand.

Dass die Granaten im indirekten Richten abgefeuert worden sein müssen, zeigen sowohl der Einschlagwinkel als auch die Ablage der Granaten zum angeblichen Ziel. Darüber hinaus wäre eine verfehlte Granate im Direktbeschuss etwa 400 m nördlich im nächsten Hügel eingeschlagen, also dahinter und nicht daneben. Um den Kirchturm überhaupt im direkten Beschuss treffen zu können, wäre es notwendig gewesen, die Höhe Kastendorf zu besetzen, von wo aus der etwa zwei Kilometer entfernte Kirchturm sichtbar ist. Diese Höhe war jedoch nicht im Besitz der Angreifer, da diese mit dem Kampf um das Tal beschäftigt waren. Somit wären weder eine Beobachtung noch ein direkter Beschuss möglich gewesen.

Um etwa 1600 Uhr stieg eine große Rauchsäule auf, da die Kapellmühle in Brand geschossen wurde. Kurze Zeit darauf standen das Gehöft Kapeller und unmittelbar darauf das Gehöft Huber in Flammen. Aufgrund der Strohdächer, die die Häuser damals hatten, fingen sie leicht Feuer. Eine amerikanische Panzergranate schlug darüber hinaus in das Gehöft Edlhofschuster ein ohne zu zünden. In den Abendstunden wurde es wieder ruhiger. Die Kampftätigkeit flaute ab, und die US-Einheit setzte sich Richtung Süden ab. Auch am Ende des zweiten Kampftages konnte keine Entscheidung erzielt werden und die Stellungen verliefen praktisch dort, wo sie bereits in der Früh gewesen waren.

Die Höhe Kastendorf mit Blick auf das etwa 2 km entfernte Königswiesen in der Senke. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Die Höhe Kastendorf mit Blick auf das etwa 2 km entfernte Königswiesen in der Senke. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Bewertung der Kämpfe des zweiten Tages

Die Feuergefechte am Vormittag weisen darauf hin, dass amerikanische Spähtrupps die Stellungen der Waffen-SS kampfkräftig aufgeklärt haben. Dabei konnten sie das Feuer der Verteidiger herauslocken, wodurch diese ihre Stellungen verrieten. Die Dauer und der Ausgang des eigentlichen Gefechtes am Nachmittag lassen den Schluss zu, dass keine Seite eine Überlegenheit bzw. einen Gefechtserfolg erzielen konnte. Diese Pattsituation war vor allem auf die unterschiedliche und der Lage nicht angemessenen Bewaffnung zurückzuführen. Die deutschen Verteidiger konnten keine Panzer auf Distanzen über 30 m bekämpfen, die amerikanischen Angreifer konnten keine Verzahnung riskieren, da die Panzerfäuste ihre M24-Panzer gefährdet hätten. Darüber hinaus darf bezweifelt werden, ob die Aufklärungsabteilung einen Kampf so kurz vor Kriegsende als eine Option betrachtete.

Es war auch nicht der Auftrag dieser Einheit der 41st Cavalry Reconnaissance Squadron deutsche Einheiten anzugreifen. Vielmehr sollte sie die Verbindung zu den Sowjets herstellen. Als kampfkräftige Aufklärungseinheit sollten sie zwar - wenn auch nicht bei diesem konkreten Auftrag - gegnerisches Feuer herauslocken, um feindliche Stellungen feststellen zu können. Für einen Angriff im eigentlichen Sinne war sie weder personell noch materiell geeignet. Darüber hinaus fehlte ihr der Anschluss zu Elementen, die sie beispielsweise mit Steilfeuer unterstützen oder mit Munition hätten versorgen können.

Spätestens nach dem Einschlag der Granaten im Ort wurde den Bewohnern bewusst, dass die Lage für sie nun gefährlich geworden war. Im Ort ging das Gerücht und die Angst um, dass die U.S. Air Force Königswiesen bombardieren könnte. Deshalb flohen die letzten Bewohner des Marktes ,während der Kampf im Naarntal tobte, in die Wälder, die den Markt umgeben. Bis auf eine Handvoll Menschen, unter ihnen der Pfarrer, die Soldaten und ein paar Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg blieb niemand im Ort, und beinahe alle Häuser waren geräumt.

Die freie Fläche der Geländeschüssel im Naarntal, auf der am 6. Mai 1945 die Panzer der U.S. Army standen, heute. Die Soldaten der Waffen-SS befanden sich im rechten Bereich des Hügels. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Die freie Fläche der Geländeschüssel im Naarntal, auf der am 6. Mai 1945 die Panzer der U.S. Army standen, heute. Die Soldaten der Waffen-SS befanden sich im rechten Bereich des Hügels. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

7. Mai 1945 - der Kampf wird eingestellt

Die Angst der Marktbewohner vor einem Luftangriff war nicht unbegründet, denn die amerikanischen Streitkräfte setzten am 7. Mai tatsächlich ihre Luftwaffe ein. Der Einsatz war notwendig, um die Pattsituation am Boden zu beenden und der Einheit der Totenkopfdivision die Überlegenheit der amerikanischen Truppen und die Ausweglosigkeit ihrer Situation vor Augen zu führen. Die Flugzeuge der U.S. Air Force umkreisten den Markt und dessen Umgebung und feuerten mit ihren Bordwaffen auf die Stellungen. Bei den Luftangriffen ging auch ein Bauernhof an der Grenze zu Niederösterreich in Flammen auf. Die SS-Soldaten erkannten schließlich die Aussichtslosigkeit ihres Kampfes und stellten ihn ein. Die amerikanischen Truppen stießen jedoch nicht nach.

Am Morgen des 7. Mai erhielten alle US-Verbände die Information, dass das Deutsche Reich in der Nacht kapituliert hatte und der Zweite Weltkrieg in Europa am 8. Mai 1945 um 2300 Uhr beendet ist. Alle amerikanischen Verbände bekamen die Order, ihre Position zu halten. Alle US-Einheiten, die östlich von der Haltelinie (entspricht der vorläufigen Zonengrenze zwischen der USA und der UdSSR) eingesetzt waren, die etwa auf der Linie Mauthausen-Pregarten-Freistadt verlief, erhielten um 1015 Uhr den Befehl sich zurückzuziehen und den Verfügungsraum Katsdorf, etwa 10 km östlich von Linz, zu erreichen. Um 1845 Uhr war das gesamte 41st Cavalry Reconnaissance Squadron dort versammelt.

8. Mai 1945 - Kapitulation und Auflösung

Der Marktplatz von Königswiesen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der Marktplatz von Königswiesen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Am späten Vormittag des 8. Mai 1945, dem letzten Tag des Zweiten Weltkrieges in Europa, trafen amerikanische Militärpolizisten in Königswiesen ein. Die US-Soldaten, die laut Zeitzeugen betrunken waren, nahmen die symbolische Übergabe des Ortes entgegen, wozu die Angehörigen der Waffen-SS ihre Waffen auf dem Marktplatz abgelegt hatten. Beim Brunnen des Marktplatzes stand ein amerikanischer Jeep, vor dem sich ein amerikanischer und ein deutscher Offizier unterhielten und Absprachen tätigten. Nachdem die US-Militärpolizisten zwei SS-Männern die Kragenspiegel abgetrennt hatten, fuhren sie Richtung Mönchdorf ab. Diese Kapitulation ist insofern bemerkenswert, da Königswiesen auf jeden Fall im sowjetischen Besatzungsbereich gelegen wäre, weshalb sie als symbolisch betrachtet werden muss.

Die amerikanischen Truppen betraten Königswiesen danach nicht mehr. Der Ort war deshalb vom 8. bis zum 10. Mai nicht von Soldaten besetzt und die Bevölkerung wartete, wie es weitergehen würde. Die Soldaten der Totenkopfdivision nutzten diese Gelegenheit und zerstreuten sich in alle Richtungen. Viele erhielten Zivilkleidung von der Bevölkerung und warfen ihre Waffen, Munition und Ausrüstung weg. Manche gingen auch zu den Bauern der Umgebung und wurden von diesen als Knechte getarnt, um unterzutauchen.

Die Sowjets kommen

Die ersten Sowjetsoldaten erreichten Königswiesen am 10. Mai 1945. Um etwa 1600 Uhr kam ein Auto mit Offizieren, denen von der Bevölkerung erklärt wurde, dass bereits amerikanische Soldaten vor Ort waren. Die Hoffnung bestand damals noch, kein Teil der Sowjetzone zu werden, weshalb die Abfahrt des sowjetischen Vorauskommandos mit Erleichterung aufgenommen wurde.

Am 11. Mai um etwa 0100 Uhr wurden die Bewohner des Marktes jedoch durch Schreie und Kolbenschläge an die Haustüren aus dem Schlaf gerissen. Eine Abteilung betrunkener Sowjetsoldaten war eingetroffen, die aber nicht im Ort blieb, sondern auf dem Durchzug Richtung Westen war. Dennoch kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen. Der Einmarsch und Durchzug der Roten Armee dauerte den ganzen Tag. Immer wieder betraten sowjetische Soldaten die Häuser des Ortes. Am 12. Mai trafen schließlich jene Soldaten ein, die bleiben sollten. Für die Bewohner von Königswiesen begann nun eine schwere Zeit, die sich erst im Juli 1945 beruhigte. Viele Frauen und Mädchen flohen in die Wälder, wo sie sich in diesen turbulenten und gefährlichen Wochen verborgen hielten.

Gäste von „damals“

Einige Soldaten der Waffen-SS, die damals in Königswiesen kämpften, blieben mit den Bewohnern des Ortes in Kontakt. So bedankte sich ein Soldat, der aus Wien stammte und Lederfacharbeiter war, für die Kleider, mit denen er als „Zivilist“ nach Hause gehen konnte mit einer Geldbörse, die er ein paar Monate nach Kriegsende schickte. Auch der deutsche Soldat, der den amerikanischen M24-Panzer bei dem ersten Gefecht bei der Kapellmühle am 5. Mai mit einer Panzerfaust abgeschossen hatte, kam später häufig als Gast nach Königswiesen. Es waren aber nicht nur Soldaten, die dem Markt im Mühlviertel verbunden blieben. Auch so mancher Fremdarbeiter blieb mit den Menschen, bei denen er während des Krieges arbeitete, in Verbindung. Die Spuren der Gefechte waren in den 1980er Jahren wieder präsent. Als der Wald am Kastenberg abgeholzt und das Holz verarbeitet wurde, fanden sich dort die Reste von Projektilen und Granatsplittern, als Zeugen der letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges in Oberösterreich.

Fazit der Kämpfe um Königswiesen

Soldaten der 3. SS-Panzer-Division "Totenkopf" rasten neben einem zerstörten sowjetischen Panzer T-34 an der Ostfront in Rumänien 1944. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-024-3535-30/Vorpahl/CC-BY-SA 3.0)
Soldaten der 3. SS-Panzer-Division "Totenkopf" rasten neben einem zerstörten sowjetischen Panzer T-34 an der Ostfront in Rumänien 1944. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-024-3535-30/Vorpahl/CC-BY-SA 3.0)

Die Kompanie der Waffen-SS, die der 3. SS-Division „Totenkopf“ angehörte, kämpfte mehr oder weniger auf eigene Faust und versetzte die Bevölkerung von Königswiesen noch in den letzten Kriegstagen „in Angst und Schrecken“. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich diese Kompanie, die sich in einer militärisch völlig aussichtslosen Situation befand nicht - so wie alle anderen Einheiten - den US-Soldaten ergab.

Wie weit es sich bei den Kampfhandlungen um eine Verzweiflungsaktion handelte, die Lage aufgrund fehlender Informationen falsch beurteilt wurde oder ideologische Verblendung den Ausschlag gab (oder eine Mischung davon), ist heute nicht mehr feststellbar. Hinsichtlich der Vorgänge in Königwiesen ist jedoch anzumerken, dass sie das Ergebnis einer Rivalität zwischen Generaloberst der Waffen-SS Sepp Dietrich, dem Kommandanten der 6. Panzer-Armee, und dessen Vorgesetzten, dem Kommandanten der Heeresgruppe Ostmark, Generaloberst Lothar Rendulic, hätte sein können. So informierte Dietrich einige Tage vor Kriegsende den Oberbefehlshaber Süd über Gerüchte, dass Rendulic einen Separatfrieden mit den Amerikanern aushandeln wolle. Das Ergebnis der Interventionen war der Befehl auch den US-Truppen entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen, wie es in Königswiesen oder im Bezirk Amstetten in Ennsdorf sowie Ernsthofen tatsächlich geschah.

Ob der Widerstand der Kompanie der Grund für die Auslieferung von etwa 28.000 deutschen Soldaten ab dem 15. Mai 1945 an die Sowjets war, die bei Gallneukirchen in amerikanischer Kriegsgefangenschaft waren, ist ebenfalls fraglich. Dieser Umstand könnte auch mit der veränderten Zonengrenze zusammenhängen, weshalb die Gefangenen nun auf „sowjetischen“ Boden waren und somit auch in sowjetische Gefangenschaft zu gehen hatten.

In der amerikanischen Militärliteratur und Forschung hinsichtlich des Endes des Zweiten Weltkrieges spielen die Gefechte bei Königswiesen keine Rolle. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die U.S. Army noch im Gebiet des heutigen Tschechien kämpfte und sich ihr die Bedeutung der Kämpfe für die Region, Oberösterreich sowie für die österreichische Militärgeschichte nicht erschloss.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Anmerkung: Der Artikel rekonstruiert die Gefechte bei Königswiesen zwischen dem 5. und 7. Mai 1945. Als Quelle diente Literatur regionaler Autoren, der Auszug der Chronik des Gendarmeriepostens des Ortes und militärhistorische Literatur aus Österreich und den USA. Darüber hinaus wurden Zeitzeugeninterviews geführt und der Schauplatz der Gefechte mehrere Male besucht. Hinsichtlich der Chronologie der Ereignisse gab es Abweichungen in den Quellen, wobei die glaubwürdigste bzw. logischste Variante berücksichtigt wurde.
 

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