• Veröffentlichungsdatum: 22.12.2017
  • – Letztes Update: 08.01.2018

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Bundesheer und Medien: Eine neurotische Beziehung

Michael Bauer

Vorweg gleich eine Auswahl von Berichten über das Bundesheer. Ein Journalist bezeichnet in einer Qualitätszeitung Unteroffiziere als „Little Hitler“. Der Chefredakteur einer Wochenzeitung twittert, dass es sich bei Fehleistungen einzelner Ausbilder nicht um schwarze Schafe handelt, sondern um eine von oben tolerierte Subkultur.

Ein Kommentator einer Tageszeitung findet die Leistungsschau des Bundesheeres am Heldenplatz „ziemlich Scheiße“. Zu den Fakten: In einem Jahr gibt es mehr als 20 000 Berichte in Zeitungen, Radio und TV über das Bundesheer. Dazu haben fast alle Medien einen ausgewiesenen Spezialisten, der sich mit dem Thema Landesverteidigung beschäftigt. Dennoch ist es dem Bundesheer, trotz strategischem Führungslehrgang, Hintergrundgesprächen und vielen Öffentlichkeitsarbeitern nicht ausreichend gelungen, das Universum Bundesheer umfassend zu erklären. Fremdsicht und Eigensicht decken sich nicht. Das Verhältnis zwischen dem Bundesheer und den Medien gleicht einem gespannten Seil; die Spannung wird von beiden Seiten aufrechterhalten.

Wie sehen Soldaten die Medien?

Viele Soldaten haben große Skepsis gegenüber Medien: „Journalisten lehnen das Bundesheer ohnehin ab. Sie haben keine Ahnung vom Bundesheer und wollen es nicht verstehen. Ihr einziges Ziel ist es, das Bundesheer negativ und schlecht dastehen zu lassen. Sie drehen einem das Wort im Mund um. Man erklärt ihnen Alles, nimmt sich Zeit und gibt sich Mühe: Und dann schreiben sie doch nur Negatives“. So oder ähnlich ist der Tenor vieler Soldaten. Kritische Distanz ist wohl noch das positivste Gefühl, das Soldaten gegenüber Journalisten haben. Selten gibt es Berichte, mit denen Soldaten völlig zufrieden sind und in denen sie sich inhaltlich wiederfinden. 

Dabei übersehen Soldaten, dass es explizite Aufgabe der Medien ist, hinter die vermeintlich positive Meldung zu schauen, alles kritisch zu hinterfragen und PR-Meldungen nicht zu glauben. Das ist aber kein spezielles Problem des Bundesheeres: Das ist Journalismus.

Und wie sehen uns die Medien?

Medien sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie. Sie haben die Aufgabe zu kritisieren, zu beobachten, aufzudecken und zu hinterfragen. Gerade staatliche Institutionen wie das Bundesheer, dem noch dazu der Nimbus des Geheimen anhängt, sind dabei oft Objekt der Berichterstattung. 

Eine nicht repräsentative Umfrage unter Journalisten, die regelmäßig über das Bundesheer schreiben, ergibt folgendes Bild: Eine Journalistin schreibt: „Das Bundesheer wirkt manchmal ungeschickt. Wenn sich ein Soldat in den Fuß schießt, denkt man sich: Typisch Bundesheer“. Ein Magazinjournalist und ehemaliger Zivildiener sagt: „Wenn man sich als Journalist ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt, verläuft die Zusammenarbeit auch bei kritischen Rechercheansätzen so professionell und emotionsfrei, wie man es sich von anderen Ministerien oft wünschen würde“. Und eine andere Journalistin meint: „Journalisten haben oft das Selbstbild, nicht obrigkeitsgläubig zu sein. Sie sehen Soldaten daher gern als Befehlsempfänger und arbeiten sich ihren Vorurteilen entsprechend am Militär ab“. Ein Journalist, der Wehrdienst abgeleistet hat, denkt: „Das Bundesheer hat sehr früh erkannt, dass es die Medien und die Öffentlichkeit als Verbündete braucht.“

Was wünscht sich das Bundesheer von den Medien …

In erster Linie, dass die Soldaten überhaupt in den Medien vorkommen. Denn nur dann sind sie präsent und ihre Arbeit wird auch wahrgenommen. Objektivität, soweit das überhaupt möglich ist. Journalisten sollen versuchen, ihre persönlichen negativen Erfahrungen, die sie während des Wehrdienstes erlebt haben, nicht in die Berichterstattung einfließen zu lassen. Sie sollten zwischen ihrem ehemaligen Ausbilder und dem heutigen Bundesheer unterscheiden können. Auch das Bundesheer verändert sich. Sie sollten ihre weltanschauliche Brille ablegen. Sie sollten das Bundesheer als das sehen, was es ist. Eine staatliche Stelle, die versucht Gutes für Österreich zu leisten. Es besteht aus Menschen, die zumindest die männliche österreichische Bevölkerung repräsentiert und abbildet. 

… und was muss das Bundesheer lernen?

Nicht jede kritische Berichterstattung ist gleichzeitig eine Majestätsbeleidigung. Das Bundesheer und seine Soldaten müssen es aushalten, wenn sie im Fokus einer negativen Berichterstattung stehen; vor allem wenn es tatsächlich Fehlleistungen gegeben hat. Das Bundesheer wird durch Steuergeld finanziert und es ist daher legitim von Medien, deren sinnvollen Verbrauch zu hinterfragen. Darüber hinaus hat das Bundesheer in der Vergangenheit auch seinen Beitrag geleistet, dass Kritik berechtigt war. Das Bundesheer wird oft als Staat im Staat gesehen, eine Organisation hinter geschlossenen Mauern. Daher ist verständlich, dass hier Medien besonders neugierig und kritisch sind. Diese Kritik richtet sich aber nicht gegen das Bundesheer, sondern steht für Aufklärung und dem berechtigten Anliegen der Bevölkerung nach Transparenz.

Oberst dhmfD Mag. Michael Bauer ist Ressortsprecher des BMLV.

 

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