• Veröffentlichungsdatum: 26.06.2017
  • – Letztes Update: 04.07.2017

  • 13 Min -
  • 2570 Wörter

AUTCON HUN - Aufgaben im Einsatz

Michael Barthou, Gerold Keusch

(Foto: Keusch)
(Foto: Keusch)

Der Straßenbau und das Durchführen von Transporten sind die wesentlichen Aufgaben des österreichischen Kontingentes in Ungarn. Um diese Tätigkeiten ausführen zu können sind verschiedene Arbeitsschritte und Abläufe notwendig. TRUPPENDIENST hat die Soldaten von AUTCON HUN bei ihrem Dienst begleitet und ihnen dabei über die Schultern geblickt.

Auf der Baustelle

Auf holprigen Straßen erreicht man den Bauplatz der österreichischen Soldaten mit den Aufenthalts- und Arbeitscontainern. Wenn man Richtung Grenze blickt, erkennt man eine große Staubwolke. Eine Straße, die von den österreichischen Soldaten errichtet wurde, führt von den Containern zum aktuellen Bauabschnitt. Um eine Straße, in diesem Fall einen nicht asphaltierten Fahrweg, zu errichten, bedarf es zahlreicher Baumaschinen, mehrerer Arbeitsschritte und des richtigen Baumaterials. Es reicht nicht, „nur“ Schotter auf eine ebene Fläche zu schütten und diese zu planieren. Vizeleutnant Robert Martschin koordiniert die Bauarbeiten vor Ort. Der erfahrene Kommandant eines Pionierzuges ist für die praktische Arbeit zuständig. Er koordiniert die Soldaten vor Ort, gibt Anweisungen und erteilt Befehle. 

Bevor die eigentliche Straßenbauarbeit beginnt, muss zuerst der Verlauf der Straße vor Ort vermessen werden. Das erfolgt durch die Planungs- und Vermessungsgruppe, die aus einem Vermessungsoffizier und zwei Unteroffizieren besteht. Mit einem Theodoliten wird der Straßenverlauf festgelegt und dazu unterschiedliche Messpunkte aufgenommen. Nach diesem Arbeitsschritt kommt der erste Bagger zum Einsatz, der die Straße auf die vorher ausgemessene Tiefe eben aushebt. 

Ein Rotationslaser misst das Quergefälle und sorgt dafür, dass der Untergrund gerade bzw. gleichmäßig ansteigend oder absteigend ausgenommen wird. „Da kann es sein, dass auf einer Seite etwas weggenommen und auf der anderen Seite etwas aufgeschüttet werden muss, damit das Niveau passt“, so Martschin. Danach zieht der Bagger einen Entwässerungsgraben für die Drainage. 

Kettenbagger Komatsu im Einsatz. (Foto: Keusch)
Kettenbagger Komatsu im Einsatz. (Foto: Keusch)

Alle 50 Meter sorgt eine Vertiefung, in der die Drainage-Rohre zusammenlaufen, dafür, dass das Regenwasser abläuft, damit der Fahrweg nicht unterspült werden kann. Der Graben wird danach mit Rollschotter ausgefüllt und dann mit einer Straßenwalze bearbeitet und die restliche Fläche der Straße vorverdichtet. „Sobald das fertig ist, werden ein Straßenbauvlies und eine Carbonmatte auf die Trasse gelegt“, erklärt Vizeleutnant Martschin, während er die Bauarbeiten genau beobachtet. Das auf diesem Bauabschnitt verwendete Vlies hat eine Länge von jeweils 150 m (eine Rolle) und ist vier Meter breit. Die Carbonmatte hat ebenfalls eine Breite von vier Metern und ist je Rolle 50 m lang. Damit wird der komplette Straßenboden ausgelegt. Das Bauvlies und die Carbonmatte sorgen für einen stabilen und festen Untergrund des Fahrweges und verhindern, dass sich die verschiedenen Schichten miteinander vermischen. 

Danach wird die ausgelegte Strecke mit Schotter aufgefüllt (1. Layer) und mit einem 14-Tonnen-Bagger, der mit einem Schild ausgestattet ist, gleichmäßig und eben verteilt. „Das nennt man auch die erste Schicht einbringen; danach wird die komplette Straße, die ganzen drei Kilometer von Anfang bis zum Ende fertig gemacht“, ergänzt Martschin. Als nächster Schritt der Bauarbeiten wird eine zweite Schotterschicht (2. Layer) aufgetragen und mit einer Walze verdichtet. Diese beiden Schichten haben eine Stärke von insgesamt 35 cm und bestehen aus Bruchschotter mit einer Körnung bis zu 80 mm. Nachdem die Schichten aufgetragen sind, wird die drei Zentimeter starke Fahrschicht mit einem speziellen, feinen Schotter aufgebracht und noch einmal gewalzt. 

Nach diesen Schritten ist der Straßenbelag grundsätzlich befahrbar. Am Ende der Bauarbeiten befestigen die Pioniere links und rechts das Angelände mit den Straßenbanketten. Der letzte Schritt ist das Auspflocken der Straße mit Leitpflöcken. Wenn die Arbeiten entlang des gesamten Abschnittes fertig sind, wird die Straße „übergeben“ und kann befahren werden. Die Dauer der Bauarbeiten für einen solchen Fahrweg ist von verschiedenen Faktoren wie Wetter, Länge der Straße, Baumaterial und den verfügbaren Arbeitsmaschinen abhängig. Die Stärke des Unterbaues gewährleistet eine Tragfähigkeit der Straße bis zu 16 Tonnen.

Der Bauplatz befindet ist etwa einen Kilometer hinter der ungarisch-serbischen Grenze. (Foto: Keusch)
Der Bauplatz befindet ist etwa einen Kilometer hinter der ungarisch-serbischen Grenze. (Foto: Keusch)


Bei aller Praxis muss „der Papierkrieg auch bei uns geführt werden“, sagt der Kommandant des Pionierzuges. „Die Tagesbauberichte, der Spritverbrauch etc. werden jeden Tag zusammengefasst und der Planungszelle weitergegeben, die das Bautagebuch führt. So wird jeder Arbeitsschritt dokumentiert“. Das ist in diesem Einsatz deshalb wichtig, da die österreichischen Pioniere ihr Baumaterial von den ungarischen Streitkräften erhalten. „Wir bekommen Material, das wir in Österreich nicht verwenden würden, was wir den Ungarn auch sagen. Wir halten unsere Einwände im Bautagebuch fest, inklusive den ungarischen Vorgaben, dass dieses trotzdem zu verwenden sei. Somit können wir etwaigen Reklamationen begegnen“, erklärt  Vizeleutnant Martschin den Zweck der Dokumentation.

Während der Vizeleutnant weiter den Bauverlauf kontrolliert und da und dort Anweisungen gibt, meint er, dass der Einsatz ein „guter“ sei. Dennoch: Die Witterungsverhältnisse sind andere als im nur 450 km entfernten Österreich. Darüber hinaus „gibt es hier eine andere Art von Erde, Boden, Sand und Schlick, die kein Wasser durchlassen. Oft stehen wir bis zu den Knien im Dreck und versinken förmlich im Schlamm“. Allein im April 2017 gab es 21 Regentage. Danach hat sich das Wetter gebessert. Nun machen die Sonne und die Hitze den Soldaten zu schaffen. Die Hitze im Führerhaus eines Baggers oder in anderen Baufahrzeugen wird damit zu einer Herausforderung für die Maschinenführer. Der Einsatz unter großen körperlichen Anstrengungen ist schwer. Dennoch arbeiten die österreichischen Pioniere gerne auf der Baustelle. Vor allem das Gefühl, hier gebraucht zu werden, ist eine Motivation für die Soldaten - vom Erfahrungsgewinn ganz abgesehen. 

Straßenbau - Schritt für Schritt

Der Bau einer Straße beginnt mit Vermessungsarbeiten vor Ort durch den Vermessungstrupp. Dieser vermisst den Straßenverlauf und bestimmt die Höhe. Danach wird die Trasse ausgepflockt. (Foto: Keusch)
Der Bau einer Straße beginnt mit Vermessungsarbeiten vor Ort durch den Vermessungstrupp. Dieser vermisst den Straßenverlauf und bestimmt die Höhe. Danach wird die Trasse ausgepflockt. (Foto: Keusch)
Nachdem die Trassenführung endgültig feststeht und markiert ist, hebt der erste Bagger die Straße auf die festgelegte Tiefe aus. Bei den Baggerarbeiten wird je nach Bedarf nicht nur abgegraben, sondern auch aufgeschüttet. (Foto: Keusch)
Nachdem die Trassenführung endgültig feststeht und markiert ist, hebt der erste Bagger die Straße auf die festgelegte Tiefe aus. Bei den Baggerarbeiten wird je nach Bedarf nicht nur abgegraben, sondern auch aufgeschüttet. (Foto: Keusch)
Als nächster Schritt gräbt der Bagger einen Entwässerungsgraben neben der Straße oder einen Drainage-Graben unter der Trasse. Danach wird der Graben mit dem Rohr mit Rundschotter ausgefüllt und die Trasse gewalzt. (Foto: Keusch)
Als nächster Schritt gräbt der Bagger einen Entwässerungsgraben neben der Straße oder einen Drainage-Graben unter der Trasse. Danach wird der Graben mit dem Rohr mit Rundschotter ausgefüllt und die Trasse gewalzt. (Foto: Keusch)
Sobald der Straßenboden bearbeitet ist, werden ein Straßenbauvlies und eine Carbonmatte aufgelegt. So wird verhindert, dass sich der Schotter mit dem Erdreich darunter verbindet. (Foto: Keusch)
Sobald der Straßenboden bearbeitet ist, werden ein Straßenbauvlies und eine Carbonmatte aufgelegt. So wird verhindert, dass sich der Schotter mit dem Erdreich darunter verbindet. (Foto: Keusch)
Ein Bagger füllt die Trasse mit der ersten Tragschicht und der Ausgleichsschicht. Danach wird die drei Zentimeter starke Fahrschicht mit feinem Schotter aufgetragen und gewalzt. (Foto: Keusch)
Ein Bagger füllt die Trasse mit der ersten Tragschicht und der Ausgleichsschicht. Danach wird die drei Zentimeter starke Fahrschicht mit feinem Schotter aufgetragen und gewalzt. (Foto: Keusch)
Nach diesen Arbeitsschritten ist der Straßenbelag grundsätzlich befahrbar. Nun wird das Gelände mit dem Straßenbankett angelegt. Zum Schluss kommt das Auspflocken der Straße mit Leitpflöcken. (Foto: Keusch)
Nach diesen Arbeitsschritten ist der Straßenbelag grundsätzlich befahrbar. Nun wird das Gelände mit dem Straßenbankett angelegt. Zum Schluss kommt das Auspflocken der Straße mit Leitpflöcken. (Foto: Keusch)

Vermessungstrupp

Bevor bei den Pionieren mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, muss der Bauabschnitt vermessen werden. Dazu gibt es die Planungs- und Vermessungsgruppe, die sich ebenfalls im Einsatz befindet. Kommandant dieser aus drei Soldaten bestehenden Gruppe ist der Planungs- und Vermessungsoffizier. Bis Ende Mai 2017 war das Oberleutnant Nico Hausmann.

Die Aufgaben des Offiziers sind unter anderem die Absprachen mit dem ungarischen Planungsoffizier, von dem die Vorgaben des Bauprojektes kommen. „Er sagt mir, wo die Straße wie aussehen soll, wo ein Wassergraben, wo eine Drainagierung sein soll, wie die einzelnen Schichten aussehen, wie viel Unterbau beziehungsweise Überbau es braucht“, sagt Hausmann. Der österreichische Planungsoffizier bereitet die Vorgaben der ungarischen Streitkräfte auf und übergibt diese dem Pionierzug für den Straßenbau. Die zwei Unteroffiziere seiner Gruppe vermessen das Gelände und pflocken den geplanten Straßenverlauf aus. Danach richtet sich der Pionierzug, wenn er die Straße baut.

Für die Vermessungsarbeiten stehen verschiedene Geräte zur Verfügung. Der Rotationslaser projiziert eine Laserebene zum Festlegen der richtigen Straßenhöhe. So wird während der Bauarbeiten ständig die Höhe gemessen und den Baggerfahrern gesagt, wo und wie gegraben werden muss. Zum Einmessen der Straße wird ein Theodolit verwendet. Mit diesem wird die Bauachse festlegt, die Straße ausgemessen und danach ausgepflockt. Das ist die Grundlage für den Bauplan, in dem die vermessenen Punkte eingezeichnet werden. 

Der Planungs- und Vermessungsoffizier ist auf der Baustelle immer vor Ort. Er ist das Bindeglied zwischen Planung, Vermessung, Pionierzug und den ungarischen Vorgaben. Ebenfalls vor Ort ist ein ungarischer Verbindungsoffizier, der sogar bei den Österreichern untergebracht ist. Er kümmert sich um sämtliche Angelegenheiten, welche die österreichischen Soldaten betreffen, wie das Auftanken von Fahrzeugen oder Baumaschinen, Anfordern von Baumaterial etc. „Wenn es ein Problem gibt, wende ich mich zuerst an den ungarischen Verbindungsoffizier. Das funktioniert einwandfrei. Sogar am Abend sprechen wir fast ausschließlich über unsere Arbeit“, sagt Hausmann.  Am Ende der Bauarbeiten wird die Straße beziehungsweise der Fahrweg auf seine Belastbarkeit getestet. Die ungarischen Streitkräfte geben dabei eine Belastbarkeit von bis zu 16 Tonnen vor, was von den Österreichern bis dato auch erfüllt werden konnte.

Der Vermessungtrupp bei der praktischen Arbeit im Feld. (Foto: Keusch)
Der Vermessungtrupp bei der praktischen Arbeit im Feld. (Foto: Keusch)

Transportgruppe

Um 0300 Uhr läutet der Wecker in der Unterkunft der Transportgruppe. Bereits eine halbe Stunde später verlässt der erste LKW das Camp, die anderen folgen im Zehn-Minuten-Takt, je nachdem wohin sie fahren. Der Auftrag der Transportgruppe lautet, die ungarischen Streitkräfte vor Ort mit Frühstück und Mittagessen zu beliefern. Der direkte Vorgesetzte der Transportgruppe ist der Kontigentskommandant (National Contingent Commander - NCC; Anm.); die konkreten Aufträge kommen von den Ungarn.  Um diese zu erfüllen, stehen - von Montag bis Sonntag - vier LKW im Einsatz, die drei verschiedene Verteilungspunkte (die Feldküchen der ungarischen Streitkräfte) anfahren. Dort werden sie mit dem Frühstück beladen, was etwa zehn Minuten dauert. Danach beginnt die Fahrt zu den Ausgabestellen bei den Einheiten vor Ort. 

Die kürzeste Route beträgt 130 km, die längste etwa 250 km in eine Richtung. Insgesamt fährt die gesamte Transportgruppe etwa 800 km täglich. Neben den Ungarn werden auch die österreichischen Soldaten, die sich wegen der Bauarbeiten im Camp von Bacsalmas befinden, versorgt. Die Routen werden von einer gemischten Besatzung gefahren, der Kraftfahrer ist ein Österreicher, der Beifahrer ein ungarischer Soldat. Dieser steigt beim Verteilungspunkt zu, bereitet in weiterer Folge die Ausgabe der Verpflegung vor und gibt danach das Frühstück aus. Wenn das erledigt ist, wird das Leergebinde verladen und der LKW fährt zurück zur Küche. Um etwa 0800 Uhr ist die Transportgruppe wieder im Camp. Das bedeutet zwei Stunden Ruhezeit, bevor der gleiche Ablauf um 1030 Uhr noch einmal für das Mittagessen beginnt. Um 1500 Uhr endet der Arbeitstag der Transportgruppe nach etwa zwölf Stunden Dienst. 

Ein österreichischer Soldat der Transportgruppe lädt mit ungarischen Kameraden Verpflegung ab. (Foto: Keusch)
Ein österreichischer Soldat der Transportgruppe lädt mit ungarischen Kameraden Verpflegung ab. (Foto: Keusch)
Ein LKW der Transportgruppe in einem Camp der ungarischen Streitkräfte. (Foto: Keusch)
Ein LKW der Transportgruppe in einem Camp der ungarischen Streitkräfte. (Foto: Keusch)

Gespräch mit dem Kommandanten der Transportgruppe

RedTD: Was sind Ihre Aufgaben als Kommandant der Transportgruppe?

A: Kurz gesagt, mache ich alles. Ich bin nicht nur Kommandant, sondern auch Kraftfahrer. Jeden Abend fahre ich in das Hauptquartier und nehme dort von Montag bis Sonntag an den Besprechungen mit den Ungarn teil, die um 1800 Uhr stattfinden. Dort sind meine Ansprechpartner, also jene Leute, mit denen ich permanent zu tun habe. 

RedTD: Wie ist die Kommunikation, und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

A: Es gibt einen Dolmetscher, mit dem ich eng zusammenarbeite und von dem ich Informationen erhalte. Er übersetzt vom Ungarischen ins Englische. Viele Leute hier hatten auch Deutsch in der Schule; mit der Zeit geht aber die Sprachfertigkeit verloren, weshalb wir in Englisch kommunizieren. Seit meinem ersten Tag im Einsatz bis heute hatte ich noch kein einziges Problem mit einem Ungarn, weder mit einem Soldaten, noch mit einem Zivilisten. Die Menschen kommen auf uns zu und reden mit uns. Der Umgang ist ganz normal. Es gibt keine Ressentiments.

RedTD: Sind Sie schon bekannt im Einsatzraum?

A: Ja klar! Abgesehen davon kommen immer die gleichen Leute. Die ungarischen Soldaten haben ein Dienstrad. Etwa zwei Wochen sind sie auf der Position, dann gibt es eine Unterbrechung von zwei Wochen und dann kommen sie wieder. Da entwickelt sich auch die eine oder andere Freundschaft. 

RedTD: In welcher Hinsicht unterscheidet sich der Auslandseinsatz von anderen, die sie bisher erlebt haben?

A: Ich bin nicht an strenge Campregeln gebunden wie beispielsweise im Kosovo und kann mich frei bewegen. Meine Gruppe und drei Sanitäter haben ein Haus, das wir alleine benutzen und in dem sich neben den Zimmern eine Küche und Sanitärräume befinden. Hinsichtlich des Dienstes bin ich Entscheidungsträger auf meiner Ebene und plane den täglichen Ablauf selbst. Dennoch: Unser Auftrag hat Priorität eins. Die ungarischen Kameraden rechnen mit uns, und sie können sich auf uns verlassen.  

Der Notfallsanitäter-Trupp

Rettungssanitäter bei der „Befehlsausgabe“. (Foto: Keusch)
Rettungssanitäter bei der „Befehlsausgabe“. (Foto: Keusch)

Beim AUTCON HUN ist neben dem militärischen Personal auch ein Team des Arbeiter-Samariterbundes für die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldaten mit drei Notfallsanitätern in das Sanitäts-Element des Bundesheeres integriert. Mit ihrem Notarztwagen sind die zivilen Notfallsanitäter in der Lage, notfallmedizinische Maßnahmen zu treffen und Patienten in das nächste Krankenhaus zu bringen. „Husten, Schnupfen, Heiserkeit gehen uns nichts an. Wir sind da, wenn ein schwerer Unfall auf der Baustelle passiert oder sich ein Verkehrsunfall bei der Transportgruppe ereignet. Dann setzen wir die ersten Schritte und stabilisieren den Verletzten“, sagt der Notfallsanitäter, der von Anfang an ein Teil des Kontingentes ist.

Was einen Notfallsanitäter gegenüber einem Rettungssanitäter auszeichnet, sind seine erweiterten Befugnisse und Kenntnisse. So ist der Notfallsanitäter primär mit der Versorgung von Notfallpatienten betraut, darf Medikamente verabreichen und einige andere Maßnahmen setzen. Das beginnt beim Legen eines intravenösen Zuganges bis zu einer endotrachialen Intubation, das heißt einen Schlauch direkt in die Luftröhre schieben. In dieser Hinsicht weisen alle drei Notfallsanitäter eine lange Erfahrung auf. Sie haben im Rettungsdienst in Wien, aber auch im ländlichen Bereich gearbeitet. „Wir machen das nicht seit gestern und sind sehr routiniert“.

Bereits vor dem eigentlichen Einsatz wurden die Krankenhäuser im Einsatzraum durch die Angehörigen des Arbeiter-Samariterbundes erkundet. Dabei wurde festgelegt, welches das geeignete bei möglichen Verletzungen wäre. Fazit: Es gibt viele regionale Krankenhäuser, die aber nicht alles zu jeder Uhrzeit machen können. Nur „das Krankenhaus in Szeged ist eine Universitätsklinik, die top ausgerüstet ist und einen Hubschrauberlandeplatz hat. Das Spital spielt alle Stücke“, meint Mario Durovic vom Arbeiter-Samariterbund. Deshalb ist es die erste Anlaufstelle im Bedarfsfall.

Für die zivilen Notfallsanitäter bringt der Einsatz neue Erfahrungen mit sich. Einer der größten Unterschiede ist die lange Einsatzdauer, die man im zivilen Leben nicht hat. „Es ist etwas komplett anderes, wenn man über Wochen und Monate mit anderen Menschen zusammen ist, und das nicht nur arbeitstechnisch. Es ist schön zu sehen, dass die Kameradschaft beim Bundesheer funktioniert“, meint der Notfallsanitäter und gibt seinen potenziellen Nachfolgern den Rat, mit offenen Armen und Augen sowie ohne Vorurteile in diesen Einsatz zu gehen.

Pioniergerät im Einsatz

Radlader JCB 437B HT (Foto: Keusch)
Radlader JCB 437B HT (Foto: Keusch)
Straßenwalze BOMAG BW213 (Foto: Keusch)
Straßenwalze BOMAG BW213 (Foto: Keusch)
Kettenbagger Komatsu PS138US (Foto: Keusch)
Kettenbagger Komatsu PS138US (Foto: Keusch)
Kettenbagger JCB JS200LC (Foto: Keusch)
Kettenbagger JCB JS200LC (Foto: Keusch)
Lastkraftwagen MAN 41480TGS plus Kipperaufbau (Foto: Keusch)
Lastkraftwagen MAN 41480TGS plus Kipperaufbau (Foto: Keusch)
Lastkraftwagen MAN 19403 Dreiseitenkipper (Foto: Keusch)
Lastkraftwagen MAN 19403 Dreiseitenkipper (Foto: Keusch)
Dumper Neuson 6002 (Foto: Keusch)
Dumper Neuson 6002 (Foto: Keusch)
Lastkraftwagen MAN 4148 TGA LK76 (Foto: Barthou)
Lastkraftwagen MAN 4148 TGA LK76 (Foto: Barthou)
Grader Volvo G930 (Foto: Keusch)
Grader Volvo G930 (Foto: Keusch)
Planierraupe Hanomag D600D (Foto: Keusch)
Planierraupe Hanomag D600D (Foto: Keusch)
Vierachsanhänger Schwarzmüller 40t (Foto: Keusch)
Vierachsanhänger Schwarzmüller 40t (Foto: Keusch)
Grabenräumlöffel 14t (Foto: Keusch)
Grabenräumlöffel 14t (Foto: Keusch)
Holzgreifer (li.), Tieflöffel (mi.) und Schwenklöffel (re.) (Foto: Keusch)
Holzgreifer (li.), Tieflöffel (mi.) und Schwenklöffel (re.) (Foto: Keusch)
Spurtafelgerät M2 (Foto: Keusch)
Spurtafelgerät M2 (Foto: Keusch)
Stromaggregat GEKO 40kVA (Foto: Keusch)
Stromaggregat GEKO 40kVA (Foto: Keusch)

Verbindungsoffizier

Die Fahrt von Székesfehérvár nach Hódmezövásárhely dauert etwa drei Stunden mit dem Auto. Zeit, in der sich Major Hannes Draxl in den kommenden zwei Tagen wieder auf das österreichische Kontingent in Ungarn einstellen kann. Draxl ist Verbindungsoffizier, international „Liaison Officer“ genannt, zu den ungarischen Streitkräften im Joint Forces Command in Székesfehérvár nahe dem Plattensee. Hier haben die Ungarn ein Lagezentrum (Joint Operations Center - JOC) eingerichtet. Aufgabe des Liaison Officers ist es, Informationen, die von den ungarischen Streitkräften benötigt werden, bereitzustellen. 

„Ich halte täglich mit dem Joint Operations Center Verbindung und informiere jeden Morgen den JOC-Director über den Baufortschritt, eventuelle Probleme und den Bedarf des österreichischen Kontingentes“, so Draxl. Dazu gehört auch die Übermittlung der täglichen Stärkemeldung des Kontingentes, die der Verbindungsoffizier über die Abendmeldung vom Kontingent erhält und dann weitergibt. Das Joint Operations Center nimmt sämtliche Informationen auf, verpackt diese in einen Lagevortrag für den ungarischen Streitkräftekommandanten und führt aufgrund dieser Informationen ein tägliches Briefing durch.

Der Eingang zum Camp einer ungarischen Kompanie im Grenzraum. (Foto: Keusch)
Der Eingang zum Camp einer ungarischen Kompanie im Grenzraum. (Foto: Keusch)

Um immer auf dem aktuellen Stand des Baufortschrittes zu sein und den persönlichen Kontakt zum Kontingent aufrecht zu halten, fährt der österreichische Liaison Officer einmal in der Woche in das etwa 250 km entfernte Kontingentskommando nach Hódmezövásárhely zu seinen österreichischen Kameraden. „Es ist wichtig, dass ich meine Unterstützung anbieten kann, wenn Bedarf bestehen sollte. Darüber hinaus ist es angenehm, mit österreichischen Soldaten reden zu können“, erzählt Major Draxl.

Der österreichische Liaison Officer hat in der J3-Abteilung im Joint Forces Command ein eigenes Büro, in dem ein dienstlicher Computer und ein Laptop zum Verschlüsseln von Daten stehen. Von ungarischer Seite wurde ihm ein PC mit Internetanschluss zur Verfügung gestellt. „Die Unterbringung, die Arbeitsräumlichkeiten und die Arbeitsbedingungen haben den gleichen Standard wie in Österreich“, sagt Draxl und fügt hinzu: „Als einziger Österreicher in dieser Garnison, bin ich natürlich ein Exot.“  Dienstliche Anliegen werden von den Ungarn wahrgenommen, da der Verbindungsoffizier versorgungsmäßig bei diesen angeschlossen ist. Alle sonstigen Erledigungen sind in Eigenregie zu managen.

Die Wochenroutine des österreichischen Liaison Officers sieht von Montag bis Samstag zu Mittag eine ständige Arbeitsbereitschaft vor, beziehungsweise die Anwesenheit an der Dienststelle und eine zweitägige Anwesenheit beim Österreichischen Kontingent. Somit weiß er, wie die Situation vor Ort aussieht und ist auch gegenüber den ungarischen Streitkräften stets auskunftsfähig. Von ungarischer Seite besteht großes Interesse am Einsatz der Österreicher. „Die Ungarn sind stets um die Österreicher bemüht, sehr gastfreundlich und an einem Arbeitserfolg der Österreicher interessiert“, berichtet der Verbindungsoffizier. Spezifische Fachkenntnisse im pioniertechnischen Bereich zu besitzen, ist für den Verbindungsoffizier nicht ausschlaggebend. Man sollte jedoch die englische Sprache beherrschen und „vielleicht das eine oder andere Wort ungarisch aussprechen können, auch wenn es vielleicht ein bisschen holprig klingt“, so Draxl.

AUTCON HUN - Einsatz in Ungarn

Bundesminister Mag. Hans Peter Doskozil zum Einsatz in Ungarn

Oberrat Major Mag.(FH) Michael Barthou, MA ist Leiter der Redaktion Online-Medien beim TRUPPENDIENST. Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

(Foto: Keusch)
(Foto: Keusch)
 

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