Ökonomie der Angst
Oliver Rathkolb
Ökonomie der Angst
Molden Verlag
304 Seiten
ISBN: 978-3-222-15153-8
33,00 €
In seinem Buch „Ökonomie der Angst“ widmet sich der österreichische Historiker Oliver Rathkolb einem zentralen Grundgefühl moderner Gesellschaften: der Angst. Dabei betrachtet er Angst nicht nur als individuelles Emotionserlebnis, sondern als gesellschaftlich und politisch wirksame Kraft, die wirtschaftliche Entwicklungen, politische Entscheidungen und soziale Dynamiken maßgeblich beeinflusst. Rathkolb verbindet seine historische Analyse mit gegenwartsbezogenen Beobachtungen und zeigt, wie Angst zunehmend zu einem Steuerungsinstrument in Politik und Wirtschaft geworden ist.
Rathkolb argumentiert, dass diese Ängste nicht zufällig entstehen, sondern historisch gewachsen und politisch formbar sind. Wirtschaftliche Interessen, mediale Inszenierungen und politische Machtstrategien tragen dazu bei, Angst zu verstärken oder gezielt zu nutzen. Besonders überzeugend ist Rathkolbs historische Einordnung. Er zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus dem 20. und 21. Jahrhundert, wie Angst in unterschiedlichen politischen Systemen eingesetzt wurde – etwa zur Stabilisierung autoritärer Herrschaft, zur Rechtfertigung wirtschaftlicher Sparmaßnahmen oder zur Mobilisierung nationalistischer Bewegungen. Dabei wird deutlich, dass ökonomische Krisen fast immer auch emotionale Krisen sind, die das Vertrauen in Institutionen untergraben und gesellschaftliche Spaltungen vertiefen.
Stilistisch zeichnet sich „Ökonomie der Angst“ durch eine klare und gut strukturierte Sprache aus. Rathkolb gelingt es, komplexe historische und ökonomische Zusammenhänge verständlich darzustellen, ohne sie zu vereinfachen. Die Verbindung von wissenschaftlicher Analyse und essayistischen Passagen macht das Buch auch für ein breiteres Publikum zugänglich. Zahlreiche Beispiele und historische Exkurse verleihen der Argumentation Tiefe und Anschaulichkeit. Er legt den Fokus klar auf Analyse und historische Einordnung, weniger auf normativ formulierte Lösungsstrategien. Dies schmälert den Erkenntnisgewinn nicht, sondern unterstreicht den wissenschaftlichen Anspruch des Werkes.
Insgesamt ist „Ökonomie der Angst“ ein aktuelles und relevantes Buch, das einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der emotionalen Grundlagen moderner Gesellschaften leistet. Oliver Rathkolb zeigt eindrucksvoll, dass Angst kein Randphänomen ist, sondern ein zentrales Strukturmerkmal politischer und wirtschaftlicher Ordnung. Das Buch empfiehlt sich besonders für Leser, die sich kritisch mit den Zusammenhängen von Geschichte, Wirtschaft und Politik auseinandersetzen möchten.
-eg-

