• Veröffentlichungsdatum: 05.10.2021
  • – Letztes Update: 12.10.2021

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Verzögerung für Fortgeschrittene

Klaus Karigl

Im September 2021 nahm das Panzerbataillon 14 bei einer gemeinsamen Übung mit Soldaten der Bundeswehr in Niedersachsen teil. Neben „Leopard“ 2 Kampfpanzern, den Schützenpanzern „Puma“ und „Marder“ kamen sowohl Pioniere, Aufklärer, eine „Aladin“-Aufklärungsdrohne als auch eine Multispektraltarnung zum Einsatz.

Schon mit der Jahresplanung zu Beginn 2021 erging der Auftrag an die 2. Panzerkompanie, einen Panzerzug mit dem Hauptwaffensystem Leopard 2A4 einschließlich einem Versorgungsanteil für die Übung im September 2021 im Schießübungszentrum (SchÜbZ) Munster im deutschen Niedersachsen zu formieren. Allerdings musste aus Gründen der Weiterbildung der Kadersoldaten und wegen COVID, einige Male umgegliedert und Positionen neu besetzt werden.

Anfang August war das Kontingent für Deutschland so weit formiert, dass vom 9. bis 20. August 2021 die geplante Vorbereitung auf dem niederösterreichischen Truppenübungsplatz Großmittel stattfinden konnte. In zwei Wochen wurde mit Anlaufschwierigkeiten (Klarstand der Panzer, Ersatzteilmangel und knappes Überstundenbudget) versucht, den zu verladenden Panzerzug auf die bevorstehenden Aufgaben einzustellen und die Funktionen innerhalb des Zuges aufeinander abzustimmen.

Verlegung auf Schienen

Am Ende der Vorbereitungsübung war das Resümee, das Beste aus der knappen Zeit herausgeholt zu haben. In der letzten Augustwoche wurden noch abschließende Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt sowie die benötigten Versorgungsgüter verpackt. Die 14er verluden sechs „Leopard“-Panzer, einige Räderfahrzeuge und mit Ersatzteilen gefüllte Seecontainer auf Waggons der ÖBB. Diese wurden rund 850 Kilometer nach Munster in die norddeutsche Tiefebene transportiert. Die Entladung des gesamten Geräts erfolgte in der Folgewoche direkt am Stützpunkt im südlich von Munster gelegenen Lager Trauen.

Ein Teil des Welser Panzer-Kontingents (Soldaten des Panzerzuges und des kleinen „Real-Life-Support-Elements“) waren bereits „Veteranen“ in Bezug auf die Anzahl von Verlegungen zu den deutschen Nachbarn. Munster, genauergesagt das Panzerbataillon 104, ist mittlerweile für die unterschiedlichsten Ausbildungen schon jährlich ein Ziel der Welser Hessen. So wurden in den ersten Tagen bestehende Kontakte aufgefrischt und die Einsatzbereitschaft für den Übungsdurchgang hergestellt. Die Soldaten der Bundeswehr integrierten die österreichischen Soldaten der Instandsetzung im eigenen Instandsetzungszug (InstZg), die Kräfte des Kontingentskommandos und der Kommando- und Versorgungsgruppe koordinierten ihre Abläufe und der eigentliche Hauptdarsteller, der Panzerzug, wurde mit dem deutschen Duellsimulationssystem ausgestattet. Danach konnte eine aus mehreren Waffengattungen und an unterschiedlichen Standorten bestehende, gemischte deutsch-österreichische Kompanie gebildet werden.

 

Hightech-Tarnung im Einsatz

Die eigentliche Übung im Zugs- beziehungsweise Kompanieverbund begann am Freitag der ersten Woche mit einer sogenannten Angeleiteten Ausbildung im Zugsrahmen („Zg ANGA“). Die Gefechtstechniken wurden eine Woche intensiv mit steigenden Schwierigkeiten ausgebildet. Die Kompanie und der Zug ANGA absolvierten am Ende der zweiten Woche eine durchgehende und äußerst anspruchsvolle Übung, die von Freitag bis Sonntag dauerte. Dabei wurden die vorher trainierten Techniken im Kompanieverbund gemeinsam mit Grenadieren, Pionieren und dem Joint Fire Support Team (JFST; gemeinsamer Feuerunterstützungstrupp) zur Anwendung gebracht. Das Ganze mit einem aus Sicht der Panzerbesatzungen starken Gegner: die 3. Kompanie des deutschen Panzerbataillons 104, unserem Partnerbataillon aus Pfreimd in Bayern, ausgerüstet mit zwei Zügen „Leopard“ 2A6 und verstärkt durch einen Zug Schützenpanzer „Puma“, Pionieren, Aufklärern, Drohnenaufklärung mittels einer „Aladin“-Aufklärungsdrohne und den Sanitäts- und Bergeelementen.

Der Name „Aladin“ ist ein Akronym ihrer Beschreibung und steht für „abbildende luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich“. Derartige Aufklärung mit Drohnen ist auf dem modernen Gefechtsfeld mittlerweile Standard. Zum Einsatz kam auch die Multispektraltarnung der österreichischen Kampfpanzer aus dem Hause Saab-Barracuda. UV-Strahlen, das gesamte visuelle Spektrum, Infrarotabstrahlungen, kurz-, mittel- und langwellige Wärmesignaturen als auch Radarfrequenzen von bis zu 100 Gigahertz werden Großteils absorbiert. Die Tarnung führt dabei zu keinerlei Einschränkungen in der Bewegung oder im Kampf. Die Funktionalität der neuen Tarnnetze durfte die gegnerische Partei am eigenen Leib spüren. So äußerte sich ein deutscher Kompanieführer den österreichischen Kräften gegenüber sinngemäß mit den Worten: „Die österreichischen Tarnnetze sind richtig böse. Durch die Optiken kaum auszumachen.“

Die verzögernde Kompanie war im Wesentlichen aus einem österreichischen Kampfpanzerzug mit „Leopard“ 2A4, einem Zug Schützenpanzer „Marder“, einem Infanteriezug mit Räderfahrzeugen, einem Pionierelement und einer Gruppe Aufklärer mit einem JFS Team gegliedert. Die Verzögerung ist eine für Soldaten fordernde Einsatzart mit dem Zweck, gegnerische Kräfte unter Erhaltung der eigenen Kampfkraft zu verlangsamen oder zeitlich begrenzt zum Stehen zu bringen, dabei abzunutzen und Zeit für alternative militärische Maßnahmen zu gewinnen. Trotz der psychisch als auch physisch hohen Belastung konnte am Ende der Übungsphase am Sonntagabend der Übungsteil erfolgreich abgeschlossen und um wichtige Erfahrungen reicher ins Lager zurückverlegt werden.
 

Gefechtsschießen

Die letzte Übungswoche startete nach einer erholsamen Nacht mit dem Nachbereiten (Beheben der entstandenen technischen Gebrechen an Laufwerk und Turm) der Übung. Zeitgleich fand die Vorbereitung auf das als Abschluss geplante Kompaniegefechtsschießen des Panzerbataillons 104 statt. Dazu schossen am Dienstag die österreichischen Panzer mit der deutschen Panzermunition KE DM88, die in Österreich noch nicht verwendet wird, an. Dieses Verfahren dient dazu, die Justierung einschließlich allfällig einzustellender waffenspezifischer Werte im scharfen Schuss zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Die Panzerbesatzungen hatten dadurch die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und Schießgrundlagen mit Munition zu erwerben, die es im Bundesheer nicht gibt.

Am folgenden Mittwoch stand ein Trockendurchgang des Gefechtsschießens am Programm, sodass am Donnerstag planmäßig mit den Kampfpanzern als Spitze eines angreifenden Bataillons die Gefechtsaufklärung gestartet wurde. Nach Kontakt mit den Feindspitzen und deren unverzügliche Vernichtung wurde die 3./104 entlang des befohlenen Angriffsstreifens angesetzt und nahm unter gegenseitiger Feuerunterstützung das Kompanieangriffsziel.

Die am Scharfschießen nicht eingebundenen Kräfte des österreichischen Kontingents arbeiteten parallel an den Vorbereitungen für die noch am selben Abend durchzuführende Bahnverladung. Diese konnte dank der Vorbereitung planmäßig und schnell erledigt werden. Somit standen am Freitag nur noch die Rückgabe der Unterkunft und einige administrative Tätigkeiten am Programm, um anschließend die Heimreise anzutreten.

Internationale Präsentation

Als am späten Abend des 17. Septembers 2021 auch die letzten Lkw mit der Ausrüstung die Hessenkaserne erreichten und sich der Kontingentskommandant beim Bataillonskommandanten zurückgemeldet hatte, konnte die Verlegung zu einem positiven Abschluss gebracht werden. Am darauffolgenden Montag wurden die Kampfpanzer und Räderkraftfahrzeuge wieder entladen und gemeinsam mit dem Instandsetzungszug an der Wiederherstellung der vollen Einsatzbereitschaft gearbeitet.

Das Panzerbataillon 14 zeigte mit Engagement und Fähigkeiten, dass Österreichs Soldaten keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Das ist ein Zeichen für die gute und einsatzorientierte Ausbildung im Österreichischen Bundesheer. Zudem wird die Partnerschaft im länderübergreifenden Erfahrungsaustausch durch die multinationale Zusammenarbeit erheblich gefördert.

Die Vorbereitungen waren für alle Auslandsausbildungen von Beginn an auch eine logistische Herausforderung. Die Planungen, Absprachen und Koordinierungsmaßnahmen nahmen viel Zeit in Anspruch. Eigeninitiative und selbstständiges Handeln aller Planer und an der Vorbereitung beteiligten Personen sind dabei unabdingbare Voraussetzung.

Vizeleutnant Klaus Karigl ist Kommandant der Kommandogruppe der 2. Panzerkompanie im Panzerbataillon 14.

 

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