• Veröffentlichungsdatum: 06.12.2017
  • – Letztes Update: 11.12.2017

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TÜPl Bruckneudorf - Geschichte und Zukunft

Franz Neuhold

Das Gebiet Bruck an der Leitha und Bruckneudorf wird automatisch mit dem „Brucker Lager“ beziehungsweise dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf verknüpft. Daher ist die Weitergabe der Geschichte des militärischen Standortes Bruck-Bruckneudorf ein wesentlicher Beitrag, um die Gegenwart zu verstehen.

150 Jahre sind ein Jubiläum, das nur sehr wenige militärische Einrichtungen feiern können. Eigentlich diente diese Region bereits sechs Jahrzehnte davor verschiedenen Truppenkörpern der Habsburger-Armee als temporäre Garnison oder Manövergebiet. Die günstige Lage an der „Kaiserstraße“ und der Bahnlinie Wien-Budapest war entscheidend für Kauf und Pacht von Terrain und die Errichtung des Militärlagers im Jahr 1867. Mit wenigen kurzen Unterbrechungen nach den beiden Weltkriegen wird der Übungsplatz bis heute als Garnison und Ausbildungsstätte genutzt. Der Truppenübungsplatz Bruckneudorf ist somit - nach der Theresianischen Militärakademie - die zweitälteste Einrichtung des Österreichischen Bundesheeres. Seit der k.u.k Monarchie gab es kaum einen Soldaten, der nicht irgendwann im Brucker Lager beziehungsweise dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf zur Ausbildung war.

Der Truppenübungsplatz ist ein fester Bestandteil der Region und die Bevölkerung identifiziert sich mit „ihrem“ Lager, bzw. Übungsplatz. Das manifestiert sich in der Partnerschaft mit allen 27 Gemeinden des Bezirkes Neusiedl am See und der Burgenländischen Landwirtschaftskammer. Es war mir von Anbeginn meiner Tätigkeit als Kommandant ein großes Anliegen, diese Partnerschaften zu pflegen und auszubauen. Ich war immer bestrebt auch die Stadt und den Bezirk Bruck an der Leitha in diese Partnerschaft einzubeziehen. Nach zehn Jahren auf dem Truppenübungsplatz habe ich den Eindruck, dass aus den Partnerschaften Freundschaften wurden, die gegenseitiges Verständnis, Rücksichtnahme und Hilfestellung gewährleisten. Der militärische Standort Bruckneudorf garantiert der Bevölkerung Sicherheit bezüglich Grenz- und Katastrophenschutz. Das beweist unter anderem der letzte Hochwassereinsatz im Jahr 2009 in Gattendorf oder die Unterstützung nach der Beschädigung des Daches auf dem Gebäude der Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha, wo Soldaten des Truppenübungsplatzes im Einsatz waren.

Meine Kommandoübernahme im Jahr 2007 fiel in eine Zeit, in der das Bundesheer wieder einmal eine umfassende Reform umzusetzen hatte. Bataillone wurden aufgelöst, schwere Waffen verkauft oder ausgeschieden, die Waffenschulen zu einer Heerestruppenschule zusammengezogen und zwei Institute, das Institut Jäger und das Institut Pionier, sollten in Bruckneudorf aufwachsen beziehungsweise hierher transferiert werden. Zwei wichtige Waffengattungen sollten demnach das gesamte Offiziers- und Unteroffizierskorps in Theorie und Praxis auf dem Truppenübungsplatz ausbilden. Gleichzeitig wurde das Schießen mit schweren Waffen aus sicherheitstechnischen Gründen, hauptsächlich aufgrund der Einflugschneise des Flughafens Wien-Schwechat, untersagt. Der Truppenübungsplatz musste sich komplett neu orientieren und vor allem auf die Bedürfnisse der Heerestruppenschule ausrichten.

Klare Ziele, Beharrlichkeit und das Nutzen von Chancen führten dazu, dass der Truppenübungsplatz mit der Benedek-Kaserne im Bereich der Infrastruktur wesentlich erneuert werden konnte. Zwei von insgesamt vier „Kreuzbauten“ wurden generalsaniert, ein Institutsgebäude mit zeitgemäßen Kanzleien und modernen Lehrsälen errichtet und die Renovierung der „Panzerkaserne“ zum Kommando- und Unterkunftsgebäude verwirklicht. Das stets sinkende Budget des BMLVS hatte zur Folge, dass die Sanierung der restlichen beiden „Kreuzbauten“ und des Wirtschaftsgebäudes vorerst auf Eis gelegt wurde. Durch Bundesminister Mag. Hans Peter Doskozil wurde eine längst notwendige Neuorientierung des Bundesheeres eingeleitet und die dafür notwendigen Geldmittel bereitgestellt. Erstmals seit Jahrzehnten soll das Bundesheer aufwachsen. Bei einem Besuch auf dem Truppenübungsplatz ordnete der Bundesminister Doskozil an, die noch ausständigen Sanierungen der Gebäude fortzuführen.

Auch im Bereich der Ausbildungs- und Schießanlagen konnten große Fortschritte erzielt werden. Besonders erwähnenswert ist die Errichtung von zwei Pionierausbildungsanlagen, die eine moderne und zeitgemäße Ausbildung ermöglichen. Neue Schießanlagen und Schießbahnen entstanden in den letzten Jahren und die Planungen für den Ausbau der Ortskampfanlage „Angererdorf“ wurden genehmigt und werden bereits umgesetzt, um den Anforderungen einer modernen Armee gerecht zu werden.

Eine komplexe Institution wie ein Truppenübungsplatz, der gleichzeitig Standort von zwei wichtigen Lehr- und Ausbildungseinrichtungen des ÖBH, aber auch Heimat des Militärhundezentrums ist, darf und soll auf seine Vergangenheit Stolz sein, muss sich aber für die Zukunft ausrichten. Ich kann versprechen, dass der Truppenübungsplatz und alle Dienststellen auf dem Standort die Investitionen rechtfertigen und die Voraussetzungen für moderne und zukunftsorientierte Ausbildung schaffen werden.

Oberst Franz Neuhold ist Kommandant des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf.

 

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