• Veröffentlichungsdatum: 29.05.2018
  • – Letztes Update: 30.05.2018

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SETC18 - Polen

Jörg Loidolt

(Foto: U.S. Army/7th AJMTC, Emily Houdershieldt, CC BY-SA 2.0;pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)
(Foto: U.S. Army/7th AJMTC, Emily Houdershieldt, CC BY-SA 2.0;pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)

Das an der EU-Ostgrenze liegende Polen ist von den aktuellen Änderungen der strategischen Lage zwischen der EU und Russland besonders betroffen. Schließlich grenzt Russland nicht nur im Osten direkt an Polen, auch die russische Enklave Kaliningrad im Nordosten stellt eine mögliche Bedrohung dar. Waren die polnischen Streitkräfte kurz nach dem NATO-Beitritt noch darauf ausgerichtet, internationale Missionen zu bedienen, wurde dieses Engagement im Jahr 2012 praktisch völlig eingestellt.

Die Professionalisierung der Armee wurde vorangetrieben und neue leichte Miliz-Infanterieverbände gegründet. Durch diese sollen die Berufsverbände frei werden, um eine glaubwürdige Abschreckung an der Ostgrenze aufzubauen. Diese Milizverbände befinden sich aber erst im Aufbau und die Rekrutierung gestaltet sich als schwierig.

Gliederung der polnischen Panzerwaffe

Die polnischen Panzerbataillone sind nach westlichem Vorbild gegliedert. (Gra?k: Loidolt)
Die polnischen Panzerbataillone sind nach westlichem Vorbild gegliedert. (Gra?k: Loidolt)

Ein Blick in die Ausrüstung der Panzerverbände zeigt das Dilemma der polnischen Streitkräfte. In ihrer Organisation werden elf Panzerbataillone angeführt:

  • vier Bataillone sind mit dem PT-91 „Twardy“,
  • drei Bataillone mit dem T-72M1Z und
  • je zwei Bataillone mit „Leopard“ 2A4 bzw. „Leopard“ 2A5 ausgestattet.

Auch wenn die „Leopard“ 2A4 und 2A5 logistisch verwandt sind, bedarf es einer eigenen Bewirtschaftung und auch für die Besatzungen trifft das sinngemäß zu. Ähnlich verhält es sich mit den T-72M1Z und den PT-91 „Twardy“. Der PT-91 ist eine weiterentwickelte und verbesserte Version des T-72, diesem also logistisch ähnlich, aber dennoch verschieden. Die elf Panzerverbände befinden sich in sieben Brigaden, wobei jede Brigade nur über einen Panzertyp verfügt. Die 11. Division beheimatet alle vier „Leopard“-Verbände, während die 12. Division nur über ein Panzerbataillon mit PT-91 verfügt und die 16. Division über drei PT-91 und zwei T-72 Bataillone. Das 11. Panzerbataillon, ausgerüstet mit dem T-72, befindet sich in der 21. selbstständigen Gebirgsbrigade.

Die Panzerverbände der polnischen Streitkräfte sind grundsätzlich nach westlichem Vorbild gegliedert und verfügen über Züge mit je vier Panzern, Kompanien mit je drei Zügen und insgesamt 14 Panzern sowie über Bataillone mit je vier Kampfkompanien. Damit umfasst ein Verband mit den Berge- und Führungspanzern über 58 gepanzerte Kampf- und Gefechtsfahrzeuge. Die Zahlen der verfügbaren Fahrzeuge im Vergleich mit den Organisationsplänen stimmen nur bei den vier PT-91-Verbänden überein, da es mehr T-72 und „Leopard“ 2A4 gibt, als den Verbänden zugeteilt sind, während jedoch zu wenig „Leopard“ 2A5 für die Organisationsstruktur vorhanden sind.

Der polnische Kampfpanzer PT-91 bzw. dessen Vorgängermodell T-72 bilden die Masse der polnischen Panzerwa?e. (Foto: Hiuppo; CC BY-SA 3.0)
Der polnische Kampfpanzer PT-91 bzw. dessen Vorgängermodell T-72 bilden die Masse der polnischen Panzerwa?e. (Foto: Hiuppo; CC BY-SA 3.0)
Die Standorte der polnischen Panzertruppe. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)
Die Standorte der polnischen Panzertruppe. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)

Projekt „Leopard“ 2A5PL

Die Kampfpanzer vom Typ „Leopard“ 2A4 sind am Ende ihrer Nutzungsphase angelangt und werden daher prioritär einer Nutzungsverlängerung zugeführt. Der Projektstart war für das Jahr 2014 geplant, und bereits 2015 hätten die ersten „Leopard“ 2A5PL zulaufen sollen. Die Entscheidung für die Firma Rheinmetall und gegen Krauss-Maffei-Wegmann als strategischen Partner bei der Umrüstung sowie die fragliche Finanzierung verzögerten das Projekt allerdings bis heute. Experten sprechen von einem Projektvolumen von etwa einer Milliarde Euro für die Anhebung der Panzer auf den neuen Standard. Polen versucht weitere „Leopard“ 2A4 anzukaufen und diese einer Nutzungsverlängerung zu unterziehen. So sollen bereits weitere 14 Stück beschafft worden sein.

Ein polnischer „Leopard“ 2A5 während der SETC16 am Truppenübungsplatz Grafenwöhr. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC, Emily Houdershieldt; CC BY-SA 2.0)
Ein polnischer „Leopard“ 2A5 während der SETC16 am Truppenübungsplatz Grafenwöhr. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC, Emily Houdershieldt; CC BY-SA 2.0)

Polen ist aber auf der Suche nach weiteren 50 bis 60 Fahrzeugen, um ein fünftes Bataillon mit diesem Panzertyp auszustatten. In die engere Wahl kamen auch Panzer, die von Spanien angeboten, jedoch wegen ihres schlechten Zustandes nicht gekauft wurden. Die 105 Stück „Leopard“ 2A5 sollen noch für 15 Jahre unverändert im Einsatz stehen. Eine Nutzungsverlängerung ist vorerst nicht angedacht, auch wenn sie mehrfach kolportiert wurde.

Der neue „Leopard“ 2A5PL wird einige neue Baugruppen beinhalten, wobei großes Augenmerk auf eine hohe polnische Wertschöpfung gelegt wird. Als Kanone bleibt die L44 erhalten, allerdings soll das Feuerleitsystem in der Lage sein, die neuesten Munitionstypen zu verschießen. Die Sichteinrichtungen werden für alle Besatzungsmitglieder durch neue, leistungsgesteigerte polnische Produkte ersetzt. Der Turmantrieb wird auf eine elektrische Variante umgerüstet und dazu ein Zusatzaggregat verbaut.

Aufgrund dieser Maßnahmen schert der „Leopard“ 2A5PL aus der „Leopard“-Nutzerfamilie aus, weshalb die Ersatzteilbewirtschaftung in polnischen Händen liegt und nicht mehr auf Teile des Produzenten zugegriffen werden kann. Das stellt einen erheblichen Nachteil dar, der den Nutzen des Projektes schmälert. Die Ende 2017 angestoßene Machbarkeitsstudie zur Nutzungsverlängerung der 277 Stück T-72 zeigt, dass vermutlich selbst die polnischen Streitkräfte die rasche Realisierung des „Leopard“ 2A5PL-Projektes mit Skepsis betrachten.

Einschätzung der polnischen Mannschaft

An der SETC18 werden die polnischen Vertreter wie in den beiden Jahren zuvor mit dem „Leopard“ 2A5 antreten. Dieser ist dem Stridsvagn 122 sehr ähnlich, allerdings ohne die speziellen schwedischen Features und aufgrund des Baujahres in einem etwas schlechteren technischen Zustand. Die Hauptwaffe ist die 120-mm-Glattrohrkanone L44, die der österreichischen ebenbürtig ist. Die Sichteinrichtungen, besonders die Wärmebildfähigkeit, sind jedoch deutlich besser als beim „Leopard“ 2A4 des Österreichischen Bundesheeres.

Ein erheblicher Nachteil für die polnische Mannschaft war in den vergangenen Jahren die prekäre Ersatzteilsituation und das Fehlen von erfahrenem Instandsetzungspersonal. 2016 waren die technischen Probleme nicht nennenswert, und die Mannschaft der 34. Panzerbrigade aus Zagan sicherte sich den international viel beachteten dritten Platz. 2017 verließ die Polen ein wenig das Glück, und sie hatten erhebliche technische Ausfälle. Um diese zu beheben, halfen die „Welser Hessen“ aus, wodurch die Polen zumindest an allen Bewerben teilnehmen konnten. Letztendlich reichte es aber nur für den letzten Platz. Sollten die Polen heuer logistisch besser aufgestellt sein, kann man davon ausgehen, dass sie sich mit der österreichischen Mannschaft um einen Platz auf dem Podest rittern werden.

Major Mag.(FH) Jörg Loidolt, MA ist Kommandant (mdFb) des Panzerbataillons 14 im Welser #panzerhort.

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Ein polnischer „Leopard“ bei der SETC16. (Fotos: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)
Ein polnischer „Leopard“ bei der SETC16. (Fotos: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)
 

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