• Veröffentlichungsdatum: 24.05.2018
  • – Letztes Update: 29.05.2018

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SETC18 - Frankreich

Jörg Loidolt

(Foto: Rama; CC BY-SA 2.0/pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)
(Foto: Rama; CC BY-SA 2.0/pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)

Die Vorstellung der Teilnehmer der SETC18 beginnt mit Frankreich, dem Viertplatzierten des Jahres 2017. In der Struktur der L´Armée de Terre gibt es vier Panzer-Regimenter. Diese sind das

  • 1er Régiment de Chasseurs und das
  • 5e Régiment de Dragons, die beide der 7er Brigade Blindée de Besancon unterstellt sind sowie das
  • 12e Régiment de Cuirassier und das
  • 501e Régiment de Chars de Combat, der 6e Brigade Legers Blindée.
Gliederung eines französischen Panzerregiments. (Grafik: Jörg Loidolt)

Die unterschiedliche Benennung der Regimenter liegt in deren langer Tradition, die noch vor der Entwicklung des Panzers begründet ist. Durch diverse Heeresreformen wurden die Regimenter mit Panzern ausgestattet, ohne ihren ursprünglichen Namen abzulegen. Nur das 501e Régiment de Chars de Combat wurde als Panzerregiment im Ersten Weltkrieg aufgestellt und hat seine Waffengattung seither nicht geändert, und vertritt Frankreich heuer zum zweiten Mal bei der SETC.

Alle französischen Panzerregimenter verfügen über eine

  • Stabs-/Logistikkompanie,
  • drei Panzerkompanien,
  • eine Aufklärungskompanie und zusätzlich über
  • eine Reservekompanie zum Personalersatz und zur Verstärkung bei Inlandsaufgaben wie der Opération Sentinelle.

Eine Sonderstellung nimmt das 5e Régiment de Dragons ein. Es verfügt zusätzlich über zwei Infanteriekompanien sowie einer gemischten Pionier-/Steilfeuerkompanie. Dieser Verband hat neben Einsatz- und Ausbildungsausgaben ebenfalls den Auftrag, als Régiment à dimension interarmes, das Führungsinformationssystem „Scorpion“ im Kampfpanzer „Leclerc“ rénove im Kampf der verbundenen Waffen zu erproben.

Die Standorte der Garnisonen der französischen Panzertruppe. (Grafik: Open Street Map; Montage: RedTD/Nikischer)
Die Standorte der Garnisonen der französischen Panzertruppe. (Grafik: Open Street Map; Montage: RedTD/Nikischer)

Wesen der französischen Panzertruppe

Der starke Aufklärungsanteil ist nicht nur auf der Regiments-, sondern auch auf der Einheitsebene zu finden und ein Merkmal der französischen Panzertruppe. Die Feuereinheit Panzerzug, die in jeder der zwölf Panzerkompanien viermal abgebildet ist, besteht aus vier Kampfpanzern und aus vier Véhicle blindee legeres (VBL), das sind leicht gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge. Beide Fahrzeugtypen weisen eine Besatzung von 3 Mann auf, womit der Panzerzug über insgesamt acht Fahrzeuge und 24 Soldaten verfügt.

Diese klare organisatorische Trennung von Zielaufklärung und Zielbekämpfung ist in Europa ohne Vergleich und erfordert einen konträren Denkansatz des Panzergefechts. Während der Panzerzug mitteleuropäischer Prägung (beispielsweise in Österreich, Deutschland oder Dänemark) den Kampf ausschließlich auf Kampfpanzer stützt, verfügen die französischen Regimenter bereits auf Zugsebene über vorgeschobene Aufklärung und durch die Aufklärungskompanien (teilweise mit Lenkwaffenausstattung) über „Augen“, die weit über die Einsatzschussweite des „Leclerc“ hinausblicken können.

Der französische Kampfpanzer "Leclerc" bei einer Parade in der Hauptstadt Paris. (Foto: David Monniaux; CC BY-SA 3.0)
Der französische Kampfpanzer "Leclerc" bei einer Parade in der Hauptstadt Paris. (Foto: David Monniaux; CC BY-SA 3.0)
Der französische Kampfpanzer "Leclerc" bei einer Parade in der Hauptstadt Paris. (Foto: Rama; CC BY-SA 2.0)
Der französische Kampfpanzer "Leclerc" bei einer Parade in der Hauptstadt Paris. (Foto: Rama; CC BY-SA 2.0)

Besatzung und Bewaffnung

Die Besatzung des „Leclerc“ besteht aus drei Soldaten. Dies ist durch den Ladeautomaten möglich, ebenfalls ein Unikum in westlichen Panzern, der sich sonst nur in (post-) sowjetischen Modellen findet. Die Hauptbewaffnung ist eine L52-Glattrohrkanone des gängigen 120-mm-Kalibers. Die NATO-Standardgeschosse werden auch im „Leclerc“ verwendet, benötigen aber einen zusätzlichen Barcode, um eine Anwahl durch den Richtschützen zu ermöglichen.

Eine weitere Besonderheit dieses Kampfpanzers ist das Fehlen einer Rauchabzugskammer im Rohr, da die Verbrennungsgase nach der Schussabgabe mit Druckluft aus dem Rohr geblasen werden. Kommandant und Richtschütze verfügen über getrennte Tag-/Nacht-Optiken für ein effizientes Hunter-Killer-Prinzip. Der Turm ist mit 22 Geschossen bestückt; weitere 18 Granaten befinden sich in der Wanne, die vom Richtschützen händisch geladen werden müssen.

Als Zusatzbewaffnung verfügt der „Leclerc“ über ein 7,62-mm-Koaxial-Maschinengewehr und ein fernsteuerbares 12,7-mm-Turmdach-Maschinengewehr. Der Panzer hat ein Kampfgewicht von 56,5 Tonnen, das auf bis zu 72 km/h beschleunigt werden kann. Die 26,5 PS pro Tonne entsprechen einer Gesamtmotorleistung von rund 1.500 PS. Die Reichweite beträgt 550 km und kann mit Zusatztanks (zwei Treibstofffässer am Heck) auf bis zu 750 km gesteigert werden.

Obwohl der „Leclerc“ zu den „jungen“ Kampfpanzern zählt, begann die Armée de Terre ein Rénove-Programm. Dieses beinhaltet eine zusätzliche Panzerung, die Implementierung eines Führungsinformationssystems und weitere Upgrades. Zu erwähnen ist auch der Bergepanzer der „Leclerc“-Familie. Dieser kann mit einem Pearson-Full-Width-Minenpflug ausgestattet werden, der die Durchsetzungsfähigkeit der französischen Kampfpanzer stark erhöht.

Der französische Kampfpanzer "Leclerc" bei einer Übung im Gelände. (Foto: Daniel Steger; CC BY-SA 2.5)
Der französische Kampfpanzer "Leclerc" bei einer Übung im Gelände. (Foto: Daniel Steger; CC BY-SA 2.5)

Waffensystem der französischen Panzerregimenter

Der Kampfpanzer „Leclerc“, benannt nach dem posthum zum Maréchal de France ernannten Generalmajor Jacques-Phillipe Leclerc de Hauteclocque, ist eine französische Produktion, die ab 1985 entwickelt wurde. Der Produktion ging ein erfolgloses deutsch-französisches Joint-Venture voran. Bis 1989 wurde der erste von sechs Prototypen fertiggestellt und 1990 bei der Eurosatory, der größten Waffenmesse Europas, der Öffentlichkeit vorgestellt. Nur ein Jahr später fuhr der erste „Leclerc“ bei der Firma GIAT aus der Produktionsstraße. 1992 wurden durch die Armée de Terre 406 Stück dieses modernen Chars de Combat geordert.

Nachdem sich Schweden gegen die Beschaffung des „Leclerc“ entschieden hatte, konnte der Panzer an die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft werden, die 436 Stück dieses Typs (388 Kampfpanzer, zwei Fahrschulwannen und 46 Pionierpanzer) bestellten. 2007 wurden die letzten „Leclerc“ an die französischen Streitkräfte ausgeliefert. Das Gefechtsfahrzeug wurde im Kosovo, Libanon und im Persischen Golf eingesetzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate marschierten mit dem „Leclerc“ im Jemen ein. Berichten zufolge wurde dabei kein einziger zerstört, während neun M1-„Abrams“ der Saudischen Streitkräfte durch Beschuss verloren gingen.

Während sich der „Leclerc“ 2015 im Kampf bewies, beschloss Frankreich das „Leclerc rénove“-Programm für 200 Kampfpanzer und 18 Pionierfahrzeuge im Wert von etwa 280 Millionen Euro, das bis 2020 abgeschlossen sein soll und die Verwendung des „Leclerc“ bis 2040 sicherstellt.

Einschätzung der französischen Mannschaft

Die Franzosen haben beim ersten Antreten im Jahr 2017 knapp hinter den USA den vierten Rang belegt. Da, dem Vernehmen nach im Jahr 2018 wieder das 501e Regiment die Wettkampfmannschaft stellt, ist von einem starken Team mit hohen Erfahrungswerten auszugehen. Der fehlende Ladeschütze, der als vierter Mann bei vielen Aufgaben fehlt, wird den Vertretern der L´Armée de Terre wohl auch heuer einen Spitzenplatz erschweren.

Major Mag.(FH) Jörg Loidolt, MA ist Kommandant (mdFb) des Panzerbataillon 14 im Welser #panzerhort.

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