• Veröffentlichungsdatum: 23.04.2020
  • – Letztes Update: 24.04.2020

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Pannendienst für das Gefecht

Alexander Stockner

(Foto: TD/Gerold Keusch)
(Foto: TD/Gerold Keusch)

Der Auftrag mobiler Instandsetzungelemente ist das rasche Wiederherstellen der eingeschränkten Feldverwendbarkeit bei Kampf- und Gefechtsfahrzeugen, die beschädigt oder aufgrund gegnerischer Waffenwirkung ausgefallen sind. Sie wenden spezielle Techniken der Instandsetzung an, bei denen sie häufig improvisieren müssen, um die einsatzwichtigen Grundfunktionen Feuern (Wirken), Fahren und Funken sicherzustellen.

Je nach Ausfall und Schadensmuster werden von mobilen Instandsetzungselementen folgende Tätigkeiten durchgeführt:

  • Öffnen von Gefechtsfahrzeugen;
  • qualifizierte Schadensfeststellung;
  • technische Triage;
  • Aufrechterhaltung der Feldverwendbarkeit des Fahrzeuges;
  • Wiederherstellen der eingeschränkten Feldverwendbarkeit (Notbetrieb);
  • Herstellen der Rollfähigkeit;
  • Herstellen der Berge- und Abschubfähigkeit.

Mit dem Öffnen wird in gehärtete und eventuell verunfallte Gefechtsfahrzeuge eingedrungen, um Besatzungsmitglieder durch Sanitätspersonal zu retten. Bei der folgenden qualifizierten Schadensfeststellung beurteilt das technische Fachpersonal das Schadensbild und die zu erwartende Dauer einer Instandsetzung. Diese Beurteilung ist die Grundlage für die technische Triage, die als Maßnahmen die

  • Beurteilung der Instandsetzungswürdigkeit des Fahrzeuges,
  • Bergungsmaßnahmen,
  • Gefechtsschaden- und/oder Behelfsinstandsetzung (GSI/BhI) und den
  • Ort des Abschubes von Schadmaterialumfasst.

Die Fähigkeit zur GSI/BhI erlaubt dem mobilen Instandsetzungselement, auch ohne die notwendigen Ersatzteile, die Wiederherstellung bzw. Aufrechterhaltung der Feldverwendbarkeit von einsatzwichtigen Versorgungsgütern während einer taktischen Aufgabe oder der Einsatzführung eines Kampfverbandes. Ausfälle an der Waffenstation, an elektronischen Bauteilen oder der Kommunikationseinrichtung von Gefechtsfahrzeugen können nur bedingt mit GSI/BhI-Maßnahmen behoben werden. Die Feldverwendbarkeit von Gefechtsfahrzeugen kann bei diesen Schäden durch das Aktivieren oder Bedienen von Noteinrichtungen zeitlich begrenzt gewährleistet werden. Neben den Besatzungsmitgliedern wird auch das technische Fachpersonal für die Verwendung eines Gefechtsfahrzeuges im Notbetrieb eingeschult.

Ist das Herstellen der Feldverwendbarkeit aufgrund eines Schadens auch nicht mehr eingeschränkt möglich, ist die Rollfähigkeit (Fahren) herzustellen. Diese erlaubt zumindest das eigenständige Erreichen des Schadmaterialsammelpunktes oder das eigenständige Mitfahren eines Fahrzeuges bei Märschen (Anmarsch, Konvoi etc.). Somit werden keine Tieflade- oder Bergesysteme beansprucht, die Standzeiten am Ausfallsort werden verringert und die Stetigkeit der Bewegung (Geschwindigkeit) des Konvois oder des Marsches wird gewährleistet. Ist auch das Herstellen der Eigenrollfähigkeit nicht mehr möglich, ist die Berge- und Abschubfähigkeit sicherzustellen. Darunter fallen alle GSI/BhI-Maßnahmen, die die Dauer der (Fremd-)bergung oder das Verladen von Schadgerät auf Tiefladesysteme verringern.

„Dingo“ 2A3 MatE

Der „Dingo“ 2A3 MatE ist das Trägerfahrzeug der mobilen Instandsetzungselemente. Er bietet der Mannschaft Schutz und beherbergt alle Komponenten für die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Feldverwendbarkeit von einsatzwichtigen Versorgungsgütern. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Der „Dingo“ 2A3 MatE ist das Trägerfahrzeug der mobilen Instandsetzungselemente. Er bietet der Mannschaft Schutz und beherbergt alle Komponenten für die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Feldverwendbarkeit von einsatzwichtigen Versorgungsgütern. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Das Trägerfahrzeug der mobilen Instandsetzungselemente ist das Allschutztransportfahrzeug „Dingo“ 2A3 MatE. Es ist in allen In- und Auslandseinsätzen für die bewegliche Materialerhaltung geeignet. Das Fahrzeug, das bei der Deutschen Bundeswehr als „Dingo“ GSI bezeichnet wird, hat sich bereits bei Auslandseinsätzen wie in Afghanistan bewährt. Mit diesem gehärteten Trägerfahrzeug verfügt das Österreichische Bundesheer (ÖBH) über ein hochgeschütztes und geländebewegliches Werkstattfahrzeug.

Mit dem „Dingo“ 2A3 MatE können Gefechts- und/oder Verschleißschäden schnell vor Ort behoben und die Feldverwendbarkeit der beschädigten Fahrzeuge wiederhergestellt werden. Die Besatzung von drei Soldaten kann aufgrund der Waffenstation auch Sicherungsaufgaben, zum Beispiel während eines Konvois, übernehmen. Die Ausrüstung und Ausstattung ist in Verstaukästen, die mit Schaumstoffeinlagen ausgelegt sind, übersichtlich und griffbereit untergebracht. Das Ausstattungspaket wird an die jeweiligen Einsatzerfordernisse angepasst. Der Ausrüstungssatz besteht aus den folgenden Komponenten:

  • Übergreifende Materialien wie Schraubstock, Leiter, Transportkiste etc.;
  • Beleuchtung und Energie: Kabeltrommel, Verlängerungskabel, Handleuchten etc.;
  • Druckluft: Füllschläuche, Blindkupplungen etc.;
  • Schlosserei: Werkzeugsatz;
  • Schweißen: Druckgas, Sauerstoffflaschen, Brenn-/Schweißeinsätze, Lötwerkstoffe etc.;
  • Hydraulik: Biegeapparat, Bördelgerätesatz, Bremsleitungsmaterial, Hydraulikschlauch bzw. Hydraulikrohrmaterial etc.;
  • Elektrik/Elektronik: Messgerät, Lötausrüstung, Elektrikerwerkzeug, Kabel- und Leitungsverbinder, Kabel, Schrumpfmaterial, Isoliermaterial, Kabelbinder etc.;
  • Kunststoffe und Kleben: Reifeninstandsetzung, Kraftstoffschläuche, Kühlerschläuche, Rohrleitungen, Dichtpasten, Glasfasermaterialien, Kaltmetalle, Elastomere, Schrumpfschläuche, Klebebänder etc.,
  • Halbzeuge: Blechplatten, Draht, Drahtseil und Klemmen, Gewindestangen, Schrauben, Unterlegscheiben, Splinte, Dichtscheiben, Keilriemen etc.
Die Waffenstation des „Dingo“ 2A3 MatE mit einem 12,7-mm-überschweren Maschinengewehr M2, Nebelwerfern und optischen Geräten. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Die Waffenstation des „Dingo“ 2A3 MatE mit einem 12,7-mm-überschweren Maschinengewehr M2, Nebelwerfern und optischen Geräten. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Der Aufbau des „Dingo“ beinhaltet eine Werkstatt mit allen Geräten und Werkzeugen, die für die feldmäßige Instandsetzung notwendig sind. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Der Aufbau des „Dingo“ beinhaltet eine Werkstatt mit allen Geräten und Werkzeugen, die für die feldmäßige Instandsetzung notwendig sind. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Alle Werkzeuge und Geräte sind in den Laden der Werktische so untergebracht, dass sie nicht verrutschen und schnell gefunden werden können. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Alle Werkzeuge und Geräte sind in den Laden der Werktische so untergebracht, dass sie nicht verrutschen und schnell gefunden werden können. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Definitionen

Gefechtsschadeninstandsetzung

Die Gefechtsschadeninstandsetzung ist ein durch mobile Materialerhaltungsdienste angewandtes, lageabhängiges Verfahren zur raschen Wiederherstellung der zumindest eingeschränkten Feldverwendbarkeit von Gerät auch mit behelfsmäßigen Methoden im Einsatz.

Behelfsinstandsetzung

Die Behelfsinstandsetzung ist eine Materialerhaltungstätigkeit, die bis zur Verfügbarkeit der notwendigen Ersatzteile durch Improvisation und Einsatz von Behelfsmitteln die unmittelbare Behebung eines Schadens zeitlich begrenzt gewährleisten soll, um zumindest eine eingeschränkte Einsatzbereitschaft des Gerätes sicherzustellen.

Technische Einsatzbereitschaft

Zustand eines Versorgungsgutes, der dann gegeben ist, wenn dieses den gesetzlichen Bestimmungen und Normen entspricht und dabei zusätzlich die Feldverwendbarkeit gegeben ist. Feldverwendbarkeit Die aus dem technischen Zustand ableitbare Eignung eines Versorgungsgutes zur Verwendung für die jeweilige Aufgabe im Einsatz.

Einsatzmöglichkeiten mobiler Instandsetzungselemente 

Immer wenn im Einsatz wenig Zeit ist oder die benötigten Ersatzteile nicht oder nicht zeitgerecht verfügbar sind, sind lage- und auftragsabhängig Maßnahmen der GSI/BhI erforderlich. Sie dienen zum raschen Wiederherstellen einsatzwichtiger Grundfunktionen (vor allem Feuern, Fahren und Funken) von Versorgungsgütern, um die Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit der Truppe zu gewährleisten.

Das wesentliche Merkmal und Ziel der GSI/BhI ist es, im Einsatz die Feldverwendbarkeit von ausgefallenen, einsatzwichtigen Versorgungsgütern auch mit behelfsmäßigen Mitteln wiederherzustellen. Das ist in der Regel ohne produktbezogene Ersatzteile rasch und zumindest für den aktuellen Auftrag gegebenenfalls eingeschränkt zu bewerkstelligen. Somit ergibt sich der Einsatz mobiler Instandsetzungselemente innerhalb der taktischen Verfahren von Landstreitkräften, wenn

  • das Öffnen von (gehärteten) Gefechtsfahrzeugen zur Rettung von Besatzungen notwendig ist,
  • der Auftrag und die gegnerische Bedrohung die GSI/BhI zwingend erfordert,
  • wenig Zeit ist und/oder keine ausreichenden Ressourcen für eine abschließende Instandsetzung verfügbar sind, das Versorgungsgut aber dringend benötigt wird,
  • die einsatzwichtigen Grundfunktionen für den Abschluss eines Auftrages notwendig sind,
  • die Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit der Truppe zur Auftragserfüllung erhöht werden kann,
  • durch das Herstellen der Feldverwendbarkeit, oder zumindest der Rollfähigkeit, knappe Ressourcen für die Bergung und den Abschub entlastet werden können.
Die Ausbildung während des Lehrganges für Gefechtsschaden- und/oder Behelfsinstandsetzung (GSI/BhI) findet im Lehrsaal, in den Werkstätten und im freien Gelände statt. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Die Ausbildung während des Lehrganges für Gefechtsschaden- und/oder Behelfsinstandsetzung (GSI/BhI) findet im Lehrsaal, in den Werkstätten und im freien Gelände statt. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Werkstatt mit „Schweißzellen“. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Werkstatt mit „Schweißzellen“. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Eine „normale Ausbildungswerkstätte“ an der Heereslogistikschule. (Fotos: TD/Gerold Keusch)
Eine „normale Ausbildungswerkstätte“ an der Heereslogistikschule. (Fotos: TD/Gerold Keusch)

Ausbildung mobiler Instandsetzungselemente

Der Lehrgang GSI/BhI ist die Basisausbildung für Soldaten, die in mobilen Instandsetzungselementen eingesetzt sind. Er wird in einer Ausbildungskooperation mit dem Ausbildungszentrum Technik Landsysteme der Deutschen Bundeswehr durchgeführt. Durch die gemeinsame Nutzung des Systems „Dingo“ können Synergien in der Ausbildung erzielt werden wie

  • die standardisierte Ausbildungs- und Einsatzverfahren, um zusammenarbeitsfähige militärische Kräfte für gemeinsame internationale Einsatzvorhaben auszubilden,
  • die Steigerung der Ausbildungsqualität durch die unterschiedlichen Ausbildungs- und Einsatzerfahrungen des Lehrpersonals,
  • die Ausbildung vor der Auslieferung des Systems „Dingo“ 2A3 MatE an die Verbände,
  • das Herstellen der Ausbildungs- und Verwendungsreife,
  • die kostengünstige Ausbildung durch gemeinsamen Ankauf und Nutzung teurer Ausrüstungs- und Ausbildungsmittel (z. B. chemische Produkte),
  • das Zusammenfließen von Spezialisierungen zu einer einheitlichen militärischen Ausbildung mit Lehrgängen für die Hydraulik- oder Schweißausbildung, Elektronik- bzw. Elektrik-Lehrgänge etc.,
  • die Verdichtung des bestehenden Ausbildungsangebotes,
  • der Einsatz mobiler Instandsetzungselemente zur beweglichen Materialerhaltung für Kräfte im Einsatzraum,
  • die Ausbildung im Retten und Bergen von Verwundeten aus gehärteten/gepanzerten Fahrzeugen im Lehrgang GSI/BhI.

Ausbildungsablauf

Ausbildung am Schneidbrenner während des Lehrganges für Gefechtsschaden- und/oder Behelfsinstandsetzung (GSI/BhI). (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ausbildung am Schneidbrenner während des Lehrganges für Gefechtsschaden- und/oder Behelfsinstandsetzung (GSI/BhI). (Foto: TD/Gerold Keusch)

Die Ausbildung zum Besatzungsmitglied in einem mobilen Instandsetzungselement setzt sich aus der Grundausbildung zum Mechaniker-Unteroffizier, den je nach Hauptgerät des Verbandes notwendigen Gerätelehrgängen und den GSI/BhI-Lehrgängen zusammen. Der Lehrgang GSI/BhI vermittelt die erforderlichen Kenntnisse für Mitglieder mobiler Materialerhaltungselemente. Diese müssen bis zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen improvisieren können, um einen Schaden zeitlich begrenzt zu beheben und die eingeschränkte Einsatzbereitschaft des Gerätes bzw. Fahrzeuges sicherzustellen.

Der Inhalt der Ausbildung richtet sich nach Erfahrungswerten des ÖBH und internationaler Streitkräfte. Diese Erfahrungswerte werden durch das Multinational Logistics Coordination Center bei jährlich stattfindenden „Battlefield Damage Repair“ Meetings erarbeitet und in Form eines Online-Kataloges zur Verfügung gestellt. Das ÖBH nimmt mit Vertretern des Institutes Technischer Dienst der Heereslogistikschule an diesen Treffen teil und setzt die dort erarbeiteten Ergebnisse bei ihren Lehrgängen nach Möglichkeit um.

Der Lehrgang GSI/BhI gliedert sich in zwei Module, von denen jedes als eigenständiger Lehrgang durchgeführt wird:

  • Modul 1: GSI/BhI-Grundausbildung in Österreich an der Heereslogistikschule;
  • Modul 2: GSI/BhI-Einsatzausbildung in Deutschland im Ausbildungszentrum Technik Landsysteme der Deutschen Bundeswehr.

Im Modul 1 wird die Handhabung der Ausrüstung und Ausstattung des „Dingo“ 2A3 MatE, die behelfsmäßige Instandsetzung und die qualifizierte Schadensfeststellung von Baugruppen ausgebildet. Mit dem Abschluss des Modul 1 ist der Lehrgangsteilnehmer befähigt, die Grundkenntnisse der GSI/BhI anzuwenden. Darüber hinaus ist der positive Abschluss dieses Moduls die Voraussetzung für die Teilnahme am Modul 2.

Aufbauend auf das erste Modul werden im Modul 2 die Besatzungen von mobilen Instandsetzungselementen gemeinsam für die Durchführung einer behelfsmäßigen Instandsetzung am Hauptgerät ausgebildet. Zusätzlich dient dieses Modul zur Schulung der Kommandanten mobiler Instandsetzungselemente. Mit Abschluss dieses Modules ist der Lehrgangsteilnehmer dazu befähigt, als Besatzungsmitglied oder Kommandant eines mobilen Instandsetzungselementes eingesetzt zu werden.

Techniken der GSI/BhI

Ein Soldat öffnet ein gehärtetes Gefechtsfahrzeug in dem er die Scharniere der Türen aufschneidet. (Foto: Alexander Stockner)
Ein Soldat öffnet ein gehärtetes Gefechtsfahrzeug in dem er die Scharniere der Türen aufschneidet. (Foto: Alexander Stockner)

Die Techniken der GSI/BhI sind in Themenbereiche eingeteilt und werden während der Grundausbildung an ausgebauten Bauteilen gelehrt. Das bietet die Möglichkeit, verschiedene Techniken und die zur Verfügung stehende Ausrüstung und Ausstattung unter „Laborbedingungen“ anzuwenden. Im Einsatzmodul werden diese Techniken an Bauteilen von Gefechtsfahrzeugen angewandt.

Die Ausbildungsbereiche sind gegliedert in

  • allgemeine Themen,
  • Öffnen (gehärteter) Gefechtsfahrzeuge,
  • Elektrik/Elektronik,
  • Fluidik und Pneumatik,
  • Mechanik,
  • Verwendung der Noteinrichtungen.

Generell gilt bei der Anwendung von GSI/BhI-Techniken, dass die Schadensbehebung so durchgeführt wird, dass während und nach dieser eine Gefährdung für Mensch und Material ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund sind die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen und Funktionshinweise gemäß der technischen Dienstvorschriften oder sonstiger technischer Handbücher zu beachten. Neben der genauen Kenntnis der Funktion von Bauteilen, ist zur Auswahl des geeigneten GSI/BhI-Verfahrens bereits vorab zu prüfen, welchen Belastungen die behelfsmäßige Schadensbehebung genügen muss. Das gilt auch für die Umgebungsverhältnisse, bei denen beispielsweise explosionsgefährdete Bereiche, insbesondere thermische Verhältnisse, zu berücksichtigen sind.

Die behelfsmäßige Schadensbehebung bei der GSI/BhI kann zu Leistungs- oder Übertragungsverlusten führen. Deshalb sind GSI/BhI-Maßnahmen nur durchzuführen, wenn aufgrund der besonderen Umstände kein sicherer Totalausfall von Geräten bzw. Systemen und/oder keine akute Gefährdung von Menschenleben gegeben ist.

Eine notdürftig hergestellte Verbindung einer Leitung mit einer Schlauchklemme. (Foto: Alexander Stockner)
Eine notdürftig hergestellte Verbindung einer Leitung mit einer Schlauchklemme. (Foto: Alexander Stockner)
Behelfsmäßig behobene Schäden an elektrischen Leitungen. (Foto: Alexander Stockner)
Behelfsmäßig behobene Schäden an elektrischen Leitungen. (Foto: Alexander Stockner)
Verbindung mit Kabelschuh, Schraube und Mutter. (Foto: Alexander Stockner)
Verbindung mit Kabelschuh, Schraube und Mutter. (Foto: Alexander Stockner)
Eine „fliegende“ Sicherung. (Foto: Alexander Stockner)
Eine „fliegende“ Sicherung. (Foto: Alexander Stockner)

Beispiele für die GSI/BhI

Auszugsweise werden nun Techniken beschrieben, wie das Öffnen (gehärteter) Gefechtsfahrzeuge und die Schadensbehebung abläuft bei:

  • elektrischen oder elektronischen Bauteilen;
  • Sicherungen;
  • Schläuchen und Leitungen;
  • Behältnissen;
  • dem Kühler;
  • dem Fahr- bzw. Laufwerk;
  • dem Antrieb.

Öffnen (gehärteter) Gefechtsfahrzeuge

Mit dem Rette- und Bergesatz des Systems der Deutschen Bundeswehr am „Dingo“ GSI werden die wesentlichen Zutrittsvarianten eines (gehärteten) Gefechtsfahrzeuges erlernt. Das Ziel ist das rasche Öffnen, um Besatzungen aus diesem zu retten. Die Ausbildung beinhaltet neben verschiedenen Techniken auch eine vorangestellte Beurteilung des Schadens. Diese erfolgt, ähnlich einer Checkliste, anhand folgender Stichworte:

  • Sicherung: Eigenschutz bei Brand- und Explosionsgefahr, Wegrollen, Abrutschen bzw. Absturz, Stabilisieren des Fahrzeuges, Bedrohung durch Kampfmittel, Beurteilen der Gefahrenbereiche etc.;
  • Lageerkundung: Unfall oder Angriff? Stabilität der Fahrzeuglage, Lage der Besatzung, Zusammenarbeit mit Bergekräften;
  • Lagemeldung;
  • Ordnung der Einsatzstelle: Einteilen der Kräfte, Bereitstellen der Ausrüstung/Ausstattung, Entfernen von Gerät oder Personen, die nicht benötigt werden;
  • Erstöffnung: Auswählen der einfachsten und sichersten Möglichkeit, Kontaktaufnahme, Übergabe von Verletzten/Verwundeten an Sanitätskräfte;
  • Befreiung: Entklemmung nach Freigabe durch Sanitätspersonal.

Elektrische oder elektronische Bauteile

ie Komplexität moderner Fahrzeuge erfordert aufgrund der gegenwärtigen Technologie neben der Schadensfeststellung mit einfachen Prüfmitteln eine komplexe und anspruchsvolle Schadensfeststellung mit computergestützten elektronischen Systemen. Einer Fahrzeugdiagnose muss eine erhöhte Bedeutung beigemessen werden, da eine Fehlererkennung bei modernen Fahrzeugen ohne geeignetes Werkzeug (Diagnosegerät, Scanner, Scan Tool) kaum möglich ist. Das Auslesen von Informationen/Fehlern erfolgt dabei über die genormte OBD-2-Diagnosebuchse im Fahrzeug mit einem Diagnosegerät.

Eine qualifizierte Schadensfeststellung mittels Fahrzeugdiagnose führt zu raschen Informationen und gegebenenfalls zur Warnung der Besatzung und/oder des mobilen Instandsetzungspersonals über aufgetretene Fehler. Dadurch kann eine Aufrechterhaltung der Feldverwendbarkeit frühzeitig gewährleistet und/oder eine eventuelle Deaktivierung von bestimmten Fahrzeugfunktionen eingeleitet werden, wenn deren weiterer Betrieb nicht sichergestellt werden kann. Als Beispiele für GSI/BhI werden die Techniken für elektrische Verbindungen und Sicherungen dargestellt, mit denen eine behelfsmäßige Schadensbehebung an elektrischen Bauteilen durchgeführt werden kann.

Behebung eines Schadens an einer Hochdruckleitung mit einer Steckleitung und Verschraubung. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Behebung eines Schadens an einer Hochdruckleitung mit einer Steckleitung und Verschraubung. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Eine abgeschnittene Plastikflasche dient als Ersatz eines Flüssigkeits-Ausgleichsbehälters. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Eine abgeschnittene Plastikflasche dient als Ersatz eines Flüssigkeits-Ausgleichsbehälters. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Elektrische Verbindungen

Die Schadensbehebung mit Kabelschuhen wird dann angewandt, wenn der Querschnitt einer Leitung einfache Verbindungstechniken wie Flach- oder Rundstecker, Blockklemmen oder Quetschverbindungen nicht zulässt. Eine weitere Möglichkeit bietet die Schadensbehebung mit Schlauchklemmen (Stoßen). Hier werden die Drähte der Leitung so zusammengeführt, dass eine leitende Verbindung hergestellt wird. Mit einer Schlauchklemme wird diese stabil und zugfest.

Sicherungen

Bei der behelfsmäßigen Schadensbehebung von Sicherungen ist die qualifizierte Schadensfeststellung von großer Bedeutung, da Sicherungen selten ohne Grund auslösen. Vor einem Austausch oder einer Behelfsinstandsetzung von Sicherungen ist daher immer eine Schadensfeststellung am betroffenen Bauteil (Stromkreis) durchzuführen.

Vor der Schadensbehebung wird der Verbraucherstromkreis auf Kurz- bzw. Masseschluss geprüft. Sollte dieser vorhanden sein, ist die Schadensbehebung nicht zulässig. Vor dem Einbau einer behelfsmäßigen Sicherung ist diese bei einem kurzfristigen Probebetrieb zu testen. Schadensbehebungen an Sicherungen werden nur dann durchgeführt, wenn keine Ersatzsicherung verfügbar ist, keine Sicherung aus einem weniger benötigten Verbraucherkreis entnommen werden kann und/oder eine Überbrückung mit einer „fliegenden“ Sicherung nicht möglich ist.

Zum behelfsmäßigen Herstellen einer „fliegenden“ Sicherung wird zuerst ein geeigneter Kabelschuh an die Leitungen aufgepresst. Danach wird eine Flachsicherung mit dem gleichen Sicherungswert eingesteckt. Zum Abschluss werden die Kabelschuhe mit einem Isolierband umwickelt und fixiert. Diese Technik wird zum Beispiel bei Sicherungsautomaten angewandt. 

Abdichtung von kleinen Löchern und Rissen eines Behälters mit Klebemasse. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Abdichtung von kleinen Löchern und Rissen eines Behälters mit Klebemasse. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Abdichten eines Ölfilterbehälters mit Gummimasse. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Abdichten eines Ölfilterbehälters mit Gummimasse. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Schadensbehebungen bei Schläuchen und Leitungen

Die Anwendung von Techniken im Bereich der Fluidik und Pneumatik ist durch die Resistenz gegenüber bestimmten Stoffen, den jeweiligen Druckbereich und die im Einzelfall notwendige mechanische Belastbarkeit begrenzt. Bei der Schadensbehebung ist zwischen Schläuchen und Leitungen zu unterscheiden.

Schlauchschäden

Defekte Niederdruckschläuche werden mit einfachen Gummi-Blechmanschetten und Schlauchschellen abgedichtet. Die Schadstelle muss davor gründlich gereinigt und der zu überschrumpfende Schlauchmantel aufgeraut werden. Danach wird eine passende Gummi- und Blechmanschette mittig über die Schadstelle gebogen und mit Schlauchschellen abgedichtet. Zur behelfsmäßigen und raschen Behebung eines Schadens an einem Kühlwasserschlauch wird beispielsweise ein Klebeband verwendet. Dabei ist auf dessen Resistenz, Druck- und Temperaturbeständigkeit zu achten. Alternativ können Kaltwarm- bzw. Warmschrumpfprodukte, Vulkanisierbänder oder Gaze und Elastomere verwendet werden.

Leitungsschäden

Bei Leitungsschäden ist zwischen Nieder-, Mittel- und Hochdruckleitungen zu unterscheiden. Eine Niederdruckleitung (bis max. 10 bar) kann mit einer Steckleitung und Schellen behelfsmäßig behoben werden. Hierzu wird der beschädigte Leitungsbereich ausgeschnitten, eine passende Steckleitung mit der zu überbrückenden Länge eingesetzt und mit Schlauchschellen fixiert. Leitungen, die im Mittel- bzw. Hochdruckbereich eingesetzt werden, sind mit speziellen Verbindungsverschraubungen und einer geeigneten Ersatzleitung instand zu setzen. Diese Verschraubungen und Ersatzleitungen sind Bestandteil des Ausstattungs- bzw. Ausrüstungssatzes des „Dingo“ 2A3 MatE.

Beschädigte Behältnisse

Schäden an Behältnissen können beispielsweise mit einem Verschlusspfropfen behelfsmäßig behoben werden. Der Verschlusspfropfen besteht aus einer Schraube mit einem Gummischlauch, zwei Beilagscheiben und einer passenden Schraubenmutter. Die Beschädigung des Druckkessels wird mit einem Konusbohrer an den Durchmesser des Verschlusspfropfens angepasst. Danach wird der Pfropfen mit der Schraubenkopfseite voran in das Loch eingesetzt und vorsichtig, unter ständigem Festhalten des Gummischlauches, festgedreht, wobei bei den letzten Umdrehungen das Gewinde festzuhalten ist. Durch das Zusammendrehen der Schraubenmutter wird der Gummischlauch gequetscht, wodurch er sich verdickt und das Loch abdichtet.

Kühlerschäden

Beschädigte Lamellen am oberen und unteren Wasserkasten werden entfernt und ausgelötet. Danach werden die Schadstellen des Wasserkastens gereinigt und entfettet. Nun wird Kaltmetall in die Schadstelle gedrückt. Nach dem Ablüften wird die betroffene Stelle mit Wasser geglättet und nach dem Aushärten des Kaltmetalls die Dichtheit überprüft.

Ein ausgeschiedener Motor dient in der Ausbildung als Lehr- und Versuchsobjekt. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein ausgeschiedener Motor dient in der Ausbildung als Lehr- und Versuchsobjekt. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Diverse Möglichkeiten zum Beheben von Löchern in der Karkasse eines Autoreifens. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Diverse Möglichkeiten zum Beheben von Löchern in der Karkasse eines Autoreifens. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein defekter und notdürftig geflickter Kühler. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein defekter und notdürftig geflickter Kühler. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Schäden am Fahrwerk/Laufwerk

Die behelfsmäßige Instandsetzung von Reifen wird nur dann durchgeführt, wenn diese weder Notlaufeigenschaften aufweisen noch mit „Air Seal“-Produkten behandelt werden können. Hier ist anzumerken, dass Reifen von Fahrzeugen des ÖBH vorbeugend mit „Air Seal“-Produkten behandelt sein könnten, was an einer roten Ventilkappe ersichtlich ist. Dadurch sind herkömmliche Instandsetzungen kaum erforderlich, und die GSI/BhI-Maßnahmen werden erheblich reduziert.

„Air Seal“ bildet durch die Rotation des Reifens einen Schutzfilm auf der gesamten Innenfläche von Reifen und Felge. Sobald ein Fremdkörper in den Reifen eindringt, wird er mit der „Air Seal“-Flüssigkeit benetzt und abgedichtet. Löst sich der Fremdkörper oder wird er entfernt, reißt der Luftstrom die „Air Seal“-Wirkstoffe in den Einstichkanal und dichtet dadurch das Loch und die Karkasse ab. Durch die Walkbewegung des Reifens beim Fahren wird der Dichtungspfropfen verdichtet und gefestigt.

Jedes Wiederherstellen der Feldverwendbarkeit bei Schäden an der Bereifung ist grundsätzlich mit dem Ersatzreifen durchzuführen. Verfahren wie das Verwenden von Verschlusspfropfen werden erst dann notwendig, wenn der Ersatzreifen bereits verwendet wurde oder nicht vorhanden ist.

Antriebsschäden

Bei Schäden am Keilriemen bietet sich die Verwendung von Gliederkeilriemen für die behelfsmäßige Schadensbehebung an. Gliederkeilriemen bestehen aus einzelnen Gliedern (Lamellen), die über Stahldrehnieten (Antriebsriemen) bzw. über T-Stück-Enden miteinander verbunden sind. Sie können ohne Demontage von Bauteilen wie Riemenscheiben, Wellen oder Lagern montiert werden.

Bei der Montage ist wie folgt vorzugehen: Zuerst wird die Spannvorrichtung gelockert. Dann wird der Gliederkeilriemen um die Riemenscheibe gelegt, die Länge festgestellt und die erforderliche Riemenlänge hergestellt, indem Lamellen entfernt werden. Schließlich lässt man den Gliederkeilriemen durch langsames Drehen in die Riemenscheibe(n) „einspringen“ und spannt ihn mit der Spannvorrichtung.

Major Mag.(FH) Alexander Stockner ist Kommandant der Lehrgruppe & Lehroffizier Materialerhaltung an der Heereslogistikschule.

 

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