• Veröffentlichungsdatum: 19.12.2017
  • – Letztes Update: 04.01.2018

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Gliederung KdoFüU&CD

Jürgen Proprenter, Christian Hrast

(Fotos: Bundesheer; Montage: Rizzardi)
(Fotos: Bundesheer; Montage: Rizzardi)

Am 1. Jänner 2017 wurde das Kommando Führungsunterstützung und Cyber Defence neu aufgestellt. Die "Militärische Landesverteidigung" ist nun auch auf den Bereich der Cyber Defence ausgerichtet.

Neue Aufgaben haben für das Österreichische Bundesheer (ÖBH) an Bedeutung gewonnen. Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen haben sich verändert. Die Neuordnung des Führungssystems im ÖBH basiert unter anderem auf der Struktur von vier Kommanden der oberen Führung.

Dies sind das Kommando Landstreitkräfte (KdoLaSK; siehe dazu TD-Heft 2/2017), das Kommando Luftstreitkräfte (KdoLuSK; siehe dazu TD-Heft 3/2017), das Kommando Logistik (KdoLog) sowie das Kommando Führungsunterstützung und Cyber Defence (KdoFüU&CD).

Das KdoFüU&CD wurde im Wesentlichen aus der Führungsabteilung des Führungsunterstützungszentrums, einem Teil des Joint 6 des ehemaligen Streitkräfteführungskommandos sowie der Abteilung Führungsunterstützung der Zentralstelle strukturiert. Im neuen Kommando werden die Fähigkeiten der Bereiche 

  • Führungsunterstützung, 
  • Elektronische Kampfführung, 
  • operative Cyber Defence,
  • Führungsunterstützungsbataillone 1 und 2 (FüUB1 und 2) sowie 
  • Informations- und Kommunikationstechnologie - Services des ÖBH

zusammengeführt. 

Aufgaben

Die neue Struktur der oberen Führung im BMLV. (Grafik: Rizzardi)

Das KdoFüU&CD stellt aus seinem Bereich die Kräfte und Mittel der Führungsunterstützung für die Einsatz- und Übungserfordernisse im In- und Ausland. Das Kommando ist auf die gleichen Grundsätze wie die drei anderen Kommanden der oberen Führung ausgerichtet. Mit einem entsprechenden Aufwuchs durch Miliz ist die Durchhaltefähigkeit in den für die Operationsführung erforderlichen Teilbereichen gewährleistet. Als „Force Provider“ werden durch das KdoFüU&CD den anderen Kommanden der oberen Führung jene Elemente bzw. Fähigkeiten der Führungsunterstützung zugeordnet, die diese zur Auftragserfüllung benötigen.

Das KdoFüU&CD stellt die operationellen defensiven Cyber-Kapazitäten für das ÖBH (bei Bedarf auch auf gesamtstaatlicher Ebene) bereit. Dem KdoFüU&CD obliegt die „Defensive Cyber-Verteidigung“ im Einsatzfall der „Militärischen Landesverteidigung im Cyber-Raum“ durch Koordination und Schutz der eigenen Netze bei Cyber-Vorfällen bis hin zur operationellen Führung bei einer Abwehroperation im Cyber-Raum. Dabei übernimmt das KdoFüU&CD die Operationsführung unter Einbindung der anderen Kommanden der oberen Führung und in Abstimmung mit dem Abwehramt (AbwA), dem Heeres-Nachrichtenamt (HNaA) sowie anderen fachlich relevanten Stellen.

Wesentliche Änderungen

Durch die Neuaufstellung des Kdo­FüU&CD erfolgt eine Orientierung der Organisation auf die Aufgaben im Bereich Führungsunterstützung und im Bereich IKT-Normbetrieb. Dazu wurden die Organisationselemente des ehemaligen Führungsunterstützungszentrums, des FüUB1 (mit der Teilspezialisierung im Bereich Cyber) und des FüUB2 (mit der Teilspezialisierung im Bereich der Elektronischen Kampfführung) gebündelt.

Die Abteilung IKT-Innovation des Führungsunterstützungszentrums (FüUZ) wurde aufgelöst, deren Aufgabenbereiche angepasst und anderen Organisationselementen des KdoFüU&CD zugeordnet. Die Masse des J6-Bereiches des SKFüKdo wurde in die G3/G5-Abteilung des KdoFüU&CD transferiert. Die Hauptaufgabe der G3/G5-Abteilung im Normbetrieb besteht darin, die Leistungserbringung aus dem Bereich der Führungsunterstützung für die Land- und Luftstreitkräfte, für das Jagdkommando sowie für das Kommando Logistik im Wege des Force Providing sicherzustellen.

Dieses Force Providing besteht in der Bereitstellung von Beurteilungs-, Planungs- und Befehlsbeiträgen im Führungsverfahren des jeweiligen führenden Kommandos, Führungsmitteln und Führungsunterstützungstruppen. Zur Koordinierung mit den anderen Kommanden der oberen Führung, aber auch zur Wahrnehmung der Aufgaben „Abwehr im Cyber-Raum“ war daher ein entsprechend leistungsfähiger Führungs- und Planungsbereich zu bilden.

Die Gliederung des neu geschaffenen Kommando Führungsunterstützung & Cyber Defence. (Grafik: Rizzardi)

Durch die massive Erweiterung der IKT-Sicherheits- und Cyber-Verteidigungsfähigkeiten und zur Umsetzung der operationellen Cyber-Maßnahmen wurde der Bereich „IKT- und Cyber-Sicherheit“ neu aufgestellt. Damit sind die wesentlichen Aufgaben für Cyber Defence im ÖBH nun im KdoFüU&CD konzentriert. Die damit verbundenen nachrichtendienstlichen Aufgaben werden weiterhin vom AbwA und HNaA wahrgenommen.

Der Abteilung IKT-Nutzungsmanagement werden die Aufgaben der bisher in der Zentralstelle strukturierten Abteilung Führungsunterstützung, wie der Betrieb und die Führung der IKT-Systeme sowie der Applikationslandschaft inklusive der IKT-Sicherheit im laufenden Betrieb, zugeordnet und durch weitere Aufgaben ergänzt. Die prozessuale Steuerung und Koordinierung der nachgeordneten Bereiche (vorwiegend „Applikationen“, „IKT-Technik“ und „IKT-Betrieb“) wird als neue zentrale Aufgabe dem IKT-Nutzungsmanagement zugeordnet.

Im Institut für Militärisches Geowesen (IMG) werden nun alle geoaffinen Aufgaben und die koordinativen Aufgaben der Militärmeteorologie gebündelt. Zusätzlich ist der Transfer der IKT-Services der Heereslogistikzentren bzw. deren Neustrukturierung innerhalb des KdoFüU&CD vorgesehen, die Realisierung ist jedoch grundsätzlich erst mit der Neustrukturierung der Heereslogistikzentren vorgesehen.

Dienstbetrieb

Die militärische Geoinformation beinhaltet alle wichtigen Infromationen über das jeweilige Einsatzland. (Foto: IMG)

Der Dienstbetrieb (DBetr) umfasst Elemente der Eigenversorgung auf Einheitsebene, Elemente der Versorgungsdurchführung sowie ein Ausbildungselement für die Eigenausbildung bzw. unmittelbare Wach- und Sicherungsaufgaben.

Institut für Militärisches Geowesen 

Im Institut für Militärisches Geowesen (IMG) ergaben sich neue Bereiche vor allem durch die Form der operativen Durchführung von Aufgaben der nationalen GALILEO-Behörde, der Navigation Warfare und der Integration der Angelegenheiten der Militärmeteorologie. Zu den Aufgaben zählt die Durchführung der MilGeo-Koordinierung, die Leitung des Militärmeteorologischen Fachdienstes, die Erstellung von topografischen und thematischen Militärkarten im Inland und Ausland, das Betreiben der MilGeo-Forschung, der GeoWeb-Services, Geodaten-Infrastruktur sowie die fachdienstliche Führung der Navigation Warfare im ÖBH.

Applikationen 

Die Aufgaben des Bereiches Applikationen (Appl) sind die Erstellung der Service-, Daten- und Anwendungsarchitektur, die Errichtung und Integration, die Erhaltung und Weiterentwicklung sowie die technische Steuerung von IKT-Services, Erarbeitung und Steuerung von Grundlagen des Systemengineerings und der Systemarchitekturen, die Wahrnehmung aller Angelegenheiten der IT-Sicherheit in den Applikationen wie auch Testung und Herstellung von Interoperabilitäten im IKT-Bereich. Die Kernprozesse des ehemaligen FüUZ und jetzigen KdoFüU&CD bleiben im Bereich Applikationen weiter bestehen. Neu hinzu kommt aufgrund der Übernahme des Interoperabilitäts- und Testzentrums aus der Abteilung IKT-Innovation des FüUZ die Aufgabe „Testung und Herstellung der Interoperabilität“.

IKT-Technik

Dem Bereich IKT-Technik (IKTTe) obliegen Angelegenheiten der technischen Konzeption, Planung und Implementierung der gesamten IKT-Infrastruktur inklusive Radar, Richtfunk und Truppenfunk. Ausgenommen sind Angelegenheiten der Implementierung der IKT-Infrastruktur bei HNaA, AbwA und KdoLRÜ. Allerdings ist der Bereich IKTTe bei Konzeptionen der IKT-Infrastruktur für diese Dienststellen zu definieren, da die Rolle des „Leitenden technischen Systemarchitekten“ für das BMLVS/ÖBH dem KdoFüU&CD zugeordnet wurde. Das Spektrum reicht vom 

  • Rechenzentrum (Serverinfrastruktur) bis zum 
  • IKT-Arbeitsplatz inklusive mobiler Endgeräte (Smartphone), vom 
  • Videokonferenzsystem bis zum Gruppenfunk sowie vom 
  • Flugfunk bis zum 
  • ortsfesten Richtfunk 

unter Einbindung aller Netzwerke. 

Das Sicherstellen der Interoperabilität der Informations- und Kommunikationstechnologie zum effizienten und effektiven Informationsaustausch mit internationalen Partnern ist für die Planung und Durchführung von gemeinsamen Operationen ein wesentlicher Faktor. Organisatorische Änderungen ergaben sich vor allem durch die Ausgliederung der Abteilung IKT-Sicherheit und der Neuaufstellung des Bereiches IKT- und Cyber-Sicherheit. 

IKT-Betrieb

Das Störgerät 2000. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Zu den Aufgaben des Bereiches IKT-Betrieb (IKTBetr) gehören die Planung des technischen IKT-Servicebetriebes, der Betrieb von IKT-Services und IKT-Systemen im Normbetrieb und das Sicherstellen von IKT-Services bei Übungen und Einsätzen.

Organisatorische Anpassungen und Optimierungen ergaben sich innerhalb dieses Bereiches durch die organisatorische Etablierung des Serviceschwerpunktes: Zentrale Anwenderbetreuung LOGIS in der Abteilung Benutzerbetreuung, die Neuausrichtung der IKT-Anwenderbetreuung für den Großraum Wien durch Zusammenlegung bisher getrennter Referate sowie die weitere Automatisierung von Aufgaben zum Betrieb der zentralen IKT-Sicherheitsservices und IKT-Infrastrukturservices. Wie bereits angeführt, ist die Neustrukturierung der IKT-Services der Heereslogistikzentren zu einem späteren Zeitpunkt im Bereich IKT-Betrieb vorgesehen.

IKT- und Cyber-Sicherheit

In den letzten Jahrzehnten haben sich konventionelle militärische Bedrohungen des ÖBH in asymmetrische Bedrohungen gewandelt. Durch den Einsatz moderner Technik, die häufig auch zivile Systeme einschließt, entstanden neue Technologien, die in der Kriegsführung zum Einsatz kommen. Dadurch ist in einem Einsatz davon auszugehen, dass sämtliche Kombattanten über die Fähigkeiten zur Aufklärung, Überwachung und Störung des nutzbaren elektromagnetischen Spektrums verfügen.

In Ableitung der Österreichischen Strategie für Cyber-Sicherheit (ÖSCS) und der ressortinternen Weiterentwicklung der Organisationsstruktur des BMLVS wurde die Anpassung der Struktur zur IKT- und Cyber-Verteidigung neu beurteilt und strukturiert.

Der Hauptzweck der Cyber-Verteidigung ist der Schutz der Souveränität im Cyber-Raum, insbesondere der Schutz und die Verteidigung der (super)kritischen Infrastruktur, die Abwehr von Cyber-Angriffen und der Schutz von IKT-Systemen und IKT-Services des ÖBH. Die dabei zu entwickelnden Fähigkeiten spiegeln sich auf der technischen Ebene in den zugewiesenen Aufgaben des Bereiches IKT- &Cyber-Sicherheit (IKT&CySih) wider, wobei auch das gesamte Aufgabenspektrum des Military Computer Emergency Response Teams (milCERT) sowie des Military Computer Security Incident Response Teams (milCSIRT) wahrgenommen wird.

Das komplexe Aufgabengebiet dieses neu aufgestellten Bereiches umfasst unter anderem 

  • die Beurteilung der Auswirkungen von Cyber-Bedrohungen auf Services, IKT-Systeme und -Komponenten sowie die Erstellung von IKT-Risikoanalysen, 
  • die Festlegung technischer Anforderungen an die IKT- und Cyber-Sicherheit in Form von Konzepten, Architekturen und Systemdesigns, 
  • die sicherheitstechnische Überprüfung und Beurteilung von anzuschaffenden/einzuführenden IKT-Produkten und Systemen, 
  • die Gewinnung, Aggregation, Analyse und Auswertung aller sicherheitsrelevanten Daten zur Erstellung und Aufbereitung sowie 
  • die Verteilung des militärischen Cyber-Lagebildes 

mit der ständigen Beobachtung und Bewertung von Technologieentwicklungen und die Entwicklung technischer Verteidigungskapazitäten und der technischen Abwehr von Angriffen im Cyber-Raum.

Das Team auf der "Cyber-Jagd". (Foto: HBF/Harald Minich)

Die Führungsunterstützungsbataillone

Dem KdoFüU&CD sind das FüUB1 in Villach und das FüUB2 in St. Johann im Pongau unterstellt. Grundsätzlich haben die Führungsunterstützungsbataillone den Auftrag, die Führungsfähigkeit der jeweils zu unterstützenden Ebene sicherzustellen, die insbesondere die maßgeschneiderte Verstärkung der Führungsunterstützungskräfte der Brigaden bei In- und Auslandseinsätzen umfasst. Das kann von der Einbindung der taktischen oder operativen Ebene bis hin zur Unterstützung des staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements reichen.

Zusätzlich sind der Anschluss an strategische Netze zur Sicherstellung der Rückwärtsverbindungen im In- und Ausland sowie der Betrieb eines interoperablen taktischen Informations- und Kommunikationsnetzwerkes sicherzustellen.

Das Erfordernis der verstärkten multinationalen Zusammenarbeit bringt die Notwendigkeit mit sich, bis dato nicht vorhandene Qualitäten in den Führungsunterstützungsbataillonen abzubilden. Mit der getroffenen Entscheidung, am Federated Mission Networking (FMN) teilzunehmen, besteht der dringende Bedarf an neu abzubildenden Elementen in der Organisation. Dazu gehört auch die Bildung eines Network Operation Centers (NOC), um die entsprechende Interoperabilität herzustellen sowie erforderliche Qualitäten für den Systemumstieg auf Future Tactical Communication Network (FTCN) vorzubereiten und in der Folge errichten, betreiben und unterhalten zu können.

Die Aufgaben eines Network Operation Centers (NOC) sind die Planung und der Betrieb eines verlegbaren Rechenzentrums, die Steuerung des Informationsübertragungsnetzes sowie der Betrieb einer Security Operations Cell (SOC) sowie einer Information Exchange Gateway (IEG). Das Führungsunterstützungsbataillon 2 (FüUB2) ist zusätzlich mit der Planung und Durchführung der taktischen Electronic Warfare (EW) (Electronic Surveillance, Electronic Attack und Electronic Defence) beauftragt.

Oberst Jürgen Proprenter ist Leiter des Referates Organisationsplanentwicklung Grundorganisation der Sektion III des BMLVS.

Major Christian Hrast ist Referent im Referat Organisationsplanentwicklung Grundorganisation der Sektion III des BMLVS.

 

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