• Veröffentlichungsdatum: 16.05.2022
  • – Letztes Update: 20.05.2022

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Eurocorps - A force for the EU and NATO

Helmut Fiedler

Rund 350 Soldaten aus elf Nationen umfasst das Eurocorps derzeit. Dazu kommen noch 650 Soldaten in der multinationalen Unterstützungsbrigade. Hinter dem Namen Eurocorps steckt ein multinationales militärisches Hauptquartier mit Sitz in Straßburg. Dieses steht, je nach Auftrag und Zielsetzung der Rahmennationen, sowohl der EU als auch der NATO zur Verfügung. Es kann kurzfristig und weltweit zu Einsätzen verlegt werden.

Eurocorps, eine deutsch-französische Initiative

Die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland war ein besonderes Anliegen des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Verständigung, Kooperation und Zusammenarbeit mit Frankreich gehörten zu den wesentlichen Zielen seiner Politik. Nachdem Charles de Gaulle im Jänner 1959 das Amt des französischen Staatspräsidenten übernommen hatte, war Adenauer zunächst skeptisch, ob der eingeschlagene Weg der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich bestehen bleiben würde. 

Er blieb: Allein zwischen 1958 und 1963 kam es zu 15 persönlichen Begegnungen, über 100 Stunden lang haben sich die beiden Staatsmänner unterhalten und 40 Briefe wurden gewechselt. Mit Erfolg! Am 22. Jänner 1963 unterzeichneten Adenauer und de Gaulle in Paris den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Dieses Abkommen sah außenpolitische Konsultationen beider Regierungen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik vor. Künftig sollten regelmäßige Treffen der Regierungschefs sowie der Außen- und Verteidigungsminister zur praktischen Umsetzung des Vertrages beitragen. 

Aus heutiger Sicht mag dieser deutsch-französische Vertrag nicht außergewöhnlich erscheinen. Das Zustandekommen eines Vertrages mit weitreichenden verteidigungspolitischen Kooperationen nur 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, stellte jedoch einen Meilenstein für die Aussöhnung sowie die europäische Integration dar.

Rund 30 Jahre später, während des deutsch-französischen Gipfeltreffens am 22. Mai 1992 in La Rochelle, fiel der Beschluss zur Aufstellung eines europäisch-militärischen Einsatzverbandes, des Eurocorps. Der damalige französische Präsident, François Mitterrand, sowie der damalige deutsche Bundeskanzler, Helmut Kohl, setzten damit ein starkes Zeichen für eine verstärkte europäische Sicherheitspolitik.

Europäisch und verbunden mit der NATO

Nur wenige Wochen nach dem deutsch-französischen Gipfeltreffen vom 22. Mai 1992 in La Rochelle legten Frankreich und Deutschland fest, dass das Eurocorps allen Mitgliedstaaten der Westeuropäischen Union (militärischer Beistandspakt von 1954 bis 2011; Anm.) freistünde. Gegenüber der NATO kam es bereits im Jänner 1993 zu einem Abkommen mit dem Supreme Allied Commander Europe, durch welches das Eurocorps auch unter das Kommando der NATO gestellt werden kann. Dadurch wurde bereits in der Geburtsstunde dieses militärischen Hauptquartiers dessen Doppelrollenfähigkeit avisiert. Angesiedelt in Straßburg, wurde das Eurocorps am 5. November 1993 feierlich in den Dienst gestellt. Noch im selben Jahr traten Belgien, 1994 Spanien und 1996 Luxemburg, als Rahmennation, dem Eurocorps bei. 

Rahmennationen und assoziierte Mitglieder

Gelenkt wird das Eurocorps durch die sechs Rahmennationen (Frankreich, Deutschland, Belgien, Spanien, Luxemburg und seit Jänner 2022 auch Polen), die, abgestützt auf das Common Committee, die großen Handlungsstränge festlegen. Bestehend aus den Generalstabschefs sowie den politischen Direktoren der Außenministerien, tagt das Common Committee jährlich und trifft notwendige weitreichende Entscheidungen. An welchen Einsätzen das Eurocorps künftig teilnimmt, obliegt der Entscheidung dieser sechs Rahmennationen. Darüber hinaus beteiligten sich über die Jahre auch weitere Nationen am Eurocorps. Diese stellen die assoziierten Mitglieder: Griechenland, Türkei, Italien, Rumänien und seit August 2021 Österreich.

Oberstleutnant dG Mag. (FH) Helmut Fiedler, PhD; Planungsgruppenleiter beim Eurocorps in Straßburg.

"Der Österreicher im Eurocorps"; Interview mit Oberstleutnant dG Mag. (FH) Helmut Fiedler, PhD; Planungsgruppenleiter beim Eurocorps in Straßburg

 

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