• Veröffentlichungsdatum: 05.08.2021
  • – Letztes Update: 30.08.2021

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Die Unruhen im Nordkosovo 2011 - Teil 4

Klaus Glaab, Franz J. Pirker, Matthias Resch

Lessons identified, lessons learned

Der vierte Teil über das aus deutschen und österreichischen Einheiten gestellte Operational Reserve Force Bataillon im Nordkosovo 2011 zieht die abschließenden Bewertungen zum Einsatz. Die wesentlichen Erkenntnisse daraus bieten eine Orientierung zur Thematik für Schützen genauso wie für Kommandanten.

Im Spätherbst 2011 beendete das im zweiten Halbjahr eingesetzte Operational Reserve Force Bataillon (ORF-Btl II/2011) die anhaltenden gewaltsamen Unruhen im Nordkosovo bei Zupce. Die offensive Räumung des Roadblock führte die Streitparteien zurück zu Verhandlungen und einer friedlichen Lösung des Konfliktes im Raum. Aus Österreich waren vor allem die Kaderpräsenzeinheit (KPE) des Panzergrenadierbataillons 13 (PzGrenB13) als 4. Einsatzkompanie sowie Teile des Jägerbataillons 25 (KPE) im Bataillonskommando der ORF eingesetzt. Das Gefechtsbeispiel ist deswegen von Bedeutung, weil eine geschlossene österreichische Einheit im Rahmen eines multinationalen Verbandes eine moderne Gefechtsaufgabe unter Einsatz der den Verhältnissen angepassten, minimalsten Waffengewalt lösen musste und konnte.

Die bereits publizierten drei Teile (siehe TD-Heft 3 und 4/2020, 1/2021) der Serie beschrieben die generelle Situation im Kosovo im Jahr 2011 und die wesentlichen Grundzüge/Gliederung des ORF-Btl II/2011. Im zweiten Teil wurde vor allem die grundlegende taktische Einsatzführung des Bataillons von der Alarmierung in der Heimatgarnison bis zum Beginn der Räumung des Roadblock beschrieben. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden der Kosovo Force (KFOR) und das Synchronisieren innerhalb des kleinen Verbandes wurden erläutert. Der dritte Teil befasste sich mit dem thematischen Schwerpunkt der Serie: die gewaltsame Räumung des Roadblock bei der Ortschaft Zupce am 28. November 2011. Das Gefecht wurde dabei vor allem aus taktischer Sicht erläutert. Im abschließenden Teil sollen nun allgemeingültige und grundsätzliche Schlüsse gezogen werden, das Gefechtsbeispiel auf einer abstrahierten Ebene erfasst werden um die Erfahrungen von damals für künftige internationale Aufgaben des Bundesheeres auf taktischer Ebene zu dokumentieren.

Gründe für die Entsendung der ORF

Im Jahr 2011 wurde die internationale Truppenstärke der KFOR reduziert. Dies ging mit einer Umstrukturierung hinsichtlich der Zusammensetzung, der Zuordnung der Verantwortungsbereiche für die taktischen Verbände („Multinational Battlegroups“) und der Personalstärke einher. Zeitgleich wurden „Joint Regional Detachments“ etabliert, die mit ihren Liaison- und Monitoring-Teams zusätzlich zu den taktischen Verbänden das Lagebild sicherstellten. Während dieser Umgliederungsphase begann annähernd zeitgleich die Sicherheitslage im Kosovo zu erodieren. Die international nicht vollständig anerkannte Regierung in Priština verfolgte im zweiten Halbjahr 2011 drei wesentliche Ziele:

Zum Ersten sollte das Grenzregime zu Serbien umgesetzt werden, um aus Sicht Prištinas den unkontrollierten Waren-, Devisen- und Personenfluss vom Nordkosovo nach Serbien zu unterbinden. Zum Zweiten sollten zeitgleich Strafverfolgungen gegen serbische Bürger zwangsdurchgesetzt werden. Zum Dritten sollte mit diesen beiden Maßnahmen nach Vorstellung der kosovarischen Regierung der serbische Einfluss in der Region eingeschränkt und bestenfalls zurückgedrängt werden. Diese Vorgehensweise löste im mehrheitlich serbisch bevölkerten Nordkosovo gewalttätige Demonstrationen der Bevölkerung gegenüber den „offiziellen“ kosovarischen Sicherheitsorganen aus. Im Zuge dieser Unruhen wurden durch die Zivilbevölkerung entlang der Hauptbewegungslinien massive Straßenblockaden errichtet sowie Angriffe auf die kosovarischen Polizeieinheiten ausgeführt. Für die KFOR bedeutete dies eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit (Freedom of Movement). Diese musste im Zuge des Mandates aufrecht bleiben. Angesichts der Truppenreduzierung wurde daher durch den Kommandanten der KFOR der Einsatz der operativen Reserve beantragt, die im August 2011 genehmigt wurde. Das ORF-Btl II/2011 wurde daraufhin gemäß der damaligen operativen Reservekonzeption der NATO temporär entsendet. Der Ersteinsatz wurde für 30 Tage genehmigt und wurde anschließend um jeweils 30 Tage verlängert.

 

Durchsetzungswille der internationalen Staatengemeinschaft

Der Einsatz des ORF-Bataillons brachte für den aufgeflammten Konflikt wesentliche Erkenntnisse für internationale Einsätze. Eine wichtige war, dass nach einer kurzfristigen Eskalation der Lage die KFOR die „Presence, Posture und Profile“ wieder erhöhte und damit für alle am Konflikt Beteiligten der Durchsetzungswille der internationalen Staatengemeinschaft nachdrücklich demonstriert wurde. Dies war die Grundvoraussetzung für die weiteren Verhandlungen auf politischer Ebene. Es konnten dadurch die festgefahrenen Verhandlungspositionen aufgebrochen und das „Lösen“ des Konfliktes eingeleitet werden. Der weitere Schritt dazu erfolgte durch weitere offensive Aktionen im Frühjahr 2012.

Operative Lage der KFOR

Auf operativer Ebene stand die KFOR vor der Herausforderung, dass aufgrund der Kräftereduzierung und gleichzeitigen Lageeskalation die Faktoren Kraft, Zeit und Raum nicht mehr im Einklang standen. Die KFOR reduzierte aus politischen Gründen Truppen, obwohl die Sicherheitslage dies (rückblickend) noch nicht zuließ. Der Einsatz der operativen Reserve half der multinationalen Einsatztruppe aus diesem Dilemma. Der temporär befristete und damit politisch vertretbare Einsatz der ORF führte zum gewünschten taktischen Erfolg im Einsatzraum, der wiederum die politischen Verhandlungen ermöglichte.

Zentral war dabei, dass der Einsatz der ORF für die truppenstellenden Nationen keine neuerliche „Dauerbelastung“ darstellte und somit eine zur damaligen Zeit durchaus opportune politische/militärstrategische Maßnahme war. Die Auslösung eines derartigen Reserveneinsatzes bedarf der politischen Zustimmung und ist daher keinesfalls eine ausschließlich militärstrategische Entscheidung. Im konkreten Fall war für die Entsendung des österreichischen Anteils am ORF-Bataillon ein Ministerratsbeschluss notwendig. Der Einsatz und das Gefecht des ORF-Bataillons im November 2011 liefern ein Beispiel dafür, dass die Verfügbarkeit von glaubwürdigen, durchsetzungsfähigen und robusten Kräften von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Einsatzführung ist. Die Abschreckung von potenziell den Friedensprozess gefährdenden Akteuren durch eine glaubwürdige Positionierung der militärischen Kräfte ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg in stabilisierenden Einsätzen.

Taktische und operative Reserve

Der Kommandant der KFOR entschied, das ORF-Bataillon sofort einzusetzen, während seine im Einsatzraum befindliche taktische Reserve, das KFOR Tactical Manouvre Batallion (KTM), weiterhin bereitgehalten wurde. Dies erscheint ungewöhnlich, da es in „linearen“ Operationen grundsätzlich unüblich ist, hierarchisch höher zugeordnete Reserven vor niedrigeren einzusetzen. Es wurde als taktischer/gefechtstechnischer Vorteil bewertet, das ortskundige und vor Ort trainierte Tactical Manouvre Batallion im Einsatzraum als Reserve bereitzuhalten. Mit dieser Entscheidung einher ging der Umstand, dass das für die kosovarischen Serben bis dato „unbekannte“ ORF-Bataillon als nicht einzuschätzende Kraft im Einsatzraum – anders als die bereits bekannten KFOR-Elemente – bewertet wurde.

Dual role concept

Im Jahr 2011 war in den truppenstellenden Nationen das Zweitrollenkonzept am Höhepunkt seiner Anwendung angelangt. Es wurde notgedrungen aus dem steigenden Bedarf an infanteristischen Kräften für internationale Einsätze abgeleitet. Vor allem wurden Kampfunterstützungsverbände in ihrer Zweitrolle zu infanteristischen Kräften ausgebildet und bereitgehalten. Das reduzierte auf der einen Seite die Rotationshäufigkeit und den Druck auf die beinahe durchgehend im Einsatz stehenden Infanterieverbände, auf der anderen Seite litt langfristig die Fähigkeit in der „eigentlichen“ Waffengattung der Kampf- unterstützung. So wurde beispielsweise der deutsche Anteil am ORF-Bataillon aus Kampfunterstützungstruppen formiert und über einen Zeitraum von zwei Jahren spezifisch als infanteristische Ordnungseinsatzkraft ausgebildet, bereitgehalten und eingesetzt. Das Konzept der Zweitrollenfähigkeit setzt also immer auch den zu bewertenden Ressourceneinsatz zur professionellen Vorbereitung eines Verbandes voraus. Des Weiteren ersetzt eine Zweitrollenfähigkeit keine originäre Waffengattung und es muss für einen Zweitrolleneinsatz die anschließende notwendige Reprofessionalisierung in der Waffengattung von Anfang an mitgedacht werden. Im Ergebnis standen wesentliche Teile der deutschen Einsatzkräfte über zwei Jahre für ihren originären Einsatzzweck nicht zur Verfügung.

 

Taktische Ebene - Kraft/Zeit/Raum/Information

Die beim Räumen der Sperre und bei dem darauffolgenden Gefecht eingesetzten Einheiten des ORF-Bataillons bestätigten die Gültigkeit und Aktualität der taktischen Führungs- und Einsatzgrundsätze der Infanterie. Sie sind aber, wie in jeder Gefechtssituation, an die jeweiligen Umstände anzupassen – im vorliegenden Fall an den Ordnungseinsatz.

Durch geschickte Ausnutzung der Faktoren Kraft, Zeit, Raum und Information kann aber ein erfolgversprechender Kräfteeinsatz überhaupt erst generiert werden. So können beispielsweise – um den eigenen Kräftebedarf zu verringern – künstliche Engstellen erzeugt und die Bewegungsmöglichkeiten des Gegners dadurch kanalisiert werden. Zur Erzielung von Überraschungseffekten können ungünstige, eben unwegsame Geländeteile für die Bewegung eigener Kräfte genutzt werden. Durch das Festlegen eines optimalen Zeitpunktes zur Auslösung offensiver Handlungen (vgl. Angriffszeitpunkt in der konventionellen Einsatzführung) kann eine für den Erfolg wesentliche, örtliche kräftemäßige Überlegenheit geschaffen werden. Die Wirkung nicht letaler Einsatzmittel, beispielsweise von Wasserwerfern, kann, jahreszeitlich bedingt, durchaus unterschiedlich ausfallen und muss berücksichtigt werden.

Ein länger dauernder Kräfteeinsatz im Ordnungseinsatz sollte so angelegt werden, dass jeweils maximal die Hälfte der Kräfte zum Einsatz gebracht werden, um die Durchhaltefähigkeit – auch der Sonderelemente – zu gewährleisten. Der Einsatz der nicht letalen Waffen (NLW) muss, analog dem Waffeneinsatz in konventionellen Einsatzarten und im Einklang mit den Rules of Engagement (ROE), vorgeplant und klar befohlen werden. Die Freigabe der NLW muss eindeutig und für die betroffene Ebene (Schütze/Gruppe/Zug/Kompanie) vor Ort durchführbar geregelt werden, um zu vermeiden, dass die Freigabe bestimmter NLW zu einem den Gefechtsablauf störenden Zeitverzug führt.

Das Zusammenwirken in der Einheit und im Verband ist immer sicherzustellen. Einsatzgrundsätze wie Überraschung und Täuschung können z. B. durch verschleierte Kräfteverlegungen, den gezielten Einsatz von Desinformation und Täuschung über die eigene Absicht zur Anwendung gebracht werden. Wie bei jedem militärischen Handeln ist auch im Ordnungseinsatz ein Schwergewicht zu bilden. Dieses kann wiederum durch den Einsatz der Faktoren Kraft, Raum, Zeit und Information erfolgen. Auf den Platz des Kommandanten als Maßnahme zur Schwergewichtsbildung wird besonders hingewiesen.

Die Beurteilung des wichtigen und entscheidenden taktischen Geländes kann nicht genug hervorgehoben werden. Im hier behandelten Beispiel war die Drehscheibe (Straßenkreuzung beim Weiler Jagnjenica, Ortschaft Zupce/aus dem unteren Ibartal nach Mitrovica) wesentlich für das tägliche Leben der Zivilbevölkerung, und ihr kam in dieser Lage eine besondere Bedeutung zu. Dieser Umstand erklärt auch den erbitterten Widerstand der lokalen Politiker, diesen Raum freiwillig aufzugeben. Die Bereitschaft der lokalen kosovo-serbischen Anführer, Verhandlungen aufzunehmen, erhöhte sich nach Inbesitznahme der Kreuzung durch KFOR und bestätigte die enorme Bedeutung des Raumes für die lokalen Interessen.

Befehl, Gehorsam, Mitdenken

Wie fördert man Kampfgemeinschaften und Vertrauen? Durch Kommandanten, denen es nicht darum geht, Befehlsgewalt auszuüben, sondern die ihre Verantwortung darin sehen, ihre Untergebenen einsatzorientiert auszubilden, Leistungen wertschätzen, bei Übungen und im Einsatz zu führen und respektvoll zu handeln. Kommandanten aller Ebenen, die in dieser Weise handeln, ernten den Respekt der ihnen anvertrauten Soldaten. Im optimalen Fall entwickelt sich eine Dynamik, die andere mitreißt, einen gemeinsamen Auftrag zu erfüllen.

Von den Kommandanten jeder Ebene in diesem Einsatz wurde im ORF-Btl II/2011 erwartet, in entscheidenden Momenten mit gutem Beispiel voranzugehen, die Übersicht und Kontrolle zu behalten, die Situation zu verstehen und bei Bedarf selbstständig im Sinne des Auftrages zu handeln und Befehle zu erteilen. Die Kunst, schnelle und in der Situation richtige Entscheidungen zu treffen, liegt einerseits im fundierten Vorschriftenwissen und andererseits vor allem im Beherrschen der Gefechtstechniken und Verfahren bis zur Einheitsebene. Die Ausbildung und Einsatzvorbereitung sollten das Mitdenken und Handeln jedes einzelnen Soldaten betonen. Dies schafft die notwendige geistige Flexibilität, um von einem verinnerlichten standardisierten Verfahren abweichen zu können und den Auftrag durch alternatives Handeln zu erfüllen.

Denken und Handeln im Sinne des Kommandanten mit dem Zweck, einen gemeinsamen Auftrag zu erfüllen, kann nur durch eine einsatzorientierte Ausbildung erreicht werden. Diese ist nach den folgenden Grundsätzen zu planen:

  • Gründliche Einzelgefechtsausbildung erhöht die Überlebensfähigkeit.
  • Theoretisches und praktisches Beherrschen der Gefechtstechnik (tactics, techniques and procedures) schafft Selbstvertrauen.
  • Klare Ziele sind zu definieren, um den Ausbildungserfolg überprüfbar zu machen.
  • Drillausbildung erfolgt als hochintensives Training für alle Funktionen/Dienstgrade, um freie geistige Kapazitäten in Gefechtssituationen zu haben.
  • Gefechtsausbildung mit gezielter physischer und psychischer Belastung dient zum Stressaufbau, um automatisierte Aufgaben und Führungsaufgaben zu überprüfen.
  • Teamgeist und hohes Durchhaltevermögen werden durch das Erleben von Geborgenheit innerhalb der Kampfgemeinschaft geschaffen.
  • Kommandanten benötigen die gefechtstechnische Ausbildung auf Ebene Gruppe und Zug, in der sie die Möglichkeit haben, ihre Führungsleistung und Vorbildwirkung zu festigen und das Vertrauen sowie die Anerkennung der Untergebenen zu erhalten.

Zusammenarbeit Bundeswehr und Bundesheer

Aus nationaler österreichischer Sicht wird festgehalten, dass neben der beschriebenen Anwendung der Führungs- und Einsatzgrundsätze in diesem schwierigen Einsatz Folgendes für den Erfolg ausschlaggebend war:

  • die über mehrere Monate gewachsene, sehr gute Einbindung des österreichischen Anteils in das deutsche Bataillon;
  • die funktionierende Zusammenarbeit und Einsatzunterstützung durch die jeweils nationalen deutschen und österreichischen Einsatzkontingente/KFOR;
  • die leistungsfähige und zweckmäßige Unterstützung vor allem im Bereich der Sanitätsversorgung und Versorgung mit Munition und Kampfmitteln.

Die Grundlage für die Auftragserfüllung und das erfolgreiche Bestehen in der entscheidenden Phase des Einsatzes waren letztlich einmal mehr als „DIE“ wesentlichen Merkmale militärischer Einsatzführung auf gefechtstechnischer und unterer taktischer Ebene die

  • gediegene Planung und klare Befehlsgebung in Verbindung mit der Anwendung eingespielter Normabläufe und
  • die permanente Führungsleistung von Kommandanten mit ihren gut ausgebildeten Mannschaften.

Zu den Ereignissen vom 28. November 2011 ist festzuhalten, dass

  • die klare Vermittlung der Entschlossenheit zum Handeln,
  • die Demonstration sowohl der eigenen Stärke als auch des unmissverständlichen Willens zur Gewaltanwendung im Rahmen des Mandates,
  • die Standhaftigkeit in der direkten Konfrontation sowie
  • eine glaubhafte und unmissverständliche Verhandlungsführung

die richtigen Mittel waren, um in der Situation erfolgreich zu bestehen und die Verantwortlichen zurück in friedliche Verhandlungen zu führen. Diese spezifische Schlussfolgerung bezieht sich ausschließlich auf die beschriebenen Ereignisse und beruht auf den über einen längeren Zeitraum gewonnenen Erfahrungen mit der vorherrschenden Mentalität des Gegenübers im Allgemeinen sowie in der Analyse des in der direkten Konfrontation gegenüber den eigenen Kräften gezeigten Verhaltens. Obwohl nicht pauschal anzuwenden, ist doch ableitbar, dass die angeführten „Grundsätze“ in vergleichbaren Lagen erfolgversprechend angewendet werden können.

Die besondere Bedeutung des angeführten Gefechtes und die Würdigkeit zur Dokumentation für die Zukunft liegt darin, dass hier keine Erlebnisse von einzelnen Soldaten oder Gruppen aufgearbeitet wurden, sondern ein modernes Gefecht einer einsatzbereiten Einheit des Bundesheeres, die vollständig aus Berufs- und Zeitsoldaten bestand. Derartige Kompanien heben sich durch ihre Gliederung, personelle Zusammensetzung, die gemeinsam durchlaufene Ausbildung sowie durch den daraus resultierenden Kampfwert und Korpsgeist von temporär gekaderten, personell nicht voll aufgefüllten oder nur kurzfristig für einen „Norm-Auslandseinsatz“ formierten Kompanien ab. Eine schablonenhafte Übertragung von Erkenntnissen auf andere, beliebig formierte und ausgebildete Kompanien würde eine unzulässige Vereinfachung der Tatsachen darstellen. Im Gegenteil zeigt dieser Einsatz, dass Spezialisierung und Einsatzbereitschaft neben einer gezielten Personalauswahl vor allem Zeit und Ressourcen benötigen. Werden geeignetes Personal, Zeit und Ressourcen in ausreichendem Maße bereitgestellt, dann sind Einheiten des Bundesheeres in der Lage, auch in schwierigen Einsätzen zu bestehen.

Der Kommandant des ORF-Btl II/2011 fasste bei seiner Verabschiedung als Bataillonskommandeur den Einsatz wie folgt zusammen: „Es war mir eine Ehre, mit Ihnen, meinen österreichischen Kameraden, diese herausragende Zeit im Leben eines Soldaten gemeinsam bestehen zu dürfen. Ihre Professionalität, Ihre innere Haltung und Ihre Loyalität, über nationale Grenzen hinweg, sind bespielgebend für die Möglichkeiten, internationale Einsätze erfolgreich durchführen zu können.“

Oberst i.G. Klaus Glaab; deutsches Bundesministerium der Verteidigung;

Oberstleutnant Franz J. Pirker; Kommando 7. Jägerbrigade;

Major dG Mag.(FH) Matthias Resch; Kommando 3. Jägerbrigade (Brigade Schnelle Kräfte)

 

 

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