• Veröffentlichungsdatum: 26.03.2019
  • – Letztes Update: 04.04.2019

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Der Weg zum Spezialisten für das Extreme

Philipp Egele

Ein Heeresbergführer des Bundesheeres liegt auf der Wacht. (Foto: ÖBH/Steingassner)
(Foto: ÖBH/Steingassner)

Ein verändertes - hybrides - Bedrohungsspektrum und die rasante Technisierung haben die Kriegs- und Einsatzführung massiv verändert. Dennoch benötigt man auch heute umfassend ausgebildete Spezialisten, um im Gebirge und extremen Gelände Aufträge umsetzen zu können. Der Heeresbergführer ist die Speerspitze dieser Spezialisten. Die Ausbildung genießt hohes internationales Ansehen, was nicht zuletzt die Zahl der internationalen Lehrgangsteilnehmer belegt.

Im Jahr 2015 hat das Österreichische Bundesheer die Heeresbergführerausbildung neu gestaltet. Nach einigen Pilotlehrgängen ist diese Ausbildung nun in den Regelbetrieb übergegangen. Sie erfolgt innerhalb eines knappen Jahres und wird in Kooperation mit der Deutschen Bundeswehr durchgeführt, wobei die Lehrgangsführung jährlich zwischen dem Gebirgskampfzentrum Saalfelden und dem Ausbildungsstützpunkt Gebirgs- und Winterkampf in Mittenwald (Deutschland) wechselt. Das Ausbildungspersonal wird von beiden Nationen gestellt.

Das Curriculum für die Ausbildung zum staatlich geprüften Heeresbergführer (HBF) legt als Ziel fest: „Die Ausbildung zum HBF soll dazu befähigen, militärische Aufträge unter allen Bedingungen im Hochgebirge zu erfüllen, (…) Kommandanten für Einsätze im Hochgebirge zu beraten und die Truppengebirgsausbildung sowie die Ausbildung zum Heereshochgebirgsspezialisten durchzuführen.

Die Ausbildung gliedert sich in zwei Lehrgänge, in die Heeresbergführerlehrgänge „Sommer“ und „Winter“, die wiederum themenspezifisch unterteilt werden. Die Lehrgänge sind aufbauend, weshalb der Sommer- vor dem Winterlehrgang absolviert werden muss.

Inhalte der HBF-Einstiegsprüfung. (Foto: ÖBH/Kurt Kreibich, Montage: Nikischer)
Inhalte der HBF-Einstiegsprüfung. (Foto: ÖBH/Kurt Kreibich, Montage: Nikischer)

Heeresbergführerlehrgang Sommer

Der Sommerlehrgang findet von Anfang Juni bis Ende Oktober statt und umfasst insgesamt 21 Wochen. Er gliedert sich in drei große Themenblöcke:

  • die Basisausbildung und das Führen im felsigen Hochgebirge,
  • das Führen in großen Höhen und vergletschertem Hochgebirge sowie
  • die Alleinstellungsmerkmale des Heeresbergführers.

Jeder Themenblock umfasst mehrere praktische und theoretische Prüfungsaufgaben. Ein wichtiges Kriterium in allen Blöcken ist die körperliche Leistungsfähigkeit und die Eigenbeweglichkeit der angehenden Heeresbergführer. Nur wer über ausreichende Kondition verfügt, kann führen und hat zudem Reserven, um in schwierigen Situationen und Notfällen handlungsfähig zu bleiben.

Teilnehmer des Sommerlehrganges lernen das Schießen im Stand.  (Foto: ÖBH/Steingassner)
Teilnehmer des Sommerlehrganges lernen das Schießen im Stand.
(Foto: ÖBH/Steingassner)

Basisausbildung und Führen im felsigen Hochgebirge

Der Heeresbergführerlehrgang kann ohne vorangehende Gebirgsqualifikation besucht werden. Deshalb müssen die Teilnehmer bei einer Einstiegsüberprüfung das geforderte Einstiegsniveau und die geforderten Kenntnisse unter Beweis stellen.

Nach erfolgreich absolvierter Einstiegsüberprüfung startet der Lehrgang mit der Basisausbildung. Darin werden die theoretischen Grundlagen - wie Wetterkunde, Gefahren im Gebirge, Materialkunde, Erste Hilfe, Sicherungstheorie - sowie grundlegende praktische Techniken vermittelt. Anschließend erfolgt die Führungsausbildung mit dem Schwergewicht auf felsigem Hochgebirge. Hier werden Marschplanung, Verbringung kleiner Elemente, Rettungstechniken und auch erste Beratertätigkeiten geschult.

Soldaten üben die medizinische Evakuierung eines verletzten Kameraden. (Foto: ÖBH/Steingassner)
Soldaten üben die medizinische Evakuierung eines verletzten Kameraden. (Foto: ÖBH/Steingassner)

Führen in großen Höhen und vergletschertem Hochgebirge

Die Teilnehmer erlernen in diesem Block das Führen im vergletscherten Gebirge und in großen Höhen. Neben spezifischen Bewegungs- und Rettungstechniken wird der Marschplanung besonderes Augenmerk beigemessen. Einerseits sind physiologische Anpassungsprozesse zu berücksichtigen, andererseits kommt der Beurteilung des Wetters und der Gefahren im Gebirge in diesen Höhen noch größere Bedeutung zu. Dieser Ausbildungsblock führt den Lehrgang nach Chamonix-Mont-Blanc (Frankreich), in eine der höchsten Gebirgsregionen Europas.

Alleinstellungsmerkmale des Heeresbergführers

Die ersten beiden Ausbildungsblöcke bilden das Fundament, um im dritten Block die „Alleinstellungsmerkmale des Heeresbergführers“ zu behandeln. Die Teilnehmer wenden die bisher erlernten Grundlagen etwa bei der Beratung von Kommandanten, dem Gangbar-Machen von Gelände durch Sicherungsanlagen, beim Verbringen von „Foreign Military Personnel“ (z. B. Scharfschützen, Joint Terminal Attack Controller), bei Rettungsaufgaben, beim Scharfschießen im Gebirge und vielem mehr an. Den Abschluss des HBF-Lehrganges Sommer bilden die Zusammenarbeit mit Hubschraubern und die Ausbildung zum Heeresflugretter.

Heeresbergführerlehrgang Winter

Der Winterlehrgang dauert insgesamt zwölf Wochen. Er findet von Anfang Jänner bis Anfang April statt und gliedert sich ebenfalls in drei große Themenbereiche:

  • Ausbilderbefähigung Schibeweglichkeit,
  • Führen im Hochgebirge sowie
  • Gebirgskampf im Winter.

Die Inhalte des Winterlehrganges bauen auf den „Sommerthemen“ auf. Wie im Sommerlehrgang sind in jedem Themenblock theoretische und praktische Prüfungsaufgaben zu meistern.

Ausbilderbefähigung Schibeweglichkeit

Der Lehrgangsteilnehmer lernt in diesem Abschnitt, Soldaten im militärischen Schilauf auszubilden, um ihre Winterbeweglichkeit zu erhöhen. Der Lehrgangsteilnehmer erlangt, integriert in die Heeresbergführerausbildung, nämlich auch die Qualifikation des Heeresschiausbilders. Zusätzlich werden in diesem Ausbildungsabschnitt die Grundlagen der Schnee- und Lawinenkunde, die Besonderheiten der Ersten Hilfe unter winterlichen Bedingungen sowie die Kameradenrettung nach einem Lawinenunfall vermittelt, die wiederum das Fundament für die weiteren Ausbildungsabschnitte legen.

Als Flugretter dürfen nur Heeresbergführer und Heeresbergführergehilfen mit entsprechender Ausbildung eingesetzt werden.  (Foto: ÖBH/Steingassner)
Als Flugretter dürfen nur Heeresbergführer und Heeresbergführergehilfen mit entsprechender Ausbildung eingesetzt werden. (Foto: ÖBH/Steingassner)

Führen im winterlichen Hochgebirge

In diesem Ausbildungsblock bestimmen Auftrag, Marschplanung, Beurteilung von Wetter, Einschätzen der Schnee- und Lawinensituation, Beurteilung der „Eigenen“, Ableitung von Führungsmaßnahmen, laufende Beurteilung der Gefahrensituation sowie Führungsmaßnahmen den Tagesablauf und sollen den Lehrgangsteilnehmer auf die verantwortungsvolle Aufgabe als Heeresbergführer vorbereiten. Der regelmäßige Wechsel des Ausbildungsgebietes, u. a. mit einem Aufenthalt in Andermatt (Schweiz), fordert von den Teilnehmern die ständige Adaption und das Auseinandersetzen mit neuen Räumen und Gefahrensituationen. Abgeschlossen wird dieser Block mit der Durchquerung einer Gebirgsgruppe. Die Teilnehmer planen selbstständig eine Marschroute, erstellen den Zeitplan, legen die benötigte Ausrüstung fest und können in der praktischen Umsetzung die Lehren aus ihrer Planung ziehen. So lernen sie auch die Notwendigkeit einer Alternativ- und Variantenplanung kennen. 

Führen im Hochgebirge. (Foto: ÖBH/Steingassner)
Führen im Hochgebirge. (Foto: ÖBH/Steingassner)

Gebirgskampf im Winter

Der Ausbildungsblock Gebirgskampf Winter umfasst die Inhalte Schießen im winterlichen Gebirge, Verbringung von Soldaten, Beratung von Kommandanten, Mitwirken bei der Erstellung eines militärischen Lawinenlageberichtes und das Lawinenauslösesprengen (auch aus Hubschraubern) sowie die Durchsetzungsfähigkeit/Überleben im winterlichen Gebirge. Dieser Ausbildungsblock wird, je nach Planung, früher oder später im Lehrgangsablauf integriert.

Mission Accomplished

Mit dem Winterblock endet der Heeresbergführerlehrgang und es erfolgt die Ernennung der neuen Heeresbergführer in einem Festakt. Im Beisein von Vorgesetzten, Kameraden und der Familie wird den Lehrgangsteilnehmern das Heeresbergführerabzeichen verliehen, auf das sie lange und hart hingearbeitet haben. Äußerlich nicht sichtbar, aber untrennbar damit verbunden, wird ihnen damit die Verantwortung für Leib und Leben der künftig anvertrauten Soldaten übertragen und ein letztes Mal auf diese große Verantwortung hingewiesen.

Resümee

Der markante Unterschied der Heeresbergführerausbildung im Vergleich mit der Ausbildung von zivilen Bergführern liegt in der Ausrichtung: Sie ist nicht erlebnis- und kleingruppenorientiert, sondern auftragsorientiert und damit Mittel zum Zweck der militärischen Auftragserfüllung. Die Ausbildung zum Heeresbergführer ist international anerkannt und zählt zu den herausforderndsten Ausbildungen im Österreichischen Bundesheer. Sie bereitet die Teilnehmer bestmöglich auf ihre verantwortungsvolle Tätigkeit im Hochgebirge vor. 

Major Mag.(FH) Philipp Egele ist Hauptlehroffizier und Kommandant der Lehrgruppe für Qualifizierte Gebirgsausbildung am Gebirgskampfzentrum Saalfelden.

Fähigkeiten des HBF. (Foto: ÖBH/Wolfgang Schweiger; Montage: Nikischer)
Fähigkeiten des HBF. (Foto: ÖBH/Wolfgang Schweiger; Montage: Nikischer)
 

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