• Veröffentlichungsdatum: 10.06.2022

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„Der Trail hat eigene Gesetze“

Anna Hlawatsch

Bei der „härtesten und längsten“ Veranstaltung für Feldrobotik und unbemannte Systeme wurden von 30. Mai bis 3. Juni im Tritolwerk bei Wiener Neustadt die neuesten (militär-)robotischen Entwicklungsprojekte in einem internationalen Wettbewerb erprobt.

Durch einen Joystick gesteuert, bahnt sich ein Roboter seinen Weg durch ein verlassenes Grundstück. Er sucht nach einer „schmutzigen Bombe“. Kurze Zeit später ist der Einsatz beendet, das Wissenschaftsteam zufrieden. Die Entschärfung der radiologischen Strahlenquelle konnte ohne Gefährdung von Spezialisten stattfinden. Das Erproben derartiger Szenarien ist auf zivilen Grundstücken kaum möglich. Häufig scheitert es an der notwendigen Infrastruktur und den rechtlichen Rahmenbedingungen. Derartige „real tasks“ bietet der seit 2006 stattfindende European Land Robot Trail (Elrob). Nach einer COVID-19 bedingten Veranstaltungspause nahmen heuer 18 internationale Teams am ABC- und Katastrophenhilfeübungsplatz Tritolwerk an dem internationalen Wettbewerb teil.

Internationaler Wettbewerb

Die Teams aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Polen, Schweden und den USA erprobten nicht nur das Detektieren einer Strahlungsquelle. Zum Einsatz kamen unter anderem ein autonom fahrender Panzer, ferngesteuerte Lastenesel für Militärtransporte und ein Roboter, der verletzte Personen aus einem Trümmerkegel rettet. Auch zwei österreichische Forschungsteams, das Team „TAUT-Dynamics“ der FH Oberösterreich und das Team „Tedusar“ der Technischen Universität Graz nahmen an der Elrob 2022 teil. TAUT-Dynamics schickte autonome Roboter in den Trail, die bei der Vermisstensuche und Personenrettung, in der Landwirtschaft bzw. im Bergbau für Vermessungen und Aufklärungen eingesetzt werden können. Tedusar führte den selbstentwickelten autonomen Such- und Erkundungsroboter Mercator vor, der Rettungskräfte bei Katastropheneinsätzen unterstützen soll.

 

Ideenpool Militär

Die unterschiedlichen Szenarien werden seit Jahren in enger Zusammenarbeit mit den militärischen Anwendern entwickelt und in ihrer Schwierigkeit erhöht. Sie zeigen die aktuellen Anforderungen des Militärs. „Früher war der Fokus auf die Entwicklung von autonomen Systemen für Auslandseinsätze gerichtet, mittlerweile konzentrieren sich die Anforderungen wieder mehr auf die Landesverteidigung“, sagt Frank Schneider von der Abteilung für „Kognitive Mobile Systeme“ des deutschen Fraunhofer-Institutes. „Heuer wurden Tauchroboter mit speziellen Unterwassersonden erprobt. Für das Bundesheer bieten sie eine interessante Möglichkeit, da sie Radioaktivität in Gewässern aufspüren. Bei einem Chemieunfall in der Donau könnte uns diese Technologie helfen, die Gefahrenquelle zu detektieren“, sagt Brigadier Michael Janisch, Leiter des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik beim Österreichischen Bundesheer: „Von der Idee bis zur Entwicklung dauert es aber im Schnitt zehn Jahre.“ Umso wichtiger sind die realitätsnahen Übungsbedingungen. „Die Elrob hat ihre eigenen Gesetze. Roboter, die in den Erprobungen im Labor sämtliche Tests bravourös gemeistert haben, scheitern bei der Elrob häufig nach wenigen Minuten. Aber Rückschläge treiben die technologische Entwicklung voran“, sagt Janisch. Das bestätigt auch Schneider: „Wir treffen bei der Elrob Jahr für Jahr auf die harte Realität. Die Bedingungen im sterilen Labor sind nicht mit den Hürden und Tücken am militärischen Übungsgelände zu vergleichen.“

Ziel hinter der langjährigen Entwicklungsarbeit ist der Schutz von Leib und Leben. Dafür könnten in Zukunft auch Roboter mit CBRNE-Sensorik und autonomen Assistenzfunktionen sorgen. Unbemannte Transporter könnten schon in wenigen Jahren humanitäre Hilfslieferungen in Krisengebiete durchführen. „Hier sind wir aber noch am Beginn“, bremst Schneider. „Im Gegensatz zum zivilen Bereich, findet das Militär im Einsatzraum keine geteerten Straßen mit gut sichtbaren Linien vor.“ Zukünftig wird die Elrob als Trilaterale Veranstaltung in Österreich, Deutschland und der Schweiz veranstaltet. Die nächste Elrob findet 2024 in Trier statt. 

The European Land Trail 2022

 

Mag. Anna Hlawatsch ist Redakteurin beim TRUPPENDIENST.

 

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