• Veröffentlichungsdatum: 22.08.2016
  • – Letztes Update: 25.08.2016

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Der Syrische Bürgerkrieg - Update 15 08 16

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Russlands Reaktion auf die Gegenoffensive auf Süd-Aleppo war die Verstärkung der Bombardements auf die vom IS gehaltenen Gebiete. (Foto: Russisches Verteidigungsministerium)
Russlands Reaktion auf die Gegenoffensive auf Süd-Aleppo war die Verstärkung der Bombardements auf die vom IS gehaltenen Gebiete. (Foto: Russisches Verteidigungsministerium)

Der Verlauf der Kämpfe im Nordwesten Syriens seit Mitte Juli zeigt vor allem, dass keine diplomatische Lösung des Syrischen Bürgerkrieges in Sicht ist. Einer der wichtigsten Gründe ist, dass die Großmächte USA und Russland weder willens noch im Stande sind, ihre lokalen Verbündeten dazu zu überreden.

Der Syrische Bürgerkrieg - Übersicht

Zuspitzung

Die USA, die schon seit Beginn dieses Konflikts keine Kontrolle über Handlungen Qatars hatten, sind unterdessen auf dem besten Weg auch die Kontrolle über Handlungen der Türkei und Saudi Arabiens in Syrien zu verlieren. Auf der anderen Seite, trotz offizieller Meldungen über Einstimmigkeit und Einheit, schafft es Moskau in keiner Weise Handlungen der Regimes in Damaskus und Teheran unter Kontrolle zu bekommen. Im Gegenteil: Gerade die russische Militärintervention ermutigte die Letzteren dazu, eine Fortführung des Krieges 'bis zum Endsieg' zu schwören.

Es überrascht daher nicht, dass im Juni und Juli die Kampfhandlungen in einem Großteil Syriens bedeutend an Intensität gewannen, und der am 28. Februar 2016 angekündigte Waffenstillstand nur noch in den Köpfen bestimmter mangelhaft informierter Politiker im Westen besteht.

Das Rennen um Aleppo

Wichtigstes Schlachtfeld im Syrischen Bürgerkrieg der letzten Monate bleibt der Verwaltungsbezirk Aleppo. Im Nordosten dieses Bezirks konnte das von den USA unterstützte PYD/YPG/SDF-Konglomerat seine zwei Monate lange Belagerung der von der IS gehaltenen Stadt Manbij am 15. August erfolgreich abschließen. Laut Angaben offizieller kurdischer Stellen, wurden dabei über 4.000 IS-Extremisten getötet, bei einem Eigenverlust von fast 300 kurdischen Kämpfern und arabischen Aufständischen. Den letzten 500 Extremisten wurde ein freies Geleit im Austausch für die Aufgabe der Stadt gewährt. Sie zogen sich in Richtung al-Bab zurück - einer rein sunnitischen Stadt weiter westlich, die auch zum Ziel der nächsten Offensive von PYD/YPG/SDF zu werden scheint.

Nordwestlich von al-Bab, wurde die Hawar Kilis OR der FSyA nach einer über einen Monat langen Pause wieder aktiv und griff am 14. August die von der IS gehaltene Stadt ar-Rai mit Unterstützung der türkischen Armee an. Bisher vorhandene Meldungen beschreiben eine eher langsame, deutlich methodischere Vorgangsweise als in den früheren drei Schlachten um diese Stadt.

Das Hauptschlachtfeld des Krieges bleibt aber die hart umkämpfte Stadt Aleppo. Auf Drängen aus Damaskus und Teheran, und entgegen den Wünschen Moskaus, entschieden sich die Kommandeure des al-Qods Expeditionskorps IRGC zu einer Großoffensive, die zur vollständigen Belagerung und - im weiteren Verlauf - einer Einnahme von Aleppo führen sollte.

Dieses Panorama-Bild der brennenden Zement-Fabrik im Süden von Aleppo steht symbolisch für neueste Entwicklungen auf den Schlachtfeldern des Syrischen Bürgerkrieges. Die Aufständischen schlugen eine Bresche durch den Belagerungsring der Loyalisten und der IRGC, vermochten es aber nicht, dieses schwer befestigte Objekt einzunehmen. (Foto: JAF)
Dieses Panorama-Bild der brennenden Zement-Fabrik im Süden von Aleppo steht symbolisch für neueste Entwicklungen auf den Schlachtfeldern des Syrischen Bürgerkrieges. Die Aufständischen schlugen eine Bresche durch den Belagerungsring der Loyalisten und der IRGC, vermochten es aber nicht, dieses schwer befestigte Objekt einzunehmen. (Foto: JAF)

Vorbereitungen

Dank vollkommen ungehinderter Unterstützung vor allem aus der Türkei und Qatar gingen Einheiten der JAF-Koalition in die Offensive auf Süd-Aleppo besser ausgerüstet und versorgt als jemals zuvor. Im Bild eine Kolonne der HNAZ-Kämpfer beim Vormarsch durch den Bezirk 3000. (Foto: HNAZ)
Dank vollkommen ungehinderter Unterstützung vor allem aus der Türkei und Qatar gingen Einheiten der JAF-Koalition in die Offensive auf Süd-Aleppo besser ausgerüstet und versorgt als jemals zuvor. Im Bild eine Kolonne der HNAZ-Kämpfer beim Vormarsch durch den Bezirk 3000. (Foto: HNAZ)

Schon die Vorbereitungen für diese Offensive erwiesen sich als äußerst kompliziert. Nur widerwillig willigte Russland auf eine 'indirekte' Unterstützung für dieses Unternehmen ein - vor allem mittels Luftangriffen ihrer Luftstreitkräfte (VKS) auf zivile Bevölkerung sowie Kommunikationsverbindungen der Aufständischen im westlichen Teil des Verwaltungsbezirks Aleppo und im Osten der Stadt.

Russische Kommandeure setzten diese politische Entscheidung seither hartnäckig durch: Egal was auf den Schlachtfeldern passiert, ihre Kampfflugzeuge greifen dort nicht ein. Sie bombardieren lediglich Ziele kilometerweit hinter den Frontlinien. Dazu kam es zu beträchtlichen Unstimmigkeiten zwischen den offiziell Verbündeten. Das für den Angriff ausgesuchte Gebiet nördlich von Aleppo wird von den Einheiten der Syrischen Hisbollah-Miliz, unterstützt durch die von der IRGC geführten Schiitischen Milizen aus dem Irak und der PFLP-GC kontrolliert, während Damaskus aus propagandistischen Gründen auf einer Beteiligung seiner Privatmiliz 'Tiger Streitkraft' und der Commando Brigade der Ba'ath Partei insistierte.

Da regimetreue Medien noch immer an der Legende über die Existenz einer 'Syrisch Arabischen Armee' beharren, während viele irakische und syrische Schiiten eigentlich einen 'Krieg gegen die Ba'ath und Sunnis' in Syrien führen wollen, können sich diese verschiedenen Parteien kaum ausstehen. Es war daher wenig überraschend, als es im Vorfeld der Großoffensive - vor allem am 15. und 16. Juni - wiederholt zu Kampfhandlungen zwischen ihnen kam, die zahlreiche Opfer forderten. Nur eine Intervention der obersten russischen und der IRGC Militärführung in Syrien verhinderte einen vollkommenen Zusammenbruch der Allianz.

Juli-Offensive

Die Großoffensive konnte schließlich am 25. Juni durch einen Angriff auf das Gebiet der so genannten 'Mallah Farms' gestartet werden, kam aber trotz heftigster Artillerieunterstützung nur sehr schleppend voran. Es erforderte einen Einsatz von vier zusätzlichen Brigaden irakischer Schiiten, vor allem aber einen Angriff der kurdischen YPG-Miliz im Norden der Stadt Aleppo, um die Aufständischen der FH am 27. Juli 2016 zu zwingen, ihre Stellungen zu räumen.

Während somit das Schicksal der etwa 20.000 umzingelten Aufständischen und rund 200.000 Zivilisten, die im Osten Aleppos ausharren, entschieden zu sein schien, kam es anders. Kaum 24 Stunden später - und infolge monatelanger Verhandlungen, wie auch immensen Drucks durch Unterhändler aus Qatar und der Türkei - kündigte JAN ein Ende ihrer Beziehungen zur al-Qaida sowie eine Änderung ihrer Bezeichnung zu Jabhat Fateh ash-Sham (Front zur Eroberung der Levante, JFS) an.

Wenige Minuten nachdem eine entsprechende Meldung veröffentlicht wurde, ließ die Türkei zahlreiche Konvois mit großen Mengen an Munition, Proviant, wie auch Hunderte Freiwillige über die Grenze nach Syrien hinein. Ob absichtlich oder durch Mangel an Aufklärung, vermochten weder die VKS noch die Syrisch Arabische Luftwaffe (SyAAF) dieses massive Unternehmen auch nur im Geringsten zu stören.

Im Gegenteil, nicht nur die frisch umbenannte JFS, vor allem die zur Jaysh al-Fateh Koalition (JAF) zusammengeschlossenen Einheiten der AAS, HNAZ, FASH, Ajnad ash-Sham und der Zentralen Division FSyA wurden somit bedeutend verstärkt und setzten zu einem Gegenangriff an.

JAF-Koalition

Während offizielle syrische und russische Quellen von den ‘heftigsten Luftangriffen in diesem Krieg’ sprechen, treffen diese nur selten die Frontlinien. Aus diesem Grund bleibt die JAF-Koalition im Stande, selbst größere mechanisierte Einheiten frei auf dem Schlachtfeld zu bewegen. Im Bild ein T-72  Kampfpanzer und mehrere BMP-1 Schützenpanzer der AAS beim Ansetzen zum Angriff auf Ramousseh. (Foto: AAS)
Während offizielle syrische und russische Quellen von den ‘heftigsten Luftangriffen in diesem Krieg’ sprechen, treffen diese nur selten die Frontlinien. Aus diesem Grund bleibt die JAF-Koalition im Stande, selbst größere mechanisierte Einheiten frei auf dem Schlachtfeld zu bewegen. Im Bild ein T-72 Kampfpanzer und mehrere BMP-1 Schützenpanzer der AAS beim Ansetzen zum Angriff auf Ramousseh. (Foto: AAS)

Die JAF Koalition - die im März dieses Jahres zerfiel, seither auf Drängen der Türkei aber neu aufgebaut wurde - plante schon seit Monaten eine Großoffensive im Süden des Verwaltungsbezirks Aleppo. Zu diesem Zweck unternahm sie auch mehrere erfolgreiche Angriffe im Gebiet zwischen Khan Touman und al-Eis.

Ursprünglich hatte diese Operation eine Zerschlagung der IRGC-Einheiten in diesem Teil Syriens sowie die Einkesselung von West- und Nord-Aleppo zum Ziel. Der IRGC-Erfolg bei den Mallah Farmen vom 27. Juli zwang die JAF-Kommandeure aber zu einem Wechsel der Angriffsrichtung nach Norden. Wissend, dass sie einen gut eingegrabenen Gegner in einem leicht zu verteidigenden Gebiet angreifen werden, konzentrierten sie insgesamt 5.000 Aufständische und Jihadisten auf einem kaum fünf Kilometer breiten Frontstreifen, unterstützt durch mehr als 60 Kampf- und Schützenpanzer und fast 200 Geschütze und Mörser. Sie erwarteten eine Schlacht, die über einen Monat lang dauern würde. Die JAF-Offensive begann am 31. Juli und traf einen von lediglich zwei schwachen Regimentern der NDF gehaltenen Sektor, die von einem Regiment der Hisbollah/Syrien, und der Fatimioun Brigade (Afghanische Hazaras) der IRGC unterstützt wurden.

Schon der Artillerieüberfall verursachte eine panikartige Flucht der NDF. Auf sich alleine gestellt, wurden Hisbollah- und IRGC-Stellungen schon bis zum Morgen des 1. August überrannt. Mehrere, hastig durch die Tiger-Streitkraft und al-Qods al-Filistini unternommene Gegenangriffe waren kontraproduktiv, denn sie schwächten weiter die Verteidigungslinien der IRGC.

Am 3. August starteten FH-Einheiten einen Ausfallangriff von innerhalb des Belagerungsringes und 24 Stunden später schafften es sie und die JAF nicht nur die Bezirke Ramousseh, 1070 und 3000 einzunehmen, sondern auch die zu Festungen ausgebaute Artillerieschule und die Technische Schule der Luftwaffe zu besetzen. Durch das Erkämpfen eines etwa 2.200 m breiten Korridors konnte somit die Belagerung Aleppos aufgehoben werden. Tatsächlich waren IRGC- sowie Einheiten der Loyalisten im Raum Nord- und West-Aleppo sowie etwa 1.000.000 dort lebende Zivilisten einer Belagerung ausgesetzt.

Die in der Artillerie-Schule und deren Umgebung erbeuteten Panzer wurden prompt von Aufständischen und Jihadisten zum Einsatz gebracht. Hier ein T-55, der seither in Diensten der JFS steht. (Foto: JFS)
Die in der Artillerie-Schule und deren Umgebung erbeuteten Panzer wurden prompt von Aufständischen und Jihadisten zum Einsatz gebracht. Hier ein T-55, der seither in Diensten der JFS steht. (Foto: JFS)
Auch die Aufständischen der FH-Koalition – die Ost-Aleppo kontrolliert – sind an der Offensive in Südaleppo beteiligt. Trotz fast zweimonatiger Belagerung sind einige ihrer Einheiten immer noch im Stande, auch T-62-Kampfpanzer zum Einsatz zu bringen. (Foto: FKU)
Auch die Aufständischen der FH-Koalition – die Ost-Aleppo kontrolliert – sind an der Offensive in Südaleppo beteiligt. Trotz fast zweimonatiger Belagerung sind einige ihrer Einheiten immer noch im Stande, auch T-62-Kampfpanzer zum Einsatz zu bringen. (Foto: FKU)

Der weitere Verlauf der JAF-Offensive war weniger erfolgreich. Ein tagelanger Versuch den Korridor durch Angriffe auf den Bezirk Hamadaniya (Nord-Westen) und die Zementfabrik (Osten) wurde am 14. August infolge heftiger Verteidigung durch weitere, eiligst aus dem Irak eingeflogene Milizen irakischer Schiiten gestoppt. Unterdessen schaffte es die IRGC auch eine neue Versorgungsroute für West-Aleppo, um den von Aufständischen gehaltenen Osten und Norden der Stadt herum, zu konstruieren. Nichtsdestoweniger erreichten die Preise für Nahrungsmittel und Treibstoff in West-Aleppo unterdessen das Zehnfache des Standes von Mitte Juni.

Diese Schlacht verursachte schwere Verluste auf beiden Seiten. Trotz Mangel an offiziellen Meldungen, konnten unabhängige Stellen bis 15. August den Tod von 548 IRGC- und syrischen Kämpfern wie auch von 898 Aufständischen und Jihadisten der JAF bestätigen. Gemessen an der Gesamtstärke beider Seiten, stellt dies mehr als 10 Prozent aller beteiligten Kämpfer dar.

Die materiellen Verluste beider Seiten sind ebenfalls beträchtlich. Visuell dokumentiert ist bisher ein Verlust an mindestens 13 Kampfpanzern, 11 Schützenpanzern und mehr als 30 anderen Fahrzeugen der IRGC und der Loyalisten, wie auch 8 Kampfpanzer, 7 Schützenpanzer, und mehr als 20 andere Fahrzeuge der JAF. Zusätzlich dazu verlor die VKS einen Mil Mi-8 Kampfhubschrauber, der bei einem Flug ins (fast) umklammerte West-Aleppo am 1. August nahe der Stadt Sarqib durch Bodenbeschuss getroffen wurde.

Probleme der Luftwaffen

Ein Su-24-Flugzeug der russischen Luftwaffe beim Landeanflug auf den russischen Luftwaffenstützpunkt in Latakia. (Foto: Ministry of Defence of the Russian Federation/www.mil.ru)
Ein Su-24-Kampfflugzeug der russischen Luftwaffe beim Landeanflug auf den russischen Luftwaffenstützpunkt in Latakia. (Foto: Ministry of Defence of the Russian Federation/www.mil.ru)

Dies war schon der siebente VKS-Hubschrauber, der in Syrien verloren ging. Am 23. November 2015 wurde eine Mi-8 bei der Suche nach der Crew der durch türkische F-16 Jagdbomber abgeschossene Sukhoi Su-24M durch Bodenbeschuss vernichtet. Am 14. Mai 2016 führte ein durch Unachtsamkeit russischer Bodenbesatzungen verursachter Großbrand auf dem Stützpunkt Tiyas (im Westen als 'T.4' bekannt) in Zentral-Syrien zum Verlust von vier Kamov Ka-52 Kampfhubschraubern.

Schließlich wurde ein russischer Mi-35 Kampfhubschrauber am 9. Juli östlich von Homs abgeschossen, als er versuchte, eine lokale IS-Offensive abzuwehren, die ein Bataillon der SSNP zerschlug und zum Verlust von nicht weniger als einem T-62 und acht T-55 Kampfpanzern, vier BMP-1 Schützenpanzern und beträchtlichen Vorräten an Munition führte. Hinzu kommt, dass SyAAF ebenfalls eine Reihe an schmerzlichen Verlusten erlitt. Am 19. Juni stürzte eine MiG-21 in Hama-Stadt ab, wobei ihr Pilot umkam.

Mittlerweile schaffte es die Ost-Ghouta haltende JAI mit Hilfe Saudi Arabiens eines von insgesamt fünf noch im Dezember 2012 und Jänner 2013 intakt erbeutete SA-8 FlaRak Systeme wieder einsatzbereit zu machen (VKS meldete zwei von diesen als zerstört: je eines am 15. Oktober und am 27. Dezember 2015). Dieses schoss am 27. Juni östlich Damaskus eine Mi-8 und eine MiG-23BN ab. Weniger als eine Woche später, am 2. Juli, stürzte eine Sukhoi Su-22M-4K nahe des Luftwaffenstützpunktes as-Sien (im Westen als 'Tsaykal' bekannt) ab, während eine Mi-25 von einer SA-8 der JAI abgeschossen wurde. Am 4. Juli, verlor die SyAAF eine weitere Mi-8 durch JAI in Ost-Ghouta, und einen Tag später stürzte noch eine MiG-23ML unweit as-Sein ab. Schließlich wurde am 14. Juli eine MiG-21 über Dayr az-Zawr durch die IS abgeschossen; eine MiG-23ML stürzte am 29. Juli ab, und ein weiterer Mi-8 Hubschrauber stürzte am 10. August nahe Khan Nassir ab. So gut wie alle der involvierten Piloten und Besatzungsmitglieder sind dabei umgekommen.

Ein kumulativer Effekt derartiger Verluste ist unausweichlich. Die Syrische Luftwaffe, die schon im Juni kaum noch 40 Kampfeinsätze am Tag fliegen konnte, schafft unterdessen nur noch etwa 30 am Tag. Moskaus Versuch Ende Juli die Situation durch eine Lieferung von acht Su-24M2s an Damaskus zu verbessern, hörte sich vielversprechend an, brachte aber wenig Verbesserung der Situation. Dieser Typ ist deutlich komplexer und teurer zu unterhalten und zu fliegen als MiG-21, MiG-23 und Su-22, die bei SyAAF schon seit mehr als 30 Jahren im Einsatz sind, und ist weniger der taktischen Lage in Syrien und der bisherigen Taktik der SyAAF angepasst.

Ebenso wichtig ist die Tatsache, dass Moskau es versuchte, den Umfang seiner Operationen in Syrien etwas zu verringern. Ende Juni dieses Jahres wurde die Anzahl der in Syrien stationierten Flugzeuge verringert - auf insgesamt 4 Su-35 (statt bisher 8), 4 (statt 8-12) Su-34, 4 Su-30 und 12 Su-24.

Die russische Luftwaffe reagierte auf die Gegenoffensive mit vermehrten Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung in den von Aufständischen gehaltenen Teilen der Verwaltungsbezirke Aleppo und Idlib. Unter anderem wurden dabei mehrfach Brand- und Streu-Bomben gegen dicht bevölkerte Stadtgebiete, Spitäler und Märkte eingesetzt. Im Bild brennende Teile der Stadt Idlib. (Foto:  via R.S.)
Die russische Luftwaffe reagierte auf die Gegenoffensive mit vermehrten Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung in den von Aufständischen gehaltenen Teilen der Verwaltungsbezirke Aleppo und Idlib. Unter anderem wurden dabei mehrfach Brand- und Streu-Bomben gegen dicht bevölkerte Stadtgebiete, Spitäler und Märkte eingesetzt. Im Bild brennende Teile der Stadt Idlib. (Foto: via R.S.)

Stattdessen fühlte sich Russland zu einer erneuten Intensivierung seiner Intervention gezwungen. Unerklärlicherweise geschah dies in einer Form, die mit der militärischen Lage um Aleppo, Damaskus und Homs gar nicht in Verbindung steht. Anstatt zumindest so wie bisher zusätzliche taktische Jagdbomber auf den Luftwaffenstützpunkt Hmemmem nahe Latakia zu verlegen, intensivierte VKS die Operationen der von Mozdok aus operierenden Tu-22M-3 Bomber.

Welchen Zweck dies genau erfüllen sollte, bleibt schleierhaft: Während russische Medien grandiose Meldungen über Luftangriffe auf IS verbreiten, bombardierten mindestens zwei der am Angriff vom 11. Juli beteiligten Tu-22M-3 ein Flüchtlingscamp in der Wüste Südost Syriens, wo fast 50.000 Bürger von Palmyra zusammengepfercht sind, denen jordanische Behörden eine Einreise verwehren. Dabei kamen Duzende Zivilisten um. Genaue Ziele die am 8. August (sechs Bomber), 11. August (sechs Bomber), 14. August (zwei Bomber), und am 16. August (sechs von Iran aus operierende Tu-22M-3) getroffen werden sollten, bleiben ebenfalls unbekannt. Bekannt geworden ist nur, dass der Bombenteppich welcher die Stadt Rakka am 11. August traf, eine Spur der Verwüstung und über 50 Tote Zivilisten hinterließ.

Sicher ist daher nur Eines: Keiner dieser Angriffe führte zu irgendeiner Erleichterung für russische Verbündete in Syrien oder einer Verbesserung der allgemeinen Lage aus der Sicht Moskaus - und somit ist auch ein 'rascher Abschluss' der russischen Militärintervention weiterhin nicht in Sicht.

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