• Veröffentlichungsdatum: 17.01.2022

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"Der Oberst ist auch ein Verkäufer"

Anna Hlawatsch

Welche Erwartungen hat Oberst Karl Schifflhuber, Leiter des Checkpoints Mariahilfer Straße, an den Rekrutierungsstützpunkt und wie sieht der Alltag eines Wehrdienstberaters aus? TRUPPENDIENST-Redakteurin Anna Hlawatsch traf ihn zum Interview. 

Anna Hlawatsch: Was ist das Ziel dieser Einrichtung? 

Karl Schifflhuber: Der Checkpoint Mariahilfer Straße ist eine Beratungs- und Rekrutierungsstelle, die Interessierten die Möglichkeit bietet, sich über eine Laufbahn beim Österreichischen Bundesheer zu informieren. Die Karrieremöglichkeiten sind sehr individuell. Von einer Einstiegsmöglichkeit als Lehrling bis zum Berufsoffizier bietet das Bundesheer zahlreiche Chancen. Wir beantworten im Checkpoint aber auch Fragen, die im Umfeld der Stellung oder des Einberufungstermines zum Grundwehrdienst auftreten. 

Hlawatsch: Warum hat man sich für das Projekt eingesetzt?

Schifflhuber: Wir wollen junge Leute ansprechen, nicht nur jene, für die eine Karriere beim Bundesheer sowieso klar ist. Wir wollen auch jene erreichen, die nach der Schule orientierungslos sind und einen Job oder eine Lehrstelle suchen. Aus diesem Grund sind wir auch bei jeder Berufs- und Studienmesse in Österreich vertreten. Hier auf der Mariahilfer Straße treffen wir ebenso auf unsere Zielgruppe, und deshalb freue ich mich, dass dieses Projekt umgesetzt wurde.  

Hlawatsch: Der Checkpoint ist seit dem 15. September 2021 eröffnet, welche Erwartungen haben Sie?

Schifflhuber: Ich hoffe, dass uns Interessierte noch besser erreichen können und dass allen, die sich für eine Karriere beim Bundesheer interessieren –  selbst wenn es nur ein flüchtiger Gedanke ist – die Angst genommen wird, hereinzukommen. 

Hlawatsch: Wie waren die ersten Tage?

Schifflhuber: Durch die mediale Kommunikation, dass es sich beim Checkpoint um einen Flagship-Store handelt, bei dem man verschiedene Militärprodukte kaufen kann, hatten wir viele Besucher, die einen Army-Shop gesucht haben. Natürlich hatten wir auch Beratungsgespräche. 

Hlawatsch: Gibt es einen Unterschied zwischen dem Checkpoint auf der Mariahilfer Straße und der Wehrdienstberatung in Wien-Stammersdorf?

Schifflhuber: Grundsätzlich unterscheidet sich die Beratung auf der Mariahilfer Straße nicht von jener in Stammersdorf oder Salzburg, mit der Ausnahme, dass wir näher an der Zielgruppe sind. 

Hlawatsch: Wie sieht der Tag eines Wehrdienstberaters aus?

Schifflhuber: Unsere Öffnungszeiten orientieren sich an denen der umliegenden Geschäfte, sprich Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr. Für die Wehrdienstberater bedeutet das, dass die Routinearbeit zwischen 7 bis 10 Uhr passieren sollte. Ziel ist es, dass zumindest zwei Wehrdienstberater im Checkpoint sind und ihrer Beratungstätigkeit nachkommen. Wir holen uns Interessierte, die sich mit uns Termine ausgemacht haben, bewusst hierher. 

 

Hlawatsch: Wie sieht die Arbeitseinteilung aus, überspitzt gefragt, ist der Oberst ein Verkäufer der Bundesheer-Karriere?

Schifflhuber: Der Oberst ist genau wie alle anderen ein solcher Verkäufer. Wir wechseln uns aber im Team ab. Das bedeutet, dass Kollegen aus ganz Österreich hier ihren Dienst versehen. Grundsätzlich stammt aber immer ein Kollege aus Wien. 

Hlawatsch: Wie läuft ein Beratungsgespräch ab?

Schifflhuber: Zuerst werden die Interessen und mögliche, bereits erfüllte Voraussetzungen für den Karrierestart,
wie die Matura oder die Pflichtschulreife, erhoben. Danach folgt die Ermittlung der Karrierevorstellungen, etwa ob eine Unteroffiziers- oder Offizierslaufbahn angestrebt wird oder ob es konkrete Vorstellungen gibt, z. B. der Traum vom Militärpiloten. Spannend ist, ob die Interessierten bereit sind, einen anderen Weg einzuschlagen, sollte sich die Wunschvorstellung nicht umsetzen lassen. Natürlich helfen wir auch dabei, eine Lehrstelle zu finden. Anhand der Bewerbungsunterlagen wird der weitere Ablauf besprochen. Bei der Unteroffiziers- bzw. Offiziersausbildung ist der Einstieg in das Bundesheer gleich. Zuerst muss die Kaderanwärterausbildung 1 durchlaufen werden, die immer im September startet. Vorgestaffelt ist eine Eignungsprüfung abzulegen. Abschließend werden noch einmal alle Details, etwa zur sportlichen Vorbereitung, besprochen und auch welche Unterlagen nachzureichen sind. Die Gespräche dauern etwa eine dreiviertel Stunde.

Hlawatsch: Wann ist der Checkpoint für Sie als Erfolg anzusehen? 

Schifflhuber: Bisher gab es noch keinen derartigen Stützpunkt, es ist daher schwer, den Erfolg mit einer Zahl zu begründen. Aber ich sehe das Projekt als erfolgreich an, wenn die zwei Wehrdienstberater, die täglich im Einsatz sind, ständig Gespräche führen. 

Hlawatsch: Bleibt das „Mariahilfer“-Projekt ein Sonderformat?

Schifflhuber: Die Idee ist da, sie war immer da, das war die erste Umsetzung. Wenn das Projekt erfolgreich ist, soll es auch in anderen Städten zentralere Stützpunkte für Beratungen geben. Konkrete Ideen gibt es allerdings noch nicht.

Mag. Anna Hlawatsch, Redakteurin beim Truppendienst.

 

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