• Veröffentlichungsdatum: 21.03.2016
  • – Letztes Update: 12.01.2017

  • 1 Min -
  • 1 Wörter

Der gesicherte Fußmarsch - Techniken und Anwendung (Teil 1)

Major Markus Ziegler

(Foto: ÖBH, Filzwieser)
(Foto: ÖBH, Filzwieser)

Körperliche Leistungsfähigkeit und Durchhaltewille sind charakteristische Eigenschaften jedes Soldaten und die Grundlage für seine Beweglichkeit. Diese sind deshalb so bedeutend, da der Soldat zuerst an den Ort gelangen muss, an dem er seine Aufträge ausführt. Er muss sich sowohl in nahezu jedem Gelände bewegen können, als auch kampfkräftig und ohne Verluste am Einsatzort ankommen. Um das sicherzustellen, ist es für jede Truppe - nicht nur für den Infanteristen - notwendig, den gesicherten Fußmarsch zu beherrschen. Dieser ist die Basis für die Auftragserfüllung auf dem Gefechtsfeld und die Voraussetzung für den Erfolg in den einzelnen Aktions- und Einsatzarten.

Marsch

Der Marsch kann als Fußmarsch, motorisierter Marsch (Motmarsch), Seemarsch oder Luftmarsch erfolgen. Als Verfahren zur Sicherstellung des Einsatzes wird er in jedem Szenario und in jeder Einsatzart angewandt. Welche Art des Marsches gewählt wird, hängt vom Gelände sowie von der Lage der Konfliktparteien ab. Je höher die Bedrohung, desto mehr muss auf die Sicherung Wert gelegt werden. Der dem Marsch zugrunde liegende Auftrag muss auch unter Inkaufnahme eines größeren Risikos immer zeitgerecht erfüllt werden. In diesem Artikel wird der gesicherte Fußmarsch am Beispiel der Ebenen Gruppe und Zug dargestellt. Er bezieht sich auf infanteristische Gefechtstechniken, die vor allem bei der Jägertruppe ihre Anwendung finden.

Marschsicherung

Art des Marsches und der Marschsicherung. (Grafik: Ziegler, Montage: Rizzardi)
Art des Marsches und der Marschsicherung. (Grafik: Ziegler, Montage: Rizzardi)

Vor einer marschierenden Truppe wird von ihrer taktisch übergeordneten Ebene immer eine zeitlich vorgestaffelte Aufklärung eingesetzt. Daraus ergibt sich, dass ein möglicher Gegner zum Errichten eines Hinterhaltes nur über den Zeitraum verfügt, der zwischen dem Passieren der eigenen Aufklärung und dem Eintreffen der Marschspitze liegt.

Der Marsch erfolgt so lange wie möglich motorisiert, wobei dort das Schwergewicht in den Bereichen Geschwindigkeit und Kampfkrafterhaltung liegt. Aufgrund von Einsatzerfahrungen fremder Armeen sowie bei Betrachtung der Taktiklagen des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) marschiert die Infanterie im Normfall maximal zehn Kilometer im Fußmarsch. Das ist auch die Strecke, welche bei der praktischen Ausbildung dieses Themas zurückzulegen ist.

Vom Motmarsch zum Fußmarsch

Folgende zwei Fälle machen es notwendig, in den Fußmarsch überzugehen:

  • Das Gelände lässt einen Motmarsch nicht zu. Beispiel: Zum Gewinnen eines Gefechtsstreifens zur Verteidigung ist als einzige Bewegungslinie ein Fußweg verfügbar.
  • Der Kommandant beurteilt, dass die Bedrohung aufgrund der Feindlage und des Geländes zu hoch ist, um weiter aufgesessen vorzugehen.

Zur Beurteilung, wann bedrohungsbedingt vom Motmarsch in den Fußmarsch gewechselt wird, ist die Fahrzeugausstattung bedeutend. Eine Truppe auf ungepanzerten Fahrzeugen wird früher absitzen als jene, die über Fahrzeuge verfügt, die einen frontalen Beschuss bis zum Kaliber 30 mm standhalten und mit ihrer Bordbewaffnung unverzüglich das Feuer erwidern können.

Wegwahl und Geländeausnutzung

Wenn davon ausgegangen wird, dass die Bedrohungslage auf dem Weg zu Überraschungen durch den Gegner und somit zu eigenen Verlusten führt, darf auch der Fußmarsch der Spitzenkräfte (am Anfang der Marschkolonne) nicht auf dem Weg erfolgen. Diese marschieren dann in Anlehnung an den Marschweg im Gelände und gewinnen jene Geländekammern, von denen aus auf die Bewegungslinie gewirkt werden kann. Räume, aus denen der Gegner Hinterhalte auf den Marschweg (Bewegungslinie) durchführen kann, müssen durch eigene Kräfte gewonnen werden, bevor die Masse der eigenen Kräfte auf dem Weg marschiert.

Dadurch behält die Truppe die Initiative und ist in der Lage, den Gegner zu überraschen und zur Reaktion zu zwingen, anstatt sich von ihm überraschen zu lassen. Bezogen auf den gesicherten Marsch bedeutet das: Elemente, die zur Sicherung eingesetzt werden (Spitzengruppe, Seitensicherung), sollen einen Gegner, der beispielsweise einen Hinterhalt durchführen will, in der Flanke oder im Rücken überraschen. Diese Art des Vorgehens kann geländeabhängig gruppen- bis kompaniestarke Kräfte binden. Nachfolgende Kräfte der Kompanie und übergeordneter Ebenen können sich direkt auf der Bewegungslinie sowohl im Fuß- als auch im Motmarsch bewegen.

Gefechtstechniken

Als Voraussetzung für den gesicherten Marsch im Zugsrahmen müssen die Gruppen folgende Gefechtstechniken und Standardsituationen drillmäßig
beherrschen:

  • Gefechtsformen;
  • Verhalten als Spitzengruppe, Seitensicherung und Nachspitze;
  • Verhalten bei (Überwinden von) gefährlichen Geländeteilen;
  • Personenkontrolle;
  • Verhalten bei Sperre/IED;
  • Verhalten bei Feind/Gegner.

Beherrschen die Gruppen diese Verfahren auf ihrer Ebene, kann der Zugskommandant seine Gefechtstechniken anwenden.

Gefechtsformen der Gruppe

Eine Jägergruppe bewegt sich im gesicherten Fußmarsch im Gelände. (Foto: ÖBH, Filzwieser)
Eine Jägergruppe bewegt sich im gesicherten Fußmarsch im Gelände. (Foto: ÖBH, Filzwieser)

Diese sind

  • die Schützenreihe,
  • die Schützenkette und
  • der Schützenigel.

Sie stellen die Grundlage für jede Handlung auf dem Gefechtsfeld dar. Gefechtsformen sind die Voraussetzung für die Geländeausnützung, das überschlagende Vorgehen und den Feuerkampf aus der Bewegung.



Wesen und Wirkung
Gefechtsformen sind eine Gefechtstechnik, die aufgrund einer Lagebeurteilung eingenommen werden. Sie erlauben es dem Kommandanten, die Gruppe mit einem Handzeichen der Breite oder der Tiefe nach zu entwickeln. Sie sind dem Gelände anzupassen und werden in jeder Einsatzart und jedem Verfahren zur Sicherstellung des Einsatzes benötigt. Gefechtsformen stellen das „Einmaleins“ der Gefechtstechnik jeder Führungsebene (Gruppe bis Kompanie) und jeder Einsatzart dar.

Die vorschriftsmäßigen Abstände (acht Schritte) sind die optimale Lösung zum Schutz vor gegnerischer Waffenwirkung oder Kampfmitteln, bei gleichzeitigem Erhalt der Führungsfähigkeit und des Zusammenwirkens der Gruppe. Jede Halbierung der Abstände verdoppelt die Anzahl der Soldaten, die sich im tödlichen Wirkungsbereich befinden. Reduzieren sich die Abstände auf vier Schritte, befinden sich zwischen drei und vier Schützen im tödlichen Wirkungsbereich - verringern sie sich auf zwei Schritte, ist es die gesamte Gruppe. Ein zusätzlicher wichtiger Aspekt: Zusammenrottungen ziehen Feuer auf sich! Waffensysteme, die vornehmlich im offenen Gelände zur Wirkung kommen, zwingen dazu, die Gefechtsabstände zu vergrößern, sobald man sich dort befindet.

Im offenen Gelände ist eine Vergrößerung der Abstände auch möglich, ohne die Führungsfähigkeit und das Zusammenwirken der Kräfte zu verlieren. Ein Beispiel zur Verdeutlichung der Auswirkung von Fehlbeurteilungen: Ein Zug, der mit reduzierten Abständen im offenen Gelände marschiert (sowohl innerhalb der Gruppen als auch zwischen diesen), kann aufgrund seiner kleinen Zielfläche, nach gleichzeitiger Feuereröffnung durch einen gegnerischen Zug mit schweren Waffen (Granatmaschinenwaffen, Maschinenkanonen, Panzerkanonen, Steilfeuerwaffen im direkten Richten), mit einem Schlag vernichtet werden. Somit dürfen die Abstände innerhalb der Gruppen nur wegen extrem dicht gewachsenem Buschwerk mit Sichtweiten unter acht Schritten verringert werden. Nur so bleibt hier die Verbindung und der Kräftezusammenhalt gewahrt. Diese Abstände sind ebenfalls bei der Bedienung von Truppwaffen einzuhalten, da der Trupp erst in der Feuerstellung gemeinsam eingesetzt wird.

Schlussfolgerungen

Eine Truppe, die die Gefechtsformen nicht drillmäßig beherrscht, ist nicht einsatzbereit! Die Schützenkette ist jene Gefechtsform, die es der Gruppe ermöglicht, sich im überschlagenden Vorgehen (auch mit Feuer und Bewegung) an den Gegner heranzuarbeiten bzw. sich von ihm in gleicher Art zu lösen. Truppen, die ihre Waffen, Munition und Ausrüstung wegen mangelnder körperlicher Leistungsfähigkeit nicht transportieren können, sind nicht einsatzfähig.

Wirkungsradien und Gefechtsabstände

Waffe

Wirkung

Folgerung

Gewehrgranate,
Granatmaschinenwaffen,  Offensivhandgranate
und Maschinenkanone

Tödlicher
Splitterradius:
5 m
Ein bis zwei Schützen im tödlichen Bereich.
(Abstand: acht Schritte)
Schützenmine   

Auf den Auslöser: 30° (Splitter haben in 5 m
Entfernung 2 m Höhe)  

Der Auslöser ist im
tödlichen Bereich.
(Abstand: acht Schritte)

Maschinengewehr    Feuerstöße  
Ein Schütze ist getroffen, der Rest hat sich vor dem
zweiten Feuerstoß gedeckt. (Abstand: acht Schritte)
Panzerkanone
Durchmesser der
Wirkungsfläche:
30 m   

Abstände 10 m:
Drei Schützen in der
Wirkungsfläche.
Artillerie

Kleine Zielfläche:
100 x 100 m    


Abstände 10 m:
Maximal eine Grp des
Zuges in der Zielfläche.

Bewaffnung, Munition und Gliederung

MG-Munition wird in der kleinen Außentasche verstaut. (Foto: Ziegler)
MG-Munition wird in der kleinen Außentasche verstaut. (Foto: Ziegler)

Die Ausrüstung der Jägergruppe umfasst zurzeit grundsätzlich folgende Waffen und Kampfmittel:

  • 7 Sturmgewehre;
  • 1 Maschinengewehr mit Lafette;
  • 1 Panzerabwehrrohr (PAR);
  • 1 Granatgewehr;
  • 1 Zündgerätesatz/Gruppe;
  • Richtsplitterladungen und Handgranaten, die vom Zugs- und Kompaniekommandanten aufgeteilt werden.

Für den Einsatz ist nicht nur die Bewaffnung, sondern auch die dazugehörige Munition - die beim gesicherten Fußmarsch mitzutragen ist - wesentlich. Eine wichtige Beurteilungsgrundlage ist, ob direkt aus dem Fußmarsch in eine Einsatzart übergegangen wird, oder nach dessen Beendigung noch Versorgungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Wird beispielsweise eine Riegelstellung bezogen, in der bereits unmittelbar nach dem Beziehen mit Feind gerechnet wird, muss die gesamte Bewaffnung inklusive der benötigten Munition mitgetragen werden. Ansonsten wäre hier die erfolgreiche Auftragserfüllung gefährdet.

Um die Bewaffnung, Munitions- und Kampfmittelmenge transportieren zu können und trotzdem gesichert zu marschieren, haben sich am Institut Jäger folgende Maßnahmen bezüglich der Packordnung bewährt:

(Foto: Ziegler)
  • Im Rucksack befindet sich nur die Nässeschutzausrüstung (witterungsbedingt die Kälteschutzausrüstung) sowie die für die Einsatzdauer benötigte Verpflegung und Trinkwasser. Der restliche Stauraum des Rucksackes wird mit Munition, Kampfmitteln und Waffenzubehör befüllt.
  • Zum Transport der PAR-Munition wird ein Doppelbehälter im Rucksack versorgt, der zweite an der Rückseite festgezurrt. Gurte, wie sie bei Heeres-Kfz zur Ladungssicherung verwendet werden, sind dafür gut geeignet. Der Munitionsbehälter kann so ohne weitere Vorbereitungen rasch geöffnet werden. Um zur Munition im Gepäck zu gelangen, ist nur der Rucksackdeckel zu öffnen.
  • Das PAR wird wie der zweite Doppelbehälter außen am Rucksack mit Zurrgurten befestigt. Bei dieser Trageweise des PAR und der Munition, kann der Schütze ungehindert sein Sturmgewehr bedienen und somit sogar als Nahsicherer eingeteilt werden.
  • Das MG kann wie das PAR außen auf den Rucksack aufgeschnallt und die Munition im Rucksack versorgt werden. Im Infanteriegelände ist es bei Kampfentfernungen bis ca. 70 m
  • erfolgversprechender das StG einzusetzen, als das MG. Darüber hinaus erfordert der Einsatz des Maschinengewehrs die Geländebeurteilung sowie Befehlsgebung durch den Kommandanten. Dadurch hat der
  • MG-Trupp Zeit, um seine Waffe einsatzbereit zu machen. Der MG-Schütze selbst kann bis zu 200 Schuss in den Gurtbehältern oder in Gurten zu 50 Schuss in der kleinen Außentasche transportieren. Deshalb ist es ausreichend, den MG-Schützen erst in der Feuerstellung mit weiterer Munition zu versorgen. Bis dahin können die Schützen mit MG-Munition auch ihre StG uneingeschränkt bedienen.
  • Wird die Gefechtsform gewechselt, ist es wesentlich, dass schwere Waffen und Munition in einer Gruppenhälfte bleiben. Niemals darf die gesamte Munition einer schweren Waffe von beiden Nahsicherern getragen werden. Würden sie ausfallen oder niedergehalten, wäre diese Waffe nicht einsetzbar, da sie über keine Munition verfügt.
Ein Schütze mit aufgeschnalltem Maschinengewehr sichert das Gelände während eines Marschhaltes.(Foto: Planer)
Ein Schütze mit aufgeschnalltem Maschinengewehr sichert das Gelände während eines Marschhaltes.(Foto: Planer)

Beurteilung der Lage und Gefechtsform

Die Wahl der Gefechtsform erfolgt durch die Beurteilung der Lage in jeder Geländekammer. Dabei ist es wesentlich, dass der Kommandant von einer Deckung (Geländekante/Hauseck bei Eintritt in die Geländekammer) bis zur nächsten (Geländekante am Ende der Geländekammer) beurteilt. Die Denkweise der Kommandanten zur Beurteilung des Geländes muss wie folgt - kurz und bündig - lauten:

„Einfluss des Geländes auf die Einsatzführung des Gegners hinsichtlich:

  • Beobachtung: Der Gegner kann von … bis … beobachten;
  • Feuer: Der Gegner kann aus ... und ... bis … wirken;
  • Deckung: Der Gegner kann seine Stellungen im Raum … und … verdeckt beziehen;
  • Bewegung: Der Gegner kann sich in den Räumen … und … offen bzw. gedeckt bewegen.“

Darauf bauen die folgenden Überlegungen zur eigenen Lage auf:

„Einfluss des Geländes auf die eigene Einsatzführung hinsichtlich:

  • Beobachtung: Ich kann von … bis … beobachten;
  • Feuer: Ich kann aus ... und ... bis … wirken;
  • Deckung: Ich kann meine Stellungen im Raum … und … verdeckt beziehen;
  • Bewegung: Ich kann mich in den Räumen … und … offen bzw. gedeckt bewegen.“

Mit dieser kurzen Beurteilung erwägt der Kommandant alle Möglichkeiten, die das Gelände ihm und dem Gegner bietet. Er wählt nun jenen Weg, auf dem er das Gelände optimal in der entsprechenden Gefechtsform ausnützen, die möglichen Wirkungsbereiche des Gegners aussparen und die nächste Geländekante bzw. Deckung gewinnen kann.

Eine Gruppe geht mit Feuer und Bewegung, im scharfen Schuss unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen vor. (Grafik: Ziegler, Montage: Rizzardi) Die Sicherheitslinie beträgt 700 Strich (500 für das Vorbeischießen und 200 für den Fehlschusswinkel). In der Ausbildung wird diese Linie auf 800 Strich/45° vergrößert. Folgerung: Der Seitenabstand zwischen den Schützen beträgt, wie der Tiefenabstand zwischen den Gruppenhälften, acht Schritte.
Eine Gruppe geht mit Feuer und Bewegung, im scharfen Schuss unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen vor. (Grafik: Ziegler, Montage: Rizzardi) Die Sicherheitslinie beträgt 700 Strich (500 für das Vorbeischießen und 200 für den Fehlschusswinkel). In der Ausbildung wird diese Linie auf 800 Strich/45° vergrößert. Folgerung: Der Seitenabstand zwischen den Schützen beträgt, wie der Tiefenabstand zwischen den Gruppenhälften, acht Schritte.

Zugsgefechtsformen

Die Zugsgefechtsformen setzen sich aus den Gruppengefechtsformen zusammen. Bei der Beurteilung, welche eingenommen wird ist entscheidend, von wo die eigenen Kräfte bedroht werden. Ist die richtige Zugsgefechtsform für dasjeweilige Gelände gewählt, bringt der Zugskommandant immer zumindest drei Gruppen in kürzester Zeit zum Zusammenwirken.

Folgerungen
Mit den im ÖBH vorhanden Gruppen- und Zugsgefechtsformen kann gegen alle auf dem Marsch im Gelände auftretenden Feindmöglichkeiten - mit der richtigen Wegwahl und Gefechtsform - optimal reagiert werden. Niemand braucht etwas Neues erfinden, sondern nur die, in der Ausbildung vermittelten Gefechtstechniken, drillmäßig anwenden.

Vorgehen als Spitzengruppe, Seitensicherung und Nachspitze

Die Jägergruppe geht so von der Schützenreihe in die Schützenkette über, dass die Waffenbedienungen nicht getrennt werden. (Grafik: Ziegler, Montage: Rizzardi)
Die Jägergruppe geht so von der Schützenreihe in die Schützenkette über, dass die Waffenbedienungen nicht getrennt werden. (Grafik: Ziegler, Montage: Rizzardi)

Damit sich eine Gruppe im gesicherten Fußmarsch auf dem Gefechtsfeld bewegen kann, muss sie die folgenden Techniken beherrschen:

  • Gefechtsformen;
  • Überschlagendes Vorgehen;
  • Geländeausnützung;
  • Vorgehen in Schützenreihe mit
  • Nahsicherern.

In den folgenden Absätzen werden Überlegungen zu Standardsituationen und die Voraussetzungen, um diese zu beherrschen, dargestellt. Es handelt sich nicht um eine detaillierte Betrachtung, sondern um wesentliche Fakten, die in der Praxis nicht immer ausreichend berücksichtigt werden.

Nahsicherer
Die Grundlage für das Vorgehen mit Nahsicherern bilden die Gefechtsformen. Wird die Beurteilung der Lage bezüglich der Gefechtsformen beherrscht, so ist das Vorgehen mit Nahsicherern keine Herausforderung. Bei ihrem Einsatz ist der Abstand zum Rest der Gruppe von entscheidender Bedeutung: Er muss einerseits so groß sein, dass die Gruppe noch handlungsfähig ist, wenn die Nahsicherer bekämpft werden. Andererseits muss der Kommandant immer Sichtverbindung zu ihnen haben und den Zusammenhalt der gesamten Gruppe wahren. Geländebedingt können die Abstände stark variieren.

Gefährliche Geländeteile

Darunter versteht man Räume, in denen eigene Kräfte durch feindliche Waffenwirkung hohe Verluste erleiden würden sowie eine rasche und wirkungsvolle eigene Reaktion wegen der nachteiligen Geländegegebenheiten erschwert ist. Ein Beispiel dafür ist eine freie Fläche, die von eigenen Kräften passiert werden muss und von einer überhöhten Position leicht vom Gegner unter Feuer genommen werden kann.
Ist ein solches Gelände zu überwinden, sind die folgenden Gefechtstechniken entscheidend:

  • Gefechtsformen;
  • Geländeausnützung;
  • Überschlagendes Vorgehen;
  • Feuerkampf aus der Bewegung.

Die Grundlage des Handelns bilden auch hier die Gefechtsformen. Werden diese dem Gelände entsprechend richtig gewählt, muss lediglich beurteilt werden, welcher Weg zum Übersetzen bzw. Umgehen am günstigsten ist. Zu beachten ist, dass beim Gewinnen solcher Geländeteile der Zusammenhalt der eigenen Kräfte gewahrt bleibt.
Durch Erfahrungen im Rahmen von Übungen, gilt die folgende Faustregel für die Größe eines gefährlichen Geländeteiles, der selbstständig zu überwindenden ist:

  • Grp: 70 x 70 m;
  • Zg: 300 x 300 m;
  • Kp: alles darüber.

Diese Angaben entsprechen auch der maximalen Ausdehnung der Gefechtsformen dieser Elemente. Ein Überdehnen der Kräfte führt zum Verlust des Zusammenhanges der eigenen Teile und somit zum Verlust der Führungsfähigkeit des Kommandanten. In weiterer Folge wird das gefechtstechnische Führungsverfahren für einen gefährlichen Geländeteil dargestellt, der durch den Zug zu überwinden ist.

Personenkontrolle
Die Personenkontrolle und die Techniken zum Durchsuchen von einzelnen Personen, aber auch von Gruppen, müssen beherrscht werden. Um solche Kontrollen durchführen zu können, ist es lagebedingt erforderlich, eine Sicherung einzusetzen. Wird dafür eine oder mehrere Gruppe(n) benötigt, kann eine solche Aktion zur Zugsaufgabe werden und das Erreichen des Marschzieles wesentlich verzögern.

Verhalten bei Sperre/IED
Um den Gefährdungen, die hier auftreten, situationsgerecht zu begegnen, benötigt man: die Gefechtsformen, die Geländeausnutzung, das überschlagende Vorgehen und den Feuerkampf aus der Bewegung. Die Basis für das weitere Verhalten bei einer Sperre/IED bilden die Gefechtsformen. Die Beurteilung erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie beim gefährlichen Geländeteil. Als wesentlicher Punkt muss zusätzlich beurteilt werden, aus welchen Räumen vor die Sperre gewirkt und beobachtet werden kann. Diese müssen aus der Flanke und/oder dem Rücken in Besitz genommen werden, um den Gegner zu überraschen. Der Einfluss des Geländes auf die gegnerische Einsatzführung wird hinsichtlich folgender Punkte beurteilt:

  • Feuer: Wo können Richtsplitterladungen/Minensperren eingesetzt werden bzw. Infanterie- und Panzerabwehrwaffen vor die Sperre/das IED wirken?
  • Beobachtung: Von wo aus kann ein Gegner eine Richtsplitterladung beobachten bzw. zünden?
  • Deckung und Bewegung: Wo sind günstige und gedeckte Absetzwege für den Gegner?

Der Einsatz von Pionieren zum Räumen der Sperre kann erst dann erfolgen, wenn alle Geländeteile, aus denen vor und auf die Sperre gewirkt werden kann, in eigener Hand oder weggeblendet sind (durch den Einsatz von Nebel der Sicht entzogen; Anm.) oder bei gegnerischem Feuer sofort durch eigene Kräfte niedergehalten werden können.

Beurteilung von IED durch die Kampftruppe
Die Abkürzung IED steht für Improvised Explosive Devise - Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung. Es handelt sich dabei um eine Waffe bzw. ein Kampfmittel, das durch den Gegner über einen Fernzündmechanismus ausgelöst wird. Es gilt, den Kämpfer, der es einsetzt, zu bekämpfen und nicht das IED selbst. Gegen marschierende Truppen können IED als provisorische

  • Panzerabwehrrichtmine,
  • Richtsplitterladung oder
  • Schützenmine eingesetzt werden.

Sie finden vor allem bei irregulären Gruppierungen ihre Verwendung, die über keine (oder nur wenige) Kampfmittel verfügen und sich diese selbst bauen müssen. Somit gelten für die Beurteilung der IED-Lage dieselben Kriterien wie für alle anderen Kampfmittel. Bei Sperren ist immer mit IED zu rechnen.

Fazit

Nach diesen Ausführungen wird ersichtlich, dass jene Truppe, deren Spitze nur auf dem Weg marschiert, sich genauso verhält, wie es der Gegner erwartet. Sie wird zum Opfer und erleidet Verluste bzw. wird vernichtet, ohne dem Gegner zu schaden, weil sie gegen die Grundsätze: Überraschung, Initiative und Schwergewichtsbildung verstoßen hat. Darüber hinaus wird sie oft gegen denselben Gegner kämpfen, weil dieser ausweichen kann.


Major Markus Ziegler, MA ist Hauptlehroffizier am Institut Jäger an der Heerestruppenschule.

Eine Jägergruppe bezieht Stellung in der Schützereihe. (Foto: ÖBH)
Eine Jägergruppe bezieht Stellung in der Schützereihe. (Foto: ÖBH)
 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Kauf Michael // 18.03.2016, 14:53 Uhr S.g. Kameraden/innen!
    Habe mich schon gewundert, wo der TRUPPENDIENST bleibt - und bin nach dem Lesen des ersten Artikels positiv überrascht/erfreut. Relaunch gelungen!
    Zum Artikel "gesicherter Fußmarsch" ein Kompliment: Alles gut erklärt, übersichtlich und gut begründet. War zu meiner Zeit (EF 1977) alles noch etwas einfacher ...
    Wünsche daher guten Start und weiteren Erfolg!
    M. Kauf, OltdRes